{"id":47202,"date":"2019-03-10T14:08:24","date_gmt":"2019-03-10T13:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=47202"},"modified":"2022-07-03T19:51:58","modified_gmt":"2022-07-03T17:51:58","slug":"fukuyama-und-das-offensichtliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=47202","title":{"rendered":"Fukuyama und das Offensichtliche."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Das Einzige, was populistischen Parteien (sic) verbindet, ist die Frage der Migration. Viele meinen, dass Ausl\u00e4nder ihre nationale Identit\u00e4t bedrohen, und das \u00f6ffnet die Debatte, was Identit\u00e4t sein sollte. Dieses Thema steht im Zentrum des Populismus. Es gibt \u00f6konomische Faktoren, die ihn befeuern, das hat mit Globalisierung zu tun, mit Outsourcing und dem Anwachsen von Ungleichheit. Die Frage ist aber, warum das nicht sozialistische und kommunistische Parteien gest\u00e4rkt hat, die \u00fcblicherweise Einkommen von den Armen zu den Reichen (sic) umverteilen. Warum profitiert der rechte Populismus derart? Der Grund hat meines Erachtens mit Identit\u00e4t zu tun. Den rechten Parteien ist es gelungen, den wirtschaftlichen Abstieg der Mittelklassen kulturell und nicht wirtschaftlich zu interpretieren. Sie haben dort politisch profitiert, wo die linken Parteien Schw\u00e4chen haben.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die Wahrheit ist: Ein Kapitalismus, der nicht begleitet wird von einem umverteilenden und regulierenden Staat, produziert immer mehr und mehr Ungleichheit, die irgendwann die Legitimit\u00e4t des Systems untergr\u00e4bt. Erfolgreiche Demokratien sind Wohlfahrtsstaaten, die Leute mit Krankenversicherung, Pension und andere sozialen Ma\u00dfnahmen sch\u00fctzen. In den 1980er Jahren wurden mit dem Erfolg von Liberalen wie Thatcher und Reagan viele dieser Schutzma\u00dfnahmen gekappt. Ehrlicherweise muss man erg\u00e4nzen, dass viele Sozialdemokraten ihre eigene Politik untergraben haben, weil sie riesige Defizite aufget\u00fcrmt haben. Fakt ist aber, dass die Ungleichheit speziell in Gro\u00dfbritannien und den USA auf schockierende Weise gestiegen ist. Deshalb sollten wir wieder zu einer st\u00e4rkeren Umverteilungspolitik zur\u00fcckkehren.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Rechte m\u00fcssten ihre populistische Annahme beenden, dass Nationalit\u00e4t auf ethnischer Herkunft und traditionellen Werten beruht. Denn die europ\u00e4ische Gesellschaft ist zu divers, um so zu funktionieren. Auf der Linken gibt es keine Bereitschaft, den Bedarf von so etwas wie einer nationalen Identit\u00e4t \u00fcberhaupt zu akzeptieren. F\u00fcr sie l\u00f6st schon der Begriff \u201eNation\u201c Erinnerungen an den Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts aus. Aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden ist man da dagegen, aber ich denke, man braucht eine nationale Identit\u00e4t, die auf universalen demokratischen Ideen basiert. Denn wir brauchen eine Grundlage, die ein Land zusammenh\u00e4lt.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Wenn man offene Grenzen in Europa will, muss man die Au\u00dfengrenzen sch\u00fctzen. Da hat die EU bisher versagt. Nachdem die Balkan-Route geschlossen wurde, sind die Leute \u00fcber Griechenland und Italien nach Europa gekommen und haben sich an der Mittelmeer-K\u00fcste angeh\u00e4uft. Es ist kein Wunder, dass das Ergebnis jemand wie Matteo Salvini ist, wenn die gesamte Last von den schw\u00e4cheren L\u00e4ndern getragen wird. Generell halte ich es f\u00fcr wichtig, Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen, reiche L\u00e4nder haben eine Verpflichtung, sie zu retten.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Der Politologe und Stanford-Professor Francis Fukuyama in einem luziden <a title=\"\" href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/2968677\/\">science.orf.at-Interview<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Anmerkung 1:<\/strong> Im ersten Absatz wurde Fukuyama offensichtlich falsch zitiert. Damit Fukuyamas Aussage Sinn ergibt, m\u00fcsste es hei\u00dfen: &#8220;Die Frage ist aber, warum das nicht sozialistische und kommunistische Parteien gest\u00e4rkt hat, die \u00fcblicherweise Einkommen von den Reichen zu den Armen (sic) umverteilen.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung 2:<\/strong> Das Wort &#8220;Nation&#8221; konnotiert im Englischen weniger stark mit Blut als im Deutschen. Die Definition einer nationalen Identit\u00e4t, wie sie Fukuyama hier beschreibt, entspricht dem Konzept der Willensnation, die im nationalistischen Sinne keine Nation ist.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Zur Lage der Nation.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36973\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Was ist Links?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29291\"><code>02<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Einzige, was populistischen Parteien (sic) verbindet, ist die Frage der Migration. Viele meinen, dass Ausl\u00e4nder ihre nationale Identit\u00e4t bedrohen, und das \u00f6ffnet die Debatte, was Identit\u00e4t sein sollte. Dieses Thema steht im Zentrum des Populismus. 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