{"id":49,"date":"2006-02-25T00:20:04","date_gmt":"2006-02-24T23:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.selbstbestimmung.net\/?p=49"},"modified":"2022-11-17T19:41:56","modified_gmt":"2022-11-17T18:41:56","slug":"sprachwiderstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49","title":{"rendered":"Str\u00e4ubnis."},"content":{"rendered":"<p>Die Nachricht <a title=\"Stol.\" href=\"http:\/\/www.stol.it\/nachrichten\/artikel.asp?ArtID=73629&amp;KatID=da&amp;SID=13076420592592288160\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">[i]<\/a> hat in den letzten Tagen die Runde gemacht: Italienische Sch\u00fcler aus Bozen schneiden mit ihren Deutschkenntnissen schlechter ab als ihre Kollegen in Trient. Eine Welle der Emp\u00f6rung geht mit unterschiedlichen Vorzeichen durch die S\u00fcdtiroler Gesellschaft, als h\u00e4tte man es nicht gewusst: Wir leben in einer ethnischen Scheinehe, die dann am besten funktioniert, wenn man sich m\u00f6glichst wenig \u00fcber den Weg l\u00e4uft. Dies gilt besonders f\u00fcr die Landeshauptstadt, weil dort im Rahmen einer surrealen Realit\u00e4tsferne die Gettisierung und Abschottung der Italiener am besten gegriffen hat: Man w\u00e4hnt sich in einem Land, das es so nicht gibt, in einem Zustand, den es nie gegeben hat und mit einer Wunschvorstellung nationaler Homogenit\u00e4t, die es so nie [wieder] geben wird.<\/p>\n<p>Wie konnte es dazu kommen? Die Autonomie, von ihren Machern ohne R\u00fccksicht auf Verluste ein- und durchgef\u00fchrt, musste tats\u00e4chlich vor allem eines: Deutsche und Ladiner vor dem Untergang bewahren. Der zweite Schritt, n\u00e4mlich als Konsequenz der gescheiterten Assimilierungs- und Majorisierungspolitik des faschistischen Regimes eine neue S\u00fcdtiroler Gesellschaft zu formen, wurde in der Hitze des Gefechtes nie oder bei weitem nicht im befriedigenden Ausma\u00df gewagt. Die einen wollten nicht mit den Nachkommen der T\u00e4ter fraternisieren, ein Schemendenken, das dem Leid vieler regelrecht importierter Italiener nicht Rechnung tr\u00e4gt. W\u00e4hrend die anderen nicht akzeptieren konnten, zugunsten \u00bbFremder\u00ab auf ihre ehemaligen Privilegien verzichten zu m\u00fcssen. Die notwendige positive Diskriminierung, wie sie heute in der Geschlechtergleichstellung (unzureichend) praktiziert wird, wurde mangels Einbindung von vielen fehlverstanden.<\/p>\n<p>Nun war diese Trennung ob eines Jahrzehnte w\u00e4hrenden Kr\u00e4ftemessens mitunter vonn\u00f6ten. Einem ernsthaften Fortschritt dieser Gesellschaft jedoch kann sie nur noch im Wege stehn. Die Antwort auf die <em>Eurac<\/em>-Sprachstudie kann und darf demnach nicht erneut symptomorientiert sein. Nicht mehr und nicht besser muss der Deutschunterricht an italienischen Schulen vordergr\u00fcndig werden. Nichts anderes w\u00e4re das, als eine Versch\u00e4rfung der gescheiterten Zwangsbegl\u00fcckung. Das f\u00fcr ein zweisprachiges Modell besch\u00e4mende Ergebnis \u2013 so partiell es auch sein mag \u2013 muss eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Ursachen zur Folge haben. Die Zeit ist reif f\u00fcr eine gemeinsame Aufarbeitung der getrennten Gegenwart und f\u00fcr eine entschiedene Einarbeitung s\u00e4mtlicher Sprachgruppen in die spezielle und kulturautonome Realit\u00e4t dieses Landes. Das muss und darf nicht im Kniefall enden, sondern in der Einsicht, dass ein gemeinsames Bewusstsein f\u00fcr die Zukunft dieses Landes unerl\u00e4sslich ist. Und das kann nicht in Rom und Wien ausgetragen werden, sondern im Hier und Jetzt der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr unsere Lebensbedingungen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachricht [i] hat in den letzten Tagen die Runde gemacht: Italienische Sch\u00fcler aus Bozen schneiden mit ihren Deutschkenntnissen schlechter ab als ihre Kollegen in Trient. 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