{"id":49095,"date":"2019-06-12T08:24:14","date_gmt":"2019-06-12T06:24:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49095"},"modified":"2021-05-18T06:47:46","modified_gmt":"2021-05-18T04:47:46","slug":"finanzabkommen-weder-spatz-noch-taube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49095","title":{"rendered":"Finanzabkommen: Weder Spatz noch Taube?"},"content":{"rendered":"<p>Vor rund f\u00fcnf Jahren hat der Landeshauptmann mit Rom ein <a title=\"Das Finanzabkommen im Wortlaut.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21231\">Finanzabkommen<\/a> abgeschlossen, mit dem er S\u00fcdtirol nicht nur verpflichtet hat, j\u00e4hrlich mit fast einer halben Milliarde zur Tilgung der italienischen Staatsschulden beizutragen, sondern auch auf 1,5-3,0 Milliarden verzichtet hat, die der Staat dem Land (also uns allen) noch geschuldet h\u00e4tte. Die Ratio dieser Entscheidung <a title=\"Hier verzichten, dort draufzahlen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21257\">war damals<\/a>: Der Staat hat das Geld sowieso nicht, also h\u00e4tten wir es ohnehin nicht bekommen. Das ist merkw\u00fcrdig, denn offiziell zahlungsunf\u00e4hig war Italien nie.<\/p>\n<p>Um deutlich zu machen, um wie viel Geld es da geht:<\/p>\n<ul>\n<li>Die italienischen Staatsschulden belaufen sich auf rund 38.400 Euro pro Kopf (Quelle: italiaora.org). Das entspricht ca. 132% des BIP.<\/li>\n<li>Bei 520.000 Einwohnerinnen entspricht der Anteil an den Staatsschulden, der auf S\u00fcdtirol entfallen w\u00fcrde, knapp 20 Milliarden Euro (38.400\u00d7520.000).<\/li>\n<li>Mit dem Finanzabkommen haben wir auf mindestens 1,5 Milliarden sofort verzichtet und m\u00fcssen von 2015 bis einschlie\u00dflich 2022* j\u00e4hrlich rund 475 Millionen zur Tilgung der Staatsschulden beitragen. Macht zusammen (mindestens) 5,3 Milliarden.<\/li>\n<li>Ende 2022 h\u00e4tte unser Land also theoretisch nur noch 14,7 Milliarden (20 Mrd. minus 5,3 Mrd.) Schulden als Anteil an der italienischen Staatsschuld. Also weniger als 28.300 Euro pro Kopf. Das w\u00e4re eine Senkung um rund 26% auf unter 100% des durchschnittlichen italienischen BIP (Wert: 2018).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Stattdessen werden wir von alledem gar nix haben, denn das Geld verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Schlund der gesamtstaatlichen Staatsschuld. Dass es sinnvoll gewesen w\u00e4re, eine Trennung \u2014 eine Art Schuldensezession \u2014 vorzunehmen, hatten wir hier <a title=\"Finanzabkommen: Zukunft verspielt?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21287\">schon 2014<\/a> geschrieben, aber das ist jetzt nat\u00fcrlich m\u00fc\u00dfig.<\/p>\n<p>Zudem war es nat\u00fcrlich \u2014 richtig: \u2014 unrealistisch.<\/p>\n<p>Wozu aber jetzt diese ganze Abhandlung? Wegen des irref\u00fchrenden Arguments, dass wir die uns zustehenden 1,5-3,0 Milliarden Euro sowieso nicht mehr bekommen h\u00e4tten, weil \u00bbder Staat das Geld nicht hat\u00ab. Wie wir alle wissen, hat die blaugelbe Regierung k\u00fcrzlich das sogenannte B\u00fcrgerinneneinkommen eingef\u00fchrt, das \u2014 obwohl es in S\u00fcdtirol <a title=\"Daten zum B\u00fcrgerinneneinkommen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=47862\">so gut wie gar nicht<\/a> in Anspruch genommen werden wird \u2014 laut aktuellem <em>Bankitalia<\/em>-Bericht rund sieben Milliarden Euro im Jahr kosten soll. Die ebenfalls eingef\u00fchrte Quote 100 wird allein 2019 etwa viereinhalb Milliarden kosten, Tendenz steigend (Quelle: linkiesta.it).<\/p>\n<p>Ich will damit nicht sagen, dass die Regierung auf ihre populistischen Ma\u00dfnahmen, die alles andere als ein Beitrag zur Schuldentilgung sind, verzichtet h\u00e4tte, um uns das zur\u00fcckzubezahlen, was uns zugestanden h\u00e4tte. Aber der Staat war und ist (noch) nicht zahlungsunf\u00e4hig und die Erkl\u00e4rung, wir h\u00e4tten auf kein Geld verzichtet, weil es ohnehin nicht da war, ist eine M\u00e4r. Es geht um politischen Willen und um Rechtsstaatlichkeit.<\/p>\n<p>So hingegen haben wir weder die Taube auf dem Dach, noch den Spatz in der Hand: wir zahlen italienische Staatsschulden ab, w\u00e4hrend Di Maio und Salvini munter ihre populistischen Ma\u00dfnahmen umsetzen und das Loch weiter vergr\u00f6\u00dfern. Als n\u00e4chstes kommt dann die <em>Flat Tax,<\/em> die <a title=\"Die \u2018Flat-Tax\u2019-Gefahr und die Steuerhoheit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=41468\">als Nebenwirkung<\/a> auch noch den Landeshaushalt sprengen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber ich will ja nicht schwarzmalen.<\/p>\n<p><em><small>*) Damit ist diese Verpflichtung aber keineswegs beendet. Nur der Betrag wird dann neu ermittelt.<\/small><\/em><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Finanzabkommen: Feierlaune.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22715\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Absicherungen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25609\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Sicherungspakt: Landeshaushalt schrumpft.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26415\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Wieviele Milliarden, Herr LH?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22110\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"A propos Vertragssicherheit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21364\"><code>05<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor rund f\u00fcnf Jahren hat der Landeshauptmann mit Rom ein Finanzabkommen abgeschlossen, mit dem er S\u00fcdtirol nicht nur verpflichtet hat, j\u00e4hrlich mit fast einer halben Milliarde zur Tilgung der italienischen Staatsschulden beizutragen, sondern auch auf 1,5-3,0 Milliarden verzichtet hat, die der Staat dem Land (also uns allen) noch geschuldet h\u00e4tte. 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