{"id":54606,"date":"2020-02-02T22:51:39","date_gmt":"2020-02-02T21:51:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=54606"},"modified":"2025-09-17T17:55:34","modified_gmt":"2025-09-17T15:55:34","slug":"eine-europaische-schule-fur-sudtirol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=54606","title":{"rendered":"Eine \u203aEurop\u00e4ische Schule\u2039 f\u00fcr S\u00fcdtirol?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Eine mehrsprachige Schule wird in S\u00fcdtirol seit Langem gefordert, in verschiedenster Gestalt. Mehrsprachige Schulen sind modern und trendy. Wohlfeil ist das Etikett <em>\u201eeurop\u00e4isch\u201c,<\/em> obwohl sich darunter gemeinhin nur ein massiver Einsatz von Englisch als Unterrichtssprache verbirgt. Das macht uns zwar fit f\u00fcr die Globalisierung, aber ist die Schule dann schon \u201eeurop\u00e4isch\u201c? Der letzte Vorschlag in diese Richtung stammt vom <em>Team K,<\/em> das mit einem Beschlussantrag (im Landtag am 4. Februar 2020) eine \u201eEurop\u00e4ische Schule\u201c f\u00fcr S\u00fcdtirol fordert. Damit soll die Mehrsprachigkeit gef\u00f6rdert und den Sch\u00fclern eine Gelegenheit geboten werden, in ein mehrsprachiges Umfeld einzutauchen. Die Europ\u00e4ische Schule, betonte Einbringer Alex Ploner bei der Vorstellung des Beschlussantrags am 31. J\u00e4nner 2020, \u201ew\u00fcrde die derzeitige Struktur des Schulwesens nicht ver\u00e4ndern, sondern ein zus\u00e4tzliches Angebot zum heute bestehenden schaffen.\u201c Auch eine \u00c4nderung von Art. 19 des Autonomiestatuts sei nicht n\u00f6tig. Passt eine solche Schulform f\u00fcr S\u00fcdtirol und w\u00fcrde sie das heutige System optimal erg\u00e4nzen? Hier sechs Einw\u00e4nde:<\/p>\n<ol>\n<li>Europ\u00e4ische Schulen sind seit 1953 dort gegr\u00fcndet worden, wo EU-Institutionen ihren Standort haben, sind ganz eigene Rechtssubjekte und bis heute im Kern Schulen f\u00fcr die Mitarbeiterinnen dieser EU-Einrichtungen. Die Lehrpersonen stammen von den nationalen Schulbeh\u00f6rden, die Schulen werden von den EU-Staaten getragen und finanziert. S\u00fcdtirol hat keine EU-Institution und keine bunte Eurokratenschar zu bedienen. Wozu also eine solche Schule?<\/li>\n<li>Das <em>Team K<\/em> bezieht sich in seinem Vorschlag vor allem auf sogenannte <em>\u201eAnerkannte Europ\u00e4ische Schulen\u201c.<\/em> Als solche k\u00f6nnen auch nationale Schulen akkreditiert werden, sofern sie den p\u00e4dagogischen Anforderungen von Europ\u00e4ischen Schulen entsprechen. Sie sind aber vollst\u00e4ndig Teil des nationalen Bildungssystems und haben mit der EU finanziell und administrativ nichts zu tun. Wiederum stehen die zw\u00f6lf heute in der EU existierenden Schulen dieser Art fast ausschlie\u00dflich an Standorten von EU-Institutionen. Im Rahmen des S\u00fcdtiroler Schulsystems w\u00fcrde eine solche Schule sowohl administrativ wie inhaltlich aus der Reihe fallen und eine eigene rechtliche Regelung erfordern.<\/li>\n<li>Nur um mehr Fremdsprachen einzusetzen, braucht keine S\u00fcdtiroler Schule sich als \u201eEurop\u00e4ische Schule\u201c anerkennen zu lassen. So steht z.B. in der Bozner Pascoli-Oberschule so viel <abbr title=\"Content and Language Integrated Learning\">CLIL<\/abbr> auf dem Programm, dass sie klassische \u201eEurop\u00e4ische Schulen\u201c schon \u00fcbertrifft, die im Wesentlichen muttersprachliche Sektionen haben. Ohne trendiges Etikett steht es den S\u00fcdtiroler Schulen heute schon frei, mehr Sachfachunterricht in zwei anderen Sprachen einzuf\u00fchren oder einfach nur den Fremdsprachenunterricht zu verbessern.<\/li>\n<li>Im Kern sind S\u00fcdtirols Schulen aller drei Sprachgruppen im Grunde schon ziemlich \u201eeurop\u00e4isch\u201c im Sinne der EU-Vorgabe Muttersprache +2. L2 und L3 werden hierzulande mehr und besser gelernt als in vielen L\u00e4ndern Europas, ganz zu schweigen von anderen Regionen Italiens (mit Ausnahme des Aostatals). Wenn das <em>Team K<\/em> hingegen unter dem Etikett \u201eeurop\u00e4isch\u201c eigentlich internationale Schulen mit sehr viel Englisch als Unterrichtssprache anstrebt, sollte es das sagen. Das k\u00e4me dann den W\u00fcnschen des Unternehmerverbandes (UVS) entgegen, der Spezialschulen f\u00fcr seine ausw\u00e4rtigen Mitarbeiter fordert, nicht aber einer eigenst\u00e4ndigen Bildungspolitik.<\/li>\n<li>Das <em>Team K<\/em> behauptet, dass \u201eEurop\u00e4ische Schulen\u201c keine \u00c4nderung von Art. 19 des Autonomiestatuts erfordern w\u00fcrden (zwei eigenst\u00e4ndige muttersprachliche Schulsysteme plus das in den ladinischen Ortschaften). Dies trifft zum Teil zu, weil interessanterweise auch in den Europ\u00e4ischen Schulen vorwiegend in der Muttersprache der Jugendlichen unterrichtet wird. Zum Teil aber nicht, weil in einigen F\u00e4chern gemeinsamer Unterricht f\u00fcr alle in anderen Sprachen stattfindet. Ein solch zus\u00e4tzliches Angebot ins S\u00fcdtiroler Bildungssystem einzuf\u00fcgen, geht nicht ohne \u00c4nderung des Statuts.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich die Frage der \u201eErg\u00e4nzung des bestehenden Schulsystems\u201c durch eine Europ\u00e4ische Schule. Zum ersten gen\u00fcgt nicht die Einf\u00fchrung einer einzigen Schule dieser Art (Alex Ploner will sie am besten im Bozner Bahnhofspark platzieren), denn in S\u00fcdtirol gibt es ein gutes Dutzend Oberschultypen. Warum sollte ein Realgymnasium nach diesem Modell funktionieren, eine Fachoberschule f\u00fcr Wirtschaft aber nicht? Warum sollte eine Europ\u00e4ische Schule nur f\u00fcr die Bozner geschaffen werden, und nicht auch f\u00fcr alle \u00fcbrigen Landesteile? Damit zum zweiten Bedenken: ganz neue Schulformen mischen ein bew\u00e4hrtes System unn\u00f6tig auf. \u201eErg\u00e4nzung\u201c geht nicht. Alles, was die Einf\u00fchrung einer neuen Schulform bewirken w\u00fcrde, ist eine ruin\u00f6se interne Konkurrenz, wie dies Simon Constantini schon 2016 in seinem Beitrag <a title=\"Zweisprachige Schule (II).\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=30232\">\u201eZweisprachige Schule \u2013 Individuum und Gesellschaft\u201c<\/a> zum Buch \u201eMehr Eigenst\u00e4ndigkeit wagen\u201c ausgef\u00fchrt hat. \u00dcberdies ist das <em>Team K<\/em> den Nachweis schuldig, dass die heutige S\u00fcdtiroler Schule zu geringe Qualit\u00e4t und zu geringe Fremdsprachenkenntnisse produziert.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Schlussfolgerung zum Vorsto\u00df des <em>Team K<\/em> liegt somit auf der Hand. S\u00fcdtirol braucht keine \u201eEurop\u00e4ische Schule\u201c. Unser Land ist weder Br\u00fcssel noch Luxemburg, weder eine Finanzmetropole noch eine Gro\u00dfstadt mit tausenden Businessnomaden. Seinen Bedarf an Erlernung der Zweit- und von Fremdsprachen kann S\u00fcdtirol auch mit dem heutigen Schulmodell decken. Warum sollte ein Schulmodell, das f\u00fcr eine sprachlich heterogene Zielgruppe wie das EU-Personal an Standorten von EU-Einrichtungen passt, f\u00fcr S\u00fcdtirol und seine besondere Minderheitensituation passen? Und warum sollten S\u00fcdtirols Jugendliche normaler Oberschulen pl\u00f6tzlich mit Absolventen solcher Schulen konkurrieren m\u00fcssen, wenn im gesamten deutschen Sprachraum nur ein Modell \u2014 die muttersprachliche Schule mit L2 und L3 als Fremdsprache \u2014 Standard ist? Wer denkt in Nordtirol, Graub\u00fcnden oder Bayern daran, aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden eine \u00f6ffentliche \u201eEurop\u00e4ische Schule\u201c in Konkurrenz zum bestehenden Schultyp einzurichten? Warum sollte unser heutiges Erfolgsmodell muttersprachlich eigenst\u00e4ndiger Schulen ohne Not aufgegeben werden oder halt einer internen Konkurrenz durch ein \u201eerg\u00e4nzendes Schulangebot\u201c ausgesetzt werden?<\/p>\n<p><small><em>Dieser Beitrag wurde am 3. Februar 2020 vom Autor \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt.<\/em><\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Die Europ\u00e4ische Schule. Und die Muttersprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=33920\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"In der Praxis nur einsprachig.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=39452\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Was bringt der Mehrsprachigkeitshype?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=34123\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Mehrsprachige Schule, Wunsch vs. Gesetzentwurf.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49175\"><code>04<\/code><\/a>&nbsp;<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Europ\u00e4isch oder englisch?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55232\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Immersion ist f\u00fcr Minderheiten nicht.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64168\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Nicht so internationaler Klassenzug.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=85413\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine mehrsprachige Schule wird in S\u00fcdtirol seit Langem gefordert, in verschiedenster Gestalt. 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