{"id":55789,"date":"2020-03-26T23:33:45","date_gmt":"2020-03-26T22:33:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55789"},"modified":"2022-01-29T12:39:44","modified_gmt":"2022-01-29T11:39:44","slug":"ich-hab-den-corona-blues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55789","title":{"rendered":"Ich hab&#8217; den Corona-Blues."},"content":{"rendered":"<p>Ich muss zugeben, ich habe mich geirrt und die ganze Angelegenheit untersch\u00e4tzt. Zu Beginn dachte ich, dass das Krisenmanagement allerorts einigerma\u00dfen geordnet verl\u00e4uft, aber inzwischen bewirkt die sogenannte Corona-Krise Dinge, die mir \u00fcberhaupt nicht gefallen und die ich so nicht habe kommen sehen. Neben der gesundheitlichen Ebene &#8211; die ohne Zweifel eine vorrangige ist &#8211; d\u00fcrfen wir soziale, demokratische und auch wirtschaftliche Entwicklungen nicht aus dem Blick verlieren &#8211; auch weil diese langfristig mit der gesundheitlichen Ebene verwoben sind.<\/p>\n<h6>Fatale Krisenkommunikation<\/h6>\n<p>Wir befinden uns zweifellos in einer Ausnahmesituation. Und gerade in solchen Krisenzeiten ist es wichtig, dass von Seiten der Politik und der Beh\u00f6rden sachliche, unzweideutige und koh\u00e4rente Botschaften ausgesendet werden. Dass skrupellose, populistische Selbstdarsteller wie Donald Trump [<a title=\"\" href=\"https:\/\/therecount.com\/watch\/trump-coronavirus-calendar\/2645515793\">Trump&#8217;s Coronavirus Calendar<\/a>]\u00a0genau das nicht k\u00f6nnen, wei\u00df man*. Aber die kommunikationstechnische Inkompetenz macht auch vor unseren Breiten nicht Halt und zahlreiche Verantwortungstr\u00e4ger schaffen es tats\u00e4chlich regelm\u00e4\u00dfig durch ihre Aussagen die ohnehin schon verunsicherten Menschen weiter zu verunsichern. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Ganz zu Beginn der Krise gab es in Innsbruck eine Episode, die damals noch f\u00fcr viele Lacher sorgte, im Nachhinein aber irgendwie bezeichnend f\u00fcr die Handhabung der Krise in Tirol wurde. Der erste Corona-Fall betraf eine Bedienstete des F\u00fcnf-Sterne-Hotels &#8220;Europa&#8221; am Innsbrucker Bahnhof. Sogleich wurde das Hotel am 26. Februar unter Quarant\u00e4ne gestellt. \u00a0Bei einem <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SZXzBs76qnA\">Live-Einstieg in die ZiB1<\/a> direkt vor dem Hotel berichtete der ORF-Reporter Klaus Sch\u00f6nherr von den Geschehnissen. Just in dem Moment, als er die Worte &#8220;Die Polizei kontrolliert die Ein- und Ausg\u00e4nge. Derzeit darf auch niemand hinein oder heraus&#8221; sprach, \u00f6ffnete sich hinter ihm die Hotelt\u00fcr und ein Mann mit einem Scooter verl\u00e4sst seelenruhig das Geb\u00e4ude und rollt davon. Ein Polizist h\u00e4lt ihm noch die T\u00fcr auf. Im Hintergrund h\u00f6rt man den Kameramann, wie er sich vor Lachen kaum noch einkriegen kann.<\/li>\n<li>Der \u00f6sterreichische Gesundheitsminister Rudolf Anschober <em>(Gr\u00fcne)<\/em> lie\u00df am 14. M\u00e4rz verlautbaren (<a href=\"https:\/\/www.tt.com\/artikel\/30723117\/anschober-bestaetigt-keine-ausgangssperren-auch-nicht-in-zukunft\">Quelle: TT<\/a>), dass es in \u00d6sterreich keine Ausgangssperren geben werde &#8211; auch in Zukunft nicht. Am 15. M\u00e4rz wurde dann in Tirol de facto eine Ausgangssperre verh\u00e4ngt (<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.tt.com\/artikel\/30723274\/was-die-de-facto-ausgangssperre-fuer-die-tiroler-bedeutet\">Quelle: TT<\/a>). Mittlerweile gilt diese mehr oder weniger in ganz \u00d6sterreich.<\/li>\n<li>Am 16. M\u00e4rz war der Tiroler <span class=\"rtr-schema-org\">Gesundheitslandesrat<\/span>\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Bernhard Tilg<\/span> (<abbr title=\"\u00d6sterreichische Volkspartei\">\u00d6VP<\/abbr>) in einer <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gXZTBTlsFHI\">Live-Zuschaltung bei Armin Wolf in der ZiB2<\/a>. Gebetsm\u00fchlenartig wiederholte Tilg immer und immer wieder, dass die Tiroler Beh\u00f6rden &#8220;alles richtig&#8221; gemacht h\u00e4tten. Nahezu auf jede Frage war &#8220;alles richtig gemacht&#8221; seine Antwort. Es war also richtig, dass die Landessanit\u00e4tsdirektion am 8. M\u00e4rz befand, dass &#8220;[e]ine \u00dcbertragung des Coronavirus auf G\u00e4ste der Bar [Anm.: Kitzloch in Ischgl] aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich [war].&#8221;\u00a0 Sie tat dies, obwohl Island bereits am 5. M\u00e4rz aufgrund infizierter, r\u00fcckgekehrter Tirolurlauber eine Warnung ausgab und die Tiroler Beh\u00f6rden verst\u00e4ndigte. Sie tat dies, obwohl ansonsten immer wieder betont wird, dass ein bis zwei Meter Abstand zwischen den Personen eine der wichtigsten Ma\u00dfnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sei, ein solcher Abstand jedoch in einer vollbesetzten Apr\u00e8s-Ski-Bar niemals zu gew\u00e4hrleisten ist. Sie tat dies, obwohl Ischgl (und St. Anton) nur wenige Tage sp\u00e4ter (am 13. M\u00e4rz) komplett unter Quarant\u00e4ne gestellt wurden. Zuvor lies man aber noch viele G\u00e4ste mit einer &#8220;Eigenerkl\u00e4rung&#8221; abreisen, in der eine unverz\u00fcgliche Ausreise verlangt wurde. Dass darunter aber auch hunderte Flugg\u00e4ste waren, die am selben Tag keinen Flug mehr erhielten und somit andernorts in Tirol (meist in Innsbruck) zur \u00dcbernachtung gezwungen waren, schien den &#8220;alles richtig machenden&#8221; Beh\u00f6rden entgangen zu sein. Bereits bevor die Quarant\u00e4ne f\u00fcr Ischgl und St. Anton verk\u00fcndet wurde, wussten die dortigen Tourismusverb\u00e4nde offenbar Bescheid und warnten ihre Mitglieder vor der Sperre. Hektisch schickten also auch noch viele Beherbergungsbetriebe ihre ausw\u00e4rtigen Mitarbeiterinnen aus dem Tal hinaus, was die ganze Quarant\u00e4ne-Aktion ad absurdum f\u00fchrte. Mittlerweile z\u00e4hlen Ischgl und der Arlberg zu den Hauptverbreitungsherden des Virus in Europa und hunderte (vielleicht tausende) Infektionen in Deutschland und Skandinavien lassen sich auf diese Orte zur\u00fcckverfolgen. Dennoch schrieben die Bergbahnen Lech\/Z\u00fcrs, die wie St. Anton zum Arlberger Skigebiet z\u00e4hlen, am Abend des 12. M\u00e4rz auf ihrer <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/lechzuers\/posts\/10158280997703447?__tn__=-R\">Facebookseite<\/a>, dass die Saison regul\u00e4r bis 26. April fortgef\u00fchrt werden w\u00fcrde. Zwei Tage sp\u00e4ter wurden die Lifte in Lech\/Z\u00fcrs beh\u00f6rdlich geschlossen.<\/li>\n<li>Am 20. M\u00e4rz hatte dann die \u00f6sterreichische Arbeitsministerin Christine Aschbacher ihren <a title=\"\" href=\"https:\/\/youtu.be\/iyiH_vSj5ps?t=516\">Auftritt bei Lou Lorenz-Dittlbacher in der Zeit im Bild 2<\/a>. Anstatt die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in der Krise mit klaren Informationen zu versorgen und dadurch auch ein St\u00fcck weit zu beruhigen, schaffte es die Ministerin auf so gut wie keine Frage der Journalistin zu antworten. Vielmehr gab sie &#8211; v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von der Frage &#8211; offenbar vorgefertigte Statements von sich, die meist davon handelten, wie hervorragend das Kurzarbeitsmodell der Regierung sei. Informationsgehalt gleich null.<\/li>\n<li>In Italien und auch S\u00fcdtirol gibt es \u00e4hnliche Verwirrung, vor allem was die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit bestimmter Aktivit\u00e4ten betrifft. Hierbei widersprechen sich die Informationen von Politik und Beh\u00f6rden bisweilen fundamental. Dies ist umso bedenklicher, da Vergehen gegen die Regierungsdekrete keine Verwaltungsstrafen nach sich ziehen, sondern strafrechtliche Tatbest\u00e4nde darstellen. In einem am 20. M\u00e4rz publizierten <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.brixen.it\/de\/news\/die-gemeinde-informiert-weitere-einschraenkungen-zur-bekaempfung-des-coronavirus---am-22-und-23-maerz-werden-die-oeffentlichen-flaechen-desinfiziert_27139\">Artikel<\/a> auf der Internetseite der Stadt Brixen hei\u00dft es:<br \/>\n<blockquote><p>\u201eDie Anschaffung von Lebensmitteln sowie auch die anderen noch erlaubten T\u00e4tigkeiten, sollen nicht zur Ausrede werden um Stundenlang (sic!) von zu Hause weg zu bleiben\u201c so der Kommandant der Stadtpolizei Gernot Wieland der nochmal daran erinnerte, dass f\u00fcr alle T\u00e4tigkeiten, die eine Bewegung von zu Hause erfordern, eine entsprechende Selbsterkl\u00e4rung notwendig ist. \u201eDie Devise lautet einfach: zu Hause bleiben und auf jede nicht unbedingt notwendige T\u00e4tigkeit zu verzichten; das betrifft sowohl Spazierg\u00e4nge als auch Sport im Freien\u201c so der Kommandant.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur gleichen Zeit liest man auf der offiziellen Internetseite der Regierung (<a href=\"http:\/\/www.governo.it\/it\/faq-iorestoacasa\">www.governo.it<\/a>) folgendes:<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u00c8 consentito fare attivit\u00e0 motoria?<\/strong><br \/>\nS\u00ec, l&#8217;attivit\u00e0 motoria all&#8217;aperto \u00e8 consentita purch\u00e9 non in gruppo. Sono sempre vietati gli assembramenti.<\/p>\n<p><strong>\u00c8 necessario avere con s\u00e9 l&#8217;autodichiarazione per andare a fare attivit\u00e0 motoria all&#8217;aperto?<\/strong><br \/>\nNo, l&#8217;attivit\u00e0 motoria all&#8217;aperto \u00e8 espressamente prevista dai decreti come consentita, quindi non \u00e8 necessaria alcuna autodichiarazione.<\/p><\/blockquote>\n<p>In einem anderen Punkt hei\u00dft es aber dann wieder:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Si pu\u00f2 uscire per fare una passeggiata?<\/strong><br \/>\nSi pu\u00f2 uscire dal proprio domicilio solo per andare al lavoro, per motivi di salute o per necessit\u00e0 ovvero per svolgere attivit\u00e0 sportiva o motoria all\u2019aperto. Pertanto le passeggiate sono ammesse solo se strettamente necessarie a realizzare uno spostamento giustificato da uno dei motivi appena indicati. Ad esempio, e giustificato da ragioni di necessit\u00e0 spostarsi per fare la spesa, per acquistare giornali, per andare in farmacia, o comunque per acquistare beni necessari per la vita quotidiana. Inoltre \u00e8 giustificata ogni uscita dal domicilio per l\u2019attivit\u00e0 sportiva o motoria all\u2019aperto. Resta inteso che la giustificazione di tutti gli spostamenti ammessi, in caso di eventuali controlli, pu\u00f2 essere fornita nelle forme e con le modalit\u00e0 dell\u2019autocertificazione, ove l\u2019agente operante ne faccia richiesta. La giustificazione del motivo di lavoro pu\u00f2 essere comprovata anche esibendo adeguata documentazione fornita dal datore di lavoro (tesserini o simili) idonea a dimostrate la condizione dichiarata. In ogni caso, tutti gli spostamenti sono soggetti al divieto generale di assembramento, e quindi dell&#8217;obbligo di rispettare la distanza di sicurezza minima di 1 metro fra le persone.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>In den j\u00fcngsten Richtlinien hei\u00dft es nun, dass Freiluftaktivit\u00e4ten nur noch in der N\u00e4he der eigenen Wohnung stattfinden d\u00fcrfen. Was &#8220;N\u00e4he&#8221; (ita: prossimit\u00e0) allerdings genau bedeutet, ist nicht geregelt. Dennoch soll bei Zuwiderhandlung sanktioniert werden. Beh\u00f6rdlicher Willk\u00fcr sind T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Vielerorts ist dann die 200-Meter-Marke als Definition f\u00fcr &#8220;N\u00e4he&#8221; aufgetaucht. Jedoch findet sich weder im <a href=\"http:\/\/www.governo.it\/it\/articolo\/coronavirus-firmato-il-dpcm-22-marzo-2020\/14363\">Dekret der Regierung<\/a> noch in der <a title=\"\" href=\"http:\/\/www.provinz.bz.it\/sicherheit-zivilschutz\/zivilschutz\/coronavirus-downloads-dokumente-zum-herunterladen.asp\">Verordnung des Landeshauptmannes<\/a> ein expliziter Hinweis auf diese Zahl, wie Christoph Franceschini in einem salto-Artikel mit dem Titel <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/23032020\/das-200-meter-maerchen\">&#8220;Das 200-Meter-M\u00e4rchen&#8221;<\/a> feststellt:<br \/>\n<blockquote><p>Als m\u00fcndiger B\u00fcrger muss man sich darauf verlassen k\u00f6nnen, von den Regierenden nicht mit M\u00e4rchen an der Nase herumgef\u00fchrt zu werden. Sondern dass Gesetze und Vorordnungen erlassen werden, die Schutz und Rechtssicherheit gleichzeitig gew\u00e4hren. Auch in Zeiten des Corona.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4r&#8217;s.<\/li>\n<li>Nebenbei hat die italienische Regierung ganz eigenwillige Priorit\u00e4ten, indem sie fast im Dreitagesrhythmus neue Eigenerkl\u00e4rungen herausbringt, die die B\u00fcrger mitzuf\u00fchren haben. Als ob wir keine anderen Sorgen h\u00e4tten. Zus\u00e4tzlich zu den teilweise verwirrenden Regelungen muss man also auch noch darauf achten, die richtige Eigenerkl\u00e4rung dabei zu haben &#8211; wenn \u00fcberhaupt noch Tinte im Drucker ist. Ein <a title=\"Ausufernde Virokratie.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55865\">b\u00fcrokratischer Schwachsinn<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Liste lie\u00dfe sich noch ziemlich lange fortsetzen.<\/p>\n<h6>Gef\u00e4hrliche Vernunftpanik<\/h6>\n<blockquote><p>Vernunftpanik ist die \u00fcberdrehte Stufe von tats\u00e4chlich sinnvollem Handeln. Vernunftpanik ist der Abschied vom eigentlichen Wesen der Vernunft, n\u00e4mlich dem Abw\u00e4gen zwischen verschiedenen Werten. Was aufgegeben wird zugunsten des plakativsten Handelns. [&#8230;] Es geht weder um Verharmlosung der Krankheit noch um die Geringsch\u00e4tzung oder gar Abwehr der notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ihrer Bek\u00e4mpfung. Es geht um Kommunikation und Haltung, wie dieser Notsituation gemeinschaftlich begegnet wird. Denn neben der Mut machenden,\u00a0positiven Krisenreaktion\u00a0vieler Menschen bricht oft auch diese schwierige, vielleicht gef\u00e4hrliche Regung durch: Vernunftpanik ist kontraproduktiv sowohl f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Pandemie als auch f\u00fcr die Gesellschaft, in der wir nach der Krise leben werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>So beschreibt Sascha Lobo das Corona-Krisen-Ph\u00e4nomen in seinem &#8211; auf diesem Blog <a title=\"Vernunftpanik und Grundrechte.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55751\">bereits zitierten<\/a> &#8211; Spiegel-Essay <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/corona-gesellschaft-wider-die-vernunftpanik-kolumne-a-772e1651-f393-4bc6-8f79-79dc7a5ed025\">&#8220;Wider die Vernunftpanik&#8221;<\/a>. Die Gefahr eines breiten Denunziantentums oder zumindest eines besserwisserischen \u00dcberlegenheitsgef\u00fchls ist real, auf beiden Seiten des Corona-Krisen-Versteher-Spektrums. W\u00e4hrend die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=va-3zS9q1yo\">einen<\/a> behaupten, dass man den Gesundheitsnotstand gar nicht wahrnehmen w\u00fcrde, wenn es den Corona-Test nicht g\u00e4be, die <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.naturstoff-medizin.de\/artikel\/coronavirus-panik-oder-pandemie\/\">anderen<\/a> auf die vermeintliche Unwissenschaftlichkeit der offiziellen Datenlage hinweisen, um gleichzeitig f\u00fcr Hom\u00f6opathie als Allheilmittel zu werben und wieder andere jeder WhatsApp-Nachricht von Paula oder J\u00fcrgen in Sachen Corona mehr Glauben schenken als einem Dossier studierter Mediziner, fordert die &#8220;Gegenseite&#8221; <a title=\"\u00dcberwachung aus der Luft.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55804\">l\u00fcckenlose \u00dcberwachung<\/a> und <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/coronavirus-boris-pistorius-fordert-strafen-gegen-fake-news-a-ed5050b5-c194-4890-a4c3-c713290134f3\">harte Bestrafung<\/a> f\u00fcr &#8220;Corona-Leugner&#8221; und Fake News. Auch der mittelalterliche Pranger feiert fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd &#8211; in der digitalen Welt. Beispielsweise ver\u00f6ffentlichte der B\u00fcrgermeister von St. Lorenzen, Martin Ausserdorfer, auf seiner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=10156966407687791&amp;set=a.377040892790&amp;type=3&amp;theater\">Facebook-Seite<\/a> ein (anonymisiertes) Bild von Jugendlichen, die trotz Versammlungsverbot auf einer Parkbank sa\u00dfen. Obwohl es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ungesetzliches Verhalten handelte, sollte ein Gemeindeoberhaupt andere M\u00f6glichkeiten n\u00fctzen, um solche Missst\u00e4nde zu beenden. Bei allem Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr Corona-Parties oder die <a title=\"\" href=\"https:\/\/1011bigfm.com\/news\/6718358\/tiktok-toilet-seat-lick-coronavirus\/\">Corona-Challenge<\/a>, die an Bl\u00f6dheit kaum zu \u00fcberbieten ist,\u00a0 h\u00e4ngt &#8211; wie Lobo schreibt &#8211;<\/p>\n<blockquote><p>das, was wir im Alltag als Vernunft betrachten, [&#8230;] viel \u00f6fter von der jeweiligen Position der Sprechenden ab als man wahrhaben m\u00f6chte. [&#8230;] Es ist ein Privileg, bei sicherem Gehalt Homeoffice betreiben zu k\u00f6nnen und ebenso die M\u00f6glichkeit, &#8220;Social Distancing&#8221; ohne Begleitsch\u00e4den durchziehen zu k\u00f6nnen. Wenn man dann anderen vorwirft &#8211; ohne jede Kenntnis von deren Lebenssituation &#8211; dass sie sich weniger vorbildlich verhalten als man selbst, gerinnt diese Haltung rasch zur Herablassung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist in der Tat ein Unterschied, ob ich eine Quasi-Ausgangssperre in einer 150-Quadratmeter-Wohnung mit Garten verleben darf oder im f\u00fcnften Stock eines st\u00e4dtischen Kondominiums, alleinerziehend mit zwei Kindern auf 55 Quadratmetern. Im letzteren Fall kann es durchaus vern\u00fcnftig sein, mit den Kindern einmal das Haus zu verlassen und sich im gro\u00dfen Abstand von anderen Menschen in eine Wiese zu legen. F\u00fcr jemanden mit Depressionen ist es vern\u00fcnftig, t\u00e4glich einen langen Spaziergang zu t\u00e4tigen. F\u00fcr eine Krankenpflegerin in der Corona-Abteilung ist es vern\u00fcnftig, nach einer harten Schicht eine Runde zu laufen, damit sie den Kopf frei bekommt und die Belastungen ihrer Arbeit einigerma\u00dfen gesund \u00fcbersteht. Sollte ihr das nicht gelingen, haben wir n\u00e4mlich ein Problem mehr. Doch all das sieht man von au\u00dfen nicht, wenn man vom Balkon aus die Leute im Freien mit Argwohn beobachtet.<\/p>\n<h6>Wackere Demokratiekrieger<\/h6>\n<p>All diesen Aspekten zum Trotz, die in der Summe wesentlich f\u00fcr das Gelingen des Vorhabens sind &#8211; n\u00e4mlich die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen ohne eventuell noch weitreichendere Kollateralsch\u00e4den zu verursachen, geht die Politik in immer mehr L\u00e4ndern mit martialischer H\u00e4rte vor und scheint die Balance zwischen tats\u00e4chlich sinnvollem Handeln und plakativem Handeln zu verlieren. Nicht allein Emmanuel Macron verwendet im Zusammenhang mit dem Gesundheitsnotstand <a title=\"Guerra e nazione in tempi di pandemia.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55884\">Kriegsrhetorik<\/a>, nicht nur politische Rechtsau\u00dfen machen die Krise zu einer Frage, bei der <a title=\"Come sconfiggere il virus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55599\">nationaler Zusammenhalt<\/a>, Abgrenzung und Schuldzuweisungen im Mittelpunkt stehen, und nicht blo\u00df in Italien erh\u00e4lt das <a title=\"Die freiwillige Militarisierung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55797\">Milit\u00e4r<\/a> mittlerweile Befugnisse, die es in Friedenszeiten in einer westlichen Demokratie nicht haben sollte.<\/p>\n<h6>Der Optimismusfunken<\/h6>\n<p>Und obwohl die Welt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf einen weiteren Klugschei\u00dfer gewartet hat, der seinen Senf zu der an Verzwicktheit kaum zu \u00fcberbietenden Situation dazu gibt, m\u00f6chte ich zum Abschluss dennoch neun fromme, durchaus optimistische W\u00fcnsche aus der Selbstisolation loswerden:<\/p>\n<ol>\n<li>Bleiben wir so gut es geht daheim und halten wir uns an die Hygieneregeln, um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen und all jenen, die intensivmedizisch betreut werden m\u00fcssen, eine solche Betreuung auch garantieren zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Erinnern wir uns nach der hoffentlich baldigen Beendigung dieser Krise daran, wer die Menschen waren, die daf\u00fcr gesorgt haben, dass andere \u00fcberleben durften, dass anderen geholfen wurde und dass das Werkl generell weiterlaufen konnte &#8211; sowohl was die gesellschaftliche Reputation als auch die finanzielle Abgeltung dieser Dienste betrifft.<\/li>\n<li>Fallen wir nicht in Panik und h\u00fcten wir uns auch vor &#8220;Vernunftpanik&#8221;, wie sie Sascha Lobo in seinem interessanten\u00a0Spiegel-Essay\u00a0beschreibt.<\/li>\n<li>Achten wir bei aller Notwendigkeit der Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie auf das z\u00e4rtliche Pfl\u00e4nzchen, das sich Demokratie nennt und das von Rechtsstaatlichkeit und \u00f6ffentlichem Diskurs lebt, auf dass wir trotz aller Hemmnisse im Moment kritische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bleiben und beispielsweise Milit\u00e4r auf den Stra\u00dfen in Friedenszeiten nicht als normal und notwendig ansehen.<\/li>\n<li>Denken wir nach &#8211; oder noch besser &#8211; \u00fcberpr\u00fcfen (Neudeutsch: factchecken) wir Meldungen, bevor wir sie per WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. in die Welt hinausschie\u00dfen und die ohnehin schon angespannte Situation mit kruden Verschw\u00f6rungstheorien oder zweifelhaften Weisheiten selbsternannter Corona-Experten weiter befeuern.<\/li>\n<li>Lassen wir das derzeit praktizierte &#8220;Social Distancing&#8221; nicht zu einem neuen Ma\u00dfstab menschlicher Interaktion werden, sondern arbeiten wir schon jetzt an einem f\u00fcrsorglicheren und wertsch\u00e4tzenden Umgang mit unseren Mitmenschen, unseren N\u00e4chsten, ungeachtet ob Familienmitglied, Freund oder Fremder.<\/li>\n<li>Geben wir Umwelt und Natur mehr M\u00f6glichkeiten der Regeneration, \u00e4hnlich dieser unfreiwilligen im Moment.<\/li>\n<li>Machen wir uns nicht selbst kaputt, indem wir nicht nur H\u00e4ndewaschen, sondern auch psychische Hygiene betreiben, den Humor nicht verlieren und uns dessen besinnen, woran wir glauben und was uns wirklich wichtig ist.<\/li>\n<li>Nutzen wir die Krise &#8211; so abgedroschen und naiv es klingt &#8211; tats\u00e4chlich auch als Chance, um gest\u00e4rkt aus ihr hervorzugehen, denn laut Max Frisch sei die\u00a0Krise ein produktiver Zustand. Man m\u00fcsse ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><small><em>*) So meinte Trump vor einigen Wochen, dass es sich bei COVID-19 um eine normale, etwas leichtere Grippe handle. Sp\u00e4ter vermutete er einen Hoax der Demokraten, die die Sache aufbauschten, um ihm die Wiederwahl zu verderben. Dann meinte er, dass es in den USA nur 15 F\u00e4lle g\u00e4be, die Zahl aber bald gegen 0 gehen werde (mit heutigem Tag sind es in den USA mehr als 81.977 best\u00e4tigte F\u00e4lle) und das Virus &#8220;wie durch ein Wunder&#8221; verschwinden w\u00fcrde. Pl\u00f6tzlich war Corona aber der gro\u00dfe Feind, den es zu bek\u00e4mpfen gilt und er, Trump, war derjenige, der die Pandemie erkannte, lange bevor andere von einer Pandemie sprachen.\u00a0<\/em><\/small><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss zugeben, ich habe mich geirrt und die ganze Angelegenheit untersch\u00e4tzt. Zu Beginn dachte ich, dass das Krisenmanagement allerorts einigerma\u00dfen geordnet verl\u00e4uft, aber inzwischen bewirkt die sogenannte Corona-Krise Dinge, die mir \u00fcberhaupt nicht gefallen und die ich so nicht habe kommen sehen. 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