{"id":56144,"date":"2020-04-03T13:25:13","date_gmt":"2020-04-03T11:25:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=56144"},"modified":"2026-02-02T09:16:01","modified_gmt":"2026-02-02T08:16:01","slug":"kann-man-sich-demokratie-auch-abgewohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=56144","title":{"rendered":"Kann man sich Demokratie auch abgew\u00f6hnen?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von Brigitte Foppa (V\u00ebrc)<\/em><\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte ja. Ziemlich schnell sogar. Schauen wir uns die derzeitige Szene an. Wir sehen im Wesentlichen vier M\u00e4nner, immer dieselben vier (Kompatscher, Widmann, Schuler, Achammer). Die Krawatte haben sie gegen ein Halstuch eingetauscht. Innerhalb weniger Wochen hat sich der politische Diskurs in ein Frage-und-Antwort-Spiel verwandelt. B\u00fcrgerInnen sagen nicht mehr ihre Meinung, sie d\u00fcrfen Fragen stellen. Der Herr Professor antwortet, Tag f\u00fcr Tag, auf die Fragen im Radio, der Herr Hausarzt antwortet in der Zeitung, der Landeshauptmann antwortet in der Pressekonferenz.<\/p>\n<p>Das ist sogar nachvollziehbar. Menschen brauchen Information und klare Antworten in dieser Zeit. Und: Eine Krise muss in aller Schnelle bew\u00e4ltigt werden, Entscheidungen sind zu treffen, ohne die langwierigen parlamentarischen Prozeduren.<\/p>\n<p>Aber: Die Modi schleifen sich sehr schnell ein. Das Wirtschafts-Ma\u00dfnahmenpaket wird nun nicht mehr diskutiert, sondern nur mehr vorgestellt. Im Radio besprechen es nicht mehr der Landesrat und die politischen Vertretungen, sondern auch dazu gibt es jetzt Anrufsendungen, wo dem Landesrat Fragen gestellt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>In k\u00fcrzester Zeit ist die politische Debatte verarmt. Die Perspektiven haben sich verengt. Der \u00f6ffentliche Diskurs wird banalisiert. Dabei wird im Hintergrund, in den sozialen Medien, in den Telefongespr\u00e4chen und Videomeetings massiv diskutiert, mehr als je zuvor. Ma\u00dfnahmen werden besprochen, Menschen suchen nach Information und Austausch, die Satire bl\u00fcht und zeigt auf, dass die kritischen Geister noch nicht ermattet sind, sondern wacher denn je. Die Sehnsucht nach Diskussion, nach Verst\u00e4ndnis, nach Auseinandersetzung ist immens.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Kluft hat sich aufgetan zwischen dieser Ebene und der \u00f6ffentlichen Szene. Letztere wird&nbsp; von den eingangs genannten Herren bespielt und das Publikum darf wohldosiert interagieren.<\/p>\n<p>Ich sehe darin eine gro\u00dfe Langeweile, vor allem aber gro\u00dfe Gefahren.<\/p>\n<p>Eine ist die Infantilisierung der Gesellschaft. Indem der eigentlich vom Landtag gew\u00e4hlte Landeshauptmann zum allgegenw\u00e4rtigen Landesvater wird, werden auch die B\u00fcrgerInnen zu Kindern. Sie fragen um Antwort und zunehmend um Erlaubnis. Der <abbr title=\"Landeshauptmann\/-frau\">LH<\/abbr> hat seine Sprechart ge\u00e4ndert. Er spricht heutzutage immer in der Ich-Form (Conte macht das \u00fcbrigens auch. Es hei\u00dft, dass er zugleich an Sex-Appeal zugelegt hat. Auch das sollte zu denken geben). Auf die einzige kritische Bemerkung der Opposition in der gesamten Coronakrise (als die Frage aufgeworfen wurde, ob die ber\u00fchmten Halst\u00fccher sinnvoll seien oder gar von Verwandten des Landesrates fabriziert worden waren), reagierte Kompatscher ungehalten und mit dem Ton einer Mama, die den Kindern sagt: \u201eDa arbeite ich den ganzen Tag f\u00fcr euer Bestes und dann tut ihr auch noch kritisieren!\u201c.<\/p>\n<p>Die allseits verwendete Kriegsrhetorik versch\u00e4rft die Meinungseinheit und die Botschaft des Gehorchens. Man denkt vielleicht, dass es nun Gehorsam braucht, um die Ma\u00dfnahmen so fl\u00e4chendeckend als m\u00f6glich durchzusetzen. Das ist eine Denkart. Eine andere geht davon aus, dass nicht gehorcht, sondern Regeln eingehalten werden m\u00fcssen. Darin liegt ein kleiner, vielleicht winziger Unterschied. Denn w\u00e4hrend Gehorsam bedeutet, widerspruchslos Befehle anzunehmen, fu\u00dfen Regeln auf einem gesellschaftlichen Konsens. Ganz ganz wichtig in dieser Zeit, wo wir so viele Menschen dazu bringen m\u00fcssen, die Regeln des Zuhausebleibens und der Distanz einzuhalten.<\/p>\n<p>Konsens aber entsteht aus Debatte. Wir konfrontieren in der Debatte unsere Haltungen, wir feilen daran, wir k\u00f6nnen Verst\u00e4ndnis aufbauen und von vorgefertigten Urteilen abr\u00fccken. Genau das brauchen wir jetzt, noch mehr als sonst.<\/p>\n<p>Daher mein inniges Pl\u00e4doyer an alle, die \u00d6ffentlichkeit gestalten: F\u00fchren wir die Debatte wieder ein! Im Landtag, in den Medien, im wenn auch virtuellen Austausch zwischen den Meinungstr\u00e4gerInnen.<\/p>\n<p>Ich habe den Aufruf auch an den LH gerichtet. Ich wei\u00df ihn da, zumindest theoretisch, auf meiner Seite. Er wei\u00df um die Verf\u00fchrung der narzisstischen Omnipr\u00e4senz, aber auch um deren Einsamkeit. Er kennt die demokratischen Prozesse und nicht nur die M\u00fche, sondern auch die St\u00e4rke der Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Es gilt die Demokratie wieder hochzufahren.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Brigitte Foppa (V\u00ebrc) Ich f\u00fcrchte ja. 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