{"id":5678,"date":"2010-07-22T22:15:56","date_gmt":"2010-07-22T20:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=5678"},"modified":"2024-10-21T18:38:11","modified_gmt":"2024-10-21T16:38:11","slug":"unabhangigkeit-kosovos-rechtens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=5678","title":{"rendered":"Kosovo-Unabh\u00e4ngigkeit rechtm\u00e4\u00dfig."},"content":{"rendered":"<p>Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat heute den Inhalt seines Rechtsgutachtens \u00fcber die einseitige Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des kosovarischen Parlaments Anfang 2008 bekanntgegeben. Das h\u00f6chste Rechtssprechungsorgan der UNO befindet darin, dass Kosovo nicht gegen internationales Recht versto\u00dfen habe, weil dieses unilaterale Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rungen nicht verbiete. Der Pr\u00e4sident des Tribunals, Hisashi Owada, wies ausdr\u00fccklich darauf hin, dass das Urteil nicht bindend sei. Au\u00dferdem unterstrich er die Besonderheit des untersuchten Falles. Bis heute wurde Kosovo von 69 der 192 UNO-Mitgliedsl\u00e4nder (und 22 von 27 EU-Mitgliedern) anerkannt. Das Gericht gab heute seine Entscheidung bekannt, nachdem Ende 2009 die Argumente von \u00fcber 30 bef\u00fcrwortenden und ablehnenden L\u00e4ndern angeh\u00f6rt worden waren. Nachdem Serbien vor dem IGH geklagt hatte, legitimiert dieses Urteil nun das Vorgehen Kosovos.<\/p>\n<p>Der Internationale Gerichtshof ging auch auf die Resolution Nr. 1233 des UNO-Sicherheitsrates ein, die im Juni 1999 verabschiedet wurde und welche eine vorl\u00e4ufige Rechtsordnung festlegte, die dazu dienen sollte, die Stabilit\u00e4t in der Region herzustellen. Ein Teil dieser Resolution beauftragte die UNO damit, einen politischen Prozess anzusto\u00dfen, um den Status des Kosovo zu definieren. Das Gericht kam diesbez\u00fcglich zum Schluss, dass auch diese Resolution die Unabh\u00e4ngigkeit nicht ber\u00fchrt, da sie eine einseitige Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung nicht verbiete. Sie sei ausschlie\u00dflich dazu gedacht gewesen, eine Verwaltungsgliederung innerhalb Kosovos zu schaffen. Deshalb stehe Resolution Nr. 1244 nicht im Widerspruch zur einseitigen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommt das Tribunal zum Schluss, dass im Falle einseitiger Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rungen gem\u00e4\u00df internationalen Rechts die &#8220;verfassungsm\u00e4\u00dfige&#8221; Legalit\u00e4t im von der Sezession betroffenen Staat weder bindend noch in irgend einer Form relevant sei. Diesbez\u00fcglich erinnerte Herr Owada daran, dass mehr als die H\u00e4lfte der heutigen 192 UNO-Mitgliedsl\u00e4nder vor einem halben Jahrhundert nicht existierten, und dass die Mehrheit der betreffenden Unabh\u00e4ngigkeitsprozesse nach dem Recht der von Sezession betroffenen Staaten nicht legal gewesen w\u00e4ren, weil zum Beispiel die innere Verfassungsordnung dagegen sprach.<\/p>\n<p>Der heutige Entscheid des IGH k\u00f6nnte Neuheiten in diesen Rechtsbereich bringen, f\u00fcr den es kaum internationale Gesetzgebung oder Rechtsprechung gibt. Die Legitimierung der einseitigen Sezession des Kosovo k\u00f6nnte sich auf andere Unabh\u00e4ngigkeitsprozesse auswirken, nachdem dadurch eines der wichtigsten Gegenargumente der Staaten entf\u00e4llt: Die Unantastbarkeit der Grenzen (territoriale Integrit\u00e4t).<\/p>\n<p>Obwohl das Urteil im Falle Kosovos keine unmittelbaren Folgen hat \u2014 weil es niemanden dazu verpflichtet, Kosovo anzuerkennen \u2014 wird doch damit gerechnet, dass sich jetzt weitere Staaten dazu entschlie\u00dfen werden, diplomatische Beziehungen zum Balkanland aufzunehmen.<\/p>\n<p>Kosovo hat seine Unabh\u00e4ngigkeit von Serbien am 17. Februar 2008 mit einer unilateralen Erkl\u00e4rung seines Parlaments verk\u00fcndet. Vier Monate sp\u00e4ter beschloss Kosovo das Inkrafttreten seiner Verfassung. Damit \u00fcbernahm die Regierung des Landes zahlreiche Zust\u00e4ndigkeiten eines souver\u00e4nen Staates.<\/p>\n<p>Neunundsechzig L\u00e4nder (22 von 27 EU-Mitgliedern) anerkennen Kosovo offiziell, darunter die USA, Frankreich, Italien, Deutschland, Vereinigtes K\u00f6nigsreich, Belgien, Niederlande, Schweiz, Irland, Schweden, Island, Slowenien, Kroatien, Costa Rica, \u00d6sterreich, Senegal, Estland, D\u00e4nemark, Lettland, Per\u00f9, Finnland, Japan, Kanada, Ungarn, Norwegen, Litauen, Kolumbien, Portugal, Montenegro, Australien, Tschechien und Bulgarien.<\/p>\n<p>Von den 27 EU-Mitgliedsstaaten verweigern bis dato nur Griechenland, Zypern, Rum\u00e4nien, Spanien und Slowakei eine Anerkennung.<\/p>\n<p><em>Quelle: Rac\u00f3 Catal\u00e0<\/em><br \/>\n<em>\u00dcbersetzung: <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"><\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat heute den Inhalt seines Rechtsgutachtens \u00fcber die einseitige Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des kosovarischen Parlaments Anfang 2008 bekanntgegeben. 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