{"id":57127,"date":"2020-05-07T22:46:25","date_gmt":"2020-05-07T20:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57127"},"modified":"2022-07-03T11:40:51","modified_gmt":"2022-07-03T09:40:51","slug":"der-richtige-umgang-mit-dem-feind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57127","title":{"rendered":"Der richtige Umgang mit dem Feind."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Der Feind ist nicht Rom, sondern das Virus. Das Problem ist nicht Premierminister Giuseppe Conte, sondern der richtige Umgang mit Corona.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Alexandra Aschbacher im diesw\u00f6chigen <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.ff-bz.com\/leitartikel\/2020-19\/wir-schauen-auf-uns.html\">Leitartikel<\/a> der ff<\/em><\/p>\n<p>Dieses Zitat als Reaktion auf die Bergfeuer der Sch\u00fctzen und die Kampfansage der <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> mag auf den ersten Blick treffend klingen, ist aber erschreckend hohl. Es folgt einer sehr eigenartigen Logik. Nat\u00fcrlich ist das Virus &#8220;der Feind&#8221;, wenn man schon unbedingt in Zusammenhang mit einer Gesundheitskrise eine martialische Rhetorik weiter strapazieren muss. Aber die Politik in Rom bzw. die Regierung Conte regeln nun einmal den Umgang mit Corona. Und falls diese Regeln, an die sich alle per Gesetz\/Dekret halten m\u00fcssen, den &#8220;richtigen Umgang&#8221; verunm\u00f6glichen (was ich nicht behaupte, weil mir das Wissen dazu fehlt, um das beurteilen zu k\u00f6nnen), dann w\u00e4re das sehr wohl ein Problem. Die politische Verantwortung f\u00fcr die Regelung unseres Gemeinwesens einfach auszuklammern, ist falsch bis gef\u00e4hrlich. Es macht einen Unterschied, ob eine Regierung vern\u00fcnftig, ausgewogen und besonnen agiert oder ob sie beispielsweise das Spritzen von Desinfektionsmitteln empfiehlt.<\/p>\n<p>Es ist ein gro\u00dfes Problem gerade unserer Zeit (vielleicht war es das aber auch schon immer), dass die an sich berechtigte Kritik an Undifferenziertheit (&#8220;Die spinnen, die R\u00f6mer&#8221;) oft einfach die undifferenzierte Umkehrung des Kritisierten ist. Auf Undifferenziertheit sollte man jedoch nicht mit Umkehrung, sondern mit Differenziertheit reagieren. Die undifferenzierte Umkehrung gibt dem eingangs Kritisierten n\u00e4mlich die M\u00f6glichkeit, dem Kritisierenden &#8211; zurecht &#8211; den Vorwurf der Oberfl\u00e4chlichkeit zu machen; also genau jenes Attribut, das Letzterer dem eingangs Kritisierten vorh\u00e4lt. Im Argumentationsniveau ist dann kaum noch ein Unterschied zu erkennen. Undifferenzierte Kritik an der Regierung\/an einem System ist analog zum undifferenzierten Blankoscheck f\u00fcr die Regierung\/f\u00fcr ein System. Beides entspricht nicht dem Wesen von Demokratie.<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben uns zum Beispiel die Frage gestellt, ob wir weiter so leben und konsumieren wollen wie bisher. Das Virus hat uns gezwungen, \u00fcber uns, unsere Rolle in der Welt nachzudenken. Bei allem Leid und bei allen Entbehrungen, war dies auch eine Art von Geschenk. [&#8230;] Diese Krise ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, und die SVP pflegt nun ihren Anti-Rom-Habitus. Das mag einigen gefallen, auf der H\u00f6he der Zeit ist es nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie Aschbacher richtig erkennt, sind Z\u00e4suren wie diese immer auch Gelegenheiten, Dinge zu hinterfragen. Wir d\u00fcrfen und sollen alles in Frage stellen. Den Neoliberalismus, den Kapitalismus, die Globalisierung &#8211; schlicht s\u00e4mtliche Gewiss- und Gewohnheiten mit denen wir aufgewachsen sind. &#8220;Unsere Rolle in der Welt&#8221;, wie es Aschbacher trefflich ausdr\u00fcckt. Nur wenn es um die Frage der nationalstaatlichen Ordnung geht, h\u00f6rt sich offenbar der Spa\u00df auf. Wenn sich jemand erdreistet, den Status Quo der Organisation unseres Gemeinwesens in Frage zu stellen, ist Schluss mit lustig. Auf die Idee, dass dieser vielleicht auch Mitschuld an so mancher negativen Entwicklung sein k\u00f6nnte, die sich w\u00e4hrend der Corona-Krise manifestiert hat, kommen Nationalstaatsapologeten nicht.<\/p>\n<p>Daher ist die Diskussion dar\u00fcber, wie weit es in einem Notstand zul\u00e4ssig ist, Grundfreiheiten und Verfassungsrechte (Stichwort Autonomiestatut) au\u00dfer Kraft zu setzen, eine v\u00f6llig legitime und absolut auf der H\u00f6he der Zeit. Wir d\u00fcrfen gerne unterschiedlicher Meinung sein, wo diese Linie zwischen Sicherheit und Freiheit gezogen wird. Aber die Diskussion dar\u00fcber ist demokratiepolitisch essentiell.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Demokratische Qualit\u00e4t.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57008\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Die Sch\u00f6nwetterverfassung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55492\"><code>02<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Feind ist nicht Rom, sondern das Virus. Das Problem ist nicht Premierminister Giuseppe Conte, sondern der richtige Umgang mit Corona. Alexandra Aschbacher im diesw\u00f6chigen Leitartikel der ff Dieses Zitat als Reaktion auf die Bergfeuer der Sch\u00fctzen und die Kampfansage der SVP mag auf den ersten Blick treffend klingen, ist aber erschreckend hohl. 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