{"id":57766,"date":"2020-06-01T18:12:21","date_gmt":"2020-06-01T16:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57766"},"modified":"2023-04-26T14:14:28","modified_gmt":"2023-04-26T12:14:28","slug":"der-zweite-weltkrieg-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57766","title":{"rendered":"Der Zweite Weltkrieg in Afrika."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>[S]chon die zeitliche Begrenzung [des Zweiten Weltkriegs] auf die Jahre 1939 bis 1945 [ist] eurozentristisch. In Afrika begann [er] 1935 mit dem Einmarsch der Italiener in \u00c4thiopien. 1937 hatte Japan neben Korea bereits die Mandschurei besetzt und dehnte seinen Krieg gegen China nach S\u00fcden aus. Als die Achsenm\u00e4chte 1945 endlich kapitulierten, war der Krieg in vielen L\u00e4nder der Dritten Welt auch noch nicht zu Ende. In Algerien massakrierten franz\u00f6sische Truppen am 8. Mai 1945, der als \u00bbJahrestag der Befreiung\u00ab bis heute in Frankreich gefeiert wird, Zehntausende Demonstranten, die f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit des Landes demonstrierten.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Am 2. Oktober 1935 erschien Benito Mussolini auf der Piazza Venezia in Rom und schrie mit seiner einpeitschenden Stimme den Versammelten zu: \u00bbSchwarzhemden der Revolution; M\u00e4nner und Frauen von Italien! (&#8230;) 20 Millionen Italiener sind in diesem Moment im ganzen Land vereint. Zwanzig Millionen: ein Herz, ein Wille, eine Entscheidung. Diese Manifestation zeigt, dass die Identit\u00e4t zwischen Italien und dem Faschismus perfekt ist, absolut und unver\u00e4nderbar. (&#8230;) Ich weigere mich zu glauben, dass die Franzosen und die Briten Blut vergie\u00dfen und Europa an den Rand einer Katastrophe treiben wollen, um ein afrikanisches Land zu verteidigen, das in den Augen der ganzen Welt nicht wert ist, zu den zivilisierten V\u00f6lkern zu geh\u00f6ren.\u00ab Beifall brandete auf. Am n\u00e4chsten Morgen um f\u00fcnf Uhr \u00fcberschritten italienische Truppen ohne Kriegserkl\u00e4rung die \u00e4thiopische Grenze: mit \u00fcber 300.000 Soldaten, 7.000 Offizieren, 6.000 Maschinengewehren, 700 Kanonen unterschiedlichen Kalibers, 150 Panzern und 150 Flugzeugen. Damit begann der Zweite Weltkrieg in Afrika.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Der \u00e4thiopische Historiker Richard Pankhurst kommt wie andere Wissenschaftler zu dem Schluss: \u00bbDas war der gr\u00f6\u00dfte koloniale Krieg, der jemals in Afrika gef\u00fchrt wurde. Die Italiener kamen mit einer riesigen Anzahl Soldaten, dazu hatten sie die komplette \u00dcberlegenheit in der Luft. Sie setzten Giftgas ein, schwere Artillerie und \u00fcberzogen die Rebellen mit Massenbombardements. Sie haben das Land f\u00f6rmlich \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u00bbWir waren noch Kinder, als die Italiener hier in Eritrea waren\u00ab, erinnert sich der 65-j\u00e4hrige Arbeiter Ibrahim in der eritreischen Hafenstadt Massawa. \u00bbWir dachten, alle Wei\u00dfen seien Italiener. Im Alltagsleben existierte eine strenge Rassentrennung zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen. Diskriminierung war allgegenw\u00e4rtig. Zum Beispiel durften wir in den Bussen und in den Restaurants nicht die gleichen Sitze benutzen wie die Wei\u00dfen.\u00ab Italienische Siedler und Einheimische lebten in getrennten Wohngebieten; die einen in luxuri\u00f6sen Stadtteilen, die Eritreer in native towns, \u00bbin Dreckl\u00f6chern ohne flie\u00dfendes Wasser oder \u00f6ffentliche Toiletten\u00ab, wie Richard Pankhurst schreibt. Mischehen waren verboten, und die Eritreer durften nur die niedersten und h\u00e4rtesten Arbeiten verrichten.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend sich in der Regenzeit im Sommer 1936 \u00fcberall im Land Partisanen sammelten, forderte der Duce seinen Statthalter per Telgramm auf, \u00bbRebellen und ihre Unterst\u00fctzer systematisch zu terrorisieren und zu vernichten\u00ab. Graziani befahl, die \u00c4thiopier in den italienisch kontrollierten Gebieten zu entwaffnen und den widerst\u00e4ndigen Klerus der orthodoxen Kirche zu ermorden. Im Krieg gegen die Aufst\u00e4ndischen gingen die Italiener stets nach dem gleichen Muster vor: Zuerst bombardierten sie ein Gebiet fl\u00e4chendeckend, dann warfen sie Gasbomben und anschlie\u00dfend lie\u00dfen sie ihre Soldaten einmarschieren. Immer wieder ver\u00fcbten sie dabei Massaker an der Zivilbev\u00f6lkerung. Richard Pankhurst schreibt: \u00bbDiese Operationen waren von barbarischen Repressalien begleitet. Ein \u00e4thiopischer Richter berichtete, dass die italienische Armee zum Beispiel in Gorro alle unbewaffneten Zivilisten in einer H\u00f6hle zusammentrieb, auch Frauen mit Kindern auf dem R\u00fccken sowie ein paar Sch\u00e4fer, und sie mit Maschinengewehren niedermachte.\u00ab<br \/>\nEin Blutbad richteten die Besatzer auch unter den Einwohnern der Hauptstadt Addis Abeba an. Als Mussolinis Statthalter Graziani nach Art des \u00e4thiopischen Kaisers im Februar 1937 Almosen an Arme im Palast verteilte, warfen zwei Eritreer zehn Handgranaten auf den verhassten Despoten. Graziani wurde verwundet, und seine faschistische Garde m\u00e4hte daraufhin alle 300 im Palast anwesenden \u00c4thiopier, darunter Blinde und Bettler, kaltbl\u00fctig nieder. In den folgenden Tagen durchk\u00e4mmten die Schwarzhemden sengend und mordend die ganze Stadt. Sie steckten H\u00e4user in Brand und \u00fcberrollten mit ihren Milit\u00e4rfahrzeugen alles und jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Mit Eisenstangen und Kn\u00fcppeln schlugen sie Menschen wahllos zu Tode. Sie verfolgten Intellektuelle, exekutierten sie oder warfen sie ins Gef\u00e4ngnis. Insgesamt massakrierten die Italiener in wenigen Wochen 30.000 \u00c4thiopier. In Addis Abeba standen zehn Galgen, an denen bis Ende M\u00e4rz 1937 1.500 \u00c4thiopier erh\u00e4ngt wurden.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Schon bei ihrem Einmarsch hatte die italienische Luftwaffe Bomben mit Yperit- und Senfgas \u00fcber Seen und Fl\u00fcssen, auf \u00c4cker und Vieh abgeworfen. Kaiser Haile Selassie, der das miterlebt hatte, prangerte in seinem Exil die italienische Kriegsf\u00fchrung an: \u00bbVon all den Massakern dieses schrecklichen und erbarmungslosen Krieges war die Gaseins\u00e4tze am schlimmsten. M\u00e4nner, Frauen und Lasttiere wurden in St\u00fccke gerissen und kamen in den Flammen um. Die Sterbenden und Verwundeten schrieen in ihrer Qual. Die Fl\u00fcchtenden wurden Opfer des t\u00f6dlichen Regens. Das Gas beendete das Blutbad, das die Bomben begonnen hatten. Auch in anderer Hinsicht seien die Italiener barbarisch und grausam gewesen, sagen die Veteranen. \u00bbSie haben Patriots umgebracht, die schon kapituliert oder die sie gefangen genommen hatten; sie haben Zivilisten, darunter viele Bauern, ermordet. Bekannte Anf\u00fchrer der Patriots haben sie liquidiert und noch ihre Leichen gesch\u00e4ndet. Sie haben ihnen das Genick gebrochen und mit ihnen vor aller Augen wie mit Puppen gespielt. Sie waren wirklich bestialisch.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Ausz\u00fcge aus <a title=\"PDF: Unsere Opfer z\u00e4hlen nicht.\" href=\"http:\/\/www.3www2.de\/images\/stories\/buch\/3www2_Buch.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbUnsere Opfer z\u00e4hlen nicht\u00ab \u2013 Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg<\/a>, <\/em>Rheinisches JournalistInnen B\u00fcro \/ Recherche International e. V.<em> (Hg.)<\/em><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Colonie, negazionismo di stato.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49882\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"La deviazione dal vero corso della Storia.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=42575\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Le vergognose celebrazioni di El Alamein.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=32662\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"El Alamein und Castel Benito.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=43780\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Alltagsrassismus, Kolonialismus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27511\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"I conti fatti col fascismo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=47589\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Kriegsverbrecher bis zum Tod gedeckt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55245\"><code>07<\/code><\/a> <a title=\"Corone all\u2019alpino: avanti.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8727\"><code>08<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Leo f\u00e4llt, Wastl h\u00e4lt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57909\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Postcolonial Italy \u2013 Mapping Colonial Heritage.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=58321\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Bravo italiano-cattivo tedesco im Geschichtsbuch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=60299\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a>\u00a0<a title=\"Italien er\u00f6ffnet Kolonialmuseum wieder.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61528\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>04<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Raubkunst in S\u00fcdtirol.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=67732\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>05<\/code><\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=78035\" title=\"Il fascismo non fin\u00ec con la Liberazione.\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>06<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[S]chon die zeitliche Begrenzung [des Zweiten Weltkriegs] auf die Jahre 1939 bis 1945 [ist] eurozentristisch. 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