{"id":61833,"date":"2020-11-15T15:36:37","date_gmt":"2020-11-15T14:36:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61833"},"modified":"2022-12-28T09:41:07","modified_gmt":"2022-12-28T08:41:07","slug":"angemessene-performance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61833","title":{"rendered":"Angemessene Performance?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wir sind der \u00dcberzeugung, dass der S\u00fcdtiroler Sanit\u00e4tsbetrieb \u2013 auch im Vergleich mit anderen Regionen \u2013 dank der Unterst\u00fctzung vieler Akteure bisher eine angemessene Performance hingelegt hat.<\/p>\n<p><em>\u2014 Sanit\u00e4tsdirektor Pierpaolo Bertoli in einer Stellungnahme auf <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/12112020\/eine-angemessene-performance\">Salto<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Angesichts der bisherigen b\u00fcrokratischen Schwierigkeiten in Zusammenhang mit meiner SARS-CoV-2-Infektion (Teil 1 gibt es <a title=\"Weder Schnelligkeit noch Perfektion.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61580\">hier<\/a> zum Nachlesen) habe ich mir schon gedacht, dass es nicht wirklich smooth weitergehen wird. Dass es aber ein derart holpriger Ritt werden wird, hatte ich dann doch nicht erwartet. Aus zahlreichen Gespr\u00e4chen mit Betroffenen wei\u00df ich, dass meiner kein Einzelfall ist und B\u00fcrokratius auch noch schlimmer zuschlagen kann. Ich m\u00f6chte mir gar nicht ausmalen, wie es sein muss, wenn man anders als ich einen schweren Verlauf durchmachen muss und es nicht mehr blo\u00df um besetzte Telefonnummern und unbeantwortete E-Mails, um verwirrende Quarant\u00e4nebestimmungen und fehlende arbeitsrechtliche Dokumente, sondern um Leben und Tod geht. Die geneigte Leserin\/der geneigte Leser mag jedenfalls selbst f\u00fcr sich entscheiden, ob die im Folgenden beschriebene Performance des S\u00fcdtiroler Sanit\u00e4tsbetriebes eine angemessene ist.<\/p>\n<p><strong>Es beginnt damit, dass ich die Daten der Quarant\u00e4ne f\u00fcr mich und meine Familie nicht nachvollziehen kann.<\/strong><\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne wurde am 30. Oktober ausgesprochen und begann r\u00fcckwirkend am 28. Oktober, jenem Tag, an dem mein positives Testergebnis feststand. Im entsprechenden E-Mail des Sanit\u00e4tsbetriebes wird \u00fcbrigens angek\u00fcndigt, dass das Original der Quarant\u00e4nemitteilung als eingeschriebener Brief an die Wohnadresse geschickt wird. Nach \u00fcber zwei Wochen habe ich jedoch noch keinen solchen bekommen. Die Dauer wurde auf 12 Tage festgesetzt.<\/p>\n<p>Die rechtliche Grundlage daf\u00fcr wird auf der amtlichen Quarant\u00e4neverordnung wie folgt zitiert:<\/p>\n<blockquote><p>Gem\u00e4\u00df der Verordnung des Gesundheitsministeriums vom 21.02.2020 &#8220;Weitere prophylaktische Ma\u00dfnahmen gegen die Ausbreitung der Infektionskrankheit COVID-19&#8221;, die im Amtsblatt Nr. 44 vom 22.02.2020 ver\u00f6ffentlicht wurde, und basierend auf das (sic) Dekret des Landeshauptmannes vom 04.03.2020, mit der (sic) das Departement f\u00fcr Gesundheitsvorsorge des S\u00fcdtiroler Sanit\u00e4tsbetriebes beauftragt worden ist, die Ma\u00dfnahme der Quarant\u00e4ne, bzw. des treuh\u00e4nderischen Hausaufenthaltes mit aktiver Aufsicht f\u00fcr die Dauer von 14 Tagen auf Personen anzuwenden, die engen Kontakt mit best\u00e4tigten F\u00e4llen von infekti\u00f6ser diffuser Krankheit COVID-19 gehabt haben;<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit einem Rundschreiben des Gesundheitsministeriums vom 12. Oktober 2020 wurde die Quarant\u00e4ne bei positiv getesteten Personen allerdings auf 10 Tage verk\u00fcrzt. Beim Vorliegen von Symptomen rechnet man die 10 Tage ab Beginn der Symptomatik, bei asymptomatischen Patienten laufen 10 Tage ab dem positiven Test.<\/p>\n<p>Warum wir &#8211; meine Familie und ich &#8211; dann am 30. Oktober 2020 eine 12-t\u00e4gige Quarant\u00e4ne verordnet bekommen, die von einem Schreiben begleitet wird, in dem der zitierte Gesetzestext von 14 Tagen und &#8220;engen Kontaktpersonen&#8221;, nicht aber von Infizierten selbst spricht, w\u00e4hrend eigentlich seit 12. Oktober 2020 f\u00fcr F\u00e4lle wie dem unsrigen eine 10-t\u00e4gige Quarant\u00e4nezeit in Kraft ist, verstehe ich nicht.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich willk\u00fcrlich erscheint &#8211; angesichts des Rundschreibens des Gesundheitsministeriums &#8211; die Auswahl des Startdatums unserer Quarant\u00e4ne. W\u00e4hrend f\u00fcr das Auslaufen der 10-t\u00e4gigen Quarant\u00e4ne wie auch der 21-t\u00e4gigen Quarant\u00e4ne (auf diese kommen wir sp\u00e4ter noch zu sprechen) laut Regelwerk jener Tag ausschlaggebend ist, an welchem erstmals Symptome versp\u00fcrt wurden, wurde in meinem Fall offenbar der Tag der Auswertung des Testergebnisses herangezogen. Es k\u00f6nnte aber auch sein, dass die zwei Tage, die r\u00fcckwirkend ausgesprochen wurden, arbeitsrechtliche Gr\u00fcnde haben (meine Frau blieb aufgrund meines positiven Tests bereits vor der Verordnung der Arbeit fern), womit das Startdatum der nunmehr doch 10-t\u00e4gigen Quarant\u00e4ne der Tag der Verh\u00e4ngung derselben w\u00e4re. Beide Varianten erscheinen mir aber unlogisch und im Widerspruch zu den geltenden Regelungen, da die Quarant\u00e4nedauer somit von der Arbeitsgeschwindigkeit der Labore bzw. des Departements f\u00fcr Gesundheitsvorsorge, nicht aber vom tats\u00e4chlichen Verlauf der Krankheit abh\u00e4ngig w\u00e4re. Angenommen jemand entwickelt &#8211; so wie ich &#8211; am 20. Oktober 2020 Symptome. Labor und Department reagieren blitzschnell. Der Patient wird noch am selben Tag getestet und am 21. Oktober in 10-t\u00e4gige h\u00e4usliche Quarant\u00e4ne versetzt, so w\u00fcrde dieser Jemand &#8211; vorausgesetzt er ist drei Tage symptomfrei &#8211; bereits am 30. Oktober das Haus wieder verlassen d\u00fcrfen. Also paradoxerweise exakt an jenem Tag, an dem meine 10-t\u00e4gige Quarant\u00e4ne erst begann. Diese dauerte dann (Symptombeginn 20. Oktober wohlgemerkt) bis zum 8. November. Epidemiologisch ist das unsinnig, da man davon ausgeht, dass symptomatische Patienten zwei Tage vor bis maximal 10 Tage nach Auftreten der Symptome infekti\u00f6s sind. Als ich in Quarant\u00e4ne versetzt wurde, war ich aller Wahrscheinlichkeit nach &#8211; und wie auch mein CT-Wert von 35 nahelegt &#8211; nicht mehr ansteckend.<\/p>\n<p><strong>Der Ausstieg aus der Quarant\u00e4ne gestaltete sich jedoch noch chaotischer, verwirrender und komplizierter.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In unserer Quarant\u00e4neverordnung steht geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>sollte die Quarant\u00e4ne verl\u00e4ngert werden m\u00fcssen, wird diese nach Vorliegen von zwei aufeinander folgenden negativen Abstrichen eingestellt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Unter welchen Voraussetzungen die Quarant\u00e4ne verl\u00e4ngert wird steht nirgends. Aus der amtlichen Mitteilung geht nicht hervor, ob die Quarant\u00e4ne am 8. November automatisch endet oder ob es daf\u00fcr einen &#8211; oder zwei? &#8211; negative Tests braucht. \u00dcberdies war zum Zeitpunkt der Verh\u00e4ngung unserer Quarant\u00e4ne obiger Satz &#8211; einer Recherche meinerseits zufolge &#8211; nicht mehr aktuell. Es bedarf mittlerweile n\u00e4mlich nur mehr eines negativen Tests. Das amtliche &#8211; und nach meinem Verst\u00e4ndnis einzig relevante &#8211; Dokument, das unsere Quarant\u00e4ne rechtfertigt, enth\u00e4lt somit Falschinformationen und enth\u00e4lt den Betroffenen gleichzeitig wichtige Informationen vor.<\/p>\n<p>Im Zuge der Verh\u00e4ngung der Quarant\u00e4ne wurden wir informiert, dass die ganze Familie vor Beendigung derselben am 6. November getestet werden soll. Ich ein zweites Mal. F\u00fcr meine Frau und meine Kinder w\u00e4re es der erste Test. Wir wurden freilich nicht am 6. November getestet. Stattdessen kam am Nachmittag dieses Tages ein Anruf, dass wir nun f\u00fcr den 7. November am Vormittag vorgemerkt seien. Ich bemerkte vorsichtig, wie sich das ausgehen soll, wenn die Quarant\u00e4ne am 8. November ausl\u00e4uft und man das Testergebnis meist erst nach 48 Stunden bekommt. Die Stimme am anderen Ende der Leitung meinte: &#8220;Hoffen wir, dass es schneller geht.&#8221;<\/p>\n<p>Nach 40 Minuten in der Schlange vor der Drive-in-Station wurden wir am 7. November getestet und erhielten abermals den zweisprachigen Zettel mit einem Sticker auf dem einsprachig stand: Ritiro il: 12-11-2020<\/p>\n<p>Die Auswertung ging dann doch schneller als angek\u00fcndigt, aber leider nicht schnell genug. Wir konnten das Testergebnis (datiert auf 9. 11. um 00:01 Uhr) am Vormittag des 9. November online abrufen. Frau und Kinder waren negativ, sind aber an diesem Tag Arbeit, Schule bzw. Kindergarten ferngeblieben, denn ich war \u00fcberraschenderweise weiterhin positiv (diesmal ohne CT-Wert, da die Auswertung in S\u00fcdtirol und nicht in Innsbruck erfolgte). Nun war wieder einmal guter Rat teuer. Ich starte also einen weiteren Anrufmarathon. Ohne Erfolg. Weder die zust\u00e4ndige Stelle in Bozen, noch jene in Brixen ist erreichbar. Nach R\u00fccksprache mit dem Hausarzt teilt dieser zum wiederholten Male mit, dass wir auf den Anruf des S.I.S.P. (Anm.: Betrieblicher Dienst f\u00fcr Hygiene und \u00d6ffentliche Gesundheit, deutsches Akronym gibt es keines) warten und zu Hause in Quarant\u00e4ne bleiben m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Internetseite des Sanit\u00e4tsbetriebes best\u00e4tigt diese Information.\u00a0In den FAQ auf www.sabes.it steht:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Was muss ich tun, wenn der Abstrich positiv ist?<\/strong><br \/>\nDann werden Sie so bald wie m\u00f6glich vom Departement f\u00fcr Gesundheitsvorsorge verst\u00e4ndigt, das Ihnen die Isolationsverf\u00fcgung \u00fcbermittelt und Ihnen alle weiteren Informationen gibt. Bis der Anruf kommt, m\u00fcssen Sie und Ihre Familienmitglieder in Isolation bleiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Andererseits soll es aber auch ein Rundschreiben der Sanit\u00e4tsdirektion vom 9. Oktober geben, in dem den Haus\u00e4rzten geraten wird, \u00e4rztliche Atteste auch f\u00fcr asymptomatische Personen, welche als enger Kontakt eines positiv Getesteten gelten, in Erwartung der Quarant\u00e4neverf\u00fcgung durch das Departement f\u00fcr Pr\u00e4vention gleich auszustellen. Ob das auch gilt, wenn sie gerade negativ getestet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch ist mir nicht klar, ob die Empfehlung auch f\u00fcr die positiv Getesteten selbst gilt.<\/p>\n<p>Da meine Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme am 9. November erfolglos blieben, habe ich noch am Vormittag ein E-Mail an coronavirus@sabes.it mit der Bitte verfasst, uns zu kontaktieren und aufgrund meines neuerlichen positiven Tests eine Verl\u00e4ngerung der Quarant\u00e4ne auszusprechen. Auf diese Nachricht habe ich bis heute (15. November) keine Antwort erhalten.<\/p>\n<p>Am Mittwoch, den 11. November, schicken wir die Kinder auf Basis einer Information der Kinder\u00e4rztin, wonach Angeh\u00f6rige, die Kontakt mit positiv Getesteten hatten, nach 10-t\u00e4giger Quarant\u00e4ne mit negativem Test bzw. generell nach einer 14-t\u00e4gigen Quarant\u00e4ne wieder au\u00dfer Haus d\u00fcrfen, in Schule und Kindergarten.<\/p>\n<p>Auch meine Frau wollte mit Mittwoch wieder ihrer Arbeit nachgehen, hatte aber das Problem, dass sie f\u00fcr Montag und Dienstag noch eine Best\u00e4tigung f\u00fcr ihr Fernbleiben brauchte. Neuerlicher Anruf beim Hausarzt. Dieser verweist abermals auf den Anruf des Sanit\u00e4tsbetriebes. Nach dem Hinweis meiner Frau auf die Information, die wir von der Kinder\u00e4rztin haben, r\u00e4umt der Hausarzt ein, dass es sein k\u00f6nnte, dass meine Frau auch bereits am Montag h\u00e4tte arbeiten gehen k\u00f6nnen, was aber schwer m\u00f6glich war, da wir ja das Testergebnis erst am Montag (9. 11.) im Laufe des Vormittages abgerufen haben &#8211; vom ausstehenden Anruf des Sanit\u00e4tsbetriebes einmal ganz abgesehen. Offiziell angek\u00fcndigt war das Ergebnis ja ohnehin erst f\u00fcr den 12. November und Betroffene sind wohl nicht verpflichtet, vor diesem Datum alle Bitt-f\u00fcr-uns im Internet zu checken, ob das Resultat nicht vielleicht doch schon fr\u00fcher verf\u00fcgbar sei.<\/p>\n<p>Der Hausarzt &#8211; der sich ebenfalls \u00fcber die mangelnde Erreichbarkeit der Verantwortlichen beim Sanit\u00e4tsbetrieb beklagte &#8211; schlug vor, meine Frau r\u00fcckwirkend Montag und Dienstag krank zu schreiben und sie mit Mittwoch aus der Quarant\u00e4ne zu entlassen. Bei einem neuerlichen Anruf um die Protokollnummer der Krankheitsbescheinigung f\u00fcr den Arbeitgeber zu erfahren, stellte sich heraus, dass eine r\u00fcckwirkende Krankschreibung \u00fcber zwei Tage nicht m\u00f6glich und dass generell bei einer r\u00fcckwirkenden Krankschreibung auch der Folgetag zu ber\u00fccksichtigen sei. Also wurde meine Frau Dienstag und Mittwoch krank geschrieben. Den Montag ist sie &#8211; ohne die Verordnung aus Bozen &#8211; also arbeitsrechtlich unrechtm\u00e4\u00dfig zu Hause geblieben, obwohl wir nur den Anweisungen des Hausarztes und den Informationen auf der Internetseite des Sanit\u00e4tsbetriebes auf Punkt und Beistrich gefolgt sind. Sie h\u00e4tte ja auch positiv sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meine Situation ist weiterhin unklar. F\u00fcr mich steht aber fest, dass meine Quarant\u00e4ne verl\u00e4ngert werden muss. Erstens, weil ich einen weiteren positiven Test habe, und zweitens weil man, um trotz eines positiven Tests nach 21 Tagen Quarant\u00e4ne von der Isolation befreit zu sein, mindestens eine Woche symptomfrei sein muss. Und das bin ich nicht. Jedenfalls nicht hundertprozentig frei von jenen Symptomen, die der Sanit\u00e4tsbetrieb im Rahmen der Quarant\u00e4ne bis zum 8. November bei mir mittels automatischen Anrufs abgefragt hat und welche ich ihm per Tastendruck best\u00e4tigt habe:<\/p>\n<ul>\n<li>Fieber (morgens, nachmittags)<\/li>\n<li>Husten<\/li>\n<li>Halsschmerzen<\/li>\n<li>Atembeschwerden<\/li>\n<li>Kopfschmerzen<\/li>\n<li>Bindehautentz\u00fcndung<\/li>\n<li>Gelenk- oder Muskelschmerzen<\/li>\n<li>Unwohlsein oder Ersch\u00f6pfung<\/li>\n<li>Durchfall<\/li>\n<li>fehlender Geschmackssinn<\/li>\n<li>fehlender Geruchssinn<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kleines Detail am Rande: Der automatisierte Anruf fragt um 8 Uhr morgens, ob man heute Nachmittag Fieber hatte.<\/p>\n<p>Am Mittwochnachmittag habe ich dann endlich den Hygienedienst Brixen erreicht. Eine sehr freundliche deutschsprachige Frau kann mir aber nur zwei Dinge definitiv best\u00e4tigen: Ich muss derzeit mit meinem positiven Ergebnis in Erwartung des Anrufs aus Bozen in Quarant\u00e4ne bleiben und nach 21 Tagen &#8211; vorausgesetzt ich habe seit sieben Tagen keine Symptome mehr &#8211; darf ich raus, auch wenn ich noch positiv sein sollte. Ob Frau und Kinder mit ihrem negativen Test aus der Quarant\u00e4ne entlassen sind, d\u00fcrfe nur Bozen und nicht sie entscheiden. Auch die notwendigen arbeitsrechtlichen Dokumente f\u00fcr mich und meine Frau erhalte ich nur vom zentralen Department f\u00fcr Gesundheitsvorsorge.<\/p>\n<p>Als sich am Donnerstag, 12. November, also jenem Tag, f\u00fcr den unser Testergebnis offiziell angek\u00fcndigt war, immer noch niemand gemeldet hatte, habe ich &#8211; um mich abzusichern &#8211; von meiner PEC-Adresse aus ein E-Mail an igiene-bz@pec.sabes.it (f\u00fcr Mehrsprachigkeit hat es da nicht mehr gereicht) und coronavirus@sabes.it verfasst, in dem ich um umgehende R\u00fcckmeldung und Ausstellung der notwendigen Dokumente bitte. Auch dieses Schreiben wurde bislang ignoriert.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen, was da noch kommt, werde ich mich morgen Montag, den 16. November, nach 28 Tagen selbst aus der Quarant\u00e4ne befreien, denn ich bin seit sieben Tagen symptomfrei und habe mindestens 21 Tage abgesessen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend halten wir fest:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Dauer der ersten Quarant\u00e4neverordnung ist f\u00fcr mich nicht nachvollziehbar. Die Beginnzeit dieser ebenso wenig.<\/li>\n<li>Amtliche Dokumente enthalten fehlerhafte und veraltete Informationen und Grammatik- bzw. Syntaxfehler, die die Verst\u00e4ndlichkeit zus\u00e4tzlich erschweren. Ein angek\u00fcndigter eingeschriebener Brief mit dem Original der Quarant\u00e4nemitteilung ist nie angekommen.<\/li>\n<li>Wir wurden zwecks Aufhebung der Quarant\u00e4ne nicht rechtzeitig getestet, auf dass das Ergebnis zum erforderlichen Zeitpunkt zur Verf\u00fcgung gestanden w\u00e4re. Mehr noch &#8211; wir wurden nach meinem zweiten positiven Test bis heute nicht wie vom Protokoll vorgesehen kontaktiert und in Quarant\u00e4ne versetzt. Das war vor acht Tagen (!).<\/li>\n<li>Es war mir unm\u00f6glich, rechtskonform zu agieren, denn entweder breche ich die Quarant\u00e4nevorschriften oder ich missachte meine arbeitsrechtlichen Verpflichtungen. Ich habe bis dato kein Dokument, das mein Fernbleiben von der Arbeit seit dem 9. November rechtfertigen w\u00fcrde, bin aber laut den geltenden Regelungen verpflichtet, in Isolation zu bleiben, weil ich mich ansonsten strafbar machen w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Das Department in Bozen war bei gesch\u00e4tzten 100 Versuchen, einen telefonischen Kontakt herzustellen, nicht erreichbar.<\/li>\n<li>Bislang wurden weder meine schriftlichen E-Mail-Anfragen, noch mein Schreiben \u00fcber die PEC-Adresse beantwortet.<\/li>\n<li>Wenngleich es im Rundschreiben des Sanit\u00e4tsbetriebes hei\u00dft &#8220;Auch die Verwendung der Immuni-App zur Unterst\u00fctzung bei der Ermittlung von Kontaktpersonen wird empfohlen&#8221;, ist mein Fall nie an die App weitergeleitet worden, obschon ich schriftlich und m\u00fcndlich darauf hingewiesen hatte, dass ich die App installiert habe.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieses organisatorische Totalversagen richtet zus\u00e4tzlich zu den massiven Problemen, die von den Einschr\u00e4nkungen bis hin zu den Lockdowns herr\u00fchren, enorme gesundheitliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Sch\u00e4den an. Menschen sind l\u00e4nger in Isolation, als es notwendig w\u00e4re. Unternehmen k\u00f6nnen nicht auf ben\u00f6tigte Arbeitskr\u00e4fte zur\u00fcckgreifen. Kommunikationskan\u00e4le sind durchgehend &#8211; auch f\u00fcr dringendere F\u00e4lle &#8211; blockiert und Ressourcen unn\u00f6tig gebunden.<\/p>\n<p>Obige Probleme sind gro\u00dfteils v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von der Verf\u00fcgbarkeit medizinischen Ger\u00e4ts oder Personals, sondern sind rein organisatorischer, logistischer und kommunikationstechnischer Natur. Zur Behebung dieser Probleme braucht es auch kein hochspezialisiertes Personal. Es braucht einfach nur Leute, die ein standardisiertes Prozedere (welches es offenbar nicht gibt, denn ich wurde nie im Detail nach meinen Kontakten, der Immuni-App oder dem genauen zeitlichen Verlauf meiner Infektion gefragt) am Telefon mit den Betroffenen abarbeiten, die entsprechenden Daten erheben, E-Mail-Anfragen beantworten und bei der Immuni-App einen Code eingeben und ein H\u00e4kchen setzen.<\/p>\n<p>Mehr noch, durch das vorherrschende Chaos werden wertvolle zeitliche und fachliche Ressourcen vergeudet, weil die betroffenen Menschen in Quarant\u00e4ne auf allen nur m\u00f6glichen Wegen &#8211; nur nicht, weil unm\u00f6glich, dem klar vorgegeben &#8211; versuchen, Informationen zu erhalten, und dann die eine Hand nicht mehr wei\u00df, was die andere tut. Haus\u00e4rzte und anderes Gesundheitspersonal muss sich in der Folge zwangsl\u00e4ufig und zeitraubend mit Dingen besch\u00e4ftigen, f\u00fcr die sie eigentlich nicht zust\u00e4ndig sind und bez\u00fcglich derer sie auch keine Entscheidungsbefugnis haben. Dabei h\u00e4tten sie Wichtigeres zu tun. Die Folge ist ein Teufelskreis, in dem das System immer noch schwerf\u00e4lliger und ineffizienter wird.<\/p>\n<p>Und sollte ich nicht r\u00fcckwirkend die notwendigen Dokumente bekommen, die meine zus\u00e4tzliche einw\u00f6chige Abwesenheit von meinem Arbeitsplatz rechtfertigen, kann ich Sanit\u00e4tsdirektor Bertoli trotz seiner &#8220;angemessenen Performance&#8221; garantieren, dass ich extrem ungem\u00fctlich werde.<\/p>\n<p>P.S.: So eine Covid-Erkrankung ist kein Spa\u00df. Es beginnt wie ein grippaler Infekt (zumindest bei mir war das so), zieht sich dann aber \u00fcber l\u00e4ngere Zeit mit einem ziemlichen Symptomdurcheinander hin. Man ist stellenweise extrem ersch\u00f6pft, schl\u00e4ft \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel und kommt einfach nicht in die G\u00e4nge. Ich hab mich selten zuvor so eigenartig gef\u00fchlt. Mittlerweile &#8211; nach fast einem Monat &#8211; geht es wieder einigerma\u00dfen, wenngleich ich schnell au\u00dfer Puste bin. Ist aber auch kein Wunder.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase; font-weight: bold;\">Serie<\/span> <\/strong><a title=\"Weder Schnelligkeit noch Perfektion.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61580\"><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: bold;\">I<\/span><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: bold;\">II<\/span> <a title=\"Es ist vollbracht!\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=62299\" data-wpel-link=\"internal\"><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: bold;\">III<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong>\u00a0<a title=\"Corona: Diffuses Deutsch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=60752\"><code>01<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Covid: Abgelehntes Verwaltungspersonal.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=63012\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind der \u00dcberzeugung, dass der S\u00fcdtiroler Sanit\u00e4tsbetrieb \u2013 auch im Vergleich mit anderen Regionen \u2013 dank der Unterst\u00fctzung vieler Akteure bisher eine angemessene Performance hingelegt hat. \u2014 Sanit\u00e4tsdirektor Pierpaolo Bertoli in einer Stellungnahme auf Salto Angesichts der bisherigen b\u00fcrokratischen Schwierigkeiten in Zusammenhang mit meiner SARS-CoV-2-Infektion (Teil 1 gibt es hier zum Nachlesen) habe ich [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-61833","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-land-sudtirol","entity-landesregierung","entity-sabes","issue-coronapandemie","issue-zitac","location-sudtirolo","language-deutsch","medium-salto","topic-arbeit","topic-buerokratismus","topic-gesundheit","topic-medien","topic-servicepublic","topic-soziales","topic-transparenz","topic-verbraucherinnen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61833"}],"version-history":[{"count":109,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61908,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61833\/revisions\/61908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}