{"id":6253,"date":"2010-09-25T17:32:50","date_gmt":"2010-09-25T15:32:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6253"},"modified":"2022-06-28T13:36:52","modified_gmt":"2022-06-28T11:36:52","slug":"grenzenlose-blauaugigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6253","title":{"rendered":"Grenzenlose Blau\u00e4ugigkeit."},"content":{"rendered":"<p>Nur meine absolute politische und wirtschaftliche Ignoranz konnten mich bereits vor Jahren dazu f\u00fchren, in einem S\u00fcdtiroler Onlineforum einen utopischen Vorschlag zu unterbreiten, wie man meiner Einsch\u00e4tzung nach die Ausbeutung der sogenannten \u00bbdritten Welt\u00ab beenden und deren Entwicklung ernsthaft ankurbeln k\u00f6nnte \u2014 n\u00e4mlich indem man endlich das Interesse der sogenannten \u00bbersten Welt\u00ab an einer derartigen Dynamik weckt. Es geht mir also gar nicht darum, Entwicklungsmethoden aufzuzeigen, sondern einen Mechanismus ausfindig zu machen, wie man die Staaten zu mehr Fairness und echter Solidarit\u00e4t bewegen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nicht der Tatsache, dass mein absolut blau\u00e4ugiger Vorschlag so gut ist, verdanke ich es, dass ihn mir bis heute niemand widerlegt hat, sondern dem gar nicht so gro\u00dfen Zufall, dass man in einem kleinen Forum nicht wirklich auf Experten in internationaler Politik oder auf Leute st\u00f6\u00dft, die sich seri\u00f6s mit einem derart abstrusen Vorschlag befassen m\u00f6chten. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass er bis heute irgendwo in meinem Hinterkopf geblieben ist, und dass ich ihn heute auch hier erneut der Diskussion stellen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Mir scheint evident zu sein, dass sich die Solidarit\u00e4t zwischen armen und reichen Regionen dieser Erde wortw\u00f6rtlich in Grenzen h\u00e4lt, und dass dieser Umstand der ordnenden Wirkung der r\u00e4umlichen, sozialen und politischen Abschottung geschuldet ist, sodass wir zwar einerseits von der Armut anderer L\u00e4nder profitieren, indem wir sie ausbeuten, ohne jedoch andererseits jemals verpflichtet zu sein, daf\u00fcr in irgendeiner Weise konkret geradezustehen.<\/p>\n<p>Die einzige Perspektive \u2014 au\u00dfer, dass einzelne L\u00e4nder aus eigener Kraft und gegen den Widerstand des sogenannten \u00bbWestens\u00ab den Aufstieg in eine h\u00f6here Liga schaffen \u2014 ist, dass sich Wut und Frust von Milliarden Menschen \u00fcber die Ausweglosigkeit ihrer Situation anstauen und irgendwann gewaltsam zu explodieren drohen. Die heutige Gegen\u00fcberstellung zwischen okzidentaler und islamischer Welt ist meines Erachtens auch in diesem Lichte zu sehen.<\/p>\n<p>Mein damaliger Vorschlag, um dieser Lage Herr zu werden und die untragbare Weltlage drastisch zu verbessern, ist zugleich bestechend einfach und vermutlich fast unm\u00f6glich umzusetzen: Und zwar sollte eine internationale Organisation (eine Ad-Hoc-Institution, idealerweise aber die UNO) darauf hinarbeiten, die gesamte Staatengemeinschaft zur Verabschiedung einer rechtlich bindenden Vereinbarung zu bewegen, dass ihre Grenzen in absehbarer Zeit (zum Beispiel in 40 oder 50 Jahren) grunds\u00e4tzlich f\u00fcr den Personenverkehr durchl\u00e4ssig gemacht werden.<\/p>\n<p>Diese unaufschiebbare Perspektive \u2014 einschlie\u00dflich der Gefahr eines riesigen Wirtschaftsfl\u00fcchtlingsstroms \u2014 vor Augen, w\u00e4re das ernsthafte Interesse der \u00bbersten Welt\u00ab an einer echten, nachhaltigen Entwicklung unterentwickelter L\u00e4nder sicher. Mit Fairness, Verhandlungen auf Augenh\u00f6he und interessierter Zusammenarbeit lie\u00dfe sich bis zum Zeitpunkt der Grenz\u00f6ffnungen ein derart diffuser weltweiter Wohlstand herstellen, dass der Wille der heute Armen gebremst wird, Europa, Nordamerika oder Japan in riesigen Massen zu \u00bb\u00fcberfluten\u00ab. Ich bin der \u00dcberzeugung, dass bereits faire Bedingungen gen\u00fcgen \u2014 und gar nicht exakt gleicher wirtschaftlicher Wohlstand vonn\u00f6ten ist \u2014 um die ganz gro\u00dfe Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung von einer neuen V\u00f6lkerwanderung abzuhalten.<\/p>\n<p>Die einzige (fast) un\u00fcberwindbare Schwierigkeit, die ich an diesem Vorschlag erkenne, ist, die Staatengemeinschaft geschlossen zur Unterzeichnung eines derartigen Abkommens zu bewegen, welches das Schicksal des gesamten Planeten ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Allein die wesentlich bescheideneren Klimaschutzverhandlungen f\u00fchren uns den Vorrang kleinkarierter nationaler Interessen vor jenen der gesamten Erdbev\u00f6lkerung regelm\u00e4\u00dfig vor Augen. Und trotzdem: Warum sollte man nicht zumindest den Versuch starten? K\u00f6nnte die Gefahr globaler Konflikte aufgrund von Ressourcenknappheit und Ressourcenverteilung nicht als Katalysator f\u00fcr eine solche Entwicklung wirken?<\/p>\n<p>Vor 100 Jahren h\u00e4tte vermutlich auch niemand geglaubt, dass eine \u00bbEurop\u00e4ische Union\u00ab realisierbar w\u00e4re. Eine Union \u00fcbrigens, die sich heute zwar nach innen solidarisch, aber nach au\u00dfen abgeschottet und unnahbar gibt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Verlorengegangene Menschenw\u00fcrde.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=63816\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur meine absolute politische und wirtschaftliche Ignoranz konnten mich bereits vor Jahren dazu f\u00fchren, in einem S\u00fcdtiroler Onlineforum einen utopischen Vorschlag zu unterbreiten, wie man meiner Einsch\u00e4tzung nach die Ausbeutung der sogenannten \u00bbdritten Welt\u00ab beenden und deren Entwicklung ernsthaft ankurbeln k\u00f6nnte \u2014 n\u00e4mlich indem man endlich das Interesse der sogenannten \u00bbersten Welt\u00ab an einer derartigen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6253","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-eu","entity-uno","language-deutsch","topic-feuilleton","topic-grenzen","topic-kohasion","topic-migraziun","topic-politik","topic-recht","topic-solidariete","topic-soziales","topic-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6253"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6253\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72864,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6253\/revisions\/72864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}