{"id":64168,"date":"2021-03-21T21:07:21","date_gmt":"2021-03-21T20:07:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64168"},"modified":"2025-12-13T12:54:44","modified_gmt":"2025-12-13T11:54:44","slug":"immersion-ist-fur-minderheiten-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64168","title":{"rendered":"Immersion ist f\u00fcr Minderheiten nicht."},"content":{"rendered":"<p>Am 22. Februar hat das <em><a title=\"NPLD.\" href=\"https:\/\/www.npld.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Network to Promote Linguistic Diversity<\/a> <\/em>(NPLD) ein hochkar\u00e4tig besetztes <a title=\"NPLD-Seminar.\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/story.php?story_fbid=433570551217186&amp;id=87136599373\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Onlineseminar<\/a> zum Thema des Immersionsunterrichts im zweisprachigen Kontext organisiert.<\/p>\n<p>Die ausschlie\u00dflich weiblichen Vortragenden waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Jasone Cenoz, Professorin f\u00fcr Forschungsmethodik im Bildungswesen an der Universit\u00e4t des Baskenlandes sowie Pr\u00e4sidentin des bildungswissenschaftlichen Komitees in der staatlichen spanischen Forschungsagentur AEI.<\/li>\n<li>Vesna Crni\u0107-Groti\u0107, Vorsitzende des Expertinnenkomitees der <em>Europ\u00e4ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen<\/em> beim <em>Europarat.<\/em><\/li>\n<li>Edel N\u00ed Chorr\u00e1in, Vizedirektorin des Bildungsservices beim irischen Sprachf\u00f6rderungsinstitut <em>Foras na Gaelige.<\/em><\/li>\n<li>Christina Gestrin, Generalsekret\u00e4rin des <em>Folktinget,<\/em> der Schwedischen Versammlung in Finnland.<\/li>\n<li>M\u00f2nica Pere\u00f1a P\u00e9rez, Pr\u00e4sidentin von <em>Linguapax International,<\/em> Vizegeneraldirektorin Sprache und Mehrsprachigkeit im Bildungsdepartement der <em>Generalitat de Catalunya.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere fand ich interessant, was in den Vortr\u00e4gen \u00fcber die Rolle von Immersion (und <abbr title=\"Content and Language Integrated Learning\">CLIL<\/abbr>) <em>im Kontext von Sprachminderheiten<\/em> gesagt wurde.<\/p>\n<p>Es deckt sich mit dem, was wir ansatzweise schon aus den Erfahrungen <a title=\"Immersion in Kanada: Chancen und Risiken.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49470\">in Kanada<\/a> und insbesondere <a title=\"FAQ zur Immersion.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49209\">den USA<\/a> herausgesch\u00e4lt hatten \u2014 n\u00e4mlich, dass die Immersion vor allem f\u00fcr Mitglieder der nationalen <em>Mehrheitsgesellschaft<\/em> geeignet ist, um eine <em>Minderheitensprache<\/em> zu erlernen. Nicht anders herum.<\/p>\n<p>Doch die Klarheit, mit der diese Erkenntnis in diesem Seminar vorgebracht wurde, ist besonders erhellend.<\/p>\n<p>Prof. Jasone Cenoz beschreibt in ihrem Vortrag auch, was der wichtigste Unterschied zwischen Immersion und CLIL ist: Durch Immersion wird haupts\u00e4chlich eine <em>Minderheiten<\/em>sprache gelehrt und gelernt, durch CLIL vor allem Englisch.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich ist es also zumindest etwas sonderbar, dass in S\u00fcdtirol die Erlernung von Deutsch bzw. Italienisch als CLIL bezeichnet wird (vermutlich um das \u00bbReizwort\u00ab <em>Immersion<\/em> zu vermeiden).<\/p>\n<p>In der Folge will ich hier einige kurze, doch wie ich finde signifikante Zitate aus den NPLD-Vortr\u00e4gen wiedergeben. Der gesamte Vortrag kann aber unter obigem Link abgerufen werden und ist meiner Meinung nach \u00e4u\u00dferst lohnend. Unter anderem erl\u00e4utert Frau Pere\u00f1a P\u00e9rez darin Ans\u00e4tze zur Einbindung der Herkunftssprachen von Kindern, deren Erstsprache <em>keine<\/em> der \u00f6rtlichen Amtssprachen ist.<\/p>\n<blockquote><p>Die Idee der Immersion ist in Europa eng mit der \u00bbSprachwechselumkehr\u00ab verkn\u00fcpft, wie es [Joshua] Fishman bezeichnet hat. <strong>Die Immersion soll einen Beitrag leisten beim Versuch, den Prozess des Verlusts oder der Schw\u00e4chung von Minderheitensprachen zu stoppen.<\/strong> So haben wir in Europa eine Kombination von Programmen, die bei Sprecherinnen von Minderheitensprachen dem Spracherhalt und der Sprachentwicklung dienen und f\u00fcr Sprecherinnen von Mehrheitssprachen und anderer <em>Home-Languages<\/em> Immersionsprogramme sind. Es ist also eine Kombination von beidem. Streng genommen handelt es sich [nur] f\u00fcr die, die die Mehrheitssprache oder eine Drittsprache zu Hause sprechen, um Immersion.<\/p>\n<p><em>\u2014 Prof. Jasone Cenoz<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Auf S\u00fcdtirol umgelegt hie\u00dfe das zum Beispiel: Schulen mit Deutsch oder Ladinisch als Unterrichtssprache, die f\u00fcr italienische und andere Muttersprachlerinnen als Immersionsschulen fungieren (sie werden in die Minderheitensprache Deutsch bzw. in die Minderheitensprache Ladinisch eingetaucht), w\u00e4hrend sie <em>gleichzeitig<\/em> f\u00fcr die deutsche bzw. ladinische Minderheit als muttersprachliche Schulen fungieren. Auf diese Weise wird dem Verlust und der Schw\u00e4chung der Minderheitensprachen vorgebeugt.<\/p>\n<blockquote><p>Ich muss unterstreichen, dass die <em>Charta<\/em> [der Regional- oder Minderheitensprachen] \u2014 unabh\u00e4ngig von der Notwendigkeit, den Unterricht in der offiziellen Staatssprache aufrecht zu erhalten \u2014 nicht den Schutz der offiziellen Staatssprache betrifft. Dies ist n\u00e4mlich eine nationale Angelegenheit. Und wie einige Beispiele aus Kanada zeigen, <strong>kann die nationale Mehrheit \u2014 ungeachtet ihrer speziellen Situation \u2014 nicht wie eine Minderheit behandelt werden.<\/strong> Das ist eine der Schlussfolgerungen, zu denen der Menschenrechtsausschuss in Zusammenhang mit dem <em>Internationalen Pakt \u00fcber politische Rechte<\/em> gekommen ist.<\/p>\n<p><em>\u2014 Vesna Crni\u0107-Groti\u0107<\/em><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Immersion nach dem kanadischen Modell wurde in Finnland Ende der 70er Jahre eingef\u00fchrt. <strong>Es handelt sich um ein optionales Unterrichtsangebot, das f\u00fcr jene existiert, deren Erstsprache die Mehrheitssprache \u2014 in diesem Fall also Finnisch \u2014 ist und die sonst nicht auf nat\u00fcrliche Art mit der Immersionssprache Schwedisch in Ber\u00fchrung kommen w\u00fcrden.<\/strong> [\u2026] Lassen Sie mich ein Beispiel aus der finnischen Schule <em>Keskuskoulu<\/em> in der zweisprachigen Gemeinde Vasa nennen: Die Schule hat 400 Sch\u00fclerinnen in den Schuljahren 1 bis 6. Zwei Drittel der Sch\u00fclerinnen erhalten Immersionsinterricht, und um es klarzustellen: die Muttersprache all dieser Sch\u00fclerinnen ist Finnisch. Im ersten Schuljahr ist der gesamte Unterricht in Schwedisch und wenn die Sch\u00fclerinnen die 5.-6. Klasse erreichen, wird die H\u00e4lfte des Unterrichts in der Immersionssprache [Schwedisch] abgehalten, die andere H\u00e4lfte in der Erstsprache [Finnisch] und anderen Sprachen. Die Lehrpersonen, die in der Immersionssprache [Schwedisch] unterrichten, sprechen ausschlie\u00dflich diese Sprache mit den Sch\u00fclerinnen, da es wichtig ist, dass die Sch\u00fclerinnen die Sprache in verschiedenen Funktionen und Situationen h\u00f6ren und gebrauchen.<\/p>\n<p><em>\u2014 Christina Gestrin<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>\u00dcbersetzungen aus dem Englischen und fette Hervorhebungen von mir<\/em><\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Sprachliches Risiko.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25602\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Katalanische Immersion, europ\u00e4isches Modell.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8937\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Ich m\u00f6chte nicht d\u00fcrfen k\u00f6nnen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=50201\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Zweisprachige Schule (II).\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=30232\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"In der Praxis nur einsprachig.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=39452\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"Moreno Cabrera a proposito di bilinguismo forzato.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=28331\"><code>06<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Europarat empfiehlt Val\u00e8ncia Immersion.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64457\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Assimilierende mehrsprachige Schule.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=68528\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Additive und subtraktive Zweisprachigkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=73353\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Euskadi schafft mehrsprachige Schulen ab.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=74044\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>04<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Sprachliche Rahmenbedingungen f\u00fcr Immersion.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77791\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>05<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Wenn Sprachen im Wettbewerb stehen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83082\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>06<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. 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