{"id":64608,"date":"2021-04-18T20:00:54","date_gmt":"2021-04-18T18:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64608"},"modified":"2026-05-06T19:02:14","modified_gmt":"2026-05-06T17:02:14","slug":"sprachbeharrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64608","title":{"rendered":"Sprachbeharrung."},"content":{"rendered":"<p><em>Linguistic Assertiveness for Minority Language Speakers<\/em> \u2014 kurz <a title=\"Listen.\" href=\"https:\/\/listen-europe.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Listen<\/em><\/a> \u2014 ist ein von der EU im Rahmen von <em>Erasmus+<\/em> gef\u00f6rdertes Projekt, das das Sprachbewusstsein von Sprachminderheiten st\u00e4rken soll. Insbesondere sollen dabei Sprecherinnen von kooffiziellen, gef\u00e4hrdeten, indigenen, regionalen oder Minderheitensprachen Strategien erlernen, um freundlich aber bestimmt auf ihrer Sprache zu beharren. Die Tendenz, unter gewissen Umst\u00e4nden und in bestimmten Settings vorauseilend die Sprache zu wechseln \u2014 etwa wenn das Gegen\u00fcber oder auch nur anwesende Dritte die nationale Mehrheitssprache sprechen \u2014 wird als \u00bbUnterw\u00fcrfigkeit\u00ab <em>(submissiveness)<\/em> und \u00bbSelbstzensur\u00ab bezeichnet, die der Minderheitensprache schaden. Da es sich dabei jedoch um Gewohnheiten und erlernte Verhaltensweisen handelt, k\u00f6nne man sie auch wieder ablegen.<\/p>\n<p>Erprobt wird die bewusste Vermittlung des Strategiewechsels derzeit in Gebieten mit so unterschiedlichen Voraussetzungen wie Cymru\/Wales (Walisisch), Frysl\u00e2n (Friesisch), Irland (Irisch) und Rum\u00e4nien (Ungarisch).<\/p>\n<p>Einige Zitate, die von den&nbsp;Projektbetreiberinnen&nbsp;auf <em>Facebook<\/em> und <em>Twitter<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurden, geben Aufschluss dar\u00fcber, was man unter Sprachbeharrung, wie ich den Begriff der <em>linguistic assertiveness<\/em> unwissenschaftlich \u00fcbersetzt habe, verstehen kann:<\/p>\n<blockquote><p>\u2026wenn ich ein Treffen im Gebiet der Samen oder mit Regierungsvertreterinnen habe, erwarte ich, dass sie \u00dcbersetzerinnen dabei haben. Wenn nicht <strong>m\u00fcssen sie ein anderes Mal wiederkommen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Ich starte Konversationen <strong>immer<\/strong> in meiner eigenen Sprache und glaube, dass es in der Verantwortung der Gegenseite ist, mich zu informieren, wenn sie mich nicht versteht.<\/p>\n<p>Ich fahre auch in meiner Sprache fort, wenn ich wei\u00df, dass sie mich verstehen, <strong>auch wenn sie mir in einer anderen Sprache antworten.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>Von mir \u00fcbersetzt<\/em><\/small><\/p>\n<p>Interessant ist \u00fcbrigens auch, dass neben den Universit\u00e4ten von Val\u00e8ncia und Transsilvanien (Siebenb\u00fcrgen) sowie unterschiedlichen Sprachf\u00f6rderungsvereinen der betroffenen Minderheitenregionen auch das staatliche italienische Forschungsinstitut CNR an dem Projekt beteiligt ist. Trotzdem wurde offenbar keine Minderheit auf italienischem Staatsgebiet konkret in das Projekt eingebunden.<\/p>\n<p>Auch hier in S\u00fcdtirol ist ja bekannt, dass Menschen beim geringsten Widerstand \u2014 oder selbst um einem potenziellen Widerstand aus dem Weg zu gehen \u2014 ins Italienische wechseln.<\/p>\n<p>Eine gewisse \u00bbBeharrlichkeit\u00ab habe ich mir schon vor Jahren angeeignet und damit fast nur positive Erfahrungen gemacht. Gerade in Umgebungen, wo man Deutschkenntnisse weniger vermutet, trifft man oftmals auf unerwartet offene Reaktionen und wird in den meisten F\u00e4llen zumindest verstanden. Andernfalls hat man durch die deutsche Anrede wenigstens die Erwartung deponiert, in dieser Sprache kommunizieren zu k\u00f6nnen. Am Anfang gilt es nat\u00fcrlich ein gewisses Unbehagen zu \u00fcberwinden, wie auch in der Projektbeschreibung von <em>Listen<\/em>&nbsp;nachzulesen ist. Dann aber geht es fast von allein. Zugewanderten aus Italien oder dem nicht deutschsprachigen Ausland wird damit auch vermittelt, dass die deutsche Sprache hierzulande nicht entbehrlich, ja fast vernachl\u00e4ssigbar ist. Es kann f\u00fcr einige vielleicht sogar der fehlende Ansporn sein, sie zu erlernen \u2014 und bietet ihnen dann die M\u00f6glichkeit, sie zu praktizieren. Wenn wir hingegen all unsere Energie darauf verschwenden, Anderssprachige m\u00f6glichst wenig in Kontakt mit der deutschen oder der ladinischen Sprache kommen zu lassen, schlie\u00dfen wir diese Menschen aus und tragen gleichzeitig \u2014 bewusst oder unbewusst \u2014 zur Sprachverdr\u00e4ngung bei.<\/p>\n<p>Wenn wir sprachbeharrend sind, tun wir im Grunde nichts anderes, als Sprecherinnen der staatsweiten Mehrheitssprache ohnehin und auf v\u00f6llig nat\u00fcrliche Weise tun.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Sprachwechsel erschwert Integration.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15408\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Stillosigkeiten auf Weltreise.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=53145\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Der missgl\u00fcckte Druckkopf.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=52601\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Der \u00dcbersetzer des Ministers.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=57031\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Sprachproblem an deutschen Schulen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=35719\"><code>05<\/code><\/a>&nbsp;<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Bozner Stadtviertelr\u00e4te: Deutsch inexistent.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64791\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Zweisprachige Sitzungen, wie geht das?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=65060\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Mehrheits- und Minderheitensprache im Kontakt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72582\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Festival der Sprachbeharrung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=74907\"><span style=\"color:#ff8c00; text-decoration:underline; text-decoration-color:#ff8c00; text-decoration-thickness:3px;\"><code>04<\/code><\/span><\/a> <a title=\"A Bolzano nessuna necessit\u00e0 di parlare in tedesco.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77347\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>05<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Deutsch als Verst\u00e4ndigungssprache schwindet.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87395\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>06<\/code><\/span><\/a> <a title=\"R\u00e4toromaninnen gegen die Assimilierung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93765\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>07<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Assertivit\u00e0 linguistica, anche in ambito sanitario.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=99183\"><span style=\"color:#ff8c00; text-decoration:underline; text-decoration-color:#ff8c00; text-decoration-thickness:3px;\"><code>08<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linguistic Assertiveness for Minority Language Speakers \u2014 kurz Listen \u2014 ist ein von der EU im Rahmen von Erasmus+ gef\u00f6rdertes Projekt, das das Sprachbewusstsein von Sprachminderheiten st\u00e4rken soll. 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