{"id":6611,"date":"2010-11-20T11:07:37","date_gmt":"2010-11-20T10:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6611"},"modified":"2021-06-21T12:29:23","modified_gmt":"2021-06-21T10:29:23","slug":"ubi-nomen-ibi-patria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6611","title":{"rendered":"Ubi nomen, ibi patria."},"content":{"rendered":"<p>Dieses Motto zum Thema Ortsnamen (zu Deutsch in etwa: \u00bbwo man eigene Ortsbezeichnungen vergibt, dort ist das Vaterland\u00ab) haben sich nicht etwa <em>Unitalia, Forza Nuova<\/em> oder <em>CasaPound<\/em> gegeben, sondern die S\u00fcdtiroler <em>Gr\u00fcnen.<\/em> Enthalten ist das Prinzip in ihren \u00bbArbeitsthesen f\u00fcr das Zusammenleben\u00ab vom 6. November 2010. Damit nehmen sie weder auf die zeitgen\u00f6ssischen, weltweiten Entwicklungen und Gepflogenheiten auf diesem Gebiet Bezug, noch auf den heutigen Stand der Geographie-Wissenschaft. Das Motto k\u00f6nnte eher von Ettore Tolomei stammen, denn von einer interethnischen Partei (Eigendefinition) und k\u00f6nnte direkt vom <em>hic patriae fines siste signa<\/em> (\u00bbhier an den Grenzen des Vaterlandes setze die Zeichen\u00ab, i. S. v. \u00bbmarkiere das Territorium\u00ab) abgeleitet sein, welches am Bozner Siegesdenkmal prangt.<\/p>\n<p>Garniert ist das Motto mit insgesamt f\u00fcnf Thesen, die ich hier im Einzelnen kommentieren m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote><p>S\u00fcdtirol ist ein 3-sprachiges Land<\/p><\/blockquote>\n<p>Au\u00dfer an der Schreibweise und an der italienischen \u00dcbersetzung (\u00bbAlto Adige\u00ab statt des einst gr\u00fcnen Sudtirolo) nichts auszusetzen. Im Grunde eine Binsenweisheit.<\/p>\n<blockquote>\n<p id=\"Unrecht\">Altes Unrecht (wie das von Tolomei) wird durch neues Unrecht nicht wiedergutgemacht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das ist nun wirklich eine Ungeheuerlichkeit. Die R\u00fcckg\u00e4ngigmachung eines Unrechts (die zwangsweise \u00dcbersetzung von Abertausenden von Ortsbezeichnungen) wird mit dem Unrecht selbst auf eine Stufe gesetzt. Dabei wird au\u00dfer Acht gelassen, dass die Entscheidung wissenschaftlichen Kriterien und internationalen Gepflogenheiten entspr\u00e4che und vor allem: dass sie von demokratisch legitimierten Gremien beschlossen w\u00fcrde und lediglich die <em>Amtlichkeit<\/em> von Ortsbezeichungen betr\u00e4fe, w\u00e4hrend die Tolomei-Namen auf faschistische Dekrete und auf die gewaltsame Unterdr\u00fcckungspolitik durch ein totalit\u00e4res Regime zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Wenn wir diesen Ansatz weiterdenken, dann kommen wir wom\u00f6glich zum Schluss, dass wir die H\u00e4ngung von Kriegsverbrechern bei den N\u00fcrnberger Prozessen mit den standrechtlichen Erschie\u00dfungen von \u00bbDeserteuren\u00ab durch die Nazis auf eine Stufe stellen m\u00fcssen. Mir l\u00e4uft es kalt den R\u00fccken hinunter.<\/p>\n<blockquote><p>Namen in der eigenen Sprache zur Verf\u00fcgung haben, bedeutet Gef\u00fchl der Beheimatung [ubi &#8220;Nomen&#8221;, ibi &#8220;Patria&#8221;]<\/p><\/blockquote>\n<p>Was das mit der gr\u00fcnen Idee zu tun hat, ist und bleibt mir schleierhaft. Daraus erg\u00e4be sich, dass wir die Beheimatung von Zuwanderern (welche ich genauso wie die <em>Gr\u00fcnen<\/em> bef\u00fcrworte) nur meistern k\u00f6nnen, wenn wir unsere Ortsbezeichnungen auf Pakistanisch, Albanisch, Bulgarisch, Arabisch und in alle anderen Sprachen der &#8220;neuen S\u00fcdtiroler&#8221; \u00fcbersetzen. Das w\u00e4re nicht nur v\u00f6llig absurd, sondern nach meiner \u00dcberzeugung (genauso wie die Tolomeinamen!) ein Beitrag zur Schaffung von Parallelgesellschaften.<\/p>\n<blockquote><p>Dt. und lad. Namen m\u00fcssen &#8220;amtlich gemacht werden&#8221;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist mittlerweile Konsens (es gibt meines Wissens keine im S\u00fcdtiroler Landesparlament vertretene Partei, die sich diesem Ansinnen widersetzen w\u00fcrde) und daher keiner besonderen Erw\u00e4hnung wert.<\/p>\n<blockquote><p>Es hat keinen Sinn, bestehende Namen &#8220;am gr\u00fcnen Tisch&#8221; neu zu \u00fcbersetzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier servieren uns die <em>Gr\u00fcnen<\/em> zum Abschluss gleich den doppelten Widerspruch: Zum einen w\u00e4re diese Schlussthese n\u00e4mlich die Blo\u00dfstellung des Tolomeiwerks und eine Rechtfertigung f\u00fcr seine Revidierung, zum anderen ist es angesichts der dritten These unverst\u00e4ndlich, warum bestehende Namen nicht \u00fcbersetzt werden sollen, wenn doch aus der \u00dcbersetzung \u2014 wie auch Tolomei meinte \u2014 angeblich Beheimatung entsteht.<\/p>\n<p><em>Was<\/em> nun?<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Brigitte Foppas merkw\u00fcrdige Wahlfreiheit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21222\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Senedd, D\u00e1il e Bundestag.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=52807\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Beschmierte Girlaner Ortstafel.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=54461\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Motto zum Thema Ortsnamen (zu Deutsch in etwa: \u00bbwo man eigene Ortsbezeichnungen vergibt, dort ist das Vaterland\u00ab) haben sich nicht etwa Unitalia, Forza Nuova oder CasaPound gegeben, sondern die S\u00fcdtiroler Gr\u00fcnen. 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