{"id":66896,"date":"2021-07-09T09:32:46","date_gmt":"2021-07-09T07:32:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=66896"},"modified":"2026-08-05T09:54:21","modified_gmt":"2026-08-05T07:54:21","slug":"banaler-nationalismus-in-katalonien-und-sudtirol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=66896","title":{"rendered":"Banaler Nationalismus in Katalonien. Und S\u00fcdtirol."},"content":{"rendered":"<p>Von einer Leserin wurde ich auf eine <a title=\"ResearchGate: Spanien, Katalonien und die Nationalismuskritik.\" href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/336591971_Spanien_Katalonien_und_die_Nationalismuskritik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abhandlung<\/a> von Dr. Hans-Ingo Radatz \u00fcber Katalonien hingewiesen. Sie ist darauf gesto\u00dfen, weil sie ausgehend von meinem <a title=\"Banaler Nationalismus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=66863\" rel=\"\">Eintrag zum <em>banalen Nationalismus<\/em><\/a> im Netz recherchiert hat.<\/p>\n<p>Der Text des Professors am Institut f\u00fcr Romanistik der <em>Universit\u00e4t Bamberg<\/em> ist einer der besten \u00fcberhaupt, die ich je zu den auf <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> behandelten Themen gelesen habe.<\/p>\n<p>Aus der Abhandlung von Dr. Radatz zitiere und kommentiere ich hier deshalb einige auch l\u00e4ngere Passagen, in denen es zwar um Katalonien geht, die aber au\u00dferordentlich gut auch zur Situation in S\u00fcdtirol passen. Die Unterstreichungen sind von mir.<\/p>\n<blockquote><p><strong>In Deutschland sto\u00dfen [die katalanischen] Forderungen auf wenig Verst\u00e4ndnis, da man in ihnen vor allem den Ausdruck einer gef\u00e4hrlichen und verachtensw\u00fcrdigen politischen Ideologie sieht: des Nationalismus. Dabei wird \u00fcbersehen, dass [sie] nicht zuletzt auch die ersch\u00f6pfte und verzweifelte Reaktion auf einen tief verwurzelten spanischen Staatsnationalismus sind, der, im Sinne von Michael Billigs <em>banal nationalism,<\/em> im Verborgenen wirkt und im Ausland praktisch nicht thematisiert wird.<\/strong><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Genauso wird der italienische Staatsnationalismus in S\u00fcdtirol \u2014 aber auch gegen\u00fcber den anderen noch nicht vollst\u00e4ndig assimilierten Minderheiten in Italien \u2014 als normal empfunden und Widerstand dagegen meist als etwas v\u00f6llig Unverst\u00e4ndliches dargestellt (<a title=\"Quando una nazione festeggia l\u2019unit\u00e0.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7096\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Italiani, innanzitutto.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23923\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Un\u00fcberbietbare Ausf\u00e4lligkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7272\" rel=\"\"><code>03<\/code><\/a>).<\/p>\n<blockquote><p>Geht es [in deutschen bzw. ausl\u00e4ndischen Medien] um die spanische Seite, ist die Rede vom \u201cspanischen Ministerpr\u00e4sidenten\u201d; der genauso demokratisch gew\u00e4hlte katalanische Minsterpr\u00e4sident wird dagegen nicht selten als \u201cSeparatistenf\u00fchrer\u201d bezeichnet.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die insgesamt ablehnende Haltung gegen\u00fcber den katalanischen Bestrebungen ist Bestandteil eines mehrheitsf\u00e4higen nationalismuskritischen Diskurses, der deswegen nicht explizit gemacht wird, weil er der gebildeten \u00d6ffentlichkeit als selbstverst\u00e4ndlich gilt und allein durch das Thema der Unabh\u00e4ngigkeitsforderung evoziert wird. Eine Nation kann demzufolge nur ein Volk innerhalb staatlicher Grenzen sein und \u201cNationen ohne Staat\u201d sind demgegen\u00fcber folglich keine Nationen, sondern \u201cUnruheprovinzen\u201d, insbesondere dann, wenn wir davon ausgehen k\u00f6nnen, dass die Staaten demokratisch regiert werden. Nach dieser \u00dcberzeugung ist Katalonien also h\u00f6chstens eine \u201cRegion\u201d, aber von Natur aus niemals eine Nation; Regionen ihrerseits sind aber naturgem\u00e4\u00df eine interne Angelegenheit des betreffenden Staats. Und in keinem Fall unsere. <span style=\"text-decoration: underline;\">Kurioserweise ist es also f\u00fcr unsere nationalismuskritische \u00d6ffentlichkeit eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass wir uns in solche internen Belange nicht einzumischen haben, weil die Souver\u00e4nit\u00e4t von Nationalstaaten \u2013 also die Nation \u2013 eines der h\u00f6chsten Rechtsg\u00fcter \u00fcberhaupt ist. Der unverbr\u00fcchliche Respekt vor dem Nationalismus der Staaten ist ein zentrales Element des \u00fcblichen antinationalistischen Diskurses.<\/span><\/p>\n<p>Insofern gibt es f\u00fcr uns auch kein echtes Katalonienproblem: Katalonien ist demnach wesensm\u00e4\u00dfig und unab\u00e4nderlich eine spanische Region und anderslautende Forderungen k\u00f6nnen daher nur als unseri\u00f6s gelten. <span style=\"text-decoration: underline;\">Nach dieser Sichtweise entsteht der Konflikt dadurch, dass Spanien in vern\u00fcnftiger Weise den Rechtsstaat verteidigt, w\u00e4hrend katalanische Rebellen eine offensichtlich irrationale Position verteidigen.<\/span> Diese selbstverst\u00e4ndlichen Argumente muss man in deutschen Medien nicht ausformulieren; die begleitenden Leserbriefe \u00fcbernehmen die Ausf\u00fchrung verl\u00e4sslich: \u201cAnachronismus, jetzt wo Europa zusammenw\u00e4chst\u201d, \u201ckorrupte Rattenf\u00e4ngerelite f\u00fchrt das katalanische Volk ins Ungl\u00fcck\u201d, \u201cKatala-Nazis wollen Spanien zerst\u00f6ren\u201d, \u201cVorwand, um sich vor der Solidarit\u00e4t mit Andalusien zu dr\u00fccken\u201d &#8230; <span style=\"text-decoration: underline;\">Interessant an dieser liberal auftretenden Kritik ist allerdings, dass sie ausschlie\u00dflich Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen betrifft, die ihr Ziel (noch) nicht erreicht haben. Ist der neue Staat erst einmal etabliert, verstummen sie sofort: aus Respekt vor der Souver\u00e4nit\u00e4t des neuen Nationalstaats!<\/span><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><span style=\"text-decoration: underline;\">Die etablierten Nationalstaaten erhalten dabei den Nimbus grundvern\u00fcnftiger, ja nahezu naturgesetzlicher Notwendigkeiten; sie werden unantastbar und unhinterfragbar und ihr Nationalismus wird diskursiv zu einem harmlosen Patriotismus euphemisiert.<\/span> Alle Bewegungen und Gruppierungen aber, die eine Ver\u00e4nderung dieses <em>status quo<\/em> anstreben, um ihrerseits einen eigenen Nationalstaat zu erringen, werden als gef\u00e4hrliche Brandstifter hingestellt, die den labilen Konsens der Staatsgrenzen in Frage stellen und so die Gefahr erneuter nationalistischer Kriege heraufbeschw\u00f6ren. Diese Gruppen werden in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung als gef\u00e4hrliche \u201cNationalisten\u201d gesehen.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Der britische Soziologe Michael Billig hat 1995 in seinem Buch <em>Banal Nationalism<\/em> \u00fcberzeugend gezeigt, dass unser Diskurs \u00fcber (und gegen) den Nationalismus von einer Wahrnehmungsst\u00f6rung gepr\u00e4gt ist, die uns Nationalismus nur dort sehen l\u00e4sst, wo nicht-staatliche Gruppen auf Ver\u00e4nderung dr\u00e4ngen, nicht aber dort, wo der allt\u00e4gliche, banale Nationalismus der etablierten Nationalstaaten am Werke ist[.]<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Billig bezeichnet diesen unbemerkten Alltagsnationalismus als <em>banal nationalism;<\/em> von der Nationalismuskritik wird er h\u00f6chstens am Rande wahrgenommen und kann in jedem Fall auf Milde hoffen.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend der reivindikative Nationalismus nicht-staatlicher Akteure in westlichen Gesellschaften vehement zur\u00fcckgewiesen wird, ist der eigene \u201cbanale\u201d Nationalismus kein Thema.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Niemand w\u00fcrde es daher mehr wagen, das Kleinstaaterei-Argument auf Irland, Lettland, Norwegen oder Slowenien anzuwenden oder diese Staaten heute noch f\u00fcr ihren historischen Separatismus kritisieren.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Dass sie allesamt ihre staatliche Unabh\u00e4ngigkeit erst in j\u00fcngster Zeit durch eine v\u00f6lkerrechts- und verfassungswidrige Losl\u00f6sung von Gro\u00dfbritannien, der Sowjetunion, D\u00e4nemark oder Jugoslawien erk\u00e4mpft haben, ist vergeben und vergessen. Dabei macht es f\u00fcr die \u00f6ffentliche Wahrnehmung offenbar keinen Unterschied, ob die Losl\u00f6sung von einem diktatorischen Unrechtsstaat oder von einer parlamentarischen Demokratie erfolgte! <span style=\"text-decoration: underline;\">Der Erfolg l\u00e4sst jeden Makel der Illegalit\u00e4t oder des \u201cnationalistischen Fanatismus\u201d verschwinden und der neugeborene Nationalstaat kann nun auf dasselbe Wohlwollen der Nationalismuskritiker hoffen, das seinerzeit, in der hei\u00dfen Phase des Konflikts, nur der ehemaligen Titularnation entgegengebracht worden war.<\/span> Von den 29 Mitgliedsstaaten der EU hat fast ein Drittel die Unabh\u00e4ngigkeit erst im Lauf des 20. Jahrhunderts erlangt[.]<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Au\u00dferhalb der EU k\u00f6nnten [sic] man zudem noch das Kosovo und Montenegro nennen. In allen F\u00e4llen gab es Rechtsbr\u00fcche, gewaltsame Auseinandersetzungen, V\u00f6lkerrechtsverst\u00f6\u00dfe, die aber heute h\u00f6chstens noch in historischer Perpektive diskutiert werden, den betreffenden Staaten aber im \u00f6ffentlichen Diskurs nie mehr vorgehalten werden.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><hr class=\"dotted-hr\" style=\"height: 4px; width: 100%; border: none; margin-top: 0em; margin-bottom: 0em; background-color: black;\"\/><\/p>\n<blockquote><p>[Die Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der baskischen, galicischen und katalanischen Sprache] ist nicht einfach nur sprachdarwinistisches Schicksal, sondern durchaus auch Ergebnis \u00fcberkommener spanischer Sprachenpolitik, die die Regionalsprachen zwar heute nicht mehr aktiv unterdr\u00fcckt, wohl aber noch asymmetrisch behandelt: Alle B\u00fcrger der Region <em>d\u00fcrfen<\/em> die Regionalsprache verwenden; als B\u00fcrger Spaniens aber <em>m\u00fcssen<\/em> sie zugleich die spanische Sprache beherrschen. Faktisch bedeutet das nicht nur f\u00fcr den Amtsverkehr: <span style=\"text-decoration: underline;\">Ein einziger monolingualer Spanier kann damit regelm\u00e4\u00dfig alle anderen Anwesenden zum Sprachwechsel veranlassen.<\/span><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist uns auch in S\u00fcdtirol trotz formalen Rechts auf Gebrauch der Muttersprache bestens bekannt.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Dass diese politische L\u00f6sung, das sogenannte Individualprinzip, nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, sieht man an der Behandlung von Regionalsprachen z.B. in Kanada, der Schweiz oder Belgien, wo das Territorialprinzip gilt: Hier garantiert der Staat seinen B\u00fcrgern, dass innerhalb der betreffenden Territorien die Regionalsprache obligatorisch ist und damit als vollwertige Alltags-, Kultur- und Amtssprache fungiert.<\/strong><\/p>\n<p>Das hei\u00dft beispielsweise f\u00fcr die B\u00fcrger des kanadischen Qu\u00e9bec, dass sie ihr gesamtes Leben in franz\u00f6sischer Sprache abwickeln k\u00f6nnen, ohne je gezwungen [!] zu werden, im Kontakt mit Beh\u00f6rden das Englische zu verwenden. Flamen m\u00fcssen [!] kein Franz\u00f6sisch und Wallonen kein Niederl\u00e4ndisch sprechen, um vollwertige belgische Staatsb\u00fcrger zu sein. Und in vielen Orten des Engadins im Kanton Graub\u00fcnden ist gar Vallader (einer der sieben traditionellen Schriftdialekte des B\u00fcndnerromanischen) einzige Beh\u00f6rden- und Schulsprache. Was also in Spanien wie eine h\u00f6chst gro\u00dfz\u00fcgige Sprachenpolitik wirkt, ist es im internationalen Vergleich mit anderen mehrsprachigen oder multinationalen Staaten nicht unbedingt.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch, dass Katalonien als wichtige Industrie- und Tourismusregion bevorzugtes Ziel innerspanischer Migration war und immer noch ist. Der spanische Sprachnationalismus und seine gesetzliche Ausgestaltung sorgen daf\u00fcr, dass den Zuwanderern staatlicherseits bescheinigt wird, dass eine sprachliche Integration in Katalonien nicht n\u00f6tig ist und dass das Katalanische eine Angelegenheit ist, die nur die Katalanen betrifft.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch S\u00fcdtirol als wirtschaftlich erfolgreiches Land <a title=\"Hohe Zuwanderung aus Italien nach S\u00fcdtirol.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=44555\" rel=\"\">zieht viele Menschen aus Italien an<\/a>, jedenfalls im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerinnenzahl. Und auch hier haben Zuwandernde (von innerhalb und au\u00dferhalb Italiens) eine sprachliche Integration ins Deutsche oder gar Ladinische <a title=\"Zuwanderungssprache Italienisch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=47501\" rel=\"\">sehr h\u00e4ufig nicht n\u00f6tig.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Im Alltag bedeutet dies, dass ein Leben auf Katalanisch ein st\u00e4ndiger Kampf ist. Die Kassiererin im Supermarkt versteht nat\u00fcrlich, was der Kunde ihr auf Katalanisch sagt (\u201cEin[e] Plastikt\u00fcte, bitte!\u201d), hat aber keine Lust, es zu verstehen. Es sind die allt\u00e4glichen kleinen Machtk\u00e4mpfe: \u201cSprechen Sie Spanisch, ich verstehe Sie nicht!\u201d <span style=\"text-decoration: underline;\">Die meisten einsprachigen Zuwanderer haben nicht das Gef\u00fchl, dass ihnen ohne die Landessprache etwas fehlte.<\/span> Im Gegenteil: Die Haltung ist, dass wir hier schlie\u00dflich in Spanien sind und niemand mit einer \u201cfremden\u201d Sprache bel\u00e4stigt werden sollte. <span style=\"text-decoration: underline;\">Also wechselt der Kunde im Supermarkt ins Spanische, weil alle Katalanischsprecher (oft zu ihrem Nachteil) perfekt zweisprachig sind.<\/span> Oder er insistiert und wiederholt seine Bitte auf Katalanisch. Die Schlange in seinem R\u00fccken rollt mit den Augen. Bei der dritten Wiederholung wird ihm die Kassiererin schlie\u00dflich w\u00fctend eine Plastikt\u00fcte hinwerfen, weil sie pl\u00f6tzlich doch versteht, was gew\u00fcnscht war. Jeder Katalanischsprecher kennt diese Situationen bis zum \u00dcberdruss. <span style=\"text-decoration: underline;\">Das Nicht-Beherrschen der Landessprache besch\u00e4mt die Einsprachigen normalerweise nicht etwa; man h\u00f6rt immer wieder \u201cWie bitte!?\u201d, \u201cAuf Spanisch, wir sind hier in Spanien!\u201d<\/span><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Wir kennen das (<a title=\"Der missgl\u00fcckte Druckkopf.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=52601\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Weltoffene Einsprachigkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26446\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a>).<\/p>\n<blockquote><p>Diese kleinen Alltagsk\u00e4mpfe enden fast immer zugunsten der monolingualen Spanischsprecher, denn <span style=\"text-decoration: underline;\">der Sozialdruck der Umstehenden dr\u00e4ngt stets, sich nicht so anzustellen.<\/span> Schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir doch alle Spanisch. In gro\u00dfen historisch katalanischsprachigen St\u00e4dten wie Valencia oder Palma h\u00f6rt man die Sprache immer weniger und auf den Schulh\u00f6fen passen sich die bilingualen katalanischsprachigen Kinder wie selbstverst\u00e4ndlich ihren monolingualen spanischsprachigen Schulkameraden an; selbst in Barcelona kann zwar fast jeder Katalanisch, aber gewohnheitsm\u00e4\u00dfig gesprochen wird es dort gerade noch von einem Drittel der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>In Bozen ist gar nur noch ein Viertel der Bev\u00f6lkerung deutscher Muttersprache.<\/p>\n<blockquote><p>Interessant ist bei alledem die zugrundeliegende scheinbar pragmatische, im Grunde aber nationalistische Annahme, die [viele \u00fcber Katalonien berichtende Journalistinnen] hier an den Tag legen: die \u00dcberzeugung n\u00e4mlich, dass die Sprache der spanischen Nation automatisch wichtiger ist als das Katalanische, dem es ansonsten an nichts als nur an dieser W\u00fcrde mangelt: eine Staatssprache zu sein.<\/p>\n<p><strong>Die allgegenw\u00e4rtige Intuition, dass der banale Nationalismus der etablierten Nationalstaaten unproblematisch sei, macht es auch hier \u00fcberfl\u00fcssig, das Argument \u00fcberhaupt auszuformulieren. Spanisch ist eben eine echte, vollwertige Sprache (mit \u201cArmee und Flotte\u201d, wie es der Jiddisch-Sprachforscher Max Weinreich einmal formuliert haben soll), das Katalanische dagegen irgendein Folkloreprodukt, ein Dialekt, eine Halbsprache.<\/strong><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Selbst die deutsche Sprache in S\u00fcdtirol \u2014 obschon Teil eines gr\u00f6\u00dferen Sprachraums \u2014 wird nicht selten mit allseits bekannten, aber gr\u00f6\u00dftenteils v\u00f6llig erfundenen Argumenten wie \u00bbdie sprechen nur einen unverst\u00e4ndlichen Dialekt\u00ab, \u00bbdas ist kein Deutsch\u00ab, \u00bbdie beherrschen ihre eigene Sprache gar nicht richtig\u00ab oder \u00bbdie werden in Deutschland\/\u00d6sterreich nicht einmal verstanden\u00ab in die Ecke des Folkloreprodukts, der Halbsprache gedr\u00e4ngt. Auch das ist wohl ein Reflex, der auf <em>banalem Nationalismus<\/em> beruht (<a title=\"\u00bbS\u00fcdtirolerisch ist nicht Deutsch.\u00ab\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=35929\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a>).<\/p>\n<blockquote><p>[Manche] kritisieren es scharf, wenn in Barcelona das Katalanische das Spanische verdr\u00e4ngen sollte. Ihre Kritik bleibt allerdings ein wenig ahistorisch am gegenw\u00e4rtigen Einzelfall h\u00e4ngen, in dem eine einzelne kleine Sprache sich gegen eine \u00fcberm\u00e4chtige Staatssprache zu behaupten sucht. Ein solcher Kampf ist demnach eine anachronistische Eulenspiegelei. Hat ein solcher Kampf allerdings erst einmal zum Erfolg gef\u00fchrt, verschwindet der betreffende Fall sofort spurlos aus diesem kritischen Diskurs: Dass das einst schwedische Helsingfors heute Helsinki hei\u00dft und Finnisch spricht, ist in diesem Kontext n\u00e4mlich nie Thema. Ebensowenig wie der Sprachwandel Revals (Tallinn) zum Estnischen oder der von Wilna vom Polnischen zum Litauischen (Vilnius). <span style=\"text-decoration: underline;\">Der eigene Nationalstaat heilt alle S\u00fcnden der Vergangenheit!<\/span><\/p>\n<p><small><em>\u2014 Dr. Hans-Ingo Radatz<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>Der Originaltext ist vom 14. Oktober 2019 (Erstver\u00f6ffentlichung auf der Website von<\/em> Peira \u2013 Gesellschaft f\u00fcr Politisches Wagnis e.V).<\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"La salute di una lingua.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=49799\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Modello linguistico e scolastico in crisi.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=62473\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Deutsche Schule: Ein Aderlass.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64040\" rel=\"\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Wichtigste Sprache: Italienisch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25469\" rel=\"\"><code>04<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Plurilinguismo autocentrato.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=67077\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Minorisierte Sprachen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72762\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einer Leserin wurde ich auf eine Abhandlung von Dr. Hans-Ingo Radatz \u00fcber Katalonien hingewiesen. 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