{"id":6870,"date":"2011-01-17T19:10:12","date_gmt":"2011-01-17T18:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6870"},"modified":"2025-12-16T19:02:51","modified_gmt":"2025-12-16T18:02:51","slug":"%c2%bbllei-del-cinema%c2%ab-in-kraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6870","title":{"rendered":"\u203aLlei del cinema\u2039 in Kraft."},"content":{"rendered":"<p>Am gestrigen Sonntag ist in Katalonien \u2014 ein halbes Jahr nach Ver\u00f6ffentlichung im Amtsblatt \u2014 das neue \u00bbKinogesetz\u00ab in Kraft getreten. Teil der neuen Norm ist auch die Verpflichtung, die sprachliche Vielfalt des Landes zu ber\u00fccksichtigen. Bisher waren nur rund 3% der Kinovorf\u00fchrungen in katalanischer Sprache, obgleich die <a title=\"Wiki: Generalitat de Catalunya.\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generalitat_de_Catalunya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Generalitat<\/em><\/a> gro\u00dfe finanzielle und organisatorische Anstrengungen unternommen hatte, um dies durch Anreize zu \u00e4ndern. Mit dem neuen Gesetz m\u00fcssen nun aber <em>mindestens<\/em> 50% der Vorf\u00fchrungen eines jeden Films in katalanischer Sprache erfolgen. Die Novelle wurde noch w\u00e4hrend der Regierungszeit von Sozialisten (PSC), Republikanischen Linken (ERC) und Gr\u00fcnen (ICV) verabschiedet und trotz \u00e4u\u00dfersten Drucks der gro\u00dfen Filmverteiler und sogenannter <em>Majors<\/em> durchgezogen. Einige Kinobetreiber hatten, als der erste Entwurf des Gesetzes bekannt wurde, ihren absoluten Widerstand angek\u00fcndigt und einen Kompromiss angeboten, der bis zu 7% Vorf\u00fchrungen in katalanischer Sprache vorsah. Das Kulturministerium der <em>Generalitat<\/em> entgegnete jedoch, das Angebot komme um Jahre zu sp\u00e4t; die freiwilligen Verpflichtungen der Filmverteiler \u2014 mit hohen Zusch\u00fcssen der <em>Generalitat<\/em> \u2014 h\u00e4tten w\u00e4hrend der vorhergehenden Jahre keine Erfolge gezeitigt, weshalb man sich nun unwiderruflich f\u00fcr den gesetzgeberischen Weg entschieden habe.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Kinobetreiber und die Filmverteiler starteten eine gro\u00df angelegte \u00f6ffentliche Kampagne gegen das Gesetz und k\u00fcndigten in hysterischen Werbeschaltungen ein gro\u00dfes Kinosterben an, falls der Entwurf verabschiedet w\u00fcrde. Einige gingen sogar so weit, das Publikum daf\u00fcr verantwortlich zu machen, dass so wenige Filme auf Katalanisch gezeigt w\u00fcrden. Der Protest der Branche gipfelte am 1. Februar 2009 in einen Streik mit geschlossenen Kinos\u00e4len, der in der Bev\u00f6lkerung jedoch auf breite Ablehnung stie\u00df.<\/p>\n<p>Der rechtsgerichtete <em>Partit Popular<\/em> (PP) zerrte das Gesetz noch vor Gericht, wo es jedoch in vollem Umfang best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<p>Die <em>Generalitat<\/em> war der Auffassung, das Gesetz sei n\u00f6tig, um den gesamten Sektor neu zu regeln, und zwar nicht nur hinsichtlich der sprachlichen Diversit\u00e4t. Es schafft einen einheitlichen Rahmen f\u00fcr die gesamte Kinoindustrie und reglementiert von der Produktion \u00fcber die Kommerzialisierung bis hin zur Verteilung und Vorf\u00fchrung von Filmen alle wichtigen Bereiche des Sektors. Au\u00dferdem werden Archivierung und Verwahrung des filmischen Landesverm\u00f6gens neu organisiert. Es ist auch die Schaffung und F\u00f6rderung eines neuen Kinonetzwerks vorgesehen, wo bevorzugt europ\u00e4ische Filme in Originalversion sowie katalanische Produktionen gezeigt werden sollen.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcsselteil des Gesetzes ist jedoch zweifellos der sprachliche. Die Regierung war \u00fcberzeugt, dass die derzeitige Situation nicht die gesellschaftliche und sprachliche Realit\u00e4t des Landes widerspiegle und das Recht der B\u00fcrger, Filme in beiden offiziellen Landessprachen sehen zu k\u00f6nnen, nicht gewahrt sei. Das katalanische Kulturministerium verwies darauf, dass das sprachliche Verh\u00e4ltnis bei Filmvorf\u00fchrungen wesentlich schlechter sei, als in anderen Bereichen. So f\u00fchrten etwa katalanischsprachige Radiosender in H\u00f6rerzahlen weit vor den spanischsprachigen, und es w\u00fcrden weit mehr als 3% katalanische B\u00fccher verkauft, obwohl die Auswahl an spanischen B\u00fcchern ungleich gr\u00f6\u00dfer ist.<\/p>\n<p>Konkret sorgt das neue Gesetz daf\u00fcr, dass mindestens 50% der Vorf\u00fchrungen jedes <span style=\"text-decoration: underline;\">\u00fcbersetzten<\/span> oder <span style=\"text-decoration: underline;\">synchronisierten<\/span> Films in katalanischer Sprache laufen m\u00fcssen. Werke, deren Originalsprache Katalanisch oder Spanisch ist, sind davon also nicht betroffen. Au\u00dferdem gibt es eine Ausnahmeregelung f\u00fcr kleine Produktionen bzw. Filme mit sehr wenigen Vorf\u00fchrungen. Der Branche wird eine \u00dcbergangsfrist von vier Jahren einger\u00e4umt, um die <em>sprachlichen<\/em> Verpflichtungen in vollem Umfang zu erf\u00fcllen. Au\u00dferdem ist ein territoriales \u00bbGleichgewicht\u00ab vorgeschrieben, das verhindern soll, dass die Quote an katalanischen Vorf\u00fchrungen nur in bestimmten Territorien oder in Ortschaften mit geringer Bev\u00f6lkerungszahl \u00bbabgearbeitet\u00ab werden, w\u00e4hrend anderswo weiterhin nur spanische Filme verf\u00fcgbar sind. Im vergangenen Jahr waren 90% der Filme in Kataloniens Kinos spanisch synchronisiert (oder in spanischer Originalversion) und 2,7% katalanisch synchronisiert (oder in katalanischer Originalversion). Spanisch untertitelt waren 7,8% der Filme, katalanische Untertitel hatten dagegen 0,12% der Streifen. Umfragen best\u00e4tigen, dass die neue Quotenregelung in der Bev\u00f6lkerung einen sehr breiten R\u00fcckhalt genie\u00dft.<\/p>\n<p>Das Gesetz sieht f\u00fcr Zuwiderhandlungen Mindeststrafen von EUR 5.000,- pro Kopie (!) vor, wobei zus\u00e4tzliche Strafen an den Kassenerfolg des Films gekoppelt werden k\u00f6nnen. Insgesamt k\u00f6nnen Strafen in H\u00f6he von bis zu EUR 75.000,- verh\u00e4ngt werden. Ein eigener Fonds wird unabh\u00e4ngige Filmverteiler und die katalanische Filmproduktion f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Dass eine \u00dcbergangsfrist von insgesamt f\u00fcnf Jahren (vier Jahre f\u00fcr die sprachlichen Bestimmungen) bis zur vollen Umsetzung vorgesehen ist, k\u00f6nnte laut Ferran Mascarell, Kulturminister der neuen katalanischen Regierung, dazu beitragen, dass gar keine Strafen verh\u00e4ngt werden m\u00fcssen \u2014 weil die Unternehmen genug Zeit haben, sich schrittweise anzupassen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12142\" title=\"EU beanstandet \u00bbllei del cinema\u00ab.\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am gestrigen Sonntag ist in Katalonien \u2014 ein halbes Jahr nach Ver\u00f6ffentlichung im Amtsblatt \u2014 das neue \u00bbKinogesetz\u00ab in Kraft getreten. 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