{"id":72216,"date":"2022-05-17T10:49:49","date_gmt":"2022-05-17T08:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72216"},"modified":"2022-07-26T10:19:51","modified_gmt":"2022-07-26T08:19:51","slug":"abgeordnetenbeschimpfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72216","title":{"rendered":"Abgeordnetenbeschimpfung."},"content":{"rendered":"<p>Ich wurde k\u00fcrzlich darauf hingewiesen, dass <a href=\"https:\/\/stream.consiglio-bz.org\/de\/sitzung\/731\/7806\" rel=\"\">Andreas Leiter Reber<\/a> (F) in der Landtagssitzung am 12. Mai anl\u00e4sslich eines Begehrensantrages der S\u00fcd-Tiroler Freiheit zum geplanten <a title=\"Neuer faschistischer Alpinifeiertag.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71610\" rel=\"\">nationalen Alpini-Gedenktag<\/a> am 26. J\u00e4nner einen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/diefreiheitlichen\/posts\/380295100621337?comment_id=380365900614257&amp;reply_comment_id=380403463943834\" rel=\"\">Facebook-Kommentar<\/a> von mir zitiert hat, den ich als Antwort auf Senatorin Julia Unterberger verfasst hatte.<\/p>\n<p>Daraufhin habe ich mir die gesamte Diskussion zu diesem Antrag angesehen und gleich wieder bereut, dies getan zu haben. Es war schlichtweg schockierend, wie undifferenziert die Debatte verlaufen ist und wie einzelne Abgeordnete primitivsten Bei\u00dfreflexen erlegen sind sowie ihre Unf\u00e4higkeit &#8211; wie man meinen m\u00f6chte &#8211; recht simple Zusammenh\u00e4nge zu erfassen, auch noch offen zelebriert bzw. zur Schau getragen haben und sich als intellektuelle Nackerpatzerln geb\u00e4rdeten, f\u00fcr die wohl auch das Schn\u00fcrsenkelbinden eine geistige \u00dcberforderung darstellt. <em>Cringe<\/em> w\u00fcrde man heute dazu sagen.<\/p>\n<p>Der (\u00fcbrigens sehr gut, unpolemisch und differenziert im Vorfeld von Sven Knoll begr\u00fcndete) Antrag im Wortlaut:<\/p>\n<blockquote>\n<ol>\n<li>Der S\u00fcdtiroler Landtag schlie\u00dft sich der Meinung von Historikern sowie der Vereinigung der ehemaligen KZ-H\u00e4ftlinge an und spricht sich gegen einen Alpini-Gedenktag am 26. J\u00e4nner aus, mit dem die Schlacht von Nikolajewka glorifiziert wird. Das italienische Parlament wolle daher seine Entscheidung \u00fcberdenken und von einem Alpini-Gedenktag am 26. J\u00e4nner Abstand nehmen.<\/li>\n<li>Der S\u00fcdtiroler Landtag beauftragt die Landesregierung, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass \u2013 aus R\u00fccksicht auf die Opfer des Holocaust, von Faschismus, Nationalsozialismus und Krieg \u2013 das Land an keinen Feiern am 26. J\u00e4nner teilnimmt. Dem italienischen Parlament sowie der italienischen Regierung wird daher mitgeteilt, dass sich das Land S\u00fcdtirol aus Verantwortung vor der Geschichte und aus Respekt vor den Opfern nicht an Feierlichkeiten am 26. J\u00e4nner beteiligen wird.<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p>Landeshauptmann Arno Kompatscher schien es beim Zuh\u00f6ren \u00e4hnlich ergangen zu sein wie mir, denn er bem\u00e4ngelte in seiner &#8211; diplomatisch formulierten &#8211; Wortmeldung genau das: Der Antrag sei keine Provokation. Derartige Debatten bed\u00fcrften vielmehr der Sachlichkeit und der Differenzierung, ohne dass man sich gleich in ethnischen Sch\u00fctzengr\u00e4ben verschanze, vor allem dann, wenn besagte Fragestellung keinerlei ethnische Dimension aufweise. Jedenfalls war Kompatscher einer der Wenigen, die die Problematik erfasst haben, wenngleich ich seinen Schluss daraus nicht vollinhaltlich teile. Aber dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Womit wir bei der Differenzierung w\u00e4ren. Die erste Ebene ist die Frage, ob die Alpini einen italienweiten Gedenktag brauchen. \u00dcber diese Frage kann man vortrefflich streiten und als Demokrat unterschiedlicher Meinung sein. Man kann Feiertage f\u00fcr Milit\u00e4reinheiten in einem pazifistischen Sinne f\u00fcr unpassend halten oder man m\u00f6chte die milit\u00e4rischen und gesellschaftlichen Leistungen der Gebirgsj\u00e4ger gew\u00fcrdigt wissen. Beides ist ok. Meinetwegen hat <em>diese<\/em> Ebene auch noch eine ethnische Dimension, da vor allem deutsch- und ladinischsprachige S\u00fcdtirolerinnen mit der Geschichte der Gebirgsj\u00e4ger in unserem Land &#8211; vorsichtig ausgedr\u00fcckt &#8211; nicht nur positive Assoziationen haben, ungeachtet dessen, dass die Alpini in den vergangenen Jahrzehnten im Zivilschutz und in der Katastrophenhilfe wichtige Arbeit zum Wohle aller geleistet haben.<\/p>\n<p>Die zweite Ebene hingegen betrifft das Datum und den Anlassfall f\u00fcr den Ehrentag &#8211; die Schlacht von Nikolajewka (damalige Sowjetunion) am 26. J\u00e4nner 1943. Dar\u00fcber darf es aus heutiger Sicht in einer Demokratie keine unterschiedlichen Standpunkte geben. Die &#8220;Heldentaten&#8221; w\u00e4hrend eines nazifaschistischen Angriffskrieges zu feiern ist mit einer demokratischen Grundhaltung nicht vereinbar. Es sagt viel \u00fcber den Zustand des italienischen Senats und der SVP aus, dass ein Gesetzesentwurf, mit dem explizit der Taten einer faschistischen Milit\u00e4reinheit gedacht wird, nahezu einstimmig (eine Enthaltung) angenommen wird und dass keinem der 190 anwesenden Senatoren in den Sinn gekommen ist, dass das vielleicht keine so gute Idee sein k\u00f6nnte. Dabei ist die Formulierung im Gesetzestext eindeutig:<\/p>\n<blockquote><p>La Repubblica riconosce il giorno 26 gennaio di ciascun anno quale Giornata nazionale della memoria e del sacrificio degli Alpini, al fine di conservare la memoria dell&#8217;eroismo dimostrato dal Corpo d&#8217;armata alpino nella battaglia di Nikolajewka durante la seconda guerra mondiale [&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn ich damit kein Problem habe, bin ich entweder zu bl\u00f6d, um zwischen den beiden genannten Ebenen unterscheiden zu k\u00f6nnen, oder ich bin ein Faschist. Andere Erkl\u00e4rung gibt es keine und beides ist nicht sehr schmeichelhaft.<\/p>\n<p>Dass jedoch einige S\u00fcdtiroler Landtagsabgeordnete nachdem in ganz Italien eine Diskussion \u00fcber den missgl\u00fcckten Feiertag entbrannt ist und Staatspr\u00e4sident Sergio Mattarella gl\u00fccklicherweise die Notbremse gezogen hat, indem er ein anderes Datum eingefordert hat, immer noch nicht verstanden haben, worin die Problematik liegt, ist zum Pl\u00e4rren.<\/p>\n<p>Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Stellungnahmen einiger Clowns vom Landhausplatz.<\/p>\n<p>Alessandro Urz\u00ec von den postfaschistischen Fratelli d&#8217;Italia spricht von einer Provokation, die die gesamte italienische Geschichte als faschistisch darstellen wolle (die gesamte italienische Geschichte? WTF?) und dass Nikolajewka Symbol des Heldentums der Alpini sei. Was die STF macht, sei ein sch\u00e4biges Spiel. \u00c4hnlich der Gegnerschaft zum Alpinidenkmal in Bruneck, das ein Friedenssymbol (sic!) sei. Klar, wenn eine Gruppe in ein Haus einbricht, das Haus danach von der Polizei umstellt wird und es einem Teil der Einbrecher gelingt, der Einkesselung zu entkommen, indem sie sich den Weg freischie\u00dfen und dabei noch ein paar Hausbewohner und Polizisten abknallen, dann muss man eine solche Aktion Jahre sp\u00e4ter offiziell als &#8220;Heldentat&#8221; feiern. Wer da etwas dagegen hat, ist ein Provokateur und &#8220;anti-italienisch&#8221;. Wahrscheinlich so &#8220;anti-italienisch&#8221; wie der Staatspr\u00e4sident, der verstanden hat, dass man zwar die Alpini ehren kann, aber dabei nicht auf das besagte Datum verweisen darf. Danach h\u00e4lt Urz\u00ec (aus welchem Grund auch immer) noch ein Bild eines Sch\u00fctzenmarsches unter dem Hakenkreuz w\u00e4hrend der Nazizeit in Brixen hoch, wirft es zu Boden und schwafelt davon, dass man Geschichte nicht ausl\u00f6schen k\u00f6nne. Er bem\u00fcht sich redlich, mit jeder seiner Aussagen zu belegen, dass er nicht kapiert hat, worin das Problem liegt, oder dass es ihm &#8211; wohl aufgrund seiner politischen Ausrichtung &#8211; einfach wurscht oder gar recht ist.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste in der Runde ist Sandro Repetto von der Mitte-links(?)-Partei PD. Der Antrag sei ein Antrag gegen die Alpini, meinte der <del>Postfa<\/del> Linkspolitiker. Nikolajewka sei einer der Grundpfeiler der Werte der Alpini: Opferbereitschaft, Gedenken, Solidarit\u00e4t, Friedenswille (?) und Br\u00fcderlichkeit. Danach spricht Repetto von der Freiwilligenarbeit und dem sozialen Engagement der Alpini. Ganz so, also ob das in irgendeiner Form in diesem Zusammenhang relevant w\u00e4re. Niemand bestreitet, dass die Alpini heute auch wertvolle Arbeit f\u00fcr die Gemeinschaft leisten. Umso unverst\u00e4ndlicher ist es ja, dass man sich dann f\u00fcr einen Alpinifeiertag auf die dunkelste Stunde der Gebirgsj\u00e4gereinheit &#8211; n\u00e4mlich die Beteiligung an nazifaschistischen Angriffskriegen &#8211; bezieht. Zudem sei es eine enorme Beleidigung, seinen Vater, der ein Alpino war, in die N\u00e4he des Faschismus zu r\u00fccken. An dieser Stelle noch einmal ganz langsam f\u00fcr Herrn Repetto: Nicht alle Wehrmachtssoldaten waren Nazis und nicht alle Alpini im Zweiten Weltkrieg waren Faschisten. Dennoch standen Deutschland und Italien damals auf der falschen Seite der Geschichte und f\u00fcr ein menschenverachtendes System. Als solches haben sie gro\u00dfes Leid \u00fcber die eigene Bev\u00f6lkerung und \u00fcber weite Teile der Welt gebracht. Und diesen Umstand darf man als Demokratie nicht feiern. Im Gegenteil: man hat die historische Verantwortung zu tragen. Davon getrennt zu betrachten ist die individuelle Verantwortung der einzelnen M\u00e4nner an der Front, die sich jetzt nach so langer Zeit kaum mehr isoliert beurteilen l\u00e4sst. Mein Gro\u00dfvater hat auch in der Wehrmacht in Russland gek\u00e4mpft. Nur weil man nicht m\u00f6chte, dass einem nazifaschistischen Angriffskrieg gehuldigt wird, an dem eventuell auch Vorfahren beteiligt waren, identifiziert man diese einzelnen Individuen nicht notwendigerweise mit besagten menschenverachtenden Ideologien. Und wenn diese Individuen damals von Hitler oder Mussolini \u00fcberzeugt waren, ist das ein dunkler Fleck in ihrer Biographie, den man nicht feiern sollte. Es ist auch m\u00f6glich, dass von der Sache \u00fcberzeugte Wehrmachtssoldaten und Alpini nach dem Zweiten Weltkrieg liebevolle und friedliebende Menschen geworden sind. Das alles hat aber mit dem Inhalt des Begehrensantrages nicht das Geringste zu tun.<\/p>\n<p>Carlo Vettori (Forza Italia) ortet ebenfalls eine Provokation und einen Kindergarten. Man habe Wichtigeres zu tun. Der Staatspr\u00e4sident habe die Sache ja bereits gel\u00f6st, indem er ein anderes Datum gefordert hat. Das ist korrekt. Jedoch bliebe der Gesetzestext dem Vernehmen nach so, wie er oben wiedergegeben ist, mit dem Bezug auf den Zweiten Weltkrieg, bestehen. Beschlossen von einem demokratischen Parlament im Jahre 2022.<\/p>\n<p>Giuliano Vettorato (Lega) meint, dass es ihm zuwider sei, im Jahre 2022 solche &#8220;politischen Spiele&#8221; diskutieren zu m\u00fcssen, r\u00e4umt aber ein, dass das Datum &#8220;diskutabel&#8221; sei. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, Kollege Vettorato. Der Antrag richtet sich nicht gegen einen Alpini-Gedenktag im Allgemeinen, sondern eben gerade gegen das Datum mit Bezug auf die Schlacht von Nikolajewka &#8211; auf den Umstand also, der auch laut Vettorato zumindest &#8220;diskutabel&#8221; sei. Danach erz\u00e4hlt Vettorato von einer Episode in Leifers, wo Carabinieri, Musikkapelle und Sch\u00fctzen einen gegenseitigen respektvollen Umgang pflegten. Ja, genau. Und meine Lieblingsspeise ist Wiener Schnitzel mit Pommes. Eine Information, die \u00e4hnlich viel mit der Thematik zu tun hat. \u00dcberdies seien die Alpini apolitisch und schon gar keine Faschisten. Vielmehr leisteten sie Sozialarbeit. Ja, und Pizza mag ich auch. Vettorato schlie\u00dft mit &#8220;Viva gli Alpini&#8221;.<\/p>\n<p>Riccardo Dello Sbarba (der uns informiert, dass sein Vater ebenfalls Alpino war) von den Gr\u00fcnen nennt den Antrag in dieser Form &#8220;nicht akzeptabel&#8221;, weil er eine Kriegserkl\u00e4rung (sic!) an die Alpini sei. Was nimmt der Mann? Das will ich auch! Und die faschistischen Einheiten von damals seien nicht vergleichbar mit heute. Dello Sbarba r\u00e4umt aber ein, dass es tats\u00e4chlich ein Problem mit dem Datum g\u00e4be und dass auch bereits <a title=\"Einige Alpini gegen eigenen Feiertag.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72194\" rel=\"\">39 hochrangige Alpini<\/a> gegen dieses opponiert h\u00e4tten. Und auch ein PD-Kollege Repettos im Parlament habe von einem &#8220;Versehen&#8221; gesprochen, das ge\u00e4ndert werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Auch ich halte es f\u00fcr falsch, die Alpini pauschal als Faschismussympathisanten zu diffamieren. Was im Zuge dieses Antrags auch niemand getan hat. Aber dass die Wahl des Datums ein &#8220;Versehen&#8221; war, das halt mal passieren k\u00f6nne, ist absurd. Die Wahl des Datums ist nicht einfach so passiert, sondern war bewusst und gewollt. Das zeigt auch die nach der Senatsabstimmung \u00fcber die Nachrichtenagentur ANSA verbreitete Stellungnahme des Pr\u00e4sidenten (!) der nationalen Alpini-Vereinigung ANA, Sebastiano Favero, der schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>\u00c8 un voto che ci riempie di un orgoglio pi\u00f9 che legittimo [&#8230;] anche per la data individuata per la celebrazione, ovvero il 26 di gennaio, che coincide con l\u2019anniversario della battaglia di Nikolajewka, il drammatico ed eroico episodio del 1943 assurto a simbolo del valore e dello spirito di sacrificio delle penne nere.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Aussage bezeugt, dass wenn die Alpini-F\u00fchrung keine Faschisten sind, sie zumindest ein riesiges Problem mit ihrem historischen Verst\u00e4ndnis und der Geschichtsaufarbeitung haben. Insofern w\u00e4re die Anschuldigung, dass auch die Alpini von heute ein zweifelhaftes Verh\u00e4ltnis zur faschistischen Ideologie und Vergangenheit pflegen, nicht v\u00f6llig aus der Luft gegriffen.<\/p>\n<p>Auftritt Paula Bacher (SVP):<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] Ich denke mir, mit ein bisschen Sensibilit\u00e4t und Toleranz m\u00fcsste man nicht Provokationen sch\u00fcren, sondern zu einer L\u00f6sung des Problems kommen. Ich bin seit 40 Jahren bei den Sch\u00fctzen in Brixen. [&#8230;] Und &#8211; Signor Repetto &#8211; mein Urgro\u00dfvater war bei den Kaiserj\u00e4gern. Deshalb muss ich genauso versuchen, diese Toleranz zu leben. Ich war in der Tracht auch am 4. November bei der Alpini-Gedenkfeier dabei und sie haben das respektiert. Und ich habe auch in Brixen die Veranstaltungen, die die Alpini gemacht haben, \u00f6fters besucht. Und ich habe hier auf beiden Seiten den Respekt gesp\u00fcrt und gesehen, was au\u00dferhalb des Landtages gelebt wird.<\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>gegl\u00e4ttete Transkription von mir<\/em><\/small><\/p>\n<p>Dazu f\u00e4llt mir in diesem Zusammenhang ein, dass ich auch die asiatische K\u00fcche sehr sch\u00e4tze. Und vielleicht gibt es sogar irgendwo einen Alpino, der schon mal ein indisches Chicken Curry gegessen hat. Und schwupps ist das Problem gel\u00f6st. Ganz sensibel und tolerant.<\/p>\n<p>Perplex zur\u00fcckgelassen hat mich auch die Wortmeldung von Myriam Atz Tammerle (STF), einer der Einbringerinnen des Antrags, die offenbar selbst nicht verinnerlicht hat, was die universelle Kernproblematik ist, die die Wahl des 26. J\u00e4nners (der Tag vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag) aufzeigt und die in ihrem eigenen Antrag formuliert ist. Sie bricht die ganze Geschichte n\u00e4mlich wieder auf eine ethnische Dimension herunter, indem sie sagt, dass ein derartiger Gedenktag mit gehissten italienischen Fahnen &#8220;zu viel des Guten&#8221; f\u00fcr die S\u00fcdtiroler bzw. f\u00fcr Gesamttirol sei.<\/p>\n<p>Das ist v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn. Hier geht es nicht um Tirol oder um italienisch versus deutsch. Es geht darum, dass man als Demokratie nicht ein Ereignis aus einem nazifaschistischen Angriffskrieg als Anlass f\u00fcr einen Ehrentag nehmen kann. Das ist &#8220;zu viel des Guten&#8221; f\u00fcr jeden aufrechten Demokraten &#8211; egal welcher Muttersprache. Entsprechend gibt es ja auch Widerstand in ganz Italien. Atz Tammerle denkt offenbar in exakt den gleichen Kategorien wie ihr Kollege Urz\u00ec &#8211; nur halt seitenverkehrt. Der STF-Antrag ist ebenso wenig eine &#8220;Kriegserkl\u00e4rung&#8221; an Italien oder die Alpini, wie der Bezug auf den 26. J\u00e4nner ein spezielles Problem f\u00fcr die Tirolerinnen darstellt. Vielmehr bedeutet der STF-Antrag die Einforderung demokratischer Mindeststandards und der Bezug auf den 26. J\u00e4nner ein Problem f\u00fcr alle demokratisch gesinnten Menschen im Land.<\/p>\n<p>Als Beleg, dass Urz\u00ec der Respekt vor &#8220;der anderen Seite&#8221; fehle, w\u00e4hlt Atz Tammerle dann noch die denkbar ung\u00fcnstigste Episode &#8211; n\u00e4mlich jene, als Urz\u00ec ein Bild der Sch\u00fctzen unter dem Hakenkreuz ver\u00e4chtlich auf den Boden geworfen hat. Das ist zwar kein Verhalten, welches man im Landtag an den Tag legen sollte, aber es hat weder etwas mit der besprochenen Thematik zu tun, noch zeigt das Bild einen Teil der Tiroler Geschichte, der anderen Respekt abringen sollte.<\/p>\n<p>Am Ende ist es der Landeshauptmann, der versucht, die Wogen ein wenig zu gl\u00e4tten und der Differenzierung und Sachlichkeit in die Diskussion bringt. Abschlie\u00dfend findet Kompatscher, dass der Antrag obsolet sei, da Mattarella ja bereits ein anderes Datum eingefordert habe. Dem entgegnet Sven Knoll, dass der Bezug auf den Zweiten Weltkrieg im Gesetzestext bestehen bleiben w\u00fcrde, da Matarella ja nicht das Gesetz an sich zur\u00fcckgewiesen hat (das kann er auch nicht, da es verfassungskonform zustande gekommen ist). Das sehe ich genauso. Selbst bei einer \u00c4nderung des Datums, bliebe der ungeheuerliche Verweis auf den Angriffskrieg in einer Region, wo gerade jetzt wieder ein solcher tobt, bestehen. Da es zu dieser \u00c4nderung bislang auch nur diverse Willenserkl\u00e4rungen und noch keinen Beschluss gibt, w\u00e4re eine diesbez\u00fcgliche Forderung des S\u00fcdtiroler Landtages auch nicht obsolet, sondern durchaus opportun. Sie w\u00fcrde n\u00e4mlich unterstreichen, dass auch der Landtag die Problematik der Senatsentscheidung wahrgenommen und als demokratische Institution mit dieser ein Problem hat.<\/p>\n<p>In der Folge wurden beide Punkte des Antrags vom Landtag abgelehnt.<\/p>\n<p>Punkt 1:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>6<\/td>\n<td>JA<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>18<\/td>\n<td>NEIN<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>ENTH.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>NICHT T.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Punkt 2:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>6<\/td>\n<td>JA<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>19<\/td>\n<td>NEIN<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>ENTH.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>NICHT T.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Daf\u00fcr gestimmt haben STF, F, Enzian (Unterholzner) und Perspektiven f\u00fcr S\u00fcdtirol (Faistnauer). Dagegen waren die SVP, die Lega, FdI, FI, PD und M5S. Die Enthaltungen stammen nach den Informationen, die mir vorliegen, Gro\u00dfteils von den Gr\u00fcnen, w\u00e4hrend das Team K. angeblich den Grundsatz pflegt, an Abstimmungen zu &#8220;ethnischen Themen&#8221; nicht teilzunehmen. Die &#8220;\u00fcberethnischen&#8221; Abgeordneten des Team K. haben sich zwar nicht an der Diskussion beteiligt, belegen aber mit ihrem Verhalten, dass auch sie nicht verstanden haben, worin die Problematik liegt, denn nur ein zutiefst in der &#8220;ethnischen Logik S\u00fcdtirols&#8221; verhafteter Mensch vermag in der Diskussion um den 26. J\u00e4nner ein &#8220;ethnisches Thema&#8221; zu erkennen. Einziger Trost: Diese &#8220;Logik&#8221; entspricht zu einhundert Prozent dem unterirdischen Niveau der Diskussion. Somit gibt es zumindest so etwas wie Koh\u00e4renz im Narrenk\u00e4fig.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Neuer faschistischer Alpinifeiertag.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71610\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Einige Alpini gegen eigenen Feiertag.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72194\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Alpini: festeggiare la Prima guerra mondiale?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71961\" rel=\"\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Neues Alpinidenkmal f\u00fcr Bozen?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71892\" rel=\"\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Giornata degli Alpini e riabilitazione del fascismo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71800\" rel=\"\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"ANED condanna, l\u2019ANA festeggia.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71697\" rel=\"\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Alpini: Unterberger greift Kritikerinnen an.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=71677\" rel=\"\"><code>07<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde k\u00fcrzlich darauf hingewiesen, dass Andreas Leiter Reber (F) in der Landtagssitzung am 12. 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