{"id":72706,"date":"2022-06-12T09:52:29","date_gmt":"2022-06-12T07:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72706"},"modified":"2023-11-08T19:17:01","modified_gmt":"2023-11-08T18:17:01","slug":"judische-opfer-der-russischen-entnazifizierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72706","title":{"rendered":"J\u00fcdische Opfer der russischen \u00bbEntnazifizierung\u00ab."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Die <em><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/religion\/polens-oberrabbiner-in-der-ukraine-geht-es-um-vernichtung\/\">J\u00fcdische Allgemeine<\/a><\/em> l\u00e4sst Polens Oberrabbiner Michael Schudrich zu Wort kommen. Mit dem Blick auf den Ukrainekrieg spricht er von \u00bbVernichtung\u00ab. Die Aggression, der Krieg und die Gewalt, die Vernichtung und die Verbrechen zeigen laut dem polnischen Oberrabbiner die Immoralit\u00e4t Putins.<\/p>\n<p>Im Interview mit der <em><a href=\"https:\/\/learngerman.dw.com\/de\/ein-polnischer-oberrabbiner-hilft-juden-aus-der-ukraine\/a-61123705\">Deutschen Welle<\/a><\/em> wurde Schudrich noch deutlicher: \u00bbDas ist ja letztlich kein Krieg &#8211; im Krieg richten sich Angriffe gegen milit\u00e4rische Einrichtungen.\u00ab<\/p>\n<p>In Polen unterst\u00fctzt eine j\u00fcdische Hilfsorganisation t\u00e4glich 30.000 Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine mit Essen. \u00bbFl\u00fcchtlingshilfe ist Fl\u00fcchtlingshilfe, das ist kein politisches Statement,\u00ab beschreibt der Oberrabbiner die j\u00fcdische Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Vor dem russischen Eroberungskrieg fl\u00fcchten viele j\u00fcdische UkrainerInnen.&nbsp; Die meisten davon nach Israel, hei\u00dft es bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) des sozialen Dachverbands der j\u00fcdischen Gemeinden. Eine nicht unbetr\u00e4chtliche Gruppe j\u00fcdischer Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine sucht aber auch in Deutschland Asyl.<\/p>\n<p>Die ZWST unterstreicht, dass die j\u00fcdischen Gefl\u00fcchteten in Deutschland zum Gro\u00dfteil sehr schutzbed\u00fcrftig sind. Viele sind Jahrg\u00e4nge 1933-1939, Shoah-\u00dcberlebende, Frauen und Kinder. Die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ukraine-krieg-juden-flucht-1.5566048\"><em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em><\/a> zitiert die ZWST, die t\u00e4glich mit Bussen Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland in Sicherheit bringt und die Fl\u00fcchtlinge \u00fcber die mehr als 100 j\u00fcdischen Gemeinden in Deutschland verteilt.<\/p>\n<p>Die <em>J\u00fcdische Allgemeine<\/em> wirft der russischen Armee die Zerst\u00f6rung der Ukraine und der j\u00fcdisch-ukrainischen Vielfalt vor. 300.000 UkrainerInnen sind j\u00fcdisch, sie sind die Erben der 1,5 Millionen Juden, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordet wurden.<\/p>\n<p>Dem russischen Krieg, von Pr\u00e4sident Putin und seinem Kriegsminister als Sondereinsatz zur Entnazifizierung umschrieben, f\u00e4llt derzeit der Osten des Landes zum Opfer. Die Armee zerst\u00f6rt planvoll und gezielt die St\u00e4dte, <a href=\"https:\/\/gfbv-voices.org\/mariupol-gibt-es-nicht-mehr-das-zentrum-der-griechischen-minderheit-in-der-ukraine-liegt-in-schutt-und-asche\/\">Mariupol<\/a> ist das Symbol dieses Krieges.<\/p>\n<p>Die alte Synagoge und das neue j\u00fcdische Gemeindezentrum in Mariupol sind vollkommen zerst\u00f6rt, berichtet die <em>J\u00fcdische Allgemeine.<\/em> In Charkiw besch\u00e4digte der russische Beschuss das Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Holocaust, genauso die j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe in den Regionen Kiew, <a href=\"https:\/\/ukraineverstehen.de\/gedenken-odessa-massaker\/\">Odesa<\/a> und Sumy. \u00bbDie j\u00fcdische Gemeinde in der Ukraine erlebt durch den Krieg Verluste, die unwiederbringlich sind. Vor unseren Augen wird dieser Tage ein einzigartiger Teil der j\u00fcdischen Diaspora zerst\u00f6rt,\u00ab kommentiert die <em>J\u00fcdische Allgemeine<\/em> die Zerst\u00f6rung der j\u00fcdischen Ukraine.<\/p>\n<p>J\u00fcdische UkrainerInnen fl\u00fcchteten gemeinsam mit ihren Landsleuten westw\u00e4rts, nach Polen, nach Moldawien, in die Slowakei, nach Deutschland. Den j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingen helfen die <em>Jewish Agency<\/em> und das <em>American Jewish Joint Distribution Committee<\/em> (JOINT). Die beiden Organisationen bem\u00fchen sich darum, die j\u00fcdischen UkrainerInnen f\u00fcr eine Einwanderung in Israel zu gewinnen. Mehr als 15.000 sollen dieses Angebot bereits angenommen haben.<\/p>\n<p>Die israelischen Beh\u00f6rden k\u00fcmmern sich um die Einwanderer, die oft alles verloren haben. Diese Menschen werden wohl kaum in ihr zerst\u00f6rtes Heimatland zur\u00fcckkehren, vermutet die <em>J\u00fcdische Allgemeine,<\/em> aber damit wird auch das <a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/juedische-welt\/fuer-immer-verloren\/\">j\u00fcdische Leben<\/a> in der Ukraine verloren gehen: \u00bbSchon jetzt zeigt sich, dass die j\u00fcdische Gemeinde in der Ukraine im Vergleich mit der Gesamtgesellschaft durch die kriegsbedingte Emigration \u00fcberproportional viele Menschen verloren hat. W\u00e4hrend des Zerfalls der Sowjetunion vor 30 Jahren hatte es eine gro\u00dfe Auswanderungswelle nach Israel, Deutschland und in die Vereinigten Staaten gegeben. Doch auch danach war die j\u00fcdische Gemeinde in der Ukraine noch immer gro\u00df. Inzwischen ist die Zahl der Gemeindemitglieder auf ein kritisches Minimum gesunken. In vielen, auch relativ gro\u00dfen St\u00e4dten wird es nach dem Krieg keine j\u00fcdischen Gemeinden mehr geben.\u00ab Das ist eine Folge der russischen \u00bbEntnazifizierung\u00ab der Ukraine.<\/p>\n<p>Damit endet auch das sehr bunte vielf\u00e4ltige j\u00fcdische Leben, ukrainisch-j\u00fcdische Gemeinden standen f\u00fcr ethnisch-kulturelle Vielfalt. Neben den osteurop\u00e4ischen Aschkenasim bildeten die <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/krim-die-annexion-aus-sicht-von-minderheiten-wie-den-karaeern-ld.1517545\">Krim- und die Galizisch-Wolyner Kar\u00e4er sowie die Krimtschaken<\/a> die zweite gro\u00dfe Gruppe innerhalb der j\u00fcdischen Gemeinden. Entstanden unter der muslimischen Bev\u00f6lkerung der S\u00fcdukraine sprachen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kar%C3%A4er\">Kar\u00e4rer<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krimtschaken\">Krimtschaken<\/a> j\u00fcdische Dialekte der Turksprachen. Die Kar\u00e4er erkennen au\u00dferdem die Autorit\u00e4t des Talmuds nicht an.<\/p>\n<p>\u00bbDie Einzigartigkeit dieser kleinen j\u00fcdischen Gruppen ist so gro\u00df, dass die Ukraine sie im vergangenen Jahr, zusammen mit den Krimtataren, <a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/de\/ukrainians-russians-not-one-people\">per Gesetz als indigene V\u00f6lker<\/a> anerkannt hat. In welchem anderen Land der Welt haben Juden als indigenes Volk einen besonderen Schutzstatus? Diese Situation ist einzigartig,\u00ab w\u00fcrdigt die <em>J\u00fcdische Allgemeine<\/em> die Minderheitenpolitik des ukrainischen Staates.<\/p>\n<p>Der russische Krieg in der Ukraine zerstreute die Gemeinden, teilweise wurden Angeh\u00f6rige nach Russland deportiert. Deshalb gibt es in der v\u00f6llig zerst\u00f6rten Stadt Mariupol keine Kar\u00e4er mehr. Das gilt auch f\u00fcr Melitopol, wo sich vor der russischen Invasion das kar\u00e4ische Kulturzentrum befand. In Charkiw wurde die einzige kar\u00e4ische Synagoge des Landes geschlossen. Die meisten Gemeindemitglieder haben die Stadt verlassen.<\/p>\n<p>\u00bbDie j\u00fcdische Gemeinde in der Ukraine erlebt durch den Krieg Verluste, die unwiederbringlich sind. Vor unseren Augen wird dieser Tage ein einzigartiger Teil der j\u00fcdischen Diaspora zerst\u00f6rt,\u00ab bedauert die <em>J\u00fcdische Gemeinde<\/em> das absehbare Ende der j\u00fcdischen Ukraine.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a href=\"https:\/\/libmod.de\/beck-reisebericht-odesa\/\">Reisebericht: Marieluise Beck in Odesa &#8211; libmod.de<\/a><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die J\u00fcdische Allgemeine l\u00e4sst Polens Oberrabbiner Michael Schudrich zu Wort kommen. 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