{"id":7590,"date":"2011-04-18T10:59:51","date_gmt":"2011-04-18T08:59:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7590"},"modified":"2026-02-02T08:44:55","modified_gmt":"2026-02-02T07:44:55","slug":"%c2%bbkulturhauptstadt%c2%ab-2019-%e2%80%94-eine-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7590","title":{"rendered":"\u00bbKulturhauptstadt\u00ab 2019 \u2014 eine Kritik."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Wie von ihren Pr\u00e4sidenten am 1.10.2010 beschlossen, bewerben sich die Regionen Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Provinzen S\u00fcdtirol, Trentino und Venedig und die Stadt Venedig gemeinsam um den Titel \u201cEurop\u00e4ische Kulturhauptstadt 2019\u201d. Offiziell hei\u00dft dieses j\u00e4hrlich seit 1985 von der EU verliehene Siegel noch so, weil es tats\u00e4chlich in der Regel an St\u00e4dte verliehen wird \u2014 auch bis 2015 sind wieder St\u00e4dte dran \u2014\u00a0 w\u00e4hrend die Kulturregion Ruhrgebiet 2010 bisher eine Ausnahme war. Nun stimmen unsere Kulturpolitiker die \u00d6ffentlichkeit auf dieses sonderbare Projekt ein und Kulturprofis machen sich munter ans Werk, die Bewerbung mit Inhalt zu f\u00fcllen. Wenn es dazu kommt, w\u00e4re nicht nur das Konzept der Kulturstadt gesprengt, sondern auch jenes einer \u201ceurop\u00e4ischen Kulturregion\u201d \u00fcberdehnt, denn diese drei Regionen sind allesamt schon f\u00fcr sich Regionen mit ausgepr\u00e4gter kultureller Identit\u00e4t. Nichts spricht dagegen, europ\u00e4ische Kulturregionen ins Licht zu r\u00fccken, und man h\u00e4tte 2-3 Jahrhunderte zu tun, um alle vorzustellen.<\/p>\n<p>Was macht aber eigentlich den geografischen Raum Nordostitalien zu einer \u201cKulturregion\u201d? Es wird kaum reichen, dass dieses Gebiet von 1815 (erstmals von \u00d6sterreich 1797 annektiert) bis 1866 gemeinsam Teil des k.u.k-Reichs war. Es wird nicht reichen, dass es unter dem Faschismus zum \u201cTriveneto\u201d erkl\u00e4rt worden ist, ein Begriff, der in der italienischen Publizistik immer noch herumgeistert. Auch das verschwommene Konzept von Mitteleuropa gibt zu wenig an Gemeinsamkeit her. Dass es in allen Regionen Sprachminderheiten gibt, ist auch nicht das Verbindende, denn sie spielen zumindest in Venetien fast keine Rolle. Fantasievolle Redner werden gefragt sein, um f\u00fcr die entsprechende Aufladung mit Gemeinsamkeiten zu sorgen.<\/p>\n<p>Also riecht das Ganze doch wieder nach geschickt angelegter Strategie zur touristischen Vermarktung, nach Mitnaschen am F\u00f6rderungskuchen der EU, nach k\u00fcnstlichen Dachmarken und Plattformen f\u00fcr internationale Bewerbung jenseits jedes klaren Profils. Was wirklich Appetit macht ist die Tatsache, dass laut Statistik europ\u00e4ische Kulturhauptst\u00e4dte im Schnitt ein Plus von 12% an Touristenzustrom verzeichnen konnten. Hunderte von Veranstaltungen, die ohnehin angesetzt und gut besucht w\u00fcrden, liefen dann eben unter dieser artifiziellen Klammer. Hat Venedig oder Verona das n\u00f6tig? Braucht S\u00fcdtirol mit seinen bald 28 Millionen G\u00e4sten\u00e4chtigungen das \u00fcberhaupt?\u00a0 In der Internetwerbung der Venezianer f\u00fcr die Kulturhauptstadt (www.nordest2019.eu) wird S\u00fcdtirol kurzerhand in die \u201carea metropolitana del Nordest\u201d einverleibt, eine Art Hinterland Venedigs, dem die G\u00e4ste der Lagunenstadt mal eine Stippvisite abstatten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine Region der europ\u00e4ischen \u00d6ffentlichkeit als \u201cKulturregion\u201d zu pr\u00e4sentieren und \u00fcber die EU zu f\u00f6rdern, macht Sinn, wenn sich ihre Bev\u00f6lkerung einer erkennbar gemeinsamen Identit\u00e4t verbunden wei\u00df. Das Konzept an sich wird ad absurdum gef\u00fchrt, wenn es nur als Destinationsbewerbung dient. Kasslatter-Mur hat denn auch gleich klargestellt, dass es bei der Bewerbung darum geht, sich in diesem Rahmen als deutsche und ladinische Sprachminderheit zu pr\u00e4sentieren. In der Kulturregion, der sich die allermeisten S\u00fcdtiroler zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, sind sie aber keine \u201cSprachminderheit\u201d, nicht umsonst strapazieren unsere Kulturpolitiker das mehrsprachige S\u00fcdtirol als besondere Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Eine gemeinsame regionale Identit\u00e4t des Nordostens Italiens l\u00e4sst sich weder erkennen noch aus Marketinggr\u00fcnden herbeireden. Im Gegenteil, die Erfindung einer Kulturregion Nordost l\u00e4sst eine gewachsene Region in den Schatten treten, die es grenz\u00fcberschreitend auch institutionell wieder gibt, die von der EU gef\u00f6rdert wird und darauf wartet, mit mehr Inhalten und Initiativen gef\u00fcllt zu werden: die Europaregion Tirol-S\u00fcdtirol-Trentino. Warum schafft man in Europa Verwirrung, indem man S\u00fcdtirol einmal zu diesem Raum schl\u00e4gt, einmal zum anderen; einmal sich auch kulturell ganz Italien zurechnet, dann wieder in der 150-Jahre-Einheits-Diskussion ganz den eigenst\u00e4ndigen Tiroler gibt? Gefragt, ob das zeitliche Zusammenfallen des angepeilten Kulturregion-Jahres 2019 mit dem 100-Jahren Zugeh\u00f6rigkeit zu Italien ein Problem sei, antwortete Durnwalder: \u201cIm Gegenteil, wir wollen auch im Rahmen der Bewerbung zeigen, dass S\u00fcdtirol ein ganz besonderes Land mit einer entsprechenden Geschichte und Kultur ist\u201d (im S\u00fcdtiroler B\u00fcrgernetz). Mit anderen Worten: man tut sich mit anderen zusammen, um zu zeigen, dass man selbst etwas Besonderes ist.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Hinterland von Venedig.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=5279\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Kulturhauptstadt Italia Nord-Est.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6659\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Capitale nazionale.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12185\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Die Kulturhauptstadt-L\u00fcge.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7626\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"\u00bbSich als Minderheit pr\u00e4sentieren.\u00ab\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7516\"><code>05<\/code><\/a><\/p>\n<p><small><em>*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von \u00bbAutonomien der Welt\u00ab (Athesia, Bozen 2007) und \u00bbThe World\u2019s Working Regional Autonomies\u00ab (Anthem, London\/Neu-Delhi 2007).<\/em><\/small><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie von ihren Pr\u00e4sidenten am 1.10.2010 beschlossen, bewerben sich die Regionen Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Provinzen S\u00fcdtirol, Trentino und Venedig und die Stadt Venedig gemeinsam um den Titel \u201cEurop\u00e4ische Kulturhauptstadt 2019\u201d. 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