{"id":77618,"date":"2023-04-05T21:05:24","date_gmt":"2023-04-05T19:05:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77618"},"modified":"2023-04-07T09:34:50","modified_gmt":"2023-04-07T07:34:50","slug":"journalism-is-printing-what-someone-else-does-not-want-printed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77618","title":{"rendered":"Journalism is printing what someone else does not want printed."},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.politika.bz.it\/\" rel=\"\">politika<\/a><\/em>, die S\u00fcdtiroler Gesellschaft f\u00fcr Politikwissenschaft, hat im Oktober vorigen Jahres beschlossen, die Auszeichnung &#8220;Politische Pers\u00f6nlichkeit des Jahres&#8221;, ein Titel der allj\u00e4hrlich f\u00fcr &#8220;besondere Leistungen im Bereich der Politik&#8221; vergeben wird, an den Journalisten, Buchautor und Dokumentarfilmer Christoph Franceschini zu vergeben. Die Verleihung erfolgte am vergangenen Dienstag im Alten Rathaus in Bozen.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Wahl Franceschinis war das Buch &#8220;Freunde im Edelwei\u00df&#8221;. &#8220;Aber der Anlassfall h\u00e4tte nicht gen\u00fcgt. Es ist die jahrelange, hartn\u00e4ckige, nicht nachlassende journalistische, investigative T\u00e4tigkeit, die Christoph Franceschini \u00fcber den Anlassfall hinaus kennzeichnen&#8221;, schreibt <em>politika<\/em> in einer Aussendung. In der ausf\u00fchrlichen Begr\u00fcndung hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Christoph Franceschini [ist] seit Ende der 1980er-Jahre ein verl\u00e4sslicher investigativer Journalist, dessen Scoops mitunter weit \u00fcber die Grenzen S\u00fcdtirols Resonanz finden. Er war und ist ein konstanter Faktor im Spiel von Checks and Balances in S\u00fcdtirol und repr\u00e4sentiert als Aufdeckungsjournalist wie kaum ein anderer seiner Zunft die Kontrollfunktion der Vierten Gewalt gegen\u00fcber den Machthabenden.<\/p>\n<p>Franceschinis Arbeit bildet durch ihre Tiefe, Beharrlichkeit und \u00dcberparteilichkeit eine Alternative zu einem Journalismus, der sich auf Agenturmeldungen und Presseaussendungen st\u00fctzt und weite Teile der Nachrichtenwelt in Beschlag genommen hat. Der auch in S\u00fcdtirol gegenw\u00e4rtigen Verquickung von Journalismus, Politik und Wirtschaft versucht sich Franceschini zu entziehen, auch dank eines f\u00fcr seine Arbeit unabdingbaren Netzwerks.<\/p>\n<p>Meinungs- und Medienpluralismus sind Grundpfeiler der Demokratie. Das Wissen um Vorg\u00e4nge und Hintergr\u00fcnde in Politik und Wirtschaft ist eine Voraussetzung f\u00fcr demokratische Teilhabe. Dieses st\u00e4rkt Franceschini zus\u00e4tzlich, indem er seine investigativ-journalistischen Einsichten in B\u00fcchern und Filmen aufbereitet, vertieft und\/oder historisch einordnet. Die Auszeichnung Franceschinis als Politische Pers\u00f6nlichkeit des Jahres 2022 anerkennt, dass die Arbeit unabh\u00e4ngiger Journalistinnen und Journalisten den Boden demokratischer Prozesse bereitet und die Pressefreiheit einen fundamentalen und somit unverzichtbaren Aspekt der Grundfreiheiten darstellt, die es in einer Demokratie zu verteidigen gilt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mir wurde bei der Verleihungszeremonie die Ehre zuteil, die Laudatio auf Franceschini zu halten, welche ich hier wiedergebe:<\/p>\n<blockquote><p>Die Laudatio: w\u00fcrdevoller, hochgeistiger H\u00f6hepunkt einer jeden Auszeichnung. Wenn man sie aber einen Kindskopf wie mich bestreiten l\u00e4sst, k\u00f6nnen daraus schon einmal<\/p>\n<h5>\u201eFlache Witze f\u00fcr einen steilen Typen\u201c<\/h5>\n<p>werden. Los geht\u2019s: \u201eDie Presse hat die Aufgabe das Gras zu m\u00e4hen, das \u00fcber etwas zu wachsen droht.\u201c Wenn man diesen Aphorismus des \u00f6sterreichischen Schriftstellers und Theaterkritikers Alfred Polgar in einen hiesigen Kontext stellt, dann wird klar: Christoph Franceschini ist der Rasenm\u00e4her S\u00fcdtirols. Und wie es sich f\u00fcr einen ordentlichen Rasenm\u00e4her geh\u00f6rt, macht er geh\u00f6rig L\u00e4rm. Seine Stimme wird geh\u00f6rt. Und obwohl er f\u00fcr sie singt, ist er das Gegenteil der <em>Schneekatzen<\/em>, die alles zudecken. Mit seinen Scoops hat er einigen \u00fcberfliegenden Ambitionen bereits das Grab geschaufelt. Und dieses Schaufeln beherrscht er mittlerweile aus dem <em>Effeff<\/em>, f\u00fcr die er \u00fcbrigens auch einmal gearbeitet hat. Bei einem bekannten \u00f6sterreichischen Nachrichtenmagazin hat er sich ebenfalls <em>profiliert<\/em>. Mag er eigentlich Wortspiele? <em>SEL<\/em> denk I woll, wenn I an SELfservice denk. <em>Max Rainer<\/em> Sensationsjournalismus um des Skandals willen sein, wie manche mit Schaum vor dem Mund poltern, <em>pirchern<\/em> und <em>stockern<\/em>, oder das Gegenteil: Der Wilde aus Eppan geht den M\u00e4chtigen nicht auf den <em>Laim.Er<\/em> klebt ihnen vielmehr an den Fersen. Wenn er zu m\u00e4hen beginnt \u2013 <em>ach<\/em> seine <em>Philippika<\/em> in die Tasten <em>hammert<\/em> \u2013 steigt in Hausnummer 7 \u2013 in der Brennerstra\u00dfe wie am Weinbergweg \u2013 und eventuell auch \u00fcberall dazwischen der Blutdruck. Seinem \u00c4u\u00dferen entsprechend hat er sich nie f\u00fcr den einfachen, den glatten, den <em>geebnerten<\/em> Weg entschieden. Seines ist die harte Tour, das Zottelige. Er eilt von einer journalistischen <em>Brandst\u00e4tte<\/em> zur n\u00e4chsten. Zwischenstopp h\u00f6chstens mal vor Gericht. Die Bauernschl\u00e4ue ist ihm ebenso zuwider, wie der Urlaub bei diesen. Stellt man ihn vor die <em>Wahl,traud<\/em> er sich statt des <em>Deegens<\/em> die noch spitzere Feder zu nehmen, womit er schon so manchen <em>Mannfreddo<\/em> \u2013 also kalt \u2013 erwischt und von der Komfort- in die Erweiterungszone oberhalb der Wahrnehmungsgrenze bef\u00f6rdert hat. \u201eDas geht nicht\u201c gibt es f\u00fcr ihn nicht. Das sagt er selber. Wenngleich der Weg zum tats\u00e4chlichen Abschluss seines Studiums \u2013 Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft hat er sich aufgehalst \u2013 dann doch ein zu <em>steininger<\/em> war. Zwischenzeitlich hat er in <em>Eppan aktiv<\/em> die Seite gewechselt. Aber er bleibt Pressemensch und nicht Gutmensch, denn das Wort mag er nicht. Er sieht sich wie S\u00fcdtirol lieber im <em>Fadenkreuz der M\u00e4chte<\/em>. Dementsprechend wenige <em>Freunde hat er im Edelwei\u00df<\/em>. Seine zweite Rolle ist beim Film. F\u00fcr \u201eBombenjahre \u2013 Die Geschichte der S\u00fcdtirol-Attentate\u201c hat er 2005 sogar einen Preis \u2013 Achtung, jetzt wird es sehr sehr flach! \u2013 <em>ergattert<\/em>. Mit \u00fcber 50 wagte er schlie\u00dflich den <em>Sprung<\/em>. Im w\u00f6rtlichen wie im \u00fcbertragenen Sinne. Er ist nach 17 Jahren von der Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung, die ihm zu boulevardesque wurde, <em>ab-<\/em> und bei <em>salto.bz aufgesprungen<\/em>. <em>Online<\/em> statt Print. <em>Auf Linie<\/em> ist er dennoch nicht. Er bleibt sich treu, ohne sich verbiegen zu m\u00fcssen. Ein grader, kein <em>ebner Michl<\/em>. Oder wie George Orwell niemals sagte: \u201eJournalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Solidarit\u00e4t mit Salto.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77230\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Keine Widerrede: Eingeschr\u00e4nkte Demokratie.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=60276\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Gesundheit: Untertaninnen oder B\u00fcrgerinnen?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=48977\" rel=\"\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Ethnos vs. Demos.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22816\" rel=\"\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Lidia Menapace e il Sudtirolo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=5711\" rel=\"\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"Pressefreiheit 2019, durchwachsenes Ergebnis.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=50125\" rel=\"\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Pressefreiheit 2017, Skandinavien unschlagbar.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=35518\" rel=\"\"><code>07<\/code><\/a> <a title=\"Pressefreiheit 2016, kleine Staaten weiterhin vorne.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=28803\" rel=\"\"><code>08<\/code><\/a> <a title=\"Pressefreiheit 2013.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15286\" rel=\"\"><code>09<\/code><\/a> <a title=\"Die Pressefreiheit nach Berlusconi.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23777\" rel=\"\"><code>10<\/code><\/a> <a title=\"Copy-Paste-Journalismus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25840\" rel=\"\"><code>11<\/code><\/a> <a title=\"Journalism or public relations?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29584\" rel=\"\"><code>12<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>politika, die S\u00fcdtiroler Gesellschaft f\u00fcr Politikwissenschaft, hat im Oktober vorigen Jahres beschlossen, die Auszeichnung &#8220;Politische Pers\u00f6nlichkeit des Jahres&#8221;, ein Titel der allj\u00e4hrlich f\u00fcr &#8220;besondere Leistungen im Bereich der Politik&#8221; vergeben wird, an den Journalisten, Buchautor und Dokumentarfilmer Christoph Franceschini zu vergeben. Die Verleihung erfolgte am vergangenen Dienstag im Alten Rathaus in Bozen. Ausl\u00f6ser f\u00fcr die [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-77618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-politika","issue-zitac","location-sudtirolo","language-deutsch","language-english","medium-athesia","medium-ff","medium-salto","medium-taz","person-christoph-franceschini","topic-democrazia","topic-engagement","topic-geschichte","topic-grundrechte","topic-medien","topic-politik","topic-satire","topic-symbolik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=77618"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77632,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77618\/revisions\/77632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=77618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=77618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=77618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}