{"id":77791,"date":"2023-04-16T12:25:32","date_gmt":"2023-04-16T10:25:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77791"},"modified":"2026-02-06T13:23:56","modified_gmt":"2026-02-06T12:23:56","slug":"sprachliche-rahmenbedingungen-fur-immersion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77791","title":{"rendered":"Sprachliche Rahmenbedingungen f\u00fcr Immersion."},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte hier <a title=\"Sprachimmersion, Minderheiten und Eliten.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77440\" rel=\"\">noch einmal<\/a> aus <em>Lernen in der Fremdsprache \u2013 Grundz\u00fcge von Immersion und bilingualem Unterricht<\/em> von <a class=\"wpel-icon-right external\" title=\"Wiki: Henning Wode.\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henning_Wode\" target=\"_blank\" rel=\"noopener external noreferrer\" data-wpel-link=\"external\">Henning Wode<\/a> (1995) zitieren, einem Buch, auf das ich erst k\u00fcrzlich von einer Bef\u00fcrworterin der mehrsprachigen Schule in S\u00fcdtirol hingewiesen wurde.<\/p>\n<p>Wode umrei\u00dft<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000007fc0000000000000000_77791\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000007fc0000000000000000_77791-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000007fc0000000000000000_77791-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">auf Seite 43 des Buches<\/span> die sprachlichen Rahmenbedingungen, also die Voraussetzungen f\u00fcr IM\/BIU (Immersion bzw. bilingualen Unterricht) in Europa \u2014 und kl\u00e4rt damit einige wichtige Punkte:<\/p>\n<blockquote><p>Wer in Frankreich Englisch, Deutsch oder Spanisch als L2 lernt, wird kaum bef\u00fcrchten, seine franz\u00f6sische Identit\u00e4t zu verlieren. In Frankreich stellen die Frankophonen die Majorit\u00e4t, in Deutschland die Deutschsprachigen, in Gro\u00dfbritannien die Anglophonen.<\/p>\n<p><small><em>\u2013 Henning Wode<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>In S\u00fcdtirol ist h\u00e4ufig die verst\u00e4ndnislose Frage zu vernehmen, warum denn mehrsprachige Schulen in Innsbruck, Trient oder M\u00fcnchen Realit\u00e4t sind (allerdings in welchem Umfang?) und ausgerechnet in einem mehrsprachigen Land wie dem unseren nicht. Wie paradox es manchen auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag, sind die Risiken eben \u2014 wie auch Henning Wode beschreibt \u2014 gerade in einsprachigen Gebieten wesentlich geringer, da das sprachliche Umfeld klar definiert und gefestigt ist. Minorit\u00e4ten haben hingegen zu bef\u00fcrchten, ihre Sprache und ihre Identit\u00e4t zu verlieren. Darauf haben wir auch hier auf <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> schon \u00f6fter hingewiesen (vgl. <a title=\"Immersion ist f\u00fcr Minderheiten nicht.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64168\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Additive und subtraktive Zweisprachigkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=73353\" rel=\"\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Assimilierende mehrsprachige Schule.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=68528\" rel=\"\"><code>03<\/code><\/a>).<\/p>\n<blockquote><p>Die im Hinblick auf IM und BIU besonders wichtigen Differenzierungen sind:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Majorit\u00e4tensprachen:<\/strong> Sie werden von der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung gesprochen. Meist sind sie auch die offiziellen Landessprachen, z.B. Englisch in Gro\u00dfbritannien, Franz\u00f6sisch in Frankreich oder D\u00e4nisch in D\u00e4nemark. Nur wenige L\u00e4nder haben, wie die Schweiz oder Belgien, mehrere offizielle Landessprachen.<\/li>\n<li><strong>Minorit\u00e4tensprachen:<\/strong> Sie werden von einer Minderheit gesprochen und sind meist keine offizielle Landessprachen. Zu unterscheiden sind:\n<ul>\n<li><strong>Bodenst\u00e4ndige (autochthone) Sprachen:<\/strong> Sie sind schon \u00fcber viele Generationen in der betreffenden Gegend heimisch, z.B. Friesisch, Niederdeutsch oder D\u00e4nisch in Schleswig-Holstein, G\u00e4lisch in Schottland oder Bretonisch in Frankreich. Manche offiziellen Landessprachen k\u00f6nnen gleichzeitig bodenst\u00e4ndige Minorit\u00e4tensprachen in anderen L\u00e4ndern sein, so D\u00e4nisch in Deutschland, Deutsch in Frankreich oder Deutsch in D\u00e4nemark.<\/li>\n<li><strong>Eingewanderte (allochthone) Sprachen:<\/strong> Meist sind sie durch Arbeitsmigranten in die jeweiligen L\u00e4nder gekommen, z.B. T\u00fcrkisch in Deutschland, Varianten des Arabischen in Frankreich, romanische Sprachen in Skandinavien oder Deutschland.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><small><em>\u2013 Henning Wode<\/em><\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Hier wird klar definiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Majorit\u00e4tensprache ist \u2014 au\u00dfer in konstitutiv mehrsprachigen L\u00e4ndern wie Belgien und Schweiz \u2014 die offizielle Landessprache, in S\u00fcdtirol somit eindeutig Italienisch. Das muss neuerdings ganz besonders unterstrichen werden, da erneut versucht wird, die Majorit\u00e4ten- <a title=\"Urz\u00ec difensore della (non) minoranza.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=73860\" rel=\"\">als die eigentliche Minderheitensprache darzustellen.<\/a><\/li>\n<li>Minorit\u00e4tensprachen sind \u2014 wiederum mit Ausnahme der bereits genannten F\u00e4lle \u2014 <a title=\"Was ist eine Minderheit?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=59854\" rel=\"\">keine offiziellen Landessprachen.<\/a> Dies trifft auch auf Deutsch in Italien zu.<\/li>\n<li>Autochthone Minorit\u00e4tensprachen k\u00f6nnen gleichzeitig andernorts offizielle Landessprachen sein, ausdr\u00fccklich wird auch Deutsch genannt, das in D\u00e4nemark oder Frankreich (sowie in Italien) eine Minorit\u00e4tensprache ist, w\u00e4hrend es in Deutschland oder \u00d6sterreich eine Landessprache ist. Auch diese ausdr\u00fcckliche Kl\u00e4rung ist nicht unbedeutend, da in S\u00fcdtirol <a title=\"Entscheidungshilfe Parlamentswahl.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13569\" rel=\"\">schon behauptet wurde<\/a>, Deutsch k\u00f6nne grunds\u00e4tzlich <em>nirgendwo<\/em> als Minderheitensprache betrachtet werden, da es in Europa von vielen Millionen Menschen gesprochen wird. Gerade das Beispiel Frankreich (bzw. Elsass) zeigt aber, dass die vielen Millionen Sprecherinnen in Europa kein hinreichender Schutz vor Assimilierung in einem Nationalstaat darstellen, genausowenig wie \u00fcbrigens die weltweite Frankophonie verhindern konnte, dass <a title=\"Il bilinguismo perfetto \u00e8 disfunzionale.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=69503\" rel=\"\">Franz\u00f6sisch im Aostatal marginalisiert<\/a> wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>auf Seite 43 des Buches<\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte hier noch einmal aus Lernen in der Fremdsprache \u2013 Grundz\u00fcge von Immersion und bilingualem Unterricht von Henning Wode (1995) zitieren, einem Buch, auf das ich erst k\u00fcrzlich von einer Bef\u00fcrworterin der mehrsprachigen Schule in S\u00fcdtirol hingewiesen wurde. 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