{"id":81257,"date":"2023-10-15T22:52:37","date_gmt":"2023-10-15T20:52:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81257"},"modified":"2024-10-21T18:17:33","modified_gmt":"2024-10-21T16:17:33","slug":"der-siedler-staat-sagt-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81257","title":{"rendered":"Der Siedler-Staat sagt nein."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Die Australier lehnen die Anerkennung der indigenen V\u00f6lker mit gro\u00dfer Mehrheit ab.<\/strong><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Mehrheit und hasserf\u00fcllt: Die wei\u00dfe W\u00e4hlerschaft stimmte beim Referendum dagegen, dass den <a href=\"https:\/\/aiatsis.gov.au\/explore\/australias-first-peoples\">Aborigines<\/a> eine politische Mitsprache verfassungsrechtlich garantiert wird. Bereits im Vorfeld ergaben <a href=\"https:\/\/gfbv-voices.org\/no-indigenous-voice\/\">Umfragen<\/a> die breite Ablehnung f\u00fcr die \u00bbStimme im Parlament\u00ab.<\/p>\n<p>Der sozialdemokratische Premier Anthony Albanese wollte die seit der Eroberung und Besiedelung verfolgten und diskriminierten indigenen V\u00f6lker in die australische Politik einbinden. Ein zu w\u00e4hlendes indigenes Gremium sollte das Parlament bei indigenen Fragen beraten. Kein gro\u00dfer Wurf.<\/p>\n<p>Trotzdem, die Konservativen, gro\u00dfe Teile der Landbev\u00f6lkerung, kleine und gro\u00dfe Farmer, Gro\u00dfgrundbesitzer, Bergbauunternehmen, formten ihre erfolgreiche <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2023\/10\/13\/world\/asia\/indigenous-voice-australia-referendum.html\">\u00bbNein\u00ab-Kampagne<\/a>. Fast 60 Prozent der Abstimmenden <a href=\"https:\/\/taz.de\/Referendum-in-Australien\/!5966386\/\">lehnten das Vorhaben<\/a> ihrer Regierung ab. In allen Bundesstaaten \u00fcberwog die Opposition gegen das indigene Anliegen. Die gro\u00dfe Mehrheit der Australier stimmte also f\u00fcr die Beibehaltung der bisherigen indigenen Politik: Ausgrenzung, Diskriminierung, Ausbeutung, Assimilierung.<\/p>\n<p>Die Reaktion des Aboriginal-Aktivisten <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2023\/10\/09\/opinion\/australia-referendum-indigenous-voice.html\">Thomas Mayo<\/a> zum Ausgang des Referendums: \u00bbIch bin am Boden zerst\u00f6rt\u00ab. Mehrere Aktivisten wollen nach dieser Niederlage ihren jahrzehntelangen Kampf f\u00fcr mehr Rechte aufgeben. Der indigene Anwalt Noel Pearson will \u00bbf\u00fcr immer verstummen\u00ab. \u00bbHass zu sch\u00fcren ist so viel einfacher, als mit Fakten zu \u00fcberzeugen\u00ab, kommentierte eine Aktivistin das Ergebnis. Aktivistinnen und Aktivisten sind auch entsetzt dar\u00fcber, dass es viele rassistische Angriffe auf Indigene und Referendumsbef\u00fcrworter gab.<\/p>\n<h6>Sch\u00fctzenhilfe von US-Rechten<\/h6>\n<p>Die <abbr title=\"Tageszeitung\">TAZ<\/abbr> zitierte Berichte, laut denen die Strategie der Nein-Kampagne von Beratern der ultrakonservativen US-Rechten entwickelt und umgesetzt wurde. US-Rechte, die dem Lager von Donald Trump angeh\u00f6ren. Ihr Konzept der war \u00e4u\u00dferst erfolgreich: Die Medien wurden monatelang mit Halbwahrheiten, Fake News und L\u00fcgen geflutet.<\/p>\n<p>Die \u00fcblen Botschaften kamen an. Wie die Warnung vor einem Rassismus gegen\u00fcber den Wei\u00dfen, einer Spaltung der Gesellschaft durch indigene Rechte, vor Landverlust und h\u00f6heren Steuern. Die indigenen Rechte wurden von den US-Rechten und ihren australischen Auftragsgebern als \u00bbrassisch bedingte Sonderrechte\u00ab f\u00fcr Ureinwohner verunglimpft. Die \u00bbwei\u00dfe Koalition\u00ab verstieg sich zur Behauptung, die Entrechtung und der V\u00f6lkermord an den Ureinwohnern seit der britischen Invasion 1788 h\u00e4tten keine Folgen f\u00fcr Aborigines.<\/p>\n<p>Die \u00bbCowboys\u00ab, dieser toxische Mix aus Konservativen, <em>White-Supremacy<\/em>-Gruppierungen, Nationalisten, ver\u00e4ngstigten Landbewohnern und gro\u00dfen Landbesitzern, behaupteten, das indigene Forum gebe den Ureinwohnern mehr Macht und Einfluss auf die Politik als \u00bbgew\u00f6hnlichen\u00ab, wei\u00dfen Australiern. Gewarnt wurde auch vor der R\u00fcckgabe gestohlenen Landes sowie vor Mitspracherechten f\u00fcr Aborigines beim Abbau von Rohstoffen. Diese Hetze kennen die sprachlichen und nationalen Minderheiten in Europa auch.<\/p>\n<p>Die so heftig angefeindete K\u00f6rperschaft, das indigene Gremium, h\u00e4tte nur eine beratende Funktion gehabt, keinesfalls eine gesetzgebende. \u00dcber die Zusammensetzung h\u00e4tten nicht die indigenen V\u00f6lker entschieden, sondern das Parlament. Letztendlich eine Farce, aber immerhin w\u00e4re es ein erster Schritt gewesen, die Ureinwohner anzuerkennen. Die Antwort darauf waren rassistische Anfeindungen. Oppositionsf\u00fchrer Peter Dutton warnte vor einer Spaltung des Volkes. Leitmotiv: Ein Kontinent, ein Volk.<\/p>\n<h6>\u00bbIndigenous Voice\u00ab als Wiedergutmachung<\/h6>\n<p>Was h\u00e4tte die Verankerung der \u00bbindigenen Stimme\u00ab im Grundgesetz bedeutet? Die Ureinwohner w\u00e4ren zum ersten Mal in der Verfassung erw\u00e4hnt worden. 1901 war das Grundgesetz in Kraft getreten, 113 Jahre nach Beginn der wei\u00dfen Besiedlung. Viele Aborigines sprechen von der Invasion britischer Strafgefangener und ihrer Aufpasser.<\/p>\n<p>Es dauerte 66 Jahre, bis 1967 Indigene als B\u00fcrger anerkannt wurden. Was f\u00fcr eine grenzenlose wei\u00dfe Arroganz. Die Aborigines leben seit mehr als 60.000 Jahren auf dem australischen Kontinent. Und weitere 25 Jahre sp\u00e4ter, 1992, hob ein Gericht den Gr\u00fcndermythos auf, Australien sei vor der Ankunft der Wei\u00dfen <em>Terra Nullius<\/em> gewesen \u2014 unbewohntes Niemandsland.<\/p>\n<p>Die Anerkennung der Indigenen in der Verfassung war f\u00fcr Aktivistinnen und Aktivsten grundlegend. Die indigene Rechtsprofessorin Megan Davis w\u00fcrdigte die Referendumsvorlage als einen Weg, \u00bbum unsere Menschen zu erm\u00e4chtigen und ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Platz in unserem eigenen Land zu erhalten\u00ab. Das Referendum war die Folge langj\u00e4hriger Verhandlungen zwischen den verschiedenen indigenen Nationen und St\u00e4mmen. Es war als eine Einladung an die australische Bev\u00f6lkerung gedacht, die ersten Bewohner Australiens nach \u00fcber einem Jahrhundert des Wartens im Grundgesetz anzuerkennen.<\/p>\n<p>Diese Botschaft kam aber nicht an. Deutlich mehr als die H\u00e4lfte der W\u00e4hlenden folgte dem Slogan <em>If you don\u2019t know, vote No<\/em> \u2014 Wer nichts \u00fcber die Vorlage wei\u00df, soll mit Nein stimmen.<\/p>\n<p>Anders formuliert, die Ignoranten in Kombination mit den Rassisten stellten klar: Es gibt keinen verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Platz f\u00fcr die ersten Bewohner des Kontinents. War Gleichg\u00fcltigkeit auch mit dabei, dann ist es miserabel um die Demokratie in Australien bestellt. Die Mehrheit interessiert sich nicht daf\u00fcr, dass ihre Mitb\u00fcrger weiterhin <a href=\"https:\/\/taz.de\/Diskriminierung-von-Aborigines\/!5147768\/\">diskriminiert<\/a> werden, dass ihnen mit der Referendums-Entscheidung Perspektiven und Hoffnungen genommen wurden.<\/p>\n<p>Die Fakten sind grauenhaft: Indigene sterben im Durchschnitt acht Jahre fr\u00fcher als Nicht-Indigene, sie sind schlechter ausgebildet, h\u00e4ufiger im Gef\u00e4ngnis und Opfer von wei\u00dfem Rassismus.<\/p>\n<p>Das schmutzige Gesch\u00e4ft der rassistischen Allianz erledigte die konservative Politikerin <a href=\"https:\/\/www.jacintaprice.com\/\">Jacinta Price<\/a>. Sie war eine der wenigen indigenen, aber wichtigen Stimmen der Referendumsgegner. Ihre Botschaft: Ureinwohner h\u00e4tten der Kolonialisierung \u00bbStrom und regelm\u00e4\u00dfiges Essen\u00ab zu verdanken.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Australier lehnen die Anerkennung der indigenen V\u00f6lker mit gro\u00dfer Mehrheit ab. Mit gro\u00dfer Mehrheit und hasserf\u00fcllt: Die wei\u00dfe W\u00e4hlerschaft stimmte beim Referendum dagegen, dass den Aborigines eine politische Mitsprache verfassungsrechtlich garantiert wird. Bereits im Vorfeld ergaben Umfragen die breite Ablehnung f\u00fcr die \u00bbStimme im Parlament\u00ab. Der sozialdemokratische Premier Anthony Albanese wollte die seit der [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-81257","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-autorinnen","issue-assimilierung","location-australia","location-usa","language-deutsch","medium-taz","person-donald-trump","topic-colonialismi","topic-discriminaziun","topic-minderheitenschutz","topic-mitbestimmung","topic-nationalismus","topic-politik","topic-racism","topic-recht"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81257"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83908,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81257\/revisions\/83908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=81257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=81257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}