{"id":813,"date":"2007-09-25T19:35:10","date_gmt":"2007-09-25T17:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=813"},"modified":"2020-12-29T18:59:50","modified_gmt":"2020-12-29T17:59:50","slug":"dimensionen-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=813","title":{"rendered":"Grenzerfahrungen."},"content":{"rendered":"<p><em>Aus dem <a title=\"\u00d61.\" href=\"http:\/\/oe1.orf.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d61<\/a>-Archiv.<\/em><\/p>\n<p><strong class=\"head3\">Trennen und verbinden<\/strong><\/p>\n<p>Rund 40 Jahre lang hat eine undurchdringbare Grenze den Norden und Osten \u00d6sterreichs gepr\u00e4gt. Die Nachbarstaaten Tschechoslowakei und Ungarn lagen hinter dem Eisernen Vorhang, praktisch unerreichbar f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Bev\u00f6lkerung. Als der Eiserne Vorhang im Sp\u00e4therbst des Jahres 1989 etwas durchl\u00e4ssig geworden war, war nicht abzusehen, dass rund 15 Jahre sp\u00e4ter die Nachbarl\u00e4nder des ehemaligen Ostblocks genauso wie \u00d6sterreich zur Europ\u00e4ischen Union geh\u00f6ren werden.<\/p>\n<p><strong>Die ersten markierten Grenzen<\/strong><\/p>\n<p>Die staatlichen, territorialen Grenzen, wie wir sie heute kennen, waren \u00fcber Jahrhunderte flie\u00dfende Grenzen. Territoriale Grenzen wurden erst im Hochmittelalter als Hoheitsgebiete in Landkarten markiert. F\u00fcr das Alltagsleben der Menschen hatten diese Grenzen h\u00e4ufig keine Bedeutung. Sofern es keine kriegerischen Grenzkonflikte gab, wurden die Grenzen auch nicht \u00fcberwacht oder kontrolliert. Sie konnten an jeder Stelle problemlos \u00fcberschritten werden.<\/p>\n<p><strong>Befestigte Grenzen<\/strong><\/p>\n<p>Dort, wo zwei gro\u00dfe Machtbl\u00f6cke sich feindlich gegen\u00fcber standen, dort wurden Grenzbefestigungen errichtet. Etwa an der Grenze zwischen der christlichen Habsburgermonarchie und dem muslimischen osmanischen Reich im westpannonischen Raum. Erst im Jahr 1699, nach dem Frieden von Karlowitz, wurde von einer bilateralen Grenzfestlegungskommission die genaue Grenze zwischen dem Habsburgerreich und dem osmanischen Reich festgelegt. Grenzb\u00e4ume und Grenzsteine wurden als staatliche Herrschaftszeichen errichtet. Derartige Au\u00dfengrenzen spielten aber f\u00fcr die Menschen innerhalb des Landes \u00fcber lange Zeit eine nur unbedeutende Rolle.<\/p>\n<p><strong>Staats- und Bezirkgrenzen<\/strong><\/p>\n<p>Der europaweite Prozess der Staatenbildung bedeutete auch eine deutliche Ver\u00e4nderung der Rolle der Grenze. Die Binnengrenzen verloren zunehmend an Bedeutung, die Au\u00dfengrenzen wurden zunehmend kontrolliert. 1775 wurden die Binnenz\u00f6lle zwischen den \u00f6sterreichischen und den b\u00f6hmischen L\u00e4ndern aufgehoben, 1850 wurde die Zwischenzolllinie zu Ungarn abgeschafft. Administrative Grenzen wurden definiert, etwa Bezirks- oder Kreisgrenzen. Diese regelten die Reisen, die Arbeitskr\u00e4ftewanderung und den Zuzug in die gro\u00dfen St\u00e4dte. So wurden der Bewegungsfreiheit der Menschen enge Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Innerstaatliche Grenzen werden bedeutungslos<\/strong><\/p>\n<p>Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war die wirtschaftliche Dynamik nicht mehr aufzuhalten. Die zahlreichen Kontrollen im Inneren des Landes waren f\u00fcr die Wirtschaft, aber auch f\u00fcr Individualreisende nicht mehr akzeptabel. Viele Beschr\u00e4nkungen im Reiseverkehr wurden aufgehoben, die Grenzen innerhalb der Monarchie waren f\u00fcr die Menschen und den Warenverkehr praktisch bedeutungslos geworden. Andererseits sind durch den aufkommenden Nationalismus in den verschiedenen Teilen der Monarchie neue Grenzen entstanden, n\u00e4mlich die Grenzen der Sprachen, der Kulturr\u00e4ume, der Nationen. Diese haben schlussendlich in Form der Nationalstaaten das Europa der Nachkriegsordnung nach 1918 dargestellt.<\/p>\n<p><strong>Vision des grenzenlosen Europas<\/strong><\/p>\n<p>Als 1989 der Eiserne Vorhang zunehmend durchl\u00e4ssig wurde, waren schon bald euphorische Stimmen zu h\u00f6ren, die von einem grenzenlosen Europa sprachen. Andererseits vollzogen sich die Ann\u00e4herungen zwischen den \u00fcber Jahrzehnte getrennten Nachbarl\u00e4ndern nur sehr langsam und z\u00f6gerlich. Die Vorurteile gegen\u00fcber den Nachbarn waren gro\u00df und lagen tief. Und bis heute ist dort, wo der Eiserne Vorhang verlaufen ist, keineswegs ein Zusammenwachsen zu beobachten.<\/p>\n<p><em>Text: Wolfgang Lapansky<\/em><\/p>\n<p><strong>H\u00f6r-Tipp<br \/>\n<\/strong><em>Dimensionen, Dienstag, 25. September 2007, 19:05 Uhr<\/em><\/p>\n<p><strong>Buch-Tipp<br \/>\n<\/strong><em>Waltraud Heindl, Edith Saurer, &#8220;Grenze und Staat&#8221;, B\u00f6hlau, ISBN 9783205991991<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem \u00d61-Archiv. Trennen und verbinden Rund 40 Jahre lang hat eine undurchdringbare Grenze den Norden und Osten \u00d6sterreichs gepr\u00e4gt. Die Nachbarstaaten Tschechoslowakei und Ungarn lagen hinter dem Eisernen Vorhang, praktisch unerreichbar f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Bev\u00f6lkerung. 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