{"id":82215,"date":"2023-11-29T22:48:23","date_gmt":"2023-11-29T21:48:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=82215"},"modified":"2023-11-30T20:15:11","modified_gmt":"2023-11-30T19:15:11","slug":"die-rechnung-ohne-zuteilungsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=82215","title":{"rendered":"Die Rechnung ohne das Zuteilungsverfahren."},"content":{"rendered":"<p>Die Staatsadvokatur schreibt <a title=\"Landesregierung: Gutachten gegen Gutachten.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=82205\" rel=\"\">in ihrem Gutachten zum Gutachten des Landtags<\/a> in Bezug auf den Proporz in der kommenden Landesregierung, dass die Anzahl der jeder Sprachgruppe zustehenden Regierungsmitglieder ihrer Meinung nach auf der Grundlage von 35 und nicht 34 Abgeordneten zu ermitteln sei. Recht viel mehr steht ihm Gutachten nicht \u2014 insbesondere nicht, wie viele Landesr\u00e4tinnen der deutschen und italienischen Sprachgruppe konkret zustehen.<\/p>\n<p>Nun behaupten einige, dass die von der Staatsadvokatur pr\u00e4ferierte Berechnungsmethode automatisch zur Folge h\u00e4tte, dass in einer Landesregierung mit elf Mitgliedern zwei der italienischen Sprachgruppe angeh\u00f6ren m\u00fcssten. Doch stimmt das?<\/p>\n<p>Eine einfache mathematische Betrachtung f\u00fchrt zu folgendem Ergebnis:<\/p>\n<ul>\n<li>29 deutschsprachige Abgeordnete geteilt durch die Gesamtzahl 35 = 0,829<\/li>\n<li>5 italienischsprachige Abgeordnete geteilt durch die Gesamtzahl 35 = 0,143<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei zehn zu vergebenden Posten stehen also 8,29 der deutschen und 1,43 der italienischen Sprachgruppe zu. Nach Adam Riese ist bei beiden Werten die Nachkommastelle f\u00fcr eine Aufrundung zu niedrig. Da jedoch 0,43 gr\u00f6\u00dfer als 0,29 ist, behaupten einige, dass der zus\u00e4tzliche Sitz der italienischen Sprachgruppe zustehe.<\/p>\n<h6>Sitzzuteilungsverfahren<\/h6>\n<p>Mag sein. Vielleicht aber auch nicht, denn genau um solche Probleme m\u00f6glichst gut zu l\u00f6sen, wurden Sitzzuteilungsverfahren entwickelt. Sie sollen daf\u00fcr sorgen, dass alle Parteien oder Gruppierungen m\u00f6glichst gem\u00e4\u00df ihrer tats\u00e4chlichen St\u00e4rke in einem Gremium vertreten sein k\u00f6nnen, obwohl das Ergebnis jeweils nur ganze Zahlen (= Anzahl verf\u00fcgbarer Sitze) ber\u00fccksichtigen kann. Dies wird durch Rundung und Anpassung erreicht. Sitzzuteilungsverfahren kommen sowohl bei der \u00dcbersetzung von Wahlergebnissen in Parlaments- oder Landtagssitze zur Anwendung, als etwa auch bei der Besetzung von Aussch\u00fcssen und Kommissionen nach Fraktionsst\u00e4rke in einem Parlament.<\/p>\n<p>Im Grunde ist die S\u00fcdtiroler Landesregierung nach dieser Betrachtungsweise nichts anderes als ein Ausschuss, der nach der St\u00e4rke der Sprachgruppen (= drei Fraktionen) im Landtag zusammengesetzt werden soll:<\/p>\n<ul>\n<li>Fraktion Nr. 1 hat 29 Mitglieder (Deutsche)<\/li>\n<li>Fraktion Nr. 2 hat 5 Mitglieder (Italienerinnen)<\/li>\n<li>Fraktion Nr. 3 hat 1 Mitglied (Ladiner)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu vergeben sind zehn Sitze. Dem Gutachten des Landtags zufolge m\u00fcsste man den Ladiner bei der Berechnung au\u00dfen vor lassen, da er schon den elften Sitz erh\u00e4lt. Das finde ich pers\u00f6nlich logischer, als ihn weiterhin mit einzubeziehen, wie es die Staatsadvokatur bevorzugt. Folgen wir trotzdem der Pr\u00e4ferenz der Staatsadvokatur und <a title=\"Rechner.\" href=\"https:\/\/staatsrecht.honikel.de\/de\/sitzzuteilungsrechner.htm?sitze=10&amp;prozent=0&amp;parteien=7&amp;p1=29&amp;p2=5&amp;p3=1&amp;p4=0&amp;p5=0&amp;p6=0&amp;p7=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rechnen<\/a>&nbsp;nach den g\u00e4ngigen Sitzzuteilungsmethoden, erhalten wir folgende Ergebnisse:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Hare-Niemeyer<\/em>-Verfahren: Fraktion Nr. 1 erh\u00e4lt 8 Sitze, Fraktion Nr. 2 erh\u00e4lt 2 Sitze, Fraktion Nr. 3 erh\u00e4lt 0 Sitze<\/li>\n<li><em>D&#8217;Hondt<\/em>-Verfahren: Fraktion Nr. 1 erh\u00e4lt 9 Sitze, Fraktion Nr. 2 erh\u00e4lt 1 Sitz, Fraktion Nr. 3 erh\u00e4lt 0 Sitze<\/li>\n<li><em>Sainte-Lagu\u00eb-\/Schepers<\/em>-Verfahren: Fraktion Nr. 1 erh\u00e4lt 9 Sitze, Fraktion Nr. 2 erh\u00e4lt 1 Sitz, Fraktion Nr. 3 erh\u00e4lt 0 Sitze<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit zwei von drei g\u00e4ngigen Sitzzuteilungsverfahren stehen also der deutschen Sprachgruppe neun von zehn Landesr\u00e4tinnen zu, wenn der elfte Sitz an den Ladiner vergeben wird \u2014 selbst wenn man der Berechnung 35 statt 34 Landtagssitze zugrunde legt, wie von der Staatsadvokatur bevorzugt.<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000007e30000000000000000_82215\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000007e30000000000000000_82215-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000007e30000000000000000_82215-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Legt man 34 Sitze zugrunde, erh\u00e4lt man mit allen drei Verfahren neun deutsche und eine italienische Landesr\u00e4tin.<\/span> Keine Ahnung, nach welchem Kriterium man entscheiden sollte, welches der drei Verfahren (wenn \u00fcberhaupt) zur Anwendung kommt. Doch einfach nur zu sagen, der italienischen Sprachgruppe stehen zwei Posten zu, weil 0,43 gr\u00f6\u00dfer als 0,29 ist, d\u00fcrfte zu kurz greifen.<\/p>\n<p>Am besten w\u00e4re es wohl ohnehin nach wie vor, eine Landesregierung mit weniger als elf Mitgliedern zu bilden. Nicht nur, weil dann kein Zweifel \u00fcber den Sprachgruppenproporz besteht, sondern auch, weil eine Vergr\u00f6\u00dferung von acht (2013) und neun (2018)<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"2\" data-mfn-post-scope=\"00000000000007e30000000000000000_82215\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000007e30000000000000000_82215-2\">2<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000007e30000000000000000_82215-2\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"2\">seit dem Ausscheiden von Thomas Widmann wieder acht<\/span> auf elf kaum begr\u00fcndbar w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Landesregierung: SVP soll gordischen Knoten l\u00f6sen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=82052\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Due assessori \u2013 senza voti.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81781\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Italienerinnen in der Landesregierung: FdI will Statut ab\u00e4ndern.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81664\"><code>03<\/code><\/a><\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>Legt man 34 Sitze zugrunde, erh\u00e4lt man mit allen drei Verfahren neun deutsche und eine italienische Landesr\u00e4tin.<\/div><\/li><li><span>2<\/span><div>seit dem Ausscheiden von Thomas Widmann wieder acht<\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Staatsadvokatur schreibt in ihrem Gutachten zum Gutachten des Landtags in Bezug auf den Proporz in der kommenden Landesregierung, dass die Anzahl der jeder Sprachgruppe zustehenden Regierungsmitglieder ihrer Meinung nach auf der Grundlage von 35 und nicht 34 Abgeordneten zu ermitteln sei. 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