{"id":83778,"date":"2024-02-09T20:48:57","date_gmt":"2024-02-09T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83778"},"modified":"2024-02-18T13:19:21","modified_gmt":"2024-02-18T12:19:21","slug":"bauern-gegen-den-notwendigen-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83778","title":{"rendered":"Bauern gegen den notwendigen Wandel."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Weniger Rinder, weniger Methanaussto\u00df; weniger Minerald\u00fcnger im Futtermittelanbau, weniger Lachgas. Wenn die Treibhausgase sinken sollen, kann nicht einer der wichtigsten Verursacher von Treibhausgas, die Landwirtschaft und vor allem die Viehzucht, einfach ausgespart bleiben.<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.klimaland.bz\/klimaplan-suedtirol-2040\/download-entwurf-klimaplan-pdf\/\">Daten<\/a> sind eindeutig: 71% des Lachgases und 76% des Methanaussto\u00dfes stammen in S\u00fcdtirol aus der Landwirtschaft, insgesamt 17% der CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente. In Deutschland sind es 8,3%, EU-weit rund 10%. Z\u00e4hlt man die Emissionen der Vor- und Nachleistungen der Landwirtschaft dazu, etwa den Futtermittelimport und die ganze Ger\u00e4teausstattung, kommt man auf weit mehr, n\u00e4mlich fast 1 Million Tonnen CO<sub>2<\/sub> im Jahr (vgl. <a href=\"https:\/\/www.eurac.edu\/doi\/10-57749-jy00-p949\">G. Niedrist, <em>Eurac<\/em><\/a> S. 99-121). Der \u00fcberzogene Viehbestand belastet nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt. Laut einer <em>Eurac<\/em>-Studie ist der R\u00fcckgang der Biodiversit\u00e4t in S\u00fcdtirol zu 70% auf den Agrarbereich zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wenn auch in der Menge nicht vergleichbar mit den Massentierhaltern im Flachland: auch S\u00fcdtirols Fleisch- und Milchproduktion ist mitschuld an der Rodung von Regenwald, an zu hohem Stickstoffeintrag, am v\u00f6llig aus dem Ruder gelaufenen Futtermittelanbau. Deshalb die Frage: Wenn die Bauern fast ein Drittel des gesamten EU-Budgets in Beschlag nehmen, wenn sie von Land und EU in S\u00fcdtirol j\u00e4hrlich weit \u00fcber 200 Millionen Euro an Beitr\u00e4gen beziehen (<a href=\"https:\/\/assets-eu-01.kc-usercontent.com\/787a0907-db8e-01b4-1d53-09d7e342892f\/ba2a41af-74dd-4e16-bff6-e7620fc0f325\/Agrar-Forstbericht%202022_ansicht.pdf\">Forst- und Agrarbericht 2022<\/a>), warum sollten sie aus dem unvermeidlichen Klimaschutz ausgeklammert bleiben?<\/p>\n<p>Es w\u00e4re schon ein Witz, wenn B\u00e4uerinnen und Bauern mit ihren meist von der \u00f6ffentlichen Hand mitfinanzierten und mit subventioniertem Agrardiesel betriebenen Traktoren auf dem Magnagoplatz auffahren w\u00fcrden. Es gibt kaum Berufsgruppen, die so viele Vorteile genie\u00dfen wie die Bauern. Dem <em>Bauernbund<\/em> ist es ohnehin schon gelungen, dem urspr\u00fcnglichen Klimaplan die meisten Z\u00e4hne zu ziehen. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sollen bis 2037 um 40% sinken, aber ein echtes Programm zur Emissionsreduktion fehlt. Der Viehbestand soll nach aktuellem Trend spontan um 1% im Jahr abnehmen. Das bedeutet Klimaneutralit\u00e4t der Landwirtschaft im Jahr 2124. Helfen soll auch die F\u00f6rderung der Heumilchproduktion, die pro kg Milch 25% weniger THG verursacht. Heumilch bringt mehr Wertsch\u00f6pfung und verursacht weniger Emissionen je Liter Milch, steht im Klimaplan (S.53). Warum dann kein langfristiges Programm, um die S\u00fcdtiroler Milchwirtschaft komplett auf Grundfutter umzustellen?<\/p>\n<p>Nun beklagen die Bauern immer wieder zu hohe Kosten und zu niedrige Milchpreise, wie z.B. Christoph Casagrande <em>(Dolomiten,<\/em> 3.\/4.2.24). Stimmt nicht, weil der <a href=\"https:\/\/www.sbb.it\/de\/sbb-news\/detail\/lichtblicke-geben-neue-motivation\">Milchpreis 2023<\/a> laut Sennereiverband mit \u00fcber 58,15 Cent\/l im Vergleich mit den Nachbarregionen deutlich h\u00f6her lag. Die Bauernbundvertreter betonen die \u00bbWirtschaftlichkeit\u00ab (SBB-Bezirksversammlung Wipptal, <em>Dolomiten,<\/em> 6.2.24): Die stark gestiegenen Erzeugerpreise stellten die Bauern vor gro\u00dfe Herausforderungen. Gleichzeitig ert\u00f6nt der Ruf: Land und Milchh\u00f6fe sollen den Preis st\u00fctzen. Mit anderen Worten: die Steuerzahler. Die Milchproduktion in der Berglandwirtschaft ist schon lange nicht mehr \u00bbwirtschaftlich\u00ab. Sie wird zum Einen massiv subventioniert, zum Anderen arbeiten kleinere Milchviehhalter zu fiktiven Stundenl\u00f6hnen, die als Arbeitnehmer unakzeptabel w\u00e4ren. Nun steigen die Kosten f\u00fcr Treibstoff, D\u00fcngemittel und Pestizide, weil dank CO<sub>2<\/sub>-Steuer endlich mehr Kostenwahrheit einkehrt. Wenn die Rahmenbedingungen im Sinne des Schutzes von Klima und Artenvielfalt \u00f6kologischer werden, welchen Sinn ergibt es, klima- und umweltbelastende T\u00e4tigkeiten noch mehr zu subventionieren? Importiertes Kraftfutter auf einem Berghof klima- und bodenbelastend an K\u00fche zu verf\u00fcttern, die Milch hergeben, die die Verbraucher nicht mehr mit angemessenem Preis abnehmen wollen, ist eben unwirtschaftlich.<\/p>\n<p>Der SBB streicht immer wieder die \u00bbNachhaltigkeit\u00ab heraus, doch wenn die politisch gesetzten Regeln wirklich die Umstellung Richtung Klimaschutz f\u00f6rdern, ist er dagegen. Wenn die Verbraucherinnen endlich zugunsten von Klima und Gesundheit einkaufen und auf zu viel Fleisch und Milch verzichten, kann nicht mit \u00f6ffentlichem Geld das Gegenteil, also der Produktionsausfall, auch finanziert werden. Kostenwahrheit bedeutet Preisbildung aufgrund der realen Kosten einschlie\u00dflich der Umweltkosten. Wenn schon zus\u00e4tzliche Subventionen, dann f\u00fcr jene Bauern, die auf umweltschonende und f\u00fcr eine gesunde Ern\u00e4hrung notwendige Produkte umstellen.<\/p>\n<p>Im Sinne dieses \u00f6kologisch unumg\u00e4nglichen Strukturwandels h\u00e4tte ein anderer Teil der b\u00e4uerlichen Betriebe wirklich Grund f\u00fcr Unmut und Sorge. Die EU hat n\u00e4mlich mit guten Gr\u00fcnden entschieden, den Anteil der biologisch bewirtschafteten Fl\u00e4chen <a href=\"https:\/\/www.salzburg.gv.at\/themen\/europa\/eu-infothek\/europa-spezial\/europa-spezial-39\/europa-spezial-39-06\">bis 2030 auf 25%<\/a> zu steigern. \u00d6sterreich ist schon soweit, Italien an einem guten Punkt. Doch S\u00fcdtirol krebst bei 5% herum (<a href=\"https:\/\/assets-eu-01.kc-usercontent.com\/787a0907-db8e-01b4-1d53-09d7e342892f\/ba2a41af-74dd-4e16-bff6-e7620fc0f325\/Agrar-Forstbericht%202022_ansicht.pdf\">Forst- und Agrarbericht 2022<\/a>). Es ist auch kein klares Programm des Landes bekannt, wie dieses Ziel bis 2030 erreicht werden soll. S\u00fcdtirols Biobauern, die schon seit Jahren den richtigen Weg gehen, werden zu wenig anerkannt und gef\u00f6rdert. Das sind aber nicht die Bauern, die mit Traktoren den Verkehr lahmlegen.<\/p>\n<p>Klar ist: S\u00fcdtirols Bauern \u2014 Teil des heute nicht nachhaltigen \u00bbSystems Milch\u00ab \u2014 werden im Glauben belassen, dass trotz Klimawandel alles ungef\u00e4hr so bleiben kann wie bisher. Die Subventionen sollen hoch bleiben, die Umweltauflagen gering, steigende Kosten f\u00fcr Energie, D\u00fcnger und Futtermittel sollen durch mehr Subventionen abgefedert werden, die Konsumenten sollen mehr f\u00fcr Milch, Fleisch und Milchprodukte ausgeben, obwohl erwiesen, dass das weder der Gesundheit noch einem fairen Weltern\u00e4hrungssystem oder dem Klima gut tut. Wenn an diesem nicht nachhaltigen Gesch\u00e4ftsmodell ger\u00fcttelt wird, ist die organisierte Bauernschaft zum Aufstand bereit.<\/p>\n<p>Wie vor gut 500 Jahren, aber diesmal ohne triftigen Grund. Aus landschafts\u00f6kologischen, strukturpolitischen und sozialen Gr\u00fcnden muss vor allem die Berglandwirtschaft weiter unterst\u00fctzt werden, gar kein Zweifel. Aber halt nicht mehr f\u00fcr klimasch\u00e4dliche T\u00e4tigkeiten in nicht nachhaltigem Ausma\u00df. Vor 500 Jahren wagten die Bauern in Mitteleuropa mit guten Gr\u00fcnden den Aufstand, f\u00fcr den Wandel zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit. Heute k\u00e4mpfen hochsubventionierte Bauern gegen den f\u00fcr den Klimaschutz unvermeidlichen Strukturwandel, gegen den Schutz der Artenvielfalt, f\u00fcr den Erhalt eines nicht nachhaltigen Systems der Tierproduktion. Was h\u00e4tte der alte Gaismair dazu gesagt?<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weniger Rinder, weniger Methanaussto\u00df; weniger Minerald\u00fcnger im Futtermittelanbau, weniger Lachgas. 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