{"id":83783,"date":"2024-02-12T13:02:49","date_gmt":"2024-02-12T12:02:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83783"},"modified":"2025-06-11T14:05:04","modified_gmt":"2025-06-11T12:05:04","slug":"juden-werden-hier-nicht-bedient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83783","title":{"rendered":"\u00bbJuden werden hier nicht bedient!\u00ab"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Sind die antiisraelischen Proteste Brandbeschleuniger f\u00fcr einen neuen S\u00fcdtiroler Antisemitismus?<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Schaufenster unter den Bozner Lauben stand der unmissverst\u00e4ndliche Satz \u00bbJuden werden hier nicht bedient!\u00ab. Eine unzweideutige Anleihe aus dem antisemitischen Arsenal der Nationalsozialisten in den 1920er und 1930er Jahren. Die Folgen des <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/einzigartigkeit-shoah-100.html\">eliminatorischen NS-Antisemitismus<\/a> sind bekannt, die <em>Shoah<\/em> mit mehr als sechs Millionen ermordeten j\u00fcdischen Europ\u00e4er:innen. Die meisten Angeh\u00f6rigen der Opfer fanden eine Heimstatt in Israel.<\/p>\n<p>Der ausgeforschte T\u00e4ter soll <a href=\"https:\/\/www.rainews.it\/tgr\/tagesschau\/articoli\/2024\/02\/antisemitische-parolen-in-bozen-tater-identifiziert--23fef750-1bca-4c72-9985-2420b1413c8d.html\">psychische Probleme<\/a> haben. Schrieb der Mann mehrere inkriminierte S\u00e4tze auf Schaufenster und Infotafeln, weil das Umfeld dementsprechend ist? Wegen der herrschenden antisemitischen Stimmung? Eine zuordenbare Aktion, weil Folge einer Krankheit und deshalb halb so schlimm? Trifft die Reaktion von Elisabetta Rossi von der j\u00fcdischen Gemeinde von Meran also nicht zu?<\/p>\n<p>Rossi zeigte sich \u00fcber den antisemitischen Schriftzug gar nicht \u00fcberrascht. Der Antisemitismus sei nie wirklich \u00fcberwunden worden, kommentierte Rossi die Tat. Denn in S\u00fcdtirol schwele der Antisemitismus latent im Untergrund. Den \u00bbtraditionellen\u00ab S\u00fcdtiroler Antisemitismus heizte beherzt die katholische Kirche an, Humus f\u00fcr den Antisemitismus der Nazis. Dieser war f\u00fcr viele J\u00fcdinnen und Juden in Meran zwischen 1943 und 1945 t\u00f6dlich. Nicht von ungef\u00e4hr tr\u00e4gt die Recherche von Sabine Mayr und Joachim Innerhofer \u00fcber den Antisemitismus in S\u00fcdtirol den Titel <em><a href=\"https:\/\/salto.bz\/en\/article\/24022017\/moerderische-heimat\">M\u00f6rderische Heimat.<\/a><\/em> S\u00fcdtiroler Nazis verfolgten j\u00fcdische Meraner:innen, die in den KZ ermordet wurden; ihr Eigentum raubten, sie \u00bbarisierten\u00ab es. Wiedergutmachung, \u00bbVergangenheitsbew\u00e4ltigung\u00ab? Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Der nationalsozialistische antisemitische Humus blieb fruchtbar\/furchtbar im Land liegen. Historiker Leopold Steurer richtete in seiner wissenschaftlichen Forschung sein Augenmerk auf die erfolgreiche auch amtliche <a href=\"https:\/\/salto.bz\/en\/article\/21022017\/suedtiroler-antisemitismus\">Verdr\u00e4ngung des S\u00fcdtiroler Antisemitismus<\/a>. Er \u00fcberlebte den Nationalsozialismus, die angebliche Entnazifizierung und den demokratischen Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie in Deutschland auch, immer wieder belegten <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/themen\/9538\/antisemitismus\/\">Studien<\/a>, dass ein Viertel der Deutschen <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/19902\/so-praesent-ist-antisemitismus-in-deutschland\/\">antisemitische Ressentiments<\/a> pflegen. Das wird in S\u00fcdtirol wahrscheinlich nicht viel anders sein. In der von Anti-Nazis gegr\u00fcndeten <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> richteten sich auch Nazis ein, wegen dessen Kritik an Proporz und Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeitserkl\u00e4rung warfen SVP-Politiker dem <em>Gr\u00fcnen<\/em> Alexander Langer seine j\u00fcdische Abstammung vor. J\u00fcdischsein, ein Makel?<\/p>\n<p>Der im Untergrund wabernde Antisemitismus brach immer wieder nach oben. Die inzwischen selbst\u00e4ndig gewordene S\u00fcdtiroler Filiale der <abbr title=\"Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs\">FP\u00d6<\/abbr> bediente immer wieder den Antisemitismus, verpackt als antizionistische Israelkritik. Vor einigen Jahren durfte auf einer Pressekonferenz der <em>Freiheitlichen<\/em> in Bozen ein antizionistischer Rabbi aus Wien ungeniert und uneingeschr\u00e4nkt auf Israel schimpfen, die anwesenden <em>Freiheitlichen<\/em> freuten sich tierisch. Die <em>Freiheitlichen<\/em> polemisierten heftig gegen die Errichtung einer Erinnerungsstele an die ermordeten Juden am Bozner Friedhof.<\/p>\n<p>Die Patin der S\u00fcdtiroler <em>Freiheitlichen,<\/em> die FP\u00d6, galt seit ihrer Gr\u00fcndung als Sammelbecken alter Nazis. Die Partei habe definitiv eine antisemitische Geschichte, ist <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5374746\/die-fpoe-hat-definitiv-eine-antisemitische-geschichte\">Moshe Kantor<\/a> vom Europ\u00e4ischen J\u00fcdischen Kongress \u00fcberzeugt. Vor einem Jahr befand <a href=\"https:\/\/www.krone.at\/3152823\">Oskar Deutsch<\/a> von der \u00f6sterreichischen Israelitischen Kultusgemeinde, dass es sich bei der FP\u00d6 um <a href=\"http:\/\/www.kellernazisinderfpoe.at\/\">\u00bbKeller-Nazis\u00ab<\/a> handle. Bewusst setzte FP\u00d6-Chef Herbert Kickl bei den Kundgebungen gegen die <em>Corona<\/em>-Politik der \u00f6sterreichischen Regierung <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3241861\/\">antisemitische Codes<\/a> ein, verglich die Impfkampagne mit der Ausgrenzung j\u00fcdischer Kinder im Dritten Reich. Die Rechte, nicht nur in \u00d6sterreich, hantierte mit dem <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/hintergrund\/verschwoerungsideologien-antisemitismus\/\">Instrument Antisemitismus<\/a>, die Juden seien schuld an der Pandemie. Also die \u00bbj\u00fcdische\u00ab Pharmaindustrie, <em>Pfizer<\/em> und <em>Moderna,<\/em> die Politiker:innen als deren angeblichen Handlanger, usw.<\/p>\n<p>\u00bbVolkskanzler\u00ab Kickl fand Nachahmer in S\u00fcdtirol. Der damalige Landtagsabgeordnete Josef Unterholzner von der <em>Liste Enzian,<\/em> abgespalten vom <em>Team K,<\/em> verglich \u2013 schr\u00e4ger geht es kaum \u2013 die Ungeimpften mit Holocaust-Opfern. Auf Kundgebungen trugen Demonstranten den Davidstern als Symbol ihrer angeblichen Verfolgung durch den Staat. Die Impfgegnerszene, ein Sammelsurium w\u00fctender Rechter wie links-alternativer Aufgew\u00fchlter, bediente den Antisemitismus in ihrem Widerstand gegen die Gesundheitsbeh\u00f6rden. Die Nazis des 21. Jahrhunderts. Ein Einschub: Diese Szene unterst\u00fctzt seit dem Ende der Pandemie <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/aktuelles\/querdenker-impfgegner-pro-putin\/\">begeistert den russischen Eroberungskrieg in der Ukraine<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/aktuelles\/im-schatten-des-7-oktober-antisemitismus\/\">pal\u00e4stinensische Hamas<\/a> in Gaza.<\/p>\n<p>Regelrecht erhitzt wird der Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023. Damas \u00fcberfielen Killer der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Geschichte-der-Hamas\/!5965057\/\">klerikal-faschistischen <em>Hamas<\/em><\/a> \u2013 gesponsert von der T\u00fcrkei, vom Iran und von Katar \u2013 aus Gaza heraus benachbarte israelische Weiler, D\u00f6rfer und mehrere Kibbuze. Mehr als 1.200 Menschen wurden abgeschlachtet, <a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/im-namen-der-opfer-israels-frauen-rutteln-wach\/\">M\u00e4dchen und Frauen vergewaltigt<\/a>, w\u00e4hrend der Vergewaltigung stachen die <em>Hamas<\/em>-\u00bbK\u00e4mpfer\u00ab auf ihre Opfer ein und entf\u00fchrten mehr als 250 Menschen. Auf ihrem \u00bbSiegeszug\u00ab in <a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/mehrheit-palaestinenser-hamas-angriff-israel\/\">Gaza applaudierten Menschenmassen<\/a> den <em>Hamas<\/em>-Terroristen zu.<\/p>\n<p>Seitdem \u00fcberzieht Israel mit einer Feuerwalze die Stadt-Landschaft von Gaza. Ein unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Krieg einer rechts-rechten israelischen Regierung gegen die <em>Hamas,<\/em> die sich bewusst strategisch hinter der Bev\u00f6lkerung verschanzt. Seitdem dominieren pro-pal\u00e4stinensische Demonstranten Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze in Europa. <em>Hamas<\/em>-Sympathisanten und Linke demonstrieren Hand in Hand gegen Israel, ihr Slogan: <em><a href=\"https:\/\/www.bedeutungonline.de\/was-bedeutet-from-the-river-to-the-sea-bedeutung-erklaerung-definition\/\">From the river to the sea, Palestine must be free.<\/a> <\/em>Klartext: Israel muss verschwinden. Damit stellen <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/antisemitismus\/dossier-antisemitismus\/307887\/antisemitismus-im-linken-spektrum\/\">Teile der europ\u00e4ischen Linken<\/a> das Existenzrecht des Staates Israel in Frage. Dieser angebliche linke Antizionismus ist nichts anderes als linker Antisemitismus:<\/p>\n<blockquote><p>\u2026aber das Recht des j\u00fcdischen Volkes auf einen eigenen Staat zu bestreiten und immer Israel als S\u00fcndenbock f\u00fcr jedes Problem mit den Arabern hinzustellen oder Israel gar als Apartheids-Staat zu bezeichnen, das ist Antisemitismus<\/p><\/blockquote>\n<p>sagte <a href=\"https:\/\/www.tageszeitung.it\/2022\/03\/06\/das-no-vax-volk-ist-dumm\/\">Federico Steinhaus<\/a>, ehemaliger Vorsitzender der j\u00fcdischen Gemeinde von Meran, in einem Interview mit der <em>Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung.<\/em><\/p>\n<p>Auch auf den verschiedenen pro-pal\u00e4stinensischen \u2013 pro <em>Hamas?<\/em> \u2013 Kundgebungen in Bozen, organisiert von italienischen Linken, schimmerte dieser verkappte Antisemitismus durch. Genauso auf <em>Salto,<\/em> wie auch letzthin wieder. Der israelische Krieg in Gaza soll die <em>Hamas<\/em> treffen, trifft aber mehrheitlich Kinder und Frauen. Die Solidarit\u00e4t mit der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung, Opfer der <em>Hamas<\/em> und die Leidtragenden des Krieges, wuchert sich aber zu einem weit verbreiteten Antisemitismus aus. Patrizia Zambai widmet in ihrem <em>Salto<\/em>-Text <em><a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/06022024\/i-bambini-di-gaza\">I bambini di Gaza<\/a> <\/em>zurecht ihre Aufmerksamkeit den Schw\u00e4chsten in diesem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Krieg. Verr\u00e4terisch aber ist ihre Formulierung zu den <em>Hamas<\/em>-Massakern vom 7. Oktober, sie schreibt dar\u00fcber \u00bble azioni di Hamas\u00ab. Die Aktionen? Manche Linke bejubelten diese \u00bbAktionen\u00ab als eine \u00bbBefreiungsaktion\u00ab. Muss ja so sein, der islamistische Pr\u00e4sident der T\u00fcrkei, Erdogan, w\u00fcrdigte die von ihm gef\u00f6rderte <em>Hamas<\/em> als eine Befreiungsbewegung. Der Antisemitismus, Kitt f\u00fcr die \u00bbantikolonialistische\u00ab Linke, f\u00fcr Islamisten und f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ausland\/afd-chrupalla-israel-hamas-100.html\">Rechtsradikale<\/a> in Europa.<\/p>\n<p>Israel, Kinderkiller, ein Maurer-Slogan in Bozen. Eine alte <a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/propaganda-talmud-juden-mord-frauen-kindern\/\">antisemitische \u00bbErz\u00e4hlung\u00ab,<\/a> Juden t\u00f6ten Kinder.<\/p>\n<blockquote><p>Der Antisemitismus stirbt nicht aus, das haben wir im Laufe der Jahrhunderte gelernt. Er kommt zum Vorschein, wenn etwas im Leben schief geht oder wenn es eine Krise, sei es wirtschaftlicher oder anderer Art, gibt, die Unsicherheit mit sich bringt<\/p><\/blockquote>\n<p>versuchte Federico Steinhaus im Interview mit der <em>Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung<\/em> eine Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Wegen der eingangs erw\u00e4hnten antisemitischen S\u00e4tze rief Guido Margheri, Pr\u00e4sident der Partisanenvereinigung ANPI, dazu auf, \u00bbsich in jeder Weise und auf allen Ebenen dem Antisemitismus und jeglichem alten und neuen Rassismus zu widersetzen\u00ab, und zwar mit den zur Verf\u00fcgung stehenden Gesetzen. Margheri zitierte das <em>Scelba-<\/em> und das <em>Mancino-<\/em>Gesetz. Ersteres verbietet faschistische Symbole, zweiteres die Anstiftung zu rassischer, ethnischer, nationalistischer oder religi\u00f6ser Diskriminierung und Gewalt sowie auch faschistische Propaganda und das Zeigen von Symbolen faschistischer und nationalsozialistischer Organisationen. Papiertiger. Das Kassationsgericht, Italiens H\u00f6chstgericht, sieht im <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83171\">\u00bbr\u00f6mischen Gru\u00df\u00ab<\/a>, dem Faschistengru\u00df, keine Gefahr. Auf jeden Fall keine Straftat. Trotz <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article205988857\/Italien-In-der-Heimat-des-Faschismus-waechst-der-Judenhass.html\">wachsender Judenfeindlichkeit<\/a>.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind die antiisraelischen Proteste Brandbeschleuniger f\u00fcr einen neuen S\u00fcdtiroler Antisemitismus? 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