{"id":84545,"date":"2024-08-23T22:40:43","date_gmt":"2024-08-23T20:40:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84545"},"modified":"2026-06-19T13:26:36","modified_gmt":"2026-06-19T11:26:36","slug":"araber-linke-zundler-zivilisten-und-der-nahostkonflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84545","title":{"rendered":"Araber, Linke, Z\u00fcndler, Zivilisten und der Nahostkonflikt."},"content":{"rendered":"<p><em>Wie bereits im <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\">ersten Teil<\/a> soll hier eine faktenbasierte Analyse versucht werden. Sollte ich also etwas geschrieben haben, was nicht den Tatsachen entspricht, bin ich froh \u00fcber R\u00fcckmeldungen in den Kommentaren oder \u00fcber <a title=\"Report Typo or Error.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=67488\">das Fehlerformular.<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<h6>Was ist die Rolle der arabischen \u201eFreunde\u201c der Pal\u00e4stinenser?<\/h6>\n<p>Die Beziehung zwischen den arabischen Staaten und den Pal\u00e4stinensern (Ein Begriff, der als Bezeichnung f\u00fcr die muslimisch-arabischen Bewohner Cisjordaniens im Zuge des Nationbuilding in den 1960er-Jahren entstand. Zuvor wurde diese Bezeichnung f\u00fcr die antike j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung in dem Gebiet gebraucht.) ist eine zwiesp\u00e4ltige bis widerspr\u00fcchliche. Zu Beginn des Konflikts lie\u00dfen Israels Nachbarl\u00e4nder keinen Zweifel daran, dass sie den jungen Staat vernichten wollen. Die Motivation f\u00fcr die Kriege, die begonnen wurden, war also weniger pro-pal\u00e4stinensisch, als vielmehr anti-israelisch bzw. anti-j\u00fcdisch. Sie war auch deswegen nicht pro-pal\u00e4stinensisch, weil die arabische Bev\u00f6lkerung des britischen Mandatsgebietes als Gesamtheit gesehen wurde und es vor dem Ende des Mandats keine Staatsgrenze entlang des Jordans gab. Von 1921 bis 1923 umfasste das Mandat die Gebiete westlich (<i>Cisjordanien bzw. Westpal\u00e4stina) <\/i>und \u00f6stlich (<em>Transjordanien bzw. Ostpal\u00e4stina<\/em>) des Jordans als Ganzes. Ab 1923 war Transjordanien ein autonomes Emirat innerhalb des britischen Mandats. Mit Fortdauer des Konfliktes und den dauernden R\u00fcckschl\u00e4gen schwand zumindest die Lust der arabischen Verb\u00fcndeten an der aktiven Kriegsbeteiligung. Man beschr\u00e4nkte sich auf moralische und diplomatische Unterst\u00fctzung. Zwar kommt es in der arabischen Welt regelm\u00e4\u00dfig zu gro\u00dfen Solidarit\u00e4tsbekundungen &#8211; in den Pal\u00e4sten, wie auch auf den Stra\u00dfen -, wenn der Konflikt wieder einmal hochkocht, jedoch bei konkreten Hilfen sind die arabischen Staaten dann doch wieder zur\u00fcckhaltend und die Solidarit\u00e4t ist enden wollend. Die humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser wird haupts\u00e4chlich von den USA, der EU und generell dem Westen finanziert und nicht von den milliardenschweren \u00d6lstaaten. Noch zur\u00fcckhaltender ist man bei der Aufnahme neuer pal\u00e4stinensischer Fl\u00fcchtlinge und deren Ausstattung mit B\u00fcrgerrechten. Im Fall von \u00c4gypten hat das einen sehr nachvollziehbaren Grund. Der Gazastreifen grenzt an \u00c4gypten und es w\u00e4re ein Leichtes hier Erleichterung f\u00fcr die notleidende Bev\u00f6lkerung in Gaza zu schaffen bzw. ihnen Schutz zu bieten. \u00c4gypten hat jedoch Angst vor einem Wiedererstarken der Muslimbruderschaft, wenn es Pal\u00e4stinenser ins Land l\u00e4sst. Bei den ersten freien Wahlen nach dem Arabischen Fr\u00fchling hatten die Muslimbr\u00fcder 2012 triumphiert. Mittels Milit\u00e4rputsch bef\u00f6rderte der jetzige Pr\u00e4sident Abd al-Fattah as-Sisi den demokratisch gew\u00e4hlten Mohammed Mursi von den Muslimbr\u00fcdern 2013 aus dem Amt. Die Hamas, mit der viele Pal\u00e4stinenser in Gaza sympathisieren, ist jedoch eine Tochterorganisation der Muslimbruderschaft und f\u00fcr die \u00e4gyptische F\u00fchrung daher ein rotes Tuch.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit hat sich also nicht nur \u00c4gypten, sondern auch andere arabische Staaten (Marokko, Jordanien, UAE, Bahrain, Sudan) mit der Existenz Israels angefreundet und die Beziehungen normalisiert. Zwar gilt Katar nach wie vor als einer der wichtigsten Unterst\u00fctzer der Hamas &#8211; nicht zuletzt ist ein Indiz daf\u00fcr, dass die milliardenschweren Anf\u00fchrer der Terrororganisation (Ismail Haniyya, der bei einem Aufenthalt in Teheran am 31. Juli 2024 durch einen &#8211; wahrscheinlich israelischen &#8211; Sprengsatz get\u00f6tet wurde, Mousa Abu Marzouk, Chalid Maschal) in katarischen Luxushotels residier(t)en und von dort aus die Aktivit\u00e4ten in Gaza steuern, wo die Bev\u00f6lkerung im Elend versinkt -, jedoch hat sich das Freund-Feind-Schema innerhalb der arabischen Welt in letzter Zeit merklich verschoben. Daraus haben sich neue Allianzen ergeben. War Israel bis vor kurzem noch der alleinige arabische Erzfeind in der Region, so ist an seine Stelle mittlerweile der schiitische Iran getreten, der wiederum der neue, m\u00e4chtige Unterst\u00fctzer der sunnitischen Pal\u00e4stinenser ist. Es ist mittlerweile sogar eine leichte Ann\u00e4herung zwischen Saudi Arabien und Israel in Sicht, die durch die gemeinsame Feindschaft zum Iran gen\u00e4hrt wird. Die Unterst\u00fctzung der pal\u00e4stinensischen Sache durch die schiitischen Huthi-Rebellen in Jemen, die dort gegen die von Saudi Arabien unterst\u00fctzte Pro-Hadi-Regierung k\u00e4mpfen, n\u00e4hrt ebenfalls dieses &#8220;Der-Feind-meines-Feindes-ist-mein-Freund&#8221;-Schema.<\/p>\n<h6>Widerspr\u00fcche ohne Ende: Islamismus, Antisemitismus und die Linke\/Rechte<\/h6>\n<p>Eine Sache h\u00e4tte ich nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten: Eine faschistoide und radikalislamistische Terrororganisation wie die Hamas ver\u00fcbt &#8211; gedeckt von einem nicht kleinen Teil der Bev\u00f6lkerung Gazas &#8211; eines der gr\u00f6\u00dften und grausamsten Verbrechen der j\u00fcngeren Geschichte, streamt die Gr\u00e4ueltaten live im Internet und paradiert in einem barbarischen, perversen, unmenschlichen Schauspiel misshandelte und gesch\u00e4ndete K\u00f6rper ziviler Opfer und Geiseln unter dem Jubel hunderter Menschen durch die Stra\u00dfen Gazas. Attent\u00e4ter prahlen im Telefonat mit ihren Eltern, wie viele Juden sie ermordet h\u00e4tten und ihnen hallen stolze Allahu-Akbar-Rufe entgegen. Das Entsetzen \u00fcber die Taten war zwar weltweit gro\u00df, aber dass es in der Folge in arabischen L\u00e4ndern oder im Westen zu massiven Protesten mit tausenden Menschen auf der Stra\u00dfe in Solidarit\u00e4t mit den get\u00f6teten, misshandelten, vergewaltigten und entf\u00fchrten Menschen gekommen w\u00e4re, war nicht der Fall. Erst als die Angegriffenen begannen, die M\u00f6rder zu jagen und die Geiseln zur\u00fcckzuholen, str\u00f6mten die Menschen auf die Stra\u00dfe &#8211; in Solidarit\u00e4t mit den Pal\u00e4stinensern. Die klerikalfaschistische Hamas und die Ereignisse vom 7. Oktober spielten dabei kaum eine Rolle. Der Hass richtete sich &#8211; die Geschichte, wie ich sie in <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\">Teil 1<\/a> erz\u00e4hlt habe, v\u00f6llig ausblendend oder bis zur Unkenntlichkeit verzerrend &#8211; einzig und allein gegen Israel. Selbst Fotos der entf\u00fchrten Geiseln waren vor diesem Hass nicht sicher und wurden vielerorts heruntergerissen. Es ist eine moralische Verkommenheit und eine geschichtsvergessene Ignoranz, die sprachlos macht.<\/p>\n<p>Bitte nicht falsch verstehen: Es ist v\u00f6llig legitim, sich f\u00fcr die Sache der Menschen in Pal\u00e4stina zu engagieren und daf\u00fcr auf die Stra\u00dfe zu gehen. Die Ungerechtigkeit anzuprangern (wenngleich diese zu einem nicht unerheblichen Teil auch selbstverschuldet ist &#8211; siehe <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\">Teil 1<\/a>) und den Staat Israel, seine Regierung und die Siedlungspolitik zu kritisieren, ist absolut gerechtfertigt. Wenn ich dabei allerdings mit den gr\u00f6\u00dften Hinderungsgrund f\u00fcr ein friedliches Miteinander in der Region ausblende &#8211; und zwar jene, die Israel und alle Juden aus religi\u00f6sem Fanatismus vernichten und einen mittelalterlichen, totalit\u00e4ren Gottesstaat errichten wollen -, ist der Protest entweder primitiver Antisemitismus (Protest gibt es nur, wenn Israel der &#8220;Aggressor&#8221; ist), bewusste Heuchelei (wieso ist die Freiheit der Menschen in Jemen, Darfur, Kurdistan, Syrien usw. kein Thema?) oder einfach nur himmelschreiend naiv und dumm.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Queers-for-Palestine.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-84604 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Queers-for-Palestine.png\" alt=\"\" width=\"851\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Queers-for-Palestine.png 851w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Queers-for-Palestine-768x496.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 851px) 100vw, 851px\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Bestes Beispiel daf\u00fcr sind &#8220;Queers for Palestine&#8221;, die &#8220;From the River to the Sea&#8221; skandieren. Laut dem <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.equaldex.com\/equality-index\">&#8220;LGBT Equality Index&#8221;<\/a> liegt Pal\u00e4stina (6 Punkte) auf Platz 192 von 197 L\u00e4ndern, was die Situation queerer Menschen anbelangt. Es gibt auf der Welt nur f\u00fcnf L\u00e4nder, in denen LGBTQIA+-Personen noch schlechter dran sind als in den pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten, wobei die Situation im Westjordanland (<em>Westbank<\/em>) tendenziell besser ist als in Gaza. Schwulen Menschen, die ihre sexuelle Orientierung \u00f6ffentlich machen, droht der Tod. Israel hingegen erreicht in dem Ranking 64 Punkte und landet auf Platz 43 weltweit (zum Vergleich: \u00d6sterreich ist 26., Italien 33.). Ahmad Abu Murkhiyeh beispielsweise war ein schwuler Pal\u00e4stinenser, der in Israel aus diesem Grund im Asyl lebte. Er wurde in der Folge aller Wahrscheinlichkeit nach nach Hebron entf\u00fchrt und von einem 25-j\u00e4hrigen Landsmann enthauptet, der die Tat filmte und auf Social Media verbreitete. Der Fall sorgte f\u00fcr Schlagzeilen und politische Diskussionen. In Israel leben derzeit 90 Pal\u00e4stinenser im Asyl aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. &#8220;From the River to the Sea&#8221; bedeutet, dass der Staat Israel eliminiert wird und sich die &#8220;Freiheit&#8221; \u00e0 la Hamas (anti-demokratisch, anti-feminin, anti-LGBTQ+, anti-Meinungsfreiheit, anti-Pressefreiheit, anti-Demonstrations- und Versammlungsfreiheit, anti-Religionsfreiheit usw.) \u00fcber die gesamte Region erstreckt. Der einzige Ort, an dem queere Menschen im Nahen Osten einigerma\u00dfen in Sicherheit leben k\u00f6nnen, ist Israel, ein s<em>afe haven<\/em> inmitten einer Region voller Schwulenhass (in mehreren L\u00e4ndern der Region steht auf Homosexualit\u00e4t die Todesstrafe). Noch einmal: Ich kann mich auch als queere Person f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Sache engagieren, sollte dabei allerdings nicht jede andere benachteiligte Gruppe oder Minderheit und jedes nur erdenkliche demokratische Freiheitsrecht opfern. Denn das w\u00e4re ein sehr selektives Verst\u00e4ndnis von Freiheit. Paradoxerweise werfen viele linke Pro-Pal\u00e4stina-Aktivisten genau dieses selektive Verst\u00e4ndnis anderen Linken vor, die nicht undifferenziert &#8220;Free Palestine&#8221; und &#8220;From the River to the Sea&#8221; rufen bzw. BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) skeptisch sehen. Sie nennen sie PEP (progressive except Palestine). Dem k\u00f6nnte man entgegenhalten, dass das Ignorieren von vergewaltigten j\u00fcdischen Frauen, Marry-your-rapist-Praktiken in Gaza und dergleichen POP (progressive only for Palestine) ist. P.S.: Die antisemitisch angehauchte Erkl\u00e4rung, dass die Pal\u00e4stinenser aufgrund der Unterdr\u00fcckung durch Israel keine freie, liberale Gesellschaft formen konnten, zieht nicht. Erstens gibt es diese freie, liberale Gesellschaft auch nicht in jenen L\u00e4ndern der Region, die nicht von Israel &#8220;unterdr\u00fcckt&#8221; werden. Und zweitens ist die Gesellschaft des &#8220;Unterdr\u00fcckers&#8221; weitgehend frei und liberal.<\/p>\n<p>Ein anderer paradoxer Aspekt ist jener der Zuwanderung. F\u00fcr gew\u00f6hnlich stehen Linke einer Niederlassungsfreiheit von Menschen jeglicher Herkunft zumindest nicht negativ oder g\u00e4nzlich ablehnend gegen\u00fcber. Im Falle j\u00fcdischer Zuwanderung in besagtes Gebiet scheint das anders zu sein, was wiederum ein Hinweis f\u00fcr antisemitische Ressentiments ist. Rund die H\u00e4lfte der Menschen in Gaza sind Nachfahren \u00e4gyptischer und anderer arabischer Zuwanderer im 20. Jahrhundert. Und rund die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung Israels stammt von Menschen ab, die wiederum aus arabischen L\u00e4ndern im 20. Jahrhundert vertrieben wurden. Unter pro-pal\u00e4stinensischen Gruppen werden erstere oft als &#8220;autochthone Bev\u00f6lkerung&#8221; und zweitere als &#8220;Kolonialisten&#8221; geframt. Ist also j\u00fcdische Zuwanderung in den und aus dem Nahen Osten f\u00fcr diese Gruppierungen generell nicht erw\u00fcnscht?<!--more--><\/p>\n<p>Doch woher kommt diese bisweilen paradoxe Affinit\u00e4t f\u00fcr die Pal\u00e4stinafrage in manchen linken Kreisen? Da w\u00e4re zun\u00e4chst die geschichtliche Erkl\u00e4rung: Viele anti- bzw. post-koloniale Freiheitsbewegungen im globalen S\u00fcden waren in irgendeiner Form sozialistisch und pflegten Beziehungen zur Linken im Westen. Antikolonialismus, Antiimperialismus und Selbstbestimmung sind linke Kernthemen. Die nationalistische zionistische Bewegung &#8211; wie auch der Staat Israel selbst &#8211; wurde von Linken vielfach als kolonialistisch oder imperialistisch gelesen.<\/p>\n<p><span class=\"mw-page-title-main\">Der libysche Revolutionsf\u00fchrer Muammar al-Gaddafi beispielsweise war ein linksanarchistischer, arabischer Nationalist. Die PLO (<i>Palestine Liberation Organization<\/i>) wurde ebenfalls als panarabisch-nationalistische und sozialistische (nahezu marxistische) Bewegung gegr\u00fcndet. Religion bzw. der Islam &#8211; Stichwort: &#8220;Opium f\u00fcr das Volk&#8221; &#8211; spielte damals in den fr\u00fchen pal\u00e4stinensischen Organisationen eine sehr untergeordnete Rolle. Nicht von ungef\u00e4hr arbeiteten Linksextremisten wie die deutsche Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion) eng mit der <\/span><span class=\"mw-page-title-main\">Volksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und der Fatah zusammen. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"mw-page-title-main\">Eine zweite Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte ein &#8211; zwar nicht systemimmanenter, aber doch tief verwurzelter &#8211; Antisemitismus auch innerhalb linker Gruppierungen sein. Sina Arnold beschreibt das in einem Aufsatz f\u00fcr <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.anders-denken.info\/informieren\/antisemitismus-von-links\">&#8220;Anders Denken&#8221;<\/a> sehr treffend:&nbsp;<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span class=\"mw-page-title-main\"> Die Geschichte zeigt [&#8230;], dass der Kampf gegen Antisemitismus zumeist von links stattfand und etwa von antifaschistischen, kommunistischen oder sozialdemokratischen Organisationen oder Parteien getragen wurde. Anders als f\u00fcr die extreme Rechte ist Antisemitismus f\u00fcr die politische Linke nicht konstitutiv, im Gegenteil. Warum findet man ihn also trotzdem? Einerseits, weil auch Linke nicht grunds\u00e4tzlich frei von gesamtgesellschaftlichen Denkweisen wie Rassismus, Sexismus oder eben Antisemitismus sind. Andererseits, weil manche linken Inhalte besonders anschlussf\u00e4hig an antisemitische Stereotype sind. [&#8230;] So begreifen nicht alle Linken den Kapitalismus als ein systemisches, apersonales Herrschaftsverh\u00e4ltnis. Zum Teil wird er stattdessen als ein bewusstes Machwerk eines ausgew\u00e4hlten Kreises vorgestellt \u2013 etwa von Eliten, die die Geschicke der \u00d6konomie planen und lenken. In dieser personalisierten und dadurch verk\u00fcrzten Kritik am Kapitalismus ist die Frage naheliegend, wer denn dieser Kreis an Leuten ist. Und oft genug kommen dann Verweise etwa auf \u201edie Rothschilds\u201c, \u201edie Rockefellers\u201c oder die amerikanische \u201eOstk\u00fcste\u201c \u2013 als Chiffre f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden. <\/span><\/p>\n<p>Eine weitere m\u00f6gliche thematische Anschlussstelle ist der Nahostkonflikt. Die meisten Linken stehen Israel kritisch gegen\u00fcber und stellen sich einseitig auf die Seite der Pal\u00e4stinenser\/innen. Seit dem Sechstagekrieg 1967 wurde der Antizionismus in linken Bewegungen in vielen L\u00e4ndern dominant. Dazu tragen einige Positionen bei, die viele Linke selbstverst\u00e4ndlich vertreten: ein vereinfachter Antiimperialismus, Antikolonialismus oder Antirassismus. Immer wieder lautet dann das Urteil: Israel sei imperialistisch, durch und durch rassistisch und betreibe eine koloniale Expansionspolitik. In dieser dichotomen Sichtweise werden viele Aspekte oft nicht thematisiert, etwa die Geschichte der Staatsgr\u00fcndung des Landes oder der Antisemitismus von Teilen der pal\u00e4stinensischen Gesellschaft. In manchen F\u00e4llen \u00fcberschreitet die politisch motivierte Kritik die Grenze zum Antisemitismus.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass es im demokratischen Israel seit jeher einen gesunden, gewaltfreien Machwechsel gibt, der immer wieder auch Linkspolitiker bzw. gem\u00e4\u00dfigte Liberale ohne hypernationalistischen D\u00fcnkel (Rabin, Peres, Barak, Olmert u. a.) an die Regierungsspitze bef\u00f6rdert hat, k\u00f6nnte auch ein Indiz daf\u00fcr sein, dass Israel kein durch und durch kolonialistisches, imperialistisches Unterfangen ist.<\/p>\n<p>Vielen scheint auch nicht klar zu sein, dass die damaligen &#8220;Br\u00fcder und Schwestern im Geiste&#8221; wenig bis nichts mit der Ideologie der heutigen &#8220;Freiheitsk\u00e4mpfer&#8221; zu tun haben. Unterst\u00fctzte man damals zwar nationalistische bis terroristische, aber doch auch sozialistische, anti-imperialistische Bewegungen, so l\u00e4uft man heute Gefahr, sich an der Seite von faschistoiden Islamisten wiederzufinden, die so ziemlich alles verabscheuen, wof\u00fcr die westliche Linke steht oder stehen m\u00f6chte. Ein Umstand, der in Israel mit einer geh\u00f6rigen Portion bitterb\u00f6sen j\u00fcdischen Humors auch <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rbfccVBo9tE\">satirisch aufgegriffen<\/a> wird.<\/p>\n<p>Jedenfalls f\u00fchrt diese eigenartige Verquickung dazu, dass Islamisten, Rechtsextremisten und Linke\/Liberale\/Woke sowie j\u00fcngst auch Klimaktivistinnen, geeint in ihrem Antisemitismus, ihre jeweiligen Ideale ignorierend und <a title=\"\" href=\"https:\/\/x.com\/HasnainKazim\/status\/1825887682439917951\">jegliche Relationen verlierend<\/a>, gemeinsam f\u00fcr Pal\u00e4stina auf die Stra\u00dfe gehen. Wobei f\u00fcr Rechtsradikale bis Rechtsextremisten die momentane Situation alles andere als einfach ist. Einerseits bietet Israels Vorgehen einen wunderbaren Vorwand seinen Antisemitismus breitzutreten. Gleichzeitig f\u00fchrt aber ein rechtsradikaler Bruder in Israel einen Kampf gegen Islamisten &#8211; was wiederum die M\u00f6glichkeit b\u00f6te, antiislamische und islamophobe Ressentiments zu sch\u00fcren. Wobei die Judenfeindlichkeit Islamisten und Rechtsextreme seit jeher eint &#8211; man erinnere sich nur an die Allianz zwischen Pal\u00e4stinenserf\u00fchrer Mohammed Amin al-Husseini und Adolf Hitler. Es ist wahrlich kompliziert.<\/p>\n<h6>Wer sind die israelischen Z\u00fcndler?<\/h6>\n<p>Womit wir bei Benjamin Netanjahu w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach. Die israelischen Siedlungen in besetztem Gebiet gelten als einer der Hauptstreitpunkte im Nahostkonflikt. Die Geschichte begann nach dem Sechstagekrieg 1967, im Zuge dessen Israel die Golanh\u00f6hen von Syrien, Ostjerusalem und das Westjordanland von Jordanien und den Gazastreifen (wie auch die Halbinsel Sinai) von \u00c4gypten erobert und in der Folge besetzt bzw. im Falle der Golanh\u00f6hen und Ostjerusalems zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt v\u00f6lkerrechtswidrig annektiert hat. Israel betrachtet letztere also als sein Staatsgebiet, w\u00e4hrend die besetzten Gebiete unter israelischer Milit\u00e4rverwaltung stehen. Zuvor waren der Gazastreifen sowie die Westbank und Ostjerusalem &#8211; ebenfalls v\u00f6lkerrechtswidrig &#8211; bereits von \u00c4gypten und Jordanien besetzt worden.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Rolle spielt dabei die sogenannte &#8220;Gr\u00fcne Linie&#8221;. Das ist jene Waffenstillstandslinie, die nach Beendigung des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges 1949 gezogen wurde. Diese Grenzziehung diente bei den meisten Vorschl\u00e4gen zur Befriedung als grobe Orientierung f\u00fcr eine Zweistaatenl\u00f6sung, da sie den Gro\u00dfteil der Eroberungen Israels nach dem Unabh\u00e4ngigkeitskrieg r\u00fcckg\u00e4ngig macht.<\/p>\n<p>Nachdem die arabischen Staaten mit der Khartum-Resolution (&#8220;Three Noes&#8221;) das israelische Friedensangebot (R\u00fcckzug hinter die Grenzen von 1967 &#8211; Stichwort &#8220;gr\u00fcne Linie&#8221; &#8211; und Anerkennung Israels) ablehnten, begann Israel &#8211; zun\u00e4chst sehr vereinzelt &#8211; in den besetzten Gebieten (Gazastreifen, Westbank mit Ostteil Jerusalems) Siedlungen zu errichten. Unter Berufung auf das Genfer Abkommen wurde diese Siedlungst\u00e4tigkeit von Beginn an von verschiedensten internationalen Organisationen und Gerichten als illegal und v\u00f6lkerrechtswidrig eingestuft. In Artikel 49\/Absatz 6 des Genfer Abkommens hei\u00dft es n\u00e4mlich:<\/p>\n<blockquote><p>Die Besetzungsmacht darf nicht Teile ihrer eigenen Zivilbev\u00f6lkerung in das von ihr besetzte Gebiet deportieren oder umsiedeln.<\/p><\/blockquote>\n<p>2016 schaffte es eine entsprechende Resolution erstmals auch durch den UN-Sicherheitsrat, da die USA zum ersten Mal kein Veto zugunsten Israels einlegten. Auch der Oberste Gerichtshof Israels hat bereits wiederholt Siedlungen f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt, obwohl er die Siedlungst\u00e4tigkeit nicht prinzipiell als illegal ansieht.<\/p>\n<p>Die Position der israelischen Regierungen im Laufe der Jahre war ideologisch bedingt freilich keine einheitliche. Diejenigen, die den Siedlungsbau vorantrieben und genehmigten, argumentierten mit juristischen Winkelz\u00fcgen, dass Teile der L\u00e4ndereien rechtm\u00e4\u00dfig (auch von pal\u00e4stinensischen Besitzern) gekauft wurden und dass staatliche Enteignungen von nicht genutztem Land legitim seien; dass milit\u00e4rische Besetzung Kurzzeitigkeit impliziere, was in besagten Gebieten nicht der Fall sei; dass nur Gebiete souver\u00e4ner Staaten von anderen Staaten besetzt werden k\u00f6nnten, dies hier nicht der Fall sei und es sich somit gar nicht um eine Besetzung handle, da Pal\u00e4stina nie ein souver\u00e4ner Staat war und Israel das Westjordanland und den Gazastreifen von den Besatzern Jordanien und \u00c4gypten \u00fcbernommen habe. Zumindest die Sache mit dem Landkauf d\u00fcrfte in j\u00fcngster Zeit keine Rolle mehr gespielt haben, denn laut pal\u00e4stinensischem Recht kann der Verkauf von Land an Israelis sogar mit dem Tode bestraft werden.<\/p>\n<p>Auch was die Verwaltung des Gebiets anbelangt ist die Lage sehr komplex. Seit dem Oslo-Abkommen ist das Westjordanland in drei Zonen aufgeteilt, die jedoch mit Ausnahme von Zone C kein zusammenh\u00e4ngendes Gebiet umfassen, sondern mehr einem Fleckerlteppich \u00e4hneln:<\/p>\n<ul>\n<li>Zone A steht unter voller Kontrolle der pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde, die in der Zone sowohl f\u00fcr die Sicherheit als auch f\u00fcr die Verwaltung verantwortlich ist. Es ist die mit Abstand am dichtesten, haupts\u00e4chlich von Pal\u00e4stinensern besiedelte Zone.<\/li>\n<li>In Zone B teilen sich Israelis und Pal\u00e4stinenser die Aufgaben: die polizeiliche Kontrolle obliegt sowohl dem israelischen Milit\u00e4r als auch den pal\u00e4stinensischen Polizeikr\u00e4ften, die Zivilkontrolle hingegen ist in pal\u00e4stinensischer Hand.<\/li>\n<li>In Zone C \u00fcbt Israel die volle Kontrolle aus. Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig umfasst diese Zone 60 Prozent der Westbank. Die Zone ist d\u00fcnn besiedelt. Von den rund 3 Millionen Einwohnern der Westbank sind 700.000 (300.000 Pal\u00e4stinenser, 400.000 Israelis) in Zone C niedergelassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Keine der Zonen wird ausschlie\u00dflich von Pal\u00e4stinensern oder Israelis bewohnt. Ostjerusalem, das auch zum Westjordanland gez\u00e4hlt wird, ist nicht Teil dieser Zonen, da es von Israel annektiert wurde.<\/p>\n<p>An den Grenzen zu Israel und zwischen den Zonen gibt es \u00fcber 500 Mobilit\u00e4tseinschr\u00e4nkungen (israelische Kontrollstationen &#8211; so genannte &#8220;Checkpoints&#8221;, haupts\u00e4chlich als Reaktion auf die Intifada errichtet wurden -, Stra\u00dfensperren usw.), unter denen vor allem die pal\u00e4stinensischen Bewohnerinnen zu leiden haben, da sie sich aufgrund der Zerst\u00fcckelung des Landes nicht frei zwischen den D\u00f6rfern bewegen, ihren Arbeitsplatz nicht erreichen oder die landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen nicht bewirtschaften k\u00f6nnen. Zudem kommt es an den Checkpoints regelm\u00e4\u00dfig zu Schikanen und Gewalt.<\/p>\n<p>Ein weiteres Unterfangen, das laut Gutachten des Internationalen Gerichtshofs gegen V\u00f6lkerrecht verst\u00f6\u00dft, ist der unter Ariel Scharon 2002 begonnene Bau der Sperranlagen im Westjordanland. Dabei handelt es sich um eine befestigte Grenze aus Mauern und Z\u00e4unen, die um das gesamte Westjordanland errichtet werden soll. W\u00e4hrend der von 2000 bis 2005 laufenden Zweiten Intifada kam es in Israel zu 20.406 Anschl\u00e4gen, wovon 138 Selbstmordanschl\u00e4ge und 13.730 Schuss\u00fcberf\u00e4lle waren. 1.036 Israelis wurden dabei get\u00f6tet und 7.054 verletzt. Die Anlage soll verhindern, dass Attent\u00e4terinnen vom Westjordanland nach Israel gelangen k\u00f6nnen. Der Sperrwall verl\u00e4uft allerdings nicht entlang der &#8220;Gr\u00fcnen Linie&#8221;, die das besetzte Gebiet vom israelischen Staatsgebiet trennt, sondern er schlie\u00dft die grenznahen, meist knapp hinter der &#8220;Gr\u00fcnen Linie&#8221; gelegenen israelischen Siedlungen mit ein. Die Sperranlagen sind f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Zivilbev\u00f6lkerung wiederum mit massiven Einschr\u00e4nkungen verbunden, obwohl es einigen pal\u00e4stinensischen Gemeinden gelungen ist, mittels einer Klage beim israelischen H\u00f6chstgericht eine \u00c4nderung des Verlaufs zu erwirken.<\/p>\n<p>Im gesamten Westjordanland gilt offiziell Milit\u00e4rgerichtsbarkeit und nicht israelisches Recht. Dennoch wird letzteres f\u00fcr die Belange der israelischen Siedler meist angewandt, f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung hingegen nicht. Eine offizielle \u00dcbernahme israelischen Rechts f\u00fcr die israelischen Siedlungen w\u00fcrde aber einer defacto Annexion gleichkommen, was wiederum v\u00f6lkerrechtswidrig w\u00e4re.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Ungleichbehandlung gibt es auch bez\u00fcglich Siedlungsbau. Zwar d\u00fcrfen auch israelische Staatsb\u00fcrger nur mit Regierungserlaubnis in die besetzten Gebiete ziehen (f\u00fcr Ostjerusalem und den Golan braucht es keine Erlaubnis, da sie annektiert sind), doch ist es f\u00fcr pal\u00e4stinensische B\u00fcrgerinnen ungleich schwieriger, eine derartige Erlaubnis zu erhalten. Umgekehrt werden auch nach israelischer Auffassung illegal errichtete Siedlungen (sogenannte &#8220;Outposts&#8221;) meist geduldet oder nachtr\u00e4glich saniert, w\u00e4hrend illegale pal\u00e4stinensische Bauten oft zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Haupts\u00e4chlich im Laufe von Benjamin Netanjahus zweiter (2009-2021) und dritter (2022-heute) Amtszeit wurden die Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen mehr und stellenweise sogar institutionalisiert. W\u00e4hrend fr\u00fchere linke und liberale Regierungschefs wie Ehud Barak oder Ehud Olmert glaubhaft versuchten, Ungleichbehandlungen abzustellen bzw. die Siedlungspolitik zu revidieren versuchten und sogar Hardliner und Protagonisten der Siedlerbewegung wie Ariel Scharon bereit waren &#8211; wie im Falle von Gaza &#8211; Dutzende Siedlungen f\u00fcr einen m\u00f6glichen Frieden aufzugeben, treibt Netanjahu, der schon damals in Opposition zu Ariel Scharons Entscheidung stand, &#8211; wohl auch um seine extremistischen Regierungspartner zum Zwecke seines Machterhalts zu befriedigen &#8211; Diskriminierung und Siedlungsbau aktiv voran. Er schafft damit Tatsachen, die eine L\u00f6sung des Konflikts massiv erschweren. In seiner Regierungszeit ist die Zahl israelischer Siedler im Westjordanland inkl. Ostjerusalem von ca. 500.000 auf ca. 700.000 gestiegen. Mittels Legalisierungsgesetz wurden 2017 rund 4.000 Siedlergeb\u00e4ude, die auf privatem pal\u00e4stinensischem Land errichtet worden waren, nachtr\u00e4glich legalisiert. Zudem hat Netanjahu mehrmals angek\u00fcndigt, weitere Teile der Westbank annektieren zu wollen. Im M\u00e4rz 2024 hat Israel tats\u00e4chlich 800 Hektar im Westjordanland zu israelischem Staatsgebiet erkl\u00e4rt. Gleichzeitig tolerierte er die Unterst\u00fctzung der Hamas durch Katar, um die Autonomiebeh\u00f6rde zu schw\u00e4chen.&nbsp;Ein weiterer Schritt zur Institutionalisierung von Diskriminierung oder zumindest zur Marginalisierung war das 2018 verabschiedete Nationalstaatsgesetz. Dieses Gesetz definiert, dass Israel der Nationalstaat des j\u00fcdischen Volkes sei. Israel sei offen f\u00fcr j\u00fcdische (!) Einwanderung und der j\u00fcdische Siedlungsbau sei ein nationaler Wert. Weiters wurde die arabische Sprache durch dieses Gesetz von einer offiziellen zweiten Amtssprache zu einer anerkannten Minderheitensprache (Sprache mit Sonderstatus) degradiert. Hauptstadt ist das ganze, vereinigte Jerusalem.<\/p>\n<p>Untrennbar verbunden mit der Netanjahuisierung Israels sind religi\u00f6se Fanatiker, bekennende Rassisten und radikale Zionisten- und Siedlerbewegungen. Am 1. November 2022 fanden in Israel die f\u00fcnften Knesset-Wahlen innerhalb von nur drei Jahren statt. Die Parteienlandschaft in Israel ist extrem fragmentiert und eine Regierungsbildung entsprechend schwierig. F\u00fcr eine stabile Mehrheit hat sich Netanjahu und sein national-konservativer Likud zu einer Koalition mit ultraorthodoxen und rechtsextremen Parteien entschieden, die enge Verbindungen zu radikalen Siedlerbewegungen pflegen. Der israelische Minister f\u00fcr nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir beispielsweise lebt selbst in einer israelischen Siedlung bei Hebron. 2007 war er wegen rassistischer Aufhetzung und Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden. Und auch als Minister der Partei <em>Otzma Jehudit<\/em> (&#8220;St\u00e4rke f\u00fcr Israel&#8221;) schl\u00e4gt er rassistische T\u00f6ne an und arbeitet an der Entrechtung bis hin zur Aussiedlung arabischer Israelis und der Pal\u00e4stinenser. Ziel von Ben-Gvir ist auch eine massive Bewaffnung der rund 500.000 Siedler im Westjordanland.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt durch den Terroranschlag vom 7. Oktober haben derartige Figuren den radikalen, rassistischen Siedlern im Pulverfass Westbank weiter Auftrieb verliehen und die ohnehin schon angespannte Situation zwischen Siedlern und Pal\u00e4stinensern weiter versch\u00e4rft. Erstere haben bereits in den vergangenen Jahren immer wieder pal\u00e4stinensische D\u00f6rfer angegriffen, H\u00e4user in Brand gesetzt und landwirtschaftliche Fl\u00e4chen zerst\u00f6rt sowie Bewohner und Bauern gewaltsam vertrieben. Das israelische Milit\u00e4r schaut bei diesen Aktionen nicht selten tatenlos zu. Die israelische Menschenrechtsorganisation <em>Yesh Din<\/em> hat 1.664 F\u00e4lle von Siedlergewalt gegen\u00fcber Pal\u00e4stinensern zwischen 2005 und 2023 untersucht. In nur 3 % der F\u00e4lle kam es zu einer Verurteilung. Seit dem Terroranschlag am 7. Oktober hat die Lawlessness noch einmal zugenommen. Seither haben Siedler laut einem Bericht von zw\u00f6lf europ\u00e4ischen Staaten sowie Australien und Kanada mehr als 340 Angriffe begangen, acht pal\u00e4stinensische Zivilisten get\u00f6tet, mehr als 80 verletzt und rund 1.000 Pal\u00e4stinenser aus ihrem Zuhause vertrieben. Im selben Zeitraum wurden auch sechs Israelis get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Ben-Gvirs Partei- und Siedlerkollege Amihai Eliyahu, seines Zeichens Minister f\u00fcr religi\u00f6ses und kulturelles Erbe, ist ein weiterer dieser verr\u00fcckten, neonazistischen Ungustln. Sein mehrfach get\u00e4tigter Vorschlag, auf Gaza eine Atombombe abzuwerfen, sorgte weltweit und auch in Israel selbst f\u00fcr Emp\u00f6rung. Das ging dann auch sogar Netanjahu zu weit, der die \u00c4u\u00dferungen als &#8220;realit\u00e4tsfern&#8221; abtat und den Minister kurzzeitig von den Kabinettssitzungen suspendierte. Der Dritte im Bunde der Extremisten ist <span class=\"mw-page-title-main\">Bezalel Smotrich (<\/span><span class=\"mw-page-title-main\"><em>Mafdal \u2013 HaTzionut HaDatit<\/em>), Finanzminister und zust\u00e4ndig f\u00fcr den Siedlungsbau. Er macht auch kein Hehl aus seiner Haltung: &#8220;Ich bin ein homophober&nbsp;Faschist, aber ich halte mein Wort.&#8221;<\/span><\/p>\n<p>Netanjahu selbst hingegen sieht sich seit Mai 2024 zusammen mit seinem Verteidigungsminister und den Anf\u00fchrern der Hamas mit einem Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Chefankl\u00e4ger des Internationalen Gerichtshofes, Karim Ahmad Khan, konfrontiert.<\/p>\n<h6>Wer sind bzw. wo stehen die Zivilisten?<\/h6>\n<p>Die Zivilgesellschaft spielt in dem Konflikt von Beginn an eine entscheidende Rolle. Vor der Staatsgr\u00fcndung Israels waren es zivilgesellschaftliche Verb\u00e4nde, die die j\u00fcdischen Interessen vorantrieben. Und auch heute ist sowohl auf pal\u00e4stinensischer als auch israelischer Seite die Zivilbev\u00f6lkerung ein Akteur, der T\u00e4ter und Opfer zugleich ist. Pal\u00e4stinensische Zivilisten sterben bei israelischen Luftangriffen. Israelische Zivilisten schikanieren und morden in der Westbank. Pal\u00e4stinensische Zivilisten werden von der Hamas als Schutzschilde missbraucht. Israelische Zivilisten begehren gegen ihre Regierung auf. Pal\u00e4stinensische Zivilisten feiern die Massaker der Hamas.<\/p>\n<p>Es steht au\u00dfer Frage, dass die pal\u00e4stinensische Zivilbev\u00f6lkerung die gr\u00f6\u00dfte Leidtragende im momentanen Konflikt ist, wenngleich auch auf israelischer Seite viele Menschen aus der Konfliktzone fliehen mussten. Gleichzeitig ist diese Zivilbev\u00f6lkerung kein monolithischer Block und Aussagen wie &#8220;Die pal\u00e4stinensischen Zivilisten tragen nicht die Schuld f\u00fcr Hamas&#8221; oder &#8220;Alle Zivilisten in Gaza sind Opfer&#8221; greifen zu kurz. Zu behaupten, die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung im Allgemeinen und die Bev\u00f6lkerung Gazas im Speziellen k\u00f6nne nichts f\u00fcr ihre F\u00fchrung ist herablassend, denn es suggeriert, dass die Pal\u00e4stinenser unf\u00e4hig und unm\u00fcndig w\u00e4ren, sich selbst zu verwalten. Jedenfalls erreichte die Hamas bei den Wahlen 2006 im Gazastreifen eine Mehrheit.<\/p>\n<p>Studien legen auch nahe, dass die Zivilbev\u00f6lkerung Gazas nicht von der Hamas gegen ihren Willen in Geiselhaft gehalten wird. Laut einer Umfrage des <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.pcpsr.org\/en\/node\/980\"><span class=\"mw-page-title-main\">Palestinian Center for Policy and Survey Research<\/span><\/a> aus Ramallah sagen im Juni 2024 57 % der Bewohner Gazas und 73 % im Westjordanland, dass Hamas&#8217; Entscheidung zur Attacke am 7. Oktober 2023 korrekt gewesen sei. Wobei nicht klar ist, wie sehr im Detail die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Vorg\u00e4nge am 7. Oktober informiert ist. Zwar gibt es Bilder und Videos, die zeigen, wie israelische Opfer und Geiseln in den Stra\u00dfen Gazas unter dem Jubel und mit Beteiligung von Zivilisten gesch\u00e4ndet werden, jedoch scheint ein Gro\u00dfteil der Menschen in Gaza der \u00dcberzeugung zu sein, Hamas h\u00e4tte bei dem Angriff und auch danach keine Gr\u00e4ueltaten an Zivilisten begangen:<\/p>\n<blockquote><p>As we found in the previous two polls, three and six months ago, almost all Palestinians (97%) think Israel has committed war crimes during the current war. By contrast, only 9% (compared to 5% three months ago) think Hamas also committed such crimes; 2% think Israel has not committed such crimes and 88% think Hamas did not commit war crimes during the current war.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Palestinian Center for Policy and Survey Research<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Unter jenen Pal\u00e4stinensern, die Videos vom 7. Oktober gesehen haben, liegt die \u00dcberzeugung, Hamas habe Kriegsverbrechen begangen, allerdings bei 44 %, bei denen, die keine Videos gesehen haben, nur bei 3 %.<\/p>\n<p>Auf die Frage, wer die Kontrolle \u00fcber den Gazastreifen haben solle, antworten 46 % der Bewohner Gazas und 71 % der Menschen in der Westbank &#8220;Hamas&#8221;. Die &#8220;Sonntagsfrage&#8221; zeigt, dass die Hamas offenbar Hauptprofiteur der Ereignisse vom 7. Oktober und danach ist, vor allem durch einen gestiegenen Zuspruch im Westjordanland:<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Sonntagsfrage-Palastina.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87500 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Sonntagsfrage-Palastina.png\" alt=\"\" width=\"939\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Sonntagsfrage-Palastina.png 939w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Sonntagsfrage-Palastina-768x482.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 939px) 100vw, 939px\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Palestinian Center for Policy and Survey Research<\/small><\/em><\/p>\n<p>Dementsprechend wird der gewaltsame Weg, wie er von der Hamas propagiert wird, als der zielf\u00fchrendste angesehen.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Konfliktlosung-Palastina.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87501 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Konfliktlosung-Palastina.png\" alt=\"\" width=\"1042\" height=\"669\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Konfliktlosung-Palastina.png 1042w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Konfliktlosung-Palastina-768x493.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1042px) 100vw, 1042px\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Palestinian Center for Policy and Survey Research<\/small><\/em><\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass tausende Zivilisten in Gaza tats\u00e4chlich unschuldige Opfer der Gewalt sind. Gleichzeitig hat die Hamas in ihrer fast 20-j\u00e4hrigen Herrschaft einen bizarren M\u00e4rtyrerkult aufgebaut, der bis tief in die Zivilbev\u00f6lkerung hinein R\u00fcckhalt findet und auch Kinder und Minderj\u00e4hrige (rund 61 % der Bewohner Gazas sind unter 20 Jahre alt und kennen somit kein Leben ohne Hamas-Propaganda) f\u00fcr ihre Ziele missbraucht und ihnen nicht zuletzt \u00fcber das Schulsystem eine perverse Ideologie indoktriniert. Zudem hat das Terrorregime nachweislich <a title=\"\" href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/08\/1152841\">UN- und Hilfsorganisationen<\/a> sowie <a title=\"\" href=\"https:\/\/honestreporting.com\/photographers-without-borders-ap-reuters-pictures-of-hamas-atrocities-raise-ethical-questions\/\">Medien<\/a> unterwandert. Diese Strategie macht es bisweilen unm\u00f6glich, zwischen zivilen und milit\u00e4rischen Opfern auf pal\u00e4stinensischer Seite zu unterscheiden. Wenn die Beh\u00f6rden der Hamas beispielsweise von 14.000 toten Kindern ausgehen, ist zu ber\u00fccksichtigen, dass von der Hamas auch Minderj\u00e4hrige in den Kampf (und meist sicheren Tod) geschickt werden, die dann als get\u00f6tete Kinder gez\u00e4hlt werden. Die Zahl der best\u00e4tigten und identifizierten minderj\u00e4hrigen Todesopfer im Gazastreifen lag im Mai laut OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) bei 7.797.<\/p>\n<p>Bedingt durch die katastrophale humanit\u00e4re Lage und andauernden Kampfhandlungen im Gazastreifen sind zivilgesellschaftliche Ausdrucksformen wie Demonstrationen im Moment nahezu unm\u00f6glich. Doch auch vor dem gegenw\u00e4rtigen Krieg war das \u00f6ffentliche, zivilgesellschaftliche Aufbegehren gegen die Hamas &#8211; sollte es ein nennenswertes geben &#8211; \u00fcberschaubar, weil das Regime B\u00fcrgerrechte massiv eingeschr\u00e4nkt hat (siehe Demokratie- und Freedom-in-the-world-Index). Etwas besser ist die Situation diesbez\u00fcglich im Westjordanland und den israelisch besetzten Gebieten. Die Menschen dort haben trotz der israelischen Repressalien in einem gewissen Ma\u00df &#8220;the freedom to complain&#8221;, wie es im Menschenrechtsduktus hei\u00dft. Davon zeugen zahlreiche Berichte und Dokumentationen, die von Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt in der Westbank produziert wurden und in denen die Menschen offen \u00fcber Besatzung und Unterdr\u00fcckung sprechen.<\/p>\n<p>Dass die Zivilgesellschaft in Israel hingegen absolut gefahrlos gegen die Machthaber demonstrieren kann, hat nicht zuletzt der weitgehend friedliche Massenaufstand gegen die von der Regierung Netanjahu geplante Justizreform gezeigt. Ab J\u00e4nner 2023 &#8211; also 10 Monate vor den Ereignissen vom 7. Oktober &#8211; gingen in Tel Aviv und ganz Israel regelm\u00e4\u00dfig mehr als 100.000 Menschen aus Protest auf die Stra\u00dfe und zwangen dadurch die Regierung, die Reform vorerst auf Eis zu legen.<\/p>\n<p>Generell steht die Regierung Netanjahu stark unter Druck. Neben der Justizreform ist es vor allem Netanjahus Handling der gegenw\u00e4rtigen Krisensituation. Der Regierung wird Versagen auf mehreren Ebenen vorgeworfen: (1) Der Angriff am 7. Oktober h\u00e4tte nie passieren d\u00fcrfen. (2) Die Anstrengungen, die nach wie vor festgehaltenen Geiseln zu befreien, sind unzureichend. (3) Der Krieg gegen Hamas bringt nicht die erw\u00fcnschten Resultate. Entsprechend schlecht waren die Umfragewerte der Regierungskoalition, obwohl infolge des Terrorangriffs vom 7. Oktober am 12. Oktober ein Kriegskabinett (Notstandsregierung) installiert wurde, das bis 17. Juni 2024 Bestand hatte und dem auch Oppositionsf\u00fchrer Benny Gantz angeh\u00f6rte. In j\u00fcngsten Umfragen befindet sich Netanjahu jedoch wieder im Aufwind. W\u00e4hrend er als Person in der Beliebtheit nun wieder vor seinem sch\u00e4rfsten Konkurrenten Gantz liegt, h\u00e4tte sein Likud bzw. sein Parteienb\u00fcndnis im Moment laut &#8220;Sonntagsfrage&#8221; keine Mehrheit in der Knesset.<\/p>\n<p>Die gewaltsame Reaktion auf die Attacke der Hamas findet in der israelischen Bev\u00f6lkerung grunds\u00e4tzlich Zustimmung. \u00dcber das Ausma\u00df des Krieges ist man sich jedoch uneinig, wie eine Umfrage des <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.pewresearch.org\/global\/2024\/05\/30\/views-of-the-israel-hamas-war-may-2024\/\">Pew Research Centers<\/a> zeigt.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_1_01.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87542 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_1_01.png\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"888\"\/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Pew Research Center<\/small><\/em><\/p>\n<p>Am augenscheinlichsten ist der Unterschied zwischen j\u00fcdischen und arabischen Israelis.<\/p>\n<blockquote><p>Israeli Arabs are much more critical of the military response, with 74% saying it has gone too far. Only 4% of Israeli Jews agree.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Pew Research Center<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Gleichzeitig schwindet der Glaube an eine Zweistaatenl\u00f6sung bei allen Bev\u00f6lkerungsgruppen in Israel, trotz eines j\u00fcngst leichten Aufw\u00e4rtstrends bei den Araberinnen.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_05.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87544 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_05.png\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"840\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_05.png 840w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_05-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Pew Research Center<\/small><\/em><\/p>\n<p>Stattdessen w\u00e4hnen sich jene im Aufwind, die sich nach dem israelischen Abzug aus Gaza 2005 f\u00fcr eine neuerliche Besatzung nach Beendigung des Krieges aussprechen.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_03.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87543 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_03.png\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_03.png 840w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/pg_2024.05.30_israeli-views-war_3_03-768x702.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Pew Research Center<\/small><\/em><\/p>\n<p>Weitere Radikalisierungstendenzen lassen sich im Aftermath des 7. Oktober also nicht nur in der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung sondern auch in Israel ausmachen. Extreme Ansichten wurden offenbar durch die Ereignisse gest\u00e4rkt, was eine diplomatische L\u00f6sung in weite Ferne r\u00fcckt. Selbst wenn eine solche von den F\u00fchrern (weibliche Spitzenpolitikerinnen sucht man auf beiden Seiten vergeblich) gewollt w\u00e4re, w\u00fcrde sie wohl wenig Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung finden.<\/p>\n<p>Mitunter die radikalsten zivilgesellschaftlichen Akteure &#8211; zumindest auf israelischer Seite &#8211; finden sich im Siedlermilieu. Seit dem 7. Oktober gibt es aber nicht nur dort die Tendenz, dass vermehrt private, bewaffnete Milizen gegr\u00fcndet werden. Mehr als 900 solcher \u201eKitat Konenut\u201c sollen es im ganzen Land seit dem Terroranschlag sein. Gleichzeitig explodiert die Zahl der Waffen in privater &#8211; vornehmlich j\u00fcdischer &#8211; Hand. Vor allem die arabischen Israelis f\u00fcrchten, dass sich die gesteigerte Aggression auch gegen sie richten k\u00f6nnte.<\/p>\n<h6>Warum f\u00fcr Israel andere Ma\u00dfst\u00e4be gelten?<\/h6>\n<p>In einer Sache sind sich die Konfliktparteien einig: &#8220;Im Nahostkonflikt wird mit zweierlei Ma\u00df gemessen.&#8221; Diese Aussage w\u00fcrden wahrscheinlich sowohl Israelis als auch Pal\u00e4stinenser unterschreiben &#8211; unter umgekehrten Vorzeichen nat\u00fcrlich. Einige \u00dcberlegungen dazu:<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte argumentieren, dass sich Israel als Demokratie mit anderen Ma\u00dfst\u00e4ben als die autorit\u00e4ren Regime der Region messen lassen muss. Die moralische Messlatte in punkto Menschenrechte kann f\u00fcr die demokratisch gew\u00e4hlte Regierung Israels nicht die gleiche sein wie f\u00fcr die m\u00f6rderischen Regime in Saudi Arabien, Syrien oder im Iran. Da m\u00fcssen internationale Organisationen sowie die USA und Europa als Verb\u00fcndete genauer hinschauen. Gleichzeitig hat eine derartige &#8220;Ungleichbehandlung&#8221; aber auch einen rassistischen Unterton, und zwar in dem Sinne, dass man anderen L\u00e4ndern im Nahen Osten nicht zutrauen kann, menschenrechtliche Standards einzuhalten und man Gr\u00e4ueltaten als &#8220;systemimmanent&#8221; oder &#8220;kulturbedingt&#8221; abtut. Ebenso k\u00f6nnte es aber als kolonialistisch-rassistisch ausgelegt werden, wenn man eurozentristische Standards was beispielsweise Frauen- und Schwulenrechte betrifft, auf die L\u00e4nder des Nahen Ostens bzw. den muslimisch dominierten Raum \u00fcbertr\u00e4gt. Prangert man jedoch Missst\u00e4nde an einem Ort an und am anderen nicht, ist man wiederum schnell ein Heuchler. Sagte ich schon, dass es kompliziert ist?<\/p>\n<p>Und in der Tat scheint man bei Israel besonders genau hinzuschauen. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2022 gab es 140 Resolutionen der UN-Generalversammlung zu Israel, im gleichen Zeitraum hingegen nur 68 Beschl\u00fcsse zu allen anderen L\u00e4ndern auf der Welt. Im UN-Menschenrechtsrat gab es zwischen 2006 und 2023 192 Verurteilungen. 103 davon betrafen Israel, 42 Syrien, 16 Nordkorea, 14 den Iran und 12 Eritrea. China, Russland, Saudi Arabien, Afghanistan und andere bekannte &#8220;Menschenrechtschampions&#8221; scheinen in der Statistik nicht auf. Keine einzige Verurteilung. Angesichts multipler Krisen, m\u00f6rderischer Kriege und verbrecherischer Tyrannen vielerorts auf der Welt ist dieser Fokus auf die einzige Demokratie im Nahen Osten bemerkenswert. Der Verdacht, dass es innerhalb der Vereinten Nationen einen Bias gibt und dass Verurteilungen meist politisch motiviert sind und es nicht notwendigerweise um die Verbesserung der weltweiten menschenrechtlichen Situation geht, ist angesichts obiger Zahlen nicht ganz von der Hand zu weisen.<\/p>\n<p>Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache, dass die Pal\u00e4stinenser in diesem Konflikt einen viel h\u00f6heren Blutzoll zahlen als die Israelis. Bis zum 7. Oktober 2023 sind rund f\u00fcnfeinhalb mal so viele Pal\u00e4stinenser wie Israelis gewaltsam ums Leben gekommen. F\u00fcr die pal\u00e4stinensische Seite ist dies ein Beleg, dass arabische Leben in der Wahrnehmung vieler weniger wert w\u00e4ren als israelische. Die Diskrepanz l\u00e4sst sich anhand mehrerer Faktoren erkl\u00e4ren. Die Waffen der israelischen Armee sind viel schlagkr\u00e4ftiger &#8211; und somit totbringender &#8211; als jene der militanten pal\u00e4stinensischen Gruppierungen. Zwar r\u00fchmt sich Israel stets seiner modernen Technik, dennoch kommt es relativ oft vor, dass die vermeintlichen Pr\u00e4zisionswaffen zivile Ziele treffen. Dies liegt zum Teil wieder auch daran, dass die asymmetrische Kriegsf\u00fchrung eine Unterscheidung zwischen zivil und milit\u00e4risch auf pal\u00e4stinensischer Seite erschwert bis verunm\u00f6glicht. Manchmal gibt es f\u00fcr solche &#8220;Fehler&#8221; Konsequenzen, oft aber auch nicht und es bleibt bei der Verlautbarung: &#8220;Israel hat eine Untersuchung eingeleitet.&#8221; Ein weiterer Grund, warum mehr Pal\u00e4stinenser sterben, ist der, dass auf israelischer Seite Hightech-Verteidigungssysteme wie der &#8220;Iron Dome&#8221; die Zivilbev\u00f6lkerung sch\u00fctzen, w\u00e4hrend vor allem die Hamas im Gazastreifen ein strategisches Interesse daran hat, dass Israel zivile Opfer verursacht. Chats des Hamas-F\u00fchrers Jahja Sinwar, die dem <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.wsj.com\/world\/middle-east\/gaza-chiefs-brutal-calculation-civilian-bloodshed-will-help-hamas-626720e7\">Wall Street Journal<\/a> vorliegen, sollen diese Absicht belegen. F\u00fcr die Erf\u00fcllung der Kriegsziele nimmt die IDF (<em>Israel Defense Forces<\/em>) dabei offenbar die von der Hamas gewollte gro\u00dfe Zahl ziviler Opfer in Kauf, auch wenn sie dabei gegen v\u00f6lkerrechtliche Standards verst\u00f6\u00dft, Gerichtsurteile ignoriert und das Missfallen der Verb\u00fcndeten auf sich zieht. Trotz des Ungleichgewichts bei den Todesopfern orte ich aber schon einen moralischen Unterschied zwischen einem Akteur, der bisweilen Warnungen (Nachrichten auf Handys, Flugbl\u00e4tter usw.) absetzt, bevor er angreift, und einem Akteur der absichtlich feiernde Musikfestivalbesucherinnen und Familien mit Kindern im Schlaf erschie\u00dft.<\/p>\n<p>Jedenfalls f\u00fchrt dieser Vergleich der Wertigkeit von Menschenleben bisweilen zu bizarren Situationen. So fragte unl\u00e4ngst <a title=\"\" href=\"https:\/\/youtu.be\/0lGmwJa33xU?t=258\">Sky-News-Reporterin Kay Burley<\/a> den Sprecher der israelische Regierung, Eylon Levy, in aller Tats\u00e4chlichkeit, ob f\u00fcr Israel Pal\u00e4stinenser weniger wert seien, da bei einem Austausch von israelischen Geiseln gegen pal\u00e4stinensische H\u00e4ftlinge f\u00fcr nur 50 israelische Geiseln gleich 150 pal\u00e4stinensische Gefangene freigelassen wurden.<\/p>\n<h6>Wie geht es weiter?<\/h6>\n<p>Die kurze Antwort: keine Ahnung! Die lange Antwort k\u00f6nnte man entlang h\u00e4ufig propagierter L\u00f6sungsans\u00e4tze zum Nahostkonflikt und deren Negation geben.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn Israel die Waffen streckt und alle Verteidigungsma\u00dfnahmen einstellt, wird es vernichtet. Wenn Hamas die Waffen streckt, herrscht Frieden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vernichtung Israels und ein Gottesstaat &#8220;From the River to the Sea&#8221; ist offizielle Linie der Hamas &#8211; wie im \u00fcbrigen auch des Irans. Es steht au\u00dfer Frage, dass Hamas mehr Schaden anrichten w\u00fcrde, wenn sie nur k\u00f6nnte. Ob sich jedoch die Situation der Pal\u00e4stinenser schlagartig bessern w\u00fcrde, wenn sie dem gewaltsamen Widerstand abschw\u00f6ren, darf angesichts rechtsextremer Kr\u00e4fte und religi\u00f6ser Fanatiker in der israelischen Regierung, radikaler j\u00fcdischer Siedler und einer &#8211; milde ausgedr\u00fcckt &#8211; nicht gerade wohlwollenden Haltung der israelischen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern bezweifelt werden. Wobei die ganze Geschichte ein Henne-Ei-Problem ist (siehe <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\">Teil I<\/a> &#8211; Wer hat angefangen?). Haben sich die Pal\u00e4stinenser f\u00fcr den Terror entschieden, weil sie arm sind? Oder sind sie arm, weil sie sich f\u00fcr den Terror entschieden haben? Ist der pal\u00e4stinensische Extremismus eine Reaktion auf israelischen Extremismus oder umgekehrt?<\/p>\n<blockquote><p>Die Hamas ist das Problem. Sie ist das gr\u00f6\u00dfte Hindernis f\u00fcr den Frieden. Nur wenn sie besiegt und zerst\u00f6rt ist, gibt es Aussicht auf eine L\u00f6sung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine klerikalfaschistische Terrororganisation, die \u00fcber ein Gebiet herrscht und seine Nachbarn vernichten will, ist nat\u00fcrlich ein Hindernis. Mit der Hamas in ihrer derzeitigen Form kann es nie Frieden geben. Deshalb ist ihre Zerst\u00f6rung ein legitimes Ziel. Doch es stellt sich die Frage, ob eine milit\u00e4rische Bek\u00e4mpfung einer auf religi\u00f6sem Fanatismus basierenden Gruppierung, die zwangsl\u00e4ufig ziviles Leid mit sich bringt, nicht ausgerechnet den N\u00e4hrboden f\u00fcr die Existenz solch religi\u00f6ser Fanatismen schafft. Die Wahrscheinlichkeit ist gro\u00df, dass die israelischen Angriffe eine neue Generation von Terroristen kreieren. Gleichzeitig hatte die Hamas bis in die 2000er-Jahre herauf kaum Einfluss auf die Geschicke der Pal\u00e4stinenser und in der Westbank hat sie ihn nach wie vor nicht &#8211; wenngleich sie dort am Erstarken ist. Dennoch gab es auch vor der Macht\u00fcbernahme der Hamas keinen Frieden. Und auch im nicht von der Hamas kontrollierten Westjordanland hat man keine finale L\u00f6sung gefunden, obwohl es durch das Oslo-Abkommen zumindest einen vielversprechenden Versuch gab.<\/p>\n<blockquote><p>Die Hamas muss den Raketenbeschuss einstellen, die Geiseln freilassen und kapitulieren. Dann gibt es Frieden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kurzfristig und lokal begrenzt mag diese Aussage stimmen und sie kommt bei den ganzen Solidarit\u00e4tsbekundungen f\u00fcr Pal\u00e4stina durch die &#8220;Hamas-Versteher&#8221; erstaunlich wenig zur Sprache. \u00dcberhaupt h\u00e4tte es diesen Krieg und das ganze Leid und die Zerst\u00f6rung nicht gegeben, h\u00e4tte die Hamas nicht einen grausamen Terrorangriff ver\u00fcbt und keine Geiseln genommen. Hei\u00dft im Umkehrschluss: Werden die Geiseln freigelassen und streckt die Hamas ihre Waffen, stoppt Israel die Angriffe. Da es der Hamas aber nicht um die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung geht, ist dies f\u00fcr sie keine Option. Ihr Ziel ist die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Provokation, um in der Folge auf der Weltb\u00fchne die &#8220;Victim Card&#8221; spielen zu k\u00f6nnen. Ein perverses Spiel, das im Moment ziemlich gut zu funktionieren scheint. Gibt es kein Leid mehr, beraubt dies Hamas ihrer Existenzgrundlage. Aber selbst eine Aufgabe der Hamas und die Freilassung der Geiseln w\u00fcrde keine unmittelbare L\u00f6sung des Gesamtkonflikts bedeuten. Sie w\u00fcrden eine solche aber zumindest wahrscheinlicher machen. Ungeachtet dessen, dass die Wahrscheinlichkeit insgesamt gering ist.<\/p>\n<blockquote><p>Israel muss sich zur Zweistaatenl\u00f6sung bekennen und den pal\u00e4stinensischen Staat anerkennen. Das ist der erste Schritt zum Frieden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Oslo-Abkommen, der &#8220;Road Map to Peace&#8221; oder dem Konvergenzplan gab es bereits Bekenntnisse in diese Richtung. Doch das gegenseitige Misstrauen ist seither wieder gewachsen. Was angesichts der Gewalteskalation kein Wunder ist. Auch war es \u00fcber viele Jahrzehnte so, dass die arabisch-pal\u00e4stinensische Seite s\u00e4mtliche Kompromisse und UN-Resolutionen, die Israel vorgeschlagen bzw. angenommen hat, abgelehnt hat. UN-Teilungsplan: abgelehnt. UN-Resolution zur R\u00fcckkehr der Pal\u00e4stinafl\u00fcchtlinge: abgelehnt. UN-Resolution, dass Israel sich nach dem Sechstagekrieg 1967 von allen Eroberungen zur\u00fcckzieht und Frieden geschlossen wird: abgelehnt. Resolution 1515 des UN-Sicherheitsrates zur Roadmap 2002, die Zweistaatenl\u00f6sung vorsieht: abgelehnt. Ehud Olmerts als Konvergenzplan bekanntes Friedensangebot von 2008 inklusive eines zusammenh\u00e4ngenden Pal\u00e4stinenserstaates mit einer Landbr\u00fccke nach Gaza und zus\u00e4tzlichem israelischem Land im Tausch f\u00fcr gro\u00dfe Siedlungen: abgelehnt. Alle diese Ablehnungen haben zu einer Verschlechterung der Situation der Pal\u00e4stinenser gef\u00fchrt. Israel argumentiert, dass es bereits unz\u00e4hlige Angebote gegeben h\u00e4tte, die alle ausgeschlagen bzw. ausgenutzt wurden und dass die Anerkennung des Existenzrechts Israels absolute Bedingung sei. Von der Fatah gab es diese Anerkennung im Zuge des Osloer Abkommens, obwohl die formelle Aufnahme eines entsprechendes Passus in die Charta noch nicht erfolgt ist. Die Hamas, die in den pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten immer mehr an Einfluss gewinnt, anerkennt Israel freilich nicht und will auch keine Zweistaatenl\u00f6sung. Eine solche w\u00e4re jedoch durchaus noch m\u00f6glich. Kompliziert zwar, aber trotz der 700.000 j\u00fcdischen Siedler in der Westbank und Ostjerusalem m\u00f6glich. Es br\u00e4uchte aber Kompromissbereitschaft. Beispielsweise k\u00f6nnte durch einen Gebietstausch in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von nur 5 Prozent des Westjordanlandes ein zusammenh\u00e4ngender pal\u00e4stinensischer Staat entstehen und gleichzeitig ein Gro\u00dfteil der Siedlungen erhalten bleiben. 85 Prozent der israelischen Siedler leben n\u00e4mlich in gro\u00dfen Siedlungsbl\u00f6cken meist entlang oder in der N\u00e4he der &#8220;Gr\u00fcnen Linie&#8221;. Zwangsevakuierungen wie 2005 in Gaza w\u00e4ren zwar notwendig, hielten sich aber in Grenzen. Israelische Siedler im Westjordanland (ca. 16 %) sind im \u00dcbrigen eine kleinere Minderheit als die Pal\u00e4stinenser in Israel (ca. 21 %). In Ostjerusalem wiederum leben 61 % Pal\u00e4stinenser und 39 % j\u00fcdische Siedler.<\/p>\n<blockquote><p>Israel unterdr\u00fcckt die Pal\u00e4stinenser und ist ein Apartheitstaat. Nur wenn diese Struktur aufgebrochen wird und die Pal\u00e4stinenser eine Perspektive haben, kann es Frieden geben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Israel ist ein &#8211; nach wie vor &#8211; demokratisches Land, das sich seit seiner Gr\u00fcndung in einem Ausnahmezustand befindet und sich mit einer Dilemmasituation nach der anderen konfrontiert sieht. Handlungen, die dazu dienen, die eigene Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen, bereiten gleichzeitig den N\u00e4hrboden, dass sie wiederum angegriffen wird. Eine moralische Beurteilung aus der Ferne ist ziemlich schnell get\u00e4tigt. Bei einem Raketenangriff der Hisbollah am Golan und einem Gang durch das arabische Viertel in Jerusalem, bei dem ich von bewaffneten israelischen Soldaten eskortiert wurde, durfte ich 2003 den beklemmenden Dauerzustand, in dem sich Israel befindet, live miterleben. Seither wei\u00df ich noch viel weniger, was moralisch richtig ist und wie sich der Konflikt l\u00f6sen lie\u00dfe. Doch trotz der besorgniserregenden Orbanisierung unter Netanjahu (Justizreform, Nationalstaatsgesetz usw.), der Menschenrechtsvergehen, den V\u00f6lkerrechtsbr\u00fcchen und der Kriegsverbrechen sowie der grassierenden Diskriminierung ist Israel weit entfernt von einem Russland unter Putin, einem S\u00fcdafrika der 1960er-Jahre oder dem pal\u00e4stinensischen Regime in Gaza und auch der Westbank. Israel tr\u00e4gt Mitschuld an der katastrophalen Situation der Pal\u00e4stinenser, das ist keine Frage. Jedoch kann Israel allein den Pal\u00e4stinensern keine Perspektive geben &#8211; und das ist auch nicht seine Aufgabe. Die mangelnde Perspektive ist eben auch fatalen Fehlentscheidungen und konsequent falschen Priorisierungen auf pal\u00e4stinensischer Seite geschuldet. So war nach den j\u00fcngsten Bombardements Gazas durch Israel die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen essentiellen G\u00fctern nicht mehr gegeben. Jedoch flogen nach wie vor hunderte Raketen in Richtung Israel. Unz\u00e4hlige Millionen an Hilfsgeldern wurden f\u00fcr R\u00fcstung sowie terroristische Infrastruktur veruntreut und die korrupten Hamasf\u00fchrer haben privat selbst Milliarden angeh\u00e4uft. Zynisch formuliert: Das einzige, was in Gaza nicht knapp ist, sind Waffen. Waffen, die gegen die Zivilbev\u00f6lkerung Israels eingesetzt werden. Von Israel wiederum wird aber erwartet, dass es die Menschen in Gaza (die gro\u00dfmehrheitlich 2006 die Hamas gew\u00e4hlt haben), diejenigen also, die sie vernichten wollen, mit Strom, Wasser und Lebensmitteln versorgt. Tut es das nicht, wird von &#8220;Blockade&#8221; gesprochen, dabei hat der Gazastreifen auch eine Grenze zu \u00c4gypten, \u00fcber die Versorgung auch passieren k\u00f6nnte, die \u00c4gypten jedoch dicht h\u00e4lt. Aber Israel ist dem Vernehmen nach allein schuld an der humanit\u00e4ren Katastrophe und der Perspektivlosigkeit der Pal\u00e4stinenserinnen?<\/p>\n<blockquote><p>Die israelischen Siedlungen und die Besatzung sind das Problem. Wenn sich Israel v\u00f6llig aus den pal\u00e4stinensischen Gebieten zur\u00fcckzieht, herrscht Frieden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Abgesehen davon, dass es immer schwieriger wird, die Westbank &#8220;ethnisch zu s\u00e4ubern&#8221;, weil Israel durch die illegale Besiedlung seit 1967 Tatsachen geschaffen hat, ist dieser Vorschlag ebenfalls nicht treffsicher. Bis zum Jahr 1967 gab es n\u00e4mlich im Prinzip keine illegalen israelischen Siedlungen und keine Besatzung. Ok. Besatzung gab es schon. Aber nicht von Israel, sondern von Jordanien und \u00c4gypten, die die Westbank und Ostjerusalem bzw. den Gazastreifen v\u00f6lkerrechtlich illegal in Besatz hielten. Der Konflikt zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern bestand also schon vor dem Siedlungsbau und der israelischen Besatzung. Die PLO, die <em>Palestine Liberation Organization<\/em>, wurde am 28. Mai 1964, also drei Jahre vor dem Sechstagekrieg, gegr\u00fcndet. Und eine Blaupause f\u00fcr den v\u00f6lligen R\u00fcckzug Israels hat es ja auch schon gegeben. 2005 l\u00f6ste Israel &#8211; mitunter gewaltsam &#8211; s\u00e4mtliche j\u00fcdischen Siedlungen im Gazastreifen auf, evakuierte rund 10.000 Siedler und beendete die Besatzung. Ein Ende des Konfliktes hat das nicht gebracht. Im Gegenteil: Die Raketenangriffe auf israelisches Staatsgebiet von Gaza aus nahmen rapide zu und die Hamas witterte Lunte. Es gab also pal\u00e4stinensische Attacken vor und nach der Gr\u00fcndung Israels, vor und nach der 1967er-Besatzung und vor und nach dem R\u00fcckzug aus Gaza. Somit k\u00f6nnen die Siedlungen kein urs\u00e4chliches Motiv sein. Sie sind aber ein Erschwernis. Dies alles st\u00fctzt die These, dass es bei dem Konflikt aber in erster Linie nicht um Land und erst recht nicht um die Ressourcen geht, sondern dass es ein religi\u00f6s motivierter Konflikt von Fanatikern ist, in dem Antisemitismus respektive Rassismus eine gewichtige Rolle spielen. Dies wird auch der Grund sein, warum s\u00e4mtliche &#8220;Land for Peace&#8221;-Angebote scheiterten und wahrscheinlich auch weiterhin scheitern werden. Oder wie der israelische Historiker Yuval Noah Harari es ausdr\u00fcckt: &#8220;Humans don&#8217;t fight over territory and food. They fight over imaginary stories in their minds.&#8221;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase; font-weight: bold;\">Serie<\/span> <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\"><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: bold;\">I<\/span><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: bold;\">II<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Wenn Wahnsinnige aufeinandertreffen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83769\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"\u00bbIsrael verrecke!\u00ab\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81357\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"From the River to the Sea?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81821\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"\u00bbJuden werden hier nicht bedient!\u00ab\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=83783\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Der Nahostkonflikt ist kein Fu\u00dfballspiel.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84056\"><code>05<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits im ersten Teil soll hier eine faktenbasierte Analyse versucht werden. Sollte ich also etwas geschrieben haben, was nicht den Tatsachen entspricht, bin ich froh \u00fcber R\u00fcckmeldungen in den Kommentaren oder \u00fcber das Fehlerformular. Was ist die Rolle der arabischen \u201eFreunde\u201c der Pal\u00e4stinenser? Die Beziehung zwischen den arabischen Staaten und den Pal\u00e4stinensern (Ein Begriff, [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-84545","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-eu","entity-uno","location-afrika","location-asia","location-europa","location-israel","location-palastina","language-deutsch","language-english","topic-antisemitismus","topic-colonialismi","topic-democrazia","topic-discriminaziun","topic-faktencheck","topic-faschismen","topic-feuilleton","topic-geschichte","topic-grenzen","topic-grundrechte","topic-krieg","topic-lgbtqia","topic-lingaz","topic-medien","topic-migraziun","topic-militar","topic-minderheitenschutz","topic-minorisaziun","topic-nationalismus","topic-politik","topic-racism","topic-recherche","topic-recht","topic-religiun","topic-repression","topic-selbstbestimmung","topic-sicherheit","topic-statistik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84545"}],"version-history":[{"count":279,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84545\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99821,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84545\/revisions\/99821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}