{"id":84817,"date":"2024-04-06T20:24:43","date_gmt":"2024-04-06T18:24:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84817"},"modified":"2024-04-09T22:58:50","modified_gmt":"2024-04-09T20:58:50","slug":"die-elefanten-im-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=84817","title":{"rendered":"Die Elefanten im Raum."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Mit einer Historikerdiskussion gedachte die <em>Silvius-Magnago-Stiftung<\/em> der letzten \u00bbfreien\u00ab Wahlen vor dem demokratischen Neubeginn nach 1945<\/strong><\/p>\n<p>Bereits 1922 hatte sich Benito Mussolini mit fl\u00e4chendeckend agierenden Schl\u00e4gertrupps an die Macht geputscht. Trotzdem lie\u00df der Faschist 1924 nochmals w\u00e4hlen, \u00e4hnlich wie der russische Kriegspr\u00e4sident Wladimir Putin vor einigen Wochen.<\/p>\n<p>Das Regime hatte aber vorgesorgt: Ein Gesetz von 1923 sah vor, dass die st\u00e4rkste Partei zwei Drittel der Parlamentssitze zugesprochen bekommt, sofern sie mindestens 25% der Stimmen erreicht. Eine kaltschn\u00e4uzige Wahlmanipulation, um linke Kr\u00e4fte von vornherein auszugrenzen. Unter die R\u00e4der kamen aber auch die Parteien der Slowenen und S\u00fcdtiroler.<\/p>\n<p>Die Schl\u00e4gertrupps der faschistischen Partei halfen dort nach, wo sich m\u00f6glicherweise Widerspruch h\u00e4tte regen k\u00f6nnen. Historiker Andrea Di Michele betonte, dass die entgrenzte Gewalt nicht nur ein Instrument war, sondern das faschistische Regime ausmachte.<\/p>\n<p>Die aus Gorica zugeschalteten Julijan Cedak und Peter Cernik dokumentierten die faschistischen \u00dcbergriffe auf die slowenische Minderheit in Friaul und deren Versuche, sich gemeinsam mit dem <em>Deutschen Verband<\/em> der S\u00fcdtiroler \u2014 wenn auch nur zaghaft \u2014 gegen den Faschismus zu wehren.<\/p>\n<p>Trotz des fanatischen Deutschenhasses der Faschisten agierte der <em>Deutsche Verband<\/em> zur\u00fcckhaltend, h\u00f6chst diplomatisch. Im Klartext: Er kuschte, so \u00e4hnlich beschreibt Historiker Stefan Lechner diese nicht nachvollziehbare Politik.<\/p>\n<p>Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrat Philipp Achammer und Landtagspr\u00e4sident Arnold Schuler (alle <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>) nahmen an der Tagung teil. Klar: Magnago verpflichtet. Der gro\u00dfe Rest des Landtages boykottierte die Veranstaltung. Aus doch sehr kleinlichen Gr\u00fcnden, weil, so der unbegr\u00fcndete Vorwurf, die Tagung eine SVP-Wahlveranstaltung sei. Letztendlich eine verpasste Chance, in die Geschichte hineinzuh\u00f6ren, aber auch die vielen manipulativen Wahlgesetz-\u00c4nderungen der letzten Jahre zu hinterfragen. Nicht von ungef\u00e4hr tr\u00e4gt eines der \u00fcblen Wahlgesetze \u2014 jenes von 2005 \u2014 den Titel <em><a href=\"https:\/\/www.sapere.it\/sapere\/strumenti\/domande-risposte\/economia-societa\/che-cos-e-porcellum.html\">Porcellum<\/a>;<\/em> es wurde 2013 vom Verfassungsgericht als unzul\u00e4ssig abqualifiziert. Eines von sehr vielen krassen Beispielen.<\/p>\n<p>Bei der Veranstaltung fehlten die politischen Enkel der faschistischen Elite von 1922: Marco Galateo und seine Kameradin Anna Scarafoni von den <em>Fratelli d&#8217;Italia<\/em> sowie <em>Lega<\/em>-Mann Christian Bianchi \u2014 Partner der SVP in der Landesregierung \u2014 blieben der Historikertagung fern. Aber auch die \u00fcbrigen italienischen Volksvertreter zeigten kein Interesse an ihrer Geschichte, wie der <abbr title=\"Partito Democratico\">PD<\/abbr>ler Sandro Repetto und der <em>Civica<\/em>-Abgeordnete Angelo Gennaccaro.<\/p>\n<p>Es mag eine Ironie der Geschichte sein, dass 2022 \u2014 hundert Jahre nach der \u00bbMachtergreifung\u00ab von Mussolini \u2014 seine politische Enkelin Giorgia Meloni erstmals wieder eine rechtsradikale Partei an die Regierungsspitze brachte. Die Ironie hat eine Fortsetzung in S\u00fcdtirol, denn hundert Jahre nach den letzten \u00bbfreien\u00ab Wahlen vor dem demokratischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg sitzen die Mussolini-Bewunderer zum ersten Mal in der S\u00fcdtiroler Landesregierung.&nbsp;<\/p>\n<p>Marco Galateo brachte es inzwischen zum stellvertretenden Landeshauptmann. Ein Politiker, der <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=82807\">die Annexion S\u00fcdtirols am 4. November feiern will<\/a> und nicht die Befreiung vom Faschismus am 25. April. Galateo empfindet den \u00bbTag der Befreiung\u00ab als spaltend, den Tag der Annexion hingegen als einen Tag der nationalen Einheit.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Galateo und seine Kamerad:innen der Gedenkveranstaltung der <em>Silvius-Magnago-Stiftung<\/em> fernblieben.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Historikerdiskussion gedachte die Silvius-Magnago-Stiftung der letzten \u00bbfreien\u00ab Wahlen vor dem demokratischen Neubeginn nach 1945 Bereits 1922 hatte sich Benito Mussolini mit fl\u00e4chendeckend agierenden Schl\u00e4gertrupps an die Macht geputscht. 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