{"id":8490,"date":"2011-07-12T13:14:51","date_gmt":"2011-07-12T11:14:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8490"},"modified":"2021-02-15T21:55:26","modified_gmt":"2021-02-15T20:55:26","slug":"das-schindluder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8490","title":{"rendered":"Das Schindluder."},"content":{"rendered":"<p>Als die damalige Landtagspr\u00e4sidentin Julia Unterberger (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>) vor einigen Wochen per Interpretation die Obstruktionsm\u00f6glichkeiten der Opposition einschr\u00e4nkte, bezeichnete ich das <a title=\"Die Interpretation.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7942\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> als durchaus vertretbar \u2014 allerdings mit der Einschr\u00e4nkung, dass die SVP ihren gest\u00e4rkten Handlungsspielraum zur Verabschiedung l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger und von der Opposition torpedierter Gesetze nutzen m\u00fcsse, und nicht um Schindluder zu treiben. Zum Beispiel sollte sich die Mehrheitspartei davor h\u00fcten, im Alleingang ein neues Wahlrecht zu beschlie\u00dfen, welches ihr die Erlangung der absoluten Sitzmehrheit im Landtag erleichtern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jetzt zeichnet sich jedoch genau dies ab: Die <em>Volkspartei<\/em> schickt sich an, das Wahlrecht zu novellieren, und beabsichtigt die Einf\u00fchrung des D&#8217;Hondt&#8217;schen Verfahrens zur Sitzzuteilung, welches Gro\u00dfparteien zu Lasten von kleineren klar beg\u00fcnstigt. Ich habe hier eine kleine Simulation durchgef\u00fchrt, die zeigt, wie sich unterschiedliche Verfahren bei gleichem Wahlergebnis auf die Sitzverteilung auswirken:<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8491\" title=\"Sitzverteilung.\" src=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/sitzverteilung.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/sitzverteilung.png 450w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/sitzverteilung-150x76.png 150w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/sitzverteilung-300x153.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn die Quoten der Parteien an den zu vergebenden Sitzen (Spalte: \u00bbexakt\u00ab) keine ganzen Zahlen sind, kommen bei proportionalen Wahlsystemen Verfahren zur Anwendung, welche eine Umwandlung der Quoten in Sitze erm\u00f6glichen und dabei Ungerechtigkeiten (verzerrende Abweichungen) minimieren sollen. In der vorliegenden Simulation wurden folgende weitverbreitete Verfahren miteinander verglichen: <a title=\"Wiki: Hare-Niemeyer-Verfahren.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hare-Niemeyer-Verfahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hare-Niemeyer-Verfahren<\/a> (HN), <a title=\"Wiki: D'Hondt-Verfahren.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D%27Hondt-Verfahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">D&#8217;Hondt-Verfahren<\/a> (DH) und <a title=\"Wiki: Sainte-Lagu\u00eb-Verfahren.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sainte-Lagu%C3%AB\/Schepers-Verfahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sainte-Lagu\u00eb-Verfahren<\/a> (SL). Es wird deutlich, dass das von der SVP bevorzugte System (DH) gro\u00dfe Parteien belohnt und kleine Parteien st\u00e4rker bestraft, als die beiden anderen: So kann sich Partei A mit 90.000 der 182.000 Gesamtstimmen (49,45%) ausschlie\u00dflich mit D&#8217;Hondt die absolute Sitzmehrheit (18 von 35 Mandate sichern).<\/p>\n<p>Kein Verfahren konnte sich international gegen\u00fcber allen anderen durchsetzen, da keines eine perfekt proportionale Sitzzuweisung erlaubt. Jedes von ihnen hat Vor- und Nachteile <a title=\"Wiki: Sitzzuteilungsverfahren.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sitzzuteilungsverfahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(s.)<\/a> \u2014 doch seine Eigenschaften lassen D&#8217;Hondt gerade f\u00fcr S\u00fcdtirol ungeeignet erscheinen: Laut <em>Wikipedia<\/em> ist die Verzerrung durch dieses Verfahren (Abweichung von der Proportionali\u00e4t) gerade dann besonders hoch, wenn gro\u00dfe Unterschiede in den Parteist\u00e4rken bestehen (die SVP ist hierzulande mit Abstand die st\u00e4rkste Partei), viele Parteien an der Wahl teilnehmen (2008 waren es nicht weniger als 15) und relativ wenige Sitze zu vergeben sind (die 35 Sitze des S\u00fcdtiroler Landtags sind im Vergleich zu 187 im Bayerischen Landtag, 69 in Schleswig-Holstein oder 51 im kleinen Saarland relativ wenige).<\/p>\n<p>Noch problematischer ist freilich, dass der Umstieg auf das D&#8217;Hondt-Verfahren nicht von einer breiten Mehrheit der Landtagsfraktionen vorgeschlagen wurde, sondern vom potenziell gr\u00f6\u00dften Nutznie\u00dfer selbst.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die damalige Landtagspr\u00e4sidentin Julia Unterberger (SVP) vor einigen Wochen per Interpretation die Obstruktionsm\u00f6glichkeiten der Opposition einschr\u00e4nkte, bezeichnete ich das hier als durchaus vertretbar \u2014 allerdings mit der Einschr\u00e4nkung, dass die SVP ihren gest\u00e4rkten Handlungsspielraum zur Verabschiedung l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger und von der Opposition torpedierter Gesetze nutzen m\u00fcsse, und nicht um Schindluder zu treiben. 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