{"id":86286,"date":"2024-06-13T18:23:05","date_gmt":"2024-06-13T16:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86286"},"modified":"2024-06-14T00:28:40","modified_gmt":"2024-06-13T22:28:40","slug":"fur-giorgia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86286","title":{"rendered":"F\u00fcr Giorgia."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Der Pr\u00e4sident der Sechserkommission, <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/10062024\/votati-da-tutti-i-gruppi-linguistici\">Alessandro Urz\u00ec<\/a>, findet ja. Der Bozner Urz\u00ec, im Wahlkreis Vicenza 2022 in die Kammer gew\u00e4hlt, verweist voller Stolz auf die <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/11062024\/die-salto-wahlanalyse\">Europawahlen<\/a>. Da haben die meisten italienischsprachigen B\u00fcrger:innen S\u00fcdtirols f\u00fcr die landesweit plakatierte Giorgia und f\u00fcr ihre <em>Fratelli<\/em> gestimmt. Die <em>Fratelli<\/em> sind S\u00fcdtirols st\u00e4rkste italienische Partei.<\/p>\n<p>In der Region Trentino-S\u00fcdtirol w\u00e4hlten fast 20 Prozent der B\u00fcrger:innen <abbr title=\"Fratelli d\u2019Italia\">FdI<\/abbr>. Ein Votum f\u00fcr seine Partei, freut sich Urz\u00ec, ein Votum f\u00fcr die F\u00fchrungsrolle der <em>Fratelli<\/em> im rechtsrechten B\u00fcndnis. Den Erfolg f\u00fchrt Urz\u00ec auf die eigene Koh\u00e4renz und auf das erfolgreiche Projekt seiner Partei f\u00fcr Italien zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Aber damit nicht genug des Triumphes: Die Europawahl in S\u00fcdtirol zeige auch, ist Urz\u00ec \u00fcberzeugt, dass seine Partei auch \u00fcber die italienische Sprachgruppe hinaus an Zustimmung hinzugewonnen hat. Er verweist auf die Vorzugsstimmen f\u00fcr Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni. Meloni sei als pragmatische und beliebte F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit anerkannt, lautet die Wahlanalyse ihres Bozner Statthalters. Im Klartext: Auch deutschsprachige S\u00fcdtiroler haben <em>Fratelli d&#8217;Italia<\/em> gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Bei diesen Europawahlen belohnten die B\u00fcrger:innen die politische Glaubw\u00fcrdigkeit der Regierung Meloni, schw\u00e4rmt Urz\u00ec, der damit endlich auch seine politischen Schmuddelecke verlassen konnte.<\/p>\n<h6>Super Giorgia<\/h6>\n<p>Verwunderlich ist dieses Wahlwunder nicht. Zur Erinnerung. Laut einer <a href=\"https:\/\/swz.it\/politbarometer-applaus-fuer-meloni\/\">Umfrage der <em>S\u00fcdtiroler Wirtschaftszeitung<\/em><\/a> ein halbes nach ihrem Amtsantritt \u2014 im April 2023 \u2014 zeigte sich eine Mehrheit der Befragten in S\u00fcdtirol sehr zufrieden mit der Regierungsarbeit von Meloni. 57 Prozent hie\u00dfen ihre Arbeit f\u00fcr gut, deutlich mehr als in anderen Regionen. Besonders gro\u00df war der Zuspruch in der deutschen und der ladinischen Sprachgruppe mit 62 bzw. 66 Prozent gegen\u00fcber 50 Prozent in der italienischen Sprachgruppe. Im Vinschgau w\u00fcrdigten gar 80 Prozent ihre Arbeit. Wie in Deutschland und in \u00d6sterreich auch w\u00e4hlen mehrheitlich M\u00e4nner die rechtsradikalen <em>Fratelli,<\/em> die 50- bis 64-J\u00e4hrigen, die Selbst\u00e4ndigen und die Rentner.<br \/>\nS\u00fcdtiroler:innen f\u00fcr Meloni, ein Fall geistiger politischer Umnachtung? Der Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.tageszeitung.it\/2023\/04\/30\/warum-suedtirol-meloni-liebt\/\">Hans-Karl Peterlini<\/a>, ehemaliger Chefredakteur des Wochenmagazins <em>ff<\/em> und heute Professor an der Universit\u00e4t in Klagenfurt\/Celovec, versuchte in der <em>Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung<\/em> das \u00bbPh\u00e4nomen\u00ab zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n<blockquote><p>Auch Matteo Salvini ist in S\u00fcdtirol sehr gut angekommen, es h\u00e4tte nicht viel gefehlt, und man h\u00e4tte ihn zum Ehrenmitglied von Sch\u00fctzenkompanien gemacht. Da ist aber nat\u00fcrlich auch ein Unterschied: Salvini genoss die Sympathie der Lega, die ja in ihrem Ursprung f\u00f6deralistisch und daher Minderheiten-freundlich war. Dass sein extremer Rechtspopulismus andere, schw\u00e4chere Minderheiten mit F\u00fc\u00dfen trat, wurde hierzulande f\u00fcr nicht so schlimm gehalten oder sogar goutiert. Meloni aber kommt aus einer postfaschistischen Tradition, da m\u00fcssten doch einige Warngl\u00f6cklein klingen, bevor man sie f\u00fcr cool findet.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Hans Karl Peterlini<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<h6>Eine andere Republik<\/h6>\n<p>Die geflissentlich \u00fcberh\u00f6rt werden. Die \u00bbstarke Regierungschefin\u00ab \u2014 nicht lupenrein zitierte Eigendefinition \u2014 baut die Republik um. An der Spitze der \u00f6ffentlich-rechtlichen <em>Rai<\/em> stehen ausschlie\u00dflich Gefolgs- und Vertrauensleute der Ministerpr\u00e4sidentin. Regierungsmitglieder erhielten uneingeschr\u00e4nktes Rederecht in der <em>Rai,<\/em> das nicht von Journalist:innen unterbrochen werden darf. Ein Historiker durfte am 25. April nicht die Bedeutung des Tages der Befreiung vom Faschismus erl\u00e4utern. Meloni sch\u00e4tzt n\u00e4mlich ihren geistigen Vater, den faschistischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/italien-meloni-postfaschisten-mussolini-1.5769242\">Diktator Benito Mussolini<\/a>. Das k\u00fcmmert offensichtlich viele Italiener:innen nicht, erschreckend, S\u00fcdtiroler:innen auch nicht.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig soll der\/die Ministerpr\u00e4sident:in direkt gew\u00e4hlt werden, die st\u00e4rkste Partei einen Mehrheitsbonus erhalten. Klassischer Wahlbetrug.<\/p>\n<p>Diese Regierung geht bereits gegen Minderheiten vor, sexuelle, Lesben, Schwule, bin\u00e4re, non bin\u00e4re, usw. So soll die amtliche Eintragung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften annulliert werden.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Erholung des hochverschuldeten, auch korrupten Landes ist die Folge der Politik von Ministerpr\u00e4sident Mario Draghi. Seine Nachfolgerin profitiert davon.<\/p>\n<p>Melonis Kampf gegen die illegale Einwanderung ersch\u00f6pfte sich bisher in kraftstrotzender Rhetorik, die geplanten Aufnahmezentren in Albanien \u2014 gro\u00df als L\u00f6sung angek\u00fcndigt \u2014 kommen auch nicht voran. F\u00fcr so schwierige Themen gibt es diese einfachen L\u00f6sungen nicht, die Rechtsradikale stimmenk\u00f6dernd so ungeniert propagieren.<\/p>\n<h6>Raus aus der Schmuddelecke<\/h6>\n<p>S\u00fcdtiroler:innen f\u00fcr Giorgia, f\u00fcr die politischen Enkel von Mussolini. Auch in den 1980er Jahren w\u00e4hlten B\u00fcrger:innen in S\u00fcdtirol bei verschiedenen Wahlen den <em><a href=\"https:\/\/www.profil.at\/ausland\/historiker-ueber-melonis-partei-wurzeln-liegen-in-der-faschistischen-zeit\/402158598\">Movimento Sociale Italiano<\/a><\/em> (MSI), gegr\u00fcndet von ehemaligen Funktion\u00e4ren der faschistischen <em>Repubblica di Sal\u00f2,<\/em> die unter dem milit\u00e4rischen Schutzschirm des Dritten Reichs stand. Damals berichtete die Wochenzeitung <em>ff<\/em> \u00fcber Wahlerfolge des MSI im Vinschgau.<\/p>\n<p>Aus dem MSI entwickelte sich <em>Alleanza Nazionale,<\/em> die Silvio Berlusconi in seine rechtspopulistische Regierung holte, um sp\u00e4ter im <em>Popolo della Libert\u00e0<\/em> aufzugehen. Damals schon, 2008, war <a href=\"https:\/\/www.fanpage.it\/politica\/chi-e-giorgia-meloni-la-storia-politica-della-prossima-probabile-presidente-del-consiglio\/\">Giorgia Meloni<\/a> Jugendministerin der Regierung Berlusconi. Ihre Leistungen, so Kommentatoren, waren \u00fcberschaubar. Unzufriedene Dissidenten scherten aus dem <em>Popolo<\/em> aus und gr\u00fcndeten <em>Fratelli d&#8217;Italia.<\/em> Aus dieser rechtsradikalen Splitterpartei wurde die heutige Regierungspartei, offensichtlich auch w\u00e4hlbar f\u00fcr S\u00fcdtiroler:innen. <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/10062024\/das-meloni-land\">\u00bbMeloni-Land\u00ab<\/a>, sp\u00f6ttelte auf <em>Salto<\/em> Christoph Franceschini. Und s\u00fcffisant f\u00fcgte Sigmund Kripp hinzu: \u00bbWenn man auf facebook beobachtet, wer alles unter die posts von Meloni und Salvini seine likes setzt, muss man sich nicht \u00fcber den Erfolg der extrem rechten italienischen Parteien in den D\u00f6rfern wundern! Das sind n\u00e4mlich oft jene, die sonst besonders tirolistisch und lederhosig auftreten&#8230;.\u00ab. Also doch ein Fall geistig-politischer Verwirrung?<\/p>\n<p><em>Fratelli<\/em>-Statthalter Urz\u00ec freute sich also \u00fcber S\u00fcdtiroler:innen, die seine Partei gew\u00e4hlt haben. Umgekehrt reagiert er angepisst, wenn Angeh\u00f6rige der italienischen Sprachgruppe einen \u00bbdeutschen\u00ab B\u00fcrgermeister w\u00e4hlen, wie letzthin in Leifers. So hatte das rechte B\u00fcndnis vor der Wahl erkl\u00e4rt, die Stadt m\u00fcsse italienisch regiert bleiben. Leifers ist S\u00fcdtirols viertgr\u00f6\u00dfte Stadt, mehrheitlich italienischsprachig mit einem deutschsprachgien B\u00fcrgermeister, Giovanni Seppi.<\/p>\n<h6>B\u00fcrgermeister Giovanni Seppi, schlimmstes Kapitel<\/h6>\n<p>\u00bbDer <a href=\"https:\/\/www.rainews.it\/tgr\/tagesschau\/articoli\/2024\/06\/svp-burgermeister-in-leifers-eines-der-schlimmsten-kapitel-der-lokalpolitik-64a963bd-9540-487c-b0b9-2ceeb0dceda9.html\">Fall Leifers wird als eines der schlimmsten Kapitel der Lokalpolitik in S\u00fcdtirol<\/a> eingehen\u00ab, sagte Urz\u00ec v\u00f6llig ersch\u00fcttert auf <em>Rai<\/em>-S\u00fcdtirol. Was mag daran so schlimm sein? Was ist vom Gerede von Urz\u00ec zu halten, dass er f\u00fcr eine starke Autonomie f\u00fcr alle ist, dass er f\u00fcr das Zusammenleben ist, nicht nur f\u00fcr das Neben- sondern f\u00fcr das Miteinander? Ged\u00f6ns. Gerede. Geschw\u00e4tz.<\/p>\n<p>Solche \u00bbschlimme Kapitel\u00ab gab es schon \u00f6fters. Landeshauptmann Luis Durnwalder erhielt \u00bbitalienische Stimmen\u00ab, genauso Senator Oskar Peterlini. \u00bbDeutsche Stimmen\u00ab gingen an die Bozner B\u00fcrgermeister Giovanni Salghetti, Luigi Spagnolli und Renzo Caramaschi sowie an Senator Francesco Palermo. Und?<\/p>\n<p>In Meran \u00bbopferte\u00ab bei den letzten Gemeindewahlen die <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> den \u00bbdeutschen\u00ab gr\u00fcnen B\u00fcrgermeister Paul R\u00f6sch zugunsten einer Allianz mit italienisch Mitte-Rechts.<\/p>\n<p>V\u00f6llig entspannt kommentierten die <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/11062024\/gemeindewahlen-sind-personenwahlen\">Landesr\u00e4te Rosmarie Pamer und Daniel Alfreider<\/a> \u00bbdas schlimmste Kapitel der Lokalpolitik\u00ab. Deutschsprachige S\u00fcdtiroler w\u00e4hlen italienische Kandidaten und umgekehrt. Eine Tatsache, die laut Alfreider inzwischen normal ist. \u00bbGemeindewahlen sind immer Personenwahlen\u00ab, meint die ehemalige B\u00fcrgermeisterin von St. Martin in Passeier, Landesr\u00e4tin Pamer. Dass W\u00e4hler der verschiedenen Sprachgruppen Kandidaten der jeweiligen anderen Sprachgruppe w\u00e4hlen, sei normal. \u00bbWir freuen uns auf jeden Fall \u00fcber das Ergebnis\u00ab, sagte Alfreider zur Leiferer Wahl.&nbsp;<\/p>\n<p>Es scheint an der Zeit zu sein, dass die SVP als regionale Territorialpartei ernst macht und sich f\u00fcr <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/10062024\/la-sammelpartei-si-apra-agli-italiani\">\u00bbitalienische S\u00fcdtiroler:innen\u00ab<\/a> \u00f6ffnet, wie es der neue Leiferer B\u00fcrgermeister anregt. Eine Anregung, die in den vergangenen Jahren immer wieder innerhalb der SVP vorgebracht wurde.<\/p>\n<p>Wer kann sich noch an den Fall Toblach erinnern? An B\u00fcrgermeister Guido Boccher? Eine deutsche Gemeinde mit einem italienischsprachigen B\u00fcrgermeister an der Spitze? War kein sonderlich schlimmes Kapitel.<\/p>\n<p>Schlimm aber ist, wenn deutsch- und ladinischsprachige S\u00fcdtiroler:innen Giorgia Meloni und <em>Fratelli d&#8217;Italia<\/em> w\u00e4hlen. Zitat Hans-Karl Peterlini: \u00bbMeloni kommt aus einer postfaschistischen Tradition, da m\u00fcssten doch einige Warngl\u00f6cklein klingen, bevor man sie f\u00fcr cool findet\u00ab.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Pr\u00e4sident der Sechserkommission, Alessandro Urz\u00ec, findet ja. 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