{"id":86868,"date":"2024-07-13T20:05:57","date_gmt":"2024-07-13T18:05:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86868"},"modified":"2024-07-17T14:09:52","modified_gmt":"2024-07-17T12:09:52","slug":"ist-der-klimaplan-2040-ernst-gemeint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86868","title":{"rendered":"Ist der Klimaplan 2040 ernst gemeint?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Vor knapp einem Jahr ist der <em>Klimaplan S\u00fcdtirol<\/em> 2040 offiziell vorgestellt worden. Viele der 157 Ma\u00dfnahmen sind in Gang gesetzt, aber ob die Treibhausgasemissionen aus S\u00fcdtirol abgenommen haben, wei\u00df man nicht.<\/p>\n<p>Zum einen, weil nicht alle 1-2 Jahre eine vollst\u00e4ndige aktuelle Treibhausgasbilanz geliefert wird; zum anderen weil zahllose \u00f6ffentliche Ma\u00dfnahmen in die Gegenrichtung gehen. Der Klimaschutz scheint noch kein \u00bbtransversaler Imperativ f\u00fcrs politische Handeln\u00ab im Land geworden zu sein. Doch das anspruchsvolle Ziel, in 15,5 Jahren klimaneutral zu werden, l\u00e4sst sich nur mit einem konsequenten Programm erreichen.<\/p>\n<p>Zwei Bereiche bleiben von wirksamen CO<sub>2<\/sub>-Reduktionsbem\u00fchungen so gut wie ausgeschlossen, n\u00e4mlich die Landwirtschaft und der Tourismus. In der Landwirtschaft sind die Emissionen vor allem der Vieh- und Milchwirtschaft zuzurechnen. Wenn die Tierhaltung von aktuell rund 120.000 Gro\u00dfvieheinheiten (GVE) und der Einsatz von D\u00fcngemitteln nicht reduziert werden, bleibt es im Gro\u00dfen und Ganzen beim heutigen Stand an Methan- und Lachgasemissionen. Das hei\u00dft, dass <a href=\"https:\/\/www.eurac.edu\/de\/data-in-action\/klimaplan-monitoring-suedtirol\/aufschlusselung-der-co2e-emissionen\">17% von S\u00fcdtirols THG-Emissionen<\/a> unbearbeitet bleiben.<\/p>\n<p>Der Tourismus ist jener Sektor, wo im Plan am wenigsten echte CO<sub>2<\/sub>-Reduktionsma\u00dfnahmen erkennbar sind (Klimaplan S. 58). Zwar gibt es Bem\u00fchungen, mehr erneuerbare Energie in Hotellerie und Aufstiegsanlagen einzusetzen und die gute Absicht, den per Bahn anreisenden G\u00e4steanteil zu erh\u00f6hen. Doch nirgendwo finden sich verpflichtende Ma\u00dfnahmen. Zudem werden Energieeinsparungen durch weiter steigende Ank\u00fcnfte, N\u00e4chtigungen und interner Mobilit\u00e4t der Touristen wieder aufgehoben. Rechnet man die mit der Anreise von 8,4 Millionen Touristen (Ank\u00fcnfte 2023) erzeugten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen dazu, k\u00f6nnte der Tourismus mindestens ein F\u00fcnftel aller Emissionen aus S\u00fcdtirol verursachen. Wenn die touristische Inwertsetzung S\u00fcdtirols nicht sinkt, bleibt es dabei. Oder hat irgendjemand bemerkt, dass die IDM weniger Steuermillionen f\u00fcr die Tourismuswerbung erh\u00e4lt?<\/p>\n<p>Nicht wirklich durchgerechnet ist auch der Entwicklungsverlauf der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen im Verkehr. Der Mobilit\u00e4tsplan geht davon aus, das alle zirkulierenden Fahrzeuge bis 2040 dekarbonisiert werden. V\u00f6llig unrealistisch, zumal noch bis 2035 Verbrenner sowohl bei den Pkws wie bei Lkws zugelassen werden. Der Mobilit\u00e4tsplan 2035 geht interessanterweise davon aus, dass der gesamte Transitverkehr auf der A22 bis 2040 um nur 10% abnimmt, aber bis 2037 komplett mit Wasserstoff- und Elektroantrieb erfolgt. V\u00f6llig unwahrscheinlich. Wenn man es nicht schafft, das Volumen des G\u00fcterverkehrs in Tonnen und Fahrzeugen zu senken, wird nichts aus der Klimaneutralit\u00e4t beim Verkehr bis 2040, der heute alleine <a href=\"https:\/\/www.eurac.edu\/de\/data-in-action\/klimaplan-monitoring-suedtirol\/gesamtemissionen-des-verkehrssektors\">44% der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen<\/a> S\u00fcdtirols verursacht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich der wichtige Block der Heizenergie, die zu <a href=\"https:\/\/www.eurac.edu\/de\/data-in-action\/klimaplan-monitoring-suedtirol\/aufschlusselung-der-co2e-emissionen\">27% zu den Emissionen<\/a> beitr\u00e4gt. Der Verbrauch von \u00d6l und Gas f\u00fcrs Heizen soll bis 2037 um 85% sinken, also j\u00e4hrlich um 6,5%. Ist das zu schaffen, wenn heute noch Gasheizungen eingebaut, Gasleitungen verlegt und jede Menge Gas in Fernheizwerken verheizt wird? Man muss nur 1 und 1 zusammenz\u00e4hlen: die Rechnung geht nicht auf. Gro\u00dfe Brocken der hausgemachten Klimabelastung werden vom Plan nicht hinreichend bearbeitet.<\/p>\n<p>Der geltende <em><a href=\"https:\/\/www.klimaland.bz\/wp-content\/uploads\/Klimaplan-Suedtirol-2040_DEU_WEB-pagine-singole.pdf\">Klimaplan 2040<\/a><\/em> mit seinen 157 Ma\u00dfnahmen ist Orientierungsrahmen und Leitschiene zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft. Doch wichtige Ma\u00dfnahmen sind in ihrer Wirkung nicht durchgerechnet, zentrale Sektorenziele scheinen eher Wunschdenken zu entspringen. Seri\u00f6se Klimaplanung sieht in anderen Regionen anders aus. <a href=\"https:\/\/www.fr.ch\/de\/energie-landwirtschaft-und-umwelt\/klima\/kantonaler-klimaplan\">Hier ein Beispiel aus der Schweiz<\/a>. Dort werden die international und national verankerten Reduktionsziele f\u00fcr 2030 und 2050 gesetzlich verankert, oft auch sektoral; werden zeitlich terminierte Ma\u00dfnahmenprogramme verabschiedet, Wirkungsanalysen vorgelegt, Berichts- und Anpassungspflichten vorgesehen. Das fehlt bei uns: die Klimaziele sind nicht gesetzlich fixiert, der Entwicklungspfad dorthion nicht durchgerechnet, die gelisteten Ma\u00dfnahmen halbherzig.<\/p>\n<p>In S\u00fcdtirol gibt es heute noch zu viele Akteure, die den <em>Klimaplan 2040<\/em> und den Klimaschutz an sich nicht wirklich ernst nehmen. \u00dcberall gilt noch die Devise: <a href=\"https:\/\/www.politis.it\/\">\u00bbDo geaht nou a bissl\u00ab.<\/a> Wie k\u00f6nnte man sonst noch erlauben, zus\u00e4tzliche 600 Betten in Kurzras dazuzubauen? Wie soll es klappen, den motorisierten Verkehr einzud\u00e4mmen, wenn weiterhin massiv in Stra\u00dfen investiert wird und die Landesregierung nicht auch aus Klimaschutzgr\u00fcnden darauf beharrt, den Transit-Schwerlastverkehr zu senken? Wenn der Klimaschutz nicht gesetzlich auf Staats- und Landesebene verankert wird, wird er weiterhin zu wenig ernst genommen.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp einem Jahr ist der Klimaplan S\u00fcdtirol 2040 offiziell vorgestellt worden. 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