{"id":86925,"date":"2024-07-17T14:06:40","date_gmt":"2024-07-17T12:06:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86925"},"modified":"2026-02-02T08:34:59","modified_gmt":"2026-02-02T07:34:59","slug":"die-mar-vom-wohlstandsbeschaffer-tourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86925","title":{"rendered":"Die M\u00e4r vom Wohlstandsbeschaffer Tourismus."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Vor Kurzem traf zum ersten Mal der neue <a href=\"https:\/\/landesregierung.provinz.bz.it\/de\/news\/tourismusrat-tagt-fur-positive-gesinnung-der-einheimischen-arbeiten\">\u00bbTourismusrat\u00ab<\/a> zusammen, einberufen von Tourismus-<abbr title=\"Landesrat\/-r\u00e4tin\">LR<\/abbr> Luis Walcher (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>). Dem Gremium geh\u00f6ren die Vertreter der Tourismuswirtschaft, die Handelskammer und der Gemeindenverband an, keine einzige zivilgesellschaftliche Organisation. Treffender w\u00e4re somit die Bezeichung \u00bbTourismuslobbyrat\u00ab. Wichtigstes Thema gleich zu Beginn: Wie kann die Akzeptanz des Tourismus erh\u00f6ht werden, die sogenannte \u00bbTourismusgesinnung\u00ab? Denn nachweislich sind immer mehr S\u00fcdtiroler dem Tourismus nicht mehr so freundlich gesinnt wie vielleicht noch vor 30-40 Jahren. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.unibz.it\/de\/api-news\/142719-studie-lebensraumqualitaet-suedtirol-veroeffentlicht\">Studie der Universit\u00e4t Bozen<\/a> nimmt eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung die Auswirkungen in zumindest drei Bereichen als sehr oder \u00fcberwiegend negativ wahr: Immobilienpreise, Verkehrsbelastung und Lebenshaltungskosten. Kein Wunder, dass LR Walcher gleich zu Beginn den Akzent auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus f\u00fcr \u00bbunseren\u00ab Wohlstand legen m\u00f6chte. Doch ist dem noch so? Braucht es \u00dcbertourismus, um den Wohlstand zu sichern?<\/p>\n<p>Aus mehreren Gr\u00fcnden ist diese These nicht mehr haltbar. Zun\u00e4chst kann heute Wohlstand lange nicht mehr nur nach Wertsch\u00f6pfung und Einkommen bemessen werden. Es gibt umfassendere Ma\u00dfe f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t, die auch das Land S\u00fcdtirol anwendet, wie den <a href=\"https:\/\/astat.provinz.bz.it\/barometro\/upload\/sdg\/html\/de\/index.html\">SDG-Tracker<\/a> oder das wenig bekannte BES <em>(<a href=\"https:\/\/astat.provincia.bz.it\/it\/news-pubblicazioni-info.asp?news_action=4&amp;news_article_id=626038\">Benessere equo e solidale<\/a>).<\/em> &nbsp;Dort schneidet S\u00fcdtirol im inneritalienischen Vergleich gut ab, aber nicht wegen des \u00dcbertourismus. Auch bei der Wertsch\u00f6pfung ist der Tourismus mit rund 11% Anteil nicht von solch \u00fcberragender Bedeutung, wie von Lobbys immer behauptet. Verwiesen wird auf die induzierten Effekte in vorgelagerten Branchen wie Handel, Handwerk und Landwirtschaft. Die Vorleistungen der S\u00fcdtiroler Landwirtschaft an den Tourismus sind aber \u00fcberraschend gering, weil der L\u00f6wenanteil der Lebensmittel im heimischen Gastgewerbe importiert wird. Zum anderen h\u00e4tten auch andere Branchen wie die Industrie und Dienstleistungen \u00e4hnliche Effekte. Wenn bestenfalls das Bauhaupt- und -nebengewerbe vom Tourismus profitiert, ist das insgesamt kritisch zu bewerten: Noch mehr \u00bbqualitative Erweiterung\u00ab im landwirtschaftlichen Gr\u00fcn und noch mehr Luxus ist f\u00fcr Landschaft, Umwelt und Klima nicht vertr\u00e4glich, steigert keinen Wohlstand au\u00dfer jenen der Hotelbesitzer.<\/p>\n<p>Dann die Geschichte mit den Arbeitspl\u00e4tzen: Heute arbeiten zur Hochsaison \u00fcber 50.000 Menschen abh\u00e4ngig und selbstst\u00e4ndig im Tourismus. Ganzjahresarbeitspl\u00e4tze gibt es in dieser Branche weit weniger. Im Jahresdurchschnitt liegt die Besch\u00e4ftigtenzahl bei 37.500 (ASTAT 2023, vgl. <a href=\"https:\/\/www.hgv.it\/de\/magazine\/artikel\/beschaeftigung-im-gastgewerbe-nimmt-weiter-zu\">HGV<\/a>). In der Wintersaison 2023-24 lag die Zahl der Mitarbeitenden bei 31.100. Der Anteil des Gastgewerbes an der Geamtbesch\u00e4ftigung liegt bei 14,2% (<a href=\"https:\/\/webassets.eurac.edu\/31538\/1701095688-stost-2023-executive-summary_de_web.pdf\">STOST 2023<\/a>). Die Arbeit im Tourismus weist eine vergleichsweise geringere Produktivit\u00e4t und unterdurchschnittliche Entlohnung auf. Solche Arbeitspl\u00e4tze werden nach und nach von Zuwanderern \u00fcbernommen. S\u00fcdtirol mit seinem leergefegten Arbeitsmarkt braucht einerseits nicht mehr Arbeitspl\u00e4tze dieser Art, andererseits werden auch Zuwanderer mittlerweile in anderen Sektoren dringender gebraucht. War das Gastgewerbe in den 1960er und 1970er Jahren die Rettung, um Abwanderung aus strukturschwachen Berggebieten zu verhindern, ist das seit Jahrzehnten nicht mehr so. Heute emigrieren qualifizierte junge Leute, weil es eben nur mehr die Wahl zwischen Tourismus, Handwerk und Landwirtschaft gibt. S\u00fcdtirol hat inzwischen zu viele unterbezahlte, nicht stabile, saisonale und unterversicherte Arbeitspl\u00e4tze im Gastgewerbe.<\/p>\n<p>Doch in Zeiten des demografischen Wandels stellt sich die Problematik neu dar. In den n\u00e4chsten 10-15 Jahren wird sich der Personalmangel in verschiedenen qualifizierten Bereichen von der Pflege \u00fcber das Handwerk bis zum Bildungssystem versch\u00e4rfen. In dieser Situation gereicht zu viel Tourismus zum Schaden, weil er tausende junge Erwerbst\u00e4tige absorbiert, die in anderen Bereichen sozial, \u00f6kologisch und sogar wirtschaftlich sinnvoller t\u00e4tig sein k\u00f6nnten. Von wem werden wir im Alter gepflegt? Von Robotern? Welche Techniker installieren klimafreundliche Heizungen f\u00fcr 80.000 Haushalte, die noch mit Gas und \u00d6l heizen? Wer saniert zehntausende alte H\u00e4user? Welche jungen Menschen lehren und erziehen auf allen Stufen? Zugespitzt: Alte Menschen rundum zu pflegen ist anspruchsvoller als hinter der Theke Cocktails aufzuschenken oder Wellnessbuden zu reinigen. Doch f\u00fcr den gesellschaftlichen Wohlstand sorgt nicht noch mehr Tourismus in einer Region, die schon <a href=\"https:\/\/qlikview.services.siag.it\/QvAJAXZfc\/opendoc.htm?document=tourismus.qvw&amp;host=QVS%40titan-a&amp;anonymous=true\">250.000 buchbare Betten<\/a> aufbieten kann. Dies gilt auch f\u00fcr Migrantinnen, die f\u00fcr qualifiziertere Berufe ausgebildet werden k\u00f6nnen als blo\u00df als Saisonniers im Tourismus. Hier kann die Politik Anreize setzen und die Weichen neu stellen.<\/p>\n<p>\u00bbDen S\u00fcdtirolern muss vor Augen gef\u00fchrt werden, was der Tourismus leistet und sie m\u00fcssen verst\u00e4rkt sp\u00fcren, dass dieser Wirtschaftszweig jedem Einzelnen etwas bringt\u00ab, meinte LR Walcher beim Auftakt des <a href=\"https:\/\/landesregierung.provinz.bz.it\/de\/news\/tourismusrat-tagt-fur-positive-gesinnung-der-einheimischen-arbeiten\">Tourismusrats<\/a>. Die vielen Nachteile geraten schnell unter den Teppich, wenn nur Interessengruppen am Tisch sitzen. Der neue Tourismuslandesrat w\u00e4re gut beraten, sich nicht die Beschwichtigung der besorgten Bev\u00f6lkerung zum Hauptziel zu setzen, sondern das Hauptproblem zu bearbeiten: die exzessive touristische Vermarktung unseres Landes, der <a href=\"https:\/\/astat.provinz.bz.it\/de\/aktuelles-publikationen-info.asp?news_action=4&amp;news_article_id=677713\">tourismusintensivsten Region<\/a> der Zentralalpen.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Kurzem traf zum ersten Mal der neue \u00bbTourismusrat\u00ab zusammen, einberufen von Tourismus-LR Luis Walcher (SVP). 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