{"id":87214,"date":"2024-08-05T17:25:46","date_gmt":"2024-08-05T15:25:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87214"},"modified":"2024-08-07T11:48:25","modified_gmt":"2024-08-07T09:48:25","slug":"hgv-die-die-das-sagen-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87214","title":{"rendered":"HGV: Die, die das Sagen haben."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Immer ungenierter mischt der <em>Hoteliers- und Gastwirteverband<\/em> die Politik auf<\/strong><\/p>\n<p>Letzthin holte der Direktor des HGV, Raffael Mooswalder, den Hammer aus der Kammer und schlug zu. Er drosch auf Stefan Perini, Direktor des <em>Arbeitsf\u00f6rderungsinstituts<\/em> AFI, ein. Der hatte sich erlaubt, die <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/31072024\/luci-e-ombre-del-lavoro-nel-turismo\">Arbeitsbedingungen im Tourismus<\/a> n\u00e4her anzuschauen und die Ergebnisse als Studie zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Eine Art Gottesl\u00e4sterung, befand Mooswalder \u2014 und: die <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/02082024\/kein-niveau\">Studie liege unter dem Niveau einer Facharbeit<\/a>. Die Daten seien aus dem Zusammenhang gerissen, dozierte Mooswalder. \u00bbVonseiten eines <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/01082024\/hgv-contra-afi\">mit Steuergeldern finanzierten Instituts<\/a> darf man sich mehr erwarten als nur populistische Aussagen, die auf Zahlen fu\u00dfen, welche bewusst aus dem Kontext gerissen wurden, um mediale Aufmerksamkeit im Sommerloch zu generieren\u00ab,&nbsp;giftete er.<\/p>\n<p>Er machte unmissverst\u00e4ndlich deutlich, dass der HGV die touristische Deutungshoheit innehat. Mooswalder agierte untergriffig, griff Perini pers\u00f6nlich an und lie\u00df ihn wissen, was sein Job eigentlich sei. Der Grund der ma\u00dflosen Aufregung von Mooswalder: Die AFI-Studie ging detailliert auf die L\u00f6hne in der Tourismusindustrie und auf die unglaublichen Arbeitszeiten ein. Das AFI regte die 5-Tage-Woche an.<\/p>\n<p>Die kreative Antwort von Mooswalder: \u00bbWir sollten als Gesellschaft froh sein, dass sich viele Menschen nicht zu schade sind, sektoren\u00fcbergreifend auch am Wochenende zu arbeiten. Angefangen bei \u00c4rzten, Pflegerinnen und Pflegern, Sicherheitskr\u00e4ften und vielen anderen mehr, so stellen sich auch die Mitarbeitenden im Gastgewerbe in den Dienst der Bev\u00f6lkerung und der G\u00e4ste, welche am Wochenende eine sch\u00f6ne und gesellige Zeit auf einer Schutzh\u00fctte, in einer Bar oder in einem Restaurant verbringen wollen. Solche Menschen verdienen sich Anerkennung und Respekt und keine unqualifizierten Zurufe von der Seite\u00ab, unterstrich Direktor Mooswalder recht populistisch.<\/p>\n<h6>Anerkennung und Respekt?<\/h6>\n<p>Anerkennung und Respekt, genau darum geht es. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, zum Beispiel die Zahlen aus dem Landesabkommen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigen im Sektor Tourismus und der Gastronomie. Der HGV-Vorsitzende Manfred Pinzger verstieg sich zur Aussage, der Vertrag bringe f\u00fcr die 43.000 saisonal Besch\u00e4ftigten einen gro\u00dfen Mehrwert.<\/p>\n<p>Von wegen gro\u00dfer Mehrwert: 150 Euro brutto, zus\u00e4tzlich zum gesamtstaatlichen kollektivvertraglichen Mindestlohn. Das sind 50 Euro mehr als bisher. Weiters wurden Einmalzahlungen f\u00fcr die unbefristeten Mitarbeitenden von 300 Euro brutto und f\u00fcr die saisonal besch\u00e4ftigten Mitarbeitenden von 112 Euro vereinbart. Anerkennung und Respekt? Salopp formuliert ist dieser angeblich gro\u00dfe Mehrwert eine <a href=\"https:\/\/www.tageszeitung.it\/2024\/08\/03\/das-ist-nicht-tragbar-3\/\">\u00bbVerarsche\u00ab<\/a>.<\/p>\n<p>Der Tourismus boomt, heuer werden m\u00f6glicherweise 36 Millionen N\u00e4chtigungen erzielt, deutlich mehr als der Rekordwert vor <em>Corona.<\/em> Der HGV unterstreicht st\u00e4ndig, wie wichtig der Tourismus sei, dass er der Motor der Wirtschaft ist und st\u00e4ndig Rekordzahlen schreibt. Und dann ist nicht mehr drinnen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten? Trifft die Kritik von Thomas Benedikter vom <em>Heimatpflegeverband<\/em> zu, <a title=\"Die M\u00e4r vom Wohlstandsbeschaffer Tourismus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86925\">dass der Tourismus gar kein Wohlstandsbeschaffer ist<\/a>?<\/p>\n<p>Warum nicht? Weil der Tourismus trotz seines brummenden Motors nur elf Prozent des Reichtums produziert? Wie l\u00e4sst sich das erkl\u00e4ren? Als der Bettenstopp real wurde, tauchten \u2014 sicher nicht aus dem Nichts \u2014 pl\u00f6tzlich 25.000 neue Betten auf. <a href=\"https:\/\/swz.it\/25-000-nachgemeldete-betten-die-liste-der-gemeinden\/\">\u00bbNachgemeldet\u00ab<\/a>, formulierte es die Wirtschaftszeitung <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Wirtschaftszeitung\">SWZ<\/abbr> zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n<p>Der Boom treibt die Preise, das Land f\u00f6rdert mit <a href=\"https:\/\/www.rainews.it\/tgr\/tagesschau\/audio\/2024\/08\/mit-der-gastekarte-nun-auch-ins-museum-3463d16c-48c2-4da5-895c-83bc0a86b8d9.html\">Gratiskarten<\/a> f\u00fcr \u00d6ffis und Museen den Tourismus, die landeseigene IDM \u2014 eine der erfolgreichsten \u00bbAgenturen\u00ab des Landes \u2014 heizt mit ihren Initiativen den Boom weiter an. \u00dcberf\u00fcllte Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze, Restaurants, Staus und Stress usw. sind die Folge. Eine <a title=\"Schleichende Enteignung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86058\">schleichende Enteignung<\/a>? Viele <a href=\"https:\/\/www.suedtirolnews.it\/wirtschaft\/tourismus-in-suedtirol-polarisiert-nun-gibt-es-eine-studie\">sind deshalb sauer.<\/a><\/p>\n<p>Eine der Reaktionen darauf: Landesrat Luis Walcher (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>) richtete einen Tourismusrat ein. Ziel ist, <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/13072024\/den-tourismus-wieder-beliebt-machen\">eine positive Tourismusstimmung<\/a> zu f\u00f6rdern und die Hotspots zu managen. Unverst\u00e4ndlich findet Hans Heiss, ehemaliger gr\u00fcner Landtagsabgeordneter, Historiker und Tourismuskenner, <a href=\"https:\/\/www.barfuss.it\/meinung\/grenzenloser-tourismus\/\">im Podcast <em>Grantler unlimited<\/em> auf <em>Barfuss<\/em><\/a> die angesprochene Zielsetzung. Kurzum daneben, notwendig ist laut Heiss ein sp\u00fcrbares Umlenken.<\/p>\n<h6>Zweispurige Luegbr\u00fccke<\/h6>\n<p>Der HGV gibt im Land die touristischen Noten vor, mischt sich aber auch in Nordtirol ein. Eklatantes Beispiel, die zu sanierende Luegbr\u00fccke gleich hinterm Brenner. Ab dem 1. J\u00e4nner 2025 wird sie teilweise gesperrt, schreibt ein Br\u00fcckenpr\u00fcfbericht vor. Laut der <a href=\"https:\/\/www.asfinag.at\/bauen-erhalten\/bauprojekte\/a-13-brenner-autobahn-luegbrucke\/\">Autobahngesellschaft <em>Asfinag<\/em><\/a> soll der Verkehr dann nur noch auf einer Spur je Richtung rollen.<\/p>\n<p>Was fordert der HGV? Der Verband beharrt auf die Zweispurigkeit, an Wochenenden und an verkehrsreichen Tagen. HGV-Direktor Mooswalder wirbt f\u00fcr einen <a href=\"https:\/\/www.suedtirolnews.it\/wirtschaft\/luegbruecke-hoteliers-in-suedtirol-beharren-auf-zweispurigkeit\">\u00bbreibungslosen Verkehrsfluss\u00ab<\/a> \u2014 und der ist nur zweispurig machbar. Ob dies technisch einfach nicht m\u00f6glich ist? Die Forderung Mooswalders liegt deutlich unter dem Niveau einer Facharbeit. Die geballte S\u00fcdtiroler Macht, Landesregierung und die Handelskammer, dr\u00e4ngen Nordtirol, herw\u00e4rts zu schauen.<\/p>\n<p>Also trotz Sanierungsarbeiten die zweispurige Befahrbarkeit der Luegbr\u00fccke und die <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/26062024\/kompromissbereitschaft-gefragt\">Aufhebung des Lkw-Nachtfahrverbots<\/a> auf der Inntal- und Brennerautobahn. Gleichzeitig legte Verkehrsminister <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3364799\/\">Matteo Salvini<\/a> <em>(Lega),<\/em> ein Freund vieler S\u00fcdtiroler:innen, beim <em>Europ\u00e4ischen Gerichtshof<\/em> Klage gegen die Tiroler Transitma\u00dfnahmen ein. Der S\u00fcdtiroler Applaus ist ihm sicher. Das belegen hasserf\u00fcllte anti-\u00f6sterreichische Posts in den \u00bbsozialen Medien\u00ab. Sollte Salvini erfolgreich sein, dann werden sich die Anrainer:innen der Brennerautobahn im Wipp- und Eisacktal und im Unterland wundern. Das blaue Wunder erleben.<\/p>\n<p>Noch ein Blick zur\u00fcck: 2020, im J\u00e4nner, <em>Corona<\/em> breitete sich aus. In den touristischen Hochburgen Nordtirols pochten die Hotellerie und die Betreiber von Seilbahnen und Skiliften \u2014 trotz besseren Wissens \u2014 auf die Weiterf\u00fchrung der Saison. In S\u00fcdtirol <a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/10052024\/wir-haben-fehler-gemacht\">empfahl Hubert Messner<\/a>, damals Primar im Ruhestand und Berater von Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP), die Wintersaison zu stoppen. Die Empfehlung lief ins Leere, wie schon in Nordtirol. Das sollte auch aufgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Thomas Benedikter wirft der Tourismuswirtschaft vor, Land und Leute schleichend zu enteignen. Er verweist auf 6.000 Wohnungen, die \u00fcber <em>Airbnb<\/em> vermietet werden und damit auf dem Wohnungsmarkt fehlen. <em>Airbnb<\/em>-Anbieter werden angeblich auch noch steuerlich beg\u00fcnstigt, kritisiert er. Auf dem Immobilienmarkt punkten meist nur zahlungskr\u00e4ftige K\u00e4ufer von ausw\u00e4rts. &nbsp;<\/p>\n<p>Diese schleichende Enteignung ist nur deshalb m\u00f6glich, kommt Benedikter zum Schluss, \u00bbweil das Touristikgewerbe die Regeln vorgibt, wie unser Land in Wert gesetzt wird, wohin die Subventionen flie\u00dfen, wer die Werbung und G\u00e4step\u00e4sse finanziert, und wie stark das Land touristisch vermarktet wird\u00ab.<\/p>\n<p>Der Landesregierung wirft er vor, sich dem Wachstumszwang zu unterwerfen. Wie bereits erw\u00e4hnt wird wieder ein Rekord greifbar, \u00fcber 35 Millionen N\u00e4chtigungen. Und die Besch\u00e4ftigten im Tourismussektor erhalten 150 Euro brutto mehr. Schiefer kann die Lage gar nicht sein.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer ungenierter mischt der Hoteliers- und Gastwirteverband die Politik auf Letzthin holte der Direktor des HGV, Raffael Mooswalder, den Hammer aus der Kammer und schlug zu. 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