{"id":87395,"date":"2024-08-15T19:44:47","date_gmt":"2024-08-15T17:44:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87395"},"modified":"2026-03-16T15:42:53","modified_gmt":"2026-03-16T14:42:53","slug":"deutsch-als-verstandigungssprache-schwindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87395","title":{"rendered":"Deutsch als Verst\u00e4ndigungssprache schwindet."},"content":{"rendered":"<p>Gestern hat das Statistikinstitut des Landes (ASTAT) neue Daten \u00fcber Sprachkenntnisse und Sprachgebrauch im Alltag (<a title=\"Astat-Info 34\/2024.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/astat-info_34-24.pdf\">ASTAT-Info 34\/2024<\/a>) ver\u00f6ffentlicht. Unter anderem wurde bei der im M\u00e4rz dieses Jahres durchgef\u00fchrten Befragungswelle abgefragt, welche Sprache die Befragten gew\u00f6hnlich im Umgang mit Menschen anderer Muttersprache benutzen.<\/p>\n<p>Dabei f\u00e4llt auf, dass nur mickrige vier von hundert Deutschsprachigen angeben, im Rahmen solcher sogenannter <em>Outgroup-Kontakte<\/em> normalerweise bei der eigenen Muttersprache zu bleiben, w\u00e4hrend knapp die H\u00e4lfte der Italienischsprachigen (43 Prozent) in solchen Situationen in der Regel Italienisch spricht.<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 hatten \u2014 bei einer analogen Fragestellung im Rahmen der Erhebungen zum ASTAT-Sprachbarometer \u2014 immerhin noch 21 von 100 Befragten deutscher Muttersprache angegeben, mit Anderssprachigen gew\u00f6hnlich Deutsch zu sprechen. In nur zehn Jahren ist dieser Anteil folglich um sage und schreibe 81 Prozent (17 Punkte) geschrumpft.<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-87443 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/outgroupkontakte_14-24.png\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"608\"\/><\/p><\/blockquote>\n<p>Deutsch ist also heute als <em>\u00bblingua franca\u00ab<\/em> f\u00fcr Gespr\u00e4che \u00fcber die Grenzen der eigenen Sprachgruppe hinaus in S\u00fcdtirol nahezu ganz verschwunden. Dabei ist <a title=\"Sprachbeharrung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64608\">eine gewisse Sprachbeharrung<\/a> gerade f\u00fcr <a title=\"Minorisierte Sprachen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72762\">minorisierte Sprachen<\/a> besonders wichtig.<\/p>\n<p>Es stimmt zwar, dass heute auch wenigere Italienischsprachige angeben, normalerweise bei Italienisch zu bleiben, doch ist der Wert hier \u2014 im Vergleich zu 2014 \u2014 von 55 Prozent auf 43 Prozent, also um nur 21 Prozent (12 Punkte) gesunken. W\u00e4hrend demnach vor zehn Jahren rund zweieinhalb Mal so viele Italienerinnen wie Deutsche (55% zu 21%) angegeben hatten, mit Menschen anderer Muttersprache bei ihrer Sprache zu bleiben, beharren heute fast elfmal (!) so viele Italienerinnen wie Deutsche (43% zu 4%) auf ihrer Muttersprache!<\/p>\n<p>Dass weniger Italienischsprachige als fr\u00fcher bei <em>Outgroup-Kontakten<\/em> grunds\u00e4tzlich bei Italienisch bleiben, hei\u00dft auch gar nicht, dass sie verst\u00e4rkt die Sprache des Gegen\u00fcbers sprechen. Im Gegenteil: W\u00e4hrend der Anteil Deutschsprachiger, die in solchen Situationen gew\u00f6hnlich die Sprache des Gegen\u00fcbers sprechen, zwischen 2014 und 2024 von 24 Prozent auf 29 Prozent angestiegen ist, ist der Anteil Italienischsprachiger, die zur Sprache der anderen wechseln, von zehn auf acht Prozent zur\u00fcckgegangen (minus 20 Prozent).<\/p>\n<p>Positiv ist h\u00f6chstens, dass der situationsabh\u00e4ngige sowie der abwechselnde Gebrauch der Sprachen insgesamt zunimmt.<\/p>\n<h6>Die Begr\u00fcndungen<\/h6>\n<p>Unter den Gr\u00fcnden, warum Italienischsprachige in Gespr\u00e4chen mit einem anderssprachigen Gegen\u00fcber bei ihrer Muttersprache bleiben, stechen <em>\u00bbweil ich die Zweitsprache nur in den dringendsten F\u00e4llen spreche\u00ab<\/em> (20 Prozent), <em>\u00bbweil ich Wert darauf lege, meine eigene Muttersprache zu sprechen\u00ab<\/em> (12 Prozent) und <em>\u00bbweil sich die anderen anpassen sollen\u00ab<\/em> (3 Prozent) hervor. Der weitaus h\u00e4ufigste Grund sind zwar schlechte Kenntnisse der anderen Sprache (63%<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000007f70000000000000000_87395\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000007f70000000000000000_87395-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000007f70000000000000000_87395-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">+5,9 Punkte im Vergleich zu 2014<\/span>), doch offenbar bleiben noch immer viele aus Prinzip bei Italienisch. Weitere Angaben waren <em>\u00bbweil ich mich dadurch sicherer f\u00fchle\u00ab<\/em> (18 Prozent) und <em>\u00bbaus Gewohnheit\u00ab<\/em> (15 Prozent). Jede Befragte durfte h\u00f6chstens zwei Gr\u00fcnde nennen.<\/p>\n<p>Gut ein Drittel (34 Prozent) der Deutschsprachigen, die vorwiegend in die Sprache des Gegen\u00fcbers wechseln, gibt an, dies zu tun, <a title=\"Mehrheits- und Minderheitensprache im Kontakt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72582\">weil es die H\u00f6flichkeit verlange<\/a>, 22 Prozent tun dies <em>\u00bbaus Gewohnheit\u00ab<\/em> und 9 Prozent gar <em>\u00bbweil es f\u00fcr mich vorteilhaft ist\u00ab.<\/em> Der meistgenannte Grund f\u00fcr den Sprachwechsel ist <em>\u00bbweil ich [die Sprache der anderen] besser beherrsche als die anderen Personen meine Muttersprache\u00ab<\/em> (56 Prozent), <em>\u00bbweil sie mich sonst nicht verstehen\u00ab<\/em> (23 Prozent) und <em>\u00bbweil ich alles M\u00f6gliche unternehme, um die Zweitsprache sprechen zu k\u00f6nnen\u00ab<\/em> (9 Prozent). Auch hier war es m\u00f6glich, bis zu zwei Antworten zu geben.<\/p>\n<p>Das ist ein Teufelskreis: Wenn nur vier Prozent der Deutschsprachigen, aber \u00fcber 40 Prozent der Italienischsprachigen grunds\u00e4tzlich bei der eigenen Sprache bleiben, werden die Italienischsprachigen \u2014 aber auch <a title=\"F\u00fcnfundneunzig Prozent.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=85747\">die Zuwandernden<\/a> \u2014 immer weniger Anreize (und auch M\u00f6glichkeiten) haben, die deutsche Sprache zu erlernen und zu praktizieren. Auch Wirtschaftstreibende haben <a title=\"Minderheitensprachen im Konsumentinnenschutz.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=85659\">in Ermangelung einschl\u00e4giger Regeln<\/a> nur eine geringe Motivation, Dienstleistungen in deutscher Sprache anzubieten, wenn die deutschsprachige Mehrheitsbev\u00f6lkerung jederzeit bereitwillig bis unterw\u00fcrfig in die italienische Sprache wechselt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><hr class=\"dotted-hr\" style=\"height: 4px; width: 100%; border: none; margin-top: 0em; margin-bottom: 0em; background-color: black;\"\/><\/p>\n<p>Zusatzbemerkung: Die 2024 im Vergleich zu 2014 neu eingef\u00fchrte Antwortm\u00f6glichkeit <em>(\u00bbIch bin mehrsprachig und es stellt kein Problem dar.\u00ab)<\/em> erschlie\u00dft sich mir in dieser Form nicht, da sie nicht wie eine Alternative, sondern vielmehr wie eine Erg\u00e4nzung zu anderen Optionen klingt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Kolipsi: Die Outgroup-Kontakte.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=74013\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Wichtigste Sprache: Italienisch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25469\"><code>02<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Die Dialekt-Intoleranz.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87448\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Zweitsprachkenntnisse nach Sprachgruppe.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=87760\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Erstsprachkenntnisse nach Sprachgruppe.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=88373\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Minderheiten schrumpfen, italienische Sprachgruppe w\u00e4chst \u00fcberall.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=89449\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>04<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Cymru: Sprachgebrauch im \u00f6ffentlichen Raum erhoben.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90822\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>05<\/code><\/span><\/a> <a title=\"R\u00e4toromaninnen gegen die Assimilierung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93765\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>06<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Sprachgruppen: Falschinformationen vom Landesrat.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=96106\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>07<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Christian Bianchi nega la minorizzazione.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=96481\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>08<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Christian Bianchi gegen den Dialekt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=98445\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>09<\/code><\/span><\/a><\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>+5,9 Punkte im Vergleich zu 2014<\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hat das Statistikinstitut des Landes (ASTAT) neue Daten \u00fcber Sprachkenntnisse und Sprachgebrauch im Alltag (ASTAT-Info 34\/2024) ver\u00f6ffentlicht. 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