{"id":90298,"date":"2025-02-07T17:38:38","date_gmt":"2025-02-07T16:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90298"},"modified":"2025-06-11T14:03:52","modified_gmt":"2025-06-11T12:03:52","slug":"wir-mussen-uns-vor-dem-vaterland-schutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90298","title":{"rendered":"\u00bbWir m\u00fcssen uns vor dem Vaterland sch\u00fctzen.\u00ab"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Bei einem m\u00f6glichen blauen \u00f6sterreichischen Bundeskanzler sieht Hans Heiss schwarz.<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Kommentar im im <em>Standard<\/em> kanzelte <a href=\"https:\/\/kurier.at\/kultur\/medien\/hans-rauscher-erklaerung-fuer-fpoe-erfolg-keine-orientierung-mehr-von-den-regierenden\/402986556\">Hans Rauscher<\/a> eine ganze Reihe freiheitlicher Programmpunkte f\u00fcr die k\u00fcnftige \u00f6sterreichische Regierung ab. Er nannte sie <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000255749\/verr252ckte-fp214-forderungen\">\u00bbverr\u00fcckte Forderungen\u00ab<\/a>, besonders die Zur\u00fcckholung S\u00fcdtirols \u00fcber die Anerkennung der \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr die echten S\u00fcdtiroler.<\/p>\n<p>F\u00fcr die <em>Freiheitlichen<\/em> ist S\u00fcdtirol nicht nur eine Herzenssache, ein Begriff, den Leopold Figl 1945 in seiner Regierungserkl\u00e4rung gebrauchte. Aus der Herzenssache wurde im Laufe der Zeit die Herzensangelegenheit. Will hei\u00dfen, die \u00f6sterreichischen Parteien stehen S\u00fcdtirol zur Seite, helfen, wenn es einen \u00bbHilferuf\u00ab aus Bozen gibt.<\/p>\n<p>Deshalb gab es einen Unterausschuss S\u00fcdtirol im Nationalrat, intervenierten \u00f6sterreichischen Stellen bei der italienischen Regierung. Erfolgreich war der sozialdemokratische Au\u00dfenminister Bruno Kreisky mit seiner Anrufung der UNO-Vollversammlung 1961, weil Italien nicht bereit war, den italienisch-\u00f6sterreichischen <em>Pariser Vertrag<\/em> samt Landesautonomie umzusetzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Zentrumsparteien zwischen <abbr title=\"\u00d6sterreichische Volkspartei\">\u00d6VP<\/abbr> und <em>Neos<\/em> die Autonomiepolitik unterst\u00fctzen, hielten und halten die <em>Freiheitlichen<\/em> immer am Recht auf Selbstbestimmung fest. So weit, so gut. Immerhin ist das Recht auf Selbstbestimmung auch im Statut der <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> verankert.<\/p>\n<h6>Die Austrofaschisten und S\u00fcdtirol<\/h6>\n<p>Was ist aber von dieser freiheitlichen Position zu halten? Die Vorv\u00e4ter der <em>Freiheitlichen,<\/em> die Austrofaschisten und die illegalen Nazis, waren allesamt keine S\u00fcdtirolfreunde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Austrofaschismus\">Austrofaschistisch<\/a> war die \u00c4ra von 1933 bis 1938, Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df errichtete einen \u00bbSt\u00e4ndestaat\u00ab und ging gewaltsam gegen die Sozialdemokratie, Kommunisten und Gewerkschaften vor. Manche Historiker pr\u00e4zisieren und verwenden den Begriff Klerikalfaschismus, paktierten doch die katholische Kirche und die rechtskonservativen Parteien.<\/p>\n<p>Nach der Ermordung von Dollfu\u00df durch Nazikiller \u00fcbernahm Kurt Schuschnigg von der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em> den \u00f6sterreichischen St\u00e4ndestaat. Die Front getragen haben die antisemitischen Christsozialen, die <em>Heimwehr,<\/em> rechtsradikale Milizen und der <em>Landbund,<\/em> eine Bauernpartei.<\/p>\n<p>Dieser \u00f6sterreichische rechtsrechte St\u00e4ndestaat stand im B\u00fcndnis mit dem faschistischen Italien. In den \u00bbR\u00f6mischen Protokollen\u00ab sicherte der faschistische Diktator Benito Mussolini \u00d6sterreich wirtschaftliche Hilfe zu, um den Einfluss des nationalsozialistischen Deutschland einzud\u00e4mmen. Zu den Partnern in diesem<br \/>\nFascho-Verbund z\u00e4hlte auch das Ungarn der Pfeilkreuzler. Eine doch \u00fcberraschende \u00c4hnlichkeit mit der heutigen Lage. In Ungarn und in Italien regieren rechtsrechte Parteien, \u00d6sterreich steht kurz bevor, von den rechtsrechten <em>Freiheitlichen<\/em> \u00fcbernommen zu werden.<\/p>\n<p>Das faschistische Italien der 1930er Jahre \u2014 seit 1922 verfolgte der Staat eine radikale Politik der \u00bbEntnationalisierung\u00ab der S\u00fcdtiroler:innen \u2014, agierte als Schutzmacht f\u00fcr das klerikalfaschistische \u00d6sterreich. Der autorit\u00e4re St\u00e4ndestaat wehrte sich gegen eine feindliche nationalsozialistische \u00dcbernahme \u2014 mit Hilfe Italiens. Im Gegenzug schwieg Kanzler Dollfu\u00df, f\u00fcr ihn war das schikanierte S\u00fcdtirol kein politisches Thema.<\/p>\n<h6>\u00bbGeben wir den Italienern das Land\u2026\u00ab<\/h6>\n<p>Dollfu\u00df warb kurz vor Kriegsende 1918 f\u00fcr einen Kompromissfrieden mit Italien. \u00bbGeben wir den Italienern das Land bis zur Salurner Klause. Es war ja der ewige Zankapfel zwischen \u00d6sterreich und Italien\u00ab, so eine Dollfu\u00df-Aussage, die in einem Dokument des <em><a href=\"https:\/\/wk1.staatsarchiv.at\/militarisierung-der-politik\/engelbert-dollfuss\/\">\u00d6sterreichischen Staatsarchivs<\/a><\/em> belegt ist. Dollfu\u00df meinte damit das italienischsprachige Trentino, das begehrte Objekt national-italienischer Begierde.<\/p>\n<p>In seiner Amtszeit erhob Dollfu\u00df den Land-Sager zu seinem Leitmotiv. Geben wir den Italienern das Land vom Brenner bis zur Salurner Klause, war wohl seine \u00dcberlegung \u2014 und im Tausch erhielt \u00d6sterreich den faschistischen Schutz gegen den nationalsozialistischen Nachbarn.<\/p>\n<p>Auch g\u00fcltiges Leitmotiv in seiner Amtszeit als \u00bbBundeskanzler\u00ab, als faschistischer Diktator. Dieses \u00d6sterreich kritisierte nicht die faschistische Politik gegen S\u00fcdtirol.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie Dollfu\u00df hielt es auch der deutsche Reichskanzler, \u00bbVolkskanzler\u00ab Adolf Hitler. Er und seine NSDAP wollten \u00bballe Deutschen\u00ab heimholen. Deutsche, die seit der Niederlage im Ersten Weltkrieg au\u00dferhalb der deutschen Staatsgrenzen lebten, in der neuen Tschechoslowakei, in Ungarn, in Rum\u00e4nien, in Polen, in Italien usw.<\/p>\n<p>F\u00fcr S\u00fcdtirol galt diese Maxime aber nur bis 1922, damals putschte sich Benito Mussolini an die Macht. Hitler suchte offensiv die N\u00e4he zum <em>Duce,<\/em> kopierte erfolgreich sein Tun. Erst in den sp\u00e4ten 1930er Jahren gelang es Hitler, auch weil die westeurop\u00e4ischen Demokratien Front machten, mit dem faschistischen Italien ein B\u00fcndnis zu schlie\u00dfen. Den <em>Stahlpakt.<\/em><\/p>\n<h6>Hitler gegen S\u00fcdtirol<\/h6>\n<p>F\u00fcr diesen Pakt opferte Hitler S\u00fcdtirol. Schon 1922 sagte Hitler auf einer NSDAP-Versammlung in M\u00fcnchen, auf die \u00bbDeutschen in S\u00fcdtirol\u00ab verzichten zu wollen. Festgehalten wurde dieser Verzicht in einem Memorandum 1924. Dieses m\u00fcndete in den Optionsvertrag von 1939, in die \u00bbAussiedlung\u00ab der S\u00fcdtiroler:innen ins \u00bbGro\u00dfdeutsche Reich\u00ab. Hitler brandmarkte S\u00fcdtirolfreunde als Agenten des \u00bbinternationalen Judentums\u00ab, also als zu verfolgende Feinde Deutschlands.<\/p>\n<p>Trotzdem hielten damals viele S\u00fcdtiroler den Nazis die Treue, engagierten sich im nationalsozialistischen <em>V\u00f6lkischen Kampfring,<\/em> jagten 1939 Dableiber, die sich gegen die \u00bbAussiedlung\u00ab wehrten, beteiligten sich an der Verfolgung der Meraner Juden durch die 1943 entstandenen Nazibeh\u00f6rden in der <em>Operationszone Alpenvorland.<\/em> Der Rest der braunen Geschichte in S\u00fcdtirol ist bekannt.<\/p>\n<p>Die Klerikalfaschisten der 1930er Jahre und die gro\u00dfdeutschen Nazis sind die geistig-politischen Vorfahren der heutigen <em>Freiheitlichen.<\/em> Was ist, diese Geschichte im Hinterkopf haltend, von den <abbr title=\"Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs\">FP\u00d6<\/abbr>-Forderungen nach S\u00fcdtiroler Selbstbestimmung zu halten?<\/p>\n<p>Ist Herbert Kickl endlich \u00bbVolkskanzler\u00ab, wird er die N\u00e4he zur politischen Enkelin von Benito Mussolini, Giorgia Meloni (<abbr title=\"Fratelli d\u2019Italia\">FdI<\/abbr>), suchen. S\u00fcdtirol ist dabei nur im Weg. Nicht von ungef\u00e4hr sagte der ehemalige Landtagsabgeordnete und Historiker Hans Heiss im <a href=\"https:\/\/www.barfuss.it\/meinung\/wir-muessen-uns-vor-dem-vaterland-schuetzen\/\">Grantler-Gespr\u00e4ch auf <em>Barfuss<\/em><\/a><em>,<\/em> dass sich dann S\u00fcdtirol vor der \u00f6sterreichischen Schutzmacht sch\u00fctzen muss.<\/p>\n<p><em><small>Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 9. Februar 2025 vom Autor ge\u00e4ndert.<\/small><\/em><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem m\u00f6glichen blauen \u00f6sterreichischen Bundeskanzler sieht Hans Heiss schwarz. 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