{"id":90548,"date":"2025-02-28T15:11:50","date_gmt":"2025-02-28T14:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90548"},"modified":"2025-03-01T21:46:18","modified_gmt":"2025-03-01T20:46:18","slug":"was-hat-istrien-mit-sudtirol-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90548","title":{"rendered":"Was hat Istrien mit S\u00fcdtirol zu tun?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Tausende italienische Bozner, Leiferer und Meraner stammen aus den einstigen italienischen \u00bbOstgebieten\u00ab im ehemaligen Jugoslawien.<\/strong><\/p>\n<p>Im venezianisch gepr\u00e4gten Istrien in Slowenien und Kroatien leben noch immer Italiener:innen, ihre Sprache ist amtlich, sie k\u00f6nnen sich autonom verwalten und viele von ihnen haben einen slowenischen oder kroatischen sowie einen italienischen Pass, also einen \u00bbDoppelpass\u00ab.<\/p>\n<p>Einst z\u00e4hlten diese Istrier und Dalmatiner mehr als 350.000 K\u00f6pfe. Heute ist es eine \u00fcberschaubare Zahl, gut 3.000 in Slowenien, 30.000 in Kroatien sowie gesch\u00e4tzte 40.000 Zweisprachige. Sie wurden w\u00e4hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben, viele auch ermordet, in den <em>Foibe,<\/em> in den Karsth\u00f6hlen zwischen Triest und Fiume. <a href=\"https:\/\/www.rainews.it\/tgr\/molise\/video\/2025\/02\/tragedia-foibe-esodo-popolazione-italiana-giuliano-dalmata-vittime-molisane-foibe-e-militari-tito--b1ca70df-21cf-438f-9da2-dc327ef67259.html\">Eine Wunde<\/a>, findet die <em>Rai,<\/em> die noch immer blutet. Und der <a href=\"https:\/\/www.secoloditalia.it\/2018\/05\/esuli-istriani-quel-debito-di-42-miliardi-di-euro-che-lo-stato-finge-di-non-avere\/\">wirtschaftliche Schaden<\/a> war nicht unbetr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an Istrien wird auch in Bozen gepflegt. J\u00e4hrlich am 10. Februar gedenken die Stadtregierung und die Nachkommen der vertriebenen Istrier und Dalmatiner auf der Talfermauer an die <a href=\"https:\/\/www.focus.it\/cultura\/storia\/che-cosa-furono-i-massacri-delle-foibe\"><em>Foibe<\/em>-Massaker.<\/a>&nbsp;Ein n\u00fcchternes Denkmal erinnert an die von Tito-Partisanen zwischen dem Herbst 1943 und im Fr\u00fchjahr 1945 ermordeten Italienerinnen und Italiener. Die Orte der Massaker liegen im Hinterland von Triest\/Trst, im Inneren der istrischen Halbinsel, in und um Rijeka\/Fiume.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Den <em>Foibe<\/em>-Verbrechen fielen viele Unschuldige zum Opfer, es waren Racheakte f\u00fcr die unter faschistischer Herrschaft erlebte, brutale Repression. Ausgerechnet Neofaschisten diverser Spielart missbrauchen diesen Gedenktag. Der Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauss zitiert seinen slowenischen Schriftstellerfreund Drago Jan\u010dar, der in den 1980er Jahren das kommunistische Tabu brach und die Selbstjustiz der Partisanen gei\u00dfelte. Jan\u010dar klassifizierte auch die T\u00f6tung \u00bbvon argen Kollaborateuren und Kriegsverbrechern ohne Prozess\u00ab als Schandtat, die einen d\u00fcsteren Flecken auf den gerechten Kampf der Partisanen wirft. Ja, der Opfer soll gedacht werden, findet Gauss, <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90404\">aber sicher nicht eintr\u00e4chtig mit den Faschisten von heute.<\/a><\/p>\n<h6>Ein Blick zur\u00fcck<\/h6>\n<p>Die Vorfahren der Istrier waren bis zum Ende des Ersten Weltkrieges B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen der Habsburgermonarchie. Istrien und Dalmatien, Heimat auch von slowenischen und kroatischen Bev\u00f6lkerungsgruppen, wurden wie S\u00fcdtirol mit dem Vertrag von Saint-Germain 1919 Italien zugesprochen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Das seit 1922 herrschende faschistische Regime unterdr\u00fcckte alle nicht-italienischen Bev\u00f6lkerungsgruppen. Im Zweiten Weltkrieg besetzten 1941 Truppen des <a href=\"https:\/\/www.viqueria.com\/occupazione-fascista-jugoslavia-brava-gente\/\">faschistischen Italiens Slowenien<\/a> und den verb\u00fcndeten kroatischen faschistischen Ustascha-Staat.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Zehntausende Slowenen und Kroaten wurden deportiert, viele ermordet. In Gefangenenlagern. In acht Lagern wurden mehr als 20.000 Insassen zusammengepfercht, mussten Internierte ihre ethnische und kulturelle Identit\u00e4t ablegen und durften ihre Sprachen und Namen nicht mehr verwenden.<\/p>\n<p>In einem Gefangenenlager in Blumau wurden zwischen 1941 und 1943 auf dem Gel\u00e4nde einer ehemaligen Bierbrauerei 3.000 slowenische, kroatische, serbische, bosnische und montenegrinische Widerstandsk\u00e4mpfer schikaniert und gefoltert. Diesen Opfern widmete G\u00fcnther Rauch mit <em><a href=\"https:\/\/suedtirol-info.at\/die-verschwiegenen-konzentrationslager-italiens\/?print=print\">Italiens vergessenes Konzentrationslager Campo d&#8217;Isarco 1941-1943<\/a> <\/em>ein \u00bbDenkmal\u00ab.<\/p>\n<p>Als Rache f\u00fcr dieser Unterdr\u00fcckung ver\u00fcbten die Tito-Kommunisten ab 1943 die <em>Foibe<\/em>-Massaker. Die kommunistische Volksbefreiungsarmee ging gegen die alteingesessene italienischsprachige Bev\u00f6lkerung Istriens vor. Diese Italiener sind Nachfahren ehemaliger venezianische Siedler.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungsweise 5.000 Kinder, Frauen und M\u00e4nner wurden von den Tito-Kommunisten ermordet, andere Quelle sprechen sogar von bis zu 11.000 Opfern. Nach ihrer T\u00f6tung wurden die Leichen in den Karsth\u00f6hlen \u00bbentsorgt\u00ab. Noch w\u00e4hrend des Krieges gr\u00fcndeten <a href=\"https:\/\/it.wikipedia.org\/wiki\/Unione_Italiana\">italienische Antifaschisten<\/a> ihre <em><a href=\"https:\/\/unione-italiana.hr\/\">Unione Italiana.<\/a><\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 1945 wurden die seit 1919 zu Italien geh\u00f6renden Gebiete Istrien und Dalmatien dem neuen Jugoslawien \u00bbangegliedert\u00ab. Die Volksrepublik ging gegen die italienischen Istrier und Dalmatiner sowie gegen die sogenannten Volksdeutschen in Slowenien und im serbischen Banat vor. Mehr als 300.000 italienische Istrier fl\u00fcchteten aus ihrer Heimat. 22.000 dieser \u00bbJugoslawien\u00ab-Italiener verschlug es laut dem <a href=\"https:\/\/www.barfuss.it\/stories\/instrument-der-italienisierung\/\">Historiker Kurt Gritsch<\/a> 1946 auch nach S\u00fcdtirol.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h6>Auch eine \u00bbOption\u00ab<\/h6>\n<p>Im Jahr 1947 durften die noch in Jugoslawien verbliebenen Italienerinnen und Italiener w\u00e4hlen, ob sie bleiben oder nach Italien \u00bbaussiedeln\u00ab wollten. Eine Mehrheit entschied sich zur Auswanderung. Es war ihre \u00bbOption\u00ab. Willkommen waren diese Fl\u00fcchtlinge in Italien keineswegs. Die anglo-amerikanischen Befreier Italiens vom Faschismus akzeptierten die ethnische S\u00e4uberung Istriens und Dalmatiens, versuchten aber f\u00fcr die multikulturelle Hafenstadt Triest eine kreative L\u00f6sung zu finden: Den <a href=\"https:\/\/triestelibera.one\/home\/english\/the-free-territory-of-trieste\">Freistaat Triest<\/a>, der bis 1954 bestand. Letztendlich verblieben Triest und sein n\u00f6rdliches Umland auf dem italienischen Staatsgebiet, der s\u00fcdliche Teil des Triestiner Umlandes wurde jugoslawisch.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h6>Der Schutz<\/h6>\n<p>Das wurde im <em><a href=\"https:\/\/www.istrianet.org\/istria\/history\/1800-present\/ww2\/1954_1005memo-london.htm\">Londoner Memorandum<\/a><\/em> 1954 zwischen den USA, Gro\u00dfbritannien, Italien und Jugoslawien festgelegt. Der UN-Sicherheitsrat nahm dieses Memorandum an, das die slowenische Minderheit in Italien und die Italiener in Jugoslawien unter Schutz stellt. Ein klarer Auftrag an die beiden Vertragsstaaten.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Erst 25 Jahre sp\u00e4ter, im November 1975, einigten sich Italien und Jugoslawien mit dem <em><a href=\"https:\/\/www.regionestoriafvg.eu\/tematiche\/tema\/254\/Trattato-di-Osimo\">Vertrag von Osimo<\/a> <\/em>auf die im Memorandum bereits festgelegte Grenzziehung. In der Zeit zwischen <em>Londoner Memorandum <\/em>und <em>Vertrag von Osimo<\/em> forderte die slowenische Minderheit in der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien ein, wenn auch d\u00fcrftiges, Minderheitenschutzsystem ein. \u00c4hnliches gelang auch den in Jugoslawien verbliebenen Italienern.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h6>Slowenien<\/h6>\n<p>Nach einem zehnt\u00e4gigen Krieg l\u00f6ste sich Slowenien 1991 von Jugoslawien. Der junge Staat, seit 2004 Mitglied der EU, hat f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.koper.si\/it\/capodistria\/la-comunita-nazionale-italiana\/\">5.000 Angeh\u00f6rigen der italienischen Minderheit in sieben Gemeinden zahlreiche Rechte festgeschrieben<\/a>, darunter Italienisch als Amts- und Unterrichtssprache sowie kommunale Selbstverwaltung.<\/p>\n<p>Die <em>Unione Italiana<\/em> genie\u00dft als Dachorganisation in diesen Gemeinden ein garantiertes Mitspracherecht. Slowenien baute auch das \u00f6ffentliche italienischsprachige Radio- und TV-Angebot gro\u00dfz\u00fcgig aus. Die Italiener in Slowenien stehen mit ihren Landsleuten im benachbarten Kroatien \u00fcber die <em>Unione Italiana<\/em> in enger Verbindung.<\/p>\n<p>In der aktuellen Diskussion um die Regionalisierung in Slowenien dr\u00e4ngt die italienische Minderheit auf die Bildung einer autonomen istrischen Provinz, die aus diesen sieben Gemeinden bestehen soll. Ihr Vorbild liegt in Kroatien.<\/p>\n<h6>Kroatien<\/h6>\n<p>In der Republik Kroatien leben mehr als 30.000 Italienischsprachige, meist in Istrien aber auch in Rijeka\/Fiume, Dalmatien und im \u00f6stlichen Teil des Landes. <a href=\"https:\/\/www.istra-istria.hr\/en\/region-of-istria\/home\/\">Istrien ist eine seit 1994 zweisprachig erkl\u00e4rte Region<\/a>, in der aber weitere Sprachgruppen leben: neben Kroatisch und Italienisch gibt es dort auch \u00bbVenezianisch\u00ab sowie <a href=\"https:\/\/eeo.aau.at\/wwwg.uni-klu.ac.at\/eeo\/Istriotisch.pdf\">Istriotisch<\/a> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Istriotische_Sprache\">Istro-Romanisch<\/a>) sprechende Kroaten.<br \/>\nLaut einer \u2014 m\u00f6glicherweise \u00fcberholten \u2014&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.balcanicaucaso.org\/aree\/Croazia\/La-questione-del-bilinguismo-in-Istria-e-i-rapporti-con-la-Croazia-18840\">Studie<\/a> (1996) der Universit\u00e4t Rijeka f\u00fchlen sich sieben Prozent der \u00fcber 200.000 Istrier als ethnische Italiener, die H\u00e4lfte als kroatisch und 20 Prozent als istrisch oder kroatisch-istrisch. Die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung versteht und spricht Italienisch.<\/p>\n<p>Die Istrier w\u00e4hlen ihre Regionalversammlung und ihre Regionalregierung. Das <a href=\"https:\/\/www.istra-istria.hr\/media\/filer_public\/f7\/55\/f755abcf-5bd4-44c6-b6c6-c21d07a6b3ae\/210712_statut_iz_procisceno_dvojezicno.pdf\">Autonomiestatut von 1994<\/a> sieht das Kroatische und das Italienische regional als gleichwertige Amtssprachen vor. Rechte kroatische Parteien wettern jedoch immer wieder gegen eine angebliche \u00bbReitalianisierung\u00ab Istriens.<\/p>\n<p>Die Region verf\u00fcgt \u00fcber eigene Steuereinnahmen, der Vizepr\u00e4sident muss stets der italienischen Sprachgruppe angeh\u00f6ren. Ein Ausschuss der Regionalversammlung befasst sich mit dem Schutz der italienischen Minderheit und die Region bekennt sich zur F\u00f6rderung der ethnischen und kulturellen Besonderheiten Istriens.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h6>Istriens Autonomie<\/h6>\n<p>Die autonome Region Istrien ist in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umweltschutz, Mobilit\u00e4t und wirtschaftliche Entwicklung zust\u00e4ndig. Sie betreibt \u00fcber ihre regionale Au\u00dfenpolitik eine grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit mit dem n\u00f6rdlichen, slowenischen Istrien und mit der autonomen italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Fernziel ist die gemeinsame Gr\u00fcndung der \u00bbEuregio Istrien\u00ab.<\/p>\n<p>Istrien hofft dar\u00fcber hinaus auf das Zustandekommen des Projektes Europaregion <em><a href=\"https:\/\/euregio-senzaconfini.eu\/de\/evtz-wo-sind-wir\/\">Senza Confini<\/a>,<\/em> das in Italien von Venetien und Friaul-Julisch Venetien sowie vom \u00f6sterreichischen Bundesland K\u00e4rnten vorangetrieben wird.<\/p>\n<p>St\u00e4rkste politische Kraft in Istriens Regionalversammlung ist seit ihrer Gr\u00fcndung die interethnische Liste <em><a href=\"https:\/\/ids-ddi.com\/\">Dieta democratica istriana.<\/a><\/em> Italienische Istrier z\u00e4hlen zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern dieser linksliberalen politischen Kraft. Mit ihrer <em><a href=\"https:\/\/ids-ddi.com\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/rovinjske_deklaracije.pdf\">Erkl\u00e4rung von Rovinj<\/a> <\/em>fordert die <em>Dieta<\/em> seit 1994 die Demokratisierung und die Regionalisierung Kroatiens und damit eine vollst\u00e4ndige politische, administrative und sprachliche Territorialautonomie f\u00fcr Istrien.<\/p>\n<h6>Die Reaktion Italiens<\/h6>\n<p>In Italien interessierte und k\u00fcmmerte sich lange Zeit nur der neofaschistische <abbr title=\"Movimento Sociale Italiano\">MSI<\/abbr> um die \u00bbitalienischen\u00ab Belange in Istrien und Dalmatien und um die ehemals nach Italien gefl\u00fcchteten Istrier. Alle anderen italienischen Parteien \u00fcberlie\u00dfen sie und ihre Nachfahren, die mittlerweile in den Regionen Friaul-Julisch Venetien und Venetien leben, den Rechten.<\/p>\n<p>Im Jahr 1992 wurde das italienische Staatsb\u00fcrgerschaftsgesetz reformiert: Erleichterung der Einb\u00fcrgerung von Migrant:innen und die Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr Auslandsitaliener. Daf\u00fcr gab es auch Applaus unter den Angeh\u00f6rigen der italienischen Minderheiten in Slowenien und Kroatien.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Im Jahr 2000 folgte ein Gesetz, das die italienische Staatsb\u00fcrgerschaft explizit auch f\u00fcr jene Bewohner:innen vorsah, die in den ehemaligen Habsburger Gebieten lebten, wie Istrien und Dalmatien, mittlerweile Teile Sloweniens und Kroatiens. Diese Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft ist f\u00fcr die <em>Unione Italiana<\/em> ein zus\u00e4tzlicher Schutz.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Viele Bewohner:innen von Istrien und Dalmatien entdeckten nun pl\u00f6tzlich ihre italienischen Wurzeln, ein Run auf den italienischen Pass war die Folge.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Dieser italienische Vorsto\u00df sorgte aber auch f\u00fcr Kritik: Die negativen Reaktionen in Ljubljana und in Zagreb \u00e4hnelten frappierend dem Widerstand der italienischen Parteien und auch der <em>Gr\u00fcnen<\/em> gegen den \u00f6sterreichischen Pass f\u00fcr interessierte S\u00fcdtirolerinnen und S\u00fcdtiroler. Die kroatische Regierung lie\u00df die Republik Italien wissen, Istrien, Primorska und Dalmatien seien untrennbare Teile der Republik Kroatien. Und auch aus Slowenien kamen negative Stimmen.<\/p>\n<p>Die zweite, 2001 bis 2005 amtierende Regierung Berlusconi scherte sich wenig um die slowenisch-kroatische Kritik und erkl\u00e4rte 2004 auf Druck der MSI-Nachfolgepartei <em>Alleanza Nazionale<\/em> den 10. Februar zum <a href=\"https:\/\/presidenza.governo.it\/USG\/GiornoRicordo\/index.html\">Tag des Gedenkens<\/a> an die Opfer der <em>Foibe.<\/em><\/p>\n<p>Am Tag des Gedenkens vom 10. Februar 2019 sorgte Antonio Tajani, ehemals Pr\u00e4sident des Europaparlaments und seit Herbst 2022 Au\u00dfenminister in der rechtsrechten Regierung von Giorgia Meloni (<abbr title=\"Fratelli d\u2019Italia\">FdI<\/abbr>), in <a href=\"https:\/\/www.gluseum.com\/IT\/Triest\/1375764062752745\/Centro-di-documentazione---Foiba-di-Basovizza\">Basovizza\/Basoviza\/Bazovica<\/a>&nbsp;nord\u00f6stlich von Triest\/Trst f\u00fcr Aufregung. Er provozierte Slowenien und Kroatien mit dem Aufruf <a href=\"https:\/\/www.repubblica.it\/esteri\/2019\/02\/11\/news\/tajani_foibe_slovenia_croazia_dalmazia_croazia_italiane-218882551\/\">\u00bbviva l&#8217;Istria e la Dalmazia italiana\u00ab<\/a>, beide interpretierten den Sager als italienischen Anspruch auf slowenisches und kroatisches Territorium.<\/p>\n<p>Aber nicht weniger nationalistisch sind auch die slowenischen und kroatischen Reaktionen. Den D\u00f6rfern und St\u00e4dten an der istrischen K\u00fcste und Ragusa\/Dubrovnik in Dalmatien kann niemand die venezianische Herkunft absprechen. Steinerne Zeitzeugen der untergegangenen venezianischen Republik.<\/p>\n<h6>Heucheln um den Doppelpass<\/h6>\n<p>Eine interessante Parallele: W\u00e4hrend nicht nur die italienische Rechte ab 2020 gegen einen <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000069222889\/doppelpass-fuer-suedtiroler-experten-sehen-zahlreiche-probleme\">Doppelpass f\u00fcr S\u00fcdtiroler:innen<\/a> Sturm lief, gew\u00e4hrte also der italienische Staat seinen Volksgruppen in Slowenien und in Kroatien die Staatsb\u00fcrgerschaft.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Der Einsatz der italienischen Regierung zugunsten der \u00bbverlorenen Mitb\u00fcrger:innen\u00ab in den ehemaligen italienischen Ostgebieten wurde auch in S\u00fcdtirol zur Kenntnis genommen. Die <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> und das rechte Lager setzten das Thema 2009 auf die politische Agenda: Die italienischen Staatsb\u00fcrger deutscher und ladinischer Muttersprache sowie alteingesessene Italiener sollten ebenfalls das Anrecht auf eine Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft von \u00d6sterreich erhalten, von dem S\u00fcdtirol 1919 getrennt worden war.<\/p>\n<p>Im Jahr 2010 suchte die Landesregierung das Gespr\u00e4ch mit \u00d6sterreich. Und die \u00f6sterreichische Regierung lie\u00df daraufhin eine Expertise erstellen: Der Weg liefe \u00fcber die \u00c4nderung des \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaftsgesetzes. Die <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000071093850\/doppelpass-fuer-suedtiroler-fortschritt-oder-rueckschritt-fuer-autonomie-und-minderheitenschutz\">t\u00fcrkis-blaue Regierung unter Sebastian Kurz (2017\/2021)<\/a> nahm dieses Vorhaben in ihr Programm auf. Um das tirolpatriotische Anliegen zu kaschieren, sollten auch ehemalige Bewohner:innen des Habsburger Reiches in den Genuss der \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft kommen \u2014 sowie die <a href=\"https:\/\/www.bmeia.gv.at\/oeb-athen\/service-fuer-buergerinnen\/staatsbuergerschaft-fuer-verfolgte-und-deren-direkte-nachkommen\/\">Nachfahren j\u00fcdischer \u00d6sterreicher:innen.<\/a><\/p>\n<p>Mit dem Scheitern von Bundeskanzler Kurz wurde die Angelegenheit jedoch auf die lange Bank geschoben. Italien hatte mehrfach interveniert und \u00d6sterreich aufgefordert, von diesem Anliegen Abstand zu nehmen. Auch mit dem Hinweis, die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5711079\/die-mehrheit-der-suedtiroler-will-keinen-oesterreichischen-pass\">Mehrheit der S\u00fcdtiroler:innen wolle den \u00f6sterreichischen Pass gar nicht.<\/a><\/p>\n<p>Gespannt soll Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni den vierw\u00f6chigen Versuch des <abbr title=\"Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs\">FP\u00d6<\/abbr>-Chefs Herbert Kickl verfolgt haben, eine rechtskonservative Regierung zu bilden. Gespannt, ob die <em>Freiheitlichen<\/em> den Doppelpass f\u00fcr S\u00fcdtiroler in das Regierungsprogramm festschreiben w\u00fcrden. Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) sprach sich auf der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/WxKeEuWdPEA\">Landtagssitzung<\/a> (11. Februar, eine Stunde und 20 Minuten) vorbeugend strikt und konsequent dagegen aus. Vorauseilender Gehorsam oder vorsichtige Strategie?<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Was w\u00e4re passiert, h\u00e4tte Kickl als Bundeskanzler den Pass f\u00fcr S\u00fcdtiroler ins Regierungsprogramm aufgenommen? Meloni h\u00e4tte wohl die Autonomieverhandlungen mit Landeshauptmann Kompatscher abgebrochen.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>In Istrien ticken die Uhren anders als in S\u00fcdtirol.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tausende italienische Bozner, Leiferer und Meraner stammen aus den einstigen italienischen \u00bbOstgebieten\u00ab im ehemaligen Jugoslawien. 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