{"id":9129,"date":"2011-10-11T15:56:31","date_gmt":"2011-10-11T13:56:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9129"},"modified":"2024-12-07T22:27:32","modified_gmt":"2024-12-07T21:27:32","slug":"der-proporz-die-grunen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9129","title":{"rendered":"Der Proporz (&#038; die Gr\u00fcnen)."},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Gr\u00fcnen<\/em> rufen mittlerweile offen zum Boykott der Sprachgruppenerhebung im Zuge der Volksz\u00e4hlung auf. Begr\u00fcndet wird dies mit der Ablehnung des Proporzes und dem Fehlen von \u201cSprachkategorien\u201d die der sprachlichen Vielfalt S\u00fcdtirols gerecht werden.<\/p>\n<p>Die von den <em>Gr\u00fcnen<\/em> angesprochenen Themen sind eng mit der weiteren Entwicklung S\u00fcdtirols verkn\u00fcpft. Nicht zuf\u00e4llig beinhaltet das <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> Manifest als zentrale Kernpunkte ein <em>staatlich unabh\u00e4ngiges<\/em> S\u00fcdtirol, das den Proporz im heutigen Sinne nicht mehr notwendig hat und wo eine vielfach nach ethnischen Trennlinien organisierte Gesellschaft einer gemeinsamen, postethnischen und mehrsprachigen S\u00fcdtiroler Identit\u00e4t Platz machen kann.<\/p>\n<p>Will man dieses Ziel behutsam und ohne Kollateralschaden erreichen, sind die Rahmenbedingungen entscheidend. Hier unterscheiden sich das <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> Manifest und die Positionen der <em>Gr\u00fcnen<\/em> diametral. Letztere m\u00f6chten den Proporz und die Sprachgruppenerhebung unter dem derzeitigen <em>Status Quo<\/em> (Verbleib bei Italien und mehr oder weniger die heutige Teilautonomie) streichen. Obwohl sich die <em>Gr\u00fcnen<\/em> als Autonomiepartei bezeichnen, sehen sie die Weiterentwicklung S\u00fcdtirols in erster Linie in der Aufweichung heutiger Autonomienormen, ohne jemals einen nennenswerten aktiven Beitrag zur Erweiterung der Autonomie geleistet zu haben. Meist stehen die <em>Gr\u00fcnen<\/em> neuen Kompetenzen gar ablehnend gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Das <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> Manifest geht davon aus, dass erst ein tats\u00e4chlich gesch\u00fctzter Rahmen, eben die staatliche Unabh\u00e4ngigkeit, die Voraussetzungen schafft, das Verh\u00e4ltnis zwischen den Sprachgruppen nachhaltig auf eine neue Ebene zu stellen und eine mehrsprachige Gesellschaft mit einer gemeinsamen Identit\u00e4t und einem gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein f\u00fcr die Region, die sich alle in S\u00fcdtirol lebenden Menschen teilen, zu entwickeln. Erst der Status der staatlichen Unabh\u00e4ngigkeit unterbindet den derzeitigen Teufelskreis der \u201cnationalstaatlichen Eigendynamik\u201d, gegen die die derzeitige Teilautonomie in wesentlichen Bereichen viel zu schwach ist, und erm\u00f6glicht es den beiden in S\u00fcdtirol lebenden sprachlichen Minderheiten, der ladinischen und deutschen Volksgruppe, nicht mehr krampfhaft anders sein zu m\u00fcssen, wie das \u201cStaatsvolk, da ansonsten selbstverst\u00e4ndlich sofort die Autonomie als Gesamtheit in Frage gestellt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die v\u00f6llige Blindheit der <em>Gr\u00fcnen<\/em> gegen\u00fcber dem Ph\u00e4nomen der nationalstaatlichen Eigendynamik ist ebenso charakteristisch wie eine sehr selektive Wahrnehmung von Gef\u00fchlslagen verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen. W\u00e4hrend es f\u00fcr die <em>Gr\u00fcnen<\/em> ein Problem darstellt, wenn Eltern eines 14-j\u00e4hrigen Jugendlichen \u00fcber dessen Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeit entscheiden m\u00fcssen oder einige, perfekt zweisprachig sozialisierte Menschen, sich schwer tun, sich einer Sprachgruppe zuzuordnen, ist es f\u00fcr die <em>Gr\u00fcnen<\/em> kein Problem, wenn durch den heutigen status quo auch ganz andere Gef\u00fchlslagen verletzt werden. So sind die <em>Gr\u00fcnen<\/em> v\u00f6llig unsensibel, dass beispielsweise eine Zwangsbeteiligung an den 150-Jahr Feiern zur Einheit Italiens f\u00fcr viele deutsch- und ladinischsprachigen S\u00fcdtiroler\/innen eine Verletzung dargestellt h\u00e4tte. Ebenso ist es f\u00fcr die <em>Gr\u00fcnen<\/em> keine Verletzung der Identit\u00e4t, wenn deutsch- und ladinischsprachige S\u00fcdtiroler\/innen bei jedem noch so l\u00e4cherlichen Dokument, oder bei jeder noch so banalen Internetbestellung, um die Nationalit\u00e4t \u201cItalien\u201d nicht herumkommen, oder sich als Italiener deklarieren m\u00fcssen. Bei jedem Hotel Check-In z\u00e4hlt letztendlich der italienische Reisepass und sind wir uns ehrlich \u2013 w\u00fcrden alle S\u00fcdtiroler\/innen dem Sprachzugeh\u00f6rigkeits-Boykott der <em>Gr\u00fcnen<\/em> folgen, w\u00fcrde es in wenigen Jahrzehnten aufgrund der nationalstaatlichen Logik f\u00fcr den nicht ganz ortskundigen Beobachter aufgrund mangelhafter Datenlage hei\u00dfen, die S\u00fcdtiroler\/innen sprechen mehrheitlich Italienisch. Einige sprechen auch Deutsch und Ladinisch.<\/p>\n<p>Die Zielsetzungen m\u00f6gen zwar identisch sein \u2013 trotzdem f\u00fchren die beiden L\u00f6sungen zu einer v\u00f6llig unterschiedlichen Risikosituation. Der von den <em>Gr\u00fcnen<\/em> verfolgte Weg nimmt immer wieder willentlich in Kauf, dass sich die nationalstaatliche Logik in S\u00fcdtirol in verschiedenen Bereichen weiter verst\u00e4rkt. Das <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> Manifest hat erkannt, dass erst eine grundlegende \u00c4nderung der Rahmenbedingungen (Eigenstaatlichkeit versus Zugeh\u00f6rigkeit zu Italien) den gordischen Knoten, der nach ethnischen Trennlinien organisierten Gesellschaft, nachhaltig l\u00f6sen kann.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnen rufen mittlerweile offen zum Boykott der Sprachgruppenerhebung im Zuge der Volksz\u00e4hlung auf. Begr\u00fcndet wird dies mit der Ablehnung des Proporzes und dem Fehlen von \u201cSprachkategorien\u201d die der sprachlichen Vielfalt S\u00fcdtirols gerecht werden. Die von den Gr\u00fcnen angesprochenen Themen sind eng mit der weiteren Entwicklung S\u00fcdtirols verkn\u00fcpft. 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