{"id":92826,"date":"2025-06-17T11:23:57","date_gmt":"2025-06-17T09:23:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=92826"},"modified":"2026-01-07T18:33:10","modified_gmt":"2026-01-07T17:33:10","slug":"cymru-diskussion-uber-unabhangigkeit-erwunscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=92826","title":{"rendered":"Cymru: Diskussion \u00fcber Unabh\u00e4ngigkeit erw\u00fcnscht."},"content":{"rendered":"<p>In Cymru (<abbr title=\"also known as\">aka<\/abbr> Wales) kann und soll offen \u00fcber die m\u00f6glichen Zukunftsszenarien \u2014 einschlie\u00dflich Eigenstaatlichkeit \u2014 diskutiert werden. Hierzu rief die nicht separatistische <em>Labour<\/em>-Regierung des Landes vor einigen Jahren die <em>Unabh\u00e4ngige Kommission \u00fcber die konstitutionelle Zukunft von Cymru<\/em> ins Leben, die 2024 ihren <a title=\"Schlussbericht.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/cymru-comisiwn-eng.pdf\">Schlussbericht<\/a> ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Rund 18 Monate lang hatte sie zuvor das Ohr an die walisische Bev\u00f6lkerung gelegt, um herauszufinden, wie man die Demokratie st\u00e4rken und die Autonomie von Cymru festigen und ausbauen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Insbesondere wurden f\u00fcr die Zukunft von Cymru <strong>drei unterschiedliche Szenarien<\/strong> untersucht:<\/p>\n<ul>\n<li>Autonomieausbau;<\/li>\n<li>Cymru als Teil eines f\u00f6deralen Vereinigten K\u00f6nigreichs oder<\/li>\n<li>die Gr\u00fcndung eines unabh\u00e4ngigen Staates.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ausdr\u00fccklich wurde in dem Schlussbericht festgehalten, dass <strong>alle drei Szenarien tragf\u00e4hig<\/strong> w\u00e4ren. Es wurde bewusst nicht bewertet, welches die bessere Option w\u00e4re, sondern eine m\u00f6glichst objektive Analyse durchgef\u00fchrt, damit die Bev\u00f6lkerung die Chance hat, selbst zu entscheiden, welchen Weg sie f\u00fcr ihr Land bevorzugt.<\/p>\n<p>Jeder der drei Wege weise St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, Risiken und Chancen auf, so die Kommission. Welche L\u00f6sung man w\u00e4hlt, h\u00e4nge haupts\u00e4chlich davon ab, wie man die unterschiedlichen Entscheidungskriterien gewichte und welche Risiken man f\u00fcr die Chancen, die die einzelnen Optionen bieten, einzugehen bereit sei. Dabei handle es sich um eine Aufgabe, die den politischen Parteien und letztendlich den B\u00fcrgerinnen obliege.<\/p>\n<p>Es sei jedoch von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit, <strong>offen und konstruktiv \u00fcber die unterschiedlichen Zukunftsszenarien zu diskuteren<\/strong>, da die \u00f6ffentliche Debatte ohne informierte Diskussion viel st\u00e4rker zur <strong>Polarisierung<\/strong> tendieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Erkenntnisse im Austausch mit der Bev\u00f6lkerung sei gewesen, dass viele Menschen das Gef\u00fchl h\u00e4tten, <strong>keinerlei Einfluss auf die Regierungspolitik<\/strong> zu haben. Die Mehrzahl verstehe nicht, wie das Land verwaltet wird und wer wof\u00fcr verantwortlich ist. Daraus ergebe sich ein <strong>Gef\u00fchl der Machtlosigkeit<\/strong>. F\u00fcr Bef\u00fcrworterinnen der Union, der Unabh\u00e4ngigkeit und anderer Zukunftsvisionen sei es aber wichtig, dass ihre Vorschl\u00e4ge geh\u00f6rt, diskutiert und gepr\u00fcft werden k\u00f6nnen. So komme man <strong>von Slogans weg<\/strong> und hin zu einer Besch\u00e4ftigung mit der besten Zukunftoption f\u00fcr Cymru.<\/p>\n<p>Keine Option sei hingegen die Beibehaltung des Istzustandes, so die Kommission, da die autonomen Befugnisse nach derzeitiger Regelung jederzeit ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnten, <strong>ohne die Bev\u00f6lkerung in die Entscheidungen einzubinden.<\/strong> Wie in S\u00fcdtirol.<\/p>\n<h6>\u00bbNationale Konversation\u00ab<\/h6>\n<p>Um zu ihren Erkenntnissen zu gelangen, hat die Kommission eine sogenannte \u00bbnationale Konversation\u00ab mit den B\u00fcrgerinnen von Cymru gestartet. Dazu wurde eine Online-Umfrage durchgef\u00fchrt und die M\u00f6glichkeit geschaffen, Anregungen und Vorschl\u00e4ge via E-Mail und per Post einzusenden oder als Video- und Audionachricht hochzuladen.&nbsp;<\/p>\n<p>Neben formalen Texten, die f\u00fcr manche eine hohe H\u00fcrde darstellen k\u00f6nnen, wurde es erm\u00f6glicht, Gedichte, Rap, Musik, kreative Texte oder Fotos einzureichen.<\/p>\n<p>Nachdem jedoch zum Ausdruck gekommen war, dass viele, die eigentlich mitdiskutieren wollten, das Gef\u00fchl hatten, zu wenig informiert zu sein, wurde eigens eine Beteiligungsplattform mit Informationen, Blogs, Kommentar- und Chatfunktionen eingerichtet.<\/p>\n<p>Um auch diejenigen einzubeziehen, die aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht selbst aktiv werden wollten, denen strukturelle Barrieren (Sprache, Bildung, Technologie, Beeintr\u00e4chtigung) eine Teilnahme erschweren oder die der Ansicht sind, man w\u00fcrde sich f\u00fcr ihre Meinung ohnehin nicht interessieren, wurden die Menschen in einem weiteren Schritt auch vor Ort aufgesucht und proaktiv eingebunden: in Einkaufszentren, bei Festen und Festivals, auf den Stra\u00dfen und in den B\u00fcrgerzentren.<\/p>\n<p>Ferner wurden unterschiedlichste Vertretungen \u2014 wie die der Geh\u00f6rlosen, der Blinden, von Roma und Sinti sowie der Fahrenden \u2014 kontaktiert und um ihre Ansichten gefragt.<\/p>\n<p>Die aus der \u00bbnationalen Konversation\u00ab hervorgegangenen Einsichten wurden dann noch um quantitative und qualitative Daten \u00fcber die Ansichten und W\u00fcnsche der Bev\u00f6lkerung erg\u00e4nzt: Es wurden acht <strong>deliberative B\u00fcrgerr\u00e4te<\/strong> mit je 16 Mitgliedern organisiert, die nach Alter, Geschlecht, politischen Ansichten, sozio\u00f6konomischem Hintergrund, Stadt\/Land, Beeintr\u00e4chtigung, Sprache, LGBTQ+, Lebenslage, Ethnizit\u00e4t, Interesse an der Materie und Wissen gewichtet wurden und f\u00fcr alle geografischen Regionen von Cymru repr\u00e4sentativ waren. Dabei wurde auch erhoben, inwiefern sich die jeweiligen Ansichten durch die Diskussion mit den anderen Teilnehmenden und den Austausch von Informationen ver\u00e4ndert hatten. Nicht zuletzt wurde eine <strong>repr\u00e4sentative Telefon- und Onlineumfrage<\/strong> mit 1.596 Teilnehmenden durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine bedeutende Erkenntnis war, dass viele B\u00fcrgerinnen zwar an Verfassungsreformen interessiert seien, dieses Interesse aber oft nicht direkt zum Ausdruck br\u00e4chten. Dies \u00e4u\u00dfere sich darin, dass eher \u00fcber unmittelbare Priorit\u00e4ten als \u00fcber abstrakte Reformen gesprochen werde, obwohl das eine das andere mit einschlie\u00dfe und bedinge. Speziell aus den B\u00fcrgerr\u00e4ten sei jedoch klar hervorgegangen, dass es ein Fehler w\u00e4re, dies als mangelndes Interesse an grundlegenden Reformen zu interpretieren. Den Menschen ist aber wichtig, was das jeweilige Szenario f\u00fcr sie bedeutet.<\/p>\n<p>Hierzulande war der <strong>S\u00fcdtirolkonvent<\/strong> ein <em>Setting<\/em>, das sich f\u00fcr eine \u00e4hnlich ergebnisoffene Diskussion geeignet h\u00e4tte. Leider war dies nicht in vollem Umfang m\u00f6glich, da vor allem eine Besch\u00e4ftigung mit der Autonomie erw\u00fcnscht war und f\u00fcr andere Szenarien regelm\u00e4\u00dfig Barrieren aufgebaut (<a title=\"Ricatti e confini.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29632\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Palermo kann auch ohne.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26699\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Gr\u00fcnethnie.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36561\"><code>03<\/code><\/a>), ja sogar <a title=\"K33: Violentissima presa di posizione.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=31705\">schwerste Drohungen ausgesprochen<\/a> wurden.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Unbequeme Forderungen in einer reifen Demokratie.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=80552\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"\u203aDas macht doch die Demokratie aus!\u2039\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=78768\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Politische Assoziationsfreiheit \u2014 ein Grundrecht.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=44743\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"L\u2019autodeterminazione giustifica la societ\u00e0 democratica.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86506\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Rigurgiti estremisti.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36248\"><code>05<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">|<\/span> <a title=\"Weiche regionale Au\u00dfenpolitik.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=70201\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Ambitionierte Sprachpolitik in Cymru.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=88854\"><code>07<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Un fenomeno illegittimo che diventa legittimo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=94459\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> &#x1f3f4;&#xe0067;&#xe0062;&#xe0077;&#xe006c;&#xe0073;&#xe007f;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Cymru (aka Wales) kann und soll offen \u00fcber die m\u00f6glichen Zukunftsszenarien \u2014 einschlie\u00dflich Eigenstaatlichkeit \u2014 diskutiert werden. 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