{"id":93151,"date":"2025-07-03T13:26:08","date_gmt":"2025-07-03T11:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93151"},"modified":"2025-07-07T17:49:16","modified_gmt":"2025-07-07T15:49:16","slug":"sollen-schutzhutten-umbenannt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93151","title":{"rendered":"Sollen jetzt Schutzh\u00fctten umbenannt werden?"},"content":{"rendered":"<p>Ein im Magazin des <em>Alpenvereins S\u00fcdtirol<\/em> (AVS), <em>Berge erleben,<\/em> vom Juni (<a title=\"Berge erleben Juni 2025.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bergeerleben-02-2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausgabe 2\/2025<\/a>) auf Seite 58f. erschienener Kommentar von AVS-Vizepr\u00e4sidentin Ingrid Beikircher hat hohe Wellen geschlagen. Sie regt darin eine Umbenennung zahlreicher Schutzh\u00fctten im Lande an, deren heutige Namen keinen direkten Bezug zu S\u00fcdtirol bzw. zu ihrer unmittelbaren Umgebung haben. Dabei handelt es sich nicht um H\u00fctten des AVS, sondern um H\u00e4user des Landes S\u00fcdtirol, des <em>Club Alpino Italiano<\/em> (CAI) und um private Schutzh\u00e4user, denn die des AVS tragen schon alle einen Namen mit Ortsbezug, wie auch eine Karte auf S. 16f. des Magazins veranschaulicht.<\/p>\n<p>In dem Beitrag wird unterstrichen, dass es bereits Kontakte zwischen dem AVS und dem CAI in dieser Angelegenheit gegeben habe und somit suggeriert, dass den Umbenennungen nur noch wenig im Wege steht.<\/p>\n<p>Woher kommt der Vorschlag und wie wird er begr\u00fcndet? Direkt im Untertitel des Kommentars von Ingrid Beikircher wird auf die uneinheitliche Benennung in deutscher und italienischer Sprache (am Beispiel <em>Kasseler H\u00fctte \/ Rifugio Roma)<\/em> hingewiesen. Zudem werden Marketing- und Sicherheitsargumente angef\u00fchrt, die ich pers\u00f6nlich f\u00fcr etwas unpassend bzw. weit hergeholt einstufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sonst ist der AVS ja auch gegen eine immer st\u00e4rkere Vermarktung der Berge, und dass es leichter sei, sich eine <em>Hochgall-<\/em> als eine <em>Kasseler H\u00fctte<\/em> zu merken, finde ich nicht schl\u00fcssig.<\/p>\n<p>In dem Beitrag wird klar, dass es haupts\u00e4chlich um Schutzh\u00fctten geht, die nach deutschen oder ehemals deutschen St\u00e4dten benannt sind. In fast all diesen F\u00e4llen gehen die Bezeichnungen darauf zur\u00fcck, dass es die Sektionen dieser St\u00e4dte im <em>Deutschen und \u00d6sterreichischen Alpenverein<\/em> (D\u00d6AV) waren, die die H\u00fctten urspr\u00fcnglich erbaut haben.<\/p>\n<p>Nach der Annexion unseres Landes durch Italien wurden alle H\u00fctten des D\u00d6AV von den Faschisten enteignet, der Verein verboten. Nat\u00fcrlich durften die H\u00fctten, die meist irgendwelchen CAI-Sektionen in Italien zugewiesen wurden, auch nicht mehr ihren urspr\u00fcnglichen Namen tragen. So benannte die r\u00f6mische CAI-Sektion das ihr zugeteilte Raubgut in <em>Rifugio Vedrette Giganti<\/em> und dann in <em>Rifugio Roma<\/em> um.<\/p>\n<p>Wollte man einfach nur mit dem Chaos zwischen deutschen und italienischen Bezeichnungen aufr\u00e4umen, was wohl ein Hauptanliegen sein d\u00fcrfte, k\u00f6nnte man auch fordern, die Kolonialbezeichnungen \u2014 die mit dem ausdr\u00fccklichen Zweck der Assimilierung und Entnationalisierung eingef\u00fchrt worden waren \u2014 wieder zur\u00fcckzunehmen und die historisch gewachsenen Namen beizubehalten.<\/p>\n<p>Dass heute meist kein unmittelbarer Bezug mehr zwischen den DAV- und \u00d6AV-Sektionen und den nach ihnen benannten H\u00fctten besteht, wie Frau Beikircher zu bedenken gibt, geht auf den gewaltsamen Akt eines totalit\u00e4ren Regimes zur\u00fcck. Die geforderten Umbenennungen <em>damit<\/em> zu begr\u00fcnden, w\u00e4re eine nachtr\u00e4gliche symbolische Legitimierung eines Unrechts.<\/p>\n<p>Ich unterstelle aber \u2014 nicht ohne Indizien daf\u00fcr zu haben \u2014, dass der Vorschlag, die urspr\u00fcnglichen H\u00fcttenbezeichnungen zu beseitigen, nichts anderes ist als der Weg des geringeren Widerstands: Der italienische Alpinclub CAI ist leider f\u00fcr seine chauvinistischen Positionen und seine mangelnde Einsicht in Bezug auf historisches Unrecht bekannt (vgl. <a title=\"Toponomastica, CAI nuovamente scatenato.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=88437\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Die kolonialen Priorit\u00e4ten von PD und CAI.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=77709\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"CAI: Raubgutr\u00fcckgabe an den AVS.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=92552\"><code>03<\/code><\/a>) und w\u00fcrde einem einseitigen Verzicht auf die Kolonialbezeichnungen bei gleichzeitiger Beibehaltung der bestehenden deutschen Namen kaum zustimmen. Also versucht man beim AVS, dem CAI die Abkehr von faschistischem Unrecht (einschlie\u00dflich h\u00f6chst belasteter Namen <a title=\"Eine Topographie des Grauens.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=63617\">wie dem <em>Rifugio Locatelli)<\/em><\/a> durch die gleichzeitige Abkehr von historisch gewachsenen Bezeichnungen schmackhaft zu machen, die einen Bezug zum \u00fcbrigen deutschen Sprachraum und zur Geschichte vor der Annexion herstellen.<\/p>\n<p>Es lie\u00dfe sich nat\u00fcrlich argumentieren, dass auch die Errichtung von Schutzh\u00fctten durch \u00bblandesfremde\u00ab D\u00d6AV-Sektionen in Tirol \u2014&nbsp; so wie die \u00bbEroberung\u00ab der Alpen durch Bergsteiger aus dem Flachland im Allgemeinen \u2014 etwas in gewissem Ma\u00dfe Koloniales an sich hatte. Und doch w\u00e4re es meiner Meinung nach grundfalsch, dieses den gesamten Alpenraum betreffende Ph\u00e4nomen mit der aggressiven Enteigungs- und Assimilierungspolitik der Faschisten auf eine Stufe zu stellen.<\/p>\n<p>Sich der historisch gewachsenen H\u00fcttenbezeichnungen zu entledigen muss nicht notwendigerweise falsch sein, so man sie als problematisch einstuft. Nach meinem Daf\u00fcrhalten gibt es diesbez\u00fcglich aber keinen Grund f\u00fcr einen S\u00fcdtiroler Alleingang, eher im Gegenteil. Wennschon k\u00f6nnte man eine grenz\u00fcberschreitende Debatte anregen und gegebenenfalls gesamtalpine L\u00f6sungen finden.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der angedachten Neubenennungen beruft sich Frau Beikircher \u00fcbrigens auf das sogenannte <em>Durnwalder-Fitto-Abkommen<\/em> (vgl. <a title=\"Il testo dell\u2019accordo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6228\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"R\u00f6mische Trickserei.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7251\"><code>02<\/code><\/a>), mit dem sich der AVS das (proto-)faschistische Ortsnamenverzeichnis von Ettore Tolomei <a title=\"Geschafft!\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=11852\">hat aufzwingen lassen<\/a>. Demnach w\u00fcrde man Schutzh\u00e4user gerne nach Orten in der unmittelbaren Umgebung benennen und f\u00fcr die \u00bbitalienische\u00ab Bezeichnung ohne jegliche Not faschistische Erfindungen \u00fcbernehmen. Wenn man aber Tolomeis F\u00e4lschungswerk freiwillig sogar auf neue Elemente wie die Schutzh\u00fctten anwendet, legitimiert man auch dieses nachtr\u00e4glich und verleiht ihm zus\u00e4tzliche Sichtbarkeit.<\/p>\n<p>Eine Bezugnahme auf das <em>Durnwalder-Fitto-Abkommen,<\/em> das unter massivem nationalistischem Druck zustandegekommen ist, halte ich sowieso f\u00fcr h\u00f6chst fragw\u00fcrdig. Immerhin h\u00e4tte die \u00dcbereinkunft auch den Verzicht auf einige Erfindungen des sogenannten <em>Prontuario<\/em> vorgesehen, doch dazu kam es nie. Angewandt wird nur der Teil, der eine fl\u00e4chendeckende Reitalianisierung der Berge bewirkt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Perfekte Untertanen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12541\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Ritten: Club degli alpinisti italianizzatori.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=67175\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Repetto: Italianizzare la Dreischusterh\u00fctte.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=68358\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Ricettazione, il CAI dice no.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10699\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Kolonialistische Toponomastik.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=70287\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"Darum kolonial.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=85968\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Die \u00bbeinsprachige\u00ab Zsigmondy.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=50966\"><code>07<\/code><\/a> <a title=\"Ce lo ha insegnato\u2026 lui.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=50981\"><code>08<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Aufarbeitung statt S\u00fcdtirolisierung der H\u00fcttennamen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93178\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"CAI gegen Geschichtsaufarbeitung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93186\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Rifugio Antonio Locatelli e S\u00f6lden-H\u00fctte.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93205\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein im Magazin des Alpenvereins S\u00fcdtirol (AVS), Berge erleben, vom Juni (Ausgabe 2\/2025) auf Seite 58f. erschienener Kommentar von AVS-Vizepr\u00e4sidentin Ingrid Beikircher hat hohe Wellen geschlagen. 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