{"id":95064,"date":"2025-10-04T19:16:09","date_gmt":"2025-10-04T17:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=95064"},"modified":"2026-02-02T08:17:09","modified_gmt":"2026-02-02T07:17:09","slug":"tourismus-funf-milliarden-euro-schwer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=95064","title":{"rendered":"Tourismus f\u00fcnf Milliarden Euro schwer?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>Wenige zweifeln am wirtschaftlichen Gewicht der Tourismusindustrie. Doch der <abbr title=\"Hoteliers- und Gastwirteverband\">HGV<\/abbr> meint, die Bev\u00f6lkerung sch\u00e4tze das zu wenig und rechnet die Tourismuserl\u00f6se hoch.<\/strong><\/p>\n<p>Der HGV hat erstmals eine eigene \u00bbHochrechnung\u00ab vorgelegt, um das wirtschaftliche Gewicht seiner Branche nach Ums\u00e4tzen zu belegen. Weil der Sektor unter Rechtfertigungsdruck stehe, so HGV-Pinzger in den <em>Dolomiten<\/em> (27.\/28. September 2025) und sein Beitrag nicht wahrgenommen werde, m\u00fcsse man Zahlen bringen. R\u00e4tselhaft, warum dann diese <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apologetik\">apologetische<\/a> Studie nur exklusiv dem <em>Athesia<\/em>-Blatt zugeleitet wird. Im \u00dcbrigen gibt es f\u00fcr diesen Zweck auch die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die den Beitrag des Tourismus amtlich und umfassend berechnet. <a href=\"https:\/\/view.officeapps.live.com\/op\/view.aspx?src=https:\/\/assets-eu-01.kc-usercontent.com\/b5376750-8076-01cf-17d2-d343e29778a7\/d4b0533f-fdd9-458a-ae4d-32b575c9012a\/astat%252520data%25252010_2025.xlsx&amp;wdOrigin=BROWSELINK\">Das ASTAT<\/a> weist f\u00fcr 2022 eine Wertsch\u00f6pfung des Sektors von 2,859 Milliarden Euro aus: 2024 k\u00f6nnten es auch 3 Milliarden Euro sein, aber nicht 5 Milliarden. Ums\u00e4tze sind eben nicht Wertsch\u00f6pfung, womit f\u00fcr die volkswirtschaftliche Analyse und f\u00fcr den Vergleich mit anderen Sektoren mit dieser Art Berechnung nicht viel gewonnen ist. Dankbar wird allerdings das Finanzamt sein, das sonst m\u00fchsam sogenannte <em><a href=\"https:\/\/www.agenziaentrate.gov.it\/portale\/schede\/dichiarazioni\/isa-2020\/scheda-info-isa-2020\">\u00bbstudi di affidabilit\u00e0 fiscale\u00ab<\/a><\/em> erstellen muss. Was die HGV-Studie dabei diskret verschweigt, ist der Nettogewinn der Tourismusunternehmen, wohin dieser transferiert wird und warum eine so florierende Branche immer noch rund 70 Millionen Euro an j\u00e4hrlichen Subventionen einstreicht.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>Wie dem auch sei: am wirtschaftlichen Gewicht des Tourismus zweifelt in S\u00fcdtirol wohl kaum jemand. Mit einem Anteil von 11,5 Prozent (2023) an der Gesamtwertsch\u00f6pfung ist der Tourismus hierzulande stark, aber nicht \u00fcberragend, wie von der Lobby immer behauptet. Verwiesen wird dabei immer auf die Vorleistungen, wie z.B. auf die touristischen Lebensmittel- und Getr\u00e4nkeausgaben in H\u00f6he von 830 Millionen Euro <em>(Dolomiten,<\/em> 27.\/28. September 2025) an Landwirtschaft, Brauereien, Weinkellereien. Dabei wird verschwiegen, dass die S\u00fcdtiroler Landwirtschaft \u00fcberraschend wenig ans Gastgewerbe liefert, w\u00e4hrend der L\u00f6wenanteil der Lebensmittel der Gastronomie importiert wird. Man denke z.B. ans Fleisch. Verschwiegen wird, dass auch alle anderen Sektoren Vorleistungen beziehen. W\u00e4re es nicht der Tourismus, t\u00e4ten dies eben mehr Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen.<\/p>\n<p>Einen gewichtigen Teil der Ausgaben bilden die Investitionen, so die Studie, n\u00e4mlich knapp 1 Milliarde Euro, die laut HGV-Studie j\u00e4hrlich in die Modernisierung, Ausstattung und den Ausbau der Betriebe gesteckt wird. Davon profitiert das Bauhaupt- und Baunebengewerbe. Doch in einer Situation touristischer \u00dcberentwicklung ist das kein Segen mehr, sondern zeigt ungebrochenes Wachstum an. Befeuert wird es durch die Bettenbaubeschleunigungsverordnung von 2022, die dem Land in drei Jahren einen Zuwachs von 34.000 Betten beschert hat (<a href=\"https:\/\/qlikview.services.siag.it\/QvAJAXZfc\/opendoc.htm?document=Tourismus.qvw&amp;host=QVS@titan-a&amp;anonymous=true\">Stand August 2025<\/a>), aber seltsamerweise \u00bbBettenstopp\u00ab genannt wird. Tendenz nach oben, keine Obergrenze in Sicht, was wiederum das Baugewerbe beruhigt. Doch anscheinend will der HGV nicht wahrhaben, dass 1 Milliarde Euro im Jahr in Erweiterung, Neubau und Modernisierung der Hotels das heutige Problem spiegelt: ein gewaltiger Fluss an Ressourcen, Energie und Baumaterial, der sich laufend \u00fcber S\u00fcdtirols Landschaft ergie\u00dft. Der HGV pr\u00e4sentiert es als Wohltat, doch geht es um \u00dcberinvestitionen in Beherbergungskapazit\u00e4t, die nur mit immer mehr Ank\u00fcnften und N\u00e4chtigungen zu amortisieren sind.<\/p>\n<p>Die Tourismuslobby scheint in ihrem Wachstumsdenken derma\u00dfen gefangen zu sein, dass sie die Kehrseite dieser Entwicklung einfach verkennt. Feuer mit \u00d6l zu l\u00f6schen, wird nicht gut funktionieren. Immer mehr Menschen sto\u00dfen sich am \u00dcberma\u00df, am ungebrochenen Wachstum, an den zunehmenden Belastungen, wie auch <a href=\"https:\/\/guide.unibz.it\/de\/news\/142719-studie-lebensraumqualitaet-suedtirol-veroeffentlicht\">repr\u00e4sentative Erhebungen<\/a> ergeben haben. Sie zweifeln nicht am Erl\u00f6s der florierenden Branche, sondern am Leitmotiv \u00bbNie genug\u00ab. Sie leiden am Verkehr, am L\u00e4rm, an \u00dcberf\u00fcllung, hohen Preisen, fehlenden Mietwohnungen. Immer mehr Menschen m\u00f6chten der gnadenlosen Vermarktung des Landes endlich Grenzen setzen (<a href=\"https:\/\/salto.bz\/de\/article\/11072025\/tourismusdruck-suedtirol-auf-platz-3\">S\u00fcdtirol liegt an 3. Stelle<\/a> in der <abbr title=\"Europ\u00e4ische Union\">EU<\/abbr> nach Tourismusintensit\u00e4t). Mit etwas weniger Tourismus geriete die Wirtschaft nicht in Krise, sondern andere Branchen erhielten mehr Chancen, z.B. die sozial wichtigen Bereiche Gesundheit, Pflege, Bildung und Kultur. Der HGV verweist auf die 14 Prozent Besch\u00e4ftigten im Gastgewerbe: W\u00e4re es nicht hilfreich gegen den Personalmangel in wichtigen Branchen, wenn etwas weniger Menschen G\u00e4ste bedienen und Betten bauen? W\u00e4re es nicht denkbar, dass der HGV sich eine Hochrechnung g\u00f6nnt, wieviel die Branche zum menschengemachten Klimawandel beitr\u00e4gt und warum der Klimaschutz in seinen Analysen keine Rolle spielt? Und schlie\u00dflich: leben wir noch immer in einer Gesellschaft, die Wohlstand und Lebensqualit\u00e4t an den Ums\u00e4tzen und Renditen der Hotellerie bemisst?<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige zweifeln am wirtschaftlichen Gewicht der Tourismusindustrie. 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