{"id":9514,"date":"2011-11-11T16:22:21","date_gmt":"2011-11-11T15:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9514"},"modified":"2024-09-08T13:54:28","modified_gmt":"2024-09-08T11:54:28","slug":"kurzbericht-prinzip-nationalstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9514","title":{"rendered":"Kurzbericht: Nationalstaatsprinzip."},"content":{"rendered":"<p>Neulich war ich zwei Tage lang in Ost\u00f6sterreich, wo ich auf deren Einladung (gemeinsam mit einigen anderen S\u00fcdtiroler Architekten und Planern) die Forschungs- und Herstellungsgeb\u00e4ude einer renommierten \u00f6sterreichischen Firma besichtigt habe.<\/p>\n<p>Neben den beruflichen Aspekten boten sich hierbei auch interessante Beobachtungsm\u00f6glichkeiten, was die Vorherrschaft des nationalstaatlichen Prinzips bei Privatunternehmen, sogar solchen des angeblichen \u00bbVaterlandes\u00ab, anlangt.<\/p>\n<p>Eingeladen wurden wir vom ausschlie\u00dflich italienischsprachigen Ansprechpartner der Firma in S\u00fcdtirol. Obwohl das Mutterhaus im Direktkontakt (also ohne Vermittlung ihres lokalen Vertreters) mit S\u00fcdtiroler Architekten sehr wohl die deutsche Sprache verwendet, flatterte uns im Vorfeld der Reise direkt aus \u00d6sterreich ein offizielles Besichtigungsprogramm mit dem Namen \u00bbProgramma Alto Adige\u00ab ins Haus, welches denn auch ausschlie\u00dflich auf Italienisch abgefasst war. Ich konnte es mir nicht verkneifen, die Firma postwendend via Mail auf den Fauxpas hinzuweisen \u2014 etwas, was aber wohl kaum sonst ein S\u00fcdtiroler je machen w\u00fcrde. Die Antwort war ern\u00fcchternd, n\u00e4mlich, dass man nicht gewusst habe, \u00bbob alle Teilnehmer haupts\u00e4chlich deutschsprachig sind\u00ab (Italienisch wird also als <em>lingua franca<\/em> betrachtet).<\/p>\n<p>Am Ankunftstag erz\u00e4hlte uns die charmante steirische (Portugal- und) Italienverantwortliche beim informellen Abendessen am\u00fcsiert, wie schwierig es beim Aufbau des italienischen Marktes vor einigen Jahren gewesen sei, die Nordtiroler Firmenvertreter (die bis dahin den S\u00fcdtiroler Markt einfach mitbedient hatten) davon zu \u00fcberzeugen, die Finger vom lukrativen S\u00fcdtiroler Markt zu lassen, mit dem sie sich bis dahin ein willkommenes Zubrot verdient hatten. Sie habe sie aber darauf hingewiesen, dass S\u00fcdtirol \u00bbnunmal leider\u00ab zu Italien (und somit zum Aufgabenbereich ihrer eigenen, der Italienabteilung) geh\u00f6re. \u00bbSiamo in Italia\u00ab auf \u00d6sterreichisch \u2014 Euregio l\u00e4sst freundlichst gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss des ersten Abends wurde noch vereinbart, wir sollten am darauffolgenden Morgen in der Firmenreception vorstellig werden. Sobald\u00c2\u00a0sie uns reden h\u00f6rten, w\u00fcrden die Empfangsdamen gleich bescheidwissen, dass \u00bbdie Italiener da sind\u00ab und sie, die Italienverantwortliche, herbeiholen. Vielleicht \u2014 meinte sie weiter \u2014 w\u00fcrden sie uns aber doch nicht richtig zuordnen k\u00f6nnen, weil wir ja mehrheitlich Deutsch spr\u00e4chen. Das nahmen gleich einige (deutschsprachige) Gruppenmitglieder zum Anlass vorzuschlagen, wir k\u00f6nnten doch f\u00fcr den Zeitraum des Aufenthalts (in \u00d6sterreich!) einfach Italienisch zu unserer ausschlie\u00dflichen Kommunikationssprache machen. Kein Witz.<\/p>\n<p>So weit sollte es dann doch nicht kommen, informelle Gespr\u00e4che wurden teils auch auf Deutsch gef\u00fchrt. Die gesamte F\u00fchrung wurde jedoch auf Italienisch gehalten, weil ein einziger Teilnehmer nicht deutscher Muttersprache war. Obwohl er ausdr\u00fccklich sagte, seine passiven (!) Deutschkenntnisse w\u00fcrden ausreichen, um den Ausf\u00fchrungen zu folgen, sprachen sich die anderen gleich mehrheitlich daf\u00fcr aus, aus wirklich zweifelhaftem \u00bbRespekt\u00ab alles auf Italienisch zu machen. Mehr als skurril, dass eine Steirerin ihre Produkte einer S\u00fcdtiroler \u00bbDelegation\u00ab auf Italienisch vorstellt.<\/p>\n<p>Am Ende des zweiten Tages wurden dann noch allen S\u00fcdtirolern die Firmenkataloge, -zeitschrift und andere Unterlagen in italienischer Sprache ausgeh\u00e4ndigt (manche Versionen in deutsch-italienischer, andere in englisch-italienischer und spanisch-italienischer Fassung).<\/p>\n<p>So wird der Nationalstaat f\u00fcr uns S\u00fcdtiroler selbst im deutschsprachigen Ausland (und noch mit aktiver eigener Zuarbeit) zur selbsterf\u00fcllenden \u00bbProphezeiung\u00ab.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich war ich zwei Tage lang in Ost\u00f6sterreich, wo ich auf deren Einladung (gemeinsam mit einigen anderen S\u00fcdtiroler Architekten und Planern) die Forschungs- und Herstellungsgeb\u00e4ude einer renommierten \u00f6sterreichischen Firma besichtigt habe. 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