{"id":95711,"date":"2025-10-31T19:17:55","date_gmt":"2025-10-31T18:17:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=95711"},"modified":"2025-11-03T20:47:30","modified_gmt":"2025-11-03T19:47:30","slug":"asymmetrische-forderung-von-ratoromanisch-und-italienisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=95711","title":{"rendered":"Asymmetrische F\u00f6rderung von R\u00e4toromanisch und Italienisch."},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch hat der Schweizer Bundesrat \u2014 die Regierung der Eidgenossenschaft \u2014 eine Revision der Sprachenverordnung von 2010 genehmigt, die es dem <em>Bundesamt f\u00fcr Kultur<\/em> (BAK) fortan erm\u00f6glicht, die beiden kleineren Landessprachen Italienisch und R\u00e4toromanisch auch au\u00dferhalb ihrer angestammten Sprachgebiete, die sich in den Kantonen Tessin und Graub\u00fcnden befinden, zu f\u00f6rdern. Dem eigentlich in der Schweiz vorherrschenden Territorial(it\u00e4ts)prinzip, das f\u00fcr die beiden gr\u00f6\u00dferen Sprachgemeinschaften (die deutsche und die franz\u00f6sische) weiterhin gilt, widerspricht dies.<\/p>\n<p>Die nun beschlossene Ausnahme kann den asymmetrischen bzw. den <em>affirmativen<\/em> Ma\u00dfnahmen zugerechnet werden, einem Prinzip, das einen speziellen Schutz f\u00fcr kleinere und somit gef\u00e4hrdetere Sprachen vorsieht. Dies tr\u00e4gt der Erkenntnis Rechnung, dass diese Sprachen eine gr\u00f6\u00dfere Vulnerabilit\u00e4t haben und strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Konkret will das BAK nun Projekte f\u00f6rdern, die Italienisch als Schulfach in den Sprachregionen attraktiver machen sollen, in denen Italienisch nicht Amtssprache ist. Kulturprojekte f\u00fcr Kinder und Jugendliche der italienischsprachigen Diaspora, die deren Bezug zur italienischen Sprache und Kultur st\u00e4rken, sollen ebenfalls unterst\u00fctzt werden. Rund die H\u00e4lfte der italienischsprachigen Bev\u00f6lkerung der Schweiz lebt nicht in Gebieten mit italienischer Amtssprache. Dabei handelt es sich zu einem erheblichen Teil auch um Zugewanderte aus Italien und deren Nachfahren.<\/p>\n<p>Auch Ma\u00dfnahmen, die das Erlernen und die Verwendung der r\u00e4toromanischen Sprache beg\u00fcnstigen, sollen fortan gef\u00f6rdert werden, etwa durch den Ausbau des schulischen und au\u00dferschulischen Unterrichts. Unterst\u00fctzt werden sollen einer Mitteilung des Bundesrates zufolge auch Projekte zur Vernetzung von R\u00e4toromanisch sprechenden Personen \u2014 von denen sogar rund zwei Drittel nicht in Graub\u00fcnden, dem einzigen Kanton mit dieser Amtssprache, leben.<\/p>\n<p>Ziel der revidierten Sprachenverordnung seien, so der Bundesrat, die Erhaltung und F\u00f6rderung von Erstsprachen sowie die F\u00f6rderung der kulturellen Vielfalt der Schweiz.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re so, als w\u00fcrde Italien etwa die deutsche und die ladinische Sprache nicht nur innerhalb, sondern auch au\u00dferhalb S\u00fcdtirols respektive der Ladinia proaktiv f\u00f6rdern. Spanien unternimmt neuerdings mit speziellen Rechten f\u00fcr die baskische, galicische und katalanische Bev\u00f6lkerung, die \u00fcber die jeweiligen Sprachgebiete hinausgehen (vgl. <a title=\"In Spagna i tribunali diventano plurilingui.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=89188\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"In Spagna le grandi imprese dovranno comunicare in catalano.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=94743\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Plurilinguizzato il Congresso spagnolo.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=80100\"><code>03<\/code><\/a>), \u00e4hnliche Anstrengungen. In Italien scheint dies jedoch schwer vorstellbar, da selbst die verbrieften Sprachrechte <em>innerhalb<\/em> S\u00fcdtirols und Ladiniens auch nach Jahrzehnten noch nicht umgesetzt und weiterhin Erosionsprozessen ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Auch das Land S\u00fcdtirol k\u00f6nnte aber seine Anstrengungen verst\u00e4rken, die ladinische Sprache \u00fcber das vorgeschriebene Ma\u00df hinaus auch au\u00dferhalb von Gherd\u00ebina und Badia zu f\u00f6rdern und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>In der Schweiz werden durch die Revision der Sprachenverordnung auch die Sollwerte f\u00fcr die Vertretung der Sprachgemeinschaften in der Bundesverwaltung aktualisiert und zugunsten der Franz\u00f6sischsprachigen (von 21,5-23,5% auf 22,5-24,5%) und der Italienischsprachigen (von 6,5-8,5% auf 7,5-8,5%) korrigiert. Es handelt sich dabei um eine Art Proporz, der eine angemessene Repr\u00e4sentanz der einzelnen Gemeinschaften in der zentralen Verwaltung sicherstellen soll.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"R\u00e4toromanische Einb\u00fcrgerung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72379\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"B\u00fcndner Kantonspolizei achtet auf Mehrsprachigkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=34016\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"\u203aSchweizer Richter sind mehrsprachig.\u2039\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13073\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"R\u00e4toromaninnen gegen die Assimilierung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=93765\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Mehrsprachige Normalit\u00e4t.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21721\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"In Svizzera medicinali trilingui.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=88635\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Leteratura Sucr\u00ebta?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=72339\"><code>07<\/code><\/a> <a title=\"4 \u00d7 Mehrsprachigkeit.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=35890\"><code>08<\/code><\/a> <a title=\"\u203aDie Websters\u2039 \u2014 f\u00fcnfsprachig.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=34638\"><code>09<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">|<\/span> <a title=\"Tutelare l\u2019italiano in Italia come in Svizzera?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=81701\"><code>10<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch hat der Schweizer Bundesrat \u2014 die Regierung der Eidgenossenschaft \u2014 eine Revision der Sprachenverordnung von 2010 genehmigt, die es dem Bundesamt f\u00fcr Kultur (BAK) fortan erm\u00f6glicht, die beiden kleineren Landessprachen Italienisch und R\u00e4toromanisch auch au\u00dferhalb ihrer angestammten Sprachgebiete, die sich in den Kantonen Tessin und Graub\u00fcnden befinden, zu f\u00f6rdern. 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