{"id":97324,"date":"2026-01-10T11:23:51","date_gmt":"2026-01-10T10:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=97324"},"modified":"2026-02-02T08:08:18","modified_gmt":"2026-02-02T07:08:18","slug":"ein-denkmal-fur-romnja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=97324","title":{"rendered":"Ein Denkmal f\u00fcr Rom:nja."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><strong>In der N\u00e4he des \u00f6sterreichischen Parlaments soll an die Porajmos-Ermordeten erinnert werden<\/strong><\/p>\n<p>Eine \u00fcberschaubar kleine Gruppe demonstrierte still auf dem Wiener Schmerlingplatz f\u00fcr ein Holocaust-Denkmal in Erinnerung an die ermordeten \u00f6sterreichischen Romnja und Roma.<\/p>\n<p>Im \u00bbDritten Reich\u00ab ermordeten die Nazis mehr als eine halbe Million Roma und Sinti, darunter sch\u00e4tzungsweise 10.000 aus \u00d6sterreich. Roma und Sinti wurden als \u00bbZigeuner\u00ab bzw. als \u00bbAsoziale\u00ab systematisch verfolgt und ermordet. Vor 1938 lebten bis zu 12.000 Roma und Sinti in \u00d6sterreich, die meisten davon im Burgenland.<\/p>\n<p>Der aus dem Burgenland stammende Wiener Historiker <a href=\"https:\/\/blog.romarchive.eu\/deutsch-2\/projektbeteiligte\/gerhard-baumgartner\/\">Gerhard Baumgartner<\/a> arbeitete die Geschichte der burgenl\u00e4ndischen Roma-Bev\u00f6lkerung auf, mit einem detaillierten Schwerpunkt \u00fcber die Verfolgung und Vernichtung im \u00bbDritten Reich\u00ab. Zahlen und Fakten liegen seit dem Jahr 2000 peinlichst genau recherchiert vor.<\/p>\n<p>Ein Denkmal in Erinnerung an die Romnja- und Roma-Opfer der Naziherrschaft steht aber immer noch aus. Deshalb auch die leise Kundgebung mit einer klaren Botschaft in Wien anfangs J\u00e4nner. Die Frage ist, ob die Botschaft auch angekommen ist.<\/p>\n<h6>Ein halbes Jahrhundert<\/h6>\n<p>Auch die j\u00fcdischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mussten sich bis ins Jahr 2000 gedulden. Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Holocaust wurde in Wien auf dem Judenplatz das <a href=\"https:\/\/www.ikg-wien.at\/rabbinat\/friedh%C3%B6fe\/wien\/mahnmal-am-judenplatz\">Mahnmal f\u00fcr die \u00f6sterreichischen j\u00fcdischen Oper<\/a> errichtet. Es erinnert an 65.000 ermordete \u00f6sterreichische Juden.<\/p>\n<p>An der Entrechtung, Enteignung, Verfolgung und Ermordung der j\u00fcdischen \u00d6sterreicher:innen beteiligten sich viele Nachbarn der j\u00fcdischen \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher. In den NS-Terrororganisationen waren \u00d6sterreicher \u00fcberproportional vertreten. Das <a href=\"https:\/\/www.denkmalwien.at\/rundgaenge\/rundgang-wir-und-die-anderen\/mahnmal-fuer-die-oesterreichischen-juedischen-opfer-der\">Mahnmal<\/a> ist also so etwas wie das zu Stein gewordene schlechte Gewissen der \u00d6sterreicher:innen. Und auch immer wieder Anlass f\u00fcr Polemiken. Als der Pr\u00e4sident des Nationalrates, der rechtsrechte <abbr title=\"Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs\">FP\u00d6<\/abbr>-Mandatar <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/19294828\/kein-erinnern-mit-rechtsextremen-boykott-aufruf-fuer-holocaust-gedenken-mit-rosenkranz\">Walter Rosenkranz<\/a>, vor einem Jahr am Mahnmal einen Kranz niederlegen wollte, wurde er von der <a href=\"https:\/\/www.ikg-wien.at\/\">Israelitischen Kultusgemeinde<\/a> und von der <a href=\"https:\/\/joeh.at\/index.php\/about\/\">J\u00fcdischen Hochsch\u00fcler:innenschaft<\/a> J\u00f6H heftig kritisiert. <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000244064\/juedische-hochschuelerschaft-verhindert-pogromgedenken-durch-rosenkranz\">\u00bbWer Nazis ehrt, dessen Wort ist nichts wert\u00ab<\/a>, lautete ein Transparent-Slogan der J\u00f6H.<\/p>\n<h6>Die Zeit dr\u00e4ngt<\/h6>\n<p>Die Zeit f\u00fcr ein <a href=\"https:\/\/www.sinti-roma.at\/porajmos\/\">Porajmos<\/a>-Denkmal dr\u00e4ngt. Bei den n\u00e4chsten Nationalratswahlen k\u00f6nnen die <em>Freiheitlichen<\/em> auf fast 40 Prozent W\u00e4hler:innenstimmen hoffen. Die <a href=\"https:\/\/www.fpoe.at\/aktuell\/artikel-detailansicht\/immer-mehr-zigeuner-grossfamilien-wegen-ukrainer-verordnung\">FP\u00d6<\/a> ist <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/rassismus-diskriminierung\/antiziganismus\/\">antiziganistisch<\/a>, wendet sich beispielsweise vehement gegen den <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000276639\/grossfamilien-unerwuenscht-die-fpoe-stemmt-sich-gegen-roma-aus-der-ukraine\">Zuzug von Roma<\/a> aus Osteuropa. Der bereits erw\u00e4hnte Nationalratspr\u00e4sident Rosenkranz \u00fcberraschte mit seiner Aussage, dass das <a href=\"https:\/\/www.sn.at\/politik\/innenpolitik\/roma-denkmal-fuer-rosenkranz-laengst-ueberfaellig-art-588680\">Romadenkmal l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig sei.<\/a> M\u00f6glicherweise nimmt er seinen Vorg\u00e4nger Wolfgang Sobotka ernst, der sich anl\u00e4sslich des <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/der-internationale-tag-der-roma-ein-nationalfeiertag\/a-61386828\">Internationalen Roma-Tags<\/a>&nbsp;am 8. April 2022 f\u00fcr ein Denkmal sowie ein Dokumentationszentrum aussprach.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bald-ein-denkmal-f%C3%BCr-die-roma-und-sinti-in-wien\/a-61418519\">Sobotka unterst\u00fctzte ein entsprechendes Positionspapier von Roma-Organisationen und Aktivist:innen.<\/a> Laut diesem soll das Denkmal an einem zentralen Standort in Wien errichtet werden.<\/p>\n<p>Sowohl migrantische als auch autochthone Organisationen und Aktivist:innen erarbeiteten das Positionspapier, das den politischen Stillstand zu diesem Thema beenden soll.<\/p>\n<h6>Stimmen aus der Community<\/h6>\n<p><a href=\"https:\/\/volksgruppen.orf.at\/roma\/meldungen\/stories\/3329695\/\">Katharina Janoska<\/a>, Autorin und Journalistin, beschreibt den Grund, warum es ein Denkmal in Wien braucht:<\/p>\n<blockquote><p>Unsere Heimat schuldet es uns, dass wir unserer Ahnen an einem zentralen Ort gedenken k\u00f6nnen, dass sie jenen, die nicht mehr f\u00fcr sich selbst sprechen k\u00f6nnen, eine Stimme verleiht. Damit man jenen, die lange Zeit nicht gesehen wurden, Gerechtigkeit zuteilwerden l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Katharina Janoska<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/volksgruppen.orf.at\/roma\/meldungen\/stories\/3096842\/\">Mirjam Karoly<\/a>, Mitglied des Roma-Volksgruppenbeirats, wirbt f\u00fcr den Schmerlingplatz als Denkmalstandort. Zentral gelegen neben dem Parlament, ein sichtbarer Ort, der Roma und das Gedenken in die Mitte der Gesellschaft holt, <a href=\"https:\/\/volksgruppen.orf.at\/diversitaet\/stories\/3242260\/\">begr\u00fcndet Karoly ihren \u00bbWunsch\u00ab:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Man merkt, eine Art Diskriminierung auch innerhalb der Opfergruppen, dass sozusagen der Holocaust an den Romnja und Roma nicht zum Thema gemacht wurde und auch vom offiziellen \u00d6sterreich nicht als solcher anerkannt wurde. Und in den 50er, 60er Jahren hat man Roma weiterhin stigmatisiert und gesagt, \u201aihr wurdet verfolgt, weil ihr Kriminelle seid\u2018.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Mirjam Karoly<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.ots.at\/presseaussendung\/OTS_20251117_OTS0116\/80-jahre-danach-stojka-verlangt-ein-klares-zeichen-fuer-roma-und-sinti\">Musiker und Aktivist Harri Stojka<\/a> unterst\u00fctzt die Forderung von Karoly nach einem Mahnmal am Schmerlingplatz. Er findet es respektlos, dass sich die Errichtung des Mahnmals seit Jahren verz\u00f6gert. Stojka sieht das Mahnmal auch als Appell gegen Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart.<\/p>\n<p>Er appelliert an den <a href=\"https:\/\/www.nationalfonds.org\/startseite\">Nationalfonds<\/a>, die Stadt Wien und politisch Verantwortliche, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs endlich zu handeln und die Umsetzung dieses wichtigen Erinnerungsprojekts nicht weiter hinauszuschieben.<\/p>\n<h6>DB gef\u00e4hrdet das Sinti-Denkmal in Berlin<\/h6>\n<p>In Deutschland konnten die Sinti-B\u00fcrgerrechtsbewegung und der Zentralrat der deutschen Sinti 2012 das <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/holocaust\/erinnerungsorte\/503097\/denkmal-fuer-die-im-nationalsozialismus-ermordeten-sinti-und-roma-europas\/\">Porajmos-Denkmal<\/a> zwischen dem Reichstagsgeb\u00e4ude und dem Brandenburger Tor einweihen. Es erinnert an die ermordeten Sinti, Roma, Lalleri, Lowara und Manusch, aber auch Jenische und andere Fahrende.<\/p>\n<p>Die <em>Deutsche Bahn<\/em> will unter dem Sinti-Denkmal eine neue S-Bahn-Strecke bauen. <a href=\"https:\/\/bundesromaverband.de\/aktuelles\/deutsche-bahn-will-unser-mahnmal-zerstoeren-jetzt-petition-dagegen-unterzeichnen\/\">\u00bbUnsere Erinnerungen sind keine Baustellen\u00ab<\/a>, kritisiert der Bundes-Roma-Verband. Die DB k\u00fcndigte nach heftigen Protesten an, das <a href=\"https:\/\/www.lok-report.de\/news\/deutschland\/aus-den-laendern\/item\/55730-berlin-weiterbau-s-21-weiter-groesstmoeglicher-schutz-fuer-denkmal-fuer-sinti-und-roma.html\">Denkmal gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichst zu sch\u00fctzen.<\/a> Was das auch immer hei\u00dfen mag.<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrden wohl die Nachfahren der Hitler-Attent\u00e4ter um Stauffenberg reagieren, wenn unter der <a href=\"https:\/\/www.gdw-berlin.de\/\">\u00bbGedenkst\u00e4tte deutscher Widerstand\u00ab<\/a> ein S-Bahn-Tunnel gebaut werden w\u00fcrde?<\/p>\n<h6>Und S\u00fcdtirol?<\/h6>\n<p>In S\u00fcdtirol waren die Sinti in der faschistischen \u00c4ra von 1922 bis 1943 \u2014 weil <a href=\"https:\/\/regionalgeschichte.it\/de\/forschung\/unerwuenschte-fremde-oder-gefaehrliche-italiener-sinti-und-roma-waehrend-des-faschismus-von-1922-1943-in-den-nordoestlichen-gren\">unerw\u00fcnschte Fremde oder gef\u00e4hrliche Italiener<\/a> \u2014 der staatlichen Verfolgung ausgesetzt. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht <a href=\"https:\/\/storiaeregione.eu\/attachment\/get\/up_84_16520956765852.pdf\">1943 (bis 1945)<\/a> setzten SS und andere Terrororganisationen des Nazistaates die \u00bbJagd\u00ab auf die Sinti fort. Sie wurden vom sogenannten <a href=\"https:\/\/www.memorialmuseums.org\/memorialmuseum\/polizeidurchgangslager-bozen\">Bozner Durchgangslager<\/a> aus \u2014 wie Juden, italienische Antifaschisten und Kriegsgefangene auch \u2014 in die Vernichtungsst\u00e4tten \u00bbverschickt\u00ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr die damaligen Opfer gibt es kein Denkmal. Das Siegesdenkmal des faschistischen Regimes hingegen steht immer noch. \u00bbEntsch\u00e4rft\u00ab per Led-Schrift an einer der S\u00e4ulen und mit einem Dokumentationszentrum <em>(\u00bbEin Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen\u00ab)<\/em> in der Krypta des Kolosses.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong><\/p>\n<ul style=\"margin-top: 0.5em;\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.kv-roma.at\/\">Kulturverein \u00f6sterreichischer Roma<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.romano-centro.org\/\">Romano Centro<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/hango-roma.at\/\">Hango Roma<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hoer-info.at\/\">Hochsch\u00fcler:innenschaft der \u00f6sterreichischen Romnja und Roma<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/romasintigenocide.eu\/de\">Der Genocid an den europ\u00e4ischen Roma und Sinti<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Durchgangslager_Bozen\">Durchgangslager Bozen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/storiaeregione.eu\/attachment\/get\/up_16_14684875516321.pdf\">Staatliche Schulpolitik \u2013 am Beispiel der Sinti in S\u00fcdtirol<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der N\u00e4he des \u00f6sterreichischen Parlaments soll an die Porajmos-Ermordeten erinnert werden Eine \u00fcberschaubar kleine Gruppe demonstrierte still auf dem Wiener Schmerlingplatz f\u00fcr ein Holocaust-Denkmal in Erinnerung an die ermordeten \u00f6sterreichischen Romnja und Roma. 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