{"id":98888,"date":"2026-04-14T23:39:28","date_gmt":"2026-04-14T21:39:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=98888"},"modified":"2026-04-14T23:41:33","modified_gmt":"2026-04-14T21:41:33","slug":"hausarztinnen-landesrat-rechtfertigt-einsprachige-vormerksysteme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=98888","title":{"rendered":"Haus\u00e4rztinnen: Landesrat rechtfertigt einsprachige Vormerksysteme."},"content":{"rendered":"<p>Mit zwei getrennten Landtagsanfragen (Nr. <a title=\"Landtagsanfrage 1389\/26.\" href=\"https:\/\/www.landtag-bz.org\/de\/politische-akte\/789798?tipoatto=INR&amp;legislatura=XVII\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1389\/26<\/a> und <a title=\"Landtagsanfrage 1426\/26.\" href=\"https:\/\/www.landtag-bz.org\/de\/politische-akte\/790598?tipoatto=INR&amp;legislatura=XVII\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1426\/26<\/a>) hatte die <abbr title=\"S\u00fcd-Tiroler Freiheit\">STF<\/abbr> aufgezeigt, dass Haus\u00e4rztinnen in Ulten und Andrian zur Terminvormerkung und Rezeptanfrage Apps wie <em>MioDottore<\/em> und <em>Atlas Medica <\/em>einsetzen, die ausschlie\u00dflich auf Italienisch zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Die Antwort von Gesundheitslandesrat Hubert Messner f\u00e4llt in beiden F\u00e4llen identisch und ern\u00fcchternd aus \u2014 unter anderem schreibt er:<\/p>\n<blockquote><p>[D]ie organisatorischen Aspekte der Gestaltung der ambulanten T\u00e4tigkeit [sind] dem Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 <abbr title=\"Landesrat\/-r\u00e4tin\">LR<\/abbr> Hubert Messner<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Nutzung der Apps stelle lediglich ein \u00bbintegrierendes\u00ab (ein Italianismus f\u00fcr \u00bberg\u00e4nzendes\u00ab) Angebot dar und ersetze nicht \u00bbeine telefonische bzw. direkte Erreichbarkeit\u00ab. Die Landesregierung setze auf \u00bbSensibilisierung\u00ab der Haus\u00e4rztinnen in Bezug auf den Gebrauch der Muttersprache.<\/p>\n<p>Hier wird erneut ein gef\u00e4hrliches Argument zur Aushebelung des Minderheitenschutzes konstruiert: Sobald ein digitaler Dienst als \u00bbzus\u00e4tzlich\u00ab deklariert wird, soll die Pflicht zur Zweisprachigkeit offenbar entfallen. Dass Patientinnen in der Praxis oft mehr oder minder sanft, aber bestimmt zur Nutzung dieser \u2014 f\u00fcr die \u00c4rztin bequemen \u2014 Apps gedr\u00e4ngt und andere Kan\u00e4le auf ein Minimum reduziert werden, ist ein offenes Geheimnis.<\/p>\n<p>Rechtlich ist die Argumentation wohl ohnehin nicht haltbar: Die Verst\u00e4ndigung mit den B\u00fcrgerinnen hat im \u00f6ffentlichen Dienst ohne Wenn und Aber zweisprachig zu erfolgen. Nirgends steht geschrieben, dass es ausreichen w\u00fcrde, wenn lediglich <em>irgendein<\/em> Kommunikationskanal in beiden Sprachen zur Verf\u00fcgung steht. Dies h\u00e4tte \u2014 und hat \u2014 auch gar nichts mit sprachlicher Gleichberechtigung zu tun, sondern stellt einen weiteren von vielen Schritten zur Marginalisierung der deutschen Sprache in S\u00fcdtirol dar.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man Messners Logik folgen, k\u00f6nnte etwa die Bahn k\u00fcnftig ganz auf deutsche Anzeigetafeln verzichten, solange die Durchsagen noch zweisprachig sind.<\/p>\n<p>Man muss hier aber auch die \u00c4rztinnen selbst kritisieren: In einem Gesundheitssystem, in dem Sprachbarrieren ohnehin schon an der Tagesordnung sind und meist mit Personalmangel gerechtfertigt werden, ist ihr Vorgehen geradezu zynisch. Die Wahl einer einsprachigen Software ist eine bewusste Entscheidung f\u00fcr die eigene Bequemlichkeit und zulasten der Zug\u00e4nglichkeit. Indem sie ihren Patientinnen eine App vorsetzen, die viele von ihnen nicht verstehen, bauen sie \u00fcberfl\u00fcssige H\u00fcrden auf und schr\u00e4nken ihre Rechte in einem sensiblen Bereich unn\u00f6tig ein.<\/p>\n<p>Unterschrieben sind die Antworten auf die beiden Anfragen bezeichnenderweise einsprachig mit <em>\u00bbfirmato digitalmente da: Hubert Messner\u00ab.<\/em> Wer schon bei den eigenen Pflichten auf die Zweisprachigkeit verzichtet, dem nimmt man das Bem\u00fchen um die \u00bbSensibilisierung\u00ab der Haus\u00e4rztinnen naturgem\u00e4\u00df nur schwer ab.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Hausarzt: Einsprachige Terminvereinbarung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=85002\"><span style=\"text-decoration:underline; text-decoration-color:#4372a6; text-decoration-thickness:3px;\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"OP-Informationssystem nur auf Italienisch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=96945\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Noch mehr Einsprachigkeit im Krankenhaus Bozen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=97789\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Sabes: Rechnungen mit Sprachpfusch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=96445\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Neuerlicher Blick in die Gesundheitsakte.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=89709\"><code>05<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zwei getrennten Landtagsanfragen (Nr. 1389\/26 und 1426\/26) hatte die STF aufgezeigt, dass Haus\u00e4rztinnen in Ulten und Andrian zur Terminvormerkung und Rezeptanfrage Apps wie MioDottore und Atlas Medica einsetzen, die ausschlie\u00dflich auf Italienisch zur Verf\u00fcgung stehen. 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