Demokratie ist das Gegenteil von total.
Quotation 535

In der Demokratie, das haben immer noch viele nicht kapiert, geht es nicht um den Sieg “der guten” oder der “gerechten Sache”. Es geht nicht um “gut” und “böse”, “richtig” und “falsch”. Demokratie ist ein Modell zur Organisation von Vielfalt und Unterschieden, ein “komplizierter Mechanismus”, so der Soziologe Armin Nassehi, “der es ermöglicht, in Alternativen zu denken”. Demokratie ist das Management von Vielfalt. Und das Gegenteil von total, alternativlos. Das wirkliche Leben ist sowohl als auch, nicht entweder oder.

Wolf Lotter in einem auch sonst interessanten Standard-Artikel mit dem Titel: Empörung ist keine Lösung: Entpört euch!

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Das ewige Spanien.
Quotation 506

Wenn [Regierungschef Pedro Sánchez] im Zusammenhang mit Gibraltar vom “Wesen unserer Nation” redet, ist dies auch so gemeint. Es gibt in Spanien Tabuthemen, an denen – zumindest bei den großen Parteien – keiner rütteln kann, darf und will. Der Anspruch auf Gibraltar gehört ebenso dazu wie die Verteidigung der Monarchie und der nationalen Einheit Spaniens.

Es sind diese ewigen Werte, die in Madrid oft die Politik erschweren. Nur wer dies versteht, begreift letztendlich auch, warum Madrid keine Lösung für einen anderen Konflikt findet, nämlich den um die Unabhängigkeit Kataloniens. Einem Referendum in beiderseitigem Einverständnis steht ebenfalls das ewige Spanien im Weg.

Spanien-Korrespondent Reiner Wandler am 22. November im ‘Standard’.

Siehe auch:

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Doppelpass, Reinhold Messner bedroht.

Bergsteigerlegende Reinhold Messner soll in der angeheizten Diskussion um den Doppelpass Gewalt angedroht worden sein — dies berichtet die Tageszeitung in Berufung auf den Standard. Er habe schon Emails bekommen, in denen stand, dass man ihn abstechen werde, so der ehemalige EU-Abgeordnete der Grünen.

Mit Messners Argumenten bin ich zwar im großen und ganzen ebensowenig einverstanden, wie mit denen vieler anderer Gegner- und Befürworterinnen des Doppelpasses für Südtirolerinnen. Doch ich will ihm hiermit ausdrücklich meine vollste Solidarität aussprechen, denn eine Demokratie muss auch harte, kontroverse und angeheizte Diskussionen aushalten und friedlich austragen können. Nichts, aber auch wirklich gar nichts rechtfertigt Gewalt gegen Personen oder Sachen, und zwar ungeachtet, ob es sich um physische oder seelische Gewalt (bzw. deren Androhung) handelt. Wer zu solchen Mitteln greift, disqualifiziert sich selbst und schadet nicht nur der Sache, der sie zu dienen glaubt — sondern auch der Demokratie als ganzes.

Dagegen gilt es ohne wenn und aber anzukämpfen.

Siehe auch:

Democrazia Medien Politik | Doppia Cittadinanza | Reinhold Messner | Der Standard TAZ | | Vërc | Deutsch

Der Titelseitenvergleich.

Titelseiten einiger Tageszeitungen von gestern, 21. September 2017 — dem Tag nach dem Überfall der Guardia Civil auf die katalanischen Institutionen:

Und hier die Titelblätter der Südtiroler Zeitungen — als ob nichts geschehen wäre:

Comparatio Medien Politik Polizei Repression Selbstbestimmung | | | AA Corriere Der Standard Die Welt Dolo FAZ SZ TAZ The Guardian | Catalunya Südtirol/o | Guardia Civil | Deutsch English Français Italiano

Wichtiger als Fakten.

Gerhard Mumelters Beitrag über die Toponomastikdiskussion ist auch auf Deutsch – in leicht abgeänderter Form – in der Online-Ausgabe des Standard erschienen.

Interessant ist darin vor allem ein Satz, der in der italienischen Version nicht vorkommt.

Da in den ländlichen Gegenden kaum Italiener leben, werden die Täler immer einsprachiger, die Sprachkenntnisse dürftiger.

Wenige Zeilen darunter schreibt Mumelter dann noch dies:

Befindlichkeiten scheinen wichtiger als Fakten […]

Die Fakten, die belegen, dass die Täler einsprachiger und die Sprachkenntnisse dürftiger werden, bleibt Mumelter aber selbst schuldig. Die einzigen Erhebungen diesbezüglich – die Sprachbarometer – lassen nämlich eher einen gegenteiligen Schluss zu. Die Sprachkenntnisse der jeweils anderen Landessprache(n) nehmen innerhalb aller Sprachgruppen zu.

“Kaum” lässt sich natürlich schwer quantifizieren und es ist eine Tatsache, dass in den ländlichen Gegenden Südtirols weniger Italienischsprachige leben als in den Städten. Fakt ist aber auch, dass der Anteil der Italienischsprachigen in 72 von 116 Gemeinden und sechs von acht Bezirksgemeinschaften zwischen den Volkszählungen von 2001 und 2011 zugenommen hat.

Mumelter krönt seine Analyse dann noch mit einem kapitalistischen Sahnehäubchen.

Ihre patriotische Rhetorik vernebelt allerdings die Antwort auf die essenzielle Frage, welche Ketten die Wohlstandsprovinz Südtirol eigentlich sprengen soll. Mit einem Pro-Kopf-BIP von fast 40.000 Euro übertrifft sie Deutschland und gehört zu den reichsten Regionen Europas. Die Arbeitslosenrate beträgt magere 3,7 Prozent. Der Fremdenverkehr boomt mit einer Rekordzahl von 30 Millionen Übernachtungen, das öffentliche Budget für die 530.000 Einwohner beträgt 6,4 Milliarden Euro.

Völlig klar. Solange das Geld passt und es Südtirol wirtschaftlich gut geht, braucht man sich über so Nebensächlichkeiten wie Teilhabe, Eigenverantwortung und Demokratisierung keine Gedanken machen. Warum denn auch? Geld allein ist das was zählt. Sonst nichts. Es läuft doch, ihr Häretiker!

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