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  • SGB/CISL steht für “Sinnbefreite Gewerkschaftliche Befragung: Chaos Ist Sicher Los!”
    Konfuse Lehrerbefragung heizt Stimmung an

    Die Lehrergewerkschaftsmitglieder des ASGB1Autonomer Südtiroler Gewerkschaftsbund und des SGB/CISL2Südtiroler Gewerkschaftsbund/Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori sind dieser Tage in jeweils einer Online-Befragung dazu aufgerufen, Rückmeldung zur weiteren Vorgehensweise der Gewerkschaften im Umgang mit der Landesregierung zu geben. Die Befragungen sind nicht bindend, sollen aber in einer durchaus aufgeheizten Situation ein Stimmungsbild der Südtiroler Lehrerschaft bzw. zumindest der Gewerkschaftsmitglieder ergeben, an dem sich sowohl die offiziellen Sprachrohre (Gewerkschaften) als auch die inoffiziellen (Lehrerinitiativgruppen) orientieren können.

    Ob das Ergebnis allerdings dazu beitragen kann, die Wogen etwas zu glätten und die erwünschte Klarheit zu bringen, darf bezweifelt werden. Die Befragung ist nämlich dermaßen unverständlich, dass Chaos vorprogrammiert erscheint.

    Die beiden großen Gewerkschaften führen die Befragungen unabhängig voneinander durch und haben es verabsäumt, ihre Fragestellungen aufeinander abzustimmen, um am Ende ein vergleichbares Ergebnis zu haben und an einem Strang ziehen zu können.

    Während die Intention beim ASGB einigermaßen klar formuliert ist

    ist beim SGB auch nach mehrmaligem Lesen nicht wirklich verständlich, warum die erste Frage überhaupt gestellt wird und was die eindeutigen Konsequenzen einer Ja- bzw. Nein-Stimme sind.

    Im Vorspann zur Befragung liest man nämlich folgendes:

    Aufnahme der Verhandlungen – deine Meinung zählt!
    Die Inflationsanpassung 2025 ist umgesetzt. Unser Blick richtet sich nun auf die Verhandlungen zur strukturellen Erhöhung der Reallöhne ab 2026.

    Die Landesregierung hat folgendes Angebot unterbreitet:

    • Geldmittel für strukturelle Lohnerhöhungen ab 2026 von durchschnittlich mindestens 5.200 € jährlich;
    • Angleichung der Gehälter zwischen Schulen staatlicher Art und Landesschulen;
    • 10 Millionen € jährlich für Zusatzaufgaben;
    • Jährliche Verhandlungen zum Inflationsausgleich;
    • Maßnahmen zur Stärkung der Inklusion, insbesondere durch zusätzliches Personal;
    • Entlastung der Lehrpersonen von administrativen Aufgaben durch Stärkung der Schulsekretariate.

    Nicht billigen können wir die Haltung der Landesregierung, Vertragsverhandlungen erst zu beginnen, wenn Protestmaßnahmen oder sonstige Formen der Einschränkung von Leistungen im breiten Umfang ausgesetzt werden.

    Die Gestaltung des Bildungsangebots ist Zuständigkeit des Lehrpersonals!

    Um die nächsten Schritte zu planen und ein klares Stimmungsbild unter unseren Mitgliedern zu erhalten, führen wir die Online-Erhebung durch.

    Vom 01.12.2025 (00:00 Uhr) bis zum 04.12.2025 (23:59 Uhr) kannst du abstimmen. Die Abstimmung erfolgt einmalig und anonym.

    Nutze die Gelegenheit und stimme mit!

    Natürlich trägt auch die Landesregierung Mitschuld an der Konfusion und an der aufgeheizten Stimmung, weil sie die Verhandlungen an eine unmögliche und eine erpresserische Bedingung geknüpft hat:

    1. Unterrichtsbegleitende Aktivitäten sind nicht verpflichtend. Niemand kann dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was in der Tätigkeitsbeschreibung nicht vorgeschrieben ist und rechtlich im Ermessensspielraum der Lehrenden bzw. Kollegien in den einzelnen Schulen liegt. Dementsprechend haben die Gewerkschaften auch keinen direkten Einfluss auf die Beendigung der “Proteste”, weil es sich dabei nicht um klassische, durch das Arbeitsrecht geregelte Maßnahmen wie beispielsweise einen Streik handelt.
    2. Überdies übt die Landesregierung zusätzlichen Druck aus, indem sie droht, die Gelder für die strukturelle Gehaltserhöhung nicht rückwirkend bis 1. Jänner 2026 auszuzahlen, wenn nicht bis 31. März 2026 ein Ergebnis ausverhandelt ist.

    Aber auch der SGB verspielt mit seinem Wording aus der Amtsdeutschhölle dem Vernehmen nach gerade ungemein viel Vertrauen, schwächt somit die Position der eigenen Klientel und gibt wüsten Spekulationen Raum: Entweder sind die Verantwortlichen im Gewerkschaftsbund nicht in der Lage, klar verständliche deutsche Formulierungen zu treffen oder die Fragestellung ist eine verunglückte Übersetzung aus dem Italienischen oder aber hinter dem Verwirrspiel steckt die Absicht, die Mitglieder zu einer bestimmten Antwortmöglichkeit fehlzuleiten bzw. das Ergebnis dann beliebig interpretieren zu können. Denn einerseits wird betont, dass man die Bedingungen der Landesregierung nicht billige und die Gestaltung des Unterrichtsangebots (inklusive etwaiger Zusatzaktivitäten) im Sinne der freien Lehre Entscheidungsbefugnis der Lehrenden bzw. der Kollegien an den jeweiligen Schulen sei, andererseits wird gefragt, ob trotz dieser Tatsache und der Missbilligung der Bedingung der Landesregierung, Verhandlungen aufgenommen werden sollen. Ein “Ja” kann also heißen, dass man Verhandlungen möchte und die Protestmaßnahmen aufgibt, obwohl man nicht dazu verpflichtet wäre oder aber dass man Verhandlungen befürwortet und dennoch weiter keine Zusatzaktivitäten durchführt. Ein “Nein” kann heißen, dass die Gewerkschaften nicht verhandeln sollen, solange die Landesregierung diese Bedingungen stellt und/oder dass man weiter an den Protestmaßnahmen festhalten möchte oder aber dass man mit dem unterbreiteten Angebot nicht einverstanden ist. Oder bedeutet die Frage gar, dass der SGB grundsätzlich erhebt, ob sie verhandeln sollen, was ja wohl die Aufgabe einer Gewerkschaft ist. Wobei Verhandlungen zu führen nicht notwendigerweise heißen muss, dass man ein Angebot akzeptiert oder zu einem Abschluss kommt. Jedenfalls hat das Ergebnis – wie auch immer es ausfallen mag – null Aussagekraft. Es unterstreicht lediglich die Absurdität der Bedingung der Landesregierung. Aber dafür bräuchte es keine Mitgliederbefragung.

    Wer angesichts der Verwirrung versucht hat, sich einen Reim zu machen und telefonisch beim SGB Informationen darüber zu erhalten, was denn nun die Konsequenzen der jeweiligen Antworten seien, erhielt keine befriedigende Auskunft. Weder die SGB-Vertretungen in Bozen und Meran, noch jene in Bruneck (Brixen war nicht erreichbar) konnten Aufklärung leisten. Mehrfach hieß es, dass die entsprechenden Verantwortlichen bzw. Auskunftspersonen derzeit in Rom weilten und daher nicht zur Verfügung stünden. Eine weitere professionelle Glanzleistung des SGB also: Man führt eine viertägige Mitgliederbefragung durch und in den Gewerkschaftsbüros ist niemand zugegen, der Auskunft zu inhaltlichen Fragen dazu geben kann.

    Wobei – wenn man die Befragung folgendermaßen formuliert hätte, wären wohl keine Unklarheiten auszuräumen gewesen:

    1. Soll die Gewerkschaft die Bedingung der Landesregierung akzeptieren, dass Verhandlungen erst nach Beendigung der Protestmaßnahmen aufgenommen werden?
    2. Ich bin angesichts des vorliegenden Angebots der Landesregierung für die Aussetzung der Protestmaßnahmen.
    3. Soll die Gewerkschaft riskieren, das Ultimatum der Landesregierung (Einigung bis zum 31. März, andernfalls wird die strukturelle Gehaltsaufstockung nicht rückwirkend bis zum 1. Jänner 2026 ausbezahlt) verstreichen zu lassen?
    4. Das vorliegende Angebot der Landesregierung ist für mich zufriedenstellend.

    Cëla enghe: 01 02

    • 1
      Autonomer Südtiroler Gewerkschaftsbund
    • 2
      Südtiroler Gewerkschaftsbund/Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori


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  • Italien stärkt den (banalen) Sportnationalismus.

    Der Minister für Unternehmen und Made in Italy mit dem schönen Vornamen, Adolfo Urso von den neofaschistischen Fratelli d’Italia, hat ein Verzeichnis von Sportereignissen veröffentlicht, die als von allgemeinem — um nicht zu sagen: nationalem — Interesse zu gelten haben und daher nicht im sogenannten Pay-TV gezeigt werden dürfen, sondern nur auf unverschlüsselten, frei zugänglichen Kanälen.

    Dies berichtete kürzlich unter anderem Rai Südtirol, wo der Fokus auf die Aufnahme von Tennisereignissen in die Liste gelegt wurde. Die Existenz eines solchen Verzeichnisses sei nicht neu, nur habe seine Ausgestaltung bisher im Verantwortungsbereich der Regulierungsbehörde AGCOM gelegen, während es nun in die unmittelbar politische Sphäre verschoben wurde.

    Die jetzt eingeführten Neuerungen greifen jeweils erst, sobald die laufenden Verträge mit den Sendeanstalten ablaufen und neue abgeschlossen werden.

    Sport und Politik, Wir und Sie

    Solange das gesetzlich verankerte Interesse den Ereignissen an sich zukäme, könnte man das Verzeichnis für eine einigermaßen neutrale Maßnahme halten — wobei sich allein schon die Auswahl der Sportarten daran orientiert, wohin das Augenmerk der Bevölkerung gelenkt werden soll bzw. wo »italienische« Erfolge zu erwarten sind. So ist auch die Aufnahme von Tennisereignissen zu bewerten, da für Italien antretende Spielerinnen in letzter Zeit hier besonders erfolgreich sind.

    Doch darüber hinaus gilt die Verpflichtung zur Übertragung im sogenannten Free-TV in der Regel nur, sofern italienische Nationalmannschaften oder italienische Athletinnen involviert sind oder falls sie in Italien stattfinden.

    Solche Verzeichnisse gehören zu den Werkzeugen, mit denen Nationalstaaten den banalen Sportnationalismus befördern und sich Loyalität sichern. Menschen, die Sportlerinnen aus anderen Ländern die Daumen drücken oder sich gar unabhängig von Staatsangehörigkeiten für einen Sport interessieren, werden vom Staat indirekt zu Exzentrikern und Außenseitern gestempelt, für die natürlich keine Vorzugsbehandlung zu gelten hat.

    Speziell in einem Gebiet wie Südtirol wirkt sich ein derartiges Verständnis nivellierend und — im Sinne des Nationalstaates — disziplinierend aus.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08



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  • Französische Bahn führt kostenlose Katalanischkurse ein.

    Passagieren zwischen Paris und Barcelona bietet die französische Bahn (SNCF) jetzt Einführungskurse in katalanischer Sprache an. Betroffen sind Reisende in TGV-Hochgeschwindigkeitszügen, denen es so ermöglicht werden soll, vorab in die Sprache und Kultur ihres Ziellandes einzutauchen und sich mit entsprechenden Grundkenntnissen vertraut zu machen.

    Die Initiative soll auf der Erkenntnis beruhen, dass zahlreiche französische Passagiere — knapp ein Drittel — noch nie gesprochenes Katalanisch gehört haben sollen und zudem nicht wissen, dass es in Barcelona offizielle Amtssprache ist. SNCF teilte mit, dass man sich als Botschafter der jeweiligen Destinationen fühle und daher im Fall von Katalonien die Idee mit den Sprachkursen aufgegriffen habe.

    Durchgeführt wird der Kurzunterricht von Lehrenden des katalanischen Kulturinstituts Ramon Llull, die in den Zügen mitreisen. Über Borddurchsagen werden die Passagiere zunächst über die Gelegenheit informiert, an der Initiative teilzunehmen. Dann werden den Interessierten Broschüren mit einem Grundwortschatz und einfachen Sätzen verteilt. Die Kurse selbst finden im Bordrestaurant statt und dauern nur rund eine Viertelstunde, darüber hinaus wird aber auch individuell auf Fragestellungen eingegangen und Wissen über Sehenswürdigkeiten und Gastronomie vermittelt.

    Nach einer ersten, erfolgreichen Testphase, die im Sommer begonnen hat, plant SNCF jetzt das Service 2026 auszubauen und zu konsolidieren, sodass die Kurse schon bald in sämtlichen Zügen nach Katalonien angeboten werden könnten.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Plaza Merch Dapunt.

    Die Gemeinde Badia hat dem Widerständler und Naziopfer Merch Dapunt (1923-1944) aus Sotrú den Hauptplatz des Dorfes San Linêrt gewidmet. Bei der Einweihungsfeier, die heute vor einer Woche stattgefunden hat, wurde auch ein Werk des Künstlerpaares Lois Anvidalfarei und Roberta Dapunt enthüllt, das allen Verfolgten der NS-Militärjustiz — und hier insbesondere den Deserteuren und ihren Unterstützerinnen — gewidmet ist.

    Der damals erst 21 Jahre alte Dapunt war am 29. August 1944 in Kortsch (Gemeinde Schlanders) von den Nazis hingerichtet worden, weil er sich aus religiösen Gründen geweigert hatte, den Eid auf Adolf Hitler abzulegen. Als Dableiber war der Hirte dem Polizeiregiment Schlanders zugeteilt worden und floh am 10. Juli 1944 aus der örtlichen Kaserne ins Pustertal, um sich dem Treueschwur zu entziehen. Leider wurde er aber aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung nach wenigen Tagen aufgegriffen und zum Tode verurteilt.

    Auf Betreiben des dortigen Bildungsausschusses war in Kortsch bereits ein Mahnmal in Form eines Bildstocks im Gedenken an Merch Dapunt errichtet und am 25. September 2021 eingeweiht worden (). In der Folge entstand die Idee, ihn auch in seiner Heimatgemeinde zu ehren.

    San Linêrt ist die einzige Ortschaft in Südtirol, deren Hauptplatz einem Opfer des Nazifaschismus gewidmet ist.

    Anlässlich der Einweihung des umgestalteten und neu benannten Platzes wurde gemeinsam mit Hannes Obermair auch ein Buch des Brixner Historikers Michael Messner über Merch Dapunt vorgestellt.

    Cëla enghe: 01 ||



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  • Knausrige Solidarität.
    FUEN


    Das reiche Südtirol ist bei der Unterstützung der FUEN ausgesprochen geizig

    Südtiroler waren schon bald nach der Gründung der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) mit dabei. Vier Südtiroler standen der FUEV als Präsidenten vor. Wie der antinazistische Dableiber und SVP-Mitbegründer Friedl Volgger.

    Südtirol trug dazu bei, dass die FUEN-Initiative Minority Safepack, zwar von der EU-Kommission und vom Europäischen Gerichtshof aus fadenscheinigen Gründen versenkt, ein Erfolg wurde. Mehr als eine Million Europäer:innen aus den Minderheitenregionen unterstützten mit ihrer Unterschrift das Minority-Safepack-Begehren.

    Das in der Frühphase vom ehemaligen Eurac-Mitarbeiter Gabriel von Toggenburg entworfene »Minderheitenpaket« hatte das Zeug, eine auf EU-Regeln bezugnehmende verbindliche Minderheitencharta zu werden. Das Kartell der Vaterländer wusste dies aber erfolgreich zu verhindern.

    Nicht nur die SVP

    Die SVP hat also eine lange Tradition der mitprägenden Teilnahme an der FUEV/FUEN, ist aber nicht das einzige Mitglied aus Südtirol. Mit dabei ist auch die pan-ladinische Dachorganisation Union Generela di Ladins. Den letzten FUEN-Kongress in Bozen Ende Oktober richtete die SVP als Gastgeberin aus. Ein besonderer Akt wäre es gewesen, auch die Union Generela mit ins Boot zu holen, als Partnerin an der Seite.  

    Zwischen SVP und Union gab es in der Vergangenheit immer wieder Reibereien. Die SVP unterstellte der Union eine toxische Nähe zur Democrazia Cristiana. Mutet seltsam an, die DC war jahrzehntelang Koalitionspartner der SVP in der Landesregierung, die linken DCler und Aldo Moro Verbündete für ein neues Autonomiestatut, die DC als ewige Regierungspartei der Ansprechpartner der SVP in Rom. Trotzdem die gesuchte Distanz zur angeblichen DC-Abhängigkeit der Union Generela.

    Vergangenes, sie schaut inzwischen ja zusammen, die kleine überschaubare ladinische Welt in Gröden und im Gadertal.

    Den FUEN-Kongress nutzte die Union Generela gekonnt zur Selbstdarstellung und zur Präsentation der ladinischen Volksgruppe, die aufgesplittert in drei Provinzen von zwei Regionen mit unterschiedlichen »Schutzstandards« lebt. Eine Trennung, erzwungen vom Faschismus.

    Ende Mai tagte in Al Plan die FUEN-AG »Non Kin State«, Minderheiten ohne Mutterstaat. Es ging um die Überlebenschancen der kleinen Sprachen. Die Gäste beispielsweise aus Friesland waren überrascht über die Vitalität des Ladinischen. Eine Vitalität, die laut Sprachbarometer schwächer wird, Simon analysierte diese Entwicklung, die Gemischtsprachigkeit geht auf Kosten des Ladinischen.

    Minderheiten ohne Mutterland brauchen die FUEN

    Besonders diese Minderheiten ohne Mutterstaat benötigen eine europäische Plattform. Die FUEN stellvertretend als »Mutterstaat«. Vierzig der insgesamt 100 FUEN-Mitgliedsorganisationen sind Organisationen von Minderheiten ohne Mutterstaat. Diese brauchen die Solidarität ihrer bessergestellten minderheitlichen Schwestern und Brüder. Nicht nur in wohlfeilen Sonntagsreden und in teuren Hochglanzbroschüren, sondern ganz konkret: Geld.

    Die neue Vorsitzende der FUEN, Olivia Schubert von den ungarndeutschen Minderheiten, nannte die gesicherte Finanzierung eine Zukunftsgarantie für ihre Organisation. Schubert will neue Geldquellen ausfindig machen. Warum sollte nicht die EU — die ja spendabel mit ihren Finanzen umgeht — endlich auch die politische Tätigkeit der FUEN finanzieren? Bei einem mehrjährigen Haushalt von zwei Billionen Euro müsste dies doch machbar sein.

    Ohne einen gut gepolsterten und gesicherten Haushalt kann keine effektive Lobbyarbeit für Minderheiten geleistet werden.

    Derzeit ist überschaubar, wer die FUEN fördert. Es ist ein kleiner Kreis von Solidarischen. Die »Projektförderer« Ungarn und Deutschland sowie die »öffentlichen Förderer« sind der südschleswigsche Ausschuss im dänischen Parlament (ein Verbindungsgremium zur dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein), die autonome Provinz Bozen-Südtirol, die autonome Region Trentino und Südtirol, die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien und das österreichische Bundesland Kärnten. Also nicht nur das EU-feindliche Ungarn fördert die FUEN. Aber ja, Ungarn ist der zweitgrößte Förderer.

    Die Förderer Deutschland und Ungarn

    Die Minderheitenorganisation listet detailliert auf, wer wieviel fördert. Mit mehr als 700.000 Euro sponsert das deutsche Innenministerium FUEN-Projekte und 450.000 Euro stellt Ungarn zur Verfügung. Auf den ersten Blick gar nicht so wenig, aber dieses Geld reicht nicht.

    Ungarn missbraucht über seinen Förderbeitrag die FUEN als Vorfeldorganisation gegen die EU. So verteidigte der erfolgreiche ehemalige FUEN-Vorsitzende Vincze Loránt — Angehöriger der ungarischen Minderheit im rumänischen Siebenbürgen — 2022 im Europaparlament das Orbán-Ungarn gegen Kritik. Auf ihrem Kongress in Berlin 2022 übte die FUEN — ganz im Sinne des Paten Orbán — in einer ersten Resolution heftige Kritik an der angeblichen ungarnfeindlichen Politik des ukrainischen Staates, ohne den russischen Eroberungskrieg auch nur zu erwähnen. Mit 450.000 Euro ließ sich die FUEN zu einem Orbán-Sprachrohr degradieren. Die FUEN verkaufte sich unter ihrem Wert.

    Ein Brosamen sind auch die 700.000 Euro aus dem deutschen Innenministerium. Denn, 488 Milliarden Euro fett ist der bundesdeutsche Haushalt, die FUEN-Förderung eine zu übersehende Fußnote. Ein Vergleich, der verschickte  Chef der Deutschen Bahn verdiente mehr als zwei Millionen Euro.

    Deutschland war ja immer gerne Weltmeister, im Fußball und ein demokratischer Musterknabe noch dazu. Bei Minderheiten ist dieses Streben als Klassenbester gar nicht mehr gegeben. Handelt es sich doch nur um Minderheiten.

    Das Grundrecht sieht keine Minderheitenrechte vor, immerhin gilt die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates als ein Bundesgesetz. Deutschland ratifizierte auch die Sprachencharta des Europarates, eine weitere Leitplanke für Minderheitenschutz und -förderung. Es fehlt aber weiterhin eine bundesweite minderheitliche Grundrechteregelung. Minderheitenförderung ist Landessache und die Länder sind bei der Unterstützung ihrer Minderheiten nicht großzügig.

    Fast zum Schämen

    Und es wird noch dürftiger. Südtirol und Trentino spendieren der FUEN als Region überschaubare 35.000 Euro. Und das bei einem Haushalt von 412 Millionen Euro. Das eigentliche Herzstück dieser Region, die autonome Provinz Bozen-Südtirol, das angebliche Musterbeispiel und Modell für Minderheitenschutz, kratzt gerade Mal 15.000 Euro zusammen. Fast zum Schämen, 8,7 Milliarden Euro schwer ist der Landeshaushalt.

    Ein schräger Vergleich, die Südtiroler Landesregierung pusht die Olympischen Winterspiele im nächsten Jahr. Die Landesregierung lässt sich nicht lumpen und bewirbt mit fünf Stein-Installationen — Leitmotiv »fünf Ringe, fünf Steine, fünf Anlagen« — das sportliche Großereignis. Kosten: 500.000 Euro.
    Da ist der südschleswigsche Ausschuss im dänischen Parlament — im Vergleich zu Südtirol — großzügiger, mit 27.000 Euro ist dieses Gremium bei der FUEN mit dabei.

    Nach unten offene Förderskala

    Ab jetzt sinkt die Förderung rapide nach unten. Schleswig-Holstein mit seinen dänischen, friesischen und Sinti-Minderheiten »fördert« mit 23.000 Euro die FUEN. Auf Grund des Bonner-Kopenhagener-Abkommens genießt die dänische Minderheit eine Reihe von Rechten.

    Der »Freistaat Sachsen« steuert 20.000 Euro bei, das Bundesland Brandenburg gar nur mehr 10.000 Euro. In den beiden Bundesländern ist die sorbische Minderheit zuhause. Eine schrumpfende Minderheit, der Beleg dafür, dass es mit der Minderheitenpolitik nicht weit her ist.

    Schleswig-Holstein, Sachsen und Brandenburg »stemmen« also gemeinsam 53.000 Euro FUEN-Fördermittel. Von Großzügigkeit kann keine Rede sein, wohl eher von Almosen.

    Enttäuschend auch die Förderaktivität der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Belgiens. Aus einem 500 Millionen Euro großen Budget schickt die DG-Regierung 7.500 Euro an die FUEN. Ostbelgien »genießt« im Föderalstaat weitreichende Befugnisse, mit seiner Selbstverwaltung liegt die DG gleichauf mit der Wallonie und mit Flandern. Ein Modell, von dem Minderheiten ohne Mutterland, die meisten Minderheiten in der EU, nicht einmal träumen können. Dementsprechend stolz konnte DG-Ministerpräsident Oliver Paasch auf dem FUEN-Kongress in Bozen seine Region präsentieren.

    Gleichauf mit Ostbelgien rangiert in der nach unten offenen Förderskala das österreichische Bundesland Kärnten, Heimat der immer kleiner werdenden slowenischen Volksgruppe. Das sozialdemokratische Land »überlässt« der FUEN aus seinem 4-Milliarden-Euro-Haushalt die Summe von — sage und schreibe — 7.500 Euro.

    Diese Zahlen verdeutlichen, was den Staaten die Minderheiten wert sind, sie drücken eine beachtliche Geringschätzung aus. Insgesamt sind die Förderungen irrelevant, zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben.

    Die osteuropäischen Staaten, in denen viele FUEN-Mitgliedsorganisationen zuhause sind, steuern mit Ausnahme von Ungarn überhaupt nichts bei. 


    Autor:innen- und Gastbeiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD wieder, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Christian Bianchi nega la minorizzazione.

    Siamo alla pura e semplice follia. Un alleato dell’SVP, membro del Governo sudtirolese come Christian Bianchi (FI), si permette di negare pervicacemente lo stato di minorizzazione della lingua tedesca in Sudtirolo e, ancor più incredibilmente, si avventa a dichiarare ufficialmente che il gruppo linguistico discriminato sarebbe quello italiano. Perché? Perché apparentemente sottorappresentato in Landtag (scelta libera e democratica, che lui vorrebbe limitare) e perché anche gli italiani riceverebbero «una marea, una marea di volte» (cit.) documenti in lingua tedesca. Cosa confutata da tutte le statistiche (p. es. 01 02 03), cheché ne dica la pancia di Christian Bianchi.

    Come d’altronde esistono assessori che non parlano il tedesco, ma non ve ne sono che non parlino l’italiano.

    La discriminazione della lingua tedesca, nonostante la sostanziale tenuta di chi si dichiara appartenente al gruppo linguistico dal 1991 ad oggi (ma in riduzione rispetto al 2001 e al 2011, e senza tenere conto degli stranieri), sta scritta nero su bianco dappertutto e in tutte le salse. Ci sono diritti, veri e propri diritti, che valgono solo ed esclusivamente per la lingua italiana — e per la lingua tedesca non esistono nemmeno: i diritti dei consumatori e delle consumatrici ad avere informazioni nella loro lingua (è mai entrato in un supermercato?), il diritto a ottenere i «bugiardini» dei medicinali nella propria lingua, il diritto ad avere un processo nella propria lingua anche nelle istanze superiori, il diritto che le leggi (anche provinciali) abbiano pieno valore legale anche nella propria lingua, financo l’ufficialità dei toponimi in Sudtirolo, valgono, ripeto, solo ed esclusivamente per la lingua italiana.

    Mentre non esistono diritti relativi alla sola lingua tedesca, ci sono decine e decine, Bianchi direbbe «una marea» di diritti di cui godono solo la lingua italiana e i suoi parlanti — con buona pace dell’articolo 99 dello Statuto, che è sostanzialmente lettera morta.

    Ma non basta: anche quei diritti che spetterebbero a entrambe le lingue — e non parliamo del ladino, che è super discriminato — regolarmente e sistematicamente vengono infranti, praticamente sempre a danno della lingua tedesca (cfr. ancora una volta 01 02 03). Possono esistere casi singoli in cui a un cittadino di lingua italiana arrivi per sbaglio un documento in lingua tedesca, ma quel documento esiste, sempre, anche in lingua italiana e può essere reperito. I documenti in lingua tedesca, no, in moltissimi casi non esistono nemmeno, o perché non previsti dalla legge o perché la legge non viene fatta rispettare. Ripeto, questo non lo si evince solo girando con gli occhi aperti, ma anche conoscendo le leggi e leggendo le statistiche ufficiali.

    È ora che anche gli alleati dell’SVP, partito che dovrebbe tutelare le minoranze linguistiche, si tolgano il prosciutto dagli occhi e la smettano di cercare scuse per negare l’esistenza di una maggioranza nazionale italiana, di una minoranza nazionale tedesca e di un’ulteriore minoranza nazionale, fortemente discriminata e in serio pericolo di estinzione, di lingua ladina.

    Infine, la consistenza dei gruppi linguistici secondo il censimento è solo uno dei vari indicatori che abbiamo a disposizione per valutare lo stato di salute dei gruppi linguistici — ma non per forza delle lingue in sé, in quanto il numero di chi si associa a un gruppo ci dice poco sulle lingue effettivamente parlate in vari contesti, sulle lingue parlate con chi è di altra madrelingua, sui diritti di cui i parlanti una lingua godono né tantomeno su tutto ciò che riguarda i cittadini stranieri di cui il censimento linguistico non tiene nemmeno conto.

    Da chi ha un incarico di governo in una terra come questa, ci si può aspettare molto di più — e in particolare che non contribuisca attivamente a una ancor più forte minorizzazione dei gruppi linguistici strutturalmente discriminati.


    Dimenticavo: Bianchi, in Landtag, accusa di razzismo — alludendo vergognosamente addirittura ai tatuaggi dei Campi di concentramento — chi ritiene in pericolo la lingua tedesca. Ma chi fa un discorso veramente razzista, poi, è lui stesso, quando parla delle badanti e di lavoratrici nei campi alberghiero, sanitario, dell’agricoltura e nell’industria che «non sono né italiane ne tedesche – però lì ci va bene, eh?» (cit.). Quando parliamo di diritti linguistici non parliamo di provenienza, di religione, di colore della pelle o quant’altro. Parliamo solo di lingue.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08 09 10 11



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  • Färöer wollen in die Welthandelsorganisation eintreten.

    Anfang 2021 hatten sich die Färöer um eine eigenständige Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beworben. Schon im Mai desselben Jahres folgte die Aufnahme.

    Jetzt haben die zu Dänemark gehörenden Inseln auch einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO) gestellt. Dies gab die färingische Außen-, Industrie- und Handelsministerin Sirið Stenberg vor wenigen Tagen bekannt.

    Ein von der dänischen und der färingischen Regierung einvernehmlich angerufenes Schiedsgericht der WTO hatte kürzlich entschieden, dass die Färöer in die Organisation eintreten dürfen, wenn Dänemark nichts dagegen einzuwenden hat. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und ihre Regierung hatten nicht nur kein Problem damit, sondern stellten klar, dass sie einen raschen Beitritt unterstützen würden — ähnlich übrigens wie Dänemark auch ein eigenständiges Antreten der Färöer bei olympischen Spielen befürwortet.

    Bislang sind die Färöer bereits über Dänemark Teil der WTO. Nun soll jedoch eine Mitgliedschaft in eigenem Namen erreicht werden, um zum Beispiel noch größere Selbständigkeit beim Abschluss von Handelsverträgen mit Drittstaaten sowie zusätzliche Verhandlungs- und Vertretungsrechte zu erwerben. Außerdem würde der Eintritt in die Welthandelsorganisation die Eigenständigkeit der Inseln auf internationalem Parkett noch einmal sichtbarer machen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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