Das schottische Parlament hat im Juni 2025 mit dem Scottish Languages Act die beiden autochthonen Sprachen Gälisch und Scots in den Rang von Amtssprachen erhoben. Die Regelung trat symbolträchtig am 30. November, dem schottischen Nationalfeiertag St. Andrew’s Day, in Kraft.
Die Anerkennung selbst ist aber nicht symbolisch: Die schottische Regierung und zahlreiche öffentliche Einrichtungen werden verpflichtet, Sprachstrategien auszuarbeiten und den Gebrauch beider Sprachen aktiv zu fördern. In jenen Gebieten, in denen Gälisch oder Scots besonders stark verwurzelt sind, können spezielle Sprachzonen eingerichtet werden, für die gezielte Fördermaßnahmen vorgesehen sind. Darüber hinaus soll der Zugang zum Unterricht in beiden Sprachen ausgebaut, ihre Verwendung im öffentlichen Leben erleichtert und ihre Entwicklung durch die Vorgabe von Standards und regelmäßige Erhebungen begleitet werden.
Die meisten Menschen mit Kenntnissen der gälischen Sprache leben heute noch in Na h-Eileanan Siar, den Äußeren Hebriden.
Der Umgang mit Scots ist auch aus Südtiroler Sicht interessant: Je nach Ansatz wird Scots nämlich entweder als eigenständige Sprache oder als Gruppe englischer Dialekte eingeordnet. Davon ungeachtet erhält es nun denselben rechtlichen Schutz wie Gälisch.
Im schottischen Parlament selbst dürfen beide Sprachen schon länger verwendet werden, was auch tatsächlich geschieht. Für Gälisch steht dabei ein eigener Dolmetschdienst zur Verfügung, während Scots nicht übersetzt wird, obwohl viele Englischsprachige, selbst wenn sie in Schottland aufgewachsen sind, es nur eingeschränkt verstehen.
Anders als Schottland hätte Südtirol nicht die Zuständigkeit, seine Amtssprachen selbst festzulegen oder deren Status zu verändern. Ebenso wenig kann das Land übrigens gesetzliche Feiertage einführen. Während das schottische Parlament den erwähnten St. Andrew’s Day 2006 dazu machte, betteln Südtiroler Politikerinnen seit Jahrzehnten in Rom um die Wiedereinführung des Josefitags.
Im Gegensatz zu Gälisch im schottischen Parlament darf Ladinisch im Südtiroler Landtag nicht gesprochen werden. Auch einen entsprechenden Dolmetschdienst gibt es demzufolge nicht. Und während Scots zur Amtssprache erklärt wird, wurde hierzulande im Landtag sogar ein Dialektverbot verhängt.
Auch eine aktive Sprachpolitik zur Steigerung der Sprecherinnenzahlen, wie sie in nahezu allen fortschrittlicheren Minderheitengebieten existiert, wird in Südtirol nicht betrieben — noch nicht einmal für eine hoch gefährdete Sprache wie Ladinisch.
Cëla enghe: 01



Alba