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  • Ladinerinnen gegen Streichung von Plan de Corones.

    Der Kronplatz hat einen neuen Markenauftritt. Dafür wird die ladinische Bezeichnung Plan de Corones aus dem Logo gestrichen und stattdessen nur noch auf Kronplatz – Dolomites gesetzt. Dagegen regt sich Widerstand.

    Der Präsident der Union Generela di Ladins dla Dolomites (UGLD), Roland Verra, kritisiert, dass die Entscheidung die Sichtbarkeit der ladinischen Sprache erheblich beeinträchtige. Insbesondere in der internationalen Werbung und in den sozialen Medien drohe der ladinische Name dadurch aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Auch vor Ort werde damit ein wichtiger Bestandteil des historisch gewachsenen ladinischen Ortsnamenerbes zurückgedrängt.

    Die UGLD ruft die Verantwortlichen auf, die Entscheidung zu überdenken und den ladinischen Namen wieder ins Logo aufzunehmen.

    Es sei nicht hinnehmbar, aus wirtschaftlichen Gründen auf die ursprüngliche Bezeichnung zu verzichten. Eine solche Entscheidung stehe im Widerspruch zu den Bemühungen um Erhaltung und Schutz der ladinischen Sprache und Kultur, die zu den grundlegenden Aufgaben der Landesautonomie gehörten.

    Auch Michael Ploner, Schützenkommandant von La Pli de Mareo, und Katrin Ellecosta, Kulturreferentin der Gemeinde Mareo, sprechen sich gegen die Entfernung des Namens aus.

    Wie Rai Ladinia – Trail berichtet sehen sie darin eine Infragestellung der ladinischen Identität.

    Der Name sei keine beliebige Werbebezeichnung, sondern über die Jahrtausende gemeinsam mit der ladinischen Sprache entstanden und mit der Überlieferung der Fanessagen verbunden. Außerdem habe er dazu beigetragen, die ladinische Kultur über die Grenzen des eigenen Sprachraums hinaus bekannt zu machen. Er sei also gewissermaßen das sprachliche Gedächtnis des Ortes.

    Besonders widersprüchlich erscheint es Ploner und Ellecosta, die historische Bezeichnung Plan de Corones auszulöschen, während gleichzeitig die Fanessagen für das Dolomiten-Marketing ausgeschlachtet würden. So verkomme die ladinische Kultur zur dekorativen Kulisse, während man ihr gleichzeitig die Legitimität nehme, im gelebten Alltag auf Augenhöhe präsent zu sein. Ein derartiger, kurzsichtiger Ausverkauf degradiere das kulturelle Erbe zum Konsumgut.

    Schützenkommandant und Kulturreferentin erinnern daran, dass diese Entwicklung einem bereits bekannten Muster folge. Seit Jahrzehnten würden historische ladinische Ortsnamen im Tourismusmarketing verdrängt — wie etwa im oberen Teil des Val Badia, das als Alta Badia bekannt sei: Calfosch sei zu Colfosco, La Ila zu La Villa und San Ciascian zu San Cassiano gemacht geworden. Auch die ladinische Bezeichnung Al Plan trete hinter die Bezeichnung San Vigilio zurück.

    Authentizität und Nachhaltigkeit beschränkten sich nicht auf ökologische und ökonomische Aspekte, sondern müsse auch die Kultur umfassen. Es sei ein klares Bewusstsein dafür nötig, dass man die historischen Wurzeln und die Identität nicht für einen kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg opfern dürfe.

    Zu den bereits von Ploner und Ellecosta genannten Beispielen könnte man auch noch Gherdëina hinzufügen, das sich nur noch mit dem italienischen Talschaftsnamen vermarktet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09



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  • Ladinerinnen können sich ihre Heimat nicht mehr leisten.

    Der Übertourismus führt bereits dazu, dass die Ladinerinnen in weiten Teilen des ladinischen Siedlungsgebiet nahezu das ganze Jahr über in der Minderheit sind, obwohl sie (noch) eine klare Mehrheit der ansässigen Bevölkerung stellen. Selbst in ihrer Heimat sind daher die meisten öffentlich zugänglichen Angebote, insbesondere im privaten Sektor, häufig — auch und gerade in sprachlicher Hinsicht — nicht auf die ladinische Bevölkerung ausgerichtet.

    Ein weiteres massives Problem ist bekanntlich die vom Tourismus angetriebene Gentrifizierung. Vor wenigen Tagen schlug Elide Mussner von den Südtiroler Grünen Alarm: In Gherdëina und Badia sei Wohnraum — einer von ihr selbst anhand öffentlich zugänglicher Immobilienanzeigen durchgeführten Analyse zufolge — deutlich teurer als im übrigen Südtirol. Viele Angebote richteten sich außerdem gezielt an auswärtige Käuferinnen, die eine Ferienwohnung oder eine Kapitalanlage suchen.

    Mussner warnte davor, dass diese Entwicklung nicht nur ein soziales Problem darstelle, sondern auch den Fortbestand der ladinischen Sprachgemeinschaft gefährde. Wenn junge Menschen ihre ladinische Heimat verlassen müssen, weil sie sich dort keine Wohnung mehr leisten können, wachsen auch ihre Kinder außerhalb des ladinischen Sprachraums auf.

    Dort aber fehlt ihnen das sprachliche und institutionelle Umfeld, das sie in Badia und Gherdëina vorfinden. Außerhalb Ladiniens ist ihre Sprache weder Amts- noch Unterrichtssprache. Auch im öffentlichen Leben bestehen nur sehr begrenzte Möglichkeiten, die Sprache selbstverständlich zu verwenden. Was durch den Wegzug verloren geht, ist daher nicht nur ein Wohnsitz, sondern auch ein Stück sprachlicher Kontinuität.

    Die zur Region Venetien gehörenden ladinischen Gemeinden, allen voran Anpezo, sind ein warnendes Beispiel für eine solche Entwicklung. Neben der nur begrenzten institutionellen Anerkennung der Sprache führen extrem hohe Immobilienpreise schon seit Jahrzehnten dazu, dass sich Einheimische in umliegenden Gemeinden niederlassen müssen. Die ladinische Gemeinschaft löst sich zusehends auf.

    Die Olympischen Spiele 2026 haben diese verheerende Entwicklung mit Sicherheit nicht eingebremst, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit weiter verstärkt.

    Auch international wurden die schwerwiegenden Folgen einer übermäßigen Touristifizierung erkannt und während der letzten Jahre immer öfter thematisiert. Touristischer Erfolg dient nicht automatisch den Interessen der ansässigen Bevölkerung.

    Für eine minorisierte Sprachgemeinschaft ist leistbarer Wohnraum mehr als eine sozialpolitische Angelegenheit. Er ist eine Voraussetzung dafür, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können, ihre Sprache im Alltag verwenden und sie den nächsten Generationen weitergeben können. Wirtschaftsmodell, Raumordnung und Wohnungspolitik lassen sich in dieser Hinsicht nicht vom Minderheitenschutz trennen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Die SVP fordert jetzt auch einen EU-Wahlkreis für Südtirol.

    Wie verschiedene Medien berichtet haben, wurde im Südtiroler Landtag ein Begehrensantrag der SVP (Nr. 61/26) eingebracht, mit dem Italien dazu aufgefordert wird, für Südtirol einen eigenen EU-Wahlkreis zu schaffen. Als Vorbild wird in den Prämissen ausdrücklich die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) in Belgien genannt, die mit deutlich weniger Einwohnerinnen als Südtirol (knapp 80.000) in Bezug auf das EU-Parlament einen eigenen Wahlbezirk bildet und über einen garantierten Sitz in der europäischen Versammlung verfügt.

    Bislang ist Südtirol Teil des überregionalen EU-Wahlkreises Nordostitalien, zu dem auch Venetien, Friaul, Julien, die Emilia-Romagna und das Trentino zählen. Parteien der deutschen und ladinischen Sprachminderheiten sind gezwungen, Wahlbündnisse mit gesamtstaatlichen Parteien einzugehen, weil sie außerstande wären, aus eigener Kraft die 4%-Hürde zu überwinden.

    Die Zuständigkeit für die Einteilung des Staatsgebiets in Wahlkreise obliegt den Mitgliedsstaaten.

    Den von Harald Stauder eingebrachten und Waltraud Deeg mitunterzeichneten Begehrensantrag halte ich für eine sehr gute Idee — und zwar nicht nur, weil sie ursprünglich wohl von mir selbst stammt. Auch auf das Beispiel DG hatte ich bereits 2019 hingewiesen.

    Für demokratiepolitisch sehr bedenklich halte ich aber, dass Andreas Leiter Reber von der Freien Fraktion schon im April 2024 einen Beschlussantrag (Nr. 77/24) zu diesem Thema eingebracht hatte — mit dem Titel »EU-Wahlkreis für Südtirol – Kleines Europa in Europa braucht kleinen Wahlkreis«. Der wurde dann am 8. Mai von der SVP Punkt für Punkt niedergestimmt.

    Leiter Reber selbst macht darauf aufmerksam, dass Harald Stauder von den gestrigen Dolomiten in Bezug auf den SVP-Antrag sogar mit dem Verweis auf das »kleine Europa in Europa« zitiert wird. Und auch, dass die verkorkste Strategie der SVP die Angelegenheit um zwei Jahre verzögert hat, nämlich den Zeitraum zwischen Leiter Rebers Antrag und Stauders Copy-Paste-Vorstoß.

    Für die nächste EU-Wahl (2029) wird es damit, selbst wenn Rom mitziehen sollte, sehr eng.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Alberta hat selbst bestimmt.

    Am Montag konnten die Stimmberechtigten in der kanadischen Provinz Alberta über zehn Fragen abstimmen, darunter vier Verfassungsfragen und eine zur möglichen Loslösung von Kanada. Bei Letzterer fiel das Ergebnis deutlich aus: Rund 75 Prozent sprachen sich für den Verbleib bei Kanada aus, nur etwa ein Viertel dafür, das Verfahren für ein bindendes Unabhängigkeitsreferendum einzuleiten.

    Dabei war die Fragestellung allerdings ungewöhnlich. Es konnte nicht unmittelbar für oder gegen die Unabhängigkeit Albertas gestimmt werden. Die Fragestellung war vor allem eine Art Referendum über ein Referendum. Wer die Abspaltung grundsätzlich ablehnte, konnte direkt für den Verbleib bei Kanada stimmen. Wer eine spätere Entscheidung über die Unabhängigkeit ermöglichen wollte, musste — und konnte — hingegen nicht unmittelbar für die Loslösung eintreten.

    Das Ergebnis kam keineswegs überraschend. Sämtliche repräsentativen Umfragen im Vorfeld der Abstimmung hatten eine deutliche Mehrheit für den Verbleib bei Kanada ergeben. Die Unterstützung für die Einleitung eines Unabhängigkeitsreferendums lag weit darunter. Und die Zustimmung zur tatsächlichen Abspaltung wäre nach den Umfragen noch geringer gewesen.

    Ausgegangen war die separatistische Initiative vom Alberta Prosperity Project, das die Unabhängigkeit der rohstoffreichen Provinz anstrebt. Der Bewegung gehören auch Akteure an, die US-Präsident Donald Trump und dem politischen Spektrum rund um »MAGA« nahestehen. Ihre Argumentation kreist unter anderem um die angeblich ungerechte Behandlung Albertas durch die Bundesregierung, die Verteilung der Einnahmen aus den fossilen Rohstoffen und die bundesstaatliche Klima- und Energiepolitik.

    Die Initiative stieß allerdings auf juristischen Widerstand. Ihre Bürgerpetition zur Unabhängigkeit wurde von einem Gericht gestoppt, weil man der Pflicht zur Konsultation der indigenen First Nations nicht nachgekommen war. Deren verbriefte Rechte und Verträge wären von einer Abspaltung unmittelbar betroffen.

    Daraufhin kündigte die Regierungschefin von Alberta, Danielle Smith, überraschend an, die Frage in veränderter Form selbst zur Abstimmung zu bringen. Smith gehört dem konservativen Lager an und steht den wirtschaftspolitischen Interessen der Öl- und Gasindustrie nahe. Eine Abspaltung von Kanada befürwortet sie jedoch nicht. Mit der Abstimmung wollte sie die separatistische Forderung politisch klären lassen, ohne selbst für die Unabhängigkeit einzutreten.

    Jetzt ist es offiziell: Eine große Mehrheit der Abstimmenden wollte keinen nächsten Schritt in Richtung Abspaltung. Damit ist die separatistische Bewegung allerdings nicht zwangsläufig erledigt. Ein Teil ihrer Anhängerschaft wollte mit der Abstimmung vor allem Druck auf Ottawa ausüben und eine Neuverhandlung der Beziehungen zwischen der Provinz und der Bundesregierung erzwingen.

    Interessant ist dennoch, dass über die Forderung nach einem Unabhängigkeitsreferendum demokratisch abgestimmt werden konnte, obwohl die Regierungschefin selbst das Ziel der Separatistinnen gar nicht teilt. Die Debatte wurde nicht allein deshalb unterbunden, weil die Forderung politisch unerwünscht war.

    Von dieser Kombination aus demokratischer Offenheit und rechtsstaatlicher Auseinandersetzung können wir hierzulande nur träumen. Selbstbestimmungsforderungen sollten nicht einfach deshalb tabu sein, weil sie den bestehenden Staat infrage stellen. Dass eine Regierung eine solche Debatte zulässt, ohne sich das Ziel der Initiatorinnen zu eigen zu machen, ist kein Widerspruch, sondern gelebte Demokratie.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07



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  • Wenn Alessandro Urzì zur Tagung lädt.

    Der Abgeordnete Alessandro Urzì von den neofaschistischen Fratelli d’Italia organisiert morgen Vormittag in den Räumlichkeiten des italienischen Parlaments eine Tagung zu einem seiner Lieblingsthemen, der Staatsgrenze, die er schon mal tapfer vor Kaffee trinkenden österreichischen Exekutivbeamten verteidigt oder mit italienischen Symbolen markieren lässt. Im konkreten Fall geht es ihm aber außer um Südtirol auch um die italienische Ostgrenze und die von Italien nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Gebiete in Istrien und Dalmatien, die den Unverbesserlichen bis heute Phantomschmerzen bereiten.

    Der in Vicenza gewählte Parlamentarier und Koalitionspartner der SVP, der sich in der Ankündigung ausdrücklich auch als Präsident der Sechserkommission vorstellt, konnte für seine Veranstaltung den Minister für die Beziehungen zum Parlament, Luca Ciriani, von seiner eigenen Partei gewinnen.

    Ankündigung der von Alessandro Urzì organisierten Tagung (Querbalken von mir)

    Zu den Vortragenden gehört unter anderem Federico Guiglia, der für die Athesia-Zeitung A. Adige regelmäßig ultranationalistische, autonomie- und minderheitenfeindliche Meinungsbeiträge (vgl. 01 02 03) verfasst.

    Eine besonders interessante Personalie ist aber wohl Francesca Carpenetti, ihres Zeichens gesamtstaatliche Vizepräsidentin des Comitato 10 febbraio, die einen Teil der Einleitung übernommen hat. Das Komitee, an dessen martialischem Marsch in Bozen Landeshauptmannstellvertreter Marco Galateo (FdI) im Februar letzten Jahres teilgenommen hat, widmet sich dem geschichtsrevisionistischen, revanchistischen Gedenken an die sogenannten Foibe. Es zeichnet sich aber vor allem durch zahlreiche personelle Überschneidungen mit neofaschistischen Bewegungen — insbesondere CasaPound — aus und scheut sich auch nicht davor, gemeinsam mit ihnen öffentlich in Erscheinung zu treten.

    Auch die Professoren Giuseppe de Vergottini, Andrea Ungari und Davide Rossi dürften ideologisch eingeordnet sein. Ersterer ist Ehrenpräsident des Verbands der aus Istrien, Rijeka/Fiume und Dalmatien Vertriebenen, letzterer der Vizepräsident des Vertriebenenverbands FederEsuli. Ungari sitzt einer Stiftung vor, die nach Ugo Spirito, einem Unterzeichner des Manifests der faschistischen Intellektuellen und wichtigstem Befürworter des faschistischen Korporatismus, benannt ist. Der zweite Namensgeber, Renzo De Felice, war als Nachkriegshistoriker für eine verharmlosende Darstellung des Faschismus verantwortlich.

    Als einziger tanzt (möglicherweise) Prof. Andrea Di Michele von der Freien Universität Bozen aus der Reihe. Ihm könnte man am ehesten vorwerfen, sich für eine parteiische — und parteipolitische — Veranstaltung der weit Rechten herzugeben und sie so, wenigstens teilweise, zu legitimieren.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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