Wenige Tage nach Veröffentlichung der Ergebnisse von PISA 2025, die insbesondere für die italienische Schule in Südtirol wenig schmeichelhaft ausgefallen sind, veröffentlicht der zuständige Landesrat, LH-Stellvertreter Marco Galateo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia, in den sozialen Medien ein denkwürdiges Reel. Dort verkündet er, allen italienischen Schulen in Südtirol »un kit della nazione, un kit della patria« geschickt zu haben, das im Wesentlichen aus einer italienischen Flagge und einer Ausgabe der italienischen Verfassung besteht. Er wolle damit »die gesunden Prinzipien des Respekts von Regeln und unserer Identität« fördern.
Damit sind die Prioritäten und die Ziele klar.
Das Heft mit der italienischen Verfassung braucht natürlich ebenfalls einen grünweißroten Umschlag, denn nicht die darin enthaltenen Werte (schon gar nicht der Antifaschismus) sind für Galateo zentral, sondern nur ihre nationalistische Ausschlachtung.
Marco Galateo auf Facebook – Querbalken von mir
Das klingt irgendwie wie damals, als man dachte, die italienische Fußballnationalmannschaft könnte erfolgreicher sein, wenn sie vor den Spielen die italienische Nationalhymne absingt. Während der letzten Ausgaben der Weltmeisterschaften hat das allerdings mäßig funktioniert.
Von dieser oberflächlichen Assoziation einmal abgesehen, ist es echt unglaublich, mit welcher Chuzpe die — angeblich so armen — italienischen Rechten in der Landesregierung ihren trennenden identitären Kulturkampf führen. Und in welchem Rhythmus. Keine Woche vergeht, ohne dass neue Schritte gesetzt werden.
Hier jedoch vergeht sich der Landesrat an einem Ort, der eigentlich neutral sein sollte und versucht damit, die großteils minderjährigen Schülerinnen in einem geschützten Umfeld für seine, die nationale Sache zu beeinflussen. Damit wird die italienische Schule in Südtirol von einer Südtiroler Schule mit italienischer Unterrichtssprache immer mehr zum Ort des politischen Kulturkampfs — und entfernt sich in dieser Hinsicht auch immer weiter von der deutschen und ladinischen Schule.
Wer seine Kinder in eine italienische Schule schickt, muss also bedenken, dass sie nicht nur in der nationalen Mehrheitssprache gebildet werden, sondern auch, dass sie von einem gemeinsamen Südtiroler Konsens abgezweigt und zu einer »nationalistischen« Ideologie gedrängt werden. Das gilt auch nicht »nur« für Kinder der italienischen Sprachgruppe, sondern auch für Kinder von Zugewanderten und Kinder der deutschen und ladinischen Sprachgruppe, die möglicherweise in die italienische Schule geschickt werden, um besser Italienisch zu lernen.
Auch wer gemeinsame Schulen fordert, muss sich bewusst sein, dass wir uns damit — jenseits aller »didaktischen« Bedenken — einem schwer zu gewinnenden Kultur- und Identitätskampf aussetzen würden, der zwischen den Schulbänken und auf dem Rücken der Schülerinnen ausgetragen wird.
Dass es nicht die italienische Staatsregierung, sondern eine SVP-dominierte Landesregierung ist, die Schülerinnen in italienischen Schulen zu guten Italienerinnen im national-identitären Sinn machen will, ist unerhört. Das sprengt nahezu die Vorstellungskraft. Doch die Volkspartei ist offenbar schon vor einiger Zeit falsch abgebogen und findet nicht mehr auf den richtigen Pfad zurück.
Gespannt sein darf man bei einer derart dreisten Vorgehensweise auf die Reaktionen der italienischen Sprachgruppe. Doch wie bei anderen Themen erwarte ich mir da ehrlich gesagt recht wenig Widerspruch (und lasse mich dennoch gerne überraschen).
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



