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  • Griechisches Vorbild für Südtirol.
    Minderheit in Apulien

    Vor einigen Wochen war in der ff (Nr. 3/2026) ein Leserbrief von Georg Lezuo erschienen, in dem er das valencianische Schulsystem als Vorbild für Südtirol ins Spiel brachte. Warum ich das fragwürdig finde, hatte ich hier beschrieben.

    In der dieswöchigen Ausgabe des Wochenblatts (Nr. 10/2026) ist nun erneut ein Leserbrief von Lezuo erschienen, in dem er diesmal über die griechische Minderheit in Apulien berichtet. Ihre Sprache, die Glossa grika, finde in der Schule gar keine Berücksichtigung, zudem werde

    in den Klassenzimmern die Vorstellung vermittelt, wonach “richtig” und “gebildet” sprechen hieße, in der Sprache des Staates zu sprechen und zu schreiben[.]

    – Georg Lezuo

    Schrecklich, dass sowas heute noch in einem Staat geschieht, der seine Minderheiten angeblich schützt — doch in den meisten Fällen das genaue Gegenteil tut.

    Einige couragierte Intellektuelle in Apulien fordern: Zweisprachigkeit in Schulen und Öffentlichkeit, auch die eigene Sprache zusätzlich zur Staatssprache, als Weg zur Rettung der eigenen Sprache. Ein wesentlicher Unterschied zur Südtiroler Politik, wo man eine zweisprachige Schule als Anfang vom Ende sieht und worin Kämpfer für die Glossa grika den Weg zur Rettung sehen: Wie soll man also den Widerstand in Südtirol gegen die Zweisprachigkeit an Schulen nennen? Etwa Angst, Panik oder Hysterie?

    – Georg Lezuo

    Manchmal habe ich das Gefühl, den Befürworterinnen der mehrsprachigen Schule gehen langsam die Argumente aus. Was ist daran schwer verständlich, dass eine zweisprachige Schule für eine Minderheit natürlich um Welten besser ist, als eine, die ausschließlich die Staatssprache berücksichtigt? Weltweit setzen sich Minderheiten, die heute keinerlei Anerkennung genießen, für mehrsprachige Schulen ein — nicht notwendigerweise, weil das die ideale Lösung wäre, sondern weil für sie bislang die einzige Alternative eine Schule ist, in der ihre Sprachen ganz und gar unter die Räder kommen.

    In Südtirol haben wir eine völlig andere Ausgangslage: Hier verfügt die deutsche — anders als die ladinische — Minderheit über ein Schulsystem, in dem ihre Sprache die Hauptunterrichtssprache ist. Unabhängig davon, ob man die Einführung einer sogenannten zwei- bzw. mehrsprachigen Schule befürwortet oder nicht, sollte daher eigentlich einleuchten, dass Beispiele wie die griechische Minderheit in Apulien und ihre Forderungen kaum als Vorbild gelten können.

    Sie illustrieren vielmehr eine gänzlich andere Situation: den Versuch einer Minderheit, überhaupt erstmals institutionellen Raum für ihre Sprache zu schaffen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • Auch Bianchi diffamiert antifaschistische Kundgebung.

    Nach Roland Stauder (F), Marco Galateo (FdI) und dem Bozner Bürgermeister Claudio Corrarati hat sich nun auch LR Christian Bianchi (FI) zur Remigrationsdemo und zur erfolgreichen Gegenveranstaltung geäußert. In einem Beitrag für den heutigen A. Adige stellt er beide — also eine faschistische und eine antifaschistische Kundgebung — auf eine Stufe, womit auch in seinem Fall geklärt wäre, wo er sich positioniert.

    Dass er die Teilnehmenden der Gegenkundgebung pauschal als »Linksradikale« und Populistinnen diffamiert, spricht ebenfalls Bände. Schließlich waren unter anderem auch »sein« Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) oder der Generalvikar der Diözese Bozen-Brixen, Eugen Runggaldier, unter den Demonstrierenden. Bianchis Etikettierung trifft auf sie — genauso wie auf viele andere Teilnehmende — ganz offensichtlich nicht zu.

    Die Tageszeitung zitiert den Landesrat so:

    Antifaschismus als pauschale Antwort auf jede Forderung nach mehr Kontrolle sei ebenso vereinfachend.

    – Christian Bianchi

    Auch dem Landesrat dürfte nicht entgangen sein, dass es hier nicht um »jede Forderung nach mehr Kontrolle«, sondern um einen Aufmarsch von Neonazis und Neofaschisten ging, deren gefährliches Remigrationskonzept letztendlich auf die Wiedereinführung des Ahnenpasses und ethnische Säuberungen hinausläuft. Dass nicht nur »irreguläre« Zuwanderer von den Ausschaffungen betroffen wären, hat CPI-Chef Luca Marsella in Bozen sogar öffentlich zu Protokoll gegeben.

    Darauf ist Antifaschismus sehr wohl eine Antwort, wahrscheinlich sogar die einzig mögliche. Bianchis Positionierung lässt hingegen tief blicken. Sie ist eines Demokraten und Mitglieds der Südtiroler Landesregierung unwürdig.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Die verzichtbare Kohärenz von Corrarati und Galateo.
    Remigration

    Im Vorfeld der Antiremigrationsdemo hatte Paul Köllensperger (Team K) den Landeshauptmann für dessen Absicht, daran teilnehmen zu wollen, kritisiert. Arno Kompatscher (SVP) habe sich für eine Koalition mit den Rechten entschieden, er solle daher konsequent sein und politische Verantwortung übernehmen.

    Auch hier haben wir immer wieder auf die Inkonsequenz der SVP hingewiesen, die sich zwar antifaschistisch gibt, aber rechtsradikale bis rechtsextreme Kräfte in Regierungsverantwortung geholt hat. Die Kohärenz, die wir fordern, ist aber nicht dergestalt, dass der Landeshauptmann sich aus diesem Grund mit Kritik an seinen Koalitionspartnerinnen zurückhalten sollte, sondern im Gegenteil, dass er sie noch viel entschiedener vorbringen soll — bis hin zur Aufkündigung dieser unseligen Allianz.

    Die Kohärenz, die Köllensperger vorschwebt, haben uns der Bozner Bürgermeister Claudio Corrarati und LH-Vize Marco Galateo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia im Anschluss an die Kundgebung vorgeführt. Beide forderten die Teilnehmenden dazu auf, Migrantinnen bei sich zuhause — oder wahlweise: bei sich in der sogenannten »Peripherie«, weit weg von Bozen — aufzunehmen. Insbesondere Corrarati will seine Aussage zumindest nachträglich so interpretiert wissen, dass Zugewanderte auf möglichst viele Gemeinden in Südtirol verteilt werden sollen. Die alte Leier.

    Damit hat er als Bürgermeister, der mit den schlimmsten Faschos koaliert, eine gute Chance verpasst, wenigstens still zu sein, denn einen unpassenderen Zeitpunkt kann man sich für diese Forderung kaum vorstellen.

    Nach einer Demonstration gegen rechtsextreme Deportationsforderungen wirkt eine solche Intervention wie eine rhetorische Ablenkung. Die erfolgreiche antifaschistische Mobilisierung wird nicht zum Anlass genommen, für Kohäsion einzutreten, sondern um migrationspolitische Debatten in einer Weise zuzuspitzen, die der extremen Rechten wieder in die Hände spielt.

    Aber im Sinne von Köllensperger konsequent waren sowohl der Herr angeblich antifaschistische Bürgermeister, mit dessen Mehrheit auch das Team K gerne paktelt, als auch der Landeshauptmannstellvertreter. Da lobe ich mir zum Beispiel Landesrat Philipp Achammer (SVP), der Galateos Worte klar verurteilt hat, obwohl er — leider —mit ihm koaliert.

    Eine Koalition, die sich an solchen Widersprüchen wenigstens noch reibt und darüber möglicherweise zerbricht, kann uns allemal lieber sein als eine, die menschenfeindliche Positionen geräuschlos mitträgt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 || 01



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  • Remigration: Keine Illusion, worum es geht.
    Quotation

    Freiwillig soll gehen können, wer von selber geht, das ist im Grunde die Idee. Und wer nicht freiwillig geht, soll unter Druck gesetzt werden, soll drangsaliert werden, dem soll das Leben so ungemütlich gemacht werden, dass er irgendwann letztlich die Flucht ergreift — und deshalb, finde ich, ist es auch angemessen, da von Vetreibung zu sprechen. Also, Abschiebungen und Vetreibungen sind die Bestandteile von »Remigration«.

    Was ich sehr wohl wichtig fände ist, dass man sich keine Illusionen darüber macht, worum es [bei der Kundgebung in Bozen] geht, und auch wenn man auf dieser Demonstration vermutlich nicht massenhaft Springerstiefel und Glatzen und Baseballschläger sehen wird — und auch vermutlich auch nicht »Ausländer raus!« als Parole hören wird —, ist das, was da gefordert wird, im Grunde dasselbe. Auch wenn die Leute, die es fordern, anders angezogen sind und sich anders frisieren.

    Bernhard Weidinger, Rechtextremismusforscher am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) beim Morgengespräch von Rai Südtirol, 26. Februar 2026. Transkription der Auszüge von mir.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 || 01 02



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  • Pro & Contra Unmenschlichkeit.

    Mit der gestrigen Ausgabe der Sendung Pro & Contra hat Rai Südtirol einen neuen Tiefstpunkt erreicht. Am Samstag wollen neofaschistische und neonazistische Organisationen, die sich im Comitato Remigrazione e Riconquista (R&R) zusammengefunden haben, in der Landeshauptstadt eine Kundgebung veranstalten, um ihre kruden Deportationsphantasien zu bewerben und neue Unterstützerinnen zu gewinnen.

    Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk fiel dazu offenbar nichts Besseres ein, als einfach einen Befürworter und eine Gegnerin der sogenannten »Remigration« in seine Sendung einzuladen: Roland Stauder (F) und Brigitte Foppa (Grüne).

    Der Sendungstitel — Wie gefährlich ist die Idee der Remigration? — sollte wohl noch ein klein wenig Distanz signalisieren, doch im Grunde ist es bei dem Format unvermeidlich, dass ein wenig nuanciertes Für und Wider entsteht. Damit wird hier suggeriert, dass es sich bei dem Thema um eine legitime politische Streitfrage handelt, bei der sich im Grunde zwei gleichermaßen akzeptable Positionen gegenüberstehen.

    Künstliche Gleichgewichtung: False Balance

    Somit bekam also der Parteiobmann der Freiheitlichen, die an der Landesregierung beteiligt sind, eine öffentliche Bühne, um sich zugunsten eines Konzeptes zu positionieren, das letztendlich die massenhafte Ausweisung von Menschen nach ethnischen Kriterien vorsieht; diese vom Neonazi Martin Sellner stammende Forderung zu verharmlosen — und auch noch AfD und FPÖ in Schutz zu nehmen. Geschickt ging er zur Kundgebung vom Wochenende (aber nicht zur Kernforderung) auf Distanz, womit er vermitteln konnte, dass es gute und schlechte Remigrationsbefürworterinnen gebe. Die Veranstalterinnen der Gegenkundgebung setzte er dabei auch noch auf eine Stufe mit CasaPound und Veneto Fronte Skinhead, den Hauptaktionären von R&R. Faschismus und Antifaschismus — beides gleich schlimm.

    Bereits das Setting der Sendung, das eine menschenverachtende Forderung und deren Ablehnung gleichberechtigt nebeneinander stellte, bot dieser angeblichen Gleichwertigkeit eine implizite Grundlage. Das ist ein gefährlicher Beitrag zur weiteren Normalisierung von Rechtsextremismus.

    Ein öffentlich-rechtlicher Sender hätte eigentlich die Aufgabe, Zusammenhänge einzuordnen, statt sie in ein konfrontatives Talkformat zu pressen, das hauptsächlich auf Polarisierung ausgelegt ist.

    Wenn es so weitergeht, werden wir wohl bald die Gelegenheit bekommen, einem Pro & Contra Faschismus oder einem Pro & Contra Rassenhygiene beizuwohnen.

    Es macht mich so fassungslos und wütend.

    Nicht zuletzt stellt sich natürlich wieder einmal die Frage, ob es klug ist, sich — selbst als Gegnerin — in den Dienst einer Sendung wie der von gestern zu stellen. Ich bezweifle das sehr stark.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07 08 || 01 02 03



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  • Könnte der Südtiroler Landtag auch außerhalb von Bozen tagen?


    von Oskar Peterlini

    Gegen den Vorschlag, die Landtagssitzungen auch in der Peripherie abzuhalten, um sie den Bürgern näherzubringen, wurde eingewandt, dafür müsse das Autonomiestatut geändert werden, weil für den Regionalrat vorgesehen ist, dass die Sitzungen alternierend in Trient und in Bozen stattfinden müssen und diese Bestimmung auch auf die Landtage ausgedehnt wurde. Das sehe ich nicht so.

    Der Art. 27 des Autonomiestatuts (AuSt.), der für den Regionalrat vorsieht, dass die Sitzungen alternierend in zwei gleichen Zeitabschnitten in Trient bzw. in Bozen stattfinden, lässt sich nicht auf die Landtage übertragen, weil der Art. 49 des AuSt. ausdrücklich vorsieht, dass die Bestimmungen der für den Regionalrat vorgesehenen Artikel nur gelten, soweit sie anwendbar sind.

    Eine Alternanz der Sitze zwischen Trient und Bozen lässt sich nicht auf die Landtage anwenden, was ja der ausdrückliche Zweck des Art. 27 ist. Eine analoge Bestimmung stand schon im ursprünglichen Text des alten Autonomiestatuts von 1948 (Vf-Gesetz vom 26. Februar 1948, Nr. 5, Art. 1, Abs. 2), in dem, wie im neuen AuSt. (Art. 1, Abs. 2) festgehalten wird, dass die Hauptstadt der Region Trient ist. Um festzuhalten, dass Sitzungen eben nicht allein in der Regionalhauptstadt Trient, sondern in beiden Provinzen stattfinden, wurde die Bestimmung der Alternanz eingeführt. Wenn nichts stünde, könnte man davon ableiten, dass die Sitzungen in der Hauptstadt der Region, also in Trient abzuhalten wären.

    Bis zum Jahre 2001 hätte man noch, aber auch nur mit einer sehr extensiven Interpretation, eine Verpflichtung zum Sitz in den beiden Hauptstädten für die Landtage hineininterpretieren können, weil bis damals die Landtage Unterorganisationen des Regionalrates waren: »Das Gebiet der Region ist in die Provinzialwahlkreise von Trient und Bozen eingeteilt« (Art. 19, AuSt. 1948 in historischer Fassung). »Jeder Landtag besteht aus den in der betreffenden Provinz gewählten Mitgliedern des Regionalrates« (Art. 42, AuSt. 1948 in historischer Fassung).

    Nicht mit dem neuen AuSt. von 1972, sondern erst mit der Verfassungsreform von 2001, dem Verfassungsgesetz Nr. 2/2001, wurde dieses Prinzip umgedreht, sodass nunmehr der Regionalrat sich aus den beiden Landtagen bildet, und nicht wie bis dahin umgekehrt. Neu heißt es: »Die Autonomen Provinzen Trient und Bozen bilden die Region Trentino-Alto Adige /Südtirol« (italienische Verfassung, Art. 116, Abs. 2.). »Der Regionalrat besteht aus den Mitgliedern des Landtages des Trentino und des Südtiroler Landtages.« (Art. 25 AuSt.).

    Der Regionalrat ist also ein von den beiden Landtagen abgeleitetes Organ. Eine absolute Verpflichtung, die Sitzungen des Landtages ausschließlich in Bozen abzuhalten, lässt sich aus meiner Sicht nicht mehr hineininterpretieren.

    Oskar Peterlini ist unter anderem Autor des Buches Autonomie als Friedenslösung, Wien und Baden-Baden 2023.


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