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  • Die falsche Debatte über ›schwere‹ Sprachen.


    von Stefan Luther

    Der Artikel in der heutigen Tageszeitung (Seite 8) über die angeblich »einseitige Integration« von Migrantinnen und Migranten in Südtirol verfehlt aus meiner Sicht den Kern des Problems. Die These, Italienisch werde deshalb bevorzugt, weil Deutsch zu schwierig sei, ist schlicht nicht plausibel. Migration folgt in erster Linie pragmatischen Regeln — und eine der wichtigsten lautet: Menschen lernen jene Sprache, die in der jeweiligen Gesellschaft dominant ist und ihnen im Alltag, auf dem Arbeitsmarkt und im Kontakt mit Behörden am meisten nützt.

    Genau das passiert auch in Südtirol. Italienisch ist die Staatssprache, sie dominiert in vielen Bereichen der Verwaltung, in nationalen Institutionen und (immer öfter) im öffentlichen Leben. Wer neu ins Land kommt, orientiert sich daher rational an jener Sprache, die ihm die größten Chancen eröffnet. Das hat nichts mit der vermeintlichen »Schwierigkeit« des Deutschen zu tun.

    Man kann diese Logik überall beobachten. In der Deutschschweiz etwa lernen viele Migrantinnen und Migranten im Alltag Schweizerdeutsch. Wer dort unterwegs ist, stellt dies sofort fest. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, daraus abzuleiten, Schweizerdeutsch sei eine »leichtere« Sprache als Standarddeutsch. Migranten im Bundesland Tirol lernen ebenfalls Deutsch, trotz der Dominanz des Tiroler Dialektes im Alltag. Oder sind die Migrantinnen und Migranten in der Schweiz und im Bundesland Tirol etwa sprachbegabter als unsere? Es ist schlicht die Sprache der Umgebung — also diejenige, die man braucht, um im Alltag zurechtzukommen. Und was lernen Zugewanderte in Istrien? Italienisch oder doch Kroatisch?

    Die Schlussfolgerung ist klar: Migranten wählen ihre Integrationssprache nicht nach grammatischer Eleganz oder vermeintlicher Einfachheit. Sie wählen jene Sprache, die gesellschaftlich und institutionell die größte Reichweite hat. Und das ist in Südtirol eben das Italienische.

    Umso erstaunlicher ist es, wenn gerade Vertreter einer Minderheit diese Realität mit dem Argument erklären, ihre eigene Sprache sei »zu schwierig«. Damit reproduziert man unfreiwillig (?) ein altes Stereotyp — und schwächt das Anliegen, Migrant:innen zur Integration in die deutschsprachige Gesellschaft zu bewegen.

    Wenn man möchte, dass mehr Zugewanderte Deutsch lernen, muss man nicht über die Schwierigkeit der Sprache diskutieren. Entscheidend sind vielmehr Anreize, Sichtbarkeit und reale Verwendungsmöglichkeiten im Alltag.

    Integration folgt der Logik des Alltags. Wer diese Logik ignoriert, erklärt ein strukturelles Phänomen sachlich nicht zutreffend zu einem sprachlichen Problem.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05


    Autor:innen- und Gastbeiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD wieder, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Mit Grün-Weiß-Rot alles im Lot.

    In der Märzausgabe der Weinstraße, »erste unabhängige Zeitschrift fürs Überetsch, Unterland und Etschtal«, ist unter dem Titel Lieber tot als Grün-Weiß-Rot ein Beitrag erschienen, den man als Bilderbuchbeispiel für banalen Nationalismus bezeichnen könnte. Dafür ist kennzeichnend, dass der Nationalismus etablierter Staaten als nahezu gottgegeben hingenommen und normalisiert — wenn nicht gar ganz übersehen — und jedenfalls kaum hinterfragt wird.

    Als Minderheit in einem fremden Nationalstaat hätte man jedoch eigentlich das nötige Instrumentarium zur Verfügung, um dies zu durchschauen, was der anonymen Autorin des Beitrags aber ganz offensichtlich nicht gelingen mag.

    Ich greife hier mehrere Zitate aus dem Text heraus, um sie kurz zu kommentieren:

    Es gibt Dinge, die sind in Südtirol absolut verlässlich: der Gästeandrang am Pragser Wildsee, die einspurigen Fahrbahnen auf der A22 und die patriotische Hektik, sobald irgendwo ein sportliches Großereignis auf dem Programm steht. Da werden Athleten und Athletinnen binnen Sekunden vom Individuum zur wandelnden Litfaßsäule für nationalistische Befindlichkeiten.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Das »kleine« Detail, das hier übersehen wird, ist, dass Athletinnen bei solchen Großereignissen per se keine Individuen sind — es sei denn sie verlieren —, sondern ohnehin »wandelnde Litfaßsäulen für nationalistische Befindlichkeiten«. Dafür ist gar keine »patriotische Hektik« in Südtirol nötig, dafür sorgen der durch und durch politische Staatsnationalismus und die Logik der meisten großen Sportveranstaltungen bereits von sich aus. Minderheiten haben höchstens die Möglichkeit, sich gegen diese Vereinnahmung zur Wehr (und damit einen schwachen Kontrapunkt) zu setzen.

    Auch im Vorfeld der Olympischen Winterspiele wurde eines der Lieblingsthemen bemüht: die Sportautonomie. Ein Steckenpferd der 360°-Sezessionsfans, das noch immer nicht zu Tode geritten ist. Endlich Schluss damit, dass „unsere“ Athleten und Athletinnen von einem fremden Staat vereinnahmt werden!

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Die Sportautonomie, wie sie andere Minderheiten teilweise längst haben, wäre tatsächlich eine gute Möglichkeit, dem banalen, kolonialisierenden und die Assimilierung fördernden Staatsnationalismus zu entkommen. Diese Wirkung zu leugnen oder gar nicht erst wahrzunehmen bringt niemanden weiter, wiewohl sich die Mär vom angeblich unpolitischen Sport beharrlich hält.

    Dass sie dort vielleicht bessere Trainingsmöglichkeiten und größere Förderung erhalten, ist genauso ein Nebenschauplatz wie die Meinung der Athleten und Athletinnen selbst.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Bessere Trainingsmöglichkeiten und größere Förderung erhalten Südtiroler Athletinnen — wenn überhaupt — in dem Maße, in dem sie sich nationalistisch unterordnen und eine politische Aufgabe erfüllen. Dies zu verkennen, wäre blauäugig. Dass hier ausgerechnet »die Meinung der Athleten und Athletinnen selbst« angesprochen wird, ist diesbezüglich wohl ein schlechter Witz: im jetzt und heute zählt die Meinung der Athletinnen null. Sie werden vom Staat, politischen Akteuren und Medien ungefragt für ihre Ziele vereinnahmt und abgestraft, wenn auch nur der leiseste Zweifel an ihrer bedingungslosen Loyalität entsteht — für oder gegen die sie sich nie frei entscheiden konnten. Mitunter reicht es, dass sie ihre Muttersprache sprechen, um gesellschaftlich sanktioniert zu werden.

    Autonome Teams würden nicht nur schon per se Südtirol mit all seinen Besonderheiten und der sprachlichen Vielfalt repräsentieren (vgl.), sondern könnten Athletinnen im Idealfall sogar noch die freie Wahl zwischen einer Teilnahme unter grünweißroter oder Landesflagge erlauben. Das sieht der jüngst im Landtag behandelte Vorschlag sogar ausdrücklich vor.

    Damit läuft auch dieser Vorwurf total ins Leere:

    Die Empfindungen der italienischsprachigen Athletenschar Südtirols bezüglich der Flagge lassen sie vollkommen außer Acht und damit sind sie nicht anders, als diejenigen, die sie kritisieren.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Auch sie hätten dann Wahlfreiheit. Lustig finde ich aber, dass die Empfindungen der italienischsprachigen Athletinnen thematisiert werden, während die der deutsch- und ladinischsprachigen vom Tisch gefegt werden.

    Auf den Untertitel Der neue De Coubertin: Nicht dabei sein ist alles folgt dann unter anderem diese Perle:

    Man stelle sich die Möglichkeiten der Südtiroler Eigenständigkeit vor: Ein eigenes WM- oder Olympiateam, bestehend aus zwei Skifahrern, einer Biathletin beziehungsweise – weil es ja nicht nur Wintersport gibt – einer Leichtathletin und dem Cousin der Landtagsabgeordneten, der irgendwas wie Fliegenfischen macht. Wenn man am Ende keine Medaille holt oder gar nicht teilnehmen kann, verkündet man einfach stolz, dass man wenigstens in Vertretung Südtirols erfolglos war.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Wenn man schon »dabei sein ist alles« zitiert, ist es absurd und widersinnig, auf zu kleine Teams oder auf entgehende Medaillen zu verweisen — das ohnehin ausgelutschte und an der Realität vorbeiführende Motto will nämlich gerade darauf hinweisen, dass Erfolge nicht alles seien. Der Meinung der Autorin folgend müssen wir also auch noch froh sein, von einem größeren Staat erobert worden zu sein. Das ist nicht nur hanebüchen und unsportlich, sondern auch noch eine Herabwürdigung von Athletinnen (Individuen!?) aus kleineren Staaten. Vielleicht sollte man ihnen empfehlen, die Staatsbürgerinnenschaft von Staaten mit »besseren Trainingsmöglichkeiten und größerer Förderung« anzunehmen, um dem traurigen Schicksal ihrer Heimatstaaten zu entrinnen? Oder sollte man kleineren Ländern wie Irland empfehlen, sich wieder kolonisieren zu lassen, wegen der sportlichen Synergieeffekte?

    Während die Athleten und Athletinnen versuchen, in einem globalisierten Hochleistungssystem zu bestehen und – wieso nicht – ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, werden sie daheim in symbolische Dirndl und Lederhosen gezwängt. Ihre Erfolge sind dann kollektiver Besitz Südtirols und ihre Niederlagen Schuld des „Besatzerstaates“.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Sport und Politik sind im Hier und Jetzt nicht bloß nicht getrennt, sondern eine schwer entflechtbare Symbiose eingegangen. Zurück also zur Definition von banalem Nationalismus: Hier wird verkannt oder vielleicht sogar bewusst versteckt, dass Athletinnen heute in reale und keineswegs nur symbolische Nationalflaggen geradezu eingepackt werden. Mir persönlich wäre eine Abschaffung von Flaggen und Hymnen am liebsten, doch als Minderheit muss man leider öfter in Kategorien denken und argumentieren, die von außen aufgezwängt werden.

    Exkludierend und Vielfalt unterdrückend sind übrigens die heutigen Großveranstaltungen, wenn sie — wie bei Olympia — das Schwenken von Regionalflaggen verbieten oder Minderheitensprachen ausblenden und marginalisieren.

    Viele erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen Südtirols, die einen Individualsport betreiben, profitieren davon bei der Sportgruppe der Carabinieri oder der Finanzpolizei zu sein. Die Einzahlung in den Rentenfond ist damit garantiert und sie haben alle Freiheiten ihrem Trainingsprogramm nachzugehen.

    Die Südtiroler Sportautonomist:innen haben natürlich auch an das gedacht: Aufnahme in den Landesdienst. Ja klar, das ist ja so einfach. Stellenplan, Wettbewerb – pfeif drauf. Zweisprachigkeitsnachweis – überbewertet. Dauernde Abwesenheit vom Dienst aufgrund der Trainings- und Wettkampftätigkeit – da drücken wir ein Auge zu. Mit dem olympischen Prinzip, dabei sein ist alles, würden sich aber weder Justitia noch der Rechnungshof beschwichtigen lassen.

    – Die Weinstraße, März 2026 (anonymer Beitrag)

    Dieser Abschluss ist ein klassisches Angstargument, das aber keinerlei Fundament hat. Warum sollten Stellenplan, Wettbewerb, Zweisprachigkeitsnachweis und Abwesenheit vom Dienst beim Land ein unüberwindbares Problem darstellen, das Justitia und Rechnungshof beschäftigen würde, während es bei Carabinieri und Finanzpolizei ohne mit der Wimper zu zucken möglich ist? Das wird nicht erklärt und ist auch nicht erklärbar.

    Ein Neofaschist wie Alessandro Urzì (FdI) hätte das alles nicht schöner schreiben können, aber vermutlich fühlt sich die Autorin des Textes auch noch besonders progressiv und alternativ.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09



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  • Regionaldirektion der Einnahmenagentur: Präsentation als Armutszeugnis für die Autonomie.

    Gestern wurde im Palais Widmann die neue Regionaldirektion der Einnahmenagentur für Trentino-Südtirol vorgestellt, der fortan die zwei Landesdirektionen unterstellt sein werden. In einer Pressemitteilung des Landes wird das explizit als Stärkung der Präsenz dieser staatlichen Behörde in Südtirol gefeiert.

    Dabei hätte die Einnahmenagentur in Südtirol schon vor über zehn Jahren in die autonome Zuständigkeit übergehen sollen. Mit dem 30. Juni 2014 gab es dafür sogar bereits einen genauen Termin. Doch obwohl alles in trockenen Tüchern zu sein schien, verstrich dieses Datum, ohne dass es jemals zu einer tatsächlichen Umsetzung des Vorhabens gekommen wäre.

    Dazu schrieb die SWZ im März 2016:

    Fakt ist, dass laut Absatz 515 des Stabilitätsgesetzes 2014 […] die Delegierung der Zuständigkeit innerhalb (sic) 30. Juni 2014 hätte erfolgen sollen. Doch Papier ist geduldig, zumal das Papier, auf dem italienische Gesetze geschrieben werden. Mit dem Stabilitätsgesetz 2016 wurde die Frist auf 31. Dezember 2016 verlängert.

    – SWZ 09/16

    Auch das Jahresende 2016 ist aber unverrichteter Dinge verstrichen — und jetzt freut sich die Landesregierung sogar darüber, dass der Zentralstaat hier noch mächtiger wird.

    Maddalena Travaglini, die in der Pressemitteilung als »Regierungskommissärin des Landes Südtirol« bezeichnet wird — als stünde sie im Dienst der autonomen Verwaltung, anstatt das genaue Gegenteil zu sein, nämlich eine Vertreterin der zentralstaatlichen Oberaufsicht —, wird vielsagenderweise so zitiert:

    Von einer Stärkung der staatlichen Verwaltungen im Gebiet (sic1eine holprige Übersetzung von italienisch »territorio«) und von der Umsetzung von Funktionen, die eng mit dem Autonomiestatut verbunden sind, sprach in ihrem Beitrag auch Regierungskommissärin Maddalena Travaglini.

    – LPA-Pressemitteilung

    Doch nicht nur die Freude über den Ausbau zentralstaatlicher Präsenz im Lande ist erstaunlich, sondern auch noch einige weitere Details.

    Foto: LPA/Fabio Brucculeri – von mir zugeschnitten

    So hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) in Beantwortung einer Landtagsanfrage erst kürzlich angegeben, dass sich die mangelnde Zweisprachigkeit bei der Einnahmenagentur im Wesentlichen auf neue oder überarbeitete Unterlagen beschränke, da es dort »infolge des erforderlichen Übersetzungsaufwands« zu Verzögerungen kommen könne. Gestern saß er aber  — wie im obigen Bild ersichtlich — unweit eines Aufstellers mit der einsprachig italienischen Bezeichnung der Agentur, obwohl diese schon seit Jahren auch ein offizielles deutsches Logo (vgl.) besitzt.

    Diese Symbolik ist — ähnlich wie beim kürzlichen Auftritt von LR Daniel Alfreider (SVP) mit RFI in Schabs — ein Unding, denn damit wird von höchster Ebene signalisiert: Es ist in Ordnung, wenn ihr unsere (auf dem Papier eigentlich gleichgestellte) Sprache systematisch marginalisiert. Und wenn das der Landeshauptmann akzeptiert, warum sollten es denn nicht auch die Bürgerinnen dulden müssen?

    Nicht zuletzt wurde sowohl im Titel der Veranstaltung (s. obiges Bild) als auch in der gesamten Pressemitteilung — selbst im deutschen Wortlaut — für Südtirol in der Regionsbezeichnung der im Faschismus oktroyierte Landesname verwendet, und das auch noch in der Reihung Italienisch-Deutsch: Trentino-A. Adige/Südtirol. Ist das schon ein Vorbote der ach so tollen, aber noch gar nicht in Kraft getretenen Autonomiereform, die den Namen der Region bekanntlich auch in der deutschen Fassung des Autonomiestatuts »tolomeisch« italianisieren wird?

    Cëla enghe: 01

    • 1
      eine holprige Übersetzung von italienisch »territorio«


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  • Ewig verzögerte Zweisprachigkeit.

    Auf zwei unterschiedliche Landtagsanfragen der STF (Nr. 1275/25 und 1277/25), mit denen — wie so oft — die mangelnde Zweisprachigkeit (aka mangelnde Deutschsprachigkeit) und damit die Missachtung des Rechts auf Gebrauch der Muttersprache bei NISF und Einnahmenagentur thematisiert wurde, hat Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) neulich folgendermaßen geantwortet:

    Nach Auskunft des Nationalen Instituts für Sozialfürsorge (NISF) werden den Bürgerinnen und Bürgern grundsätzlich sämtliche Mitteilungen in beiden [sic] Landessprachen bereitgestellt. Das aktuelle Angebot umfasst nahezu 2.000 verschiedene Mitteilungsarten. Bei neu überarbeiteten Mitteilungen kann es jedoch zu Verzögerungen bei der Bereitstellung der deutschen Version kommen, da diese zunächst übersetzt und anschließend in das EDV-System übernommen werden müssen.

    Antwort auf Anfrage 1275/25 (Auszug)

    Laut Auskunft der Agentur der Einnahmen wird besonderer Wert daraufgelegt [sic], allen Bürgerinnen und Bürgern Mitteilungen und Formulare in beiden [sic] Landessprachen zur Verfügung zu stellen. Bei neuen oder überarbeiteten Dokumenten kann es jedoch infolge des erforderlichen Übersetzungsaufwands zu Verzögerungen kommen.

    Antwort auf Anfrage 1277/25 (Auszug)

    Dass hier die Position der minorisierenden Stellen zitierend und unkritisch übernehmend behauptet wird, dass »besonderer Wert« auf die Berücksichtigung der deutschen Sprache gelegt und »grundsätzlich sämtliche Mitteilungen in beiden Landessprachen bereitgestellt« würden, halte ich schon an und für sich für eine Unverfrorenheit. Wir alle wissen — und auf wurde es immer wieder dokumentiert —, wie systematisch die angeblich gleichgestellte deutsche Sprache insbesondere von staatlichen Stellen wie NISF (01 02) und Einnahmenagentur (01 02 03 04) diskriminiert wird.

    Das ist sicher auch dem Landeshauptmann bekannt, zumal er nicht nur regelmäßig solche Anfragen beantworten muss, sondern auch offizielle Statistiken dazu existieren.

    Mindestens ebenso dreist ist jedoch der Versuch, die »Verzögerungen« auf neu überarbeitete Mitteilungen und Dokumente zurückzuführen. Als handle es sich erstens um einen Ausnahme- und nicht um den Normalzustand in all diesen Ämtern — und als wären Übersetzungen Jahrzehnte nach Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts (1972) und nach Erlass der Zweisprachigkeitsbestimmungen (1988) noch immer etwas Außergewöhnliches.

    Würde das Recht auf Gebrauch der Muttersprache tatsächlich von irgendjemandem ernst genommen, gäbe es längst etablierte Verfahren und Abläufe, die sicherstellen, dass offizielle deutsche Fassungen zeitgleich mit den italienischen veröffentlicht werden. Dafür wären nun wirklich keine übernatürlichen Kräfte erforderlich, wie die tägliche Praxis in mehrsprachigen Staaten beweist.

    So aber handelt es sich um das (von der Landesregierung implizit gedeckte) Eingeständnis einer permanenten Improvisation, die man sich erlauben kann, weil es ja »nur« um eine Minderheitensprache geht. Gleichstellung — und Vorzeigeautonomie — hin oder her.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01



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  • Neues altes Bürgerinnennetz.

    Das Land Südtirol hat bekanntlich eine neue Version des Bürgerinnennetzes veröffentlicht, dessen moderne und alles verändernde künstliche Intelligenz bei mir bislang hauptsächlich Fehlermeldungen produziert hat.

    Um die KI soll es hier jedoch nicht gehen. Vielmehr fällt auf, dass auch mit dieser umfassenden Neugestaltung die Domain mit .it-Suffix (mycivis.civis.bz.it) beibehalten wurde, obschon die damals zuständige Landesrätin Waltraud Deeg (SVP) schon 2014 versprochen hatte, dass sich das bald ändern würde. So sicher war sie sich der Angelegenheit, dass sie aus diesem Grund einen entsprechenden Antrag im Landtag versenken ließ:

    Wir sind also schon mitten im Geschehen drinnen. Ich würde sagen, dass dieser Beschlussantrag zu diesem Zeitpunkt ein bisschen verspätet kommt. Deshalb würde ich ihn auch ablehnen.

    – Waltraud Deeg am 5. November 2014

    Quelle: Wortprotokoll des Landtags

    Wenn der Antrag vor über einem Jahrzehnt »verspätet« war und man angeblich schon mitten in der Umsetzung stand — wie viele Jahrzehnte müssen wir dann noch auf ein konkretes Ergebnis warten?

    myCivis-Startseite (Ausschnitt)

    Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass offenbar wieder einmal jemand mit einem gewissen Drang zur Italianisierung am Werk war. So wurde etwa das Logo des Gemeindenverbandes auf der Startseite des Bürgerinnennetzes so manipuliert, dass die Sprachreihung nun Italienisch-Deutsch ist.

    myCivis-Startseite (Ausschnitt)

    Zumindest am Gebäude, das den Gemeindenverbande beherbergt, ist das Logo außerdem dreisprachig Deutsch-Italienisch-Ladinisch, während es bei myCivis das einzige ist, bei dem Ladinisch fehlt. Die Logos des Gesundheitsbetriebs und des Landes berücksichtigen hingegen alle drei Landessprachen.

    myCivis-Startseite (Seitenfuß)

    Der Eindruck, dass hier lieblos und unmotiviert-sparsam aus dem Italienischen übersetzt wurde, setzt sich im gesamten Portal fort. Zum Beispiel im Abschnitt »Kontakte« im Seitenfuß: Dort ist statt einer St.-Nr. (Steuernummer) ein CF (Codice fiscale) angegeben, und anstatt der deutschen Adresse der Datenschutzbeauftragten (dsb@provinz.bz.it) erscheint nur die italienische Variante (rpd@provincia.bz.it).

    Die neue Oberfläche wirkt deutlich moderner, die nationalstaatlichen Reflexe sind aber die alten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • Riconoscimento Unesco: Burro sui rigatoni.
    Quotation

    [Le cucine di Francia e Giappone], già riconosciute dall’Unesco nel 2010 e nel 2013, continuavano a insinuare un tarlo fastidioso nella mente dei nostri gastronazionalisti: se l’alta cucina “vera” era quella francese e se il Giappone rappresentava l’apice della purezza rituale, noi che cosa avevamo da opporre, oltre al solito repertorio di paste, sughi e litigi su come si fa davvero la carbonara?

    In un paese in cui la politica ha fatto della tradizione un’arma identitaria – dalla crociata contro gli insetti alla diffidenza verso la carne coltivata – l’Unesco cade come una colata di burro sui rigatoni. Perfetto per raccontare un’Italia rassicurante, immobile, saldamente ancorata alla sua cucina “di sempre”. Una cucina che, paradossalmente, non è mai esistita.

    Una grande occasione mancata. Potevamo presentarci al mondo con la nostra verità: corta, accidentata, contraddittoria, ma epica. Abbiamo preferito la cartolina.

    Alberto Grandi in La cucina italiana patrimonio Unesco, ma per le ragioni sbagliate, su Domani (10 gennaio 2026)

    Cëla enghe: 01 02



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  • British Columbia bleibt großteils bei der Sommerzeit.

    Zwischen gestern und heute wurden die Uhren in British Columbia um eine Stunde nach vorn gestellt — und für die meisten Einwohnerinnen der kanadischen Provinz wird das auch das letzte Mal gewesen sein. Ihre Regierung hat nämlich, auch auf der Grundlage von Umfragen, beschlossen, dass fortan permanent die Sommerzeit beibehalten wird. Im kommenden Herbst werden die Uhren also nicht mehr zurückgestellt. Lediglich in einem kleiner Zipfel im Südosten, dessen Zeitzone der der angrenzenden Provinz Alberta entspricht, bleibt alles beim Alten, solange Alberta selbst an der halbjährlichen Zeitumstellung festhält.

    In Yukon, einem nördlich an British Columbia angrenzenden Territorium, wird die Uhrzeit schon seit November 2020 nicht mehr umgestellt. Dort wurde stattdessen die sogenannte Yukon Standard Time eingeführt, die das ganze Jahr über sieben Stunden hinter der koordinierten Weltzeit (UTC) zurückliegt.

    Ursprünglich hatte British Columbia geplant, den Schritt nur gemeinsam mit den US-Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien zu vollziehen. Diese bereits 2019 getroffene Grundsatzentscheidung wurde nun — wohl auch aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen zu den USA — gekippt und die Umstellung im Alleingang umgesetzt. Der kanadische Föderalismus und die weitreichende Autonomie von Provinzen und Territorien machen es möglich.

    Übrigens haben in British Columbia auch Städte und Regionen die Möglichkeit, eine abweichende Zeitzone festzulegen. Dies schließt die Zuständigkeit ein, gegebenenfalls die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit beizubehalten.

    Die Abschaffung der Zeitumstellung ist seit Jahren weltweit ein Thema — auch in Europa, wo sich schon Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dieses Ziel gesetzt hatte.

    Cëla enghe: 01



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