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Zukunftskonferenz nicht nur in den Hauptstädten!
Aufruf an Entscheidungsträgerinnen in den Regionen

Die Europäische Union hat die Konferenz zur Zukunft Europas ins Leben gerufen, die offiziell am jüngsten Europatag (am 9. Mai) eröffnet wurde.

Mehrere Regionen, einschließlich Südtirol, hatten schon im Vorfeld (am 6. Mai) in einem Brief für eine stärkere Einbindung geworben.

Am 9. Mai fand dann in Straßburg als »Ausdruck der territorialen Dimension der Konferenz« ein erster lokaler Dialog statt. Die Teilnehmenden verfassten einen offenen Brief, um Entscheidungsträgerinnen aufzufordern, Dialoge auf lokaler Ebene zu organisieren und sich hierfür einem vom Ausschuss der Regionen (AdR) ins Leben gerufenen Netzwerk anzuschließen.

Der offene Brief im Wortlaut:

Mit den Menschen in unseren Gemeinden und Regionen über die gemeinsame Zukunft Europas ins Gespräch kommen!

Die Europäische Union hat die Konferenz zur Zukunft Europas auf den Weg gebracht, als offene Debatte mit den Bürgerinnen und Bürgern darüber, vor welchen Herausforderungen wir stehen und wie wir unsere Zukunft gemeinsam gestalten können.

Am heutigen 9. Mai, dem Europatag, rufen wir die Regional- und Kommunalpolitiker auf, zu dieser Konferenz beizutragen und sich dazu auch dem vom Europäischen Ausschuss der Regionen eingerichteten Netz der für EU‑Angelegenheiten zuständigen Regional- und Gemeinderäte anzuschließen.

Die von uns angestrebte demokratische und inklusive Union muss auf den Regionen, Städten und Dörfern – dem Fundament Europas – aufbauen. Sie, die eine Million gewählten Regional- und Kommunalpolitiker in der EU, bilden die Regierungsebene mit der größten Bürgernähe, der die Menschen am meisten vertrauen. Wir rufen Sie deshalb auf: „ Treten Sie mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern vor Ort in den Dialog und geben Sie ihnen eine Stimme, damit die Konferenz zu einem Erfolg wird!

Warum sollten wir uns hierfür engagieren?

Wir können dafür sorgen, dass die Zukunft der EU nicht nur in Brüssel und den Hauptstädten, sondern mit unseren Menschen in allen Städten und Dörfern gemeinsam gestaltet wird. Vieles lässt sich erreichen, wenn in jeder regionalen oder lokalen Versammlung ein gewählter Politiker darauf schaut, wie die EU vor Ort konkret Wirkung erzielt, wenn dieser Kommunalpolitiker am Puls der Bürgerinnen und Bürger ist und die Belange der Menschen aufgreift und in die Konferenz trägt.

Was können wir tun und wie können wir gemeinsam konkret etwas erreichen?

Der Europäische Ausschuss der Regionen ist die Institution, in der die Kommunal- und Regionalvertreter ihre Belange auf EU-Ebene geltend machen. Gemeinsam können wir

  1. die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger weitertragen : Wir können die Meinungen der Menschen aus lokaler und regionaler Perspektive aufgreifen und über unsere politischen Parteienbündnisse und territorialen Verbände in die Konferenz weitertragen;
  2. lokale Bürgerdialoge organisieren: Wir können in Europas Regionen, Städten und Dörfern partizipative Dialoge organisieren, um die Bürger und die Orte, an denen sie leben, einzubinden;
  3. dem AdR-Netz der für EU-Angelegenheiten zuständigen Regional- und Gemeinderäte beitreten : Sie können einen gewählten Mandatsträger Ihrer regionalen oder lokalen Versammlung als EU-Beauftragten benennen, der über die lokalen Bürgerdialoge mit den Menschen ins Gespräch kommt;
  4. politische Debatten in Ihrer lokalen oder regionalen Versammlung veranstalten : Mit einer Debatte zur Zukunft der EU können Sie auf Ihre Region, Ihre Stadt oder Ihr Dorf aufmerksam machen;
  5. eine gemeinsame Vision für die Europäische Union entwickeln : Diese Vision soll auf dem Gipfeltreffen der Regionen und Städte 2022 in Marseille erörtert und angenommen werden. Dies alles ist unser Beitrag zur Konferenz.

Was wird im Rahmen dieser Initiative an Unterstützung geboten und wo können Sie mehr erfahren?

Lassen Sie uns Europa gemeinsam zu den Menschen und in ihre Städte und Dörfer tragen!

Jetzt, da wir dabei sind, die Pandemie zu überwinden, schenken die Menschen der lokalen und regionalen Regierungsebene mehr Vertrauen denn je.

Allein ist jeder von uns nur einer von einer Million. Gemeinsam jedoch können wir Europa nicht nur zu unserem gemeinsamen Haus, sondern zu unserem wahren Zuhause machen.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.

Bewerben Sie sich jetzt!

***

Unterstützer:

  1. Apostolos Tzitzikostas, Präsident des Europäischen Ausschusses der Regionen und Gouverneur der griechischen Region Zentralmakedonien
  2. Dubravka Šuica, für Demokratie und Demografie zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission
  3. Guy Verhofstadt, Ko-Vorsitzender des Exekutivausschusses der Konferenz zur Zukunft Europas
  4. Ana Paula Zacarias, portugiesische Staatssekretärin für europäische Angelegenheiten
  5. Jacqueline Gourault, französische Ministerin für territorialen Zusammenhalt und Beziehungen zur Kommunalverwaltung
  6. Renaud Muselier, Vorsitzender des Verbands französischer Regionen und Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
  7. Frédéric Bierry, Präsident der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass
  8. François Baroin, Vorsitzender der Vereinigung französischer Bürgermeister und Bürgermeister von Troyes
  9. Jeanne Barseghian, Bürgermeisterin von Straßburg und 1. Vizepräsidentin der Eurometropole Straßburg
  10. André Viola, Leiter der französischen Delegation im Europäischen Ausschuss der Regionen und Mitglied des Departementrats des Departements Aude
  11. Vasco Alves Cordeiro, Erster Vizepräsident des AdR und Mitglied des Regionalparlaments der Azoren
  12. Olgierd Geblewicz, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Ausschuss der Regionen und Marschall der Woiwodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern)
  13. Christophe Rouillon, Vorsitzender der SPE-Fraktion im Europäischen Ausschuss der Regionen und Bürgermeister von Coulaines
  14. François Decoster, Vorsitzender der Fraktion Renew Europe im Europäischen Ausschuss der Regionen und Bürgermeister von Saint-Omer
  15. Władysław Ortyl, Vorsitzender der EKR-Fraktion im Europäischen Ausschuss der Regionen und Marschall der Woiwodschaft Podkarpackie (Vorkarpaten)
  16. Kieran McCarthy, Vorsitzender der EA-Fraktion im Europäischen Ausschuss der Regionen und Mitglied des Stadtrates von Cork
  17. Satu Haapanen, Ko-Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Europäischen Ausschuss der Regionen und Mitglied des Stadtrates von Oulu

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Zweisprachige Sitzungen, wie geht das?
Beispiel Kanada

Beim Office of the Commissioner of Official Languages von Kanada ist ein Leitfaden mit einfachen, aber effektiven Empfehlungen für die Abhaltung zweisprachiger Meetings erhältlich. Ich bin der Meinung, dass diese Ratschläge auch für Südtirol von Interesse sind und — obwohl für öffentliche Verwaltungen gedacht — auch auf Private oder etwa auf die Sitzungen von Gemeinde- und Stadtviertelräten anwendbar wären.

Den Inhalt habe ich hier in die deutsche Sprache übertragen.

Der föderale öffentliche Dienst ist zweisprachig

In Gebieten, die in Bezug auf die Arbeitssprachen als zweisprachig ausgewiesen wurden, haben die Angestellten das Recht, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten und geleitet zu werden. Dies schließt die Sitzungen, an denen sie teilnehmen, mit ein.

Gute Praktiken zur Abhaltung einer zweisprachigen Sitzung mit Angestellten, die unterschiedliche Zweisprachigkeitsniveaus besitzen
  • Die Person, die die Sitzung leitet, beherrscht beide offiziellen Sprachen und achtet darauf, dass alle Angestellten voll und in der Sprache ihrer Wahl am Meeting teilnehmen können. Sie stellt sicher, dass die Sitzungen vom Anfang bis zum Ende in beiden offiziellen Sprachen durchgeführt werden.
  • Die oder der Vorsitzende des Meetings weist in beiden offiziellen Sprachen von Beginn an darauf hin, dass es den Teilnehmenden freisteht, sich in der offiziellen Sprache ihrer Wahl auszudrücken.
  • Die oder der Schriftführende beherrscht beide offiziellen Sprachen und die Wortmeldungen in jeder der offiziellen Sprachen werden im Sitzungsprotokoll wiedergegeben.
  • Die Einberufung, die Tagesordnung, die Unterlagen und die Besprechungsprotokolle werden in beiden offiziellen Sprachen zeitgleich verteilt.
  • Keine weiteren Schritte sind nötig, da im Prinzip sämtliche Teilnehmenden entweder beide offiziellen Sprachen sprechen oder passiv zweisprachig sind.
Gute Praktiken zur Abhaltung einer zweisprachigen Sitzung mit Angestellten, die unterschiedliche Zweisprachigkeitsniveaus besitzen und solchen, die einsprachig sind

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Schritten: Die oder der Vorsitzende muss die wichtigsten Punkte jeder Wortmeldung für die Sprecherinnen der jeweils anderen Sprache zusammenfassen. Diese Vorgehensweise verlangsamt die Sitzung etwas, unterstützt jedoch die gegenseitige Verständigung außerordentlich. Es ist daher wichtig, dass vom Vorsitz die nötige Zeit eingeplant wird.

Vorteile zweisprachiger Sitzungen
  • Maximieren die Teilnahme sämtlicher Angestellten, da der Großteil in der offiziellen Sprache seiner Wahl produktiver ist.
  • Unterstützen die Beibehaltung der Kompetenzen der Angestellten in der Zweitsprache, da sie beiden offiziellen Sprachen ausgesetzt werden.
  • Sind ein Zeichen des Respekts gegenüber den anwesenden Personen.
Andere Beispiele guter Praktiken
  • Sprachwärter/innen: Im Rahmen einer zweisprachigen Sitzung teilt die oder der Vorsitzende einer Person die Rolle zu, die Ausgewogenheit im Gebrauch der beiden offiziellen Sprachen zu beobachten und sie/ihn darauf hinzuweisen, sobald das Gleichgewicht missachtet wird, damit sie/er es wiederherstellen kann.
  • Den Ablauf der zweisprachigen Sitzung erklären: Als Vorsitzende/r darauf hinweisen, dass die Wortmeldungen der einen und der anderen für die gegenseitige Verständigung in der anderen Sprache zusammengefasst werden. Um dies zu tun, muss die Sitzung ab und an unterbrochen werden.
  • Vertrauen schenken: Als Teilnehmende/r darauf vertrauen, dass die oder der Vorsitzende die eigenen Wortmeldungen gut zusammenfassen wird.
  • Niemals aufgeben: Durch die Praxis wird man besser. Geduld und Wille zu experimentieren sind essentiell. Anfängliche Widerstände sind normal.
  • Eine gute Führung ist entscheidend: Die Führung durch den Vorsitz und durch jede/n Sitzungsteilnehmende/n sind sind genauso wichtig wie die Führung durch Vorgesetzte und Manager/innen auf allen Ebenen.
HINWEISE
  • Rechte der Angestellten versus Pflichten der Supervisor/innen: Das Recht der Angestellten, in Gebieten, die in Bezug auf die Arbeitssprachen als zweisprachig ausgewiesen wurden, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten, schafft für Führungskräfte die Verpflichtung, ihre Angestellten in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu leiten und hat Vorrang gegenüber den Sprachrechten der Führungskräfte.
  • Ganzheitlicher Ansatz bezüglich der Arbeitssprache: Zweisprachige Sitzungen sind nur eines der Elemente, die von Teil 5 des Gesetzes über die offiziellen Sprachen abgedeckt werden. Teil 5 muss in seiner Gesamtheit umgesetzt werden.
  • Dienste an der Öffentlichkeit versus Arbeitssprache: Das Recht der Öffentlichkeit, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl bedient zu werden, hat gegenüber dem Recht der Angestellten, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten, Vorrang. Wann immer Teil 4 und Teil 5 des Gesetzes über die offiziellen Sprachen in Konflikt geraten, hat Teil 4 Vorrang.

Übersetzung aus dem Englischen/Französischen und Anpassungen von mir.

Auch in Südtirol hätten öffentliche Angestellte und Mitarbeiterinnen von Konzessionsunternehmen laut Autonomiestatut (DFB: DPR 574/88, Artikel 11) theoretisch das Recht, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten. Leider wird dem wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl ja der (sprachliche) Alltag vieler Menschen von ihrer Arbeit bestimmt wird.

Vielleicht kann der hier wiedergegebene Leitfaden ein Anstoß für diesbezügliche Verbesserungen sein.

Siehe auch:

Arbeit Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Service Public | Best Practices | | | Canada Südtirol/o | | Deutsch

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SaniBook: Die Profi-Impfvormerkung.

Ich habe mich — via SaniBook —  zur Coronaimpfung angemeldet.

Dabei wird man nach Eingabe von sanibook.sabes.it automatisch auf appcupmobile.civis.bz.it weitergeleitet. CUP steht für Centro unico di prenotazione, auf Deutsch wäre das die ELVS oder Einheitliche Landesvormerk(ungs)stelle.

Gebucht wird dabei nicht eine Coronaimpfung, sondern durch alle Schritte hindurch eine Vaccinazione Sars-Cov-2. Mit diesem Trick hat der Gesundheitsbetrieb wohl wieder ordentlich Speicherplatz eingespart, wofür ihm Dankbarkeit gebührt.

Schwärzungen (Datum) von mir

Der Vorgang selbst ist recht unkompliziert. In wenigen Schritten ist die Vaccinazione gebucht — sofern man allen Bedinungen zustimmt und sich auch sonst nicht von der kreativen Schreibweise ablenken lässt.

Schwärzungen (Datum, Steuer-, Telefonnummer, E-Mail-Adresse) von mir

Am Ende der Prozedur wird der Termin noch mit zwei nützlichen Benachrichtigungen — via SMS und via E-Mail — bestätigt:

Schwärzungen (ältere Nachricht, Terminnummer, Datum, Uhrzeit) von mir

Nützlich und patientenorientiert finde ich vor allem, dass weder der Ort angeführt wird, noch worauf sich der Termin bezieht (also die Coronaimpfung pardon Vaccinazione). Muss man schon selber wissen.

Über die SaniBook-App lässt sich der Termin noch in den Kalender eintragen. Vorausgesetzt, man permittiert, das Appunktament dem Calendar zu aggiungieren.

Da soll noch wer behaupten, wir hätten es nicht mit Profis zu tun. Und bei der Impfung selbst? Da kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Siehe auch:

Gesundheit Service Public Sprachpfusch Tech&Com | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Südtirol/o | Sabes | Deutsch

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Mehrsprachigkeit und Wert der Sprachen.
Quotation 655

Frühkindliche Fremdsprachenförderung ist angesagt. Aber es sollen doch bitte Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch sein. Chinesisch oder Russisch lassen sich vielleicht auch noch ob ihrer wirtschaftlichen Notwendigkeit argumentieren. Aber [T]ürkisch, [B]ulgarisch, arabische oder afrikanische Sprachen?

Die unterschiedlichen Sprachen werden unterschiedlich gewertet – analog zu den Kulturen, die mit ihnen assoziiert werden und zu ihrer vermeintlichen Notwendigkeit im globalen Wirtschaftsgeschehen. Doch egal um welche Sprache es sich handelt: mehrsprachig aufzuwachsen erzeugt im Gehirn neuronale Vernetzungen, die später für andere Lebensbereiche gebraucht werden. Allein fehlt vielfach ein quantitativ erkennbarer Nutzen, weshalb manche Eltern aus anderen Ländern ihren Kindern diese Herkunftssprachen gar nicht mehr beibringen wollen – teils aus Angst vor Ausgrenzung oder auch auf Grund des zeitlichen Aufwands, den die Beschäftigung mit der zusätzlichen Sprache und Kultur im Familienalltag bedeuten würde.

LinguistInnen fordern ein größeres Bewusstsein für den Wert jeder einzelnen Sprache, sowohl im Kinder- als auch im Erwachsenenalter. Englisch als Standardsprache allein reicht nicht aus. Denn auch wenn sich eine große Zahl an Menschen auf Englisch unterhalten kann, so fehlt vielen die emotionale Komponente, die sich erst dann erschließt, wenn man in die damit verbundene Lebenswelt eintaucht. Das bedeutet nicht, dass es notwendig ist, eine Fremdsprache grammatikalisch fehlerfrei und ohne fremdsprachigen Akzent zu sprechen. Denn selbst in unserer Muttersprache hat eine gewisse Schlampigkeit Platz, wie sie in unterschiedlichen Dialekten und im Alltagsjargon zutage treten kann.

Sprachliche Unebenheiten gehören dazu. Sowohl in der Muttersprache als auch im Spracherwerb.

aus der Beschreibung der Ö1-Sendung Radiokolleg – Ich verstehe! vom 6. Mai – Ein Plädoyer für die Mehrsprachigkeit (4) – Gestaltung: Margit Atzler

Siehe auch:

Bildung Medien Migraziun Plurilinguismo Wirtschaft+Finanzen | Quote | | ORF | Österreich | | Deutsch

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Deutschsprachige Ärztinnen: Berufsverzeichnis ist da.
Erste Einschreibungen

Das Berufsverzeichnis für Ärztinnen, die statt Italienischkenntnisse die Kenntnis der deutschen Sprache nachweisen möchten, ist offenbar Realität. Wie die Südtirolbeilage des Corriere heute berichtet, sollen drei Ärztinnen ein entsprechendes Kolloquium bestanden haben. Die Einschreibung eines Zahnarztes sei hingegen abgelehnt worden, da das staatliche Gesetz, mit dem die Einrichtung des Verzeichnisses für Deutschsprachige ermöglicht wurde, diesbezüglich widersprüchlich formuliert sei.

Noch im Oktober 2019 war im Hauptteil des Corriere ein Artikel des Südtiroler Journalisten Marco Angelucci erschienen, in dem er die Gleichstellung der deutschen mit der italienischen Sprache in diesem Bereich als für die Sezessionistinnen fundamentalen Passus im damaligen Europagesetz beschrieb. Der italienische Verband der Ärztekammern FNOMCeO hatte die Gleichstellung letzten September sogar als Annexion Südtirols durch Österreich und »eine Art Extraterritorialität« bezeichnet.

Nichts von alledem ist bisher durch die erneute Gleichstellung der Sprachen in diesem Bereich eingetreten: Südtirol ist nach wie vor weder staatlich unabhängig noch ein Teil Österreichs. Lediglich eine eklatante Diskriminierung von Ärztinnen, die nur Deutschkenntnisse nachweisen können — gegenüber jenen, die nur Italienisch beherrschen — wurde hiermit hoffentlich beendet. Sie hatte im Juli 2019 mit dem Ausschluss eines österreichischen Arztes aus der Kammer begonnen.

Für die Zahnärztinnen muss jetzt allerdings noch eine Lösung gefunden werden.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo | Good News | | Corriere | Südtirol/o | | Deutsch

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Buonerba ist Präsident von Laborfonds.

Der neue — gänzlich männliche — Verwaltungsrat von Laborfonds hat am gestrigen 10. Mai einen Präsidenten und dessen Stellvertreter gewählt: Michele Buonerba und Enzo Bassetti, die ihre Ämter für drei Jahre ausüben werden.

Buonerba war seit 2009 Generalsekretär des SGB. In dieser Zeit hat die staatsweit agierende Gewerkschaft mehrfach versucht, die Repräsentativität des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbunds (ASGB) in Frage zu stellen, um ihn ins Abseits zu stellen.

Im Jahr 2017 hatte Buonerba persönlich einen Brief der sogenannten konföderierten Gewerkschaften an den Südtirolkonvent mitunterzeichnet, der ob seines antiautonomistischen Inhalts für Aufsehen gesorgt und heftigen Widerspruch geerntet hatte.

Und auch sonst ist der SGB während der Amtszeit des nunmehrigen Präsidenten des regionalen Zusatzrentenfonds nicht durch Autonomiefreundlichkeit aufgefallen.

Siehe auch:

Arbeit Gewerkschaften Soziales Wirtschaft+Finanzen | Südtirolkonvent | | | Südtirol/o Trentino | ASGB SGB/CISL | Deutsch

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London will schottisches Referendum nicht anfechten.

Nachdem in Schottland aus der Wahl vom Donnerstag (6. Mai) eine gestärkte separatistische Mehrheit hervorgegangen war, wurde der britische Vizepremier Michael Gove (Tories) am gestrigen Sonntag im SkyNews-Interview gefragt, ob die Regierung in London den Wählerwillen respektieren und der Abhaltung eines zweiten Unabhängigkeitsreferendums zustimmen werde.

Wiewohl er diesbezüglich auch nach mehrfacher Nachfrage ausweichend antwortete, sagte Gove jedoch auch, dass die Regierung von Boris Johnson (Tories) ein schottisches Gesetz zur Einberufung eines weiteren Unabhängigkeitsreferendums nicht vor Gericht anfechten würde. Er selbst wolle sich vielmehr dafür starkmachen, dass der Fokus auf die gemeinsame Erholung nach der Pandemie gelegt wird.

Zuvor hatte die siegreiche SNP-Chefin Nicola Sturgeon die Regierung in London wissen lassen, dass sie sich von ihren Plänen für eine weitere Abstimmung nicht werde abhalten lassen — und dass Boris Johnson wennschon gerichtlich dagegen vorgehen müsste.

Nachtrag vom 10. Mai 2021: Ähnliches sagte Michael Gove, der übrigens selbst Schotte ist, auch im BBC-Interview.

Siehe auch:

Democrazia Medien Politik Selbstbestimmung | Indyref2 Wahlen | Boris Johnson Nicola Sturgeon | BBC | Scotland-Alba United Kingdom | SNP | Deutsch

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Schottlandwahl 2021: Separatistische Rekordmehrheit.

Am vergangenen Donnerstag (6. Mai) haben die sechsten Wahlen zum Schottischen Parlament seit seiner Wiederherstellung im Jahr 1999 stattgefunden. Dabei werden 129 Abgeordnete gewählt, wovon 73 mit einem Mehrheitswahlsystem und 56 auf regionaler Basis nach einem Proporzwahlsystem.

Die SNP konnte dabei im Vergleich zur letzten Legislaturperiode einen Sitz hinzugewinnen. Mit 64 Abgeordneten fehlt ihr nur einer auf die absolute Mehrheit. Das ist für die Partei der Ersten Ministerin Nicola Sturgeon das zweitbeste Ergebnis nach jenem von 2011, als sie unter Alex Salmond 69 Abgeordnete erringen konnte.

Ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielten diesmal hingegen die Schottischen Grünen, die fortan acht Sitze (+2) innehaben. Wie die SNP wollen auch sie ein unabhängiges Schottland und den Wiedereintritt in die EU.

In Summe ist dies mit 72 Abgeordneten die größte separatistische Mehrheit, die das Schottische Parlament je gesehen hat.

Keine unionistische Partei konnte hingegen Sitze hinzugewinnen: Während die konservativen Tories ihre bisherigen 31 Abgeordneten halten konnten, verloren die Liberaldemokraten einen (5→4) und Labour zwei Sitze (24→22).

Die neue Partei des ehemaligen SNP-Regierungschefs Alex Salmond, Alba, schaffte den Einzug ins Parlament nicht.

Eine Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit von SNP und Grünen gilt als sicher, nachdem die SNP im Vorfeld der Wahl verkündet hatte, sie auch dann nicht aufkündigen zu wollen, wenn sie die absolute Sitzmehrheit errungen hätte.

Die alte und neue Regierungschefin Nicola Sturgeon interpretiert das Wahlergebnis als Auftrag zur Abhaltung eines zweiten Unabhängigkeitsreferendums nach jenem von 2014. Premier Boris Johnson (Tories), der davon bis dato nichts wissen will, richtete sie bereits aus, er müsse die Abhaltung einer derartigen Abstimmung wennschon gerichtlich stoppen lassen. Sie wolle nämlich an ihrem Plan auch ohne Zustimmung aus London festhalten.

Siehe auch:

Democrazia Politik Selbstbestimmung | Good News Indyref2 Wahlen | Alex Salmond Boris Johnson Nicola Sturgeon | | Scotland-Alba | EU SNP Vërc | Deutsch