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  • Bestelltes Lob?


    Die SVP lässt den österreichischen Bundeskanzler Stocker das italienische Wahlgesetz samt Senatswahlkreis Bozen-Leifers loben

    Und die Neue Südtiroler Tageszeitung (TAZ) sekundiert das Lobbying aus Wien. Die Zeitung zitiert Bundeskanzler Christian Stocker von der ÖVP mit lobenden Worten zur Wahlrechtsreform. »Beachtliches Ergebnis« würdigt Stocker das Ergebnis. Er meint damit die garantierte parlamentarische Vertretung Südtirols in der Abgeordnetenkammer. Eine Videobotschaft, offenbar bestellt von der SVP.

    Kein Wort aber zur Neuziehung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland, der mit der »Reform« auf Bozen-Leifers zusammenschrumpfte. Kein Wort in der TAZ auch darüber, dass es mit dem ethnischen Gerrymandering eine neue Gewichtung der Wähler:innenstimmen gibt. Während der Wahlkreis Bozen-Leifers 91.000 Wahlberechtigte umfasst, sind es im Wahlkreis Meran 158.000. Damit erhält die Stimme eines Wahlberechtigten in Bozen rechnerisch ein deutlich höheres Gewicht als jene eines Wahlberechtigten in Meran.

    Der Anteil der deutschen und ladinischen Sprachgruppen im Wahlkreis Bozen-Leifers sinkt mit der gepriesenen Reform von 40 Prozent auf 25 Prozent. Was ist daran beachtlich? Damit scheint sich die TAZ auch nicht beschäftigt zu haben. Und was hat diese Neuregelung mit dem Minderheitenschutz zu tun? Das ist doch das glatte Gegenteil davon.

    Stattdessen flegelt die Tageszeitung die Landtagsopposition an und unterstellt, dass es ihr gar nicht um die bestmögliche Absicherung des Minderheitenschutzes gehe. Sie stellt eine völlig unsinnige Frage: Will sie (die Landtagsopposition) ihr eigenes Süppchen kochen?

    Als Oskar Peterlini auf der Pressekonferenz der Rekurssteller einen Vergleich der Wahlergebnisse anstellt, bezogen auf den alten Wahlkreis Bozen-Unterland und auf den neuen Bozen-Leifers, wird dieser von der Tageszeitung Dolomiten als »hanebüchen« abgetan. Begründung, faktische und noch nicht stattgefundene Wahlen können nicht verglichen werden. Was soll daran hanebüchen sein?

    Die TAZ hat in ihrer zweiseitigen Attacke Beachtliches Ergebnis gegen die Landtagsopposition offensichtlich nicht mitbekommen, dass der Rekurs gegen das gesamte Wahlgesetz von einer gesamtstaatlichen Rete per un voto libero ed uguale getragen wird. Nicht von der Landtagsopposition. Wieder einmal schlecht recherchiert.

    Genauso Bundeskanzler Stocker, der – sorry – nachplappert, was ihm die SVP vorlegt. Beispiel die 20-Prozent-Hürde für Listen sprachlicher Minderheiten auf regionaler Ebene. Bezogen auf Südtirol entspricht dies faktisch einer wesentlich höheren Hürde als jener, die für andere Listen gilt.

    Oder, die Neuregelung des Senatswahlkreises Bozen-Leifers berührt die bisherige Wahlkreisordnung, die mit Maßnahme 111 des Südtirolpakets verbunden war und im Zusammenhang mit der Beilegung des internationalen Streits zwischen Italien und Österreich vor der UNO 1992 stand.

    Klar muss Bundeskanzler Stocker die Reform verteidigen und begrüßen. Immerhin gab seine Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) das österreichische OK für das Stabilicum. Offensichtlich schaute sie sich dieses Gesetz genauso wenig wie die TAZ und Stocker an.

    Ein Wahlgesetz, das ein satten Mehrheitsbonus vorsieht. Zitat aus der Presseerklärung der Rekurssteller: »Einer Liste oder Koalition, die mindestens 42 Prozent der Stimmen erreicht, können dadurch 70 zusätzliche Sitze in der Abgeordnetenkammer und 35 im Senat zugeteilt werden.« Das führt letztendlich dazu, dass der Anteil der Mandate deutlich über dem Stimmenanteil der Liste oder Koalition liegt. Absolut beachtlich dieser Mehrheitsbonus.

    Wie kann Bundeskanzler Stocker all das ausblenden? Wie beispielsweise die »blockierten« Spitzenkandidaturen, die Mehrfachkandidaturen, die mangelnde Berücksichtigung der Geschlechterquoten bei den Spitzenkandidaturen und noch weitere schräge Bestimmungen im Gesetz?

    Für die Rekurssteller von der Rete per un voto libero ed uguale, Verfassungsrechtler:innen und Anwält:innen – und nicht die Landtagsopposition – , entscheiden die Regeln des neuen Wahlrechts darüber, wie viel jede Stimme zählt. Die unterschiedliche Gewichtung der Stimmen könne damit das verfassungsrechtliche Gleichheitsgebot verletzen.

    Bundeskanzler Stocker ließ per Video wissen, dass er Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (FdI) vertraut, mit der er eine »enge und vertrauensvolle Beziehung« pflegt. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, wenn Österreich mit seiner Schutzfunktion für Südtirol mit der Regierung der Republik Italien auskommt. Mit seiner Lobhudelei hilft er zweifelsohne der Schwesterpartei SVP. Auch ok. Richtig liegt er damit aber nicht.

    Genauso wenig wie die TAZ. Diese kommt dann in ihrer Lobhudelei zum Schluss, dass am Ende die Gerichte beurteilen, ob die Einwände tragen. Klar, wer denn sonst? Der Rekurs geht ja italienweit an die Landesgerichte. Stimmt ein Gericht zu, wird der Rekurs an das Verfassungsgericht weitergereicht.

    Peinlich wird es, sollten sich tatsächlich die Verfassungsrichter:innen mit dem Wahlgesetz beschäftigen und es in der Folge gar als verfassungswidrig zurückweisen. Dann fällt das beachtliche Ergebnis in sich zusammen.


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  • Weg mit Perini – Gerücht oder Tatsache?


    In der Gewerkschaftswelt ist es ein offenes Geheimnis. Die Landesregierung, genauer, Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) und seine Landesrätin Magdalena Amhof (SVP), möchten den amtierenden Direktor des Arbeitsförderungsinstituts AFI loswerden. Nur ein Gerücht?

    Nicht ganz, die vier Gewerkschaften haben um eine Aussprache mit Kompatscher und Amhof gebeten. Zufall? Die Landesregierung plant nämlich eine »Reorganisation« des AFI. Es soll zwei Modelle dafür geben, Integration in die Landesverwaltung oder aber eine Stiftung. Warum ist diese Reorganisation notwendig?

    Ist sie »notwendig«, weil damit der amtierende Direktor Stefan Perini auswagoniert werden kann? Vor kurzem wurde sein Führungsauftrag verlängert, bis 2030. Laut ASGB-Vorsitzenden Tony Tschenett erhielt Perini als Führungskraft immer beste »Zeugnisse«. Ihn einfach abzusetzen, wäre angesichts seiner »Benotungen« als Direktor kaum zu vermitteln.

    Wollen Kompatscher und Amhof Direktor Perini »sein« Institut nehmen, indem es reorganisiert wird? Die vier Gewerkschaften sollen von den Reorganisationsplänen nichts halten. Stehen sie also hinter dem AFI-Direktor?

    Perini stört

    Perini nervt mit seinen Studien, beispielsweise über den doch spürbaren Kaufkraftverlust der Arbeitnehmer:innen, über das Billiglohnland reiches Südtirol oder über die steigende Armut im properen Land. Die AFI-Studien widersprechen dem Märchen Südtirol Wohlstandsland. Und Widerspruch verträgt der Landeshauptmann gar nicht.

    Kürzlich lud die Wochenzeitschrift ff Perini zu einem Gespräch mit Landeshauptmann Kompatscher ein. Anlass dafür, in einem Rai-Südtirol-Gespräch soll Kompatscher gesagt haben, in seiner Amtszeit sei die Schere zwischen reichen und armen Südtiroler:innen kleiner geworden. Im ff-Gespräch dementierte der LH diese Aussage, er habe hingegen betont, dass die Ungleichheit bei den Einkommen sich verbessert habe. Um beim Bild der Schere zu bleiben, sie wurde kleiner.

    Perini bestätigte, dass es bei den Individualeinkommen tatsächlich keine Verschlechterung gab. Er wies aber darauf hin, dass Daten über die Verteilung der Haushaltseinkommen aussagekräftiger wären. Aber seit 2018 gibt es keine solche Daten. War das schon zu viel Widerspruch, unbotmäßiges Verhalten?

    Perini wagte es dann auch noch, für den Landtag zu kandidieren. Einmal für die Grünen, dann 2023 für das Team K. In Klausen vertritt Perini die Bürgerliste Frischluft – Aria fresca im Gemeinderat. Einfach unerhört, dass der AFI-Direktor in die Politik wollte.

    Heiss für Perini

    Beim »Grantler-Treffen« in der Brixner Dekadenz sprach Hans Heiss das Perini-Gerücht an. Er zeigte sich verwundert über mögliche Gedankenspiele, ihn loszuwerden. Laut Heiss trägt Perini und sein AFI dazu bei, ein realistischeres Bild von Südtirol zu zeichnen. Es mag zwar proper sein, manche verdienen wie Oligarchen, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung tut sich schwer, mit dem Einkommen ein Auskommen zu haben.

    Heiss würdigte die Arbeit von Perini als unersetzlich. Sollte er wirklich abserviert werden, geht Heiss von einem heftigen Widerstand dagegen aus. Er kann sich nicht vorstellen, dass die beiden Gremien Verwaltungs- und Aufsichtsrat des AFI sein Kaltstellen achselzuckend hinnehmen werden.

    Konflikte zwischen Verwaltung und Beamt:innen

    Konflikte zwischen Landesregierung und engagierten Beamt:innen gab es immer. Zu diesen zählten der – inzwischen verstorbene – unbotmäßige Ingenieur-Biologe Florian Florineth, der ehemalige Direktor des Landesamtes für Luft und Lärm, Norbert Lantscher oder auch Ex-Generaldirektor der Landesverwaltung, Hans-Peter Staffler. Staffler geriet wegen seines Widerstandes gegen das neuen Führungskräftegesetz – sein Vorwurf, damit werde die Landesverwaltung verpolitisiert – in Konflikt mit Generalsekretär Eros Magnago und dem Landeshauptmann. Vor einem Jahr schob Landesrat Peter Brunner (SVP) die Direktorin der Landesabteilung für Natur, Landschaft und Raumentwicklung, Virna Bussadori ab. Die Städteplanerin wurde »hinweggelobt« in die Vermögensabteilung. Eine sinnvolle Personalpolitik?

    Noch ein anderes Beispiel. Letzthin gab Gabriele Morandell ihren Job als Generalsekretärin der Region auf. Auf Wunsch des Landeshauptmannes. Der wiederum setzte eine Forderung seines Vize Marco Galateo von den Fratelli d’Italia um. Dieser warf Morandell vor, politisch aktiv zu sein. Morandell ist Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP. Galateo sprach von einer »Inkompatibilität«, von einer Unvereinbarkeit. Sie darf als hohe öffentliche Beamte nicht politisch aktiv sein. Der Grund wird wohl sein, dass Morandell Galateo und seine Politik kritisiert hatte. Das geht gar nicht in einem Land, in dem eine rechtsrechte Koalition regiert.

    Lange »Rede«, kurzer Sinn, zurück zu Stefan Perini. Schon 2023 soll versucht worden sein, Perini loszuwerden. Kaltzustellen, kommentiert einer, der damals Perini verteidigt hatte. Nach seiner Wiederbestätigung wird es schwer sein, Perini einfach abzuservieren. Deshalb die Planspiele der Reorganisation. Begründung, das AFI stärken. Wer das glaubt, wird selig. Diese Spiele haben nichts mit dem AFI zu tun, kommentiert ASGB-Vorsitzender Tony Tschenett die angeblichen Reformpläne, sondern mit Stefan Perini. Es wird sich bald herausstellen, ob das Ganze nur ein Gerücht ist.


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  • Der hartnäckige ›Fehler‹ vom historischen Wohnsitz.

    Mindestens viermal haben ranghohe SVP-Vertreter die Lüge verbreitet versehentlich behauptet, dass die Autonomiereform mit der Einführung des »historischen Wohnsitzes« zur Wiedererlangung des Wahlrechts einen Vorteil für Rückwandernde aus dem Ausland mit sich bringe.

    SVP-Obmann Dieter Steger erklärte am 14. April 2025, die Änderung stelle sicher, dass aus dem Ausland nach Südtirol Zurückkehrende »vom ersten Tag an politisch mitgestalten können«. Er bezeichnete dies als »ein echtes Heimatrecht – gerade für die junge Generation«.

    Die Junge Generation in der SVP wollte sich sogar »intensiv mit dieser Reform beschäftigt« haben und war dabei zum Schluss gekommen, dass der historische Wohnsitz »ganz wichtig« sei, und zwar »vor allem für uns junge Leute […], die ein paar Jahre im Ausland leben und danach wieder zurückkommen und wählen können«.

    Bei im Fokus vom 15. April 2025 legte der Landeshauptmann — einen Tag, nachdem die beiden bereits genannten Aussagen gefallen waren — bei Rai Südtirol nach. Der Halbierung der Ansässigkeitsklausel stehe der »historische Wohnsitz« gegenüber, der »unseren Südtirolerinnen und Südtirolern, die ins Ausland gehen« diene: Nach ihrer Rückkehr dürften sie »gleich wählen«.

    Dass das alles Humbug ist, der wohl verbreitet wurde, um die Autonomiereform schönzureden, hatten wir bereits thematisiert.

    Dank einer einschlägigen Landtagsanfrage der Grünen (Nr. 1996/26) vom September dieses Jahres haben wir es nun aber auch ganz offiziell. Offenbar hatte LH Arno Kompatscher (SVP) seine Falschbehauptung noch am heurigen 7. September beim Runden Tisch von Rai Südtirol wiederholt, was die ökosozialen Landtagsabgeordneten veranlasste, formell nachzuhaken.

    In seiner Antwort räumt LH Arno Kompatscher (SVP) ein, dass »[d]ie Änderungen am historischen Wohnsitz […] nicht die im Ausland ansässigen Wahlberechtigten« betreffen, für die alles wohlgemerkt schon seit 1973 geregelt sei. Und weiter:

    An diesem Abend beim “Runden Tisch” ist dem Unterfertigten ein Fehler unterlaufen.

    – Arno Kompatscher

    Es ist ein auffallend hartnäckiger »Fehler«, der den SVPlern da »unterlaufen« ist. Mindestens viermal, über einen erstaunlich langen Zeitraum, bei mehreren Gelegenheiten und durch verschiedene ranghohe Vertreter der Partei.

    Wäre es nun eigentlich schlimmer, dass uns diese Herren bewusst belogen haben oder dass sie jahrelang über eine Reform verhandelt und dabei am offenen Herzen der Autonomie herumgedoktert haben, ohne eigentlich zu wissen, worum es geht?

    Cëla enghe: 01



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  • Einspruch gegen ethnisches Gerrymandering.

    Gegen das neue italienische Wahlgesetz, das von der rechten Regierungskoalition vorangetrieben und Anfang Oktober im römischen Parlament verabschiedet wurde, formiert sich juristischer Widerstand: 32 Bürgerinnen aus Südtirol und dem Trentino haben beim ordentlichen Gericht in Trient Einspruch gegen das am 24. Oktober in Kraft getretene Gesetz erhoben. Sie beantragen, insgesamt 13 Fragen zur Verfassungsmäßigkeit der neuen Wahlordnung dem italienischen Verfassungsgericht vorzulegen.

    Während zahlreiche Einwände grundsätzliche Fragen der Wahlgleichheit, der politischen Repräsentation und des Verhältnisses zwischen Stimmen und Mandaten betreffen, gibt es auch Punkte, die speziell Südtirol und den Schutz der Sprachminderheiten berühren.

    So soll das von Alessandro Urzì (FdI) initiierte und auch mit Unterstützung der SVP umgesetzte ethnisch-politische Gerrymandering einer Überprüfung unterzogen werden. Die Grenzen sämtlicher Südtiroler Wahlkreise wurden dabei bekanntlich so verändert, dass der nunmehrige Wahlkreis Bozen-Leifers nur noch diese beiden Städte mit großer italienischer Bevölkerungsmehrheit umfasst. Fast alle Gemeinden südlich der Landeshauptstadt wurden hingegen dem Wahlkreis Meran zugeschlagen.

    Die Wahlkreisgrenzen wurden bewusst so gezogen, dass sie die Repräsentation der Sprachgruppen beziehungsweise die Chancen bestimmter Parteien beeinflussen.

    Die Auswirkungen auf das Gewicht der Stimmen sind erheblich: Nach Angaben der Rekursstellerinnen ist fortan eine Stimme im »italienischen« Wahlkreis Bozen-Leifers rund 1,7 Mal so viel wert wie im »deutschen« Wahlkreis Meran. Sie wollen wissen, ob eine derartige Wahlkreisoptimierung mit dem Grundsatz der freien und gleichen Wahl vereinbar ist. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob sie mit der Paketmaßnahme 111 in Einklang steht.

    Auch die offen beabsichtigte Schwächung der Sprachminderheiten wird beanstandet. Der Anteil der deutschen und der ladinischen Sprachgruppe sinkt nämlich sowohl im Wahlkreis Bozen-Leifers (drastisch) als auch im Wahlkreis Meran (leicht).

    Ein weiterer Einwand, der Südtirol betrifft, richtet sich gegen die Wahlhürde von 20 Prozent auf regionaler Ebene für Listen sprachlicher Minderheiten. Auf Landesebene entspricht dies de facto einer Sperrklausel von rund 40 Prozent. Die Rekursstellenden argumentieren, dass diese Schwelle den Schutz sprachlicher Minderheiten ins Gegenteil verkehren könnte: Statt deren parlamentarische Repräsentation zu erleichtern, drohe sie Parteien, die eine Minderheit vertreten, von der Mandatsverteilung auszuschließen.

    Auf gesamtstaatlicher Ebene richtet sich ein wesentlicher Teil des Rekurses gegen den sehr hohen Mehrheitsbonus. Er sieht vor, dass eine Liste oder Koalition, die in beiden Kammern mindestens 42 Prozent der gültigen Stimmen erreicht und stimmenstärkste Kraft ist, mit 70 zusätzlichen Sitzen in der Abgeordnetenkammer und 35 zusätzlichen Sitzen im Senat belohnt wird. Das Verfassungsgericht soll hier prüfen, ob die damit zusammenhängende Verzerrung des Verhältnisses zwischen Stimmen und Mandaten mit den Grundsätzen der Wahlgleichheit und der angemessenen Repräsentation vereinbar ist.

    Weitere Einwände betreffen unter anderem die feststehenden Listenführer, Mehrfachkandidaturen und die Geschlechterparität.

    Zu den Unterzeichnerinnen des Rekurses in Südtirol und Trentino gehören unter anderem Stefania Baroncelli, Brigitte Foppa, Luisa Gnecchi, Eva Klotz, Paul Köllensperger, Florian Kronbichler, Andreas Leiter Reber, Harald Mair, Guido Margheri, Wolfgang Mayr, Oskar Peterlini, Georg Simeoni und der Verfassungsrechtler Roberto Toniatti.

    Die Einreichung des Rekurses wenige Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes soll ermöglichen, dass die aufgeworfenen Fragen noch vor den nächsten Parlamentswahlen einer verfassungsrechtlichen Klärung zugeführt werden. Zunächst muss allerdings noch das ordentliche Gericht in Trient entscheiden, ob es die Fragen dem Verfassungsgericht vorlegt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Ladinerinnen gegen Streichung von Plan de Corones.
    Kronplatz

    Der Kronplatz hat einen neuen Markenauftritt. Dafür wird die ladinische Bezeichnung Plan de Corones aus dem Logo gestrichen und stattdessen nur noch auf Kronplatz – Dolomites gesetzt. Dagegen regt sich Widerstand.

    Der Präsident der Union Generela di Ladins dla Dolomites (UGLD), Roland Verra, kritisiert, dass die Entscheidung die Sichtbarkeit der ladinischen Sprache erheblich beeinträchtige. Insbesondere in der internationalen Werbung und in den sozialen Medien drohe der ladinische Name dadurch aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Auch vor Ort werde damit ein wichtiger Bestandteil des historisch gewachsenen ladinischen Ortsnamenerbes zurückgedrängt.

    Die UGLD ruft die Verantwortlichen auf, die Entscheidung zu überdenken und den ladinischen Namen wieder ins Logo aufzunehmen.

    Es sei nicht hinnehmbar, aus wirtschaftlichen Gründen auf die ursprüngliche Bezeichnung zu verzichten. Eine solche Entscheidung stehe im Widerspruch zu den Bemühungen um Erhaltung und Schutz der ladinischen Sprache und Kultur, die zu den grundlegenden Aufgaben der Landesautonomie gehörten.

    Auch Michael Ploner, Schützenkommandant von La Pli de Mareo, und Katrin Ellecosta, Kulturreferentin der Gemeinde Mareo, sprechen sich gegen die Entfernung des Namens aus.

    Wie Rai Ladinia – Trail berichtet sehen sie darin eine Infragestellung der ladinischen Identität.

    Der Name sei keine beliebige Werbebezeichnung, sondern über die Jahrtausende gemeinsam mit der ladinischen Sprache entstanden und mit der Überlieferung der Fanessagen verbunden. Außerdem habe er dazu beigetragen, die ladinische Kultur über die Grenzen des eigenen Sprachraums hinaus bekannt zu machen. Er sei also gewissermaßen das sprachliche Gedächtnis des Ortes.

    Besonders widersprüchlich erscheint es Ploner und Ellecosta, die historische Bezeichnung Plan de Corones auszulöschen, während gleichzeitig die Fanessagen für das Dolomiten-Marketing ausgeschlachtet würden. So verkomme die ladinische Kultur zur dekorativen Kulisse, während man ihr gleichzeitig die Legitimität nehme, im gelebten Alltag auf Augenhöhe präsent zu sein. Ein derartiger, kurzsichtiger Ausverkauf degradiere das kulturelle Erbe zum Konsumgut.

    Schützenkommandant und Kulturreferentin erinnern daran, dass diese Entwicklung einem bereits bekannten Muster folge. Seit Jahrzehnten würden historische ladinische Ortsnamen im Tourismusmarketing verdrängt — wie etwa im oberen Teil des Val Badia, das als Alta Badia bekannt sei: Calfosch sei zu Colfosco, La Ila zu La Villa und San Ciascian zu San Cassiano gemacht worden. Auch die ladinische Bezeichnung Al Plan trete hinter die Bezeichnung San Vigilio zurück.

    Authentizität und Nachhaltigkeit beschränkten sich nicht auf ökologische und ökonomische Aspekte, sondern müssten auch die Kultur umfassen. Es sei ein klares Bewusstsein dafür nötig, dass man die historischen Wurzeln und die Identität nicht für einen kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg opfern dürfe.

    Zu den bereits von Ploner und Ellecosta genannten Beispielen könnte man auch noch Gherdëina hinzufügen, das sich nur noch mit dem italienischen Talschaftsnamen vermarktet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 | 12 || 01



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  • Ladinerinnen können sich ihre Heimat nicht mehr leisten.

    Der Übertourismus führt bereits dazu, dass die Ladinerinnen in weiten Teilen des ladinischen Siedlungsgebiets nahezu das ganze Jahr über in der Minderheit sind, obwohl sie (noch) eine klare Mehrheit der ansässigen Bevölkerung stellen. Selbst in ihrer Heimat sind daher die meisten öffentlich zugänglichen Angebote, insbesondere im privaten Sektor, häufig — auch und gerade in sprachlicher Hinsicht — nicht auf die ladinische Bevölkerung ausgerichtet.

    Ein weiteres massives Problem ist bekanntlich die vom Tourismus angetriebene Gentrifizierung. Vor wenigen Tagen schlug Elide Mussner von den Südtiroler Grünen Alarm: In Gherdëina und Badia sei Wohnraum — einer von ihr selbst anhand öffentlich zugänglicher Immobilienanzeigen durchgeführten Analyse zufolge — deutlich teurer als im übrigen Südtirol. Viele Angebote richteten sich außerdem gezielt an auswärtige Käuferinnen, die eine Ferienwohnung oder eine Kapitalanlage suchen.

    Mussner warnte davor, dass diese Entwicklung nicht nur ein soziales Problem darstelle, sondern auch den Fortbestand der ladinischen Sprachgemeinschaft gefährde. Wenn junge Menschen ihre ladinische Heimat verlassen müssen, weil sie sich dort keine Wohnung mehr leisten können, wachsen auch ihre Kinder außerhalb des ladinischen Sprachraums auf.

    Dort aber fehlt ihnen das sprachliche und institutionelle Umfeld, das sie in Badia und Gherdëina vorfinden. Außerhalb Ladiniens ist ihre Sprache weder Amts- noch Unterrichtssprache. Auch im öffentlichen Leben bestehen nur sehr begrenzte Möglichkeiten, die Sprache selbstverständlich zu verwenden. Was durch den Wegzug verloren geht, ist daher nicht nur ein Wohnsitz, sondern auch ein Stück sprachlicher Kontinuität.

    Die zur Region Venetien gehörenden ladinischen Gemeinden, allen voran Anpezo, sind ein warnendes Beispiel für eine solche Entwicklung. Neben der nur begrenzten institutionellen Anerkennung der Sprache führen extrem hohe Immobilienpreise schon seit Jahrzehnten dazu, dass sich Einheimische in umliegenden Gemeinden niederlassen müssen. Die ladinische Gemeinschaft löst sich zusehends auf.

    Die Olympischen Spiele 2026 haben diese verheerende Entwicklung mit Sicherheit nicht eingebremst, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit weiter verstärkt.

    Auch international wurden die schwerwiegenden Folgen einer übermäßigen Touristifizierung erkannt und während der letzten Jahre immer öfter thematisiert. Touristischer Erfolg dient nicht automatisch den Interessen der ansässigen Bevölkerung.

    Für eine minorisierte Sprachgemeinschaft ist leistbarer Wohnraum mehr als eine sozialpolitische Angelegenheit. Er ist eine Voraussetzung dafür, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können, ihre Sprache im Alltag verwenden und sie den nächsten Generationen weitergeben können. Wirtschaftsmodell, Raumordnung und Wohnungspolitik lassen sich in dieser Hinsicht nicht vom Minderheitenschutz trennen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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