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  • Aliança Catalana: Für Unabhängigkeit und rechtsextrem.


    Die rechtsradikale Partei wird immer stärker.

    Seit dem Bruch der katalanischen Allianz aus christdemokratischer Junts, sozialdemokratischer ERC und linksradikaler CUP wird eine neue Partei am äußersten rechten Rand immer stärker. Die Aliança Catalana (AC).

    Der Bruch war eine der Nachwirkungen des vom Staat für illegal erklärten Unabhängigkeitsreferendums 2017 und der zeitweisen Aushebelung der Autonomie. Verstärkt wurden die Folgen des Bruchs auch durch die Kriminalisierung des einstigen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und seiner Mitstreitenden. Seine politische Absenz schaffte offensichtlich Platz am rechten Rand.

    Die Aliança Catalana, gegründet von Silvia Orriols vor sechs Jahren, verknüpft ihre rechtsradikale Positionierung mit der katalanischen Unabhängigkeit. Orriols war einst in der Jugendorganisation der katalanischen Linken ERC aktiv. Bereits jetzt steht fest, die Puigdemont-Partei Junts verliert zugunsten der AC. Der Aufstieg von AC erschüttert aber insgesamt die katalanische Politik. Offenbar fischt Aliança Catalana bei fast allen Parteien, analysierte die deutsch-baskische Info-Plattform Baskultur.

    Vor einem Jahr erschien auf Baskultur eine ausführliche Analyse über den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der katalanischen Rechtsradikalen. Die katalanische Antwort auf die neofranquistische Vox?

    Die Umfragen von damals, Aliança Catalana holte auf, verdrängte Junts und platzierte sich als drittstärkste Kraft. Ein Jahr später hat sich das Politbild völlig verändert, berichtet die Plattform Democrata: Der katalanische Ableger der PSOE, die PSC, bleibt mit fast 22 Prozent stärkste Kraft, dahinter folgt schon Aliança Catalana mit 18 Prozent auf Platz zwei. Abgeschlagen die ERC mit 15 Prozent, Vox stark mit 13 Prozent, Junts dezimiert auf 11 Prozent, die rechtskonservative Volkspartei PP mit 9, die linke Comuns mit 4,4 und die linksradikale CUP mit 3 Prozent.

    Aliança Catalana wurde 2020 in der Kleinstadt Ripoll gegründet. Sie vertritt eine katalanisch-nationalistische Ideologie, ist rechtsradikal, setzt sich für die Unabhängigkeit Kataloniens ein, lehnt Einwanderung ab, plädiert für wirtschaftlichen Protektionismus einerseits und andererseits für Marktwirtschaft.

    Die etablierte Politik reagiert hilflos auf den Aufstieg der Aliança Catalana. Der Präsident der Generalitat von der gesamtstaatlichen PSOE, Salvador Illa, geht davon aus, dass Orriols mit ihrer Aliança Catalana scheitern wird. Sein Koalitionspartner von der katalanischen Linken ERC, Oriol Junqueras, wirft Orriols vor, eine Erfindung des spanischen Geheimdienstes CNI zu sein. Diese Kritik prallt an AC ab.

    In den Städten Girona und Lleida verdrängte die AC die bisherige Mehrheitspartei Junts. Ein rasantes Wachstum für eine Partei, die erst sechs Jahre alt ist und 2024 mit nur zwei Sitzen erstmals ins Parlament einzog.

    »Sie wird überall Stimmen abgreifen«, warnt Xavier Rius, Journalist und Autor mehrerer Bücher über die extreme Rechte, darunter Aliança Catalana. Nuestros ultras. Xavier Torrens, Soziologe und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Barcelona, Autor des Buches Salvar Catalunya. La gestación del nacional-populismo catalán stimmt dem zu.

    Der größte Verlierer ist die christdemokratische Unabhängigkeitspartei Junts per Catalunya von Carles Puigdemont. Wahlforschende gehen davon aus, dass 20 Prozent der Wähler*innen von Puigdemont sich der extremen Rechten anschließen werden.

    Junts wirft dem pro-spanischen sozialdemokratischen katalanischen Ministerpräsidenten Salvador Illa vor, das Wachstum der extremen Rechten zu fördern. Ähnlich sponserte einst der französische Staatspräsident Mitterrand den Rechtsradikalen Le Pen, um der traditionellen demokratischen Rechten zu schaden. Junts hofft, dass mit der Rückkehr Puigdemonts nach Katalonien nach neun Jahren Exil der Aufstieg der Ultrarechten eingebremst werden kann. Die Bürgermeister von Junts fordern ihre Parteiführung auf, auf die Aliança Catalana zu reagieren.

    Das Problem von Junts ist laut Politikwissenschaftler Xavier Rius, wie sie auf Orriols und ihre AC reagieren sollen. Puigdemont kündigte eine Gesprächsreise durch das Land an. Was wird seine Ansprache sein, fragt sich Rius.

    Eine Aliança mit gleich viel Abgeordneten wie der PSC wird die Bildung einer Regionalregierung erschweren. Kann Junts mit der AC? ERC und CUP können sicher nicht. Einer Zusammenarbeit der Rechten, also AC, PP und Vox, steht die katalanisch-nationalistische Ideologie der AC im Weg.

    Das Erstarken der rechtsextremen AC führte bereits dazu, dass Junts im spanischen Parlament das Bündnis mit Regierungschef Pedro Sánchez vom sozialdemokratischen PSOE verlassen hat. Sucht Junts die Nähe der spanischen Rechten?

    Aber nicht nur Junts verliert an Aliança, auch das linke Spektrum PSC, ERC und CUP und überraschenderweise auch die rechtskonservative Volkspartei PP sowie deren neofranquistische Abspaltung Vox.

    Vorbild Meloni

    Soziologe Xavier Torrens sieht Aliança Catalana als Teil des globalen Siegeszuges national-populistischer Parteien oder der neuen extremen Rechten. Die Italienerin Giorgia Meloni habe es in kurzer Zeit von drei Prozent der Stimmen (wie auch Silvia Orriols) zur Ministerpräsidentin Italiens geschafft, warnt er. Seiner Meinung nach gibt es bei den katalanischen Ultra-Stimmen ein bisschen von allem: Enttäuschte vom »Unabhängigkeitsprozess« (der 2017 im Referendum kulminierte); Wähler*innen, die bei jeder Wahl die radikalste Option für die Unabhängigkeit suchen; Wähler*innen, die sich bei den Parlamentswahlen dann aber für die spanischen Faschisten von Vox entscheiden würden; und Leute, die Ressentiments gegen Migrant*innen hegen und Ängste haben, sich vor Unsicherheiten fürchten.

    Rius teilt die Ansicht, dass es ein Element der »Frustration« über den »Procés« gibt, gemischt mit einem Diskurs »einer reinen Unabhängigkeit« und der Ablehnung von Einwanderung. Seiner Meinung nach spricht Orriols aus, was viele Menschen empfinden. Er stützt sich dabei auf die Tatsache, dass Katalonien in nur vier Jahren einen Bevölkerungszuwachs von 800.000 Menschen verzeichnet hat und es Menschen gibt, die befürchten, dass mit der Ankunft von Migrant*innen die »Heimat verschwindet«. Laut einer Studie befürchten drei Viertel der Wähler*innen der Aliança, dass in Katalonien die Traditionen verloren gehen, die seine Kultur ausmachen. Und 95 Prozent sind der Meinung, dass die Regierung die Kontrolle über die Grenzen verloren hat.

    Für die Anhänger von Silvia Orriols ist das wichtigste Problem Kataloniens die Einwanderung. Darin stimmen sie mit Vox überein. Bei den übrigen Parteien sind die Wähler*innen der Meinung, dass die Wohnungsnot vorrangig gelöst gehört. Die Anhänger*innen von Orriols betrachten sich selbst nicht als besonders rechts (nur 5,7 von 10) und sind nicht so unabhängigkeitsorientiert wie die Anhänger von Junts oder ERC. So befürworten 62 Prozent die Abspaltung, während 32 Prozent dagegen sind.

    Bei einer Aufschlüsselung der Präferenzen sprechen sich 48 Prozent für einen unabhängigen Staat aus, 26 Prozent dafür, dass Katalonien Teil eines föderalen Spaniens bleibt, 21 Prozent für eine Autonomie und 6 Prozent dafür, dass es eine spanische Region bleibt.

     

     


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  • Sprachpolitik in Katalonien mit 160 Neueinstellungen.

    Die katalanische Regierung von Salvador Illa (PSC) stattet die Sprachpolitik mit zusätzlichen personellen Ressourcen aus: Insgesamt 160 neue Stellen sollen demnach beim Departement für Sprachpolitik und beim Consorci per a la Normalització Lingüística (CPNL) entstehen. Damit reagiert die Generalitat auf die zusätzlichen Aufgaben, die sich insbesondere aus dem ehrgeizigen Pacte Nacional per la Llengua und auch aus verstärkten Integrationsanstrengungen im Rahmen der Regularisierung von Sans Papiers ergeben.

    Sechzig zusätzliche Stellen sind für das Departement für Sprachpolitik vorgesehen. Sie sollen dessen Planungs-, Verwaltungs-, Koordinierungs- und Evaluierungskapazitäten stärken. Dies soll hauptsächlich dem Schutz der Sprachrechte, dem Ausbau des Systems zur Sprachzertifizierung, sprachlichen Integrationsmaßnahmen sowie der Förderung des informellen Lernens und des Gebrauchs von Katalanisch in der Arbeitswelt zugute kommen. Auch die Präsenz der katalansichen Sprache in der digitalen und audiovisuellen Wirtschaft soll gestärkt werden.

    Weitere hundert Stellen sind für das CPNL vorgesehen, das in ganz Katalonien Katalanischkurse für Erwachsene organisiert und hält. Mit dem zusätzlichen Personal sollen sowohl die Lehrkapazitäten als auch die organisatorischen Fähigkeiten ausgebaut werden. Damit will die Regierung dem wachsenden Bedarf an Sprachunterricht und Sprachzertifizierung besser entsprechen. Berücksichtigt wird dabei auch ein möglicher zusätzlicher Bedarf infolge der außerordentlichen Regularisierung von Menschen, die bisher keinen regulären Aufenthaltsstatus hatten.

    Der Ausbau ist Teil einer längerfristigen Entwicklung. Im Februar 2025 hatte die katalanische Regierung im Rahmen einer Vereinbarung mit ERC bereits zusätzliche Mittel für den Katalanischunterricht für Erwachsene angekündigt. Ziel war es, die jährliche Kapazität des CPNL bis 2026 auf bis zu 140.000 Plätze auszubauen.

    Ebenfalls aufgrund einer Vereinbarung mit ERC hatte die Regierung Illa bereits zuvor erstmals ein Ministerium für (katalanische) Sprachpolitik geschaffen.

    Die nun angekündigte Personalaufstockung zeigt, dass die Umsetzung der anspruchsvollen Ziele nicht auf symbolische Maßnahmen beschränkt bleibt. Eine seriöse Sprachpolitik lebt nicht ausschließlich von Bekenntnissen, sondern erfodert zusätzliche Kapazitäten für Sprachunterricht, Verwaltung, Koordination und die konkrete Durchsetzung von Sprachrechten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06



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  • Auch bei Gericht gelten Sprachrechte nicht.
    Koloniale Justizbehörde

    Letzte Woche ist an meiner alten Wohnadresse ein Brief der Einnahmenagentur eingetroffen, mit dem ich — immerhin zweisprachig — aufgefordert wurde, eine angeblich seit 2018 offene Schuld von 60 Euro gegenüber dem Landesgericht Bozen zu begleichen.

    Da ich mir auf diese Forderung keinen Reim machen konnte, der Brief weder an meine aktuelle Anschrift noch als Einschreiben verschickt worden war und darin zudem auch noch meine Steuernummer falsch angegeben war, wurde ich stutzig. Mein Steuerberater, bei dem ich nachgefragt hatte, wie ich mich verhalten sollte, erkundigte sich bei der Agentur. Dort bestätigte man ihm, dass das Schreiben echt sei. Wegen der falschen Angaben müsse ich mich allerdings direkt an die zuständige Stelle des Gerichts wenden.

    Also schrieb ich heute Morgen eine zertifizierte E-Mail (ZEP) an das sogenannte »Amt für Forderungseintreibungen« des Landesgerichts, in der ich den Sachverhalt schilderte und um Auskunft bat. Auf Deutsch.

    Wortlaut anzeigen

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    letzte Woche habe ich von der Agentur der Einnahmen per Post eine Zahlungsaufforderung erhalten, die sich auf eine Forderung des Landesgerichts Bozen bezieht. Im Anhang schicke ich einen Scan davon mit.

    Die Mitteilung wurde mir als gewöhnlicher Brief (und nicht als Einschreiben) zugestellt und mir ist unklar, worauf genau sich die Forderung bezieht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor eine Rechnung des Gerichts in der Höhe des genannten Betrags (EUR 60,–) erhalten zu haben.

    Insbesondere aber wurde der Brief an meinen alten Wohnsitz adressiert und auch meine darin angegebene Steuernummer stimmt nicht.

    Mein Steuerberater hat bereits mit der Agentur der Einnahmen Rücksprache gehalten. Demnach handelt es sich offenbar um einen »echten« Brief und nicht um eine Betrugsmasche.

    Für weitere Informationen wurde ich jedoch an Ihr Büro verwiesen.

    Wichtig wäre mir natürlich vor allem, dass eine etwaige Begleichung der Schuld korrekt anerkannt und verbucht wird, auch wenn die angegebene Steuernummer falsch ist. Andernfalls besteht womöglich die Gefahr, dass ich die Rechnung zweimal bezahlen muss bzw. dass ich trotz Begleichung weiterhin als säumig gelte.

    Für Ihre Auskunft danke ich im Voraus!

    Mit freundlichen Grüßen

    …

    Immerhin erreichte mich noch am selben Tag, also ebenfalls heute, eine Antwort:

    Buongiorno,

    in risposta alla sua cortese richiesta le confermo che il sollecito di pagamento a lei pervenuto dall’agenzia entrate – riscossione risulta collegato alla partita di credito numero xxxxxxxxx del Tribunale di Bolzano, aperta per il recupero di spese processuali poste a suo carico dal Giudice.

    Con riferimento all’attribuzione del codice fiscale non corretto da parte dell’agenzia, non posso fornire informazioni utili in quanto l’identificazione del debitore viene effettuata dalla stessa agenzia sulla base degli atti trasmessi dagli uffici giudiziari quali enti creditori.

    Distinti saluti.
    […]

    Schwärzung von mir

    Ich war und bin perplex. Nicht so sehr wegen der unbefriedigende Antwort und der Tatsache, dass sich staatliche Behörden hinsichtlich der Angaben im Brief gegenseitig den Ball zuspielen.

    Pro italico imperio

    Obwohl ich einiges gewohnt bin, stellt diese Missachtung meines verbrieften Rechts auf Gebrauch der deutschen Sprache — mit Vor- und Nachnamen des Verantwortlichen, in einer zertifizierten E-Mail und auch noch im Verkehr mit einem Gerichtsamt — für mich persönlich sowas wie einen neuen Höhepunkt der Entrechtung dar.

    Mit welcher kolonialen Überheblichkeit man als Mitglied der Sprachminderheit konfrontiert wird, als wäre man ein minderwertiger Bürger mit nicht ernstzunehmenden Rechten, erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Beamte fühlen sich offenbar sehr, sehr sicher, dass sie in einem solchen Fall nichts zu befürchten haben. Sonst würden sie wohl kaum so agieren.

    Noch nicht einmal eine entschuldigende Floskel oder eine auch nur fadenscheinige Ausrede hielt der Gerichtsmitarbeiter hier für angebracht. Nix. Auf ein Schreiben in deutscher Sprache wird völlig selbstverständlich auf Italienisch geantwortet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09 10 11 | 12



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  • Schottisches Entscheidungsrecht bekräftigt.

    Auf Vorschlag von Regierungschef John Swinney (SNP) hat das schottische Parlament am 22. September mit 84 Ja- gegen nur 18 Neinstimmen eine Resolution verabschiedet, in der unterstrichen wird, dass Schottland das Recht hat, über seine eigene Zukunft zu entscheiden.

    Erst rund eine Woche zuvor hatten sich die Regierungschefs von Cymru, Nordirland und Schottland — in ihrer Eigenschaft als Parteivorsitzende — in Caerdydd getroffen (vgl.), wo sie ein gemeinsames Memorandum unterzeichneten, in dem sie das Selbstbestimmungsrecht ihrer Länder bekräftigten.

    Swinneys Vorlage wurde auch von Abgeordneten unterstützt, die sich nicht für die Unabhängigkeit Schottlands aussprechen. So stimmte auch Scottish Labour geschlossen für den Antrag, obwohl die Partei offiziell den Verbleib im Vereinigten Königreich befürwortet. Die Zustimmung zum Recht, über die eigene politische Zukunft und somit auch über die staatliche Zugehörigkeit zu entscheiden, ist nicht deckungsgleich mit der Zustimmung zur Eigenstaatlichkeit. Erwartungsgemäß unterstützten auch die an der Abstimmung teilnehmenden Abgeordneten von SNP und Grünen den Vorstoß.

    Dabei handelt es sich in erster Linie um eine politische Willensbekundung und um eine Positionierung gegenüber London. Im November 2022 hatte der Supreme Court entschieden, dass das schottische Parlament der Zustimmung der britischen Regierung benötigt, um ein Unabhängigkeitsreferendum anzusetzen. Dafür müsste Westminster — wie im Vorfeld des Referendums von 2014 — Edinburgh die entsprechende Zuständigkeit übertragen.

    Die politische Bedeutung der Abstimmung ist jedoch klar: Das Parlament von Schottland ist großmehrheitlich der Auffassung, dass der künftige politische Status von Schottland von den Bürgerinnen des Landes selbst entschieden werden soll.

    Cëla enghe: 01



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  • Knoll und Bessone machen Südtirol zur Putin’schen Propagandakulisse.

    Grundsätzlich muss natürlich jeder selber wissen, wie er sich zum Deppen machen möchte. Bei einem Landtagsabgeordneten wie Sven Knoll (STF), einem Gemeinde- und ehemaligen Landesrat wie Massimo Bessone (Futuro Nazionale, vormals Lega) oder einem vormaligen Bürgermeister wie Werner Dissertori (SVP) hat es aber auch eine öffentliche Dimension und Bedeutung, wenn sie sich — wie geschehen — in den Dienst des russischen Staatsfernsehens stellen.

    Wer sich von der Emissärin eines autoritären Regimes interviewen lässt, das seit mehr als vier Jahren einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

    Vor wenigen Tagen widmete der russische Propagandasender Rossija 1 der Südtirolautonomie einen rund siebenminütigen Beitrag. Was vordergründig wie ein Plädoyer für Autonomie, Minderheitenschutz und friedliches Zusammenleben daherkommt, ist in Wirklichkeit eine politische Inszenierung, die den russischen Gebietsanspruch und die eigene Kriegsführung legitimieren soll.

    Man müsste schon sehr blauäugig — um nicht zu sagen: dumm — sein, um anzunehmen, das politische Drehbuch einer solchen »Reportage« stünde nicht von vornherein fest und man könne darin selbst etwas darstellen, anstatt dargestellt zu werden. Wer mitmacht, muss sich deshalb vorwerfen lassen, dass er sich bewusst mit der Desinformation aus dem Kreml gemein macht.

    Allerspätestens seit dem 24. Februar 2022 hat Russland jegliche Glaubwürdigkeit verspielt, wenn es sich als Partner oder Schutzmacht einer russophonen »Minderheit« in einem anderen Land präsentiert. Auch der letzten Zweiflerin muss heute nämlich klar sein, dass die russischsprachigen Ukrainerinnen höchstens ein Vorwand für imperiale und koloniale Ansprüche waren. Ihr Wohlergehen wurde bereitwillig geopfert. Unterlassener Minderheitenschutz und verweigerte Autonomie, die Russland als Rechtfertigung für sein brutales Vorgehen ins Feld führt, könnten ohnehin niemals auch nur ansatzweise das unbeschreibliche Leid legitimieren, das das Moskauer Regime seit Jahren über ein souveränes Nachbarland bringt.

    Wer wie Dissertori meint, über den Kanal eines Terrorregimes Ratschläge zum Minderheitenschutz und zur Autonomie im angegriffenen Land geben zu müssen, ist ohnehin nicht mehr zu retten.

    In der Erzählung darf aber auch Luis Durnwalder (SVP) nicht fehlen: Der ehemalige Landeshauptmann reiste 2015 nach Donezk und nahm dort gemeinsam mit europäischen Rechtsextremistinnen an einer Tagung teil, die vom russischen Marionettenregime der abtrünnigen Region inszeniert worden war. Mehr als elf Jahre später dient die Reise erneut dazu, die russische Propaganda zu stützen.

    Russische Einflussnahme funktioniert nicht ausschließlich über frei erfundene Geschichten. Häufig werden reale Konflikte, tatsächliche Missstände und authentische Aussagen so ausgewählt und zusammengesetzt, dass sie eine gewünschte politische Schlussfolgerung nahelegen. Wie in diesem Fall reicht es, entscheidende Zusammenhänge auszublenden und eine irreführende Analogie herzustellen.

    Nicht jede Person, die in einem russischen Fernsehbeitrag auftritt, ist deshalb ein Agent Moskaus. Doch werden etwa rechtsradikale und rechtsextreme Parteien in Europa systematisch gekapert oder so eingehegt, dass sie den Interessen des Kremls dienen, zur Destabilisierung der Demokratie beitragen und die Wehrhaftigkeit gegenüber Russlands hybrider Kriegsführung von innen schwächen.

    All das müssen sich Knoll, Bessone und Dissertori vorwerfen lassen. Mit ihrem verantwortungslosen Verhalten schaden sie dem Ansehen Südtirols und erweisen Europa und der Demokratie einen Bärendienst.

    Wir alle warten jetzt sehnsüchtig darauf, dass das Moskauer Regime die nötigen Konsequenzen aus seiner eigenen Argumentation zieht und etwa der Krim wenigstens die Autonomie zurückgibt, die sie in der Ukraine bereits hatte — und die dortige tatarische und ukrainische Bevölkerung schützt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07 08



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  • Strom: Eigene Tarifzone für Südtirol?

    Der Strompreis hängt von zahlreichen Faktoren ab, auf die Südtirol nur begrenzten Einfluss hat. Der gesamtstaatliche Regulierungsrahmen sieht mehrere Marktgebotszonen mit jeweils eigenen Großhandelspreisen vor. Daneben gibt es weiterhin den Referenzpreis »PUN Index GME«.

    Wie der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion) in Erfahrung gebracht hat, sollen bereits 2027 die Tarifzonen neu geordnet werden: Die staatsweite Regulierungsbehörde ARERA, die auch für die Abfallentsorgung genaue Vorgaben zur Tarifgestaltung macht, habe entsprechende Änderungen angekündigt. Damit könnte sich eine Gelegenheit ergeben, Südtirol als eigene Tarifzone zu berücksichtigen.

    Viel Strom, wenig Einfluss

    Leiter Reber verweist darauf, dass Südtirol dank der Wasserkraft erheblich mehr Strom produziert, als es selbst verbraucht. Er sieht darin die Chance, von einer eigenen Tarifzone auch bei den Strompreisen zu profitieren.

    Derzeit ist der Stromgroßhandel staatsweit in sieben Marktgebotszonen eingeteilt: Nord, Mitte-Nord, Mitte-Süd, Süd, Kalabrien, Sizilien und Sardinien. Während Kalabrien und die beiden autonomen Inselregionen jeweils eigene Zonen bilden, ist Südtirol Teil der großen Zone Nord.

    In Anlehnung an frühere Beschlüsse des Südtiroler Landtages, in denen eine größtmögliche Energieautonomie gefordert wurde, hat Leiter Reber deshalb einen Beschlussantrag (Nr. 464/26) eingereicht, mit dem sich der Landtag für eine eigene Markt- und Tarifzone aussprechen soll. Die Landesregierung soll mit ARERA in Kontakt treten und sich zudem auf allen politischen Ebenen für dieses Ziel einsetzen. Auch die vom Landtag entsandten Mitglieder der Sechser- und Zwölferkommission sollen sich mit der Neuordnung befassen und auf eine eigene Zone hinwirken.

    Die geplante Neuordnung könnte Südtirol mehr energiepolitischen Gestaltungsspielraum eröffnen. Unabhängig davon, ob eine eigene Tarifzone tatsächlich zu niedrigeren Strompreisen führen würde, sollte das Land die Gelegenheit nutzen, seine Interessen einzubringen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Wie wäre eine ideale Autonomie?
    Podcast Teil 2


    Oskar Peterlinis Gedankenspiele für ein eigenständiges Südtirol.

    Die SVP setzt auf eine pragmatische Autonomiepolitik, die Freiheitlichen und die Süd-Tiroler Freiheit auf das Fernziel Selbstbestimmung. Das nahe Ziel orientiert sich an der sogenannten Remigrationspolitik der AfD und der FPÖ. Eine kleine Gruppe um den Verein Noiland Südtirol-Sudtirolo denkt laut über eine Eigenstaatlichkeit samt Willensnation à la Schweiz nach, Oskar Peterlini wirbt für eine ideale Autonomie. In seinem Buch Wie eigenständig ist Südtirol? versucht er ein Gedankenspiel.

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II


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  • Wahlsieg der sezessionistischen Kräfte in Québec.

    Gestern haben in der zu Kanada gehörenden Provinz Québec Parlamentswahlen stattgefunden, die wie prognostiziert vom sozialdemokratischen Parti québécois (PQ) mit Spitzenkandidat Paul St-Pierre Plamondon (aka PSPP) gewonnen wurden. Der separatistischen Partei fehlen mit 59 von 127 Sitzen fünf Mandate auf eine absolute Mehrheit, doch es wird erwartet, dass sie eine Minderheitsregierung bilden wird, die in der Assemblée nationale von Mal zu Mal Mehrheiten für ihre Gesetze wird suchen müssen.

    Die ebenfalls für die Eigenstaatlichkeit von Québec eintretende Linkspartei Québec solidaire (QS) verfügt über neun Sitze, womit es eine parlamentarische Mehrheit für die Sezession und für die Abhaltung eines entsprechenden Referendums gibt.

    PSPP hatte vor der Wahl mit der Aussage aufhorchen lassen, dass er mit der Einberufung einer entsprechenden Abstimmung warten würde, bis US-Präsident Donald Trump nicht mehr im Amt ist. Das hatte auch grundsätzliche Zweifel daran genährt, wie ernst er es mit dem Ansinnen meint, das zu den Kernpunkten des Wahlprogramms zählt — zumal laut Umfragen derzeit nicht annähernd die Mehrheit der Bevölkerung die Abspaltung befürwortet. Nach der Wahl hat der designierte Premierminister jedoch bereits bestätigt, dass er das Selbstbestimmungsreferendum umsetzen möchte.

    Während der PQ bei dieser Wahl einen fulminanten Zugewinn von 56 Sitzen — von nur noch drei in der vergangenen Legislatur auf nunmehr 59 — feiern kann, erlitt die scheidende Regierungspartei Coalition Avenir Québec (CAQ) — eine Abspaltung vom PQ, die die Separationswünsche ad acta gelegt hatte — Schiffbruch: Sie verlor die 90 Sitze, die sie bislang innehatte und scheidet demnach gänzlich aus dem Parlament aus. Solch drastische Entwicklungen sind freilich auch ein Ergebnis des reinen Mehrheitswahlrechts, wie es etwa bei der italienischen Senatswahl auch in Südtirol gilt. Die erstplatzierte Kandidatin in jedem Wahlkreis erringt in einem solchen System das Mandat, während alle anderen leer ausgehen.

    Mit rund 13 Prozent der Wählerstimmen konnte die CAQ keinen einzigen Sitz erringen. Dabei war sie zur letzten Wahl unter anderem mit dem Versprechen angetreten, das als ungerecht empfundene Wahlsystem zu ändern — und hätte auch die nötige Mehrheit gehabt hätte, dieses Vorhaben umzusetzen. Sie wurde jetzt also selbst zum Opfer ihrer Untätigkeit.

    Neben den beiden bereits genannten Parteien konnten der Parti libéral du Québec mit 40 Sitzen und der Parti conservateur du Québec mit 19 Sitzen ebenfalls in die Assemblée nationale einziehen.

    Zu den wichtigsten Zielen einer PQ-Regierung zählen neben dem Selbstbestimmungsreferendum die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf gebrauchte Güter — einschließlich Gebrauchtfahrzeuge —, die Bekämpfung der Obdachlosigkeit, eine Reform des Gesundheitswesens und insbesondere »die Umkehrung des Niedergangs der französischen Sprache«.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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