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  • Historisch belastete Straßennamen.
    Veranstaltungshinweis

    Das Zentrum für Regionalgeschichte an der Universität Bozen organisiert am 12. und 13. November im Bozner Kolpinghaus eine internationale Tagung mit dem Titel

    Umstrittene Erinnerung
    Historisch belastete Straßennamen in Deutschland, Österreich und Italien.

    Grafik: Susanne Boersma

    Straßennamen erinnern an Personen und Ereignisse, deren historische Bedeutung bisweilen kontrovers beurteilt wird. In Südtirol geben einige Straßen- und Platznamen immer wieder Anlass zu Diskussionen. Beispiele dafür sind der Siegesplatz und die Amba-Alagi-Straße in Bozen sowie die Bruder-Willram-Straße in Bruneck. Im Zentrum der Debatten stehen häufig Bezüge zu Faschismus, Kolonialismus, Antisemitismus, Militarismus und Nationalsozialismus. Seit 2024 untersucht das Zentrum für Regionalgeschichte in Brixen im Rahmen eines Forschungsprojekts solche Straßennamen. Diese werden systematisch erfasst, historisch eingeordnet und kritisch analysiert.

    Am 12. und 13. November findet im Kolpinghaus Bozen eine wissenschaftliche Tagung zu diesem Thema statt. Am ersten Tag werden vergleichbare Forschungsprojekte aus Italien, Österreich und Deutschland vorgestellt. Zudem werden erste Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekts für Südtirol präsentiert. Der zweite Tag widmet sich prominenten Debatten über Straßennamen im In- und Ausland sowie der Frage, wie die Problematik in der Schule und durch die engagierte Zivilgesellschaft aufgegriffen werden kann.

    Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung ist der Umgang mit historisch belasteten Straßennamen: Wann ist eine Umbenennung sinnvoll oder notwendig? In welchen Fällen können erläuternde Zusatztafeln zu einer differenzierten historischen Einordnung beitragen?

    Die Tagung ist als Fortbildungsveranstaltung für Lehrpersonen anerkannt und steht allen Interessierten offen.

    Im Zusammenarbeit mit “Geschichte und Region / Storia e Regione”. Mit freundlicher Unterstützung der Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Amt für Kultur, und der Gemeinde Bozen, Amt für Kultur.

    – Veranstaltungsankündigung

    Tagungssprachen sind Deutsch und Italienisch (mit Simultanübersetzung) – Organisation: Stefan Lechner und Lorenzo Vianini.

    Programm:

    Donnerstag, 12. November

    • Keynotes | Chair: Stefan Lechner
      • 9:00-9:30 Uhr Begrüßung
      • 9:30-10.00 Uhr Florian Wenninger | Straßennamen als Politikum. Umstrittene Verkehrsflächenbezeichnungen in österreichischen Gemeinden seit den 1990ern
      • 10:00-10:30 Uhr Maurizio Ridolfi | Per una odonomastica critica. Sulla «repubblicanizzazione» di luoghi e spazi urbani
    • Regionale Erinnerungskulturen | Chair: Adina Guarnieri
      • 11:00-11:30 Uhr Ina Friedmann | Eine metaphorische Sackgasse? Der »Fall Breitner« in Innsbruck
      • 11:30-12:00 Uhr Lorenzo Vianini | Due sensi unici: le memorie del Sudtirolo
      • 12:00-12:30 Uhr Fabrizio Rasera | Il Trentino regione-memoria
      • 12:30-13:00 Uhr Diskussion
    • Straßennamenprojekte | Chair: Christof Aichner
      • 14:30-15:00 Uhr Sabine Veits-Falk | Der Umgang mit NS-belasteten Straßen in der Stadt Salzburg
      • 15:00-15:30 Uhr Anett Schweitzer und Karl-Josef Kreter | Städtische Ehrungen in Hannover auf dem Prüfstand
      • 15:30-16:00 Uhr Diskussion
    • Straßennamenprojekte | Chair: Francesca Brunet
      • 16:30-17:00 Uhr Andrea Di Michele | Luoghi e memoria del fascismo in Italia: un progetto dell’Istituto nazionale Ferruccio Parri
      • 17:00-17:30 Uhr Stefan Lechner | Von Amba Alagi zu Luis Trenker: historisch belastete Straßennamen in Südtirol
      • 17:30-18:00 Uhr Diskussion

    Freitag, 13. November

    • Umstrittene Biografien | Chair: Siglinde Clementi
      • 9:00-9:30 Uhr Matthias Frese | Hindenburg im Kontext der Straßennamen-Debatten. Auseinandersetzungen in Münster und anderen Städten um Straßenbenennungen
      • 9:30-10:00 Uhr Marco Mondini | La memoria del capo: Luigi Cadorna
      • 10:00-10:30 Uhr Oliver Rathkolb | Die Lueger-Debatte in Wien seit den 1980er Jahren
      • 10:30-11:00 Uhr Diskussion
    • Neue Benennungen – neue Probleme? | Chair: Giada Noto
      • 11:30-12:00 Uhr Franziska Cont | Gender und Gedächtnis: weibliche Neubenennungen und die Frage der biografischen Belastung
      • 12:00-12:30 Uhr Federico Tenca Montini | Una questione di genere? Panchine rosse e intitolazione di luoghi alle vittime delle foibe
      • 12:30-13:00 Uhr Diskussion
    • Geschichtsdidaktik | Chair: Lorenzo Vianini
      • 14:30-15:00 Uhr Martha Verdorfer | Straßen- und Schulnamen im Geschichtsunterricht
      • 15:00-15:30 Uhr Mariana Califano und Jadel Andreetto | Pratiche dal basso: dalla mappatura alla guerriglia odonomastica
      • 15:30-16:00 Uhr Diskussion
      • 15:30-16:00 Uhr Lorenzo Vianini | Schlussbemerkungen
        • Spaziergang der Erinnerung
      • 16:00-17:00 Uhr Mariana Califano und Jadel Andreetto | Urbanes Trekking als Praxis öffentlicher Erinnerung

    Programmwiedergabe ohne Gewähr.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07



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  • Plan de Corones – Dolomites.
    Deutsch-italienische Umklammerung Ladiniens


    Perfid, wie der Kammerabgeordnete von den Fratelli d’Italia, Alessandro Urzì, Minderheitenrechte verteidigt. Zurecht in dem Fall. Scharf kritisierte er die Germanisierung des Plan de Corones in Kronplatz-Dolomites. Er spricht von einer »ethnischen Säuberung« und einer unerträglichen deutschen Dominanz.

    Urzì solidarisiert sich mit den ladinischen Schützen, die vehement gegen die Umtaufe protestierten. Der Plan de Corones ist kein Einzelfall, erinnern die Schützen an die Ortsnamenspolitik der touristischen Vermarkter. Diesen Hinweis nahm der Präsident der Sechserkommission nicht zur Kenntnis oder übersah ihn bewusst. Was aber keinesfalls verwundert.

    Seit Jahrzehnten werden laut den ladinischen Schützen historische ladinische Ortsnamen im Tourismusmarketing verdrängt — wie beispielsweise im oberen Teil des Val Badia, Marketing-Toponomastik: Alta Badia, Calfosch zu Colfosco, La Ila zu La Villa und San Ciascian zu San Cassiano. Auch die ladinische Bezeichnung Al Plan verschwindet hinter der Bezeichnung San Vigilio. Auch eine ethnische Säuberung, in dem Fall italienische Dominanz.

    Simon erinnerte auf dieser Seite auch an Gherdëina, das die Marktstrategen als Gardena verkaufen. Für die Union Generela schlicht und einfach unverantwortlich.

    Unmissverständlich bringt es André Comploi, Landesdirektor für ladinische Bildung und Kultur, auf den Punkt, unerträglich. Mit der seit einigen Jahren vehement vorangetriebenen Marketing-Toponomastik, forciert auch von ladinischen Vermarktern, werden die ladinischen Bezeichnungen von einer italienischen und einer deutschen Bezeichnung regelrecht erstickt.

    Sein Fazit, wegen einer Branding-Optimierung wird das Ladinische leichtfertig geopfert, Comploi spricht von einer touristischen Selbstentfremdung mit postimperialem Beigeschmack.

    Der boomende Tourismus verdrängt das Ladinische aus den ladinischen Tälern. Aber nicht nur. Elide Mussner von den Grünen schlug Alarm. Junge Ladiner:innen können sich in den ladinischen Gemeinden kaum oder keine Wohnungen mehr leisten. Viel zu teuer, teurer als der teure Rest des Landes. Junge Menschen bleiben oder ziehen weg. Ladinien, Walt Disney.

    Fakt ist auch, dass deutschsprachige Tourismustreibende immer öfter die deutschsprachigen Bezeichnungen »verstecken«. hat darauf immer wieder hingewiesen. Der Ferienregion Gitschberg-Jochtal wird Rio Pusteria angehängt, dann Alta Pusteria und Dolomiti di Sesto, San Vigilio Dolomites, Val Gardena, Carezza Ski. Wolfgang Niederhofer warf hier dem Marketing vor, die Geographie zu privatisieren. Tolomei wird sich freuen, die touristische Toponomastik wird Urzì begeistern. Und das Ganze findet auch noch freiwillig statt. Schönes Land, böse Leut, um Claus Gatterer zu zitieren.

    Ist es nicht an der Zeit, die Handbremse zu ziehen? Künftig sollten in den beiden ladinischen Tälern Gherdëina und Val di Badia nur mehr ladinische Ortsnamen gelten. Aus Respekt vor der ladinischen Sprachminderheit. Das rätoromanische Graubünden in der Schweiz als Vorbild. Nachahmenswert. Und was in der Schweiz klappt, dürfte doch wohl auch im ladinischen Südtirol klappen?

    Und, warum nicht, verträgt das deutsche Bildungssystem nicht eine ladinische Stunde in der Woche? Von Innichen bis Reschen, von Salurn bis Gossensass.


    I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i/la autëures ne sustën nia for i fins de BBD. · Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Der giftige ›Zapfenstreich‹ von El Alamein.

    Auch dieses Jahr wieder haben das italienische Heer und die Regierung der »antifaschistischen« italienischen Republik die angeblichen Heldentaten von Einheiten des faschistischen Italien in Afrika (konkret: bei der Schlacht von El Alamein) gefeiert. Einmal mehr bestätigt sich: Der italienische Staat hat es nicht bloß verabsäumt, seine imperiale und faschistische Vergangenheit kritisch aufzuarbeiten, sondern huldigt ihr bis heute — und integriert sie nahtlos in sein Selbstbild. Militärische Ereignisse aus jener Zeit werden stolz in eine patriotische Erzählung überführt, während ihr historischer Kontext einfach ausgeblendet wird.

    In der offiziellen Medienmitteilung der italienischen Streitkräfte wird unter anderem sogar die nach dem faschistischen Liktorenbündel benannte Division Littorio erwähnt. Sie war vor ihrem Einsatz in Afrika bereits an der Invasion Frankreichs und Jugoslawiens beteiligt. Selbst eine derart eindeutig mit dem faschistischen Regime verbundene Militäreinheit wird im Rahmen einer offiziellen Gedenkveranstaltung gewürdigt, als wären Kolonialismus und Imperialismus ganz gewöhnliche Bestandteile der italienischen Geschichte.

    In ihrer offiziellen Rede behauptete Verteidigungsstaatssekretärin und Rechtsextremistin Isabella Rauti (FdI) auch noch, dass die »Werte« — welche? — der »Helden von El Alamein« bis heute in der Folgore-Brigade weiterlebten. Diese kämpfe, so Rauti unter Berufung auf eine traditionelle Fallschirmjägerhymne, »für die Zivilisation«. Welche Zivilisation hier gemeint ist und wer in dieser Inszenierung als deren Gegner oder gar als zivilisatorisch minderwertig dasteht, lässt sich nur erahnen. So wird die koloniale Perspektive nicht hinterfragt und überwunden, sondern durch die Berufung auf eine überlegene, in einem Krieg auf einem fremden Kontinent zu verteidigende Zivilisation unsichtbar gemacht.

    El Alamein war kein beliebiger Kriegsschauplatz, an dem sich italienische Soldaten in einem abstrakten Kampf für irgendwelche universellen Werte befanden. Die italienischen Truppen kämpften dort als Teil eines imperialistischen Krieges — an der Seite nationalsozialistischer Einheiten — und verteidigten nichts anderes als die Interessen faschistischer Kolonialherrschaft in Nordafrika. Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete, ihre Selbstbestimmung und ihre Perspektiven kommen in der offiziellen Erinnerungserzählung gar nicht vor. Aus einem Krieg zur Aufrechterhaltung imperialer Herrschaft wird so nachträglich eine heroische Episode nationaler Geschichte.

    Dass Rauti sich immer wieder gerne in Südtirol aufhält, mag Zufall sein. Doch hierzulande kann sie die »Werte« von damals leben, da die koloniale Kontinuität nie vollständig gebrochen wurde. Die Perspektive der Kolonisierten bleibt dabei noch immer allzu oft ungehört.

    Besonders deutlich trat diese Asymmetrie ausgerechnet wenige Tage nach der El-Alamein-Gedenkfeier zutage. Rautis Parteikollege Alessandro Urzì kritisierte einen vergleichsweise völlig harmlosen Zapfenstreich in Bozen scharf und brachte ihn sogar mit dem nationalsozialistischen Anschluss in Verbindung. Während also offenbar die Traditionspflege faschistischer Militäreinheiten im offiziellen Rahmen problemlos als patriotisches Gedenken durchgeht, genügt auf Südtiroler Seite eine österreichische Flagge, um italienische Rechte zur Nazikeule greifen zu lassen.

    Das ist mehr als nur eine Inkonsistenz, sondern verweist auf eine Hierarchie der Erinnerung, in der italienische Neofaschistinnen festlegen, welche Geschichte als legitim, ehrenhaft und identitätsstiftend gelten darf — und welche als verdächtig, gefährlich oder politisch inakzeptabel gebrandmarkt wird. Wir kennen das vom Karsthöhlengedenken.

    Hier beansprucht der Kolonisator das Recht, seine eigene imperiale Vergangenheit zu heroisieren, während den Kolonisierten die Deutungshoheit über ihre Geschichte abgesprochen wird.

    In El Alamein kämpften die Truppen des faschistischen Italien Seite an Seite mit nationalsozialistischen Einheiten. Dass der offizielle italienische Staat diese militärische Vergangenheit in eine positive nationale Traditionslinie einordnet, während Vertreter derselben politischen Rechten in Südtirol mit historischen Verdächtigungen operieren, ist ein deutliches Beispiel für koloniale Doppelmoral.

    Quod licet colonisatori, non licet colonisato.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • Der hartnäckige ›Fehler‹ vom historischen Wohnsitz.

    Mindestens viermal haben ranghohe SVP-Vertreter die Lüge verbreitet versehentlich behauptet, dass die Autonomiereform mit der Einführung des »historischen Wohnsitzes« zur Wiedererlangung des Wahlrechts einen Vorteil für Rückwandernde aus dem Ausland mit sich bringe.

    SVP-Obmann Dieter Steger erklärte am 14. April 2025, die Änderung stelle sicher, dass aus dem Ausland nach Südtirol Zurückkehrende »vom ersten Tag an politisch mitgestalten können«. Er bezeichnete dies als »ein echtes Heimatrecht – gerade für die junge Generation«.

    Die Junge Generation in der SVP wollte sich sogar »intensiv mit dieser Reform beschäftigt« haben und war dabei zum Schluss gekommen, dass der historische Wohnsitz »ganz wichtig« sei, und zwar »vor allem für uns junge Leute […], die ein paar Jahre im Ausland leben und danach wieder zurückkommen und wählen können«.

    Bei im Fokus vom 15. April 2025 legte der Landeshauptmann — einen Tag, nachdem die beiden bereits genannten Aussagen gefallen waren — bei Rai Südtirol nach. Der Halbierung der Ansässigkeitsklausel stehe der »historische Wohnsitz« gegenüber, der »unseren Südtirolerinnen und Südtirolern, die ins Ausland gehen« diene: Nach ihrer Rückkehr dürften sie »gleich wählen«.

    Dass das alles Humbug ist, der wohl verbreitet wurde, um die Autonomiereform schönzureden, hatten wir bereits thematisiert.

    Dank einer einschlägigen Landtagsanfrage der Grünen (Nr. 1996/26) vom September dieses Jahres haben wir es nun aber auch ganz offiziell. Offenbar hatte LH Arno Kompatscher (SVP) seine Falschbehauptung noch am heurigen 7. September beim Runden Tisch von Rai Südtirol wiederholt, was die ökosozialen Landtagsabgeordneten veranlasste, formell nachzuhaken.

    In seiner Antwort räumt LH Arno Kompatscher (SVP) ein, dass »[d]ie Änderungen am historischen Wohnsitz […] nicht die im Ausland ansässigen Wahlberechtigten« betreffen, für die alles wohlgemerkt schon seit 1973 geregelt sei. Und weiter:

    An diesem Abend beim “Runden Tisch” ist dem Unterfertigten ein Fehler unterlaufen.

    – Arno Kompatscher

    Es ist ein auffallend hartnäckiger »Fehler«, der den SVPlern da »unterlaufen« ist. Mindestens viermal, über einen erstaunlich langen Zeitraum, bei mehreren Gelegenheiten und durch verschiedene ranghohe Vertreter der Partei.

    Wäre es nun eigentlich schlimmer, dass uns diese Herren bewusst belogen haben oder dass sie jahrelang über eine Reform verhandelt und dabei am offenen Herzen der Autonomie herumgedoktert haben, ohne eigentlich zu wissen, worum es geht?

    Cëla enghe: 01



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  • Einspruch gegen ethnisches Gerrymandering.

    Gegen das neue italienische Wahlgesetz, das von der rechten Regierungskoalition vorangetrieben und Anfang Oktober im römischen Parlament verabschiedet wurde, formiert sich juristischer Widerstand: 32 Bürgerinnen aus Südtirol und dem Trentino haben beim ordentlichen Gericht in Trient Einspruch gegen das am 24. Oktober in Kraft getretene Gesetz erhoben. Sie beantragen, insgesamt 13 Fragen zur Verfassungsmäßigkeit der neuen Wahlordnung dem italienischen Verfassungsgericht vorzulegen.

    Während zahlreiche Einwände grundsätzliche Fragen der Wahlgleichheit, der politischen Repräsentation und des Verhältnisses zwischen Stimmen und Mandaten betreffen, gibt es auch Punkte, die speziell Südtirol und den Schutz der Sprachminderheiten berühren.

    So soll das von Alessandro Urzì (FdI) initiierte und auch mit Unterstützung der SVP umgesetzte ethnisch-politische Gerrymandering einer Überprüfung unterzogen werden. Die Grenzen sämtlicher Südtiroler Wahlkreise wurden dabei bekanntlich so verändert, dass der nunmehrige Wahlkreis Bozen-Leifers nur noch diese beiden Städte mit großer italienischer Bevölkerungsmehrheit umfasst. Fast alle Gemeinden südlich der Landeshauptstadt wurden hingegen dem Wahlkreis Meran zugeschlagen.

    Die Wahlkreisgrenzen wurden bewusst so gezogen, dass sie die Repräsentation der Sprachgruppen beziehungsweise die Chancen bestimmter Parteien beeinflussen.

    Die Auswirkungen auf das Gewicht der Stimmen sind erheblich: Nach Angaben der Rekursstellerinnen ist fortan eine Stimme im »italienischen« Wahlkreis Bozen-Leifers rund 1,7 Mal so viel wert wie im »deutschen« Wahlkreis Meran. Sie wollen wissen, ob eine derartige Wahlkreisoptimierung mit dem Grundsatz der freien und gleichen Wahl vereinbar ist. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob sie mit der Paketmaßnahme 111 in Einklang steht.

    Auch die offen beabsichtigte Schwächung der Sprachminderheiten wird beanstandet. Der Anteil der deutschen und der ladinischen Sprachgruppe sinkt nämlich sowohl im Wahlkreis Bozen-Leifers (drastisch) als auch im Wahlkreis Meran (leicht).

    Ein weiterer Einwand, der Südtirol betrifft, richtet sich gegen die Wahlhürde von 20 Prozent auf regionaler Ebene für Listen sprachlicher Minderheiten. Auf Landesebene entspricht dies de facto einer Sperrklausel von rund 40 Prozent. Die Rekursstellenden argumentieren, dass diese Schwelle den Schutz sprachlicher Minderheiten ins Gegenteil verkehren könnte: Statt deren parlamentarische Repräsentation zu erleichtern, drohe sie Parteien, die eine Minderheit vertreten, von der Mandatsverteilung auszuschließen.

    Auf gesamtstaatlicher Ebene richtet sich ein wesentlicher Teil des Rekurses gegen den sehr hohen Mehrheitsbonus. Er sieht vor, dass eine Liste oder Koalition, die in beiden Kammern mindestens 42 Prozent der gültigen Stimmen erreicht und stimmenstärkste Kraft ist, mit 70 zusätzlichen Sitzen in der Abgeordnetenkammer und 35 zusätzlichen Sitzen im Senat belohnt wird. Das Verfassungsgericht soll hier prüfen, ob die damit zusammenhängende Verzerrung des Verhältnisses zwischen Stimmen und Mandaten mit den Grundsätzen der Wahlgleichheit und der angemessenen Repräsentation vereinbar ist.

    Weitere Einwände betreffen unter anderem die feststehenden Listenführer, Mehrfachkandidaturen und die Geschlechterparität.

    Zu den Unterzeichnerinnen des Rekurses in Südtirol und Trentino gehören unter anderem Stefania Baroncelli, Brigitte Foppa, Luisa Gnecchi, Eva Klotz, Paul Köllensperger, Florian Kronbichler, Andreas Leiter Reber, Harald Mair, Guido Margheri, Wolfgang Mayr, Oskar Peterlini, Georg Simeoni und der Verfassungsrechtler Roberto Toniatti.

    Die Einreichung des Rekurses wenige Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes soll ermöglichen, dass die aufgeworfenen Fragen noch vor den nächsten Parlamentswahlen einer verfassungsrechtlichen Klärung zugeführt werden. Zunächst muss allerdings noch das ordentliche Gericht in Trient entscheiden, ob es die Fragen dem Verfassungsgericht vorlegt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Ladinerinnen gegen Streichung von Plan de Corones.
    Kronplatz

    Der Kronplatz hat einen neuen Markenauftritt. Dafür wird die ladinische Bezeichnung Plan de Corones aus dem Logo gestrichen und stattdessen nur noch auf Kronplatz – Dolomites gesetzt. Dagegen regt sich Widerstand.

    Der Präsident der Union Generela di Ladins dla Dolomites (UGLD), Roland Verra, kritisiert, dass die Entscheidung die Sichtbarkeit der ladinischen Sprache erheblich beeinträchtige. Insbesondere in der internationalen Werbung und in den sozialen Medien drohe der ladinische Name dadurch aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Auch vor Ort werde damit ein wichtiger Bestandteil des historisch gewachsenen ladinischen Ortsnamenerbes zurückgedrängt.

    Die UGLD ruft die Verantwortlichen auf, die Entscheidung zu überdenken und den ladinischen Namen wieder ins Logo aufzunehmen.

    Es sei nicht hinnehmbar, aus wirtschaftlichen Gründen auf die ursprüngliche Bezeichnung zu verzichten. Eine solche Entscheidung stehe im Widerspruch zu den Bemühungen um Erhaltung und Schutz der ladinischen Sprache und Kultur, die zu den grundlegenden Aufgaben der Landesautonomie gehörten.

    Auch Michael Ploner, Schützenkommandant von La Pli de Mareo, und Katrin Ellecosta, Kulturreferentin der Gemeinde Mareo, sprechen sich gegen die Entfernung des Namens aus.

    Wie Rai Ladinia – Trail berichtet sehen sie darin eine Infragestellung der ladinischen Identität.

    Der Name sei keine beliebige Werbebezeichnung, sondern über die Jahrtausende gemeinsam mit der ladinischen Sprache entstanden und mit der Überlieferung der Fanessagen verbunden. Außerdem habe er dazu beigetragen, die ladinische Kultur über die Grenzen des eigenen Sprachraums hinaus bekannt zu machen. Er sei also gewissermaßen das sprachliche Gedächtnis des Ortes.

    Besonders widersprüchlich erscheint es Ploner und Ellecosta, die historische Bezeichnung Plan de Corones auszulöschen, während gleichzeitig die Fanessagen für das Dolomiten-Marketing ausgeschlachtet würden. So verkomme die ladinische Kultur zur dekorativen Kulisse, während man ihr gleichzeitig die Legitimität nehme, im gelebten Alltag auf Augenhöhe präsent zu sein. Ein derartiger, kurzsichtiger Ausverkauf degradiere das kulturelle Erbe zum Konsumgut.

    Schützenkommandant und Kulturreferentin erinnern daran, dass diese Entwicklung einem bereits bekannten Muster folge. Seit Jahrzehnten würden historische ladinische Ortsnamen im Tourismusmarketing verdrängt — wie etwa im oberen Teil des Val Badia, das als Alta Badia bekannt sei: Calfosch sei zu Colfosco, La Ila zu La Villa und San Ciascian zu San Cassiano gemacht worden. Auch die ladinische Bezeichnung Al Plan trete hinter die Bezeichnung San Vigilio zurück.

    Authentizität und Nachhaltigkeit beschränkten sich nicht auf ökologische und ökonomische Aspekte, sondern müssten auch die Kultur umfassen. Es sei ein klares Bewusstsein dafür nötig, dass man die historischen Wurzeln und die Identität nicht für einen kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg opfern dürfe.

    Zu den bereits von Ploner und Ellecosta genannten Beispielen könnte man auch noch Gherdëina hinzufügen, das sich nur noch mit dem italienischen Talschaftsnamen vermarktet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 | 12 || 01 02



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