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EUSALP: Getrennt in Einfalt.

Übermorgen übernehmen Südtirol und das Trentino den Vorsitz der Europäischen Strategie für die Makroregion Alpen (EUSALP). Wer daran gezweifelt haben sollte, ob in der EU auch ein regionales und grenzüberschreitendes Projekt wie dieses national dekliniert werden kann, darf beruhigt sein:

Logo des Südtiroler und Trentiner Vorsitzes

Der Vorsitz ist vor allem ein national italienischer, der von Südtirol und dem Trentino — im Namen Italiens — mit grünweißrotem Akzent ausgeübt wird. Die grafische Ausgestaltung des Logos macht die Hierarchie deutlich.

So sind auch das italienische Außenministerium, die Abteilung Kohäsionspolitik des Ministerratspräsidiums, ferner die Ministerien für ökologischen Wandel, Wirtschaftsentwicklung, Universität und Forschung, Infrastruktur und nachhaltige Mobilität sowie die Abteilung für Jugend und Zivildienst des Staates mit von der Partie.

Ferner kommen im offiziellen Präsentationsvideo von Südtirol und Trentino neben den beiden »autonomen« Ländern ausschließlich die Regionen Ligurien, Piemont, Vallée d’Aoste, Lombardei, Venetien und Friaul-Julien vor. Dass es zum Beispiel eine grenzüberschreitende Euregio gibt, hat keinen Platz.

Ausschnitt Pressemitteilung der EU-Kommission

Das Motto der Präsidentschaft stammt vom italienischen Nationaldichter Dante Alighieri, der Zeit seines Lebens nie in Südtirol war — und dessen geographische Beschreibungen von Nationalisten für die Annexion unseres Landes missbraucht wurden. Es ist einsprachig italienisch und lautet: e di là uscimmo a riveder le stelle.

Da darf es auch nicht wundern, dass etwa in der Pressemitteilung der EU-Kommission für Bozen (neben Bolzano) kein Platz mehr war.

Geeint in Vielfalt? Von wegen. Das Motto der EU beschreibt lediglich die Einheit und Vielfalt der unterschiedlichen Nationalstaaten, aus denen sie sich zusammensetzt. Wer keinen eigenen Staat hat, wird nicht berücksichtigt.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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Compassion isn’t enough.
Quotation 682

I am not interested in picking up crumbs of compassion thrown from the table of someone who considers himself my master. I want the full menu of rights.

– Desmond Tutu

See also: 1/ 2/

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Systematische Erhebung der Sprachentwicklung.

Auf ursprünglichen, im Laufe der Debatte angepassten Antrag (Nr. 511/21) der Freiheitlichen hat der Landtag am Mittwoch fast einstimmig beschlossen, dass das Land fortan die Sprachkenntnisse sowie die Sprachentwicklung in Südtirol — in Schule und Gesellschaft — kontinuierlich und systematisch erheben soll, um über Daten zu verfügen, die im zeitlichen Verlauf vergleichbar sind.

Koordinieren wird diesen Auftrag voraussichtlich das neu geschaffene Amt für Landessprachen und Bürgerrechte (AfLB), wobei der Landtag die Zuteilung der Aufgabe an eine bestimmte Stelle bewusst der Exekutive überlassen wollte.

Die Endfassung des (mit 32 Jastimmen bei drei Enthaltungen genehmigten) beschließenden Teils beauftragt die Landesregierung,

die Vermittlung der Erst- und Zweitsprache an Südtirols Bildungseinrichtungen sowie die aktuelle Sprachkompetenz und praktizierte Sprachrealität in allen drei Volksgruppen umfassend zu erheben und künftig kontinuierlich zu monitorieren, damit die Sprachsituation in Südtirol besser bewertet und künftige Maßnahmen aufgrund der Datenlage zielsicherer getroffen werden können.

Endlich! In Südtirol wird oft und gerne politisch über die Sprachentwicklung debattiert, wobei häufig nur subjektive Eindrücke in die Diskussion einfließen. Zuverlässige und über einen längeren Zeit vergleichbare Datenreihen existieren — anders als wohl in den meisten mehrsprachigen Gebieten nicht nur in Europa — jedoch kaum.

Auch wir haben auf diesen unglaublichen Umstand immer wieder hingewiesen (1/ 2/ 3/). Dementsprechend nehmen wir die Kunde, dass eine so große Mehrheit des Landtags diesen Antrag genehmigt hat, natürlich mit Genugtuung zur Kenntnis. Besser spät als nie.

Siehe auch: 1/ 2/ · 3/ 4/ 5/ · 6/ 7/ · 8/

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Die spanische Post ist mehrsprachig.

Spanien ist ein mehrsprachiges Land, in dem neben Kastilisch (aka Spanisch) auf regionaler Ebene auch Baskisch, Galicisch und Katalanisch (einschließlich der Variante Valencianisch) amtlich sind. Auch die spanische Post nutzt diese Sprachen, was zum Beispiel an ihrem mehrsprachigen Internetauftritt ablesbar ist.

Bildschirmausschnitt: Webseite der spanischen Post auf Baskisch

Die Webseite ist in sämtlichen Regionalsprachen, zudem auf Kastilisch und Englisch abrufbar.

In Italien, wo Minderheitensprachen (wie Sardisch, Friaulisch, Deutsch oder Ladinisch) ebenfalls in mehreren Regionen offiziellen Status genießen, ist der Internetauftritt der Post: einsprachig.

Bildschirmausschnitt: Webseite der italienischen Post

Wiewohl ich mich daran zu erinnern glaubte, dass neben der italienischen wenigstens auch eine englische Sprachversion existiert, scheint auch das nicht mehr der Fall zu sein. Wer in Italien diesen Dienst von außerordentlichem öffentlichen Interesse online in Anspruch nehmen will, muss zwangsläufig die italienische Sprache verstehen.

Die von Artikel 6 der italienischen Verfassung und mehreren Autonomiestatuten angeblich geschützten Minderheitensprachen genießen diesbezüglich keinerlei Rechte.

Das Land Südtirol muss sogar dafür bezahlen, dass demnächst — falls die italienische Post Lust hat, sich an diese Vereinbarung zu halten — eine zweisprachige Beschwerdeseite im Netz eingerichtet wird. Von einem einigermaßen mehrsprachigen Webauftritt mit postalischen Dienstleistungen ist gar nicht die Rede.

Mir wäre hingegen nicht bekannt, dass das Baskenland, Galicien oder Katalonien dafür aufkommen müssen, dass ihre jeweiligen Landessprachen irgendwo berücksichtigt werden, wo es gesetzlich vorgeschrieben ist. Das wäre ja auch völlig skurril.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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Digitale Signatur: Eine Odyssee.
Erfahrungsbericht

Im Herbst 2018 hatte ich mir über die Südtiroler Handelskammer eine sogenannte Nationale Servicekarte besorgt, die der digitalen Signierung von Computerdateien dient. Sie besteht aus einem USB-Stick mit integrierter SIM-Karte, auf dem auch die für die Anbringung der Unterschriften nötige Software (ArubaKey) gespeichert ist. Dabei sind die italienischen Handelskammern Partner der Firma Aruba, auf deren Dienste sie zurückgreifen.

Schon seit Dezember 2019 funktionierte ArubaKey auf dem Stick mit der neuen Version des Betriebssystems von Apple nicht mehr. Bis zu einer Aktualisierung (die bis heute nie gekommen ist) sollte und musste ich dann auf eine lokal am Rechner zu installierende Version umsteigen — eine unsaubere, aber praktikable Lösung.

Nach der (selbstverständlich kostenpflichtigen) Erneuerung der Servicekarte, aber nicht unmittelbar damit zusammenhängend, ist mir dann unlängst aufgefallen, dass die Software den sogenannten »Store« mit den Zertifikaten nicht mehr laden konnte und der Versuch, eine Signatur anzubringen, mit einem »internen Fehler« quittiert wurde.

Wie ich herausfand, bietet Aruba für die von den Handelskammern ausgestellten Servicekarten keinen Support an, zuständig ist InfoCamere, natürlich (wie alles andere auch in dem Zusammenhang) einsprachig italienisch. Dreimal musste ich mich schriftlich an deren Kundendienst wenden, bis das Problem »gelöst« werden konnte.

Zuerst wurde mir empfohlen, auf eine andere Software umzusteigen. Leider konnte auch diese keine Zertifikate laden und erkannte noch nicht einmal den USB-Stick mit der SIM-Karte. Die ellenlange Prozedur, die ich laut zweiter Auskunft von InfoCamere durchzuführen hatte, um die Software funktionstüchtig zu machen, war letztendlich erfolglos.

Doch dann der angebliche Durchbruch: Mit Ticket Nummer 3 wurde mir mitgeteilt, dass mein Zertifikat überprüft wurde und gültig ist. Ich solle — wieder so eine saubere Lösung — einfach die zahlreichen Fehlermeldungen in der alten Software ignorieren und mithilfe eines Online-Tools verifizieren, ob die Signatur gültig ist.

Für einen kostenpflichtigen Dienst war das wirklich äußerst schlampig und auch aufwendig, doch immerhin schien es zu funktionieren: Eine Testdatei wurde vom Infocert-Portal tatsächlich als mit einer validen Signatur versehen erkannt.

Nun wollte ich aber heute mehrere digital unterzeichnete Dateien über das berüchtigte, ebenfalls von den Handelskammern betriebene (und mangelhaft zweisprachige) SUAP-Portal bei einer Behörde einreichen. Schon seit Tagen lässt sich die entsprechende Seite (impresainungiorno.gov.it) mit dem Firefox-Browser nicht öffnen. Darauf, dass sie mit einem anderen Browser problemlos funktioniert, muss man schon selbst kommen.

Doch leiderleider wurden dort alle von mir hochgeladenen Dateien als nicht mit einer gültigen Signatur versehen abgelehnt. Überprüfe ich sie mit Infocert — was ich ohnehin ungern mache, weil ich dort beruflich relevante Unterlagen hochladen muss — scheinen sie jedoch als korrekt unterzeichnet auf.

Ich kann von Glück sprechen, dass ich diesmal (anders als sonst leider öfter der Fall) mit der Einreichung früh dran bin, und der Misserfolg beim Hochladen der Unterlagen keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich zieht. Jedenfalls wenn ich von steigendem Puls und hohem Blutdruck einmal absehe.

Leider sind solch kafkaeske Erfahrungen kein Einzelfall. Wenn das aber die »vielgepriesene« Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Italien ist, verzichte ich gerne darauf. Physisch hätte ich die Unterlagen in der Zwischenzeit zehnmal abgegeben, was leider nicht mehr gestattet ist.

Stattdessen muss ich jetzt bezahlen, um irgendetwas unterschreiben zu dürfen. Und der Dienst funktioniert gar nicht, wenn man ihn braucht.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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Italien umgeht EU-Einwegplastikverbot.

Am 14. Jänner ist in Italien das gesetzesvertretende Dekret 196/2021 in Kraft getreten, mit dem eigentlich die EU-Richtlinie zum Verbot von Einwegplastik hätte (verspätet) umgesetzt werden sollen. Allerdings sind in Italien biologisch abbaubares und kompostierbares Plastik vom Verbot ausgenommen, was eindeutig gegen die Vorgaben aus Brüssel verstößt.

EU-Kommissar Thierry Breton hatte bereits im Dezember darauf hingewiesen, dass das von der Regierung Draghi vorgelegte Dekret nicht mit der einschlägigen Richtlinie 904/2019 kompatibel ist, nachgebessert wurde bislang dennoch nicht.

Nun droht Rom ein Vertragsverletzungsverfahren. Vor allem jedoch ist die Norm nicht dazu geeignet, die riesige Plastikflut, die gerade in Italien ein besonders großes Ausmaß angenommen hat, einzudämmen.

Dies umso mehr, als die römische Regierung auch das Inkrafttreten der geplanten Plastiksteuer zum wiederholten Mal verschoben hat.

Siehe auch: 1/ 2/

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Canada: immigrazione «a tutela» delle minoranze.

Da quasi vent’anni il Canada tiene conto anche dell’aspetto linguistico nella programmazione dell’immigrazione volontaria a livello federale. Ne è esclusa la provincia francofona del Québec, che ha una politica linguistica propria con competenze forti anche nel campo dell’inclusione e dell’integrazione.

Nel 2003 a livello federale si decise di definire misure per la salvaguardia e il mantenimento della francofonia anche all’esterno del Québec, prendendo come riferimento quel 4,4% della popolazione che nel censimento popolare del 2001 aveva indicato il francese come lingua materna o come lingua ufficiale (tra l’inglese e il francese) che conosceva meglio. Tale — il 4,4% — era la percentuale minima da garantire anche tra coloro che in futuro sarebbero immigrati in una delle province altre rispetto al Québec.

Pur avendo modificato, rendendoli più severi, i criteri per individuare gli immigranti francofoni nel 2006 (escludendo dal conteggio quelli bilingui inglese-francese), il peso demografico della popolazione d’espressione francese hors Québec fino al censimento del 2016 era già sceso al 3,8%.

In questi giorni, in vista anche del tagliando alle misure previsto nel 2023, il Commissario alle lingue ufficiali, Raymond Théberge, è tornato sulla questione con delle proposte molto chiare:

Presa di posizione di Raymond Théberge, stralcio infografica

A suo avviso, fatte le dovute analisi, cercare di mantenere la soglia del 4,4% può solo contenere, ma non fermare il declino delle comunità francofone, da ricondurre anche all’immigrazione interna, alla migrazione tra regioni, a fattori demografici (nascite, invecchiamento) e alla trasmissione e agli usi linguistici intergenerazionali.

Chiede dunque alla politica di

  • adottare una nuova soglia più elevata che porti a risultati nel breve, medio e lungo termine;
  • definire e mettere a disposizione strumenti di supporto, strategie e una politica d’immigrazione per le comunità francofone in situazione di minoranza;
  • stabilire obiettivi chiari e fondati su un’analisi completa dei fattori che influenzano il peso demografico.

In sostanza, trovandosi in situazione minoritaria e quindi soggetta a un naturale declino, rispetto al suo peso reale la francofonia dovrà venire sovracompensata dall’immigrazione.

Vedi anche: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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Berlusconi ohne SVP.

Die Sammelpartei hat doch noch irgendwo eine Schmerzgrenze: Nach der Koalition mit der rechtsradikalen Lega und dem Wahlbündnis mit Mussolinifan Antonio Tajani (FI) bei der EU-Wahl 2019 hat die SVP gestern beschlossen, die Kandidatur von Silvio Berlusconi für das Amt des italienischen Staatspräsidenten nicht zu unterstützen. Angaben des Landeshauptmanns zufolge soll die Entscheidung einstimmig gefällt worden sein. Demnach werden der gestern vom Regionalrat ernannte Wahlmann Sepp Noggler sowie die Parlamentsabgeordneten der SVP in Kammer und Senat voraussichtlich anderen Kandidatinnen den Vorzug geben — wiewohl dies bei einer geheimen Wahl schwer überprüfbar sein wird.

Einem Bericht von Rai Südtirol zufolge könnten dem ehemaligen Cavaliere bei 1009 Wahlleuten nur rund 60 Stimmen auf einen sicheren Wahlsieg fehlen.

Von der Unterstützung der EVP für Berlusconi ließ sich die SVP — obschon laut Herbert Dorfmann (MdEP) »logisch« und »konsequent« — glücklicherweise nicht beeinflussen. Ihre wenigen Stimmen könnten bei der Wahl ausschlaggebend sein.

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