Once again: Konflikt zwischen Staat und Land.
Finanzautonomie verletzt

Gestern ist der Landtag zu einer Sondersitzung zusammengetreten, um einmal mehr die Anfechtung eines Staatsgesetzes zu beschließen, das dem Autonomiestatut und den Finanzbestimmungen widerspricht. Es handelt sich um das Gesetz Nr. 164/2016 über die Ausgeglichenheit der Haushalte von Regionen und öffentlichen Körperschaften.

Wie LH-Stv. Christian Tommasini ausführte, widerspreche das Gesetz den Finanzbestimmungen des Statuts und betreffe damit die Haushalte der Region und der beiden Provinzen. Es beschränke den Zugriff auf den Mehrjahresfonds, räume der Staatsregierung die Befugnis ein, anstelle der Regionen und Lokalkörperschaften über eine eventuelle Verschuldung zu entscheiden und wolle den Beitrag der Regionen zur Sanierung des Staatshaushalts mit einfachem Gesetz festlegen.

Pressemitteilung des Landtags

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Barrow City diventa Utqiaġvik.

Poco più di un anno fa la montagna più alta dell’Alaska, che è anche la montagna più alta degli Stati Uniti, tornò a chiamarsi ufficialmente Denali. La decisione fu presa dal presidente Barack Obama in persona poco prima di una sua visita allo stato del nord, ma in realtà l’amministrazione statale dell’Alaska aveva già iniziato anni prima a non fare più uso del nome imposto dai colonizzatori: Mount Mc Kinley.

La settimana scorsa una consulta referendaria vinta con soli sei voti di scarto ha mandato in soffitta anche «Barrow City», nome dal vago sapore colonialista di una ridente cittadina dell’Alaska. Anzi: della città  più a nord degli Stati Uniti. D’ora innanzi, su proposta iniziale di un consigliere comunale, tornerà a chiamarsi Utqiaġvik, nome originale in lingua inupiaq.

Mentre il luogo è abitato dagli Iñupiat da circa 1500 anni, il nome Barrow, riferito all’ammiraglio Sir John Barrow, risaliva al 19° secolo.

Speriamo ovviamente che il nostro assessore alla «cultura», Christian Tommasini (PD), non si accorga di nulla. Lui avrebbe certamente preferito il toponimo inglese.

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Landesrat Tommasinis englische Ortsnamen.

Wie die Tageszeitung in ihrer heutigen Printausgabe berichtet, schlägt Landesrat Christian Tommasini (PD) in der aktuellen Toponomastikdiskussion vor, Ortsnamen künftig auch ins Englische zu übersetzen, anstatt über die Abschaffung nicht gebräuchlicher Namenserfindungen aus dem Faschismus nachzudenken. Es ist zwar ernüchternd, dass jemand, der einen derartigen Vorschlag einbringt, für Kultur zuständig ist — und grundsätzlich, dass ein Landesrat keine fundierte Meinung zu einem immer wiederkehrenden Problem hat, sondern offenbar improvisierte »Ideen« einbringt. Doch andererseits ist dieser Einfall auch absolut konsequent: Wenn man, wie leider noch immer viele PolitikerInnen in Südtirol, der Meinung ist, dass man Namen (wie eben im Faschismus geschehen) übersetzen kann, dann ist es nur logisch, dass man sich irgendwann darüber Gedanken machen muss, diese Namen in noch mehr Sprachen zu übersetzen. Für die TouristInnen und für unsere neuen MitbürgerInnen.

Es heißt doch immer so schön, die italienischen MitbürgerInnen könnten sich ohne die von Ettore Tolomei erfundenen Ortsnamen in Südtirol nicht heimisch fühlen. Wenn man so denkt, muss man (wie ich hier bereits prognostiziert hatte) die Toponyme irgendwann natürlich auch ins Englische, Französische, Spanische, Urdu, Arabische (…) übersetzen, damit sich auch die neuen SüdtirolerInnen hier zuhause fühlen können. Viel Arbeit für viele neue Tolomeis im Auftrag des Landes.

Oder aber man sieht endlich ein, dass Toponyme Namen sind, die als solche nicht übersetzt werden brauchen und sollen. Fritz bleibt Fritz und Giovanna bleibt Giovanna, genauso wie ein Italiener auch einen Volkswagen (und keine Vettura del Popolo) und eine Deutsche einen Lancia (und keine Lanze) besitzt und fahren kann.

Übrigens: Wie erst neulich aufgezeigt, hat man selbst im zentralistischen und nicht gerade minderheitenfreundlichen Frankreich verstanden, dass Ortsnamen nichts mit Zwei- und Mehrsprachigkeit zu tun haben. Und trotzdem hat man etwa in der Bretagne wirklich nicht den Eindruck, dass sich dort Frankophone nicht heimisch fühlen könnten.

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Faschismen Medien Ortsnamen Plurilinguismo Politik | | Christian Tommasini Ettore Tolomei | TAZ | Südtirol/o | PD&Co. | Deutsch

Pariteticità è discriminazione.

L’assessore Christian Tommasini (PD) ha inviato un documento alla Convenzione dei 33 (K33) sottoponendo all’attenzione dei suoi membri le sue riflessioni ed alcune proposte. Tra queste spicca quella di passare dall’attuale sistema proporzionale ad un principio di sempre maggiore pariteticità.

Come sappiamo, la cosiddetta «proporzionale etnica» garantisce ai tre gruppi linguistici autoctoni il pari trattamento sulla base della loro «reale» consistenza.

Passare (anche solo in parte) ad un sistema paritetico invece significherebbe mantenere sì un sistema di quote, ma discriminando il gruppo più consistente per favorirne un altro.

Le realtà più avanzate in fatto di protezione e valorizzazione delle minoranze linguistiche hanno da tempo addottato il principio di «discriminazione positiva»: per controbilanciare le discriminazioni implicite allo status di minoranza, specifici meccanismi provvedono a garantire specifici «vantaggi» ai suoi componenti, a partire dalla sovrarappresentazione numerica.

È il caso ad esempio della Finlandia, dove lo svedese, parlato dal 5% della popolazione, viene sistematicamente promosso, a livello nazionale e a livello locale — anche a scapito della lingua finlandese. Mai e poi mai invece è la lingua svedese a venire attivamente discriminata, nemmeno nelle aree in cui è maggioritaria.

La proposta di Tommasini e del PD va nella direzione opposta: senza garantire alcuna forma di maggiore rappresentanza della minoranza di lingua tesesca a livello statale, la si vorrebbe ora ridimensionare (in nome della pariteticità, che di primo impatto suona bene) solamente nell’unico territorio in cui è maggioritaria. Questa non è «discriminazione positiva» (anche nota come affirmative action), ma discriminazione e basta, che in quanto tale andrebbe denunciata a livello internazionale.

Se il PD, come vuol far credere, fosse realmente interessato a rafforzare il pluralismo (e non solo all’italianità e alla distribuzione di qualche poltrona in più), potrebbe cominciare introducendo il principio paritetico a livello statale. E in tutte quelle regioni in cui oggi le minoranze sono invisibili e stanno andando incontro alla totale assimilazione. Ma questo ovviamente non accadrà mai.

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Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht | affirmative action Sprachgruppenproporz Südtirolkonvent | Christian Tommasini | | Finnland-Suomi Südtirol/o | PD&Co. | Italiano

ANPI in der Schule: Der Bock als Gärtner?

Wie die Landesregierung mitteilt, haben die drei Schulämter des Landes sowie die Schullandesräte Achammer, Mussner und Tommasini mit der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia (dem Partisanenverband ANPI) eine Vereinbarung unterzeichnet.

Ziel ist es, das Wissen um die historischen Ereignisse im Zeitraum zwischen 1919 und 1948 und insbesondere die Geschichte des Widerstandes gegen den Faschismus und Nationalsozialismus zu verbreiten.

Landespresseamt

Nun kann man den SchülerInnen nicht genug Wissen über die verhängnisvolle Zeit der nationalsozialistischen und der faschistischen Diktaturen, ihre unvergleichlichen Verbrechen, ihre Auswirkungen auf unser Land und über den Widerstand vermitteln.

Allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass hier der Bock zum Gärtner gemacht wird, hat sich der italienische Widerstand in Südtirol — ähnlich wie in Triest und dem »julischen Venetien« — vor allem dadurch ausgezeichnet, den Verbleib bei Italien zu unterstützen. Dabei waren ungerechtfertigte Gewaltanwendung und Zusammenarbeit mit den angeblich bekämpften Faschisten keine Ausnahme:

Auf italienischer Seite gab es auch in Bozen eine Zweigstelle des “Comitato di Liberazione Nazionale” (CLN), auf deutschsprachiger Seite den “Andreas-Hofer-Bund” (AHB). Militärische Widerstandshandlungen gab es bei beiden Gruppen praktisch nicht. […] Ende 1944 tauchte der Mailänder Sozialist Bruno De Angelis in Südtirol auf. […] Claus Gatterer meinte zu De Angelis: “Sein Auftauchen akzentuierte den Importcharakter der italienischen Widerstandsbewegung in eher negativer Weise, zumal ihm — im Gegensatz zu Longon oder auch Manci — die wesentlichen Grundelemente für das Verständnis der Lage im Lande fehlten.” So wurde der CLN Bozen unter der Leitung De Angelis zu einer nationalistischen Gruppe, die als erstes Ziel den Erhalt der Brennergrenze für Italien sah. […] Die Vertreter des CLN Mailand waren über die Kapitulationsverhandlungen unterrichtet und sich im klaren darüber, daß die Südtiroler nun eine Wiedervereinigung mit Tirol wollten. Von daher war es wichtig, wer beim Einrücken der Alliierten die Macht in Südtirol hatte. Es ging darum, sich eine gute Ausgangsposition für künftige Friedensverhandlungen zu schaffen, um die Brennergrenze zu erhalten. Bruno De Angelis wurde daher nach Bozen geschickt, um die Machtübernahme des “Nationalen Befreiungskomitees” und damit Italiens in Südtirol durchzuführen. Er ging dabei äußerst rücksichtslos vor und scheute auch nicht vor unnötiger Gewaltanwendung zurück. […] Im allgemeinen Befehlsdurcheinander gelang es De Angelis schließlich, mit Hilfe der wenigen Bozner CLN-Mitglieder die Regierungsgewalt in Südtirol von den deutschen Befehlshabern übertragen zu bekommen. So wurden noch vor dem Einmarsch der Amerikaner vollendete Tatsachen geschaffen. […] Am 3. Mai 1945 übernahm der CLN endgültig die Verwaltung des Landes bis zum Brenner. Am gleichen Tag hißten Carabinieri dort die italienische Fahne. Italien hatte wieder die Regierungsgewalt in Südtirol übernommen; in Bozen war eine Regierung im Amt, die ihre Tätigkeit im Namen Italiens ausübte und dann von den Amerikanern in diesem Amt bestätigt wurde. Die […] zunehmend antideutsche Einstellung des CLN machte sich dann besonders im administrativen Bereich sofort bemerkbar. Das Bozner Unterland, Cortina d’Ampezzo und Buchenstein wurden von der Provinz Bozen abgetrennt und der Provinz Trient bzw. Belluno angegliedert. In vielen Gemeinden wurden ehemals faschistische Funktionäre wieder als Bürgermeister eingesetzt, und auch in der Bürokratie fand eine allgemeine Re-Italianisierung bzw. Re-Faschistisierung statt. Es kam zu einer direkten Fortsetzung der ehemals faschistischen Politik.

— aus Steininger, Rolf: Südtirol im 20. Jahrhundert, S. 205ff.

Auch der Politologe Günther Pallaver schreibt (in der Tageszeitung vom 02.09.2011):

Die italienische Resistenza (das nach der Ermordung Manlio Longons von Bruno De Angeli geleitete CLN) war von Nationalisten und Faschisten unterwandert. Ihr primäres politisches Ziel war die Aufrechterhaltung der Brennergrenze.

Der italienischsprachige Südtiroler Historiker Andrea Di Michele berichtet in einem Aufsatz von der Eingliederung der stramm nationalistischen Bewegung Giovane Italia sowie ehemaliger Faschisten ins Bozner »Befreiungskomitee«:

È con De Angelis che avvenne l’inquadramento nel CLN dei resistenti nazionalisti della «Giovane Italia», nonché l’infiltrazione nelle formazioni partigiane di ex fascisti desiderosi di ricrearsi una verginità  politica. Ciò si inseriva nello sforzo di dare forza numerica ad un’organizzazione militare che, secondo le stesse dichiarazioni di De Angelis, doveva porsi come obiettivo principale quello di assumere i poteri al momento dell’ormai prossima resa tedesca. […] Il fatto di riuscire ad assumere formalmente il governo della provincia in nome delle autorità  italiane al momento della resa tedesca, veniva visto come decisivo per garantire il mantenimento dell’Alto Adige in mani italiane. L’interesse di De Angelis non era solo di tipo nazionale, ma anche di carattere economico: i suoi strettissimi legami con il mondo industriale lombardo lo portavano a rappresentare gli interessi di quelle forze economiche fortemente interessate all’«oro bianco» (l’energia elettrica) prodotta [sic] in Alto Adige.

Zweifel an der jetzt abgeschlossenen Vereinbarung zwischen Land und Partisanenverband — respektive am vorgeblichen Ziel, »insbesondere die Geschichte des Widerstandes gegen den Faschismus und Nationalsozialismus zu verbreiten« — kommen außerdem auf, wenn an anderer Stelle in der Pressemitteilung des Landes davon die Rede ist, dass

der Geschichte des Durchgangslagers in Bozen-Gries, der Zeit des “Alpenvorlandes” und den Formen des Widerstands in der Bevölkerung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll.

Sowohl das Durchgangslager als auch die Operationszone Alpenvorland fallen in die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Grunde nicht schlimm, sondern geradezu großartig, wenn die SchülerInnen tatsächlich objektiv über die damaligen Verbrechen der Nazis, die weitverbreitete Kollaboration in Südtirol und den Widerstand aufgeklärt werden.

Die Geschichte des italienischen Partisanentums in Südtirol bewirkt jedoch, im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass die »besondere Aufmerksamkeit« nur auf der einen Seite liegen soll, während die 20 Jahre Faschismus offenbar vernachlässigt werden, zumindest einen merkwürdigen Beigeschmack.

Das Protokoll sieht außerdem Initiativen vor, die sich mit dem Widerstand und dem Freiheitskampf befassen; hierbei sind Projekte zur Wiederentdeckung der Gedenkstätten und zur Verankerung der grundlegenden Werte der italienischen Verfassung geplant.

— Landespresseamt

Auch dies scheint keineswegs unproblematisch zu sein. Der CLN hatte dazumal mit dazu beigetragen, dass die BürgerInnen nach langen Jahren der Diktatur nicht über die staatliche Zugehörigkeit Südtirols befinden durften. Und die italienische Verfassung verhindert kraft ihrer »grundlegenden Werte« bis heute — und wenn möglich sogar in alle Ewigkeit — dass ein derartiger Entscheid jemals möglich wird.

Nur konsequent ist dann auch, dass das Projekt »zudem einen kontinuierlichen Austausch mit dem gesamtstaatlichen Institut Centro Turistico Studentesco CTS« vorsieht. Die alten Ziele der Partisanen, Südtirol im Sinne eines Verfassungspatriotismus in die italienische Nation zu integrieren, scheinen nach wie vor aktuell zu sein. Und die Landesregierung spielt willig mit.

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60+6 Jahre Piffrader-Reflief am Finanzgebäude.

Gastbeitrag von Harald Mair

Sechs Jahre sind vergangen, seit der damalige italienische Kulturminister Sandro Bondi dem Land Südtirol schriftlich mitteilte, dass es das Mussolinirelief entfernen darf.

Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen auch mitteilen, dass ich bereits die Erlaubnis des zuständigen Ministers (Finanzminister Giulio Tremonti; Anm.d.Red.) erhalten habe, dass die faschistischen Relikte im Stadtzentrum an andere Standorte, u. a. in museale Einrichtungen, verlegt werden können, die geeigneter sind, ihren historischen Wert zu unterstreichen. Im Besondern gilt das für das Piffrader-Relief, welches am Finanzgebäude auf dem Bozner Gerichtsplatz angebracht ist. Die Entfernung desselben kann auch von der Provinz durchgeführt werden.

— Übersetzung von Südtirol Online.

Noch ist am Finanzgebäude alles beim Alten geblieben. Dazu einige Aussagen welche seitdem getätigt wurden.

09.06.2011 Luis Durnwalder:

Der Brief des ehemaligen Kulturministers Sandro Bondi habe demnach nach wie vor volle Gültigkeit und das Land das Recht, das Relief am Finanzamt zu entschärfen.

— Südtirol Online.

30.09.2014 Arno Kompatscher:

Der Brief kommt aus dem Kulturministerium: “Wir hatten schon die Zusicherung der Unterstützung von Seiten des Ministeriums, nun hat der aktuelle Minister diese noch einmal schriftlich bekräftigt”, so Kompatscher. Diese Zusicherungen aus Rom hat die Landesregierung zum Anlass genommen, die Landesabteilung Hochbau mit der konkreten Planung der Historisierung des Reliefs zu betrauen. Bekanntlich soll diese durch das Anbringen eines Zitats von Hannah Arendt erfolgen.

— Südtirol Online.

14.04.2015 Arno Kompatscher:

Im Sommer soll mit der Ausschreibung der Arbeiten begonnen werden, die Anbringung der Schrift und der Aufbau der Informationsstelle soll im Oktober erfolgen.

— SüdtirolNews.

07.10.2015 Christian Tommasini:

Das Vorprojekt sei von den Ministern begutachtet worden, das Ausführungsprojekt müsse noch von der Agentur für die Staatsdomäne begutachtet werden. Ziel sei eine Ausschreibung im Winter und ein Beginn der Arbeiten im Frühjahr 2016.

— unsertirol24.

Dazu einige Überlegungen: Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Selbstsicherheit regierende Politiker Aussagen treffen und Termine nennen, bei welchen sich im nachhinein herausstellt, dass diese wahrscheinlich schon von vorneherein falsch waren. Allen »deutschen« Südtiroler Parteien nehme ich es ab, dass sie das Relief zumindest entschärfen wollen. Wobei der derzeitige Plan mit dem Hannah-Arendt-Zitat für mich persönlich nur eine sehr leichte Entschärfung ist, die eher Richtung fauler Kompromiss geht. Ein fauler Kompromiss mit denjenigen in unserer Gesellschaft, welche sich noch immer mit derartig faschistischem Geist anfreunden können. Leider scheint dies m.E. in der italienischen Bevölkerung und Parteienlandschaft öfters der Fall zu sein. Wie ist es sonst zu erklären, dass mehr als 60 bzw. 6 Jahre vergehen, ohne dass nicht einmal diese geplante Minimallösung mit dem Zitat zur Anwendung kommen kann.

Diplomatie ist sicherlich meist der richtige Weg. In diesem Falle wäre aber etwas mehr Mut von Seiten der Landesregierung gefragt. Wenn schon anscheinend die Zusagen da sind, dann hätte man das Relief doch gleich und eventuell auch provisorisch entschärfen können.

Abschließend noch meine ganz persönliche Meinung zu den Südtiroler Grünen im Umgang mit Rechtsradikalismus. Die Grünen bekämpfen diesen aktiv, wenn mit wenig Widerstand zu rechnen ist. Sind bei gewissen Themen jedoch größere Widerstände und gegenteilige Meinungen aus der z.B. italienischen Bevölkerung zu erwarten, dann verhalten sie sich passiv bzw. haben keine Einwände.

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Spagnolli feiert Kriegseintritt.

Laut heutigem A. Adige wird der Bürgermeister von Bozen, Luigi Spagnolli, am Sonntag die italienische Flagge aushängen, wie von Ministerpräsident Matteo Renzi anlässlich des hundertsten Jubiläums des italienischen Eintritts in den ersten Weltkrieg verordnet. Spagnolli rechtfertigt dies unter anderem damit, dass er ein »Bürgermeister der italienischen Republik« sei.

Er hätte eine gute Ausrede gehabt, um sich nicht positionieren zu müssen: Da am Sonntag in Bozen Stichwahlen stattfinden, hätte (unter anderem) die Staatsflagge ohnehin ausgehängt werden müssen. Doch zog es Spagnolli angeblich vor, ausdrücklich festzuhalten, dass er dem absurden Wunsch von Matteo Renzi in jedem Fall nachgekommen wäre.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Spagnolli der Vorschrift des Landes, neben der Gemeinde-, Europa- und Staatsflagge auch die Landesflagge auszuhängen, bislang immer widersetzt hat. Er rechtfertigte dies mit angeblichem Platzmangel und kritisierte die Verordnung als Eingriff in die Gemeindeautonomie. Spagnolli fühlt sich also zwar als Bürgermeister der italienischen Republik, aber — seiner eigenen Logik folgend — offenbar nicht als Bürgermeister der Südtiroler Landeshauptstadt. Wo diesbezüglich der Unterschied zu seinem Kontrahänten, dem Rechtsaußen Alessandro Urzì, bestehen soll, ist nicht ersichtlich.

Immerhin sprechen sich laut A. Adige sowohl SEL (Guido Margheri) als auch Kommunisten dagegen aus, den Kriegseintritt zu feiern und zu diesem Anlass die Gemeindeämter zu beflaggen.

Nachtrag: Spagnolli hat nun mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge eingelenkt und wird die Flaggen auf Halbmast setzen lassen. Er folgt damit einem Vorschlag der Grünen sowie dem Beispiel der Provinz Trient. Andernfalls wäre Bozen wohl die einzige Gemeinde der gesamten Euregio gewesen, die den italienischen Kriegseintritt gefeiert hätte. Spagnollis Parteikollege und Landesrat Christian Tommasini trägt die Entscheidung der Landesregierung mit, am Sonntag gar keine Flaggen auszuhängen.

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Medien Militär Politik | | Christian Tommasini Guido Margheri Luigi Spagnolli Matteo Renzi | AA | Südtirol/o | PD&Co. | Deutsch

CLIL ohne muttersprachliches Prinzip.

Vor allem an Schulen, die der italienischen Schulverwaltung unterliegen, aber — mit Einschränkungen — auch an sogenannten »deutschen Schulen« wurde im Laufe der letzten Jahre »Content and Language Integrated Learning (CLIL)« eingeführt. Es soll sich dabei nicht um die gute alte Immersion handeln, sondern um etwas ganz anderes, nämlich: Immersion pardon… Sachfachunterricht.

Wir hatten schon mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Entwicklung grundsätzlich zu begrüßen, aber im nationalstaatlichen Rahmen mit äußerster Vorsicht zu genießen — wenn nicht rundweg abzulehnen — sei. Warnendes Beispiel ist etwa die Situation an der Uni Bozen, wo eindeutige Indizien für eine sprachliche Fehlentwicklung sprechen. Käme es auch im Pflichtschulsystem zu einer ähnlichen Schieflage, könnte dies (zumindest) für die deutsche Sprachgruppe fatale Folgen haben.

Nun kann man solch riskante Experimente in einem nationalen Minderheitengebiet grundsätzlich befürworten oder nicht, doch eines steht mit Sicherheit fest: Es ist in jedem Fall von äußerster Wichtigkeit, ein klares Konzept vorzulegen und eine ständige Evaluierung vorzunehmen, um gegebenenfalls rasch und effektiv gegenlenken zu können. Sämtliche wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema lassen hierzu keinen Zweifel offen. Doch leider scheint die Südtiroler Schule — genauso wie die Südtiroler Uni — meilenweit von einem seriösen, gediegenen Umgang mit dieser Angelegenheit entfernt zu sein. Stattdessen herrschen Hemdsärmeligkeit und Improvisation vor: Die gesellschaftlichen Folgen wurden (außer hier) nie thematisiert, belastbare Daten sind erst gar nicht verfügbar, von transparenter Kommunikation ist keine Spur und bereits die Prämissen scheinen eher auf persönlichen Einzelmeinungen zu beruhen, denn auf systematischen Erhebungen. Selbst die Meinung von Experten wird nicht zur Kenntnis genommen.

Doch nun hat uns Landesrat Tommasini auch noch bestätigt, dass mit einem bereits gefassten (aber noch nicht veröffentlichten) Beschluss der Landesregierung das muttersprachliche Prinzip im Zweitsprachenunterricht, einschließlich CLIL, weiter aufgeweicht werden soll. Fortan soll es demnach noch einfacher werden, italienische Muttersprachler Deutsch und deutsche Muttersprachler Italienisch unterrichten zu lassen. Grund für diese unfassbar dilettantische Entscheidung ist offenbar ein Mangel an muttersprachlichem Fachpersonal.

Fehlen also an den Schulen Muttersprachler, wird nicht die Ausbildung verbessert und intensiviert, sondern an den Zugangsvoraussetzungen geschraubt. Dass dies eine Bankrotterklärung für den Spracherwerb, insbesondere für die Immersion ist, sollte vor allem den Befürwortern von CLIL einleuchten. Denn wenn nicht endlich Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um die Qualität des Unterrichts zu sichern, steuern wir sehenden Auges auf eine — womöglich irreversible — Katastrophe hin, die die Mehrsprachigkeit unseres Landes ernsthaft gefährdet, anstatt sie zu fördern.

Vergessen wir nicht, dass in diesem Staat bereits (fast) alle Minderheiten erfolgreich assimiliert wurden. Und halten wir uns die Entwicklungen an der angeblich dreisprachigen Uni vor Augen.

Im Trentino wird gerade über das Projekt von Landeshauptmann Ugo Rossi diskutiert, das »Welschtirol« in eine trilinguale Region zu verwandeln. Natürlich soll bei diesem ambitionierten Vorhaben auch CLIL eine wesentliche Rolle spielen. Doch obschon die Trentiner (mit Ausnahme von Fassanern, Bersntolern und Zimbern) keine nationale Minderheit darstellen, wird die inhaltliche und methodische Frage wesentlich seriöser debattiert, als es hierzulande je der Fall war. Es scheint, als sei in Südtirol auch dies nur eine Frage der Ideologie und nicht der Qualität, der bildungspolitischen Nachhaltigkeit und der tatsächlichen Ergebnisse.
Bildung Plurilinguismo Politik | CLIL/Immersion | Christian Tommasini Ugo Rossi | l'Adige | Südtirol/o Trentino | Freie Universität Bozen PD&Co. SVP | Deutsch