Comun General — lingua nazionale.

Der Comun General de Fascia wurde im Februar 2010 mit einem Landesgesetz der Provinz Trient eingeführt und sollte zum wichtigen Werkzeug der ladinischen Selbstverwaltung werden. Dementsprechend hohe Erwartungen wurden in ihn gesetzt.

Im Unterschied zu den alten Talgemeinschaft verfügt der Comun General, der die sieben Gemeinden des Tales umfasst, über eigene administrative Zuständigkeiten und nicht nur über Aufgabenbereiche, die ihm von den Gemeinden übertragen werden. Seine Mitglieder sowie der Procurador (PräsidentIn), der das Fassatal im Minderheitenrat des Landes vertritt, werden direkt vom Volk gewählt.

Homepage Comun General.

Sieht man sich auf der Homepage des Comun General um, muss man zum Schluss gelangen, dass die Institution — zumindest in der Kommunikation und in der Außendarstellung — bislang versagt hat, wenn es um die Stärkung der eigenen Sprache geht. Selbst in der ladinischen Sprachversion des Webauftritts (s. Abb.) scheinen nur manche Themenüberschriften auf Ladinisch auf, der jeweilige Inhalt bleibt jedoch vorwiegend in der Staatssprache.

Eine Institution wie den Comun General gibt es in Südtirol nicht. Die beiden ladinischen Talschaften (Gherdëina und Badia) sind auf die Bezirksgemeinschaften Pustertal und Salten-Schlern aufgesplittert — ein Zustand, der nach Auffassung von zu beheben und durch eine ladinische Bezirksgemeinschaft (Ladinia) zu ersetzen wäre, um die Energien der kleinsten Sprachgemeinschaft bündeln und besser nutzen zu können.

Außendarstellung Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Service Public Sprachpfusch | | | | Ladinia Trentino | | Deutsch

Souramont: Südtirol am Zug.

Nachdem der Regionalrat Venetiens dem Abtrennungswunsch mehrerer Gemeinden — darunter die ladinischen Ortschaften von Souramont — zugestimmt und die Angelegenheit ans römische Parlament weitergeleitet hat, ist nun die Region Trentino-Südtirol am Zug. Sie ist aufgerufen, zu den Bestrebungen der insgesamt 14 venetischen Gemeinden, die sich unserer Region anschließen möchten, eine amtliche Stellungnahme abzugeben. Siro Bigontina, einer der Referendumspromotoren in Souramont, sagte der ladinischen Wochenzeitschrift Usc di Ladins, Landeshauptmann Durnwalder habe Anpezo, Col und Fodom, die historisch mit Südtirol verbunden sind, stets versprochen, die Angelegenheit positiv abzuwickeln. Voraussetzung: Es müsse eine Stellungnahme der Region Venetien vorliegen. Weiters machte Bigontina darauf aufmerksam, dass selbst der für seine Aversion gegen autonome Regionen bekannte Fraktionssprecher des PDL in Venedig, Dario Bond, endlich anerkannt habe, dass die Gemeinden von Souramont nicht wirtschaftliche, sondern historische und kulturelle Gründe haben, um den Regionenwechsel anzustreben: »Das sind Südtiroler und keine Venetier«, soll er vor der entsprechenden Abstimmung im Regionalrat gesagt haben. Bleibt zu hoffen, dass sich der Regionalrat Trentino-Südtirols diese Ansicht zueigen macht.

Einen interessanten Präzedenzfall stellen die Gemeinden Pedemonte, Magasa und Valvestino dar, deren Bevölkerung für die Angliederung an das Trentino gestimmt hatte — und zwar erst nach dem Referendum in Souramont. Die drei Gemeinden hatten bis 1918 zu Tirol gehört und waren dann vom faschistischen Regime an die Regionen Venetien (Pedemonte, 1929) und Lombardei (Magasa und Valvestino, 1934) geschlagen worden. Schon 2010 gab der Regionalrat von Trentino-Südtirol grünes Licht zu ihrer Rückkehr, während die Petitionen weiterer elf Gemeinden, die keine historisch-kulturelle Bindung zu Tirol haben, abgelehnt wurden. Seitdem ist jedoch nichts geschehen, obschon das Innenministerium gesetzlich verpflichtet gewesen wäre, binnen 60 Tagen einen Gesetzesentwurf vorzulegen, um den Bevölkerungswillen umzusetzen.

Siehe auch:

Faschismen Medien Mitbestimmung Politik Recht | | Luis Durnwalder | Usc di Ladins | Ladinia Souramont Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Land Südtirol PDL&Co. | Deutsch

Mautrabatt für LKWs.

Nach tagelangen Streiks, Protesten und Blockaden durch die Frächter hat Entwicklungsminister Passera heute angekündigt, dass den LKWs allein 2012 Mautrabatte in Höhe von 170 Millionen gewährt werden, um etwa die höheren Treibstoffpreise auszugleichen. Damit werden die positiven Auswirkungen der Steuererhöhungen, der Wettbewerbsvorteil ökologischerer Transportmittel wie Schiff und Bahn, zunichte gemacht. Für Südtirol — und allgemein die Verkehrssituation entlang der Brenner- und Inntalachse — bedeutet dies voraussichtlich weitere Belastungen durch Lärm- und Luftverschmutzung. Durch die römischen Maßnahmen rückt die (nie mit Nachdruck verfolgte) Absicht der Landesregierung, die Mautgebühren für den Schwerverkehr deutlich anzuheben, in weite Ferne. Darüberhinaus muss die Sinnhaftigkeit des Brennerbasistunnels bei einer deratigen Verkehrspolitik angezweifelt werden: Während es die unabhängige Schweiz geschafft hat, durch eine konsequente Mautpolitik einen großen Teil des Güterverkehrs auf die Schiene zu verlegen, wird dies hierzulande nicht gelingen, solange sich an den politischen Weichenstellungen nichts ändert.

Ecologia Gesundheit Mobilität Politik | | | | Italy Nord-/Osttirol Südtirol/o Svizra Trentino | Euregio | Deutsch

Geschichtsbuch.
Quotation 26

Die geschichtswissenschaftliche und künstlerische Aufarbeitung [des Freiheitskampfes] setzte noch im Vormärz ein. Nach 1848 begann eine politische Instrumentalisierung von »Anno Neun«, die auch im 20. Jh. anhielt.

In der Volksschule, deren Besuch für [Andreas Hofer] um 1774, dem Jahr der Einführung der allgemeinen Schulpflicht, begann, erwarb er nur die nötigsten Kenntnisse; zumal das Schreiben war Zeit seines Lebens nicht seine Stärke.

Durch den Kontakt mit [den Gästen des Sandwirts] und durch die eigenen Reisen in den nördlichen Landesteil und ins heutige Trentino, die er als Vieh- und Weinhändler unternahm, war Hofer über das politische Geschehen gut informiert. Dies bedeutete freilich nicht, dass er auch einen weiten geistigen Horizont gehabt hätte.

Aus dem Geschichtsbuch für alle drei Sprachgruppen:
Erika Kustatscher, Stefan Lechner, Carlo Romeo, Alessandra Spada
Übergänge und Perspektiven. Grundzüge der Landesgeschichte.
Athesia-Verlag, Bozen, 2011.

Bildung Geschichte Publikationen Scola | Zitać | | Athesia | Südtirol/o Trentino | | Deutsch

Regione Sudtirolo.

Approvata la manovra finanziaria, il governo centrale si accinge ad attuare alcune riforme importanti, tra cui l’abolizione delle province come livello amministrativo intermedio fra regioni e comuni. Ovviamente, tale modifica dell’assetto istituzionale non riguarderà automaticamente le province di Bolzano e di Trento, uniche due a godere di autonomia, per molti versi equiparate alle regioni  — e dunque destinate a «sopravvivere». Se in Italia l’abolizione delle province viene giustificato con la loro (apparente o reale) inutilità, qui da noi il problema generalmente indicato è l’esatto opposto: il potere delle due province è talmente cresciuto a scapito della regione, che è quest’ultima a risultare «svuotata». E allora il momento parrebbe propizio per unire le forze e raggiungere uno scopo simile: Dovendo in ogni caso mettere mano alla costituzione per ridisegnare la mappa degli enti locali, sarebbe ora di sollecitare la trasformazione delle due province in regioni autonome, superando l’ente comune eccedente e passando definitivamente a forme di collaborazione e coordinamento più efficaci e ormai largamente sperimentate. Al contempo dovremmo pretendere il riconoscimento dell’esito referendario nelle località ladine di Souramont, cercando di farle aggregare alla nascitura regione del Sudtirolo, ché altrimenti si vedrebbero diluite in una regione a statuto ordinario come il Veneto, senza più nemmeno il «filtro» della provincia di Belluno. Se sanno ancora fare gli interessi della popolazione, i partiti sudtirolesi battano un colpo.

Mitbestimmung Politik Wirtschaft+Finanzen | | | | Ladinia Souramont Südtirol/o Trentino | Region Südtirol-Trentino | Italiano

Einige Erwägungen zur Süd-Tiroler Freiheit.

von Fabio Rigali

Im Leben eines jungen Südtiroler Selbstbestimmungsbefürworters passiert es immer wieder, in einer Art Reductio ad Hitlerum (Beispiel: Hitler sagt x, du sagst x, du bist Hitler), mit den Positionen der Süd-Tiroler Freiheit (fortan STF) verglichen zu werden. Dabei geht es meistens darum, dass die eigene politische Meinung mit der vermeintlicher “Bösewichte” wie Frau Klotz u.a. gleichgesetzt wird, nur um klar zu beweisen, dass man auch nicht besser ist. Trägt man gern eine Tracht oder gehört man zu irgendeinem Traditionsverein, dann scheint das ganze noch zusätzlich an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Mag diese Taktik der politischen Argumentation im ersten Augenblick auch nicht unklug scheinen, muss man aber bald gestehen, dass deren Anwendbarkeit meistens mit sehr groben Vereinfachungen der jeweiligen Positionen verbunden ist. Auch die voreingenommene Meinung, dass die STF der Teufel der Südtiroler Politik sei, zeugt im Grunde von nichts als Oberflächlichkeit. Umgekehrt kann auch passieren, dass man, wenn man eine konstruktive Kritik aufwirft, sofort als Gegner empfunden wird: Diese Logik lehne ich ebenso ab, denn dadurch wird eine Vertiefung der Diskussion über die Selbstbestimmung schlichtweg unmöglich.
Ich bin politisch nicht aktiv, aber aufmerksam und teile gern meine Meinung mit anderen: Deshalb habe ich in der Vergangenheit gelegentlich Initiativen der STF gutgeheißen und habe sogar meine Symphatie für einige Persönlichkeiten der Bewegung nicht versteckt; nichtsdestotrotz sehe ich einen klaren Unterschied zwischen meiner Vision und ihrer. Aus diesem Grund habe ich mich verpflichtet gefühlt, mich einmal gründlich mit den Positionen der STF zu konfrontieren: Ich habe ihr Programm online gefunden und kommentiert. Das gesamte Programm ist in 11 Punkte gegliedert, wobei ich mich jetzt aber nur auf die ersten zwei, namentlich “Selbstbestimmung” und “Heimat” konzentriere. Erstens, weil es die umstrittensten und die prägendsten für die Bewegung sind. Zweitens, weil es scheint, dass man zu nicht unwichtigeren Themen wie Umwelt oder Chanchegleichheit in Südtirol eher einer Meinung ist.

1. Selbstbestimmung
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist in Artikel 1 der Menschenrechtspakte verankert und somit Ausdruck der Freiheit, den ein Volk beanspruchen kann. Die Teilung Tirols und die damit verbundene Annexion Südtirols durch Italien erfolgten gegen die Prinzipien der Vernunft und Rechtschaffenheit, vor allem aber gegen den Willen des Volkes. Seit jener Zeit hat Südtirol immer wieder um seine Existenz bangen müssen und kann sich auch heute noch nicht der Bewahrung der sprachlich- kulturellen Identität sicher sein. Als Minderheit in einem fremden Staat kann auch die Autonomie unser Volk nicht dauerhaft vor Assimilierung und gezielter Italienisierung bewahren. Die Durchführung der Volksabstimmung über die politische Zukunft Südtirols ist daher das einzig gerechte Mittel zur Lösung des Südtirolproblems.

Im Großen und Ganzen, finde ich, haben sie nicht unrecht. Dabei fügen sie aber, wahrscheinlich unbewusst, auch eines der besten Argumente gegen die Angliederung an Österreich an: Wenn bereits die eigene Erfahrung gezeigt hat, dass man sich als Minderheit in einem Nationalstaat auf Dauer nicht bewahren kann, wie kann man es wagen, den Ladinern und den Italienern im Lande eine Zukunft als Minderheit in Österreich vorzuschlagen? Ist der Selbstmord einer oder mehrerer Sprachgruppen als Lösung “fair”? Dazu sollte die STF selbst eine überzeugende Antwort finden…

2. Heimat – Recht auf die Muttersprache: Die Muttersprache ist das wichtigste Element der kulturellen Identität, das Recht auf deren Gebrauch daher unverzichtbar. Allzu oft wird man in Südtirol mit einer Staatsmacht konfrontiert, die nicht deutsch sprechen kann oder will. Die Bestimmungen des Autonomiestatutes sind jedoch eindeutig. Strengere Kontrollen der Sprachkenntnisse bei Vergabe öffentlicher Posten und restriktive Maßnahmen und Sanktionen bei Missachtung dieses Rechtes sind daher dringend nötig. Das Recht auf Gebrauch der Muttersprache ist keine Provokation, sondern muss Selbstverständlichkeit sein. Dasselbe Recht muss auch für die ladinische Volksgruppe gelten.

Ob die Muttersprache wirklich das wesentlichste unter den Elementen der kulturellen Identität ist, obwohl dies selbstverständlich scheint, sollte vielleicht besser jeder für sich selbst und durch die eigene Erfahrung entscheiden. Ob man sich dem eigenen Nachbarn kulturell näher fühlt als einem Sizilianer oder einem Preußen sollte sich jeder zumindest einmal fragen. Ich fühle mich persönlich nicht besser und gar nicht so anders als ein Palermitaner, der Italienisch spricht wie ich, fühle mich aber z.B. meinen Musi-Kollegen noch ähnlicher: Gemeinsam haben wir Lebensvorstellungen, Gewohnheiten, Lebensstil, Heimat, Bräuche und ja, auch Werte. Ob man Dante oder Goethe in der Schule gelernt hat und so weiter, hat meiner Erfahrung nach nie eine bedeutende Rolle im Gemeinschaftsleben gespielt.
Ganz abgesehen davon ist es aber lobenswert, wenn man sich für das Recht auf Muttersprache einsetzt. Vielleicht wäre es sogar besser, sich allgemein und nicht ausschließlich für die zwei genannten Volksgruppen einzusetzen, obwohl es leider wahr ist, dass in der Praxis viel seltener vorkommt, dass ein Beamter nicht gut Italienisch beherrscht.

– Toponomastik: In Südtirol sind noch immer allein die größtenteils erfundenen pseudoitalienischen Ortsnamen amtlich gültig, welche zum Zwecke der Italienisierung eingeführt wurden. Durch diesen Frevel wird nicht nur die geschichtsfälschende Absicht des Faschismus fortgeführt, sondern die nachkommenden Generationen auch ihres historischen Erbes beraubt. Dieser unwürdige Zustand ist weder kulturell noch politisch vertretbar und widerspricht auch internationalen Empfehlungen, die sich für die alleinige Verwendung der historischen Namen aussprechen. Die erfundenen Falschnamen müssen daher umgehend abgeschafft und die historisch gewachsenen Orts- und Flurnamen wieder eingeführt werden.

Die STF hat hier ins Schwarze getroffen. Als offizielle Bezeichnungen sollten lediglich die historischen Ortsnamen dienen: Wo mehrere überliefert sind, soll man alle verwenden (Bolzano-Bozen-Bulsan); wo nur eine Bezeichnung überliefert ist, soll die notwendige Zweisprachigkeit durch funktionelle Übersetzungen (in der Form: Pfandler Alm-Malga Pfandler ) erreicht werden.

– Faschistische Relikte: Mehr als 60 Jahre nach Ende des Faschismus findet man in Südtirol noch immer in fast jeder Gemeinde Relikte aus dieser Zeit. Das Siegesdenkmal in Bozen, das Mussolinirelief am Gerichtsplatz, die Beinhäuser und Alpini- Denkmäler sind einige Beispiele. Diese Relikte dürfen bis heute nicht einmal dokumentiert werden und können daher auch nicht als Mahnmale interpretiert werden. Sie erfüllen noch immer ihren propagandistischen Zweck und stellen eine Beleidigung für die Südtiroler dar. Die Entfernung dieser faschistischen Relikte, sowie umfassende Aufarbeitung der Geschichte ist längst fällig. Auch die Wiedergutmachung des faschistischen Unrechts, welches durch die Enteignung von privaten Grundstücken erfolgte, ist anzustreben.

Damit bin ich ebenfalls einverstanden und noch dazu sage ich, dass Relikte, die den Faschismus verherrlichen nicht nur eine Beleidigung für die Südtiroler sind, sondern auch für jene Italiener (und das waren doch sehr viele) die unter dem Duce gelitten haben — und für ihre Nachkommenschaft. Eine substantielle Entschärfung ist notwendig, wobei dies in einzelnen Fällen nicht unbedingt die Verschrottung des ganzen Gebäudes erfordert, aber sicher die Entfernung der faschistischen Symbolik.

– Italienisierung stoppen: Trotz Autonomie läuft Südtirol Gefahr, assimiliert und zu einer normalen italienischen Provinz zu werden. Besonders der Schule kommt die Aufgabe zu, den Kindern das Wissen über die eigene Geschichte und Tradition zu vermitteln. Die Kinder dürfen nicht in der “Siamo-in-Italia”- Mentalität erzogen werden. Ausländerkinder sollen nicht in italienische Schulen abgeschoben, sondern es soll ihnen die Eingliederung in die deutsche Sprachgemeinschaft ermöglicht werden. Sportwettkämpfe vermitteln nicht nur Leistungen, sondern auch Emotionen. Die Südtiroler Athleten sollen nicht für den italienischen Staat antreten und die eigene Identität verleugnen müssen. Fahnen und Hymnen wecken Emotionen, die wir zur Stärkung unserer Identität nützen sollten. Langfristig sollen unsere Athleten für Südtirol oder ein Gesamttiroler Team antreten können.

Da habe ich leider immer noch den Eindruck, dass die Verbreitung der italienischen Kultur als etwas höchst Schändliches für Südtirol betrachtet wird, etwa nach der Maxime “weniger ist mehr”. Ich kann mich mit diesem Punkt beim besten Willen nicht einverstanden erklären. Ich schätze beide Kulturen gleich hoch und glaube man sollte jedem die Möglichkeit bieten, sie besser kennenzulernen. Also sollte man auch den italienischen Schülern die Tiroler Geschichte und Traditionen vermitteln und das ist ein seit Jahren bekanntes Problem: Man lernt in den italienischen Schulen sehr wenig bis gar nichts über die eigene Heimat, so habe ich selbst in Bozen mehrmals gehört, dass Andreas Hofer ein Bumser war. Peinlicher geht es kaum und doch ist das die Realität! Nicht einzig die italienische Schule ist aber daran schuld: Auch Traditionsvereine, die vielfach ihren Nachwuchs in den deutschen Schulen suchen, werben in den italienischen gar nicht und auch die Aufnahme italienischer Mitglieder wird manchmal noch fast mehr mit Verdacht als mit Freude begrüßt.
Die “Siamo in Italia” Mentalität brauchen wir in Südtirol definitiv nicht, aber gerade auch beim Sport wäre ein bisschen mehr “Fair-Play” von allen Seiten gefragt. Man ist nicht automatisch ein Nationalist nur weil man zu Italien, Österreich oder Deutschland hält; die ganzen italo- oder deutschnationalen Provokationen, die man regelmäßig dabei aufführt, die könnte man sich aber oft ersparen.

– Gemeinsame Heimat Tirol: Nord-, Ost- und Südtirol bilden nicht nur eine geschichtliche, sondern auch eine kulturelle Einheit. Dieser Einheitsgedanke ist zu fördern, und die Landesteile sollen einander näher gebracht werden. Bereits heute ließen sich in vielen Bereichen der Wirtschaft, Politik und Kultur Gemeinsamkeiten nutzen. Konkurrenzdenken der einzelnen Landesteile sollte dem “Wir-Gefühl” Platz machen. Als kleine Region in einem wachsenden Europa kann Tirol nur gemeinsam seine Interessen durchsetzen.

Da kommt wieder der “weniger ist mehr” Gedanke in den Vordergrund: Man denkt immer wieder an ein Tirol ohne Trentino. Dabei redet man von “nicht nur geschichtlicher sondern auch kultureller Einheit” und meint es habe eine solche Einheit mit dem Trentino nie gegeben. Mann sollte aber zwei Tatsachen berücksichtigen: Die heutige Sprachgrenze entspricht nur einer Kristallisierung der sprachlichen Situation der Vergangenheit. Im Trentino gab es sehr lang das friedliche Nebeneinander der italienischen und deutschen Kultur auch viel südlicher als Salurn; vor langer Zeit war es ein Continuum von abwechselnden sprachlichen Mehr- und Minderheiten in den Dörfern zwischen Trient und Bozen. Kirchlich war es noch anders: Das Bistum Trient reichte vor 1964 bis ins Passeier und dies führte zu einem regen Ausstausch.
Zweite Tatsache: Man ist heute sehr unbarmherzig mit den Identitätsproblemen der Trientiner; besonders aufgrund des Irredentismus einiger bürgerlichen Kreise und einiger stark umstrittener Figuren wie Degasperi, Battisti und Tolomei, aber nicht nur. So behauptet man manchmal, sie sollen endlich mal selber entscheiden wohin sie gehören. Man müsste aber gleichzeitig berücksichtigen, dass was den Faschisten in Südtirol wegen der Sprache nicht gelungen ist, im Trentino vollkommen geklappt hat: Man hat die Trientiner von der Schule aus, als Tiroler “entnationalisisert” und in der “siamo in Italia” Mentalität erzogen. Die Folgen waren so tiefgreifend, dass sie selbst bis in die letzten Jahrzehnte mit der eigenen Vergangenheit nicht vorurteilsfrei umgehen konnten: Ich glaube so etwas sollte seinem Nächsten niemand wünschen. Gerade deshalb und aufgrund der eigenen Geschichte, kann man vonseiten der Süd-Tiroler Patrioten in und ausserhalb der STF, ein bisschen mehr Verständnis und Feingefühl gegenüber den Identitätsproblemen der Welsch-Tiroler verlangen.

Das wars. Ich hoffe in Zukunft wird mir niemand mehr vorwerfen gleich wie oder auch gegen STF zu sein: Ich denke nur mal anders.

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Die Kulturhauptstadt-Lüge.

Um zu widerlegen, dass die Europaregion eine grenzüberschreitende Kulturhauptstadtregion hätte werden können, hat Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter-Mur bei Pro und Contra vom 11. April folgendes gesagt:

Ich muss eines richtigstellen: Es stimmt nicht, dass sich zwei Staaten bewerben können. Für 2019 — ist von Brüssel aus definitiv entschieden — bekommt eine Region, eine Stadt in Italien den Zuschlag und eine in Bulgarien.

Dem offiziellen Bericht der Bewerbung Nordostitaliens zur Kulturhauptstadtregion 2019 — deren Teil Südtirol ist — entnimmt man eine gegenteilige Information:

Alcuni suggerimenti delle Linee Guida della Commissione Europea

• Il titolo viene assegnato ad una città  per un determinato anno. Le città candidate al titolo hanno la possibilità di associare al loro programma un territorio regionale (anche euroregionale per le città frontaliere). Ad esempio, Lussemburgo 2007 ha associato la «Grande Regione» al proprio programma, mentre Essen 2010 ha associato la regione della Ruhr.

[…]

Unterstreichung von mir.

Hätte sich Südtirol eigenständig beworben, wäre also sehr wohl die Einbeziehung von Nord-/Osttirol und Trentino möglich gewesen.

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»Kulturhauptstadt« 2019 — eine Kritik.

von Thomas Benedikter*

Wie von ihren Präsidenten am 1.10.2010 beschlossen, bewerben sich die Regionen Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Provinzen Südtirol, Trentino und Venedig und die Stadt Venedig gemeinsam um den Titel “Europäische Kulturhauptstadt 2019”. Offiziell heißt dieses jährlich seit 1985 von der EU verliehene Siegel noch so, weil es tatsächlich in der Regel an Städte verliehen wird — auch bis 2015 sind wieder Städte dran —  während die Kulturregion Ruhrgebiet 2010 bisher eine Ausnahme war. Nun stimmen unsere Kulturpolitiker die Öffentlichkeit auf dieses sonderbare Projekt ein und Kulturprofis machen sich munter ans Werk, die Bewerbung mit Inhalt zu füllen. Wenn es dazu kommt, wäre nicht nur das Konzept der Kulturstadt gesprengt, sondern auch jenes einer “europäischen Kulturregion” überdehnt, denn diese drei Regionen sind allesamt schon für sich Regionen mit ausgeprägter kultureller Identität. Nichts spricht dagegen, europäische Kulturregionen ins Licht zu rücken, und man hätte 2-3 Jahrhunderte zu tun, um alle vorzustellen.

Was macht aber eigentlich den geografischen Raum Nordostitalien zu einer “Kulturregion”? Es wird kaum reichen, dass dieses Gebiet von 1815 (erstmals von Österreich 1797 annektiert) bis 1866 gemeinsam Teil des k.u.k-Reichs war. Es wird nicht reichen, dass es unter dem Faschismus zum “Triveneto” erklärt worden ist, ein Begriff, der in der italienischen Publizistik immer noch herumgeistert. Auch das verschwommene Konzept von Mitteleuropa gibt zu wenig an Gemeinsamkeit her. Dass es in allen Regionen Sprachminderheiten gibt, ist auch nicht das Verbindende, denn sie spielen zumindest in Venetien fast keine Rolle. Fantasievolle Redner werden gefragt sein, um für die entsprechende Aufladung mit Gemeinsamkeiten zu sorgen.

Also riecht das Ganze doch wieder nach geschickt angelegter Strategie zur touristischen Vermarktung, nach Mitnaschen am Förderungskuchen der EU, nach künstlichen Dachmarken und Plattformen für internationale Bewerbung jenseits jedes klaren Profils. Was wirklich Appetit macht ist die Tatsache, dass laut Statistik europäische Kulturhauptstädte im Schnitt ein Plus von 12% an Touristenzustrom verzeichnen konnten. Hunderte von Veranstaltungen, die ohnehin angesetzt und gut besucht würden, liefen dann eben unter dieser artifiziellen Klammer. Hat Venedig oder Verona das nötig? Braucht Südtirol mit seinen bald 28 Millionen Gästenächtigungen das überhaupt?  In der Internetwerbung der Venezianer für die Kulturhauptstadt (www.nordest2019.eu) wird Südtirol kurzerhand in die “area metropolitana del Nordest” einverleibt, eine Art Hinterland Venedigs, dem die Gäste der Lagunenstadt mal eine Stippvisite abstatten können.

Eine Region der europäischen Öffentlichkeit als “Kulturregion” zu präsentieren und über die EU zu fördern, macht Sinn, wenn sich ihre Bevölkerung einer erkennbar gemeinsamen Identität verbunden weiß. Das Konzept an sich wird ad absurdum geführt, wenn es nur als Destinationsbewerbung dient. Kasslatter-Mur hat denn auch gleich klargestellt, dass es bei der Bewerbung darum geht, sich in diesem Rahmen als deutsche und ladinische Sprachminderheit zu präsentieren. In der Kulturregion, der sich die allermeisten Südtiroler zugehörig fühlen, sind sie aber keine “Sprachminderheit”, nicht umsonst strapazieren unsere Kulturpolitiker das mehrsprachige Südtirol als besondere Realität.

Eine gemeinsame regionale Identität des Nordostens Italiens lässt sich weder erkennen noch aus Marketinggründen herbeireden. Im Gegenteil, die Erfindung einer Kulturregion Nordost lässt eine gewachsene Region in den Schatten treten, die es grenzüberschreitend auch institutionell wieder gibt, die von der EU gefördert wird und darauf wartet, mit mehr Inhalten und Initiativen gefüllt zu werden: die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Warum schafft man in Europa Verwirrung, indem man Südtirol einmal zu diesem Raum schlägt, einmal zum anderen; einmal sich auch kulturell ganz Italien zurechnet, dann wieder in der 150-Jahre-Einheits-Diskussion ganz den eigenständigen Tiroler gibt? Gefragt, ob das zeitliche Zusammenfallen des angepeilten Kulturregion-Jahres 2019 mit dem 100-Jahren Zugehörigkeit zu Italien ein Problem sei, antwortete Durnwalder: “Im Gegenteil, wir wollen auch im Rahmen der Bewerbung zeigen, dass Südtirol ein ganz besonderes Land mit einer entsprechenden Geschichte und Kultur ist” (im Südtiroler Bürgernetz). Mit anderen Worten: man tut sich mit anderen zusammen, um zu zeigen, dass man selbst etwas Besonderes ist.

Siehe auch:

*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von »Autonomien der Welt« (Athesia, Bozen 2007) und »The World’s Working Regional Autonomies« (Anthem, London/Neu-Delhi 2007).

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