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Massentest: Chaotisches Anmeldeformular.

Das Land hat nun ein Anmeldeformular zur Teilnahme am bevorstehenden Corona-Massentest veröffentlicht:

Ich frage mich: Müssen Beamte in Südtirol alle den Kurs »Wie gestalte ich auch einfache Formulare so, dass sie garantiert niemand versteht« besucht haben?

Denn wie bitte ist insbesondere der Abschnitt »in der Eigenschaft als« zu verstehen?

Im ersten Teil geht es um die zu testende Person, so weit ist es klar. Im zweiten Teil wird dann gefragt, ob die Person in ihrer Eigenschaft als Betroffene, Elternteil/Sorgeberechtigte oder Bevollmächtigte getestet wird? Was hat das für einen Sinn?

Und wessen Name – Geburtsdatum – Geburtsort soll bei Elternteil/Sorgeberechtigte bzw. Bevollmächtigte eingetragen werden? Die des Elternteils/Sorgeberechtigten bzw. Bevollmächtigten oder die der Person, für die man sorgeberechtigt/bevollmächtigt ist?

Letzteres hat keinen Sinn, weil das ja die bereits abgefragte zu testende Person wäre. Ersteres aber auch nicht, denn die zu testende Person wird doch stets in ihrer Eigenschaft als Betroffene getestet — und nicht in ihrer Eigenschaft als irgendwas anderes.

Dass Vor- und Nachname ferner im ersten Abschnitt (zu testende Person) in anderer Reihenfolge abgefragt werden als im zweiten Abschnitt (in der Eigenschaft als) soll die Übersichtlichkeit wohl genauso fördern wie die Tatsache, dass von der zu testenden Person nicht der Geburtsort (aber die Steuernummer) abgefragt wird, vom Elternteil aber schon (dafür keine Steuernummer). Email und Mobilnummer werden schließlich nur von der zu testenden Person verlangt, obwohl die Benachrichtigung im Fall von Kindern oder Unmündigen vermutlich an die Eltern/Sorgeberechtigte bzw. Bevollmächtigte gehen sollte.

Aber lassen wir das. Ich hoffe, dass die logistisch wesentlich komplexere Durchführung der Tests besser organisiert wird, als dieses Formular erahnen lässt. Worauf sich diese meine Hoffnung stützt, weiß ich jedoch gerade selbst nicht so genau.

Hinweis: Beziehen Sie Ihr Anmeldeformular bitte von einer amtlichen Quelle.

Siehe auch:

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Angemessene Performance?
Teil 2: Chronik einer SARS-CoV-2-Infektion in Südtirol

Wir sind der Überzeugung, dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb – auch im Vergleich mit anderen Regionen – dank der Unterstützung vieler Akteure bisher eine angemessene Performance hingelegt hat.

— Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli in einer Stellungnahme auf Salto

Angesichts der bisherigen bürokratischen Schwierigkeiten in Zusammenhang mit meiner SARS-CoV-2-Infektion (Teil 1 gibt es hier zum Nachlesen) habe ich mir schon gedacht, dass es nicht wirklich smooth weitergehen wird. Dass es aber ein derart holpriger Ritt werden wird, hatte ich dann doch nicht erwartet. Aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen weiß ich, dass meiner kein Einzelfall ist und Bürokratius auch noch schlimmer zuschlagen kann. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es sein muss, wenn man anders als ich einen schweren Verlauf durchmachen muss und es nicht mehr bloß um besetzte Telefonnummern und unbeantwortete E-Mails, um verwirrende Quarantänebestimmungen und fehlende arbeitsrechtliche Dokumente, sondern um Leben und Tod geht. Die geneigte Leserin/der geneigte Leser mag jedenfalls selbst für sich entscheiden, ob die im Folgenden beschriebene Performance des Südtiroler Sanitätsbetriebes eine angemessene ist.

Es beginnt damit, dass ich die Daten der Quarantäne für mich und meine Familie nicht nachvollziehen kann.

Die Quarantäne wurde am 30. Oktober ausgesprochen und begann rückwirkend am 28. Oktober, jenem Tag, an dem mein positives Testergebnis feststand. Im entsprechenden E-Mail des Sanitätsbetriebes wird übrigens angekündigt, dass das Original der Quarantänemitteilung als eingeschriebener Brief an die Wohnadresse geschickt wird. Nach über zwei Wochen habe ich jedoch noch keinen solchen bekommen. Die Dauer wurde auf 12 Tage festgesetzt.

Die rechtliche Grundlage dafür wird auf der amtlichen Quarantäneverordnung wie folgt zitiert:

Gemäß der Verordnung des Gesundheitsministeriums vom 21.02.2020 “Weitere prophylaktische Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Infektionskrankheit COVID-19”, die im Amtsblatt Nr. 44 vom 22.02.2020 veröffentlicht wurde, und basierend auf das (sic) Dekret des Landeshauptmannes vom 04.03.2020, mit der (sic) das Departement für Gesundheitsvorsorge des Südtiroler Sanitätsbetriebes beauftragt worden ist, die Maßnahme der Quarantäne, bzw. des treuhänderischen Hausaufenthaltes mit aktiver Aufsicht für die Dauer von 14 Tagen auf Personen anzuwenden, die engen Kontakt mit bestätigten Fällen von infektiöser diffuser Krankheit COVID-19 gehabt haben;

Mit einem Rundschreiben des Gesundheitsministeriums vom 12. Oktober 2020 wurde die Quarantäne bei positiv getesteten Personen allerdings auf 10 Tage verkürzt. Beim Vorliegen von Symptomen rechnet man die 10 Tage ab Beginn der Symptomatik, bei asymptomatischen Patienten laufen 10 Tage ab dem positiven Test.

Warum wir – meine Familie und ich – dann am 30. Oktober 2020 eine 12-tägige Quarantäne verordnet bekommen, die von einem Schreiben begleitet wird, in dem der zitierte Gesetzestext von 14 Tagen und “engen Kontaktpersonen”, nicht aber von Infizierten selbst spricht, während eigentlich seit 12. Oktober 2020 für Fälle wie dem unsrigen eine 10-tägige Quarantänezeit in Kraft ist, verstehe ich nicht.

Ähnlich willkürlich erscheint – angesichts des Rundschreibens des Gesundheitsministeriums – die Auswahl des Startdatums unserer Quarantäne. Während für das Auslaufen der 10-tägigen Quarantäne wie auch der 21-tägigen Quarantäne (auf diese kommen wir später noch zu sprechen) laut Regelwerk jener Tag ausschlaggebend ist, an welchem erstmals Symptome verspürt wurden, wurde in meinem Fall offenbar der Tag der Auswertung des Testergebnisses herangezogen. Es könnte aber auch sein, dass die zwei Tage, die rückwirkend ausgesprochen wurden, arbeitsrechtliche Gründe haben (meine Frau blieb aufgrund meines positiven Tests bereits vor der Verordnung der Arbeit fern), womit das Startdatum der nunmehr doch 10-tägigen Quarantäne der Tag der Verhängung derselben wäre. Beide Varianten erscheinen mir aber unlogisch und im Widerspruch zu den geltenden Regelungen, da die Quarantänedauer somit von der Arbeitsgeschwindigkeit der Labore bzw. des Departements für Gesundheitsvorsorge, nicht aber vom tatsächlichen Verlauf der Krankheit abhängig wäre. Angenommen jemand entwickelt – so wie ich – am 20. Oktober 2020 Symptome. Labor und Department reagieren blitzschnell. Der Patient wird noch am selben Tag getestet und am 21. Oktober in 10-tägige häusliche Quarantäne versetzt, so würde dieser Jemand – vorausgesetzt er ist drei Tage symptomfrei – bereits am 30. Oktober das Haus wieder verlassen dürfen. Also paradoxerweise exakt an jenem Tag, an dem meine 10-tägige Quarantäne erst begann. Diese dauerte dann (Symptombeginn 20. Oktober wohlgemerkt) bis zum 8. November. Epidemiologisch ist das unsinnig, da man davon ausgeht, dass symptomatische Patienten zwei Tage vor bis maximal 10 Tage nach Auftreten der Symptome infektiös sind. Als ich in Quarantäne versetzt wurde, war ich aller Wahrscheinlichkeit nach – und wie auch mein CT-Wert von 35 nahelegt – nicht mehr ansteckend.

Der Ausstieg aus der Quarantäne gestaltete sich jedoch noch chaotischer, verwirrender und komplizierter. 

In unserer Quarantäneverordnung steht geschrieben:

sollte die Quarantäne verlängert werden müssen, wird diese nach Vorliegen von zwei aufeinander folgenden negativen Abstrichen eingestellt.

Unter welchen Voraussetzungen die Quarantäne verlängert wird steht nirgends. Aus der amtlichen Mitteilung geht nicht hervor, ob die Quarantäne am 8. November automatisch endet oder ob es dafür einen – oder zwei? – negative Tests braucht. Überdies war zum Zeitpunkt der Verhängung unserer Quarantäne obiger Satz – einer Recherche meinerseits zufolge – nicht mehr aktuell. Es bedarf mittlerweile nämlich nur mehr eines negativen Tests. Das amtliche – und nach meinem Verständnis einzig relevante – Dokument, das unsere Quarantäne rechtfertigt, enthält somit Falschinformationen und enthält den Betroffenen gleichzeitig wichtige Informationen vor.

Im Zuge der Verhängung der Quarantäne wurden wir informiert, dass die ganze Familie vor Beendigung derselben am 6. November getestet werden soll. Ich ein zweites Mal. Für meine Frau und meine Kinder wäre es der erste Test. Wir wurden freilich nicht am 6. November getestet. Stattdessen kam am Nachmittag dieses Tages ein Anruf, dass wir nun für den 7. November am Vormittag vorgemerkt seien. Ich bemerkte vorsichtig, wie sich das ausgehen soll, wenn die Quarantäne am 8. November ausläuft und man das Testergebnis meist erst nach 48 Stunden bekommt. Die Stimme am anderen Ende der Leitung meinte: “Hoffen wir, dass es schneller geht.”

Nach 40 Minuten in der Schlange vor der Drive-in-Station wurden wir am 7. November getestet und erhielten abermals den zweisprachigen Zettel mit einem Sticker auf dem einsprachig stand: Ritiro il: 12-11-2020

Die Auswertung ging dann doch schneller als angekündigt, aber leider nicht schnell genug. Wir konnten das Testergebnis (datiert auf 9. 11. um 00:01 Uhr) am Vormittag des 9. November online abrufen. Frau und Kinder waren negativ, sind aber an diesem Tag Arbeit, Schule bzw. Kindergarten ferngeblieben, denn ich war überraschenderweise weiterhin positiv (diesmal ohne CT-Wert, da die Auswertung in Südtirol und nicht in Innsbruck erfolgte). Nun war wieder einmal guter Rat teuer. Ich starte also einen weiteren Anrufmarathon. Ohne Erfolg. Weder die zuständige Stelle in Bozen, noch jene in Brixen ist erreichbar. Nach Rücksprache mit dem Hausarzt teilt dieser zum wiederholten Male mit, dass wir auf den Anruf des S.I.S.P. (Anm.: Betrieblicher Dienst für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, deutsches Akronym gibt es keines) warten und zu Hause in Quarantäne bleiben müssten.

Ein Blick auf die Internetseite des Sanitätsbetriebes bestätigt diese Information. In den FAQ auf www.sabes.it steht:

Was muss ich tun, wenn der Abstrich positiv ist?
Dann werden Sie so bald wie möglich vom Departement für Gesundheitsvorsorge verständigt, das Ihnen die Isolationsverfügung übermittelt und Ihnen alle weiteren Informationen gibt. Bis der Anruf kommt, müssen Sie und Ihre Familienmitglieder in Isolation bleiben.

Andererseits soll es aber auch ein Rundschreiben der Sanitätsdirektion vom 9. Oktober geben, in dem den Hausärzten geraten wird, ärztliche Atteste auch für asymptomatische Personen, welche als enger Kontakt eines positiv Getesteten gelten, in Erwartung der Quarantäneverfügung durch das Departement für Prävention gleich auszustellen. Ob das auch gilt, wenn sie gerade negativ getestet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch ist mir nicht klar, ob die Empfehlung auch für die positiv Getesteten selbst gilt.

Da meine Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme am 9. November erfolglos blieben, habe ich noch am Vormittag ein E-Mail an coronavirus@sabes.it mit der Bitte verfasst, uns zu kontaktieren und aufgrund meines neuerlichen positiven Tests eine Verlängerung der Quarantäne auszusprechen. Auf diese Nachricht habe ich bis heute (15. November) keine Antwort erhalten.

Am Mittwoch, den 11. November, schicken wir die Kinder auf Basis einer Information der Kinderärztin, wonach Angehörige, die Kontakt mit positiv Getesteten hatten, nach 10-tägiger Quarantäne mit negativem Test bzw. generell nach einer 14-tägigen Quarantäne wieder außer Haus dürfen, in Schule und Kindergarten.

Auch meine Frau wollte mit Mittwoch wieder ihrer Arbeit nachgehen, hatte aber das Problem, dass sie für Montag und Dienstag noch eine Bestätigung für ihr Fernbleiben brauchte. Neuerlicher Anruf beim Hausarzt. Dieser verweist abermals auf den Anruf des Sanitätsbetriebes. Nach dem Hinweis meiner Frau auf die Information, die wir von der Kinderärztin haben, räumt der Hausarzt ein, dass es sein könnte, dass meine Frau auch bereits am Montag hätte arbeiten gehen können, was aber schwer möglich war, da wir ja das Testergebnis erst am Montag (9. 11.) im Laufe des Vormittages abgerufen haben – vom ausstehenden Anruf des Sanitätsbetriebes einmal ganz abgesehen. Offiziell angekündigt war das Ergebnis ja ohnehin erst für den 12. November und Betroffene sind wohl nicht verpflichtet, vor diesem Datum alle Bitt-für-uns im Internet zu checken, ob das Resultat nicht vielleicht doch schon früher verfügbar sei.

Der Hausarzt – der sich ebenfalls über die mangelnde Erreichbarkeit der Verantwortlichen beim Sanitätsbetrieb beklagte – schlug vor, meine Frau rückwirkend Montag und Dienstag krank zu schreiben und sie mit Mittwoch aus der Quarantäne zu entlassen. Bei einem neuerlichen Anruf um die Protokollnummer der Krankheitsbescheinigung für den Arbeitgeber zu erfahren, stellte sich heraus, dass eine rückwirkende Krankschreibung über zwei Tage nicht möglich und dass generell bei einer rückwirkenden Krankschreibung auch der Folgetag zu berücksichtigen sei. Also wurde meine Frau Dienstag und Mittwoch krank geschrieben. Den Montag ist sie – ohne die Verordnung aus Bozen – also arbeitsrechtlich unrechtmäßig zu Hause geblieben, obwohl wir nur den Anweisungen des Hausarztes und den Informationen auf der Internetseite des Sanitätsbetriebes auf Punkt und Beistrich gefolgt sind. Sie hätte ja auch positiv sein können.

Meine Situation ist weiterhin unklar. Für mich steht aber fest, dass meine Quarantäne verlängert werden muss. Erstens, weil ich einen weiteren positiven Test habe, und zweitens weil man, um trotz eines positiven Tests nach 21 Tagen Quarantäne von der Isolation befreit zu sein, mindestens eine Woche symptomfrei sein muss. Und das bin ich nicht. Jedenfalls nicht hundertprozentig frei von jenen Symptomen, die der Sanitätsbetrieb im Rahmen der Quarantäne bis zum 8. November bei mir mittels automatischen Anrufs abgefragt hat und welche ich ihm per Tastendruck bestätigt habe:

  • Fieber (morgens, nachmittags)
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Atembeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Bindehautentzündung
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen
  • Unwohlsein oder Erschöpfung
  • Durchfall
  • fehlender Geschmackssinn
  • fehlender Geruchssinn

Kleines Detail am Rande: Der automatisierte Anruf fragt um 8 Uhr morgens, ob man heute Nachmittag Fieber hatte.

Am Mittwochnachmittag habe ich dann endlich den Hygienedienst Brixen erreicht. Eine sehr freundliche deutschsprachige Frau kann mir aber nur zwei Dinge definitiv bestätigen: Ich muss derzeit mit meinem positiven Ergebnis in Erwartung des Anrufs aus Bozen in Quarantäne bleiben und nach 21 Tagen – vorausgesetzt ich habe seit sieben Tagen keine Symptome mehr – darf ich raus, auch wenn ich noch positiv sein sollte. Ob Frau und Kinder mit ihrem negativen Test aus der Quarantäne entlassen sind, dürfe nur Bozen und nicht sie entscheiden. Auch die notwendigen arbeitsrechtlichen Dokumente für mich und meine Frau erhalte ich nur vom zentralen Department für Gesundheitsvorsorge.

Als sich am Donnerstag, 12. November, also jenem Tag, für den unser Testergebnis offiziell angekündigt war, immer noch niemand gemeldet hatte, habe ich – um mich abzusichern – von meiner PEC-Adresse aus ein E-Mail an igiene-bz@pec.sabes.it (für Mehrsprachigkeit hat es da nicht mehr gereicht) und coronavirus@sabes.it verfasst, in dem ich um umgehende Rückmeldung und Ausstellung der notwendigen Dokumente bitte. Auch dieses Schreiben wurde bislang ignoriert.

Ungeachtet dessen, was da noch kommt, werde ich mich morgen Montag, den 16. November, nach 28 Tagen selbst aus der Quarantäne befreien, denn ich bin seit sieben Tagen symptomfrei und habe mindestens 21 Tage abgesessen.

Zusammenfassend halten wir fest:

  • Die Dauer der ersten Quarantäneverordnung ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Beginnzeit dieser ebenso wenig.
  • Amtliche Dokumente enthalten fehlerhafte und veraltete Informationen und Grammatik- bzw. Syntaxfehler, die die Verständlichkeit zusätzlich erschweren. Ein angekündigter eingeschriebener Brief mit dem Original der Quarantänemitteilung ist nie angekommen.
  • Wir wurden zwecks Aufhebung der Quarantäne nicht rechtzeitig getestet, auf dass das Ergebnis zum erforderlichen Zeitpunkt zur Verfügung gestanden wäre. Mehr noch – wir wurden nach meinem zweiten positiven Test bis heute nicht wie vom Protokoll vorgesehen kontaktiert und in Quarantäne versetzt. Das war vor acht Tagen (!).
  • Es war mir unmöglich, rechtskonform zu agieren, denn entweder breche ich die Quarantänevorschriften oder ich missachte meine arbeitsrechtlichen Verpflichtungen. Ich habe bis dato kein Dokument, das mein Fernbleiben von der Arbeit seit dem 9. November rechtfertigen würde, bin aber laut den geltenden Regelungen verpflichtet, in Isolation zu bleiben, weil ich mich ansonsten strafbar machen würde.
  • Das Department in Bozen war bei geschätzten 100 Versuchen, einen telefonischen Kontakt herzustellen, nicht erreichbar.
  • Bislang wurden weder meine schriftlichen E-Mail-Anfragen, noch mein Schreiben über die PEC-Adresse beantwortet.
  • Wenngleich es im Rundschreiben des Sanitätsbetriebes heißt “Auch die Verwendung der Immuni-App zur Unterstützung bei der Ermittlung von Kontaktpersonen wird empfohlen”, ist mein Fall nie an die App weitergeleitet worden, obschon ich schriftlich und mündlich darauf hingewiesen hatte, dass ich die App installiert habe.

Dieses organisatorische Totalversagen richtet zusätzlich zu den massiven Problemen, die von den Einschränkungen bis hin zu den Lockdowns herrühren, enorme gesundheitliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden an. Menschen sind länger in Isolation, als es notwendig wäre. Unternehmen können nicht auf benötigte Arbeitskräfte zurückgreifen. Kommunikationskanäle sind durchgehend – auch für dringendere Fälle – blockiert und Ressourcen unnötig gebunden.

Obige Probleme sind großteils völlig unabhängig von der Verfügbarkeit medizinischen Geräts oder Personals, sondern sind rein organisatorischer, logistischer und kommunikationstechnischer Natur. Zur Behebung dieser Probleme braucht es auch kein hochspezialisiertes Personal. Es braucht einfach nur Leute, die ein standardisiertes Prozedere (welches es offenbar nicht gibt, denn ich wurde nie im Detail nach meinen Kontakten, der Immuni-App oder dem genauen zeitlichen Verlauf meiner Infektion gefragt) am Telefon mit den Betroffenen abarbeiten, die entsprechenden Daten erheben, E-Mail-Anfragen beantworten und bei der Immuni-App einen Code eingeben und ein Häkchen setzen.

Mehr noch, durch das vorherrschende Chaos werden wertvolle zeitliche und fachliche Ressourcen vergeudet, weil die betroffenen Menschen in Quarantäne auf allen nur möglichen Wegen – nur nicht, weil unmöglich, dem klar vorgegeben – versuchen, Informationen zu erhalten, und dann die eine Hand nicht mehr weiß, was die andere tut. Hausärzte und anderes Gesundheitspersonal muss sich in der Folge zwangsläufig und zeitraubend mit Dingen beschäftigen, für die sie eigentlich nicht zuständig sind und bezüglich derer sie auch keine Entscheidungsbefugnis haben. Dabei hätten sie Wichtigeres zu tun. Die Folge ist ein Teufelskreis, in dem das System immer noch schwerfälliger und ineffizienter wird.

Und sollte ich nicht rückwirkend die notwendigen Dokumente bekommen, die meine zusätzliche einwöchige Abwesenheit von meinem Arbeitsplatz rechtfertigen, kann ich Sanitätsdirektor Bertoli trotz seiner “angemessenen Performance” garantieren, dass ich extrem ungemütlich werde.

P.S.: So eine Covid-Erkrankung ist kein Spaß. Es beginnt wie ein grippaler Infekt (zumindest bei mir war das so), zieht sich dann aber über längere Zeit mit einem ziemlichen Symptomdurcheinander hin. Man ist stellenweise extrem erschöpft, schläft übermäßig viel und kommt einfach nicht in die Gänge. Ich hab mich selten zuvor so eigenartig gefühlt. Mittlerweile – nach fast einem Monat – geht es wieder einigermaßen, wenngleich ich schnell außer Puste bin. Ist aber auch kein Wunder.

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Gesundheit: Abstimmung mit den Füßen.

An der Qualität des Südtiroler Gesundheitswesens habe ich einiges zu kritisieren, gerade im Umgang mit der Corona-Pandemie — wiewohl ich selbst derzeit bei der Behandlung einer Krankheit sehr gute Erfahrungen mit dem Sabes mache, wenn ich von den Problemen mit der Zweisprachigkeit absehe.

Im Zusammenhang mit der Neubewertung der Essentiellen Gesundheitsleistungen (die sogenannten LEA) hat es jedoch von bestimmten Kreisen aus eine Art konzertierten Generalangriff auf unser Gesundheitswesen gegeben, das ihm so meiner Meinung nach nicht gerecht wird.

Unter anderem behauptet ein Mitglied der Sechserkommission in den sozialen Medien allen Ernstes, dass Südtirol im Vergleich mit Kalabrien »ein gutes Unentschieden« erzielen würde. Wie vielleicht nicht alle wissen, steht das desaströse Gesundheitswesen der süditalienischen Region schon seit langem unter kommissarischer Verwaltung.

Noch 2013 rangierte die öffentliche Gesundheitsversorgung in Südtirol laut einer Studie der Universität Göteborg an neunter Stelle von 172 europäischen Regionen. Kalabrien kam auf Rang 170.

Und sieben Jahre später soll der ganze Vorsprung verspielt sein?

Auf der Suche nach den neu veröffentlichten LEA (2018) bin ich vor wenigen Tagen zufällig auch auf offizielle Daten zur Patientenmobilität (2018) zwischen den Regionen im Staate gestoßen. Ich habe sie nun grafisch aufbereitet und gebe sie hier wieder, da sie — im Sinne der sogenannten Abstimmung mit den Füßen (nach Tiebout) — meiner Meinung nach auch etwas über die Qualität des Gesundheitswesens aussagen:

Von den 21 regionalen und Landesgesundheitssystemen in Italien sind unterm Strich zwölf von einer — teils massiven — Abwanderung betroffen. Bewohnerinnen der Regionen Kampanien, Kalabrien, Sizilien und Apulien begeben sich in großer Zahl in andere Regionen, um sich behandeln zu lassen. Das angeblich so miserable Südtiroler Gesundheitswesen zieht dagegen (wie acht weitere) mehr Patientinnen an, als auf der Suche nach Gesundheitsversorgung von hier nach anderswo gehen.

Setzt man die absoluten Daten in Proportion zur Patientenanzahl, wird deutlich, dass Kalabrien verhältnismäßig die Region mit der weitaus größten »Abwanderung« ist: 20% lassen sich auswärts versorgen. Vor allem die Emilia Romagna, die Lombardei und die Toskana ziehen bedeutende Anteile an Menschen aus anderen italienischen Regionen an.

Die Wanderungsbewegungen können selbstverständlich die unterschiedlichsten Gründe haben. Besonders aus kleineren Regionen (zu denen auch Südtirol gehört), wo nicht alle Gesundheitsleistungen überhaupt angeboten werden können, müssen Patientinnen mitunter zwangsläufig auf größere Krankenhäuser in angrenzenden Gebieten verwiesen werden.

Das Narrativ jedenfalls, wonach die Südtirolerinnen etwa aufgrund von langen Wartezeiten massenhaft in andere Regionen »flüchten« müssen, scheint sich durch die Zahlen nicht zu bestätigen.

Das nahe Trentino hat übrigens ein negatives Wanderungssaldo. Im direkten Vergleich zeigt sich sogar: Es lassen sich deutlich mehr Menschen aus dem Trentino hier bei uns behandeln als anders herum. Das wäre wohl kaum der Fall, wenn wirklich alles so schlecht wäre, wie es manche aufgrund der (unvollständigen) LEA-Daten darstellen möchten.

Und die Behauptung, das hiesige Gesundheitssystem sei auf kalabrischem Niveau, ist natürlich totaler Schwachsinn.

Siehe auch:

Comparatio Föderal+Regional Gesundheit Service Public Umfrage+Statistik | | | Social Media | Aoûta-Aosta Friaul-Friûl Italy Lombardia Sardigna Sicilia Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Sabes | Deutsch

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Medien, Zahlenkünstler und Fehlerkultur.
Zwei Episoden aus der Coronakrise

Gestern publizierte RAI Südtirol auf seinem Newsportal einen Artikel über die hohe 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner bezüglich Coronafälle in Südtirol. Unser Land läge mit einem Wert von 798 an der Spitze Italiens und das Virus verbreite sich hierzulande zehnmal schneller als im benachbarten Bundesland Tirol, wo die Inzidenz bei 65 liege.

65? Really? Ein kurzer Blick auf das österreichische AGES-Dashboard zeigt, dass die 7-Tage-Inzidenz im Bundesland Tirol bei 680,8 pro 100.000 Einwohner liegt, also fast genauso schlecht wie in Südtirol. Am besten schneidet noch der Bezirk Reute mit 298,4 ab. Im Bezirk Schwaz liegt die Inzidenz bei satten 1248,7!

Heute ist der Hinweis auf den Euregio-Partner im Norden gänzlich aus dem Artikel verschwunden.

Fehler können natürlich passieren, wenngleich das RAI-Portal was die Orthographie anbelangt das “Kann-passieren-Maß” regelmäßig maßlos überschreitet. Gerade in Sachen Corona-Pandemie sollte aber ganz besonderes Augenmerk auf die Richtigkeit der Zahlen gelegt werden, da ohnehin schon sehr viel Verwirrung gestiftet und auch Schindluder damit getrieben wird.

Auch hat sich die Redaktion der RAI nicht im Sinne einer professionellen und transparenten Fehlerkultur dazu entschieden, den Fauxpas offen zu korrigieren, wie das in vielen Qualitätsmedien üblich ist. (“In einer früheren Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise …”). Stattdessen hat man den korrigierten Artikel wie auch die dazugehörigen Social-Media-Verweise einfach neu hochgeladen und die alten inklusive User-Diskussion gelöscht.


Einen viel abenteuerlicheren Fauxpas hat sich allerdings der österreichische Privatsender des Red-Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz, Servus TV, vor kurzem geleistet. Inhalt des dreiminütigen Beitrages war ebenfalls die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner.

In dem Bericht heißt es wörtlich:

Die offizielle Coronaseite des Bundes zeigt für den Salzburger Bezirk einen Wert von gut 455 Fällen (Anm.: 455 ist keine Fallzahl, sondern die Inzidenz). Diese Fälle gibt es aber zum großen Teil in Wirklichkeit gar nicht. Tatsächlich hat es im Tennengau in den letzten sieben Tagen nämlich nur 275 positive Tests gegeben. Der Rest der ausgewiesenen Fälle existiert nur in der Statistik.

Der Sprecher fährt dann fort, wie absurd und irreführend diese Berechnungen seien. Dies gipfelt in der Aussage über die 900-Seelen-Gemeinde Hüttschlag, wo zur Zeit der Ausstrahlung des Beitrags sieben Personen positiv auf SARS-CoV-2 getestet waren:

In der 7-Tages-Inzidenz (sic) ergibt das einen Horrorwert von 770 Fällen, von denen es 763 gar nicht gibt.

Wie es möglich ist, dass so ein hirnverbrannter Schwachsinn durch die Qualitätskontrolle des Senders kommt und somit auf Sendung gehen kann, bleibt wohl das Geheimnis der Redaktion. Vielleicht steckt hinter diesem Bericht aber auch gezielte Manipulation und Propaganda, denn es ist kaum vorstellbar, dass niemand im Umfeld dieses Beitrages den Unterschied zwischen relativen Bezügen und absoluten Werten (Mathematiklehrstoff der 5. oder 6. Schulstufe) versteht. Servus TV hat sich nämlich in der Vergangenheit als Sprachrohr der sogenannten “Coronaleugner” (furchtbares Wort) hervorgetan.

Jedenfalls ging der Beitrag innerhalb kurzer Zeit in den sozialen Medien viral. Der Grundtenor der hunderten Kommentare auf einschlägigen Facebookseiten war: “Wahnsinn, mit welch dreckigen Tricks die Regierenden manipulieren und die ‘Plandemie’ pushen”. Die wenigen, die vorsichtig bemerkten, dass die 7-Tage-Inzidenz ein relativer Wert ähnlich einer Prozentzahl zum Zwecke der Vergleichbarkeit sei, nur halt mit einer anderen Grundzahl und dass man die Werte nicht losgelöst von eben dieser als absolute Zahlen sehen dürfe, wurden sofort als “Kurz-Wähler” oder “nicht selbst denkend” enttarnt. Die “Nicht-Kurz-Wähler” und “Selbstdenkenden” hingegen zelebrierten in Überlegenheitsmanier munter weiter ihre eigene Dummheit. Eine Diskutantin antwortete mir auf meinen Hinweis, dass es sich um relative und nicht absolute Zahlen handle, dass sie den Unterschied zwischen diesen durchaus verstünde:

danke aber ich kenne den unterschied […] denkst du es ist richtig aufgrund relativer zahlen maßnahmen zu erlassen?

Meine Antwort darauf:

aufgrund welcher zahlen denn sonst? aufgrund der absoluten?
natürlich müssen die maßnahmen aufgrund relativer zahlen erlassen werden. alles andere ist schwachsinn, wie eben der obige bericht.
beispiel: ein dorf mit 1000 einwohnern hat 500 positive fälle (50 % oder 50.000 pro 100.000 einwohner). und nehmen wir an, wien (1,9 mio. ew.) hätte 2000 positive fälle. dann wäre wien in absoluten zahlen stärker betroffen als das dorf, da vier mal so viele positive. doch die lage in besagtem dorf ist zig mal dramatischer, weil dort 50.000 pro 100.000 infiziert sind (also die halbe bevölkerung) und in meinem hypothetischen fall in wien nur 105 pro 100.000 einwohner (also nur rund 0,1 % der bevölkerung).

Sie entgegnete wiederum:

ich befürchte wirklich das (sic) du das ernst meinst…

Exkurs: Verwunderlicherweise witterte niemand von den Schlaumeiern einen Skandal in der Tatsache, dass die Inzidenz im Tennengau damals eigentlich 455,5 und nicht 455 Fälle (pro 100.000 Einwohner) betrug und es ja halbe Coronafälle gar nicht geben dürfte. Vielleicht sollte jemand Servus TV diesbezüglich einen Hinweis geben, dass sie da etwas ganz Großes aufdecken könnten.

In jenen Journalistenkreisen, die der Grundrechnungsarten fähig sind, und bei Factcheckern löste der Bericht heftige Kritik aus. Es dauerte aber ganze acht Tage bis Servus TV den Beitrag heimlich, still und leise aus der Mediathek nahm. Entschuldigung? Richtigstellung? Fehlanzeige.

Siehe auch:    

Faktencheck Gesundheit Medien Wissenschaft | Coronavirus Medienkritik Zitać | | Rai Social Media | Nord-/Osttirol Österreich Südtirol/o Tirol | Euregio Land Südtirol Sabes | Deutsch

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Il Covid e la carenza di medici.
Quotation 636

Mancano quindi 30 medici e 150 infermieri per portare a 80 i posti letto in Rianimazione ed evitare, anche così, il collasso della Sanità altoatesina e, con esso, un lockdown totale.
Alcune domande nascono spontanee: perché queste rivelazioni proprio adesso? Perché l’allarme non è stato lanciato prima? È stato fatto tutto il possibile per trovate [sic] il personale? In che modo è stato cercato? È stato chiesto aiuto al Ministero? Giunta provinciale e Presidente sapevano? Di questa situazione critica è stato informato il Consiglio, i sindacati, soprattutto quelli di categoria, il mondo economico, gli ordini professionali?

Da un post odierno di Luca Crisafulli su Facebook. L’avvocato è membro della Commissione dei sei in quota M5S.

Le domande dell’avv. Crisafulli sono molto interessanti. Come forse lo sono anche le seguenti:

  • Dove si trovano medici e infermieri in tempi di pandemia, quando praticamente tutto il mondo ne è alla ricerca?
  • Forse se l’ex ministra della salute (M5S) non avesse dato la caccia ai medici che non parlano l’italiano qualche medico in più poteva esserci?
  • Che cosa ha fatto la Commissione dei sei per trovare una soluzione per i medici di cui al punto precedente?

Vedi anche:

Discriminaziun Gesundheit Gewerkschaften Politik Service Public | Coronavirus Quote | | Social Media | Südtirol/o | 5SB/M5S Land Südtirol Sabes Sechser-/Zwölferkommission | Italiano

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Ancora disinformazione sui LEA.

Prendo spunto dall’articolo che vergognosamente mi sono visto obbligato a ritirare, per tornare comunque a occuparmi dei Livelli essenziali di assistenza (LEA) sanitari. Infatti, in seguito alla recente pubblicazione dei dati riferiti al 2018 da parte del Ministero della salute, in rete stanno nuovamente circolando fake news sui risultati del Sudtirolo.

Diffondere inutilmente falsità sul nostro sistema sanitario in tempi di pandemia non mi sembra però proprio una buona idea, foss’anche solo per non allarmare ulteriormente la popolazione.

La falsa «notizia» — oltrettutto vecchia, su dati del 2017 — messa in circolazione dai soliti noti era già stata oggetto di un nostro approfondimento qui.

E la situazione non cambia nemmeno per quanto riguarda i dati più recenti, relativi appunto al 2018: il punteggio conseguito dal Sudtirolo (o dalla Valle d’Aosta) è basso soprattutto perché non è soggetto a valutazione e quindi, non essendo tenuto a farlo, non ha fornito al ministero tutti i dati:

Estratto dal rapporto ufficiale LEA del Ministero della salute, freccia aggiunta da me.

Il relativo obbligo, comunque discutibile, scatta anche per le regioni (e provincie) autonome solo dal 2020.

Certo, è lecito criticare, anche aspramente, il fatto che il Sudtirolo (ribadisco: non essendo obbligato a farlo), diversamente dal Trentino, non abbia fornito tutti i dati al ministero.

Oppure, sulla base di quei dati che sono pervenuti e risultano critici (coperture vaccinali, assistenza ai disabili, parti cesarei nelle strutture piccole), si potrebbe intavolare una seria discussione, atta a comprendere e a migliorare la situazione. Sappiamo che effettivamente c’è un problema con la copertura vaccinale. Ma per quanto riguarda i disabili: siamo sicuri che il dato negativo non sia dovuto a una diversa organizzazione dei servizi — che non viene rilevata dai criteri, molto ristretti, delle griglie LEA — rispetto alle regioni a statuto ordinario? Oppure, per quanto concerne i parti cesarei: potrebbe forse trattarsi di una deviazione statistica dovuta alla preponderanza di strutture piccole? In generale, infatti, mi risulta che il Sudtirolo sia tra i territori che meno ricorrono al cesareo.

Per quanto riguarda i dati non pervenuti (percentuale anziani trattati in assistenza domiciliare integrata, numeri di posti equivalenti per assistenza agli anziani in strutture residenziali, numero assistiti presso i dipartimenti di salute mentale) andrebbe fatta una valutazione ancora più differenziata e puntuale.

Quel che però non serve a niente, se non a diffondere falsità e incertezze, è seminare inutilmente il panico o ingaggiare discussioni del tutto sterili. A maggior ragione in tempi come questi.

Vedi anche:

Faktencheck Gesundheit Umfrage+Statistik Zentralismus | | | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Italiano

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Wozu eine kommissarische Verwaltung?
Nach dem Scheitern von Paul Rösch

Mir ist ehrlich gesagt nicht klar, wozu in Gemeinden, in denen nach Wahlen keine Ratsmehrheit zustande kommt, eine Kommissärin nötig sein soll. Wäre es nicht besser und auch aus demokratischer Sicht sinnvoller, wenn die scheidende Bürgermeisterin, ihr Ausschuss und der Rat ihre Ämter bis zur Neuwahl mit eingeschränkten Befugnissen weiter ausübten?

Bei staatlichen Regierungen ist dies der Fall und bezüglich der Landesregierung dürfte dies — wiewohl sich die konkrete Regelung meiner Kenntnis entzieht — nicht anders sein.

Warum also auf kommunaler Ebene eine Beamtin ernennen, die die Funktionen von Bürgermeisterin, Ausschuss und Rat in einer Person vereint und ausübt?

Hinzu kommt ferner, dass das im Falle von größeren Gemeinden zuständige Regierungskommissariat eine Ernennungspraxis an den Tag legt, die eine angemessenen Sensibilität für die Besonderheiten Südtirols (Mehrsprachigkeit, Autonomie etc.) völlig vermissen lässt.

Welchen Sinn hat es denn, dass aus dem Bozner Herzogspalast ein Michele Penta für die Landeshauptstadt (2015-16) oder jetzt mit Anna Bruzzese eine ehemalige Präfektin zur Kommissärin für Meran ernannt wird? Ihrem Curriculum zufolge kann sie Schulkenntnisse (!) in Französisch, Spanisch und Englisch, aber keinerlei Deutschkenntnisse vorweisen.

Dass gewählte Vertreterinnen nicht zweisprachig sein müssen, kann ich gerade noch nachvollziehen. Doch warum zwar die Pförtnerin, nicht aber die Beamtin, die Bürgermeisterin-Ausschuss-Rat vertritt einen Zweisprachigkeitsnachweis benötigt, ist unverständlich.

Das ist insgesamt ein aus der Zeit gefallenes, nicht zuletzt pseudokoloniales Verwaltungsverständnis, wonach — wenngleich provisorisch — eine ortsfremde Person ohne Kenntnisse der lokalen Begebenheiten die Amtsgeschäfte genauso gut (womöglich gar: besser) führen kann, wie jemand, der mit den Verhältnissen vor Ort vertraut ist. Kein ausschließlich auf Südtirol angewandtes Prinzip, das aber hierzulande ganz besonders absurd anmutet.

Es wäre wohl an der Zeit, dieses Vorgehen zu ändern und wenigstens die Ernennungsbefugnis (wie schon für die kleineren Gemeinden) auf das Land zu übertragen. Dort — beim Land — herrscht immerhin so viel Sensibilität vor, dass als kommissarische Verwalterinnen für ladinische Gemeinden in der Regel Personen aus Ladinien ernannt wurden.

Im Grunde jedoch wäre das gesamte System zu überdenken und die Idee der kommissarischen Verwaltung an sich zu überwinden. Wie sind ähnliche Fälle im benachbarten Ausland geregelt?

Siehe auch:

Föderal+Regional Politik Zentralismus | Bilinguismo negato Gemeindewahl 2020 | Paul Rösch | | Südtirol/o | Land Südtirol Regierungskommissariat | Deutsch

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BBD

Covid: Einsprachige Einreise.

Wer aus dem Ausland auf italienisches Staatsgebiet — und somit auch nach Südtirol — einreisen möchte, braucht dafür derzeit wieder eine Eigenerklärung. Im Frühling gab es dafür auch eine deutschsprachige Vorlage.

Jetzt verweist das Land für sämtliche Einreiseinformationen von seinem Covid-Portal nur noch auf die Seite des italienischen Außenministeriums:

Das entsprechende Webportal gibt es nur auf Italienisch, Englisch und Arabisch. Von den regionalen Amtssprachen ist wie so oft keine Spur:

Und selbst auf der englischen Version der Seite sind fast alle Informationen, einschließlich der FAQs, ausschließlich auf Italienisch vorhanden. Lediglich eine courtesy translation der Eigenerklärung gibt es, doch auch der dazugehörige Anhang ist schon wieder only in italian verfügbar.

Dabei hatten sowohl der Europarat als auch die OSZE schon im Frühling dazu aufgerufen, Minderheiten in der Pandemie zu berücksichtigen:

Quelle: OSZE

Auch dem Land scheint das längst wurscht zu sein. Wie im Frühling eine Übersetzung der entsprechenden Vorlagen anzubieten, hält man jetzt wohl für zu aufwändig. Südtirolerinnen, die über die Schweiz, Nord- oder Osttirol nach Südtirol einreisen, haben keine Sprachrechte mehr — Ausländerinnen sowieso nicht.

Dabei wäre doch genug Zeit gewesen, sich auch in dieser Hinsicht auf die zweite Pandemiewelle vorzubereiten. Doch wie schon bei der Berücksichtigung von Gehörlosen fängt jetzt einfach wieder alles von vorne an, als ob es Corona erst seit zwei Wochen gäbe.

Ein einziges Trauerspiel.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Grenze Minderheitenschutz Plurilinguismo Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Südtirol/o | Europarat Land Südtirol OSZE | Deutsch