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Es ist vollbracht!
Teil 3: Chronik einer SARS-CoV-2-Infektion in Südtirol

Ich schulde euch noch das Ende der Geschichte. Wie berichtet, habe ich mich am 15. November nach 28 Tagen selbst aus der Quarantäne entlassen, da nach meiner neuerlichen positiven Testung am 7. November

  • weder der im Prozedere vorgesehene Anruf von Seiten des Sanitätsbetriebes, noch der eingeschriebene Brief kam;
  • meine Versuche, die zuständigen Stellen telefonisch zu erreichen (insgesamt rd. 100 Anrufversuche) erfolglos blieben;
  • zwei E-Mails und ein PEC-Mail bis heute unbeantwortet blieben;
  • jedoch die mindestens 21 Tage seit Symtombeginn sowie eine symptomfreie Zeit von 7 Tagen verstrichen waren.

Nachdem ich wieder im Dienst war, mir aber die notwendigen Dokumente für mein Fernbleiben die Woche zuvor fehlten, musste ich auch nach Beendigung meiner Quarantäne weiter versuchen, mit dem Departement Kontakt aufzunehmen. Auf Anraten meines Arbeitgebers verfasste ich ein E-Mail an scuolacorona@sabes.it (für Zweisprachigkeit hat es auch da nicht gereicht). Aber auch dieses Mail vom 19. November blieb bis heute unbeantwortet.

Da meine Frau dasselbe arbeitsrechtliche Problem hatte – wenn auch für einen kürzeren Zeitraum – schrieb auch sie am 24. November um halb elf Uhr vormittags ein E-Mail an coronavirus@sabes.it und scuolacorona@sabes.it. Exakt drei Stunden später erreichte sie ein Anruf aus Bozen (was bitte habe ich die ganze Zeit falsch gemacht?) einer freundlichen, deutschsprachigen Frau, die sich für die ganzen Unannehmlichkeiten entschuldigte und die Quarantäne für uns beide rückwirkend verlängerte.

Nebenbei bekam ich noch die Info, dass der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes keines jener Symptome sei, welches für die Verlängerung der Quarantäne relevant wäre. Einen Beleg für diese Aussage habe ich auf den Internetseiten des Sanitätsbetriebes nicht gefunden. Da steht nur, dass man symptomfrei sein müsse, um nach 21 Tagen auch mit positivem Test die Isolation verlassen zu können. Als Covid-Symptome sind aber unter anderen auch der Verlust des Geruchs- und des Geschmackssinnes angegeben. Entsprechend wird dies auch so bei den automatisierten Anrufen abgefragt.

Am selben Tag habe ich dann wieder meinen Hausarzt kontaktiert, da nur dieser die Meldung bei der INPS machen kann, wofür es eben die gerade erhaltene Quarantäneverordnung des Sanitätsbetriebes brauchte. Der Hausarzt konnte die entsprechende Meldung aber nicht durchführen, da das System ihn nicht rückwirkend über eine so lange Zeit eingreifen lässt. Er würde die Unterlagen an die INPS weiterleiten und ich solle nach einiger Zeit bei dieser nachfragen, ob nun alles seine Richtigkeit habe.

Glücklicherweise hat sich mein Arbeitgeber dann bereit erklärt, dies für mich zu übernehmen und sogar im Falle eines negativen Bescheides von Seiten der INPS für die Zeit meines Fernbleibens aufzukommen. Sie würden also für die Unfähigkeit des Sanitätsbetriebes geradestehen. Sollte das der Fall sein, werde ich jedoch nochmals aktiv werden und weitere Hebel in Bewegung setzen, damit das Departement seine Verantwortung übernimmt. Andernfalls aber endet nach über fünf Wochen an dieser Stelle meine Corona-Trilogie.

Zum Glück genieße ich jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach eine Zeit lang eine gewisse Immunität und mir bleibt eine Fortsetzung erspart.

Siehe auch:

Arbeit Bürokratismus Gesundheit Recht Service Public Verbraucherinnen | Coronavirus | | | Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Deutsch

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Gesundheitssystem im hinteren Mittelfeld.
+++ 5SB deckt auf +++

Die 5SB ist wieder einmal etwas ganz Großem auf der Spur: Dem italienischen Blatt ItaliaOggi zufolge liegt das Südtiroler Gesundheitssystem nur an 75. Stelle unter den 107 italienischen Provinzen. Ein wahres Desaster!

Gestriger FB-Eintrag der 5SB

Mehrere Kommentatorinnen unter dem Facebook-Eintrag haben auch schon die Hauptschuldige parat: die Zweisprachigkeitspflicht.

Die muss neuerdings auch im Trentino gelten, denn die Nachbarprovinz mit dem immer wieder als vorbildlich bezeichneten Gesundheitssystem landet laut… ähm… »Studie« von ItaliaOggi gar an letzter Stelle: 107. von 107.

Ob da vielleicht die Kriterien des Rankings etwas durcheinandergeraten sind? Aber nein, bitte nicht zu viel hinterfragen…

Siehe auch:

Gesundheit Plurilinguismo Politik Umfrage+Statistik | | Florian Zerzer Thomas Widmann | Social Media | Italy Südtirol/o Trentino | 5SB/M5S Sabes | Deutsch Italiano

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Riskantes Unterfangen?
Der Zentralismus im Kopf

Die TAZ schreibt heute auf der Titelseite:

Der zweite Sonderweg
Obwohl die römische Regierung Südtirol nach wie vor als rote Zone einstuft, wagt der Landeshauptmann “vorsichtige Öffnungen”. Ein riskantes Unterfangen.

Den ganzen Artikel habe ich zugegebenermaßen nicht gelesen. Doch ich will bewusst diese Darstellung auf Seite 1 kommentieren, weil sie symptomatisch für die Bewertung der Corona-Maßnahmen im Lande ist.

Dass auch ich kein Fan zu schneller — womöglich unüberlegter — Öffnungen bin, habe ich bereits an anderer Stelle dargelegt.

Doch was genau hat das schon wieder mit Rom zu tun? Entweder die epidemiologischen Daten, der politische Wille, die Vorkehrungsmaßnahmen in Südtirol geben (bei aller Unwägbarkeit) eine Öffnung her oder nicht.

Wären wir — nicht nur rechtlich, sondern vor allem im Kopf — autonom, würden wir darüber debattieren, und nicht stets alles im Lichte römischer Entscheidungen betrachten, die zudem äußerst undurchsichtig sind.

Außerdem würden wir uns an den Ländern mit den besten Ergebnissen orientieren und nicht an jenem einzigen, das hier bestimmen würde, wenn wir unsere Autonomie nicht hätten oder nicht wahrnähmen.

Ich selbst bin der Meinung, dass die Landesregierung am Ende des Sommers falsche Entscheidungen gefällt hat, was — im Zusammenspiel mit einem noch immer schlecht vorbereiteten Gesundheitssystem und dem Verhalten vieler Menschen — zur extrem schlechten Lage der letzten Wochen geführt hat.

Die Maßnahmen und das Risiko in Südtirol stets nur aufgrund ihrer Strenge im Vergleich zu jenen Roms zu beurteilen, bringt uns m.M.n. jedoch nicht weiter.

Siehe auch:

Gesundheit Medien Vorzeigeautonomie Zentralismus | Coronavirus Medienkritik Zitać | Arno Kompatscher | TAZ | Italy Südtirol/o | Landesregierung SVP | Deutsch

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Südtirol slappt.
Verheerendes Signal

Die Pressemitteilung der Hohen Kommissärin für Menschenrechte des Europarats, Dunja Mijatović, ist fast einen Monat alt, doch sie ist nach wie vor von höchster und beschämender Aktualität. Es geht um SLAPPs, den Missbrauch der Justiz zum Zweck der Einschüchterung, genauer um »strategische Klagen gegen die öffentliche Partizipation« (strategic lawsuit against public participation).

Neben anderen prominenten Fällen wird in der Aussendung auch Südtirol genannt, wo LR Arnold Schuler (Landwirtschaft, SVP) und zahlreiche Obstbauern gerichtlich gegen das Umweltinstitut München, dessen Agrarreferent Karl Bär (Grüne) und Alexander Schiebel vorgehen.

In Italy, where defamation is still a criminal offence, several journalists have been targeted by malicious lawsuits with the sole aim of silencing them and draining their time and financial resources. One such example is Federica Angeli, a journalist under threat who is known for her thorough investigations into the Mafia, and has had to fight over 120 lawsuits. In another current case in South Tyrol, criminal court proceedings have been brought by the provincial councillor in charge of agriculture and by apple farmers against environmental activists and the publisher of a book denouncing the high levels of pesticide use in the region.

These are just a few examples of abusive lawsuits intended to intimidate and silence critics. Commonly known as “SLAPPs”, these suits pose a significant and growing threat to the right to freedom of expression in a number of Council of Europe member states, perverting the justice system and the rule of law more generally.

SLAPPs: lawsuits with an intimidating effect

Auszug aus der Pressemitteilung vom 27. Oktober 2020. Hervorhebungen von mir.

Die Methoden des Umweltinstituts muss man nicht mögen, doch das ändert nichts daran, dass jene des Landesrats und der Obstbauern in einer modernen Demokratie inakzeptabel sind. Sie machen sich rückständige Besonderheiten des italienischen Rechtssystems zueigen, um Aktivisten einzuschüchtern und mundtot zu machen.

Dass es die Münchner Staatsanwaltschaft abgelehnt hat, das Bozner Gericht in dieser Sache zu unterstützen, spricht Bände und sollte — genauso wie die Pressemitteilung von Mijatović — die Alarmglocken schrillen lassen.

Statt mit offensiver Transparenz, Informationen und einer zeitgemäßen Umweltpolitik zu reagieren, macht sich Südtirol auf internationalem Parkett einen schlechten Namen. Noch gefährlicher ist aber das Signal, das an Aktivistinnen im Land und darüber hinaus ausgesandt wird: wir diskutieren mit euch nicht auf Augenhöhe, sondern führen Prozesse, die für euch sehr teuer werden können.

Siehe auch:

Ecologia Grundrechte Landwirtschaft Medien Transparenz | Zitać | Arnold Schuler | | Deutschland Europa Italy Südtirol/o | Europarat Landesregierung SVP | Deutsch English

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Qaes: Luft- statt Sprachqualität.
Interreg Südtirol-Tessin

Via Twitter bin ich auf ein Interreg-Projekt Italien-Schweiz gestoßen, das sich mit der Luftqualität in Schulgebäuden befasst. Sämtliche Projektpartner stammen — mit Ausnahme des eidgenössischen Klimahaus-Pendants Minergie — aus dem italienischsprachigen Kanton Tessin sowie aus Südtirol:

Welche Rolle bei dem Unterfangen die deutsche Sprache spielt, lässt sich schon am Projektnamen QAES (für Qualità dell’Aria negli Edifici Scolastici) erahnen: kaum eine. Die Südtiroler Mehrheitssprache wird inzwischen immer öfter rücksichtslos marginalisiert — während es natürlich für das Tessin nicht infrage käme, an einem Projekt teilzunehmen, das die italienische Sprache nicht angemessen berücksichtigt.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Interreg-Logo wieder, das die Webseite ziert: Sprachreihung Italienisch-Französisch-Deutsch. Fondo Europeo di Sviluppo Regionale und Unione Europea sogar einsprachig italienisch.

Bis hierher sind es nur Symptome für das, was die Seite sonst noch zu bieten hat:

Da wären die Verastantulgen. Richtig gelesen: Verastantulgen. Neun an der Zahl werden auf der Seite angeführt, wovon drei in Bozen, zwei in Bellinzona und eine in Como. Die restlichen drei sind Webinare.

Doch allesamt — ja: alle neun — haben auf Italienisch stattgefunden.

Dann gibt es da noch: »Deliverables«. Studien, Analysen, Protokolle. Durchgeführt und ausgearbeitet von Eurac, Klimahausagentur, IDM sowie Landesumweltagentur. Alle aus Südtirol, alle öffentlich. Und — erraten! — trotzdem alles einsprachig auf Italienisch.

Zum Schluss noch das i-Tüpfelchen:

Der Projektsitz befindet sich in Bolzano, und zwar in der Piazza della Parrocchia.

Siehe auch:

Ortsnamen Scola Service Public Sprachpfusch Wissenschaft | Bilinguismo negato Italianizzazione | | Social Media | Südtirol/o Ticino | EU Eurac Land Südtirol | Deutsch

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Das Massenscreening in Zahlen.
Beteiligung und Positivitätsrate

“332.410 Südtirolerinnen und Südtiroler haben in den vergangenen Tagen an den Massenschnelltests teilgenommen” tönte es heute Abend durch mehrere Medien. Diese Aussage ist so nicht ganz richtig, denn es wurden nicht nur in Südtirol ansässige Personen getestet. So war es zum Beispiel möglich, dass in Proveis 330 Testungen durchgeführt wurden, obwohl der Ort nur 254 Einwohner hat. Der Grund für die 130-prozentige Beteiligung dürfte wohl gewesen sein, dass Menschen vom nahegelegenen Trentiner Nonsberg die Gelegenheit nutzten, kostenlos und unbürokratisch an einen Test zu kommen. Einige davon durften wohl schon geahnt haben, dass sie sich infiziert haben, denn es wurden 8 positive Befunde ausgestellt und diese bescherten Proveis neben dem höchsten Beteiligungsquorum mit 2,42 Prozent auch noch die höchste Positivitätsrate im Land.

Auf der Internetseite von “Südtirol testet” gibt es praktischerweise eine Tabelle zum Download, in der nicht nur die Tests angeführt sind, die in einem Ort durchgeführt wurden, sondern auch die Zahl der in jedem Ort ansässigen Menschen, die sich testen haben lassen – bisweilen in anderen Orten als der Wohnsitzgemeinde. Durch die Auswertung dieser Zahlen erhält man ein viel realistischeres Bild des Infektionsgeschehens und kann eventuelle Hotspots leichter identifizieren. Für Proveis beispielsweise heißt das, dass sich “nur” 170 der 254 Bürgerinnen testen ließen (66,93 Prozent). Nur eine(r) davon war positiv, was einem Anteil von lediglich 0,59 Prozent (statt 2,42 %) entspricht. Die Gemeinde belegt damit südtirolweit in punkto Beteiligung den 35. und was die Positivitätsrate anbelangt den 81. Platz und nicht den ersten. Ein ziemlicher Unterschied.

Tabellarische Übersicht

61,94 Prozent oder 332.410 der in Südtirol ansässigen Personen haben sich an der Testaktion bislang beteiligt. Schnelltests der kommenden drei Tage werden noch in die Statistik mitaufgenommen. 3035 von diesen (0,91 %) wurden positiv getestet.

Unter den fünf größten Gemeinden sticht Meran mit einer Rate von 1,46 Prozent an positiven Abstrichen hervor. Die fleißigsten Tester waren hingegen die Leiferer.

In 18 Gemeinden wurde das im Vorfeld ausgegebene Ziel von 70 Prozent bereits heute erreicht. Besonders hoch war die Beteiligung in den ladinischen Tälern und im Unterland.

In 25 Gemeinden gingen weniger als 60 Prozent zum Testen. In Altrei und Taufers im Münstertal entschieden sich gar mehr als die Hälfte der Bewohner der Aktion fernzubleiben. Auffallend ist auch, dass die Menschen in der zweitgrößten Stadt Südtirols, Meran, vergleichsweise testfaul waren (55,68 %). Und auch in der Landeshauptstadt (57,97 %) lag der Wert weit unter dem Landesdurchschnitt.

Spitzenreiter bei den positiv Getesteten ist Riffian mit einem Wert von 2,12 Prozent – mehr als das Doppelte des Landesdurchschnitts. Die Städte Glurns, Klausen und Meran sind ebenfalls unter den zehn am stärksten betroffenen Gemeinden.

Vier Südtiroler Gemeinden konnten bei den Screenings keinen einzigen positiven Fall unter ihren Bürgerinnen ausfindig machen: Altrei, Waidbruck, Prettau und Kuens. Ebenfalls niedrige Werte zeigen Gröden und das Unterland, wo die Beteiligung gleichzeitig überdurchschnittlich hoch war.

Siehe auch:    

Faktencheck Gesundheit Medien Recherche Service Public Solidarieté Umfrage+Statistik | Coronavirus Covid-Stats Medienkritik | | | Südtirol/o Trentino | Land Südtirol Sabes | Deutsch

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Logischer Reinfall.
Interpretation der Ergebnisse des Massentests

An dem dreitägigen Massenscreening (sowie an den Antigen-Schnelltestungen am 18. und 19. November) haben 343.227 Menschen (davon 332.410 in Südtirol ansässige Personen) teilgenommen. Das sind rund 62 Prozent der ansässigen Bevölkerung und 64 Prozent, wenn man alle durchgeführten Tests auf die Einwohnerzahl Südtirols bezieht. Die Schnelltests, die in den kommenden drei Tagen durchgeführt werden, sollen zu dieser Quote noch dazugerechnet werden. 350.000 Testungen hatte sich der Sanitätsbetrieb zum Ziel gesetzt. Mit ihrer regen Teilnahme hat die Südtiroler Bevölkerung ein schönes Zeichen der Reife, Mitverantwortung und Solidarität gesetzt.

Unerwarteterweise lag der Anteil der positiv Getesteten nur bei 0,93 Prozent (3185 Personen). Bei den in Südtirol ansässigen Personen waren es 0,91 Prozent (3035 Personen). Sanitätsdirektor Florian Zerzer hatte nämlich im Vorfeld der Aktion sogar bis zu zehn Prozent Positive prognostiziert und von 35.000 Personen gesprochen.

Die Verantwortlichen sind mit ihren Einschätzungen tatsächlich weit daneben gelegen. Dieser Umstand veranlasste UnserTirol24 zur hämischen Schlagzeile “Zerzers Reinfall” und angesichts der niedrigen Positivitätsrate fordern unzählige Kommentatoren in den Online-Foren und sozialen Netzwerken die sofortige Aufhebung sämtlicher Einschränkungen (Geschäfte auf, Masken ab usw.). Sie feiern das Testergebnis und sprechen davon, dass das der Beweis dafür sei, dass die Politik nur Panikmache betreibe.

Also entweder hab ich jetzt einen kompletten Aussetzer und bin einem kolossalen Denkfehler aufgesessen oder aber all jene, die meinen, dass die niedrige Rate ein Grund zum Aufatmen sei, liegen mit ihrer Einschätzung völlig daneben.

Wir können zunächst davon ausgehen, dass das Ergebnis aufgrund der enorm großen Stichprobe einigermaßen repräsentativ ist. Verfälschungen können sich aber durch das Phänomen der Falsch-Positiven und Falsch-Negativen ergeben. Das Ausmaß dessen zu berechnen, überlasse ich den Statistikfreaks.

David Gruber errechnet auf Basis von Sensitivität (96,52 %) und Spezifität (99,68 %) der verwendeten Testkits rund tausend Falsch-Positive und weniger als 100 Falsch-Negative.
Markus Falk hingegen wird auf Salto zitiert, dass er von bis zu 30 Prozent Falsch-Negativen ausgehe, da der Antigen-Schnelltest im Gegensatz zum PCR-Test erst bei einer höheren Virenlast anspricht und Personen, die sich erst kurz vor dem Test infiziert haben somit durch den Rost fielen.

Weiters könnte es sein, dass jene Gruppe von Menschen, die den Hygienemaßnahmen skeptisch gegenübersteht und sich nicht daran hält, und somit ein höheres Infektionsrisiko hat, ziemlich deckungsgleich mit jener ist, die den Test verweigert. Wenn diese Annahme stimmt, würde das die Positivitätsrate etwas erhöhen.

Die hohe Zahl negativer Befunde mag für den jeweils Einzelnen eine gute Nachricht sein, aber was die Rückschlüsse auf die einschränkenden Maßnahmen und die Natur der Krankheit betrifft, ist die niedrige Positivitätsrate doch eine verdammt schlechte Nachricht.

  • Es bedeutet nämlich, dass die Infektion wohl viel gefährlicher ist, als angenommen, weil es das große Heer der Asymptomatischen offenbar gar nicht gibt. Die Zahl der symptomatischen Fälle (Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der derzeit durch PCR-Tests bestätigten 11.624 aktiven Fälle symptomatisch ist.) übersteigt jene der asymptomatischen (Wiederum mit der Annahme, dass der Großteil der bei den Massentests infizierten Fälle asymptomatisch ist, da ja nur solche Menschen an den Tests teilnehmen sollten. Hochgerechnet auf alle Ansässigen wären das 4.900.) derzeit um ein Vielfaches. Wobei wiederum die 11.624 aktiven über einen längeren Zeitraum “gesammelt” wurden, was die Rechnung wieder etwas relativiert. Der Trugschluss “wenige (asymptomatische) Fälle = gutes Zeichen” war bereits bei vorhergehenden großangelegten Testungen (z. B. Grödner Studie zu Antikörpern) medial allgegenwärtig. Meist hieß es bezüglich der Infektionen/Antikörper in den Schlagzeilen: “Dunkelziffer niedriger als befürchtet”. Dabei wäre doch eine hohe Dunkelziffer (also Menschen, an denen die Infektion spurlos vorübergeht/vorübergegangen ist und die man nur durch Massenscreenings findet) ein gutes Zeichen.
  • Es bedeutet auch, dass bereits eine niedrige einstellige Zahl an Infizierten das Südtiroler Gesundheitssystem – wie gegenwärtig der Fall – an seine Belastungsgrenze bringt. Das ist erschreckend. Falls wir eine Situation wie die jetzige hätten, weil 10 bis 20 Prozent aller Südtirolerinnen und Südtiroler infiziert sind, wäre das ein Hinweis darauf, dass es eine hohe Durchseuchung bräuchte, um dem System seine Grenzen aufzuzeigen und dass ein Großteil der Menschen die Infektion unbeschadet und unbemerkt übersteht. Dem ist aber offensichtlich nicht so.
  • Gleichzeitig wird es jetzt wahrscheinlich auch so sein, dass viele dem obigen Trugschluss zum Opfer fallen und die Maßnahmen nicht mehr mittragen wollen bzw. sie nicht mehr einhalten, was zu einer neuerlichen Verschärfung der Situation in den Krankenhäusern führen könnte. (Aber genau um das zu verhindern, veranstalten wir ja diesen Zirkus).
  • Zudem könnten sich die Menschen zu sehr in Sicherheit wiegen. Zwar werden durch die Tests tausende positiv Getestete in häusliche Isolation geschickt, aber dennoch kursieren weiterhin etliche tausend Infizierte – darunter auch Falsch-Negative – unbemerkt.

Der einzig positive Aspekt der Geschichte ist, dass wir die Infektionsketten mit relativ wenigen Menschen in Quarantäne/Isolation durchbrechen und somit – falls die Zahlen in absehbarer Zeit sinken – eine vorsichtige Öffnung in vielen Bereichen wagen könnten. Das frustrierende daran ist wiederum, dass die grundlegende Organisation sowie Kommunikation und in Folge das Contact-Tracing in Südtirol überhaupt nicht funktionieren und wir somit die notwendige, nahezu lückenlose Identifikation und Nachverfolgung positiver Fälle – wenn nicht schleunigst nachgebessert wird – komplett vergessen können.

Siehe auch:      

Feuilleton Gesundheit Medien Service Public Solidarieté | Coronavirus Covid-Stats | Florian Zerzer | Salto Social Media UT24 | Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Deutsch

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Tundo wirds schon wieder.
Schülerinnentransport

Vor gut einem Monat war die Firma Vicenzo Tundo in Südtirol erneut in den Schlagzeilen, weil sie — nicht zum ersten Mal — Monate lang keine Gehälter an ihre Mitarbeiterinnen überwiesen hatte. Ob dies inzwischen geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die Gewerkschaften, die die rund 150 Betroffenen noch am 13. Oktober zu einem Streik aufgerufen hatten, bemängeln zudem die schlechte Wartung der Fahrzeuge.

Trotzdem erhält das süditalienische Unternehmen nun den Zuschlag für den Schülerinnentransport im Wert von fast 30 Millionen Euro.

Die Vergabeprozedur war sogar kurzzeitig ausgesetzt worden, weil Tundo ein verdächtig niedriges Angebot vorgelegt hatte, das wiederum nichts Gutes erahnen lässt.

Warum ist man in Südtirol nicht imstande oder nicht willens, eine Firma, die so oft negativ aufgefallen ist, mit strengen Qualitätskriterien von einer weiteren Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen fernzuhalten?

Siehe auch:

Arbeit Gewerkschaften Mobilität Scola Service Public Soziales | | | | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch